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Hoffe auf den Herrn

RE: Aktuelles

 von Hildegard Maria , 16.11.2010 09:09

Newsletter des Netzwerks katholischer Priester


Ratlose Priester - Im Loyalitätskonflikt zwischen Rom und Ortskirche –
Interview in der Kirchlichen Umschau mit Pfarrer Hendrick Jolie - November 2010


Pfarrer Hendrick Jolie ist kein Barrikadenpriester, der seine Gemeinde mit immer neuem reformatorischem Eifer zu weiteren „Aufbrüchen“ treiben will. Als „konservativ “ kann man den 1992 geweihten Diözesangeistlichen (46) des Bistums Mainz aber auch nicht bezeichnen, denn am Erhalt des status quo der real existierenden Pastoral ist er nicht interessiert. Er gehört zur nachwachsenden Generation, die weder vom „Superkonzil“ geprägt ist, noch von vorkonziliaren „Erinnerungen“. Er will Priester sein, so wie die Kirche Priester will. Non plus, non minus, non aliter (nicht mehr, nicht weniger, nicht anders).

Diese zunehmende Neuorientierung unter den jungen Klerikern ist ein Phänomen, das den „Krawatten-Priester-Mainstream“ und die „andere Hierarchie“ unruhig macht. Der „Generation Benedikt“ unter den Priestern geht es nämlich nicht um eine vordergründige Kosmetik der Kirchenkrise: Vielmehr erkennt sie ein Problem, auf das der Herr selbst bereits hingewiesen hat: „Wenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben. Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie nicht bestehen.“ (Markus 3,24f)



Immer mehr junge Priester leiden unter dem „doppelten“ Gehorsam, der eingefordert wird, aber an sich widersprüchlich ist: Auf der einen Seite Rom, auf der anderen Seite eine sich anbahnende Nationalkirche antirömischer Prägung.



Nicht zuletzt dieser Leidensdruck führte 2001 zur Gründung des „Netzwerks katholischer Priester“ – eine Gesinnungsgemeinschaft von Klerikern, die ihr Priesteramt getreu ihrem Weiheversprechen ausüben wollen. Daß eine Art Selbsthilfegruppe lehramtstreuer Priester in Deutschland überhaupt nötig wurde und sich wachsenden Zulaufs erfreut, zeigt, wie viele Priester mittlerweile „zwischen den Stühlen“ sitzen, was die Gehorsamsforderung (hier der Papst, dort der Ortsordinarius) anbelangt.



Pfarrer Jolie hat mit siebzehn Mitbrüdern des Priesternetzwerks einen Brief nach Rom geschrieben, um in einer wichtigen Frage Auskunft zu erhalten, wem der Gehorsam in der Kirche geschuldet ist.



Kirchliche Umschau: Hochwürden, haben Sie ein Autoritätsproblem?



Pfarrer Hendrick Jolie: Das sollten Sie lieber einmal die deutschen Bischöfe fragen (lacht). Im Ernst: Die Ausübung der Autorität ist in unserer Kirche vernunftgemäß begründet und sakramental verankert. Als ich im Alter von 20 Jahren – und nach einer Zeit relativer Zügellosigkeit – die Schönheit der Kirche neu entdeckte, erschien mir diese katholische Form der Autoritätsausübung als der größte Schatz. Ich stieß auf ein Wort der Heiligen Theresa von Avila, daß es keinen Weg gibt, der so schnell zur höchsten Vollkommenheit führt wie der des Gehorsams (Klosterstiftungen 5,11). Aufgrund meiner eigenen Erfahrung weiß ich deshalb: Es geht um viel, wenn innerhalb der Kirche der Gehorsam auf dem Spiel steht. Oftmals geht es aber heute eben nicht nur um sogenannte „Meinungsverschiedenheiten.“ Vielmehr ist der Glaube in Gefahr.



Wir, die im Netzwerk katholischer Priester verbundenen Geistlichen, beobachten seit Jahren mit großer Besorgnis das Auseinanderdriften von Orts- und Universalkirche. Niemand täusche sich: Wo in Presseerklärungen der Bischofskonferenz euphemistisch von „Spannungen“ oder „unterschiedlichen Auffassungen“ gesprochen wird, wo einzelne Bischöfe ankündigen, man wolle hinsichtlich päpstlicher Weisungen „Spielräume ausloten“ oder „im Gespräch mit Rom bleiben“, da geht es oftmals ums Ganze: Es geht um die Frage, wer in Glaubens- oder Moralfragen das letzte Wort hat.


Man braucht außerdem kein „Piusbruder“ zu sein, um festzustellen, daß das ausufernde Kollegialitätsprinzip des bischöflichen Amtes und der damit zusammenhängende Einfluss der Bischofskonferenzen zu Problemen geführt haben, die selbst der Papst kaum noch in den Griff bekommt, ganz zu schweigen von den nicht mehr lösbaren Problemen „an der Basis“:


A propos Basis: Die Uneinigkeit und der Ungehorsam in zentralen Fragen haben dazu geführt, daß der Großteil der Katholiken sich von ihrem Pfarrer nichts mehr sagen läßt. Beliebte Formulierung ist dabei: „Sie sehen das so, ich sehe das anders.“ Und hierbei geht es oft nicht um Kleinigkeiten, sondern um den Glauben der Kirche. Bedauerlicherweise können sie sich dann oft noch auf einen Nachbarpfarrer oder gar einen Bischof berufen, der z.B. in der Frage der Zulassung zu den Sakramenten oder in der Frage, wo die wahre Kirche Christi zu finden ist, tatsächlich das Gegenteil von dem verkündet, was ich in der Predigt gesagt habe und was traditionelle Lehre der Kirche ist. - Wo soll das aber hinführen, wenn der Gehorsam in der Kirche zusammengebrochen ist? Wenn jedes Dogma relativiert und als nicht mehr verbindlich angesehen wird?



Der nun schon vier Jahre dauernde Streit um eine Korrektur der falsch übersetzten Wandlungsworte im deutschen Missale („pro multis“ heißt eben „für viele“ und nicht „für alle“) zeigt: Die Auseinandersetzung um die Autorität in der Kirche ist in das Herz des Glaubens vorgedrungen. Schon im Abendmahlssaal stritten bekanntlich die Apostel darum, wer von ihnen der Größte sei. Damals wie heute ist das kein rein disziplinarisches Problem. Deswegen noch einmal: Wenn der Gehorsam in zentralen Fragen zur Disposition gestellt wird, steht der Glaube auf dem Spiel. Nicht zufällig wendet sich der Herr im Abendmahlssaal an den Heiligen Petrus mit dem Hinweis, er habe für ihn gebetet, damit sein Glaube nicht wanke. Petrus braucht diesen Glauben an die ihm vom Herrn übertragene Sonderstellung. Wenn dieser Glaube wankt, dann kann Petrus auch die „Brüder“ im Glauben nicht mehr stärken. Im Kern gibt es also von Anfang an die Gefahr, das Petrusamt zu nivellieren und die Aufkündigung von Gehorsam als Meinungsverschiedenheit zu bagatellisieren. Das dürfen wir aber nicht zulassen. Hier mahnt uns das Gewissen, die Stimme zu erheben!



Der Streit um die Wandlungsworte ist in unseren Augen ein Symptom, das auf eine Gehorsams- und Glaubenskrise in der Kirche hinweist. Zu diesen Vorgängen können und werden wir nicht schweigen. Wir sind weder illoyal, noch wollen wir uns wichtigmachen, auch wenn uns das nicht selten vorgeworfen wird. Es geht uns hier um eine Gewissenspflicht, und wir hoffen, daß dies auch so respektiert und wahrgenommen wird.




Lesen Sie das Interview weiter unter: http://www.priesternetzwerk.net/gfx/pres..._ku_11-2010.pdf



Hildegard Maria

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