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Bernadette – die wahre Geschichte von Lourdes

#1 von esther10 , 06.11.2012 21:31

Bernadette – die wahre Geschichte von Lourdes

Die Erscheinungen
.....Vater Frangois Soubirous findet keine Arbeit, und das Unglück hockt vor dem
Cachot wie ein Mensch vor einem erloschenen Kamin.....An diesem Tage, dem 11.
Februar 1858, ist Bernadette vielleicht das elendeste Kind in Frankreich......
.....»Du bist eine dumme Gans, ein Schafskopf, überall wird man dich auslachen!«
Bernadette hat ihre Ruhe wiedergewonnen: »Dann erzähle ich es eben nicht
weiter«, erwidert sie. Kaum ist Jeanne Abadie in der Rue des Petits-Fosses
angekommen, schwatzt sie wie eine Elster. Im Grunde beginnt sie an diese
wunderbare Geschichte von dem weißen Mädchen und den goldenen Rosen zu
glauben. In wenigen Augenblicken ist das Ereignis bereits fünfzig Nachbarn oder
Passanten bekannt, und wird sich nun in alle vier Winde verbreiten wie ein
geheimnisvolles Samenkorn......
.....»Diese Geschichte konnte natürlich nur den Soubirous passieren !« heißt es.
»Wirklich, das hat ihnen gerade noch gefehlt!«.....
.....Im Cachot blickt Bernadette, nachdem sie sich zu Bett gelegt hat, mit weit
geöffneten Augen vor sich hin. Immer noch sieht sie das Mädchen im weißen
Kleide und den goldenen Rosenkranz — und dieses Lächeln.....
.....Sie hat nichts gelernt. Mit vierzehn Jahren kann Bernadette weder lesen noch
schreiben; sie spricht nur die Mundart von Lourdes und keine andere Sprache.....
.....Wohl ist ihr Antlitz, wie uns scheinen will, ein bißchen rund und die Lippen sind
etwas stark. Aber Bernadette ist hübsch. Gerade und feine Nase, matter Teint,
klare und ruhige Stirn, wunderbar gezeichnete Augenbrauen, wie wir sie noch
immer bei den kleinenMaynades[Mädchen] von Lourdes sehen. Die großen,
schönen, schwarzen und sanften Augen, die so lebhaft sein können; .....
.....Der Lockung von Massabieille kann sie nicht widerstehen. ....
.....Mutter Louise sagt nichts. Aber sieweiß, woran Bernadette denkt. Erst tadelt
sie sie mit brummiger Zärtlichkeit. Man muß sich vor seiner Einbildungskraft hüten,
meint sie vernünftig, und sich von wunderlichen Dingen fernhalten. Durch zu vieles
Nachdenken über dergleichen kann man verrückt werden! Das hat man schon
erlebt. Es ist übrigens sehr oft geschehen, daß Kinder oder junge Mädchen -
selbst ehrliche - für Wirklichkeit hielten, was nur ein Fiebertraum war. »Du hast zu
sehen geglaubt, Bernarde, aber du hast nichts gesehen!«
Und dann der Teufel... man weiß nie. Er verkleidet sich gut, um die Welt zu
täuschen. Du glaubst, die schöne Dame, das Mädchen in Weiß zu sehen. Und
eines schönen Tages befindest du dich von Angesicht zu Angesicht dem Satan
gegenüber. »Ja, aber der Teufel betet nicht den Rosenkranz«, entgegnet
Bernadette......
.....Und dann bemerkt sie in ihrer unerschütterlichen Herzenseinfalt:
»Et diable n'ey pas auta beroy qu'ero!«[Der Teufel ist auch nicht so hübsch wie
sie!].....
.....Nicolau ist 28 Jahre alt. Er tritt mit einem ironischen Lächeln auf den Lippen
näher. Wie er Bernadette sieht, weicht er plötzlich zurück. Später wird er J.-B.
Estrade, einem Zeugen der Erscheinungen, gestehen, er habe niemals etwas dem
Antlitz dieses Kindes Ähnliches gesehen und hätte nicht gewagt, sie anzurühren
.....
.....In Lourdes schwatzen sie.
Die Kinder, die Bernadette begleitet haben, klatschen um die Wette. Mit sehr
wenigen Ausnahmen behandelt man Bernadette als arme Irre.....
.....Bernadette vergeht vor Verlangen, wieder zur Grotte zurückzukehren. Es wäre
psychologisch gefährlich, ihr das zu verbieten.
»Macht, was ihr wollt... ich werde noch verrückt!« sagt Louise Soubirous.
Die arme Frau denkt - und sagt es auch -, daß sie bei all ihrem Unglück dieses
lächerliche Abenteuer wirklich nicht auch noch nötig gehabt hätte......
.....Munter wie eine Ziege, ohne auf ihr Asthma zu achten, von dem sie diesmal
unerklärlicherweise verschont bleibt, kniet Bernadette, ins Gebet versunken,
schon vor dem Strauch, als ihre beiden Gefährtinnen sie ganz außer Atem
einholen.
Plötzlich stößt Bernadette einen Freudenschrei aus: »Sie kommt... Sie ist da!«.....
.....Ihr ganzes Leben lang wird Antoinette die Erinnerung an den Blick und das
Lächeln in ihrer Seele bewahren.....
.....Ihrerseits erzählen Antoinette und Mme Millet überall im Ort von der
Verzückung, deren Zeugen sie gewesen sind. Sie glauben beide daran, und ihr
Glaube ist ansteckend.....
.....Die äußerst bescheidene Louise Soubirous ist »beschämt«, als sie sieht, wie
viele Leute sich für ihre Tochter bemüht haben.....
.....nach den Zeugen selbst überfluten »Wogen der Freude« das Antlitz; »Ströme
von Glück« lassen sie ganz und gar erzittern.....
.....»O mein Gott, ich beschwöre dich, nimm mir mein Kind nicht fort!«
Louise, verwirrt durch Bernadettes Entrückung, hat diesen Schrei ausgestoßen.
Dann schweigt sie, und andere Stimmen erheben sich: »Wie schön sie ist!«.....
.....Während der ganzen Dauer der Erscheinungen wird man in Massabieille, zur
Zeit der Verzückungen von Bernadette, keinen Priester der Diözese von Tarbes
sehen, mit Ausnahme des jungen Abbe Antoine Dezirat.....
.....Er(Doktor) beobachtet und macht Aufzeichnungen. Und hier folgt der Bericht
des Skeptikers und Wissenschaftlers:.....
.....Ich, der ich sehr aufmerksam alle Bewegungen Bernadettes verfolgte, wollte
wissen, wie wohl in diesem Augenblick der Zustand der Blutzirkulation und der
Atmung sei; ich nahm ihren einen Arm und legte meinen Finger auf ihre Pulsader an
der Armspindel.Der Puls war ruhig, regelmäßig, die Atmung leicht: nichts bei dem
jungen Mädchen zeigte eine nervöse Überreiztheit an......
.....»Zuerst sehe ich ein Licht, ein sanftes Licht wie aus Gold, in der Nische und
auf dem Felsen. Dann erscheint sie, aufrecht stehend, die Füße auf dem
Rosenstrauch ruhend. Sie grüßt mich, lächelt und verneigt sich noch einmal.
Danach schlägt sie das Kreuz. Wenn die Vision aufhört, verschwindet sie zuerst,
dann das Licht...« »Wie ist die Dame denn?« »Sehr schön!«.....
.....Von all denen, die bis jetzt in der Grotte gewesen sind, hat keiner der
Verzückung Bernadettes, dem Licht auf ihrem Antlitz, widerstehen können. .....
.....»Ihr Betragen an der Grotte ist wirklich ein Skandal! Sie bringen die Leute in
Unruhe, Kleine, und all das muß aufhören!« Dann mit etwas sanfterer Stimme:
»Nun, Sie versprechen mir, nicht mehr nach Massabieille zurückzukehren?« Und
Bernadette, ruhig: »Nein, das verspreche ich Ihnen nicht.«.....
.....Die anwesenden Frauen sehen nichts in der Felsnische, aber sie sinken auf die
Knie.
Die Männer sehen nichts: aber alle entblößen sie zugleich das Haupt.
An Bernadettes Haltung errät man, daß sie ein lebhaftes Gespräch mit
unsichtbaren Wesen führt. Von Zeit zu Zeit grüßt sie. Der weltgewandte Estrade
erzählt: »Ich habe niemals jemand mit solcher Anmut und Vornehmheit grüßen
sehen, wie Bernadette es tat.«.....
.....Aber die an Bernadette gerichteten Fragen mehren sich. Das Kind kann nicht
umhin, sich zu wundern, wie es dies schon zu wiederholten Malen getan h»aDt: ie
Vision spricht laut genug, um gehört zu werden«, sagstie, »und ich spreche doch
auch lauter als gewöhnlich. Habt ihr denn nichts gehört?«.....
.....Bernadette hat zuerst geglaubt, es handle sich um den Fluß. »Da ich nicht
wußte, wo die Quelle war, und da ich glaubte, es mache nichts aus, habe ich mich
nach dem Gave gewandt.« Zur Ordnung gerufen, ist sie willig zu einer trockenen
Stelle gegangen und hat angefangen, vertrauensvoll zu scharren. Dann hat sie
ohne Einschränkung gehorcht. Das ist alles. Aber am Nachmittag sehen einige
Passanten, die bei der Grotte spazieren gehen, einen Wasserstrahl, den sie dort
noch niemals gesehen haben, vom Felsen zum Gave herabfließen. Das Rinnsal
verbreitert sich von Minute zu Minute, und am selben Abend ist es ein kleiner
Bach, der munter und klar dem Gave zufließt.....
.....»Das Grottenwasser hat mich eben geheilt«, gibt Bourriette dann an, denn
diese Erklärung genügt ihm vollau.f...
.....Dann erfährt man, daß die seit zehn Jahren gelähmte Hand Jeanne Crassus'
besser geworden ist und ihre volle Beweglichkeit im Wasser von Massabieille
wiederbekommen hat.....
.....Drei Tage später kommentierte eine Freidenker-Zeitung in Paris die
Begebenheit folgendermaßen:
»Die kleine Komödiantin des Müllers von Lourdes versammelte an diesem Morgen
des l. März unter dem Felsen von Massabieille noch einmal an die
zweitausendfünfhundert Einfaltspinsel um sich. Unmöglich, die Verdummung und
moralische Blödsinnigkeit dieser letztern zu beschreiben. Die Hellseherin bedient
sich ihrer wie einer Schar von Affen und läßt sie Mummenschanz jeder Art
treiben. Da die Wahrsagerin an diesem Morgen keine Lust hatte, die
Gottbegeisterte zu spielen, erfand sie, um Abwechslung in die Übungen zu
bringen, nichts besseres als sich zur Priesterin zu machen. Sie setzte sich aufs
hohe Roß ihrer Autorität, ließ sich von den Betbrüdern die Rosenkränze
überreichen und gab dann den Segen über alles.« Man sieht: das ist nicht mehr die
leichte Ironie der Ungläubigkeit. Es ist auch nicht mehr der lehrhafte Ton
wissenschaftlicher Forschung. Man lacht nicht mehr. Man untersucht nicht. Das
ist der wachgewordene Haß. Schon erreichen uns andere, noch gefährlichere
Stadtneuigkeiten : in gewissen, einflußreichen Kreisen läuft das Gerücht um,
Bernadette sei verrückt.....
.....Noch am selben Abend gibt Baron Massy dem Kultusminister Rouland einen
Rechenschaftsbericht über die Ereignisse des Tages. Der Fall Lourdes dringt
bis nach Paris......
.....Sie zieht ihre Schürze vom Körper des ganz nackten, mit dem Tode ringenden
Kleinen und schlägt das Kreuz. Dann taucht sie ihn ganz, bis auf den Kopf, in das
eisige Wasser der Quelle. Die zahlreichen Zeugen stoßen einen Schrei der
Entrüstung aus: »Sie ist verrückt!« Gut eine Viertelstunde lang hält Croisine
inmitten der Schreie und Flüche ihr Kind im Wasser fest.
Nachdem sie es herausgenommen hat, geht sie fort, ohne nach rechts und links zu
blicken. In der Nacht schläft sie nicht. Bei Tagesanbruch ist das Kind geheilt.
Seine Magerkeit ist nicht verschwunden; aber seine Haut hat eine gesunde
Farbe, seine Züge sind ausgeruht. Es lächelt.....
.....Inzwischen sind der Gastwirt Blaise Maumus, die Witwe Crozat, Auguste
Bordes auf völlig unerklärliche Weise geheilt worden. Wiederum sind die
Freidenker unfähig, diese Heilungen zu erklären. Die Bewohner von Lourdes
überlassen es den Medizinern, in ihrer wissenschaftlichen Sprache das
festzustellen, was jeder mit eigenen Augen sehen kann. Wenn einer unserer
Nachbarn, der seit zehn Jahren einen gebrechlichen Fuß nachzieht und den ihr
gestern noch in seinem Elend gesehen habt, heute wie eine Ziege herumspringt,
können alle Quacksalber der Welt daran nichts ändern.....
.....»Die Dame hat gesagt: „ICH BIN DIE UNBEFLECKTE
EMPFÄNGNIS."«.....
.....Es ist die Freude von Menschen, die immer Angst haben im Stich gelassen zu
werden, und die um Trost bitten: »O Maria, ohne Sünde empfangen, bitt für uns,
die wir zu dir unsere Zuflucht nehmen!« So singen diese Tausende von Menschen,
die nicht gesehen, aber geglaubt haben.....
.....Als das Gebet zu Ende ist, tritt Herr Dozous mit kaum verhehlter Neugier an
Bernadette heran: »Zeigen Sie mir, bitte, Ihre linke Hand.« Bernadette hält sie
ihm willig hin. »Nicht die geringste Spur einer Verbrennung«, erzählt uns der gute
Doktor verdutzt.....
.....»Ein Zeuge konnte uns versichern, daß sie während ihrer Ekstase lange die
Hand in einer Kerzenflamme gehalten und nicht die leisesten Schmerzen verspürt
hatte....“..
.....Wie dem auch sei, ernsthafte Leute wie die Herren Fourcade und Martinou,
der Unterförster Callet, Fräulein Tardhivail, Dr. Dozous und hundert andere
Personen haben klipp und klar die Flammen auf Bernadettes linker Hand
gesehen. Keiner von ihnen widerlegte die Darstellung, die Henri Lasserre zehn
Jahre später über diesen Punkt veröffentlichte, wobei er sich auf ihr Zeugnis
beruft.....
.....Tag und Nacht wirft man in die Höhle von Massabieille Geldstücke. Dieser
kleine Goldregen bleibt unberührt. Da liegen tagaus, tagein mehrere tausend
Francs in der nach allen Seiten und für alle Menschen offenen Felskluft, doch
keiner rührt sie an.
Eine andere, vom unermüdlichen Henri Lasserre bewiesene Tatsache: Die
Erscheinungen sind zufällig auf zwei juristische Trimester verteilt, während derer
man in dem Departement weder ein einziges begangenes Verbrechen noch einen
einzigen verurteilten Verbrecher feststellen kann .....
.....»Unter den schwierigen Umständen, unter denen sich das uns beschäftigende
Problem zeigt, ist es die Pflicht eines Bischofs, jede Beurteilung aufzuschieben
und abzuwarten, bis die Vorsehung die Wahrheit ans Licht bringen wird.«.....
.....Die Eltern Soubirous sind ärmer denn je. Sie haben hunderttausend Gold-
Francs von einer Familie zurückgewiesen, die Bernadette adoptieren und sie doch
zu Hause lassen wollte. Sie bestehen darauf, nichts von den Besuchern
anzunehmen......
.....Abbe Peyramale richtet sich zu seiner ganzen, achtunggebietenden Größe auf
und versichert, man müsse erst über seine Leiche gehen, bevor man Bernadette
verhaften könne.....
......Peyramale sagt: »Beruhigt euch, meine Brüder: die Machenschaften der Hölle
werden niemals über das, was Gott zu errichten plant, siegen!«.....
.....Während die Zungen in Bewegung sind, mehren sich die Heilungen.....
.....Viele andere »unerklärliche Heilungen« kommen hinzu. »Wunder« ist ein
volkstümliches, mit Erde und Himmel belastetes Wort, und schon ist es im Munde
aller, auch jener, die keine gelehrte Sprache sprechen. Voll Hoffnung und
überglücklich über das Erbarmen Gottes, toll vor Freude, in der Not nicht allein
zu sein, strömt die leicht zu tröstende Menge nach Massabieille.....
.....Natürlich beschäftigen sich die Pariser und die Provinz-Presse mehr und mehr
mit den Ereignissen von Lourdes. Die LokalblätteEr re ImperialeundLavedan
bleiben bei ihrer offen feindseligen oder grausam ironischen Haltung, während
große Zeitungen wieLes Debatsund Le Sieclevon einer »Inszenierung«
sprechen und diese Haltung vorläufig beibehalten......
.....Die »unerklärlichen« Heilungen, von denen wir erzählt haben, mehren sich in
Lourdes.....
.....Nun aber war vor dem Entspringen der Quelle von Massabieille keine
wunderbare Heilung zu verzeichnen. Seit dem Hervorsprudeln des Wassers erst
treten diese Wunder auf.....
.....Glücklicherweise stellen die guten Schwestern vom Hospiz kaum Fragen. Und
die kleinen Mitschülerinnen denken lieber an das Seilspringen als an die
Erscheinungen von Massabieille. Bernadette sehnt sich nach Stille.....
.....Gesunder Menschenverstand, Behendigkeit, Munterkeit, gutes Gedächtnis,
Intelligenz, kindliche Lauterkeit des Geistes, Seelenstärke. Man wird nie alle
guten Antworten Bernadettes zitieren können, die in der großen, reinen Linie der
Jeanne d'Arc zu liegen scheinen:.....
.....Aber die Heilungen dauern an. Es ist sehr schwer, einem Manne, der hinkte
und der nun nach einer einfachen Waschung mit dem Grottenwasser nicht mehr
hinkt, zu sagen: »Gehen Sie nicht mehr nach Massabieille; der Herr
Bürgermeister und der Herr Präfekt haben es so beschlossen.«.....Unmöglich aber
kann man eine Volksmenge in ihrem Schwung aufhalten, die die Seele der
Jahrhunderte des Glaubens wiedergefunden hat. Was aber geschieht nun? Man
trotzt den Gerichten und ihren Geldstrafen, überwindet die Schranken und
kommt, um vor der Grotte zu beten.....
.....Ein Kreis bildet sich um Bernadette. Sie blickt den Felsen jenseits des Gave
an. Fast sofort werden ihr Antlitz und ihr ganzes Wesen von Freudenschauern
geschüttelt - und die Zeugen sehen ihren schönen, trunkenen Blick.....
.....Seiner Meinung nach erlebt Bernadette »Stunden einer übermenschlichen
Intensität. Alles, was ein Herz zu wünschen vermag, alles, was eine Seele auf der
Ebene vollständiger Reinheit zu preisen vermag, durchfließt sie in großen
Strömen....“.
.....Nachdem die Jungfrau Bernadette lange lächelnd betrachtet hat, wirft sie ihr
einen letzten Blick zu, neigt das Haupt und entschwind.et
Es war die achtzehnte und letzte Erscheinung......
.....Dann aber erkennen wir den Mut, der sich so gut mit den edlen und ernsten
Zügen des Bischofs verbindet: »Die Möglichkeit übernatürlicher Ereignisse
leugnen, heißt einer überalterten Schule folgen, heißt der christlichen Religion
abschwören und sich mühsam im Geleise der ungläubigen Philosophie des letzten
Jahrhunderts hinschleppen.«.....
.....Alsbald greift der Bischof zur Feder und schreibt dem Minister einen Brief,
der in seiner Art ein Meisterwerk ist. Er bringt darin mit eisiger Höflichkeit
Wahrheiten vor, die dem Empfänger nicht angenehm sein dürften: »Ich würde mich
sehr freuen, sehr geehrter Herr Minister, wenn Sie über das, was in Lourdes
geschieht, Erkundigungen einziehen würden, und zwar bei Persönlichkeiten, die die
Stätte der Erscheinung gesehen - die Einwohner und das Kind, das die Visionen
gehabt haben soll, gehört haben, wie z. B. die hochwürdigsten Herren Bischöfe
von Montpellier und Soissons, den Erzbischof ..... den Inspektor der
Thermalbäder, M.Vene, Mme Admiral Brua. tLouis Veuillot usw....
usw....«.....Schließlich beruft sich Mgr. Laurence auf die Vorrechte der kirchlichen
Obrigkeit und unterrichtet Rouland davon, daß er eine Untersuchungskommission
ernannt habe und entschlossen sei, seine Anordnungen zu veröffentlichen......
.....Da wandern wohl Hunderte von Zeugen - wie zu Zeiten des heiligen Lukas und
des heiligen Matthäus -, sprechen von dem reinen Wasser, zeigen die Narben ihrer
geheilten Wunden und erinnern an ihre verkrüppelten Glieder. Diese Hinkenden,
diese Blinden sind Zeugen einer gewaltigen Macht —, sie sagen »ich gehe!« und
»ich sehe!«. Die erloschene Pupille hat sich wiederentzündet wie eine Lampe, und
das erscheint den wenig gläubigen Menschen erschreckend. Die Krücke ist
verlassen wie ein Totenknochen ohne Grab.....
.....Inzwischen wird die gelähmte Jeanne-Marie Massot-Bordenave in das Wasser
von Massabieille getaucht und findet Gelenkigkeit und Kraft wieder. Eine taube
Alte, Marie Capdevielle, hört »zum ersten Mal seit Jahren« und wirft sich nieder
vor dem Läuten der Glocken von Lourdes. Es dürfte nicht leicht sein, diesen
Geheilten vonGerinselund Wahnvorstellungenzu sprechen......
.....Bernadette, die einzige Ursache dieser ungeheuren, nationalen Erregung, geht
weiterhin zur Schule. Abends bei ihren Eltern kann sie nicht arbeiten; jeden
Augenblick wird sie durch Besucher gestört......
.....Wie dem auch sei, NapoleonIII. erteilt seine Befehle, und jetzt werden Baron
Massy neue Richtlinien zugeschickt. Ganz eindeutig: die Verfügung vom 8. Juni
1858 soll aufgehoben werden. Das bedeutet in gutem Verwaltungs-Französisch:
Reißt die Schranken nieder, die das Betreten der Grotte untersagen. Alsbald
strömen die Volksmassen einer brausenden, nie mehr endenden Flut gleich zu den
reinen Wassern.
Die Stille
Am 5. Oktober, gegen drei Uhr nachmittags, gibt Lacade durch die Stimme des
öffentlichen Ausrufers und mit Trommelwirbel bekannt, daß der Zutritt zur Grotte
frei sei. Alsbald springt ein elektrischer Funke auf die Stadt über. Alles freut sich,
und man beglückwünscht sich .....
.....Jeden Morgen sieht man Bernadette vorübergehen, sich zur Schule begeben
und in einem schlecht geflochtenen Korbe ihren Strickstrumpf, ihren
Schwarzbrotknust und ihre Fibel tragen.
Sie läßt sich keine Gelegenheit zu einem Besuch bei der Grotte entgehen, täglich
steigt sie hinab. Sie tritt näher und richtet ihren Blick fest auf die Nische, wo die
Erscheinung mit nackten Füßen in der Pracht der goldenen Rosen stand. Sie
grüßt mit der Würde einer ehrbaren Magd, kniet nieder und versinkt in
betrachtendem Gebet. Nicht, daß Bernadette die geringste Hoffnung hätte, ihre
Dame wiederzusehen; sie weiß, daß die Vision in dieser Welt für immer
verschwunden ist. Aber sie kommt, um zu danken und zu grüßen......
.....Es kommt vor, daß Bemadettes Gesprächspartner Gelehrte sind, die sich gern
um des Kaisers Bart streiten. Nichts auf diesem Gebiet bleibt ihr erspart.....
.....Eines Tages wird Bernadette gefragt:
»Das Wasser der Grotte heilt die anderen Kranken. Warum bringt es Ihnen keine
Heilung?« »Die Heilige Jungfrau will vielleicht, daß ich leide!« »Warum will sie, daß
Sie leiden?« »Oh! Weil ich es wohl nötig habe!« »Und warum haben Sie es nötiger
als andere?« »Das weiß der Liebe Gott.« .....
.....Inzwischen weist Bernadette mit unerschütterlicher und siegreicher Festigkeit
Geschenke und Belohnungen zurück, welche Bewunderer und Bewunderinnen ihr
überreichen wollen. Die sprichwörtliche Armut der Familie Soubirous wird
dadurch geadelt, aber auch verschlimmert. Jenem Bischof, der ihr auf der
Durchreise durch Lourdes einen goldenen Rosenkranz schenken will, gibt
Bernadette eine abschlägige Antwort. Und um die Achtung und
Uneigennützigkeit auszugleichen, bietet sie dem Prälaten ihren eigenen
Rosenkranz an, so daß schließlich der Bischof ein Geschenk empfängt......
.....Und alle Zeugen, alle Biographen sind sich in der Feststellung einig, daß das
Kind in den Jahren 1858-1859 von seinem Asthma zerrissen, von der Volksmenge
gehetzt, belauert, verwarnt, verletzt, erschöpft wird .....
.....Und Schwester Victorine wundert sich darüber, bei diesem sehr jungen
Mädchen niemals das geringste Anzeichen von Eitelkeit, Eigenliebe oder
Hoffart inbezug auf die außergewöhnliche Gunst, die sie empfangen hat, zu
bemerken.....
.....Nicht ohne Bitterkeit sagt sie zu Schwester Victorine: »Ihr zeigt mich wie ein
Wundertier!«
J.-B. Estrade, Henri Lasserre, Schwester Victorine, Dr. Dozou, Pater Sempe
und Pater Gros selbst, die Zutritt zu Bernadette gehabt haben, geben immer
wieder ihr Erstaunen über die Schlichtheit des jungen Mädchens zu erkennen. In
der Tat scheint es durch eine besondere Gnade Gottes für die Eitelkeit
unempfindlich zu sein; »wunderbar bewahrt vor den Anwandlungen dessen, was die
Unschuld der Seele hätte gefährden können«......
.....1. Artikel: Wir entscheiden uns dafür, daß die unbefleckte Maria, Mutter
Gottes, am 11. Februar 1858 und an den folgenden Tagen, im ganzen achtzehn
Mal, Bernadette Soubirous in der Grotte von Massabieille bei der Stadt
Lourdes wirklich erschienen ist; daß dieser Erscheinung alle Merkmale der
Wahrheit innewohnen, und daß die Gläubigen Grund haben, an ihre Gewißheit zu
glauben.
Wir unterwerfen demütig unser Urteil der Entscheidung des Heiligen Vaters, der
berufen ist, die Gesamtkirche zu regieren.«.....
.....In diesem Frühjahr 1862 wird Bernadette von mehreren Asthmaanfällen
niedergeworfen, wie ein junger Baum von Axtschlägen.
Im April zieht sie sich eine Lungenentzündung zu. Die Krankheit wird nach einem
Rückfall sehr ernst. Am Sonntag, den 27. April, gibt das arme Kind den
Schwestern des Hospizes zu größter Besorgnis Anlaß. Am Montag ruft man die
Familie Soubirous an Bernadettes Krankenlager. Die Ärzte beraten. Während
sie sich besprechen, gibt man Bernadette eilig die letzte Ölung und reicht ihr die
heilige Hostie. Sie versucht unter großen Schmerzen zu atmen. Ganz
augenscheinlich hat sie nur noch einen schwachen Lebenshauch in sich, und man
erwartet ihren letzten Atemzug. Da öffnet sie plötzlich die Augen, um Wasser von
der Grotte zu erbitten. Sie trinkt, und bald ruft sie mit befreiter Stimme: »Ich bin
geheilt!«
Dann sucht sie nach Worten, die ihre innerste Erleichterung ausdrücken:
»Ich fühlte, wie sich ein Berg von meiner Brust wälzte.« Die beunruhigenden
Symptome verschwinden. Am nächsten Morgen empfängt Bernadette im Salon
den verblüfften Dr. Balencie.....
.....Die Oberin des Hospizes, Mutter Alexandrine Roques, hat sich eben eine
schwere Verstauchung zugezogen. Ärztliche Verordnung: vierzig Tage Ruhe. Die
Oberin läßt ganz einfach Bernadette kommen:
»Meine Tochter, ich habe keine Zeit, das Bett zu hüten. Bitte die heilige
Jungfrau, mich sofort zu heilen.« »Gern, meine Mutter«, sagt Bernadette. Am
nächsten Morgen ist die Oberin auf den Beinen - zum großen Erstaunen der
Ärzte, die in Lourdes noch ganz andere Dinge erleben werden.....
.....Baron Massy, wiederholen wir es, war jetzt ein ausgezeichneter Christ, und
früher bestimmt der erbittertste, tatkräftigste, fähigste der Gegner der Grotte.
Man fängt an, darüber nachzugrübeln, wie dieser hohe Beamte dazu ausersehen
war, den Sieg Bernadettes noch glänzender zu gestalten.....
.....Und dann schneidet der Bischof »das große Problem« an. Er gibt Bernadette
zu verstehen, daß ihre Lage ungewiß ist. Er spricht von einer »möglichen
Versorgung in der Welt« und, noch deutlicher, von einer »passenden Heirat«.
Bernadette erwidert: »Nur das nicht!«.....
.....»Sie ist gelassen, nichts bringt sie in Verlegenheit. Die Antworten sprudeln wie
durch Eingebung über ihre Lippen.« Mgr. Forcade hat recht, wenn er in
Bernadette Vertrauen setzt, sowohl auf der Ebene körperlicher Arbeit wie auf
der des Geistes... All das ist in Ordnung.
Zweihundert Jahre früher hieß der Benediktiner Dom de La-veyne, der Gründer
der Schwestern von Nevers, seine »Töchter« zwei Lebensformen lieben: die der
Martha und die der Maria.....
.....Aus etwa derselben Zeit zitiert man das Wort eines Ordensgeistlichen : »Der
schlagendste Beweis für die Erscheinung ist die Persönlichkeit von Bernadette.«
.....
.....Im April schreibt sie: »Ich fühle mich mehr denn je gedrängt, die Welt zu
verlassen.«
Aber ihr Ansehen ist gewachsen. Seit einigen Monaten hat man Nonnen von
allen Orden gesehen, die mit dem jungen Mädchen sprechen wollen.
Karmeliterinnen von Bagneres, Schwestern von Sankt-Vinzenz-von Paul,
Schwestern der Immaculee-Conception, Kreuz-Schwestern überbieten sich in
einem »erfreulichen« Eifer, um Bernadette in ihre Häuser zu ziehen. Man probiert
ihr ein Ordensgewand an, um sie in ihrem Entschluß zu beeinflussen.....
.....Erregung in der Menge. Von allen Seiten werden Rufe der Bewunderung laut:
»Oh! oh! die hübsche Heilige!« »Die hübsche Jungfrau!«
Wirklich, es ist hohe Zeit, daß du abreisest, Bernadette. Sie haben deinen
Schleier zerschneiden, deine Kleider in Stücke reißen wollen ...
Ich weiß wohl: da ist der Gave, das sind die Pappeln von Lourdes. Da sind dein
Vater und deine Mutter. Da ist die Grotte, die sich wieder für immer geschlossen
hat. Aber du wirst alles verlassen. Es ist hohe Zeit. GEHET HIN UND
SAGET DEN PRIESTERN, DASS HIER EINE KAPELLE
GEBAUT WERDEN SOLL: und hier ist eine Kapelle gebaut worden.
ICH WÜNSCHE, DASS MENSCHEN HIERHER KOMMEN:
Prozessionen rollen in diesem Jahr 1866 an, die ersten Glieder einer unendlichen
Kette. Bernadette hat ihr Zeugnis abgelegt. Sie hat nichts mehr zu sagen. Jetzt
muß sie ihr Herz noch einmal zerreißen - und fortgehen......
.....»Meine Bestimmung ist es, krank zu sein«; und dann das ständige Verlangen
nach einem verborgenen Leben, das sie oft heimsucht und jeden Tag stärker,
mächtiger, quälender wird. In Nevers wird Bernadette sich verbergen. Sie hat ihre
kindliche Größe behalten: ein Meter vierzig. Ihre Aufgabe ist es, klein zu sein.
Sucht ein Besucher sie zwischen den anderen, genügt der Hinweis auf sie als die
Allerkleinste. Bernadette träumt von einem unscheinbaren Weg, entsprechend
ihrer körperlichen Größe. Auf einem Ziegenpfad, ihrem Weg des Heils, will sie zu
Gott hinaufsteigen. »Ich tauge für nichts.«.....
.....Es gibt keine Unterbrechung, als Bernadette ihre gefalteten Hände öffnet, sie
nochmals zu ihrer Brust führt und lächelnd die Worte der Jungfrau wiedergibt:
»ICH BIN DIE UNBEFLECKTE EMPFÄNGNIS.« Da ergreift eine
tiefe Rührung die Zuhörerschaft, und es entsteht »eine spontane Bewegung der
Bewunderung«. Aus dem Blick der »Neuen« spricht die Reinheit in ihrer klarsten
Tiefe. Sie wird nun nicht mehr von den Erscheinungen erzählen.....
.....Oft überfällt sie das Heimweh nach Lourdes; sie bleibt, nach ihrem eigenen
Ausdruck, »im Geist an den Fuß des Felsens gefesselt, den sie so liebt«. Mehr
noch als ihre Familie, mehr noch als ihre Mutter fehlen ihr die Besuche bei der
Grotte. Tief im Innern des Parkes, hinter dem Garten der Novizen, entdeckt sie
schließlich eine Statue der Jungfrau, die träumerisch lächelt und ihre Hände weit
ausbreitet. Das ist »Notre-Dame des Eaux« . »Und dort«, schrieb sie einige
Tage später, »konnte ich meinem Herzen Luft machen; seitdem hat unsere liebe
Meisterin die Güte gehabt, uns täglich dorthin gehen zu lassen«.
Offen gestanden, diese Statue der »Dame« ist die einzige, die Bernadette
zufrieden gestellt hat.....
.....Aber bis an ihr Ende und soweit die Krankheit es ihr gestattet, wird sie ihre
tägliche Wallfahrt zu der Statue von Notre-Dame des Eaux durchführen.....
.....Novizenmeisterin war damals die Ehrwürdige Mutter Marie-Therese Vauzou,
eine bedeutende Persönlichkeit, gebildet und von überragender Klugheit. Es ist
notwendig, gewisse den Tatsachen nicht ganz gerecht werdenden Vorstellungen
von dieser Frau zu berichtigen; in dem berühmten Buch von WerfeDl „as Lied von
Bernadette“und in dem hiernach gedrehten Film, wird uns die Novizenmeisterin
nur als eine Art Furie geschildert, als ein klassischer Gegensatz zur reinen und
kindlichen Gestalt der Bernadette...
Sagen wir es ohne Umschweife: bei Werfel stehen wir einer wirklichen,
schwärmerischen Begeisterung gegenüber. Dieser Autor gibt übrigens seinem
Buch als Untertitel die bezeichnenden Worte: »Roman eines wunderbaren
Schicksals«. In der Tat, es wimmelt darin von auffallenden Irrtümern, vor allem
hinsichtlich der Mutter Vauzou: .....
.....Natürlich sind im Film wie im Buch der Charakter und das geistige Wesen der
Novizenmeisterin ebenso stark verzerrt wie ihr Leben. Ich werde auf die
erstaunlichen Erfindungen Werfels bei der Schilderung der gehässigen Szene
nach dem Tode von Bernadettes Mutter nicht näher eingehen;.....
.....Ich bezweifle die guten Absichten Werfels nicht; er wollte »das göttliche
Geheimnis und die menschliche Heiligkeit« verherrlichen. Nur dünkt mich, die
einfache Achtung und Ehrlichkeit sollten einem ernsthaften Schriftsteller die
direkte Abänderung der geschichtlichen Tatsachen verbieten. Und ich finde es
unpassend, der Allgemeinheit das entstellte Bild einer so hochstehenden
Persönlichkeit preiszugeben, wie es Mutter Marie-Therese Vauzou war.....
.....Und Mgr. Plantier hat recht, wenn er sagt, »eine Novizenmeisterin erfülle eine
furchtbare Aufgabe«.....
.....Etwas später, in der Erholungsstunde, fragt Schwester Marie-Bernard:
»Darf man im Noviziat Seilspringen?«.....
.....Wenn die Novize sehr durch ihre Meisterin leiden muß, so leidet die Meisterin
oft selbst grausam darunter, »an der Schwelle einer Seele aufgehalten zu sein, in
die einzudringen sie so sehr gewünscht hätte«.....
.....Eine Oberin fragt sie:
»Haben Sie gar keine Anfechtungen von Hoffart verspürt, so von der Heiligen
Jungfrau bevorzugt zu sein?« »Was für eine Vorstellung haben Sie von mir?« sagt
Bernadette, »als ob ich nicht wüßte, daß die Heilige Jungfrau mich nur deshalb
erwählt hat, weil ich die Unwissendste war? Wenn sie eine Unwissendere gefunden
hätte, so würde sie diese erwählt haben...«.....
.....Und dann der Mut: Nach dem Tod ihrer Mutter, im Dezember 1866, hat die
kleine Bernadette gegen ihre Schmerzausbrüche so angekämpft, bis sie
ohnmächtig zusammenbrach. Ihre Standhaftigkeit bei physischen Leiden reißt
auch ihre Gefährtinnen zu Ausrufen der Bewunderung hin: »Sie beklagt sich
niemals!«
Ihre Barmherzigkeit: ihre Pflege der Kranken ist »die Pflege einer Mutter«, sagt
eine Nonne.....
.....Da sie sie nach drei Tagen immer noch nicht entdecken kann, beklagt sie sich
bei einer Mutter darüber. Diese zeigt auf die ganz kleine Schwester Marie-
Bernard, die zufällig neben ihr steht und sagt: »Bernadette? Hier ist sie ja!«
Der enttäuschten Fragerin entschlüpft ein unglückliches Wort, das berühmt
werden soll: »Das da!«
Bernadette lächelt, streckt die Hand aus und antwortet: »Jawohl, Mademoiselle,
es ist nur das da.«.....
.....Deshalb kann die Qual Bernadettes nicht mit unseren Maßstäben gemessen
werden: ein Mädchen hat den Himmel im Kristall der Stille gesehen und ist nun
hier dem armseligen Gerede der Erde ausgeliefert. Sie kennt die schlimmste
Verbannung, die auf der Welt möglich ist.....
.....Bernadette ist ohnehin, trotz ihrer Klarheit, eines der verborgensten und
geheimnisvollsten Wesen der Heiligengeschichte. Sie möchte sterben.
Einer mit dem Tode Ringenden, der sie beisteht, murmelt sie leise zu: »Wie sind
Sie glücklich!«.....
.....Als sie(Vauzou) Generaloberin geworden war, versicherte sie vor dem Domherrn
Boillot: »Wenn die Heilige Jungfrau irgendwo auf Erden erscheinen wollte, warum
wählte sie dann eine grobe, ungebildete Bäuerin statt einer gebildeten und
tugendhaften Nonne?«.....
.....Warum haben Bernadette und Mutter Marie-Therese sich in dieser Welt nicht
gekannt? Warum haben sie, eine durch die andere, gelitten?.....
......Und der März desselben Jahres bringt Bernadette einen gßreon Schmerz,
vielleicht den größten, den sie jemals empfudnen hat: ihr Vater François Soubirous
stirbt.....
.....Bernadette hat niemals für einen Menschen — nicht einmal für ihre Mutter — die
Zuneigung empfunden, die sie für François Soubirous hegt. Und er liebte seine
Tochter bis zur tiefen Ehrfurcht.....
.....Die kleine Bernadette erfüllt ihre beruflichen Pflichten so gut sie kann. Aber
ihre Gesundheit wird jeden Tag schlechter. Sie kann nicht mehr. Die Nonnen, die
sie gekannt und im Hospiz von Lourdes und Nevers gepflegt haben, erzählten
später, daß sie in ihrem kurzen Leben eine unglaubliche Vielfalt von Krankheiten
und Schmerzen ertragen hat: schmerzhafter Rheumatismus, Zahnschmerzen,
Erbrechen oder Blutauswurf, Herzklopfen, entsetzliche Beklemmungen,
Geschwüre und Geschwülste; Knochenfraß, der sie ganze Nächte lang wie ein
Tier wimmern läßt, bis zu dem Augenblick, wo dieses Wimmern sich in Gebet
verwandelt und man am frühen Morgen eine keuchende und gebrochene Stimme
hört, die das Morgenrot grüßt: mein Jesus, mein Jesus ...
Mehrmals im Jahr wird Schwester Marie-Bernard von furchtbaren Asthma-
Anfällen niedergeworfen. Sie kann nicht mehr ausgestreckt liegen bleiben. Man
setzt sie in einen Sessel, und manchmal muß man sie bis ans Fensterkreuz tragen,
um sie atmen zu lassen, denn sie erstickt......
.....Wie eine Qual des Fegefeuers schleppt sie die unendliche Traurigkeit
darüber, die Jungfrau nicht mehr zu sehen, mit sich herum. Sie muß sich
beherrschen, wenn Demütigungen und Tadel auf sie herabregnen, und die
Entmutigung überwinden, wenn sie durch die Krankheit fast in Stücke gerissen, in
ihrer geistlichen Betrachtung gehemmt und in ihren Pflichten als
Krankenschwester oder Mesnerin behindert wird. Mutter und Vater sind tot;
Mgr. Peyramale, der Pfarrer von Lourdes, stirbt im Jahre 1877, und Bernadette
zeigt bei dieser Gelegenheit ihre zitternde, unterdrückte Empfindsamkeit: »Zu
sagen, was ich gelitten habe, wäre unmöglich!« schreibt sie. Oft denkt sie an
Lourdes, spricht aber fast niemals davon. Indessen bebt sie bis in die Tiefen ihrer
verbannten Seele, wenn das Wort »Lourdes« ausgesprochen wird.....
.....Sie beklagt sich nicht; sie will sich nicht bedauern lassen. Aus ihren Krankheiten
zieht sie niemals mit der geheimnisvollen Selbstgefälligkeit von Schwerkranken die
Akkorde einer romantischen Melancholie...
Ganz im Gegenteil, sie entschuldigt sich. Sie bittet um Verzeihung.....
.....Sie kannte - wie Jeanne d'Arc - weder A noch B, ist aber dennoch und trotz
ihrer schwierigen Lebensumstände und ihrer zerrütteten Gesundheit Stufe um
Stufe zum Verständnis der Dinge Gottes gelangt. Seit den Erscheinungen hat
ihr Geist sich in außergewöhnlicher Weise entwickelt.....
.....»Ich betrachte doch nicht«, sagte Bernadette zur Zeit ihres Aufenthaltes im
Hospiz von Lourdes. Aber in Nevers kommt ihr nach und nach die Erkenntnis.
Es ist wahr, Bernadettes Satzlehre bleibt bis zum Schluß unsicher und ihre
Orthographie ist mehr als ungenau. Die auffallenden Fortschritte, die sie in
fünfzehn Jahren vollbringt, liegen in der Kraft und Poesie des Ausdrucks und im
Verstehen der heiligen Texte [Bernadette zitiert gern die Bibel, den heiligen
Paulus, die Mystiker];.....
.....[Wieder abgeschrieben von Bernadette]: »Unaufhörlich sterbe ich in mir selbst,
ertrage in Frieden den Schmerz, arbeite, leide und liebe ohne andere Zeugen als
sein Herz.«.....
.....»In der Liebe zum Kreuz findet man sein Herz, denn die göttliche Liebe lebt
nicht ohne Schmerz.«.....
.....»Ich werde mit Freude ins Sprechzimmer gehen, obgleich mein Inneres voller
Traurigkeit ist. Ich werde zu Gott sagen: Ja, ich will dorthin gehen unter der
Bedingung, daß eine Seele aus dem Fegefeuer heraus kommen darf, oder daß Du
einenSünder bekehrst!«.....
.....»In diesem Jahr mußt du dich überwinden oder sterben...«..
.....»Ich muß eine große Heilige werden. Ich bin durch meinen Stand dazu
verpflichtet.«
Und hier die letzten Worte des kleinen Breviers der Heiligkeit, der letzte
Gedanke, der das goldene Buch beschließt:
JE MEHR ICH GEKREUZIGT SEIN WERDE, UMSO
GRÖSSERWIRD MEINE FREUDE SEIN..
....
Ich habe in einem von Bernadettes Manuskripten diesen unfreiwilligen,
wundervollen orthographischen Fehler gefunden: »Et le reste nous sera donne
par sur-croix...« [par sur-croit = noch dazu, par sur-Croix — durch den am Kreuz] =
und das Übrige wird uns noch dazu gegeben werden ...! Während des Winters
1877 bildet sich an Bernadettes rechtem Knie ein Geschwür. Sie leidet »alles,
was man nur erleiden kann«. Im Frühling des Jahres 1878 steht sie auf und geht auf
Krücken.
Dann bringt sie es so weit, einige Wochen lang »wie jedermann« zu gehen, und sie
glaubt sich auf dem Wege der Heilung. Zu Beginn des Winters aber zeigten sich
am selben Knie eine riesige Geschwulst und eine Versteifung des Gelenkes. Es
handelt sich um einen ernsten Knochenfraß, der — wie uns die Ärzte sagen - viel
schwerer zu ertragen ist als der rasendste Zahnschmerz. Und in der Folterqual
verändert sich das Antlitz der Kranken, »bis es totenähnlich wird«.....
.....»Sind Sie bereit, wie bei Ihrem Gelübde Ihr Leben als Opfer hinzugeben?«
fragt dann der Priester.
»Welches Opfer?« sagt Bernadette und wendet sich ihm lebhaft zu. »Es ist kein
Opfer, die Erde zu verlassen, wo man so viel Qual erlitten hat, um Gott zu
dienen!«.....
.....»Ich habe Angst, ich habe Angst...«
Schwester Natalie will sie beruhigen, aber Bernadette fährt mit derselben
Stimme fort:
»Ach! ach! Ich habe so viele Gnaden empfangen! Ich habe Angst, weil ich sie so
wenig genutzt habe...« Die Gefährtin sucht sie noch immer zu beruhigen, schweigt
dann aber. Nach einem Augenblick der Stille stößt die Kranke plötzlich einen
wirklichen Freudenruf aus, der Schwester Natalie auffahren läßt: »Jetzt«, sagt sie,
»bin ich ruhig!«.....
.....»Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für mich arme Sünderin ... arme Sünderin
...«
Nachdem sie sich so in Demut verabschiedet hat, neigt sie das Haupt und stirbt —
um drei Uhr nachmittags.
Im Kloster Saint-Gildard ruht im Frieden des HERRN
BERNADETTE SOUBIROUS,
DIE IM JAHRE 1858 ZU LOURDES
MEHRERER ERSCHEINUNGEN DER
ALLERSELIGSTEN JUNGFRAU GEWÜRDIGT
WORDEN IST;
IM ORDEN SCHWESTER MARIE-BERNARD,
VERSCHIEDEN ZU NEVERS,
IM MUTTERHAUS DER CARITAS-SCHWESTERN
AM 16. APRIL 1879, IN IHREM 36. LEBENSJAHR
UND IM 12. JAHRE IHRER PROFESS.
Ausklang
.....Nicht umsonst ist unser menschlicher Eifer; denn es gibt Volksmassen in
Lourdes, weil Lourdes die Hauptstadt der Heilungen ist.....
.....Bei dem bloßen Wort »Wunder« jedoch wenden sich die Freigeister ab;
Ungläubige regen sich auf oder zucken die Achseln ; Wissenschaftler und
angriffslustige Materialisten geraten in Zorn. Mehr noch: die Gelehrten, welcher
religiösen Richtung sie auch immer angehören mögen, verstopfen sich die Ohren.
»Wunder« ist ein Ausdruck, der keinen Einlaß in den wissenschaftlichen
Wortschatz findet.....
.....Ein Krankenträger sagte kopfschüttelnd zu mir: »Man begünstigt die Wunder
in Lourdes kaum!« Es scheint sogar, daß das Wunder hier Gegenstand eines
dramatischen Kampfes ist, in dem der Mensch mit allen seinen Kräften dem Engel
gegenüber steht.....
.....Am Schluß meines Buches - dies sei mein eigener Beitrag zum Gespräch - lege
ich Wert darauf, mit allem Nachdruck zu wiederholen, daß ich daran glaube.
Ich habe nüchterne, graphische Darstellungen vor Augen, auf die niemand etwas
entgegnen kann. Aber mein Herz wird vor dieser Grotte, wo die Kerzen den
Krücken entgegensteigen, immer warm werden und selbst dahinschmelzen; denn die
Lahmen gehen, die Tauben hören, die Blinden finden wieder das Licht, und das
Evangelium nimmt seinen Weg. Aber ich weiß, Bernadette, daß wir im Grunde
nichts gesehen haben: und daß in Lourdes die größten Wunder in den Seelen
geschehen sind.
Paris, Januar 1953.MICHEL DE SAINT-PIERRE
Anhang
.....Sie begann zu lächeln, sich zu verneigen, und je mehr ich ihr hinschüttete, desto
mehr lächelte sie; nachdem wir den Rosenkranz zu Ende gebetet hatten, zogen wir
uns zurück. Das war zum zweiten Mal. Das dritte Mal war es am folgenden
Donnerstag. Ich war mit einigen Erwachsenen dort, die mir rieten, Papier und
Tinte zu nehmen und sie zu bitten, falls sie mir etwas zu sagen hätte, es mir gütigst
aufschreiben zu wollen. Ich sagte der Dame dieselben Worte. Sie begann zu
lächeln und sagte zu mir, es sei nicht nötig, mir das, was sie zu sagen habe,
aufzuschreiben, aber ob ich so freundlich sein wolle, vierzehn Tage lang dorthin zu
kommen. Ich erwiderte ihr, ja. Sie fügte hinzu, ich solle den Priestern sagen, daß sie
eine Kapelle bauen lassen müßten, ich solle an der Quelle trinken, mich dort
waschen und für die Sünder beten. Sie wiederholte mir dieselben Worte mehrere
Male. Sie sagte mir drei Dinge, deren Geheimnis zu bewahren ich gezwungen bin.
Sie sagte mir auch, daß sie mir nicht verspräche, mich in dieser Welt glücklich zu
machen, aber in der andern. Und eines Tages hieß sie mich ein Gras essen, das
sich am selben Ort befand, wo ich trinken mußte, nur ein einziges Mal. Ich weiß nicht
warum. Das dritte Mal mußte ich den Herrn Pfarrer aufsuchen und ihm sagen, eine
Dame habe mir befohlen, hinzugehen und den Priestern zu sagen, dort eine
Kapelle bauen zu lassen; er blickte mich einen Augenblick an und sagte dann in
nicht sehr umgänglichem Ton zu mir: „Was ist das denn für eine Dame?" Ich
antwortete ihm, ich wüßte es nicht. Sodann beauftragte er mich, sie nach ihrem
Namen zu fragen, zu kommen und ihn ihm zu nennen.....
.....Nach den vierzehn Tagen fragte ich sie dreimal hintereinander, und erst beim
vierten Mal sagte sie mir, sie sei die Unbefleckte Empfängnis. Da kam ich wieder
zum Herrn Pfarrer zurück, um ihm zu erzählen, daß sie mir gesagt habe, sie sei die
Unbefleckte Empfängnis, und er fragte mich, ob ich dessen sicher sei; ich
antwortete ihm, ja, und um dieses Wort nicht zu vergessen, hätte ich es den ganzen
Weg lang wiederholt......
.....Für Mutter Marie-Therese Vauzou wird auf die Prüfung der Tat eines Tages
die der Ruhe folgen. Es gibt mehr Tod in der letzteren. Am 12. August 1901 hat
die ehemalige Novizenmeisterin von Nevers und spätere Generaloberin sich unter
die Befehle einer ihrer früheren Novizinnen, Mutter M.-Joseph Viguerie, gestellt
und ist einfache Schwester im Waisenhaus von Lourdes geworden. Im Alter von
76 Jahren kniete sie zu Füßen der jungen Oberin nieder und klagte sich öffentlich
ihrer Unvollkommenheiten an.....
.....Sie hat Jahre neben Bernadette verbracht, ohne sie zu sehen. Sie hat an der
Erscheinung gezweifelt.....
.....Und ich, der ich die letzten Worte der Mutter Marie-Therese Vauzou kenne,
werde niemals ohne Bewegung die Erinnerung an diese Frau wachrufen:
»Heilige Jungfrau von Lourdes, beschütze mich im Todeskampf ..«.....
.....
Bernadettes Brief an den Heiligen Vater
.....
Endgültiger Text
.....Was kann ich tun, Heiligster Vater, um Euch meine töchterliche Liebe zu
bezeugen? Ich kann nur weiterhin das tun, was ich bis jetzt getan habe, das heißt
leiden und beten...... meine Waffen sind das Gebet und das Opfer, die ich
beibehalten werde bis zum letzten Atemzug. Da erst wird die Waffe des Opfers
fallen, aber die des Gebetes wird mir in den Himmel folgen.
Die Allerseligste Jungfrau muß wohl oft ihren mütterlichen Blick auf Euch werfen,
Heiligster Vater, weil Ihr sie für Unbefleckt erklärt habt. Ich glaube gern, daß Ihr
von dieser guten Mutter ganz besonders geliebt werdet, weil sie vier Jahre später
selbst auf die Erde kam, um zu sagen: ICH BIN DIE UNBEFLECKTE
EMPFÄNGNIS. Ich wußte nicht, was das bedeutete; ich hatte dieses Wort
niemals gehört. Seither sage ich mir, wenn ich darüber nachdenke, sehr oft: Wie
gut die Heilige Jungfrau ist! Man möchte sagen, Sie sei gekommen, um das Wort
unseres Heiligen Vaters zu bestätigen...
Ich hoffe, diese gute Mutter wird Mitleid mit ihren Kindern haben und geruhen,
noch einmal ihren Fuß auf den Kopf der verfluchten Schlange zu setzen und so
den grausamen Heimsuchungen der heiligen Kirche und den Schmerzen ihres
Erlauchten und sehr geliebten Pontifex ein Ende zu machen!
Ich küsse sehr demütig Eure Füße und verbleibe mit der tiefsten Ehrerbietung
Heiligster Vater
Eurer Heiligkeit demütigste und untertänigste Tochter
Schwester Marie-Bernard Soubirous von den Caritas- und Schulschwestern zu
Nevers.
Nevers, den 17. Dezember 1876.
Ende


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Fröhlich sein,
Gutes tun
und die Spatzen
pfeifen lassen.
Don Bosco
http://www.fatima.pt/portal/index.php?id=14924

 
esther10
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