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Hoffe auf den Herrn

RE: GEBETSANLIEGEN - GEMEINSAMES BETEN

 von esther10 , 16.10.2010 09:02




Gebet und Vertrauen
Das vertrauensvolle Gebet vermag alles.

Schließlich wird das Vertrauen- und dies ist einer seiner größten Vorzüge- stets erhört. Man kann es gar nicht genug wiederholen: Der vertrauensvollen Bitte wird alles gewährt.
Die Heilige Schrift empfiehlt uns mit aller Eindringlichkeit, unseren Glauben wiederzubeleben, bevor wir Gott unsere Bitten vortragen.
„Alles, was ihr glaubensvoll im Geist erfleht, das werdet ihr erhalten,“ (Matthäus,XXI,22.) erklärt der Meister. Der Apostel Jakobus drückt sich ähnlich aus; wir sollen „im Glauben bitten, ohne zu zweifeln“. (Jakobus,I,6-7) Denn wer zweifelt gleicht der insteten Meereswelle; unter diesen Umständen braucht man nicht auf Erhörung zu hoffen.
Um welchen Glauben geht es aber in den zitierten Texten? Es ist nicht der gewöhnliche Glaube, den die Taufe in unsere Seelen gieß; es geht hier um ein besonderes Vertrauen, das uns unter gegebenen Umständen fest auf das Eingreifen der Vorsehung hoffen lässt. Der Herr spricht ausdrücklich davon im Evangelium: “Bei allem, um was ihr betet und fleht, glaubet, dass ihr empfangt, und es wird euch geschehen.“(Markus,XI,24.) Besser konnte der Meister das Vertrauen gar nicht beschreiben.
Nun können wir zwar einen lebendigen Glauben haben und dennoch daran zweifeln, dass Gott die eine odere andere Bitte wohlwollend aufnimmt. Sind wir uns denn sicher, dass zum Beispiel der Gegenstand unseres Wünschens auch wirklich dem wahren Gut unseres Lebens nützt? Wir zweifeln also. Und schon dieses geringe Zögern mindert nach Meinung eines Theologen die Wirksamkeit des Gebetes. (Christianus Pesch: Praelectiones dogmaticae, Bd. IX, S.166)
Dann gibt es wieder Gelegenheiten, in denen unsere innigste Gewissheit so stark ist, dass jeder Zweifel und jedes Zögern völlig unmöglich erscheint. Wir sind uns so sicher, dass wir Erhörung finden, dass wir die erflehte Gnade bereits in Händen zu halten meinen.
„Mit Rücksicht auf ein so vollkommenes Vertrauen“, schreibt P. Pesch, „gewährt uns Gott Gnaden, die wir anders nicht erhalten hätten.“
Entweder brauchen wir das Gut, um das wir ihn baten, in Wirklichkeit gar nicht, oder das Gut entsprach nicht genau den Voraussetzungen die nötig sind, damit Gott sich wegen seines Versprechens verpflichtet fühlt, es uns zu gewähren. Meistens ist diese innige Gewissheit im übrigen der Gnade in uns.
„Daher“, schließt der angeführte Verfasser, „ist dieses einzigartige Vertrauen, dass wir diese oder jene Gnade erhalten werden, schon eine Art besonderes Versprechen Gottes, uns diese auch wirklich zu gewähren.“
Ein Wort des heiligen Thomas soll diese kurze Abschweifung zusammenfassen: „das Gebet“, schreibt der Doctor Angelicus, „gewinnt sein Verdienst aus der Liebe; seine erwirkende Kraft aber entspringt dem Glauben und dem Vertrauen.“ (St. Thomas, Quaest. LXXXIII, art.15. ad. 3.)

Beispiel der Heiligen
Mit diesem Vertrauen beteten die Heiligen, und deswegen erwies sich Gott ihnen gegenüber von einer unendlichen Großzügigkeit.
Derr Abt Sisois, heisst es im Leben der Väter, betete eines Tages für einen seiner Anhänger, den die Gewalt der Versuchung niedergestreckt hatte. „Ob du willst oder nicht“, sprach er zu Gott, „ich werde nicht von dir ablassen, bis du ihn geheilt hast.“
Und die Seele des armen Bruders gewann Gnade und Gleichmut zurück. (Vitae Patrum, Buch VI)
Der Herr ließ sich dazu herab, der heiligen Gertrud zu offenbaren, dass ihr Vertrauen dem göttlichen Herzen derart Gewalt antat, dass er sich gezwungen sah, ihr alles zu gewähren. Und er fügte noch hinzu, dass sie damit die Anforderungen seiner Liebe zu ihr erfüllte.
Eine Freundin dieser Heiligen betete schon seit einiger Zeit, ohne Erhörung zu finden. Da eröffnete er ihr der Heiland: „Ich habe deine Bitte a b g e s c h l a g e n, weil du nicht ein solches Vertrauen in meine Güte hast wie meine getreue Gertrud. Ihr werde ich nie abschlagen, was sie erbittet.“ (Saint-Jure: De la connaissance et de l'amour de J. C., Bd. III, S.27.)

Sehen wir schließlich, wie die heilige Katharina von Siena nach dem Zeugnis des seligen Raimund von Capua, ihres Beichtvaters, betete.
„Herr“, sagte sie, „ich werde dir solange zu Füßen und in deiner Gegenwart bleiben, bis deine Güte mir meinen Wunsch erfüllt hat, bis es dir gefällt, das zu tun, worum ich dich bitte.“
„Herr“, sprach sie weiter, „ich will, dass du mir das ewige Leben für alle diejenigen versprichst, die ich liebe.“
Danach streckte sie ihre Hand mit bewundernswerter Dreistigkeit dem Tabernakel entgegen und fügte hinzu: „Herr, lege deine Hand in meine! Ja, gib mir einen Beweis dafür, dass du mir gewährst, worum ich dich bitte!...“

Mögen uns diese Beispiele dazu anregen, uns in die Tiefe der Seele zurückzuziehen und unser Gewissen ein wenig zu prüfen. Mit einem frommen Autor richten wir an uns selbst die folgende Frage: “Haben wir in unsere Bitten ein volles Vertrauen hineingelegt, ein bisschen von dieser U n b e d i n g t h e i t des Kindes, das seine Mutter um den gewünschten Gegenstand bittet?
Von der Unbedingtheit der armen Bettler, die uns verfolgen und die, gerade weil sie uns nicht in Ruhe lassen, das erreichen, was sie wollen? Vor allem aber von der gleichzeitig Respekt- und vertrauensvollen Unbedingtheit der Heiligen in ihrem Bitten?... (Sauvé, Jesus intime, Bd.II,S.428
.)


Auszug aus "Das Buch des Vertrauens"

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