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St. Michaels Blog

13. JANUAR 2022 Suche nach: SUCHE … „Wir müssen daraus schließen, daß die Erklärung von Papst Franziskus unbegründet und falsch

 von anne , 13.01.2022 16:58

13. JANUAR 2022
Suche nach:
SUCHE …
„Wir müssen daraus schließen, daß die Erklärung von Papst Franziskus unbegründet und falsch ist“
P. WOJCIECH GOŁASKI OP ANALYSIERT TRADITIONIS CUSTODES UND GIBT SEINEN WECHSEL ZUR PIUSBRUDERSCHAFT BEKANNT
15. November 2021 7
P. Wojciech Gołaski OP schrieb Papst Franztiskus einen ausführlichen Brief zu Traditionis custodes, dem er vorwirft, richtiges und logisches Denken zu verhindern.
P. Wojciech Gołaski OP schrieb Papst Franziskus einen ausführlichen Brief zu Traditionis custodes, dem er vorwirft, richtiges und logisches Denken zu verhindern.
Der polnische Dominikaner P. Wojciech Gołaski OP schrieb Papst Franziskus einen ausführlichen Brief zum Motu proprio Traditionis custodes. Darin berichtet er Franziskus, wie er den überlieferten Ritus vor zwölf Jahren entdeckte und welch überwältigenden Schatz er darin fand. Er analysiert das Motu proprio, zeigt dessen schwerwiegende Denkfehler und Irrtümer auf und gelangt zum Schluß, daß Traditionis custodes „unbegründet und falsch ist“. Am Ende teilt er dem Papst mit, zur Piusbruderschaft zu wechseln, die sein dominikanisches Charisma respektiere: „Sie bietet mir nicht nur ein Leben im Dienst an Gott und der Kirche, einen Dienst, der nicht durch Widersprüche behindert wird, sondern auch die Möglichkeit, den Widersprüchen entgegenzutreten, die ein Feind der Wahrheit sind und die die Kirche so heftig angegriffen haben.“

Auch in den Gemeinschaften der Tradition ist man sich bewußt, daß Santa Marta den überlieferten Ritus auslöschen und neue Priesterweihen im überlieferten Ritus unterbinden will. Der Ritus und die mit ihm verbundenen Gemeinschaften und Gläubigen sollen aussterben.
Das Schreiben von P. Gołaski wurde vor wenigen Tagen vom US-Blog Rorate Caeli in englischer Sprache veröffentlicht. Hier die deutsche Übersetzung einer wichtigen Analyse und eines bedeutenden Dokuments der persönlichen Gewissensentscheidung.

Jamna, 17. August 2021

Seine Heiligkeit Papst Franziskus
Domus Sanctae Marthae
Heiliger Stuhl
Vatikanstadt


Zu Händen von:
Hochw. Generalmeister des Ordens, Gerard Francisco Timoner III. OP
Pater Provinzial der Polnischen Provinz, Paweł Kozacki OP
S. E. Bischof der Diözese Tarnów, Andrzej Jeż
Pater Superior des Hauses in Jamna, Andrzej Chlewicki OP
Brüder und Schwestern im Orden
Hochw. Oberer des polnischen Distrikts der Bruderschaft St. Pius X., Karl Stehlin FSSPX
Omnes quos res tangit

Heiliger Vater!
Ich wurde vor 57 Jahren geboren und trat vor 35 Jahren in den Dominikanerorden ein. Vor 29 Jahren legte ich meine ewigen Gelübde ab und bin nun seit 28 Jahren Priester. Aus meiner frühen Kindheit hatte ich nur vage Erinnerungen an die Heilige Messe in ihrer Form vor den Reformen von 1970. Sechzehn Jahre nach meiner Priesterweihe drängten mich zwei Laienfreunde (die sich nicht kannten), zu lernen, wie man die Heilige Messe in ihrer traditionellen Form feiert. Ich habe auf sie gehört.

Das war ein Schock für mich. Ich entdeckte, dass die Heilige Messe in ihrer klassischen Form:

die ganze Aufmerksamkeit des Priesters und der Gläubigen auf das Mysterium lenkt,
mit großer Präzision der Worte und Gesten den Glauben der Kirche an das, was hier und jetzt auf dem Altar geschieht, zum Ausdruck bringt,
mit einer ihrer Präzision entsprechenden Kraft den Glauben des Zelebranten und des Volkes stärkt,
weder den Priester noch die Gläubigen zu eigenen Erfindungen oder Kreativität während der Liturgie verleitet,
sie ganz im Gegenteil auf einen Weg der Stille und der Kontemplation führt,
durch die Zahl und die Art der Gesten die Möglichkeit zu unablässigen Akten der Frömmigkeit und der Liebe zu Gott bietet,
den Priester und die Gläubigen vereint, indem er sie auf dieselbe Seite des Altars stellt und sie in dieselbe Richtung dreht: versus Crucem, versus Deum.
Ich sagte mir: Das also ist die Heilige Messe! Und ich, seit 16 Jahren ein Priester, wusste es nicht! Es war ein gewaltiges Heureka [wörtlich: Ich hab’s gefunden], eine Entdeckung, nach der meine Vorstellung von der Messe nicht mehr dieselbe bleiben konnte.

Von Anfang an war mir aufgefallen, dass dieser Ritus das Gegenteil des Klischees ist. Statt Formalismus freier Ausdruck der Seele vor Gott. Statt Frigidität die Inbrunst des göttlichen Kultes. Statt Distanz Nähe. Statt Fremdheit Intimität. Statt Starrheit Sicherheit. Statt der Passivität der Laien ihre tiefe und lebendige Verbundenheit mit dem Mysterium (durch die Laien wurde ich schließlich zur überlieferten Messe geführt). Statt einer Kluft zwischen Priester und Gläubigen eine enge geistliche Verbindung zwischen allen Anwesenden, die durch die Stille des Kanons geschützt und ausgedrückt wird. Bei dieser Entdeckung wurde mir klar: Gerade diese Form ist unsere Brücke zu den Generationen, die vor uns gelebt und den Glauben weitergegeben haben. Meine Freude über diese kirchliche Einheit, die alle Zeiten überdauert, war enorm.

Von Anfang an erlebte ich die starke geistliche Anziehungskraft der Messe in ihrer traditionellen Form. Es waren nicht die Zeichen an sich, die mich anzogen, sondern ihre Bedeutung, die die Seele zu lesen weiß. Schon der Gedanke an die nächste Feier erfüllte mich mit Freude. Mit Eifer und Sehnsucht suchte ich jede Gelegenheit zum Zelebrieren. Sehr bald reifte in mir die völlige Gewissheit, dass ich, wenn ich die Messe (wie auch jedes Sakrament und jede Zeremonie) bis zum Ende meiner Tage nur in ihrer traditionellen Form feiere, die nachkonziliare Form nicht im Geringsten vermissen würde.

Hätte mich jemand gebeten, mit einem einzigen Wort meine Gefühle über die überlieferte Zelebration im Kontext des reformierten Ritus auszudrücken, hätte ich „Erleichterung“ geantwortet. Denn es war in der Tat eine Erleichterung, eine unbeschreiblich tiefe. Es war wie bei jemandem, der sein ganzes Leben lang in Schuhen gelaufen ist, die einen Kieselstein enthalten, der an den Füßen reibt und sie reizt, der aber keine andere Erfahrung mit dem Laufen hat, und dem 16 Jahre später ein Paar Schuhe ohne Kieselstein und die Worte angeboten werden: „Hier, ziehen Sie die an, probieren Sie sie aus!“ Ich entdeckte nicht nur die Heilige Messe wieder, sondern auch den verblüffenden Unterschied zwischen den beiden Formen: derjenigen, die seit Jahrhunderten in Gebrauch war, und der nachkonziliaren. Ich hatte diesen Unterschied nicht gekannt, weil ich die frühere Form nicht kannte. Ich kann meine Begegnung mit der traditionellen Liturgie nicht mit einer Begegnung mit jemandem vergleichen, der mich adoptiert hat und mein Adoptivelternteil geworden ist. Es war vielmehr eine Begegnung mit der Mutter, die schon immer meine Mutter war, die ich aber nicht kannte.

Bei all dem wurde ich vom Segen der Päpste begleitet. Sie hatten gelehrt, dass das Messbuch von 1962 „nie rechtlich aufgehoben wurde und daher im Prinzip immer erlaubt bleibt“, und hinzugefügt, dass „das, was für frühere Generationen heilig war, auch für uns heilig und großartig bleibt und nicht plötzlich völlig verboten oder gar als schädlich angesehen werden kann. Es liegt an uns allen, die Reichtümer, die durch den Glauben und das Gebet der Kirche entstanden sind, zu bewahren und ihnen den ihnen gebührenden Platz einzuräumen“ (Benedikt XVI., Brief an die Bischöfe, 2007). Die Gläubigen wurden auch belehrt: „Wegen ihres ehrwürdigen und uralten Gebrauchs ist die forma extraordinaria mit der ihr gebührenden Ehre zu erhalten“; sie wurde als „ein kostbarer Schatz, den es zu bewahren gilt“ bezeichnet (Instruktion Universae Ecclesiae, 2011). Diese Worte folgten auf frühere Dokumente, die es den Gläubigen ermöglichten, die traditionelle Liturgie nach den Reformen von 1970 zu verwenden; das erste war Quattuor abhinc annos von 1984. Grundlage und Quelle all dieser Dokumente ist nach wie vor die Bulle des Heiligen Pius V. Quo primum tempore (1570).

Heiliger Vater, wenn wir, ohne das feierliche Dokument von Papst Pius V. zu vergessen, die Zeitspanne berücksichtigen, die die Erklärungen Ihrer unmittelbaren Vorgänger umfasst, haben wir eine Dauer von 37 Jahren, von 1984 bis 2021, in denen die Kirche den Gläubigen in Bezug auf die überlieferte Liturgie immer nachdrücklicher gesagt hat: „Es gibt einen solchen Weg. Ihr könnt ihn beschreiten.“

Ich bin also den Weg gegangen, den mir die Kirche angeboten hat.

Wer diesen Weg geht, wer will, dass dieser Ritus, der das Gefäß der göttlichen Gegenwart und der göttlichen Hingabe ist, in seinem Leben Früchte trägt; der muss sich ganz öffnen, um sich und die anderen Gott anzuvertrauen, der durch das Gefäß dieses heiligen Ritus in uns gegenwärtig ist und handelt. Das habe ich getan, mit vollem Vertrauen.

Dann kam der 16. Juli 2021.

Aus Ihren Dokumenten, Heiliger Vater, habe ich erfahren, dass der Weg, den ich zwölf Jahre lang gegangen war, nicht mehr existiert.

Wir haben Aussagen von zwei Päpsten. Seine Heiligkeit Benedikt XVI. hatte gesagt, dass das von Pius V. promulgierte Römische Messbuch „als außerordentlicher Ausdruck der lex orandi der katholischen Kirche des Römischen Ritus betrachtet werden muss“. Seine Heiligkeit Papst Franziskus sagt jedoch, dass „die von den Päpsten Paul VI. und Johannes Paul II. promulgierten liturgischen Bücher (…) der einzige Ausdruck der lex orandi des Römischen Ritus sind.“ Die Behauptung des Nachfolgers verneint also die seines noch lebenden Vorgängers.

Kann eine bestimmte Art der Messfeier, die durch eine uralte, jahrhundertealte Tradition bestätigt, von jedem Papst, auch von Ihnen, Heiliger Vater, bis zum 16. Juli 2021 anerkannt und durch ihre Praxis über so viele Jahrhunderte hinweg geheiligt wurde, plötzlich aufhören, die lex orandi des Römischen Ritus zu sein? Wenn dies der Fall wäre, würde das bedeuten, dass ein solches Merkmal dem Ritus nicht innewohnt, sondern ein äußeres Attribut ist, das den Entscheidungen jener unterliegt, die hohe Ämter bekleiden. In Wirklichkeit bringt die überlieferte Liturgie die lex orandi des Römischen Ritus durch jede Geste, jeden Satz und durch das Ganze, das sie bilden, zum Ausdruck. Es ist auch garantiert, dass sie diese lex orandi zum Ausdruck bringt, wie es die Kirche aufgrund ihres ununterbrochenen Gebrauchs seit undenklichen Zeiten immer getan hat.

Wir müssen daraus schließen, dass die erste päpstliche Erklärung [von Benedikt] auf soliden Grundlagen steht und wahr ist und dass die zweite [von Franziskus] unbegründet und falsch ist.

Aber obwohl sie falsch ist, wird ihr dennoch Gesetzeskraft verliehen. Das hat Konsequenzen, über die ich weiter unten schreiben werde.

Die Zugeständnisse bezüglich der Verwendung des Missale von 1962 haben jetzt einen anderen Charakter als früher. Es geht nicht mehr darum, auf die Liebe zu reagieren, mit der die Gläubigen an der überlieferten Form festhalten, sondern darum, den Gläubigen Zeit zu geben – wieviel Zeit, wird uns nicht gesagt –, um zur reformierten Liturgie „zurückzukehren“. Aus den Worten des Motu proprio und Ihrem Brief an die Bischöfe geht eindeutig hervor, dass die Entscheidung getroffen wurde und bereits umgesetzt wird, die traditionelle Liturgie aus dem Leben der Kirche zu entfernen und sie in den Abgrund des Vergessens zu stürzen: Sie darf in den Pfarrkirchen nicht verwendet werden, es dürfen keine neuen Gruppen gebildet werden, Rom muss konsultiert werden, wenn neue Priester sie zelebrieren sollen. Die Bischöfe sollen nun zwar Traditionis Custodes sein, „Hüter der Tradition“, aber nicht im Sinne von Hütern, die sie beschützen, sondern eher im Sinne von Gefängniswärtern.

Erlauben Sie mir, meine Überzeugung zum Ausdruck zu bringen, dass dies nicht geschehen wird und dass die Operation scheitern wird. Was sind die Gründe für diese Überzeugung? Eine sorgfältige Analyse der beiden Briefe vom 16. Juli zeigt vier Komponenten auf:

Hegelianismus,
Nominalismus,
Glaube an die Allmacht des Papstes und
kollektive Verantwortung.
Jede dieser Komponenten ist ein wesentlicher Bestandteil Ihrer Botschaft, und keine von ihnen lässt sich mit dem katholischen Glaubensgut vereinbaren. Da sie nicht mit dem Glauben in Einklang gebracht werden können, werden sie weder in der Theorie noch in der Praxis in den Glauben integriert werden. Lassen Sie uns jede von ihnen der Reihe nach untersuchen.

1) Hegelianismus
Der Begriff ist konventionell: Er bezeichnet nicht wörtlich das System des deutschen Philosophen Hegel, sondern etwas, das sich aus diesem System ableitet, nämlich das Geschichtsverständnis als einen guten, rationalen und unvermeidlichen Prozess kontinuierlicher Veränderungen. Diese Denkweise hat eine lange Geschichte, von Heraklit und Plotin über Joachim von Fiore bis hin zu Hegel, Marx und ihren modernen Erben. Charakteristisch für diesen Ansatz ist die Einteilung der Geschichte in Phasen, wobei der Beginn jeder neuen Phase mit dem Ende der vorangegangenen verbunden wird. Versuche, den Hegelianismus zu „taufen“, sind nichts anderes als Versuche, diese angeblichen historischen Phasen mit der Autorität des Heiligen Geistes auszustatten. Es wird angenommen, dass der Heilige Geist der nächsten Generation etwas mitteilt, was er der vorhergehenden nicht gesagt hat, oder dass er sogar etwas mitteilt, das dem widerspricht, was er vorher gesagt hat. Im letzteren Fall müssen wir eines von drei Dingen annehmen:

entweder hat die Kirche in bestimmten Phasen dem Heiligen Geist nicht gehorcht,
oder der Heilige Geist unterliegt einem Wandel,
oder er trägt Widersprüche in sich.
Eine weitere Folge dieser Weltanschauung ist eine Veränderung des Verständnisses von Kirche und Tradition. Die Kirche wird nicht mehr als eine Gemeinschaft gesehen, die die Gläubigen über die Zeit hinweg vereint, wie es im katholischen Glauben der Fall ist, sondern als eine Reihe von Gruppen, die den verschiedenen Phasen angehören. Diese Gruppen verfügen nicht mehr über eine gemeinsame Sprache: Unsere Vorfahren hatten keinen Zugang zu dem, was der Heilige Geist uns heute sagt. Die Tradition selbst ist nicht mehr eine einzige Botschaft, die ständig vertieft studiert wird; sie besteht vielmehr darin, immer wieder neue Dinge vom Heiligen Geist zu empfangen. Wir hören stattdessen, wie in Ihrem Brief an die Bischöfe, Heiliger Vater, von „der Dynamik der Tradition“, oft verbunden mit einer Anwendung auf konkrete Ereignisse. Ein Beispiel dafür ist, wenn Sie schreiben, dass die „letzte Phase dieser Dynamik das Zweite Vatikanische Konzil ist, während dessen sich die katholischen Bischöfe versammelten, um zu hören und den Weg zu erkennen, den der Heilige Geist der Kirche weist“. Diese Argumentation impliziert, dass eine neue Phase neue liturgische Formen erfordert, weil die bisherigen für die vorangegangene Phase geeignet waren, die nun vorbei ist. Da diese Abfolge der Phasen vom Heiligen Geist durch das Konzil sanktioniert wird, widersetzen sich jene dem Heiligen Geist, die an den alten Formen festhalten, obwohl sie Zugang zu den neuen haben.

Solche Ansichten stehen jedoch im Widerspruch zum Glauben. Die Heilige Schrift, die Norm des katholischen Glaubens, bietet keinen Grund für ein solches Geschichtsverständnis. Vielmehr lehrt sie uns ein ganz anderes Verständnis. Als König Josia von der Entdeckung des alten Buches des Gesetzes erfuhr, ordnete er an, dass das Paschafest, trotz einer Unterbrechung von einem halben Jahrhundert, nach diesem Buch gefeiert werden sollte (2 Kön 22–23). Ebenso feierten Esra und Nehemia nach ihrer Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft das Laubhüttenfest mit dem ganzen Volk streng nach den alten Aufzeichnungen des Gesetzes, obwohl seit der letzten Feier viele Jahrzehnte vergangen waren (Neh 8). In jedem Fall wurden die alten Gesetzestexte benutzt, um den Gottesdienst nach einer Zeit des Aufruhrs zu erneuern. Niemand verlangte eine Änderung des Rituals mit der Begründung, dass eine neue Zeit angebrochen sei.

2) Nominalismus
Während der Hegelianismus das Geschichtsverständnis beeinflusst, wirkt sich der Nominalismus auf das Verständnis der Einheit aus. Der Nominalismus impliziert, dass die Einführung einer äußeren Einheit (durch eine Verwaltungsentscheidung von oben nach unten) gleichbedeutend mit der Verwirklichung einer wirklichen Einheit ist. Das liegt daran, dass der Nominalismus die spirituelle Wirklichkeit abschafft, indem er versucht, sie mit materiellen Maßnahmen zu erfassen und zu regeln. Sie schreiben, Heiliger Vater: „Um die Einheit des Leibes Christi zu verteidigen, sehe ich mich gezwungen, die von meinen Vorgängern gewährte Vollmacht zurückzunehmen“. Aber um dieses Ziel, die wahre Einheit, zu erreichen, haben Ihre Vorgänger die gegenteilige Entscheidung getroffen, und das nicht ohne Grund. Wenn man begreift, dass die wahre Einheit etwas Geistiges und Inneres beinhaltet und sich somit von der bloßen äußeren Einheit unterscheidet, sucht man sie nicht mehr nur durch die Einheitlichkeit der äußeren Zeichen. Auf diese Weise erlangt man keine wahre Einheit, sondern eine Verarmung und das Gegenteil von Einheit: Spaltung.

Die Einheit entsteht nicht durch den Entzug von Fähigkeiten, den Widerruf der Zustimmung und die Auferlegung von Grenzen. König Rehabeam von Juda beriet sich mit zwei Gruppen von Beratern, bevor er entschied, wie er die Israeliten behandeln sollte, die von ihm eine Verbesserung ihres Loses wünschten. Die Älteren empfahlen Nachsicht und eine Verringerung der Lasten des Volkes: Das Alter symbolisiert in der Heiligen Schrift oft die Reife. Die Jüngeren, die Zeitgenossen des Königs waren, empfahlen, die Lasten zu erhöhen und harte Worte zu gebrauchen: Die Jugend steht in der Heiligen Schrift oft für Unreife. Der König folgte dem Rat der jungen Leute. Dies führte nicht zu einer Einigung zwischen Juda und Israel. Im Gegenteil, es begann die Spaltung des Landes in zwei Königreiche (1 Kön 12). Unser Herr heilte diese Spaltung durch Milde, denn er wusste, dass der Mangel an dieser Tugend die Spaltung verursacht hatte.

Vor Pfingsten beurteilten die Apostel die Einheit nach äußeren Kriterien. Dieser Ansatz wurde vom Heiland selbst korrigiert, der auf die Worte des heiligen Johannes: „Meister, wir sahen einen Mann, der in deinem Namen die bösen Geister austrieb, und wir ließen ihn nicht gewähren, weil er nicht zu uns gehörte“, antwortete: „Lasst ihn gewähren, denn wer nicht gegen euch ist, ist mit euch“ (Lk 9,49–50; vgl. Mt 9,38–41). Heiliger Vater, Sie hatten viele Hunderttausende von Gläubigen, die „nicht gegen“ Sie waren. Und Sie haben so viel getan, um es ihnen schwer zu machen! Wäre es nicht besser gewesen, den Worten des Erlösers zu folgen, die auf ein tieferes, geistiges Fundament der Einheit hinweisen? Hegelianismus und Nominalismus werden häufig zu Verbündeten, da das materialistische Verständnis der Geschichte zu der Überzeugung führt, dass jede Etappe unwiderruflich enden muss.

3) Der Glaube an die Omnipotenz des Papstes
Als Papst Benedikt XVI. dem Gebrauch der klassischen Form der Liturgie größere Freiheit gewährte, berief er sich auf einen jahrhundertealten Brauch und Usus. Diese bildeten eine solide Grundlage für seinen Entschluss. Die Entscheidung Eurer Heiligkeit stützt sich nicht auf solche Grundlagen. Im Gegenteil, sie widerruft etwas, das seit sehr langer Zeit besteht und Bestand hat. Sie schreiben, Heiliger Vater, dass Sie sich auf die Entscheidungen des heiligen Pius V. stützen, aber er hat Kriterien angewandt, die genau das Gegenteil von Ihren eigenen sind. Ihm zufolge sollte das, was seit Jahrhunderten bestand und Bestand hatte, ungestört fortbestehen; nur das, was neu war, wurde abgeschafft. Die einzige Grundlage für Ihre Entscheidung ist also der Wille einer einzigen Person, die mit päpstlicher Autorität ausgestattet ist. Kann aber diese Autorität, so groß sie auch sein mag, verhindern, dass alte liturgische Bräuche Ausdruck der lex orandi der römischen Kirche sind? Der heilige Thomas von Aquin fragt sich, ob Gott bewirken kann, dass etwas, das einmal existierte, nie existiert hat. Die Antwort lautet nein, denn der Widerspruch ist nicht Teil der Allmacht Gottes (Summa Theologiae, S. I, Qu. 25, Art. 4). In ähnlicher Weise kann die päpstliche Autorität nicht bewirken, dass traditionelle Rituale, die jahrhundertelang den Glauben der Kirche (lex credendi) zum Ausdruck gebracht haben, eines Tages plötzlich nicht mehr das Gebetsrecht derselben Kirche (lex orandi) zum Ausdruck bringen. Der Papst kann Entscheidungen treffen, aber nicht solche, die eine Einheit verletzen, die sich auf die Vergangenheit und die Zukunft erstreckt, weit über die Dauer seines Pontifikats hinaus. Der Papst steht im Dienst einer Einheit, die größer ist als seine eigene Autorität. Denn es handelt sich um eine von Gott gegebene Einheit und nicht um eine von Menschen geschaffene. Daher hat die Einheit Vorrang vor der Autorität und nicht die Autorität vor der Einheit.

4) Die kollektive Verantwortung
Sie, Heiliger Vater, erheben verschiedene und schwerwiegende Anschuldigungen gegen jene, die die von Papst Benedikt XVI. anerkannten Befugnisse ausüben, und begründen damit Ihre Entscheidung. Es wird jedoch nicht spezifiziert, wer diese Missbräuche begeht, oder wo oder in welcher Anzahl. Es gibt nur die Worte „oft“ und „viele“. Wir wissen nicht einmal, ob es sich um eine Mehrheit handelt. Wahrscheinlich nicht. Doch nicht die Mehrheit, sondern alle, die von den oben genannten Möglichkeiten Gebrauch machen, sind von einer drakonischen Strafe betroffen. Sie wurden ihres spirituellen Weges beraubt, entweder sofort oder zu einem unbestimmten zukünftigen Zeitpunkt. Es gibt sicherlich Menschen, die Messer missbrauchen. Sollte man deshalb die Herstellung und den Vertrieb von Messern verbieten? Ihre Entscheidung, Heiliger Vater, ist weitaus schwerwiegender als die hypothetische Absurdität eines allgemeinen Verbots der Herstellung von Messern.

Heiliger Vater: Warum tun Sie das? Warum haben Sie die heilige Praxis der überlieferten Form der Zelebration des heiligsten Opfers unseres Herrn angegriffen? Die Missbräuche, die in anderen Formen begangen werden, auch wenn sie weit verbreitet oder allgemein sind, führen zu nichts anderem als zu Worten, zu allgemein formulierten Erklärungen. Aber wie kann man mit Autorität lehren, dass „das Verschwinden einer Kultur genauso schwerwiegend oder sogar schwerwiegender sein kann als das Verschwinden einer Pflanzen- oder Tierart“ (Laudato si’, 145), und dann einige Jahre später mit einem einzigen Akt einen großen Teil des eigenen geistigen und kulturellen Erbes der Kirche dem Untergang weihen? Warum finden die von Ihnen formulierten Regeln der „Tiefenökologie“ in diesem Fall keine Anwendung? Warum haben Sie nicht stattdessen gefragt, ob die ständig wachsende Zahl der Gläubigen, die der traditionellen Liturgie beiwohnen, ein Zeichen des Heiligen Geistes sein könnte? Sie sind dem Rat von Gamaliel (Apg 5) nicht gefolgt. Stattdessen haben Sie ein Verbot auferlegt, das nicht einmal eine vacatio legis [mehrmonatiger Zeitraum bis zum Inkrafttreten eines Gesetzes] hatte.

Gott, der Herr, das Vorbild für irdische Herrscher und in erster Linie für kirchliche Autoritäten, setzt seine Macht nicht auf diese Weise ein. So spricht die Heilige Schrift von Gott: „Denn deine Macht ist der Anfang der Gerechtigkeit; und weil du aller Herr bist, bist du auch allen gnädig (…) Du aber, der du Herr der Macht bist, richtest und verfügst mit großer Huld über uns; denn deine Macht ist zur Hand, wenn du willst“ (Weish 12,1–18). Echte Macht braucht sich nicht durch Härte zu beweisen. Und Härte ist kein Attribut einer Autorität, die dem göttlichen Vorbild folgt. Unser Heiland selbst hat uns dazu eine präzise und zuverlässige Lehre hinterlassen (Mt 20,24–28). Den Menschen, die auf Gott zugehen, wird nicht nur der Boden unter den Füßen weggezogen, sondern es wird versucht, ihnen den Boden zu entziehen, auf dem sie gehen. Dieser Versuch wird nicht gelingen. Nichts, was im Widerspruch zum Katholizismus steht, wird in der Kirche Gottes akzeptiert werden.

Heiliger Vater, es ist unmöglich, zwölf Jahre lang den Boden unter den Füßen zu spüren und plötzlich zu behaupten, er sei nicht mehr da. Es ist unmöglich zu behaupten, dass meine eigene Mutter, die ich nach vielen Jahren gefunden habe, nicht meine Mutter ist. Die päpstliche Autorität ist immens. Aber selbst diese Autorität kann nicht bewirken, dass meine Mutter aufhört, meine Mutter zu sein! Ein einziges Leben kann nicht zwei sich gegenseitig ausschließende Brüche ertragen, von denen der eine einen Schatz öffnet, während der andere behauptet, dass dieser Schatz aufgegeben werden muss, weil sein Wert verfallen ist. Wenn ich diese Widersprüche akzeptieren würde, könnte ich kein intellektuelles Leben mehr haben, und damit auch kein geistliches Leben. Aus zwei sich widersprechenden Aussagen kann jede beliebige Behauptung, ob wahr oder falsch, abgeleitet werden. Das bedeutet das Ende des rationalen Denkens, das Ende jeglicher Vorstellung von der Realität, das Ende der effektiven Kommunikation von irgendetwas zu irgendjemandem. Aber all diese Dinge sind grundlegende Bestandteile des menschlichen Lebens im Allgemeinen und des dominikanischen Lebens im Besonderen.

Ich habe keine Zweifel an meiner Berufung. Ich bin fest entschlossen, mein Leben und meinen Dienst im Orden des heiligen Dominikus fortzusetzen. Aber dazu muss ich in der Lage sein, richtig und logisch zu denken. Nach dem 16. Juli 2021 ist dies für mich in den bestehenden Strukturen nicht mehr möglich. Ich sehe mit aller Klarheit, dass der Schatz der heiligen Riten der Kirche, der Boden unter den Füßen derer, die sie praktizieren, und die Mutter ihrer Frömmigkeit, weiter besteht. Ebenso klar ist mir geworden, dass ich dafür Zeugnis ablegen muss.

Es bleibt mir nichts anderes übrig, als mich an diejenigen zu wenden, die von Beginn der radikalen Veränderungen an (Veränderungen, die weit über den Willen des Zweiten Vatikanischen Konzils hinausgehen) die Tradition der Kirche zusammen mit der Achtung der Kirche vor den Erfordernissen der Vernunft verteidigt haben und die den Gläubigen weiterhin das unveränderliche Gut des katholischen Glaubens vermitteln: die Priesterbruderschaft St. Pius X. Die FSSPX hat sich bereit gezeigt, mich aufzunehmen, wobei sie meine dominikanische Identität voll respektiert. Sie bietet mir nicht nur ein Leben im Dienst an Gott und der Kirche, einen Dienst, der nicht durch Widersprüche behindert wird, sondern auch die Möglichkeit, den Widersprüchen entgegenzutreten, die ein Feind der Wahrheit sind und die die Kirche so heftig angegriffen haben.

Es gibt eine Kontroverse zwischen der Piusbruderschaft und den offiziellen Strukturen der Kirche. Es handelt sich um einen internen Streit innerhalb der Kirche, und er betrifft Fragen von großer Bedeutung. Die Dokumente und die Entscheidungen vom 16. Juli haben dazu geführt, dass sich meine Position zu diesem Thema mit derjenigen der Piusbruderschaft deckt. Wie jeder wichtige Streitfall muss auch dieser gelöst werden. Ich bin entschlossen, meine Bemühungen auf dieses Ziel auszurichten. Dieser Brief soll ein Teil dieser Bemühungen sein. Die Mittel, die dabei zum Einsatz kommen, können nur ein demütiger Respekt vor der Wahrheit und Sanftmut sein, die beide einer übernatürlichen Quelle entspringen. So können wir auf die Lösung der Kontroverse und die Wiederherstellung einer Einheit hoffen, die nicht nur die jetzt Lebenden, sondern auch alle Generationen, sowohl die vergangenen als auch die zukünftigen, einschließt.

Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit, die Sie meinen Worten geschenkt haben, und bitte Sie, Heiligster Vater, um Ihren apostolischen Segen.

Mit kindlicher Hingabe in Christus

P. Wojciech Gołaski OP

Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Rorate Caeli

anne

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Betreff Absender Datum
13. JANUAR 2022 Suche nach: SUCHE … „Wir müssen daraus schließen, daß die Erklärung von Papst Franziskus unbegründet und falsch anne 13.01.2022 16:58
 

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