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Historiker kritisiert Luther-Botschafterin Margot Käßmann wegen Legendenverbreitung

von esther10 , 04.01.2013 10:51

Historiker kritisiert Luther-Botschafterin Margot Käßmann wegen Legendenverbreitung
Veröffentlicht: 4. Januar 2013 | Autor: Felizitas Küble
»
Evangelische Theologin ignoriert Ergebnisse der Reformationsforschung

Unter Geschichtsforschern ist seit langem bekannt, daß es den angeblichen Thesen-Anschlag von Martin Luther 1917 nie gegeben hat – und auch sein bekanntes Wort “Hier stehe ich, ich kann nicht anders” hängt historisch völlig in der Luft; es gibt keine zeitgenössischen Belege.

Vielmehr handelt es sich um später entstandene Legenden, die sich um das Luther-Bild rankten, des “heroischer” erschienen ließen und ihn gleichsam zum “Mythos” werden ließen.

Die Vorstellung, Luther habe seine 95 Thesen gegen den Ablaßhandel eigenhändig an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg genagelt und mit dieser Aktion gleichsam die Reformation eingeleitet, wirkt natürlich “dramatischer” und anschaulicher als die schlichte historische Tatsache, daß er jene Thesen am 31. Oktober 1517 einem Brief an Erzbischof Albrecht von Brandenburg beifügte. Als dieser nicht reagierte, übergab Luther sein Schriftstück einigen Bekannten, die es dann ohne sein Wissen veröffentlichten, so daß hieraus eine Debatte im damaligen Deutschland entstand.

Daß der vielgerühmte “Thesenanschlag” in Reich der Legenden gehört, ist unter Geschichtswissenschaftlern längst unstrittig und sollte sich bis auch zur Theologin und Ex-Bischöfin Käßmann herumgesprochen haben.

Jetzt übt auch der Göttinger Historiker Hartmut Lehmann deutliche Kritik an Margot Käßmann, die zugleich als sog. Luther-Botschafterin für das Reformationsjubiläum 1917 fungiert.

Die Theologin Käßmann zeichne ein falsches Bild von Luther, schreibt Lehmann in einem Gastbeitrag für “Christ & Welt”, einer Beilage der Wochenzeitung “Die Zeit”. Deren Darstellung könne sich auch negativ auf das Verhältnis zur katholischen Kirche auswirken.

Der Direktor am Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen nennt als Beispiele das Aufgreifen des angeblichen Thesenanschlages und des vermeintlichen Zitates „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“

Historikern falle auf, daß es sich bei beidem um Material „aus dem Arsenal der Lutherlegenden“ handle, so Lehmann. Wer 2012 die Darstellung des Thesenanschlags undifferenziert übernehme, „vergibt die Chance, das Gespräch mit der katholischen Kirche über eine weitere Annäherung zu intensivieren.“

Es gehe nicht nur darum, „dass die Reformationsbotschafterin Ergebnisse der Reformationsforschung ignoriert und sich stattdessen auf populäre Lutherlegenden beruft“, betont Lehmann.

Diese Vorgehensweise ist nicht nur unwissenschaftlich, sondern auch unökumenisch, so der Historiker: „Ebenso bedenklich ist, dass sie bisher mit dem Verweis auf polemisch-abgrenzende Projektionen Chancen vergibt, die im Interesse aller Christen liegen.“

Quelle: Radio Vatikan

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