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Peter Scholl-Latour kritisiert naives Menschenbild und deutsche Syrien-Politik

von esther10 , 20.12.2012 15:40

Peter Scholl-Latour kritisiert naives Menschenbild und deutsche Syrien-Politik
Veröffentlicht: 20. Dezember 2012 | Autor: Felizitas Küble

Gegen eine zu optimistische Weltsicht wendet sich der Journalist und Bestsellerautor Peter Scholl-Latour. In einem Interview mit der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA sagte er:

„Das Böse steckt tief im Menschen. Wir leben in einem darwinistisch denkenden Zeitalter. Eine Religion oder Weltanschauung, die davon ausgeht, dass der Mensch von Natur aus gut sei, muss scheitern.“

Der 88 Jahre alte Scholl-Latour hat fast alle Länder der Welt bereist und ist Deutschlands erfolgreichster Sachbuch-Autor. Nach seiner Erkenntnis erlebt die Menschheit ständig neue Ausbrüche des Bösen.

“Patriot-Raketen in die Türkei sind ein Fehler“

Der Schriftsteller kritisierte z.T. auch die deutsche Außenpolitik. Im Umgang mit Schurkenstaaten brauche Deutschland mehr diplomatisches Geschick. So sei es ein Fehler, dass Deutschland Patriot-Raketen in die Türkei schicke, die gegen Syrien aufgestellt werden. Dazu gebe es keinen UNO-Beschluss.

Zwar dürfe man das Assad-Regime in Syrien nicht von seinen Gräueln freisprechen. Es sei jedoch das letzte säkulare Regime in der arabischen Welt und „unendlich liberaler“ als etwa Saudi-Arabien: „Die Christen konnten sich in Syrien frei entfalten, genauso wie es im Irak unter Saddam Hussein der Fall war. Inzwischen ist die Christenverfolgung in Syrien fast so schlimm wie im Irak – aber in Europa will davon kaum jemand etwas wissen.“

Scholl-Latour sprach auch über die religiöse Lage. Die Welt befinde sich „in einer religiösen Gärung“. Eine Ausnahme bilde Europa:

„Machen wir uns keine Illusionen: Europa wendet sich vom Christentum ab, wird agnostisch, aggressiv aufklärerisch, atheistisch. Die Frömmigkeit wird weiter nachlassen und die Verhöhnung der Religion weiter zunehmen.“

“Ich fürchte nicht die Stärke des Islam, sondern die Schwäche des Abendlandes”

Es sei eine Schwäche Europas, dass in ihm immer mehr bekennende Atheisten lebten. Viele evangelische und katholische Geistliche hätten die Jenseitsbestimmung ihres Glaubens und die kirchlichen Lehren dem Zeitgeist geopfert. Sie neigten dazu, das Christentum auf eine humanitäre Philosophie oder auf eine Soziallehre zu reduzieren.

Scholl-Latour: „Ich fürchte nicht die Stärke des Islam, sondern die Schwäche des Abendlandes. Das Christentum hat teilweise schon abgedankt. Es hat keine verpflichtende Sittenlehre, keine Dogmen mehr.“

Zur Frage, welchen Rat er den Kirchen gebe, sagte Scholl-Latour: „Sie sollten bei ihren ursprünglichen Lehren bleiben.“

Quelle: www.idea.de

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