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  • 08.11.2013 10:17 - 8. November – Der heilige Gottfried (Godfrid), Bischof zu Amiens
von Hildegard Maria in Kategorie Allgemein.

8. November – Der heilige Gottfried (Godfrid), Bischof zu Amiens

Gottfried stammte aus einer adeligen Familie im Bezirk von Soissons. Fulko, sein Vater, beschloss als Witwer sein Leben in einem Kloster. Unser Heiliger war erst fünf Jahre alt, als man ihn der Leitung des Abtes Gottfried vom Berge St. Quintin übergab, der ihn über die Taufe gehoben hatte. Dieser Gottfried war ein Oheim der gottseligen Itta, Gräfin von Bologne und Namur, Mutter Gottfrieds und Balduins, die Könige von Jerusalem wurden.

Von seiner frühesten Jugend an beraubte sich der Heilige immer eines großen Teils der ihm gegebenen Nahrung und verteilte sie unter die Armen. Oft sogar erschien er nicht im Speisesaal und schloss sich in irgendeinem Bethaus ein, um sich mit Gott zu unterhalten. Nicht selten widmete er auch den größten Teil der Nacht dieser heiligen Übung. Die häufigen Tränen, die während des Gebetes seinen Augen entströmten, gaben deutlich seine zärtliche Andacht und lebendige Erschütterung zu erkennen. Als er fünfundzwanzig Jahre alt war, weihte ihn der Bischof von Noyon zum Priester. Dieser Ehre erschien er auch vollkommen würdig, nicht nur wegen seiner Tugenden, sondern auch wegen seines täglichen Voranschreitens in der Religionskenntnis. Seine Demut weigerte sich zwar, diese hohe Würde anzunehmen, aber seine Einwendungen wurden nicht gehört.

Kurz danach übertrug man ihm die Leitung der Abtei Nogent in Kampagne, die unter ihm durch ihre strenge Zucht bald sehr berühmt wurde. Zwei Äbte zogen sich dahin zurück, um als einfache Ordensmänner unter einem solchen Meister eine größere Vollkommenheit zu erstreben.

Gottfried hatte eine solche Wachsamkeit über sich selbst erworben, dass er alle seine Sinne vollkommen beherrschte. Nie redete er ein unnützes Wort, nie hefteten sich seine Augen auf irgendeinen Gegenstand, wenn es nicht notwendig war. Sein Schweigen und sein äußerst sittsames Benehmen waren sichtbare Beweise seiner steten Geistessammlung. Als man ihm eines Tages eine besser als gewöhnlich zubereitete Speise vorstellte, sagte er, sich beklagend: „Wisst ihr nicht, dass das Fleisch sich empört, wenn man ihm schmeichelt?“ Ein ganzes Konzilium drang einst in ihn, die Abtei zum heiligen Remigius in Rheims zu übernehmen. Da trat er in die Mitte der Versammlung und sagte, nach Anführung der für ihn sprechenden Kanons: „Gott behüte, dass ich eine arme Braut verachte, und ihr eine reiche vorziehe.“

Der Heilige hatte sich bald nach seiner Profession im Kloster aus Gehorsam und mit Herzensfreude der Krankenpflege angenommen. Er pflegte die Kranken mit aller Demut und Liebe sowohl an Leib als an der Seele, war Tag und Nacht bei ihnen, tat alles, was nötig und heilsam war. Er tröstete, ermahnte, betete oder las, wie es dem Leidenden zuträglich war, und nur die Liebe es tun konnte. Als Abt des Klosters Nogent, das so viel als aufgelöst war, hat er dasselbe nicht nur hergestellt von innen durch die Klosterzucht, von außen durch die Bauten, sondern den Bestand auch gesichert für die Zukunft. Er ließ dort auch ein eigenes Armenhaus bauen zur Beherbergung und allseitigen Pflege der Armen und Kranken, denen er selbst diente.

Im Jahr 1103 wurde er auf dem Konzilium zu Troyes auf Ansuchen der Gesandten von Amiens zum Bischof dieses Stuhls erwählt. Man musste ihn aber gleichsam mit Gewalt zum Empfang der Bischofsweihe zwingen. Barfüßig unter Gebet und Tränen ging er dann in die Stadt und hielt in der Kirche zum heiligen Firmin eine sehr rührende Rede an das anwesende Volk. Sein Palast war das Haus eines wahren Dieners Jesu. Jeden Tag wusch er dreizehn Armen die Füße und bediente sie zu Tisch. Mit unbeugsamem Eifer widersetzte er sich stets den Bestrebungen der Großen, die hartnäckig an ihren Unordnungen hingen. Ebenso griff er mit kraftvoller Hand die unter seiner Geistlichkeit herrschenden Missbräuche an, und stellte nach vielen überstandenen Schwierigkeiten die Verbesserung in dem Kloster zum heiligen Valerikus her. Als er am heiligen Weihnachtsfest die heiligen Geheimnisse feierte, in Gegenwart Roberts, des Grafen von Artois, der zu St. Omer seinen Hof hielt, wollte er selbst von den Fürsten keine Opfergabe annehmen, weil sie in einem zu weltlichen Gepränge erschienen. Mehrere verließen die Kirche und kehrten in einfacherer Kleidung zurück, um des Segens des heiligen Bischofs nicht beraubt zu werden.

Sein heiliger Eifer zur gründlichen und durch alle Stände durchgreifenden Verbesserung zog ihm bei aller seiner Güte und Sanftmut mancherlei Leiden zu. An ihm wurde das Wort des Herrn wahr: „In mir habt ihr Freude, in der Welt werdet ihr Betrübnis haben.“ Neben den Spottreden über ihn, neben Trotz und Verachtung wurde ihm einmal unter dem Schein von Teilnahme Wein mit Gift dargereicht, um ihn los zu werden. Gott aber gab ihm zu erkennen, was es mit dem Wein auf sich hatte, und er blieb bewahrt. Er fuhr aber in seinem Eifer fort, jedoch mit seufzender Seele über die Hartnäckigkeit der Sünde. Er erschien auch auf einer Kirchenversammlung zu Vienne im Delphinat, und führte mit großer Bescheidenheit und Weisheit das Wort über viele Gegenstände, die da beraten wurden zur Verbesserung einer gar nicht rühmlichen Zeit. Die traurige Erfahrung seines Hirtenamtes, der Kummer vergeblich angewandter Mühe, wie er glaubte, die geringe Hoffnung einer besseren Zukunft, und vor allem sein Bußsinn brachten ihn zu dem Entschluss, sein Leben in der großen Kartause zu Grenoble mit Gott allein zuzubringen. Er begab sich nach dieser Versammlung wirklich dorthin und entsagte in einem gar demütigen Schreiben an das zu Beauvais versammelte Konzilium seinem Hirtenamt, weil er dessen unwürdig und unfähig, und nun zu einem stillen Büßerleben vor Gott bereitet sei. Aber seine Bitten wurden nicht angenommen, er musste wieder zur Hirtenlast zurück, und das Volk nahm ihn mit Ehre und Freude wieder auf. Er versuchte jetzt aufs Neue mit heiligem Seeleneifer der einreißenden Ausgelassenheit und den überhandnehmenden Sittenzerfall entgegenzuwirken. Da aber der Erfolg auch nun nicht viel besser wurde, so verkündigte er der Stadt Amiens mit prophetischem Geist die drohende Strafrute Gottes. Und siehe, in der Tat erfüllte sich seine Prophezeiung noch im selben Jahr am heiligen Bartholomäusabend. Eine nachtschwarze Wolke lagerte sich über der Stadt, das Ungewitter brach los, das Feuer schlug allseitig aus und legte die Stadt bis an St. Firminskirche, die bischöfliche Wohnung und wenige Häuser der Armen in Asche. Der heilige Mann half, tröstete, unterstützte, wo er konnte und ermahnte zur Buße und Besserung, mit der Zusicherung: Gott – der da mächtig ist zu nehmen und zu geben – werde sie bald wieder segnen. Aber seine Seele fand keine Ruhe und keinen Trost mehr auf der Erde, sie sehnte sich nach Erlösung aus dem Jammertal, und ihr Seufzen wurde bald erhört. Auf einer unternommenen Reise nach Rheims ergriff ihn im Kloster des heiligen Krispin zu Soisson, wo er eingekehrt war, ein heftiges Fieber. Im Gefühl des nahenden Endes empfing er mit großer Andacht die heiligen Sakramente; bat noch, seinen Leichnam ebenda ins Kapitelhaus zu beerdigen, und gab nach wenigen Tagen, die Augen und Hände zum Himmel erhoben, seinen seligen Geist in die Hände seines Schöpfers am 8. November im Jahr 1118, im 11. Jahr seines bischöflichen Amtes.

Der eilige wurde dort begraben, und Gott machte die so sehr verkannte Heiligkeit seines Dieners durch viele Wunderzeichen bekannt.



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