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Beginn > Themen > Ökumene > Der Protestant entwickelte die "Theologie der Hoffnung" / Tübinger Theologe Moltmann wird 95

#1 von admin-anne ( Gast ) , 08.04.2021 10:58

Beginn > Themen > Ökumene > Der Protestant entwickelte die "Theologie der Hoffnung" / Tübinger Theologe Moltmann wird 95

Jürgen Moltmann, einer der renommiertesten evangelischen Theologen, feiert am Donnerstag (8. April) den 95. Geburtstag. Seine zentralen Werke sind die 1964 erschienene "Theologie der Hoffnung" und die 2010 herausgegebene "Ethik der Hoffnung".

Ausgehend vom jüdischen Philosophen Ernst Bloch und dessen «Prinzip Hoffnung» beschreibt Moltmann, dass Menschen, die auf Christus hoffen, sich nicht mit der Wirklichkeit abfinden, sondern an ihr leiden und sie zu verbessern suchen.

Geprägt wurde der gebürtige Hamburger durch den Zweiten Weltkrieg und eine dreijährige Kriegsgefangenschaft. In gedanklicher und biografischer Nähe zum katholischen Fundamentaltheologen Johann Baptist Metz formulierte Moltmann eine Theologie nach Auschwitz und trat für einen in der Gegenwart verankerten Glauben ein. Stark engagierte sich der Wissenschaftler für das Gespräch zwischen den christlichen Konfessionen.

Als Professor arbeitete Moltmann zunächst in Wuppertal und später in Bonn. 1967 wurde er nach Tübingen berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1994 lehrte. 63 Jahre war Moltmann mit der 2016 gestorbenen feministischen Theologin Elisabeth Moltman-Wendel verheiratet. Das Paar hat vier Töchter. Moltmann, der sich auch intensiv mit Umweltthemen befasst, wurde vielfach geehrt. Er bekam unter anderem 15 Ehrendoktortitel.

Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) ging Moltmann auch auf die Corona-Pandemie ein: "Verdruss und Verzagtheit kommen auf, wenn wir ungeduldig werden. Geduld ist der lange Atem der Hoffnung." Aktuell betreut Moltmann noch einen amerikanischen Studenten, der in Theologie promoviert. Seinen Geburtstag will Moltmann nach eigenen Worten dankbar feiern. Allein, weil seine Frau tot sei, aber nicht einsam, weil die Töchter kämen und er vierfacher Uropa sei. Auch der weltweite Schülerkreis werde sich melden. (KNA/Stand: 06.04.2021)

08.04.2021
Tübinger Theologe Moltmann wird 95 Der Protestant entwickelte die "Theologie der Hoffnung"

Jürgen Moltmann, einer der renommiertesten evangelischen Theologen, wird am 8. April 95 Jahre alt. Seine zentralen Werke sind die "Theologie der Hoffnung" und die "Ethik der Hoffnung".

KNA: Herr Professor Moltmann, wir leben gerade in bewegten Zeiten. Wie kommen Sie mit der Pandemie zurecht?

Moltmann: Als Schreibtischmensch habe ich nicht viele Unterschiede bemerkt. Nur dass viele Vortragsreisen abgesagt wurden, hat mich enttäuscht. Wenn man mit sich selbst allein ist, wird es einem manchmal langweilig.

KNA: Ihnen liegt eine "Theologie der Hoffnung" am Herzen. Derzeit scheinen gesamtgesellschaftlich eher Verdruss, Verzagtheit und Frustration bestimmend. Wie kann die Hoffnung revitalisiert werden?

Moltmann: Verdruss und Verzagtheit kommen auf, wenn wir ungeduldig werden. Geduld ist der lange Atem der Hoffnung - Resignation ist damit nicht gemeint. In meiner Jugend habe ich die Geduld der Hoffnung in einer dreijährigen Kriegsgefangenschaft gelernt.

KNA: Kann dabei auch das Gebet als Schrei nach Gott helfen?

Moltmann: Die Psalmen schreien zu Gott: Wie lang, Herr, wie lange? Gebete als Fürbitten helfen einsam Sterbenden. Sie sind dann nicht allein. Sie fühlen sich von einer betenden Gemeinschaft zu Gott getragen.

KNA: Haben die Kirchen in der Corona-Krise versagt?

Moltmann: Die Kirchengemeinden haben nicht versagt. Sie entwickeln eine Menge Fantasie für das Reich Gottes und die Seelsorge im Einzelnen, die sie in normalen Zeiten nicht entwickelt hätten.

Ich habe dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, im Juni den Vorschlag gemacht, zusammen mit der katholischen Kirche einen "Volkstrauertag" auszurufen. Jetzt tut es der Bundespräsident im April.

KNA: Die katholisch-protestantische Ökumene erlebt gerade theologisch bewegte Zeiten. Einerseits geschieht etwas, auf der anderen Seite verschaffen sich gerade in der katholischen Kirche auch Beharrungskräfte Raum. Welche Perspektive sehen Sie?

Moltmann: Die gegenseitige Anerkennung der Taufe haben wir schon. Die gemeinsame Wortverkündigung des Evangeliums auch, nur mit der Eucharistie hapert es, weil nur eine geweihte Person sie zelebrieren kann. Das ist für evangelische Menschen eine Herabwürdigung der Taufe. Getauft werden Männer und Frauen.

In dieser Zeit entsteht eine ökumenische Gemeinde am Radio am Sonntagmorgen von 10 bis 11, sie geht in die Millionen.

KNA: So wie Johann Baptist Metz auf katholischer Seite stehen Sie auf evangelischer Seite für eine politische Theologie, die den Glauben im Hier und Jetzt verortet und sich nicht so sehr um vermeintlich ewige, unverrückbare Wahrheiten schert. Trügt der Eindruck, dass sich diese Position wissenschaftlich zunehmend durchsetzt?

Moltmann: Von 1970 bis 1990 waren die Jahre der Politischen Theologie: die Theologie der Befreiung, die Schwarze Theologie, die Feministische Theologie, die Ökologische Theologie. Seitdem bemühen sich die Theologischen Fakultäten um ihre Wissenschaftlichkeit und treten in Dialoge mit den Rechtswissenschaften, der Germanistik und den Naturwissenschaften ein. Heidelberg ist ein hervorragendes Beispiel. Ich persönlich arbeite an einer "Politischen Theologie der Modernen Welt".

KNA: Eine andere Wahrnehmung ist, dass die Theologie in den aktuellen Diskursen kaum mehr vorkommt. Woran liegt das?

Moltmann: Ich habe nicht den Eindruck. Der Ethikrat ist eine wichtige Stimme, und das Suizidurteil des Bundesverfassungsgerichts von 2020 wird heftig theologisch diskutiert.

KNA: Sie betreuen im hohen Alter Promovenden. Warum muten Sie sich das noch zu?

Moltmann: Ich liebe den erwachsenen wissenschaftlichen Geist. Ein chinesischer Theologe - Hong Liang - hat sich 2008, als ich in Peking war, mir angeschlossen und hat 2018 mit summa cum laude in Tübingen promoviert. Jetzt habe ich einen amerikanischen Promovenden.

KNA: Wie wollen Sie den 95. Geburtstag feiern?

Moltmann: Dankbar! Allein, weil meine Frau vor fünf Jahren gestorben ist, aber nicht einsam, weil unsere vier Töchter kommen und ich vierfacher Uropa bin. Der weltweite Schülerkreis wird sich auch melden.
Michael Jacquemain
(KNA)

admin-anne

   

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