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Hoffe auf den Herrn

RE: Heilige und seelige

 von Hildegard Maria , 08.11.2010 11:00

Die Heilige Hildegard von Bingen


Hildegard wurde 1098 als zehntes Kind einer pfälzischen Adelsfamilie geboren. Von ihrem dritten Lebensjahr an hatte sie "Gesichte". Sie sah in einem hellen Licht geheimnisvolle und zukünftige Dinge, die anderen Menschen verborgen waren. Da man sie deshalb verlachte und an ihrem Verstand zweifelte, verschwieg sie vernünftigerweise diese seltsame Gabe.

Im Alter von acht Jahren vertrauten sie ihre Eltern der jungen Adeligen Jutta von Sponheim an, die im benediktinischen Kloster auf dem Disibodenberg das Leben einer Reklusin führte. Jutta unterwies sie in den Psalmen, im Auswendiglernen und notdürftigen Lesen und Schreiben sowie im Gebrauch des Dekachords, eines Instrumentes zur Begleitung des Psalmengesangs. Hildegard vertraute Jutta auch ihre Visionen an, die diese ernstnahm, sich aber ratsuchend an den Benediktinermönch Volmar wandte, der dann Hildegards Ratgeber und Helfer, später auch der erste ihrer drei Sekretäre wurde. Als Hildegard etwa fünfzehn Jahre zählte und damit das für ein Ordensleben erforderliche Alter besaß, nahm sie den Schleier und wurde unter Juttas Leitung Ordensfrau.

Tag und Nacht des Klosterlebens sind vom Stundengebet geprägt. Kurz vor Mitternacht werden die Vigilien gebetet, dann von Morgendämmerung bis Sonnenuntergang in etwa zweistündigen Abständen gemeinsame Gesänge und Gebete vor allem der 150 Psalmen in lateinischer Sprache. Unterbrochen werden die Gebetsstunden von den Mahlzeiten, der Arbeit, Handarbeit oder geistigen Tätigkeiten, von der Rekreation, die man im gemeinsamen Gespräch verbringt. Nach dem Gesang der Komplet bei Sonnenuntergang herrscht im Kloster Schweigen, damit alle zur Nachtruhe kommen.

Als Jutta stirbt, ist Hildegard achtunddreißig Jahre alt. Die ursprünglich geringe Zahl der Nonnen hat sich inzwischen vermehrt. Hildegard wird sofort zur Äbtissin gewählt. Doch es tritt schon bald ein Ereignis ein, das sie auf einen unerwarteten Weg führt. Sie beschreibt es selbst in anschaulichen Worten: "Und siehe, im dreiundvierzigsten Jahr meines Weges durch die Zeit, als ich in großer Furcht und bebend vor Eifer über eine himmlische Vision nachsann, erblickte ich ein überaus strahlendes Licht, in dem eine Stimme vom Himmel an mich erging mit den Worten: "O schwacher Mensch, sage und schreibe, was du siehst und hörst. Weil du Angst hast, zu reden und nicht gelernt hast, es aufzuschreiben, sage es einem vertrauten Menschen so, wie es deinen Augen und Ohren vom Himmel her zukommt. Trage es vor wie ein Hörer, der die Worte seines Lehrers vernimmt und sie weitergibt. Sage es nicht nach deinem Gutdünken, sondern in der Absicht dessen, der in der Verborgenheit seiner Geheimnisse alles weiß, sieht und verfügt."

Doch wegen des Gefühles der Unfähigkeit weigert sich Hildegard, den Auftrag auszuführen. Erst als sie schwer erkrankt und von vielen Leiden bis zur völligen Kraftlosigkeit heimgesucht wird, entschließt sie sich, dem Mönch Volmar ihre Schauungen mitzuteilen und ihm in lateinischer Sprache die Worte der Himmelstimme zu diktieren. Von da an kann sie gesund vom Krankenbett aufstehen und ihren Dienst verrichten. Es dauert zehn Jahre, bis ihr erstes Opus "Wisse die Wege" äußerst mühsam niedergeschrieben ist. Für die nächsten großen Werke "Mensch und Welt" und "Der Mensch in der Verantwortung" geht die Arbeit schneller vonstatten.

Ihr Arbeitspensum ist immens, ebenso die Vielfalt ihrer Genialität. Sie dichtet, komponiert, verfasst ein Werk über Naturkunde, über Heilkunde, schreibt unzählige Briefe an Päpste, Bischöfe, Äbte, Kaiser, Könige, Fürsten und Weltpersonen, die sie alle um Rat angehen. Auch ihre Weisungen und Ratschläge sind von einer höheren, göttlichen Weisheit inspiriert, gefiltert durch den Charakter, die Erfahrung und das Wissen dieser begnadeten Nonne.

Wegen unhaltbarer Differenzen mit dem Abt des angegliederten Männerklosters verlässt sie mit ihren Schwestern den Rupertsberg bei Bingen und gründet ein neues Kloster in Ebingen, auf den Wunsch befreundeter Bischöfe unternimmt sie beschwerliche Predigtreisen. Die kirchliche Obrigkeit unterzieht ihre Schriften einer strengen Zensur, erteilt aber fasziniert und überzeugt das "Imprimatur". Ihre Werke werden unzählige Male abgeschrieben und als göttliche Wegweisung verinnerlicht.. Als Hildegard 1179 mit einundachtzig Jahren stirbt, ist sie eine Berühmtheit, eine Prophetin, eine Theologin von weitreichender Bedeutung.

In den nächsten Jahrhunderten verblasste jedoch zunehmend das Bild Hildegards, sie wurde vergessen. Die Kluft zwischen der mystischen Frömmigkeit der Klöster, der theologischen Wissenschaft und der Volksfrömmigkeit wurde immer größer. Die Kirche strebte nach weltlicher Macht und verteidigte ihren gewonnenen Reichtum und Einfluss mit fester Hand. Die Gläubigen näherten sich Gott mehr in äußeren Aktivitäten oder im Zusammenschluss zu Gemeinschaften, die das Religiöse hauptsächlich in Werken demütig dienender Nächstenliebe praktizierten. Die Hochschultheologie hatte alle Hände voll damit zu tun, die rechte Glaubenslehre zu definieren und Irrlehren zu bekämpfen. Es kamen die Zeitalter der "Vernunft", der Aufklärung, der verschiedensten Reformen und der Reformation. Wenn visionäre Mystik noch gefragt war, dann mehr zum Zweck prophetischer Zukunftsschau mit düsterer apokalyptischer Färbung, jedoch nicht mehr als Aufschwung der einzelnen Seele zu Gott. Man schälte aus den Evangelien eine dominante Morallehre heraus, die Betonung der Liebe zu Gott und Gottes Liebe zu den Menschen verloren ihre Priorität.

Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde Hildegard wiederentdeckt. Es war bezeichnenderweise ihre "Heilkunde", die in volkstümlicher Aufbereitung in breite Schichten Einzug hielt und wie ein Eisbrecher auch den Weg für ihre tieferschürfenden theologischen Werke freimachte. Das Interesse für die "Hildegard-Medizin" kam nicht von ungefähr. Im Gegensatz zur modernen "Schulmedizin" setzt sie noch stärker als die schon bestehende Naturheilkunde den Menschen in Beziehung zu Gott, bettet ihn ein in den Zusammenhang des kosmischen Gefüges und behandelt ihn mit Heilpotenzen aus seinem irdischen Umfeld. Die offizielle Medizin hat sich in den letzten hundert Jahren bewusst immer weiter von der Natur entfernt und verwendet heute fast ausschließlich Synthetika, Medikamente nach wissenschaftlichem Kalkül in der Retorte zusammengebraut, deren genau definierte Wirkung in den Folterkammern der Forschungslabors aus Millionen von Versuchstieren herausgeschunden wird. Es bestand in großen Kreisen der Bevölkerung der dringende Wunsch nach natürlicher Medizin aus der Herrgottsapotheke ohne einen ungeheuerlichen Katalog unerwünschter Nebenwirkungen.

Auch die Übersetzungen von Hildegards fundamentalen Werken wurden in ein griffiges Deutsch übertragen, erschienen in Zusammenfassungen und Kommentaren und haben unterschwellig auch die moderne Theologie beeinflusst. Es gibt in ihrem Riesenwerk für jede Frage des Körpers und der Seele, des Himmels und der Erde eine vom Heiligen Geist erleuchtete Antwort, sei es nach dem Sinn der Schöpfung, dem Wesen der Engel, nach der Sündenverstrickung des Menschen und seiner Errettung durch Christus. Wenn man sich ernsthaft mit Hildegard von Bingen befassen will, sollte man sich vor allem einen Überblick über einige Kernaussagen ihrer Visionen verschaffen. Dies wird im folgenden andeutungsweise in knapper Form versucht.



Leib und Seele
Wie das Feuer Licht ins Dunkel ergießt, so gibt die Seele dem Körper das Leben. Der Leib ist das Zelt und der Halt aller Seelenkräfte. Die Seele wirkt mit dem Leib und er mit ihr, Gutes und Böses. Die Seele ist die Herrin, das Fleisch die Magd. Die Seele durchfließt den Leib wie der Saft den Baum, dass er grüne, blühe und Früchte trage. Die Seele ist der innere Halt und die Trägerin der Seele.



Tod
Im Sterben wandert die Seele seufzend aus und überlässt ihre Wohnstätte unter Zittern dem Verfall. Sie fürchtet das bevorstehende Verhör des ewigen Richters, denn nun erkennt sie Makel und Verdienste ihrer Werke. Während die Seele sich entlöst, kommen lichte und finstere Gestalten herbei, die Genossen ihres Wandels, die Zeugen all der Werke, die sie im Leib vollbracht hat.



Sünde und Buße
Wen die Sünde in Banden geschlagen hat, wende sich an Gott, er flehe, bitte und verspreche Besserung, Gott wird ihm helfen. Der Sünder bringt sich in Berührung mit dem Tod, er läuft zum Teufel über. Wer keinen Geschmack an der Buße findet, verheimlicht seinen Pestgeriuch. Er will das Öl der Barmherzigkeit nicht sehen und den Trost der Erlösung nicht suchen.



Die Engel
Sie sind lebendiges Licht. Sie erschauen inmitten der Gottheit die göttlichen Augen, daran sie sich nie ersättigen können. Sie sind unberührt von der sündigen Tat ihres einstigen Gefährten Luzifer. Sie hüten die Völker, nehmen die Gerechten auf, sehen die innerste Kraft, die vom Vater zur Schöpfung strömt. Sie dürfen den Menschen raten und helfen, doch menschliche Schuld können sie nicht tilgen. Nur Christus, der hinabstieg in menschliches Fleisch, in menschliches Sterben und in den Rachen der Hölle, konnte den Menschen erlösen.



Gebet und Fasten
Wer sich von den Umschlingungen der Engherzigkeit, der Verstocktheit und Streitsucht befreien möchte, nehme seine
Zuflucht zu Gebet und Fasten. Wer sich in innigem Gebet zu den himmlischen Mächten aufschwingt, kann seine Seele reinigen und schützen. Gebet erwärmt das Kalte, befeuchtet das Trockene, gibt dem Schwachen Halt und schenkt unfruchtbarem Boden reiche Ernte. Was der Fromme im Gebet aussendet, kehrt als göttliches Geschenk zu ihm zurück. Nichts kann dem Flug menschlichen Flehens Einhalt gebieten, nichts kann es aufhalten. Es steigt zu Gottes Angesicht empor und findet das Wohlgefallen des Höchsten.



Dreifaltigkeit
Die wahre Dreiheit in der wahren Einheit : Der Vater und in ihm sein Sohn, der vor der Zeit im Vater ruhte, in der Zeit durch den Heiligen Geist im Fleisch von der Jungfrau empfangen und geboren wurde. Die Mutter Kirche fleht seufzend ihre Kinder an : "Rühmt in Ehrfurcht den Vater, liebt betend den Sohn, brennt im Heiligen Geist."



Taufe
Die göttliche Macht nimmt im Bad der Taufe allen Unglauben der Sünde barmherzig hinweg. Der Sohn Gottes erweckte die Quelle des Heils, um dem Widersacher das Menschengeschlecht zu entreißen. Er heiligte durch seine eigene Taufe das Wasser, dass es die Adamssünde tilgen kann. Mit Schuld behaftet, geht der Neugeborene aus Weib und Mann hervor, durch die Taufe wird er ohne Sünde wiedergeboren zu einem Leben des Lichtes.



Heiliger Geist
Der Heilige Geist ist die Wurzel des geschaffenen Seins, er spendet Leben und bewegt das All, er reinigt von Unlauterkeit, tilgt die Schuld und heilt die Wunden. Die Klarheit seines leuchtenden Lebens hat die Welt aus dem Nichts erweckt und wird sie wiedererwecken aus sündigem Verfall. Alle, die mit ihm wandern, führt er ans Ziel. Er schenkt der Welt Menschen voll Einsicht und er beglückt durch den Odem der Weisheit.



Luzifer
Er hat mit seinen Engeln gegen das Heer des Allerhöchsten gekämpft. doch er vermochte nichts gegen ihn und wurde aus dem Himmel verstoßen. Auf der Erde fand er den Menschen. Mit ihm will er vollbringen, was er im Himmel erstrebt hat, Gott gleich zu sein. Durch die Adamssünde hat sich der Mensch auf Satans Seite gestellt, er folgte ihm und gab sich so in seine Bande, dass er ihn an Gottes Stelle anbetete und seinen Schöpfer verleugnete.



Gott und Gottes Sohn
Gott sandte dem Menschen, der in so großer Finsternis des Unglaubens darniederlag und sich nicht selbst aufrichten konnte, seinen Sohn. Er ließ ihn, den er in seinem Herzen trägt, Fleisch annehmen aus der Jungfrau, damit er allen, die glauben, das Heil des Lebens bringe. Denn der Mensch, in Sünde geboren, kann nicht den sündigen Bruder dem Verderben entreißen. Der Sohn, der ohne Sünde ist, besiegte den Tod und erlöste barmherzig den Menschen vom Tode.



Der Versucher
Wie auf einem Markt bietet der Teufel die Werte des Todes als Kostbarkeiten und Freuden der Welt feil. Er stellt wie ein Handelsmann seine Waren aus, preist die verschiedenen Laster hoch an und nennt sie billig, dass die Menschen begierig danach greifen. Einige gehen eiligst an den schmutzigen Lockungen des Bösen vorbei, da sie Gott erkennen und seine Gebote treu erfüllen. Die Trägen betreiben eifrig Einkauf und Verkauf. Durch die Schwerfälligkeit des Geistes erlischt in ihnen allmählich das Verlangen nach dem Himmlischen. Sie verkaufen es für die Freuden des Leibes.



Der Engelssturz
Luzifer trat bei seiner Erschaffung im Schmuck blitzender Herrlichkeit und im Gewand lichter Schönheit ins Dasein. Und mit ihm sprühten alle Funken auf, die seine Heerschar bildeten. Doch Luzifer neigte sich gleich nach seiner Erschaffung zum Bösen. Er und seine Trabanten verachteten in ihrem Stolz den Herrscher des Himmels. Sie schauten auf Gott nicht mit dem Blick erkennender Liebe, sondern mit dem Verlangen, sich über ihn emporzuschwingen. Sofort erloschen sie und wurden schwarz wie Kohle. Doch bei ihrem Erlöschen kehrte der lichte Glanz, das klare, strahlende Licht zu Gott zurück. Gott barg diese Herrlichkeit und bewahrte das Lichtkleid des gefallenen Engels für den Lehm, den er zu Menschen bilden wollte.



Adam
Auch der Mensch fiel durch Ungehorsam, Überheblichkeit und Zustimmung zur teuflischen Verlockung von Gott ab. Aber er hatte wenigstens einen guten Anfang gesetzt, wenn er auch das geforderte Werk nicht ausführte. Doch Gottes Gnade vollendete diesen Anfang in der Menschwerdung des Welterlösers und stellte das heilige Erbe wieder her.



Die Aufgabe des Menschen
Himmlisch ist der Mensch dem Geiste, irdisch dem Körper nach. Also muß er das Himmlische lieben und das Irdische niedertreten, dann erlangt er ewigen Lohn. Will er im Willen seines Fleisches Frevelhaftes vollbringen, zeigt ihm Christus sein Leiden, das er um des Menschen willen ertragen hat, damit dieser aus Liebe zu Christi Schmerz allen rebellischen Begierden widersteht.



Das Wesen des Menschen
Dem Menschen wurde vom Mutterleib an Geist, Bewegung und Empfindsamkeit gegeben. Viel Erkenntnis hat er in sich, viel Verständnis wird von ihm gefordert werden. Aber in allem ist Gott sein Haupt und seine Hilfe. Wenn er nach ihm ruft, wird er Antwort erhalten. Gott eilt ihm zu Hilfe in der Verkehrtheit seines Fleisches und wider die Kämpfe der bösen Geister.



Gott und Mensch
Gott hat jeden Funken von Leben entzündet. Er leuchtet in den Gewässern und brennt in Sonne, Mond und Sternen. In aller Wirklichkeit ruht er verborgen als feurige Kraft. Er ist das heile Leben, alles Gedeihen hat seine Wurzel in ihm. Jedes seiner Werke lässt er aufblühen im Menschen, den er nach seinem Bild geschaffen hat. Jedes seiner Geschöpfe zeichnet er nach festem Maß in diesen Menschen. Vollendet übergab er ihm die ganze Schöpfung, mit ihr zu wirken nach seiner Weise. Aus Erde ist er gebildet, wie Wasser durchdringt die Seele den Leib, Vernunft west in ihm so wie in der Gottheit Sonne und Mond strahlen. Gott hat den Menschen so sehr geliebt, dass er ihn für den Platz bestimmte, aus dem der gefallene Engel geschleudert ward.



Die Kraft des Menschen
Mitten im Weltenbau steht der Mensch, denn er ist bedeutender als alle Geschöpfe. Sein Haupt nach aufwärts gerichtet, die Füße auf festem Grund kann er Himmel und Erde in Bewegung setzen. Die Kräfte seiner Seele sind gewaltiger als die seines Körpers. Sie umgeben ihn und erstrecken sich über den ganzen Erdkreis. In der Kraft seines inneren Menschen hat er die Möglichkeit, das All zu durchdringen. Wie er mit seinen leiblichen Augen die Geschöpfe sieht, so schaut er im Glauben den Herrn und soll geistlich und weltlich in all seinem Trachten zu Gott streben.



Fegfeuer
Das Fegfeuer reinigt die Seelen von der Schuld ihrer verwerflichen Taten. Als sie noch in der Welt lebten, konnten sie durch Buße ihre Sünden für das unvergängliche Leben tilgen. Doch da sie der Tod ereilte, vermögen sie sich nicht mehr im Fleische zu reinigen und können auch nicht mehr durch die Züchtigungen des göttlichen Erbarmens geläutert werden. Wenn sie nicht durch die Fürbitten der Lebenden erlöst werden, die für sie die Verdienste der Heiligen und die Gnadenmilde Gottes anrufen, müssen sie durch die Strafen des Fegfeuers Reinigung finden. Bleiben sie ihrer Sehnsucht nach der Nähe Gottes eingedenk, verlieren sie hier den Makel ihrer Sünden und gelangen in Seligkeit an den Ort der Erquickung.



Die Verwandlung von Brot und Wein
Sobald ein Priester mit den heiligen Gewändern bekleidet an den Altar tritt, kommen Engel in hellem Lichtglanz vom Himmel und umfluten den Altar. Wenn der Priester das Evangelium verlesen und die Opfergaben auf dem Altar bereitgelegt hat, singt er den Lobpreis des allmächtigen Gottes. Mit dem "Sanctus, Dominus, Deus Sabaoth" beginnt das unaussprechliche Mysterium. In diesem Augenblick öffnet sich der Himmel. Ein feuriges Blitzen von lichter Klarheit fällt auf die Opfergaben nieder und durchströmt sie ganz mit Herrlichkeit. Und der blitzende Schein trägt sie in unsichtbare Höhen und lässt sie wieder auf dem Altar nieder. Obwohl nun die Opfergaben für das Auge der Menschen noch das Aussehen von Brot und Wein haben, sind sie doch in wahres Fleisch und Blut verwandelt.



Die Kirche
Christus hat in seiner Menschwerdung die Kirche als Turm und Festung gegen die Bosheit des Teufels aufgerichtet. Aus seiner Seite und aus seinem Blut wurde sie geboren und bringt Früchte höchster Erquickung hervor. Sie sprießt aus allen, die Gott als den allmächtigen Schöpfer der Welt anerkennen und ihn in Liebe umfangen. Sie ist die lebendige Erde, auf den festen Felsen Christus gebaut. Durch sie wird der Mensch zu seiner vollen Entfaltung aufgerichtet, indem er sein Wesen Gottes Geboten unterwirft. Von Generation zu Generation reicht sie das Evangelium weiter. Sie kümmert sich um das rechte Maß des menschlichen Daseins und wacht darüber, dass nicht übertriebene Strenge und nicht gleichgültige Verweichlichung den Menschen verderben. Liebe, Demut und Frieden empfing die Kirche als bräutliche Mitgift. Sie erstrahlt noch nicht im fertigen Werk der Vollkommenheit, doch ist ihre Herrlichkeit im Wissen Gottes als festes Fundament verborgen.

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mit freundlicher Genehmigung von Karl-Heinz-G

Visionen der Heiligen Hildegard
Vom Antichrist und seiner Mutter

Doch der wahnsinnige Mörder, nämlich der Sohn des Verderbens, wird in kürzester Zeit kommen, wie der Tag schon scheidet, wenn die Sonne am Abend untergeht, d. h. wenn die letzte Zeit schon schwindet und die Welt ihren Lauf aufgibt. O meine Getreuen, hört dieses Zeugnis und versteht es ergeben als Warnung, damit euch nicht der ohne euer Wissen plötzlich über euch kommende Schrecken dieses Verderbers ins Unglück des Unglaubens und der Verwerfung stürze. Bewaffnet euch daher und bereitet euch, auf diese Weise gewarnt, mit zuverlässigen Verschanzungen für den so heftigen Kampf. Wenn nämlich diese Zeit gekommen ist, da jener schlimme Betrüger schrecklich in Erscheinung treten soll, ist die Mutter, welche diesen Verführer in die Welt setzen soll, von ihrer Kindheit an und im Mädchenalter durch teuflische Künste voller Laster in einer abgelegenen Wüste unter ganz gottlosen Menschen erzogen worden. Ihre Eltern wissen nichts von ihrem dortigen Aufenthalt und die, mit denen sie zusammenlebt, kennen sie nicht; denn der Teufel überredet sie, dorthin zu gehen und bereitet sie dort durch Täuschung nach seinem Wunsch vor, als ob er ein heiliger Engel wäre. Und sie trennt sich deshalb von den Menschen, um sich umso leichter verbergen zu können. Daher vereinigt sie sich auch mit einigen, wenn auch wenigen Männern heimlich in der schlimmsten Preisgabe der Unzucht und entehrt sich mit ihnen in so großem Eifer für die Unsittlichkeit, wie der heilige Engel sie die Leidenschaft ihre Schlechtigkeit vollbringen läßt. Und so empfängt sie in der brennendsten Glut ihrer Unzucht den Sohn des Verderbens und weiß nicht, von welchem Samen dieser Männer sie ihn empfangen hat.

Doch Luzifer, nämlich die alte Schlange, von dieser Schändlichkeit entzückt, weht nach meinem gerechten Urteil dieses Gerinnsel mit seinen Ränken an und besitzt es mit allen seinen Kräften gänzlich im Schoß seiner Mutter. So geht dieser Verderber aus dem Leib seiner Mutter voll teuflischen Geistes hervor. Dann meidet sie die gewohnte Unzucht und sagt dem törichten und unwissenden Volk offen, daß sie keinen Mann habe und den Vater ihres. Kindes nicht kenne. Die Unzucht, die sie beging, nennt sie heilig und daher hält sie das Volk für heilig und nennt sie so. So wird der Sohn des Verderbens bis zum kräftigeren Alter erzogen und entzieht sich immer dem ihm bekannten Volk.



Von der Mutter in den magischen Künsten unterwiesen, führt er mit Gottes Zulassung seinen Willen an den verschiedenen Geschöpfen aus
Seine Mutter aber zeigt ihn mittlerweile mittels einiger magischer Künste sowohl dem Volk, das Gott verehrt, als dem, das ihn nicht ehrt. So bewirkt sie, daß er von ihnen gesehen und geliebt wird. Wenn er zum Vollalter gelangt ist, wird er öffentlich eine verderbliche Lehre vertreten und so mir und meinen Erwählten entgegentreten; er wird so große Kraft gewinnen, daß er versucht, sich in seiner gewaltigen Macht über die Wolken zu erheben. Denn ich erlaube ihm nach meinem gerechten Urteil, seinen Willen an verschiedenen Geschöpfen auszuführen. Denn wie der Teufel am Anfang sprach: 'Ich werde dem Höchsten gleich sein' und fiel, so lasse ich auch zu, daß dieser Teufel in der Endzeit stürzt, wenn er in diesem seinem Sohn sagt: 'Ich bin der Erlöser der Welt.' Und damit die Gläubigen in der ganzen Welt erkennen, daß Luzifer ein Lügner war, als er am Anfang der Tage Gott gleichen wollte, so soll auch jeder Gläubige sehen, daß dieser Sohn der Bosheit ein Lügner ist, wenn er sich vor dem jüngsten Tag dem Sohn Gottes ebenbürtig macht.



Von seiner Macht und den verschiedenen Wundern, die er zu vollbringen scheint
Er ist nämlich ein ganz schlimmes wildes Tier und tötet die Menschen, die ihn ablehnen. Er gesellt sich Königen, Führern, Fürsten und Reichen zu, unterdrückt die Demut und richtet den Stolz auf. Den Erdkreis unterwirft er sich mit teuflischer List. Denn seine Macht dringt bis zur Behausung des Windes vor, so daß er die Luft in Bewegung zu setzen, Feuer aus dem Himmel zu bringen und Blitz, Donner und Hagel zu verursachen scheint. Er scheint auch die Berge umzustürzen, die Wasser auszutrocknen, den Wäldern ihr Grün zu nehmen und ihnen ihren Saft wieder zurückzugeben. Solche Täuschungen zeigt er an verschiedenen Geschöpfen, d. h. bezüglich ihrer Feuchtigkeit, Grünkraft und Dürre. Er läßt aber auch nicht davon ab, an Menschen seine Betrügerei zu wirken. Auf welche Weise? Offenbar verursacht er bei den Gesunden Krankheit und bei den Kranken Gesundheit, scheint Dämonen auszutreiben und zuweilen Tote zu erwecken. Wie? Wenn nämlich manchmal jemand verschieden ist, dessen Seele in der Gewalt des Teufels ist, übt er zuweilen – mit meiner Zulassung – an dem Leichnam seinen Mutwillen aus und bringt seine Leiche in Bewegung, als ob sie lebe; allerdings wird ihm das nur ganz kurze Zeit und nicht über eine längere Zeitspanne zu tun gestattet, damit nicht durch diese Anmaßung die Ehre Gottes ins Lächerliche gezogen werde. Einige, die das sehen, vertrauen ihm. Manche aber möchten bei ihrem früheren Glauben bleiben und ihn dennoch gnädig stimmen. Da er sie wenigstens doch nicht grausamer verletzten will, schickt er ihnen irgendwelche Krankheiten. Suchen sie jedoch ein Heilmittel bei den Ärzten und können nicht geheilt werden, laufen sie zu ihm zurück und versuchen, ob er sie zu kurieren vermag. Wenn er sie aber dann aufsucht, nimmt er ihnen die Krankheit weg, die er ihnen auferlegt hat; daher lieben sie ihn sehr und glauben an ihn. Und so werden viele getäuscht, wenn diese die Augen des inneren Menschen umnebeln, mit denen sie auf mich schauen sollten. In dieser Erprobung ihres Geistes wollen sie in einer gewissen Neugier wissen, was sie mit den äußeren Augen sehen und mit Händen greifen; das Unsichtbare, welches in mir vorhanden und im wahren Glauben zu ergreifen ist, verachten sie. Denn sterbliche Augen können mich nicht erblicken, sondern ich zeige meine Wunder im Schattenbild, wem ich will. Mich selbst aber wird keiner schauen, solange er im sterblichen Leib lebt, nur im Schatten meiner Geheimnisse, wie ich zu meinem Diener Moses sagte und geschrieben steht.



Einige vom Teufel Betrogene lassen täuschenderweise Wunderzeichen an Geschöpfen sehen, aber sie können sie nicht in eine andere Art verwandeln
Diese aber verspottet und täuscht der Teufel, wie immer es ihm beliebt, so daß sie für wahr halten, was er ihnen zeigt. Und diese List seiner Täuschung flößt der Teufel jenen ein, die auf ihn vertrauen, so daß auch sie die Menschen in dieser Kunst täuschenderweise Wunderzeichen an Geschöpfen nach ihrem Wunsch sehen lassen. Aber dennoch können weder die Elemente noch die anderen von Gott geschaffenen Kreaturen in eine andere Art verwandelt werden; sie täuschen nur durch ihre Betrügereien denen, welche an sie glauben, unheimliche nebelhafte Erscheinungen an ihnen vor. Denn auch Adam verlor, als er nach mehr verlangte als er haben sollte, die Paradiesesherrlichkeit. So verlieren auch diese Auge und Ohr des inneren Menschen, weil sie Gott verlassen und den Teufel verehren.



Auf wie verschiedene Art der Antichrist die Seinen täuscht und warum ihm das gestattet wird
Auf diese Weise bewerkstelligt der Sohn des Verderbens seine täuschenden Künste an den Elementen und läßt an ihnen – je nach dem Wunsch der Menschen, die er täuscht – Schönheit, Anmut und Reiz sehen. Diese Gewalt ist ihm aber deshalb zugestanden, damit die Gläubigen im rechten Glauben erkennen, daß der Teufel keine Macht über das Gute hat, sondern nur über die Übel des ewigen Todes. Denn was immer dieser Sohn der Bosheit tut, wirkt er mit Gewalt, Stolz und Grausamkeit; er besitzt keine Barmherzigkeit, Demut und Unterscheidung, sondern drängt die Menschen mit einem Befehl und großer Verblüffung dazu, ihm zu folgen. Er gewinnt eine große Schar für sich, indem er ihnen sagt, sie dürften frei ihren Willen erfüllen und bräuchten sich nicht zu vielem Wachen und Fasten verpflichten. Er verheißt ihnen, daß sie nur ihren Gott, der er zu sein vorgibt, zu lieben bräuchten, um, von der Hölle befreit, zum Leben zu gelangen. Daher sagen die derart Getäuschten: 'O weh, diese Unglücklichen, welche vor diesen Zeiten lebten, ihr Leben mit grausamen Quälereien erschwerten und ach, die Güte unseres Gottes nicht kannten.' Jener zeigt ihnen nämlich Schätze und Reichtum und erlaubt ihnen, nach ihren Wünschen zu schwelgen. Mit trügerischen Zeichen bekräftigt er seine Lehre, so daß sie glauben, es nicht nötig zu haben, ihren Leib irgendwie in Zucht zu nehmen und zu bändigen. Er befiehlt ihnen jedoch, die Beschneidung und das Judentum nach den Gebräuchen der luden zu beobachten und erleichtert ihnen die schwereren Gesetzesvorschriften, welche das Evangelium – mit würdiger Buße verbunden – in Gnade wandelt, nach ihrem Willen. Und er spricht: 'Wer sich zu mir bekehrt, dessen Sünden werden getilgt und er wird mit mir in Ewigkeit leben.' Er verwirft auch die Taufe und das Evangelium meines Sohnes und spottet über alle Gebote, die der Kirche übergeben sind. Und wiederum sagt der Teufel spöttisch zu denen, die ihm dienen: 'Seht nur, wer und wie verrückt der gewesen ist, welcher dem einfachen Volk mit seiner Betrügerei das zur Beobachtung aufgestellt hat!'



Vom Scheintod des Antichrist und dem Buch der Verwünschung; wer ihm widerspricht, wird getötet
'Ich aber will für euch und zu euerm Ruhm sterben und vom Tod auferstehen und so werde ich nein Volk von der Hölle befreien, so daß ihr von nun an glorreich in meinem Reich lebt; dieser Betrüger gab vor, das schon früher getan zu haben.' Und darauf befiehlt er seinen Anhängern, ihn mit einem Schwert zu erschlagen und ihn bis zum Tag seiner Auferstehung in reines Leinen zu hüllen. Und sie werden so getäuscht, daß sie glauben, ihn zu töten und auf diese Weise seine Befehle auszuführen; später ersteht er scheinbar und führt eine Schrift vor, die gleichsam zum Heil der Seelen eine schreckliche Verwünschung enthält. Er übergibt sie den Menschen als Zeichen und läßt sich von ihnen anbeten. Wenn das aber ein Gläubiger aus Liebe zu meinem Namen verweigert, wird er von ihm durch grausame Pein und Foltern vernichtet. Daher sind alle, die das sahen oder hörten, von Staunen und Zweifel betroffen, wie auch mein geliebter Johannes zeigt und spricht.



Ihre Worte an die Kinder Gottes
'O ihr Redlichen, zum herrlichen Lob der beglückenden Gnaden des (ewigen) Lebens erwählt, hört und versteht, was wir euch zuverlässig berichten: Dieser Verfluchte ist vom Teufel entsandt, um die Seelen, welche sich seinen Vorschriften unterwerfen, in Irrtum zu führen. Wir lebten nämlich von dieser Welt zurückgezogen, in den Geheimnissen Gottes zurückbehalten, die den Menschen verborgen sind. Der Sorge und Angst der Menschen waren wir entzogen. Dazu aber sind wir aufbewahrt und zu euch gesandt worden, um den Irrtümern dieses Verderbers zu widersprechen. Seht also, ob wir euch nicht an Wuchs und Alter ähneln.'



Von ihren wahrhaftigen Zeichen, durch die der Betrug des Antichrist verworfen wird
Und alle, die den wahren Gott erkennen und bekennen wollen, folgen diesen beiden Greisen und wahren Zeugen, die das Banner der göttlichen Gerechtigkeit tragen, und geben den ungerechten Irrtum auf. Denn sie werden unter lautem Lobpreis vor Gott und den Menschen aufleuchten, Ortschaften, Straßen und Städte, sowie die anderen Orte, wo immer der Sohn des Verderbens seine verderbliche Lehre ausgestreut hat, durcheilen und dort viele Zeichen im heiligen Geist wirken. So wird das ganze Volk, welches sie sieht, zu größter Bewunderung geführt. Diese großen Wunderzeichen, die auf festem Felsen gründen, werden ihnen aber deswegen geschenkt werden, daß die verderblichen und falschen Zeichen herabgesetzt werden. Denn wie ein Blitz zündet und verbrennt, so handelt auch der Sohn des Verderbens. Mit seiner schlimmen Bosheit und Schlechtigkeit verbrennt er die Leute durch magische Künste wie ein feuriger Blitz. Doch Henoch und Elias werfen mit der rechten Lehre seine ganze Kohorte gleichsam mit einem Donnerschlag eingeschüchtert zu Boden und festigen so die Gläubigen.



Nach dem von Gott zugelassenem Tod erhalten sie den Lohn ihrer Mühen
Sind sie jedoch mit der Zulassung meines Willens schließlich von ihm getötet worden, erhalten sie den Lohn für ihre Mühen im Himmel. Dann fallen zwar die Blüten ihrer Lehre ab, weil ihre Stimme in der Welt bereits verstummt ist, aber in den Erwählten tritt die gute Frucht zutage. Diese verachten die Phrasen und die Wut der teuflischen List und sind wohlgefestigt in der Hoffnung auf das himmlische Erbe, wie auch Salonion auf den guten und redlichen Menschen verweist und spricht: Das Haus des Gerechten ist am dauerhaftesten und im Gewinn des Gottlosen liegt Beunruhigung (Spr. 15,6). Das ist so: Das sichere Haus, in dem es keinen Schmerz und kein Unglück gibt, ist der besondere Spiegel des göttlichen Auges im redlichen Menschen. In ihm sieht dieses Auge die Kraft seiner Wundertaten gleichsam im Herannahen eines tödlichen Schwertes. Doch in den Taten, die wie wachsende Früchte aus einem hochmütigen Herzen hervorgehen, das in seinen Eigenwilligkeiten Ruinen errichtet, wird eine gewisse Traurigkeit stecken, weil dieses stolze Herz nicht auf die Hoffnung vertraut, welche in himmlischer Sättigung erblüht.



Alle Glieder der Kirche werden durch den anmaßenden Übermut des Antichrist in Schrecken versetzt, der glaubt, er könne das Innerste des Himmels durchdringen
Daß du aber siehst, wie sich dieses unförmige Haupt mit so großem Getöse von seiner Stelle löst, daß die ganze erwähnte Frauengestalt in allen ihren Gliedern davon erzittert, bedeutet: Wenn der Sohn des Verderbens, der das Haupt der Bosheit ist, sich in heftigem arrogantem Hochmut aus der ihm anhaftenden Bosheit wie aus einem kleinen Irrtum erhebt, reißt er einen größeren Wahn an sich; er möchte sich nämlich über alle erhöhen, d. h., wenn seine Täuschungen ans Ende gelangt sind, wird die ganze Kirche in all ihren größeren und kleineren Kindern in großen Schrecken versetzt und erwartet seine wahnsinnige Anmaßung. Und es befindet sich eine Unmenge Kot um das Haupt; es erhebt sich daraus wie Über einen Berg und versucht zur Himmelshöhe aufzusteigen. Denn die so großen Listen der teuflischen Nachstellung, welche viel Unreinheit verursachen, stehen diesem Sohn der Bosheit bei, verleihen ihm die Flügel des Stolzes und erheben ihn zu solcher Anmaßung, daß er sogar glaubt, das Innerste des Himmels durchdringen zu können. Auf welche Weise? Wenn er nämlich den Willen des Teufels vollkommen erfüllt hat, so daß er nach dem gerechten Urteil Gottes keine Erlaubnis mehr zu seiner so großen Macht an Bosheit und Grausamkeit erhält, sammelt er seine ganze Horde und sagt denen, die an ihn glauben, er wolle in den Himmel auffahren. Doch wie der Teufel nicht wußte, daß der Gottessohn zur Erlösung der Seelen geboren werde, so ist auch diesem großen Übeltäter nicht bekannt, daß der kräftige Schlag der Hand Gottes über ihn kommt, wenn er sich in das todbringende Übel aller Übel einhüllt.



Die Macht Gottes vernichtet in sichtbarer Stärke gleichermaßen den Sohn des Verderbens wie den Teufel durch ewige Verdammnis
Und da ertönt plötzlich etwas wie ein Donnerschlag und trifft das Haupt mit solcher Wucht, daß es von diesem Berg herabstürzt und seinen Geist im Tod aushaucht. Denn die sich offenbarende Macht Gottes streckt den Sohn des Verderbens mit solcher Kraft seines Eifers nieder, daß er vom Hochmut, mit dem er sich gegen Gott erhoben hatte, durch den großen Fall seiner Anmaßung kopfüber herabstürzt und so im Tod ewiger Verdammnis seinen Lebensodem vollständig von sich gibt. Denn wie die Versuchungen meines Sohnes beendet wurden, als er bei der Versuchung dem Teufel befahl: 'Weiche Satan' und jener erschreckt floh, so werden auch diese Verfolgungen, die der Sohn der Bosheit über die Kirche bringt, in diesem meinem Eifer ihr Ende finden.



Höllischer Gestank und Dunst wird den Ort seiner Überheblichkeit erfüllen, damit die Getäuschten zurückweichen
Daher ergreift auch sogleich ein so übelriechender Dunst den ganzen Berg, und das Haupt wird darin von so großem Schmutz bedeckt, daß das dabeistehende Volk in größten Schrecken versetzt wird. Denn der so unreine und höllische Gestank wird den Ort seiner Überheblichkeit ganz erfüllen, an dem jener schlimme Verleumder einen solchen Schmutz ausspie, daß man sich nach gerechtem Urteil Gottes von da an weder an seinen Beginn noch an sein Ende erinnern kann. Jene Scharen sehen nämlich seine Leiche stumm auf die Erde hingestreckt und von großer Fäulnis erfüllt; sie erkennen, daß sie getäuscht sind und der Dunst bleibt noch etwas länger um diesen Berg herum. Denn jener Gestank, der den teuflischen Hochmut umgibt, erweist ihn als unrein, damit die von ihm verführten Menschen, welche den Gestank und jenen Schmutz wahrnehmen, ihren Irrtum meiden und zur Wahrheit zurückkehren. Denn als das anwesende Volk das sieht, wird es von großer Angst erfüllt; als sie das nämlich erblicken, überfällt sie größtes Entsetzen, so daß sie heulend und weinend in Klagen ausbrechen und bekennen, sie hätten sich schwer getäuscht.



Nach der Niederstreckung des Sohnes des Verderbens wird die Braut Christi vom Glanz. wunderbarer Schönheit strahlen, während die Irrenden zum Weg der Wahrheit zurückkehren
Und plötzlich erscheinen die Füße der erwähnten weiblichen Gestalt glänzend weiß und leuchten heller auf als der Glanz der Sonne. Das heißt: Die Stärke des Fundaments und die Stütze der Braut meines Sohnes wird den großen Glanz des Glaubens zeigen und jene Schönheit, die alle Anmut irdischer Herrlichkeit übertrifft, aufweisen, wenn der Sohn des Verderbens – wie schon gesagt wurde – niedergestreckt ist und viele der Verirrten zur Wahrheit zurückkehren.



Der Tag des Gerichts kann niemand als Gott kennen
Doch nach dem Fall des Gottlosen soll der sterbliche Mensch nicht zu erfahren suchen, wann bei der Auflösung der Welt der Jüngste Tag eintrifft, denn er kann ihn nicht kennen. Der Vater hat ihn nämlich in seinem verborgenen Geheimnis aufbewahrt. Bereitet euch also zum Gericht, o Menschen! Wie aber schon erwähnt wurde, wird der Sohn des Verderbens mit seinem Vater, dem Teufel, und mit all seinen Künsten in der Endzeit von meinem Sohn, dem stärksten Kämpfer, überwunden werden, wie auch die so starken Feinde des Samson, der sein Vorbild war, verworfen wurden, wie geschrieben steht.


Hildegard Maria

Themen Überblick

Betreff Absender Datum
Heilige und Selige esther10 29.09.2010 13:22
RE: Heilige und Selige esther10 29.09.2010 13:25
Heilige und Selige....Wer ist ein Christ esther10 01.10.2010 01:21
Heilige und Selige.... esther10 01.10.2010 13:43
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RE: Heilige Gertrud esther10 09.10.2010 20:13
Pater Jakob Rem SJ (1546-1618) rosenberg 12.10.2010 08:23
Heilige Verena, große Heilige der Schweiz esther10 27.10.2010 10:17
Heilige und seelige esther10 05.11.2010 18:15
RE: Heilige und seelige Ursula 08.11.2010 10:44
RE: Heilige und seelige Hildegard Maria 08.11.2010 11:00
RE: Heilige und seelige esther10 08.11.2010 16:21
RE: Heilige und seelige rosenberg 10.11.2010 08:51
Heilige und seelige esther10 10.11.2010 10:08
 

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