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  • 21.03.2013 07:59 - sich in die passion christi versenken
von Hildegard Maria in Kategorie Allgemein.

FASTENZEIT
5. WOCHE - DONNERSTAG

37

sich in die passion christi versenken

Der Kreuzweg und das Kruzifix.
Inneres Erleben der Passion.
Was wir daraus lernen.


I. Mein Volk, was habe ich dir getan, womit nur habe ich dich betrübt? Antworte mir. Ich habe dir Wasser aus dem Felsen zu trinken gegeben und dich gerettet, du aber hast mich getränkt mit Galle und Essig. Mein Volk, was habe ich dir getan ...?1

Die Liturgie dieser Tage bringt uns dem grundlegenden Geheimnis unseres Glaubens, der Auferstehung des Herrn, sehr nahe. Wenn auch das ganze liturgische Jahr auf Ostern hin ausgerichtet ist, so »fordert besonders diese Zeit, weil sie dem erhabenen Geheimnis der göttlichen Barmherzigkeit so nahe ist, von uns eine um so innigere Einstimmung«2. »Jedoch sollten wir diesen Weg nicht zu eilig gehen; wir sollten eine sehr einfache Wahrheit nicht vergessen, die wir manchmal vielleicht übersehen: Wir werden an der Auferstehung des Herrn nicht teilhaben können, wenn wir uns nicht mit seinem Leiden und seinem Tod vereinen (vgl. Röm 8,17). Damit wir Christus in seine Herrlichkeit, bis ans Ende der Karwoche, begleiten können, müssen wir zuerst sein Opfer begreifen und uns eins mit ihm fühlen - mit ihm, der tot am Kreuz hängt.«3

Wir begleiten den Herrn auf seinem Leidensweg bis zum Tod am Kreuz. Er hat unsere Sünden mit seinem Leib auf das Holz des Kreuzes getragen, heißt es im ersten Petrusbrief4.

Der Brauch, sich in das Leiden und Sterben Jesu zu vertiefen, geht auf die Urchristen zurück: »Gewiß sind schon die Christen der Urgemeinde in Jerusalem zu Zeiten in andächtiger Erinnerung den Weg wieder gegangen, den Jesus damals hatte gehen müssen. Da ist vor ihrem inneren Auge lebendig neu erstanden, was sich auf diesem Wege, an jener Straßenkreuzung zugetragen hatte; was ihnen in jenen angstvollen Stunden durchs Herz gegangen war und nachher im Licht des Ostermorgens und in der Geistesfülle des Pfingsttages seine unendliche Bedeutung offenbart hatte. Sie haben ihre Erinnerungen an andere weitergegeben und diese wieder an andere. Und wenn später der Pilger nach Jerusalem kam, dann fand er durch uralte Überlieferung die wichtigsten Ereignisse des letzten Herrenganges an bestimmte Orte geknüpft. Er hielt an ihnen seine statio, was in der alten Kirchensprache soviel heißt wie in frommem Gedenken, in gottesdienstlicher Absicht Halt machen, und dachte sich in jene Zeiten zurück, und ihm war zu Mute, als sei er selbst einer aus der kleinen, treuen Schar, die damals mitleidend dem Herrn gefolgt war.«5

Der Kirchenvater Johannes Chrysostomos empfiehlt in einer Predigt: »Laßt uns immer wieder die Leidensgeschichte des Herrn lesen, und wir werden reichen Nutzen und den größten Vorteil daraus ziehen. Wenn du nämlich siehst, wie er durch Gebärden und Tätlichkeiten verspottet, mit soviel Hohn bedacht, ins Gesicht geschlagen und das Fürchterlichste leidet, wirst du, und wärest du auch ein Stein, doch weich werden wie Wachs und allen Hochmut aus deiner Seele bannen.«6

Wieviele sind schon durch die Versenkung in die Passion zur Umkehr gebracht worden! Der heilige Thomas von Aquin sagt: »Das Leiden und Sterben Christi genügt als Leitstern und Vorbild für unser ganzes Leben«7 Es wird erzählt, er habe eines Tages den heiligen Bonaventura besucht und ihn gefragt, welchen Büchern die wunderbare Lehre seiner eigenen Werke entstamme. Bonaventura soll ihm daraufhin ein Kruzifix mit Spuren von vielen Küssen gezeigt haben: »Das ist das Buch, das mir alles eingibt, was ich schreibe; das Wenige, was ich weiß, habe ich hier erfahren.« Auch wir müssen aus diesem Buch lernen. »Dein Kruzifix. - Als Christ solltest du immer dein Kruzifix bei dir tragen. Du solltest es auf deinen Arbeitstisch legen. Du solltest es küssen beim Schlafengehen und beim Aufstehen. Und wenn dein armer Körper sich gegen die Seele auflehnt, küsse es auch.«8

II. Das Leiden und Sterben des Herrn sollte immer wieder Gegenstand unseres Gebetes sein, besonders aber jetzt, da wir uns dem grundlegenden Geheimnis unserer Erlösung nähern.

»Im betrachtenden Gebet tritt die Passion unseres Herrn aus dem leblosen Rahmen der Geschichte heraus. Sie ist aber auch nicht mehr Gegenstand frommer Erwägung, sondern sie ersteht vor unserem Auge als das schreckliche, erdrückende, grausame und blutige Opfer, das sie war - als die äußerste Tat der göttlichen Liebe...«9

Es ist gut, das Leiden Christi innerlich zu betrachten: im persönlichen Gebet, beim Lesen des heiligen Evangeliums, beim Beten der schmerzensreichen Geheimnisse des Rosenkranzes, beim Kreuzweg ... Dabei mag uns die Vorstellungskraft zu Hilfe kommen, die Gott uns geschenkt hat. Wir sehen uns dann unter den Zeugen des damaligen Geschehens: neben den Aposteln beim letzten Abendmahl, als ihnen der Herr die Füße wusch und so liebevoll zu ihnen sprach, in jenem großen Augenblick, da er die Heilige Eucharistie einsetzte; neben den drei Schlafenden in Getsemani, die den Herrn in seiner Verlassenheit allein ließen; ja selbst unter denen, die Petrus schwören hörten, er kenne Jesus nicht, oder jenen, die als Zeugen des Scheinprozesses sahen, wie der Hohepriester seine Kleider zerriß. Gelegentlich werden wir uns - in Reue - unter die Menge mischen, die seinen Tod forderte. Und im Geiste werden wir auf den gekreuzigten Herrn schauen, auf sein edles, nun so entstelltes Gesicht.

Mag unser Versuch, die Passion zu erleben, immer nur ein blasses, kümmerliches Ahnen des damals wirklich Geschehenen sein - es ist ein außerordentlich bereicherndes Gebet, nachzuempfinden, wie Jesus, der Heilige schlechthin, alle Sünden der Welt auf sich nimmt; oder wie verlassen er sich fühlen mußte beim Anblick der drei Jünger, die ihm Begleiter sein sollten und die er dreimal schlafend vorfand. Jünger in der Nachfolge, die im entscheidenden Augenblick, während der Feind lauert, schlafen - ein zeitloses Bild?

III. Um Jesus zu erkennen und ihm nachzufolgen, dürfen wir nicht bloß Zuschauer des Geschehens sein: »Wir sollten, ohne bei Äußerlichkeiten oder Gemeinplätzen stehen zu bleiben, uns in das vertiefen, was uns der Tod Christi enthüllt. Es ist nötig, sich ganz in die Szenen hineinzuversetzen, die wir während dieser Tage neu durchleben: den Schmerz Christi, die Tränen seiner Mutter, die Flucht der Jünger, die Tapferkeit der heiligen Frauen, den Mut Josephs von Arimathäa und Nikodemus', die von Pilatus den Leichnam Jesu erbitten.«10

»Mit einem Wort: versuchen wir, dem toten Jesus nahe zu kommen, dem Kreuz, das sich auf Golgota erhebt. Aber nähern wir uns in Aufrichtigkeit und im Bemühen um jene innere Sammlung, die Zeichen christlicher Reife ist. Die Ereignisse der Passion - so menschlich und göttlich zugleich - werden in die Seele wie Worte eindringen, die Gott an uns richtet, um uns im Innersten unseres Herzens aufzurütteln und uns zu enthüllen, was er von uns erwartet.«11

Sich versenken in das Leiden und Sterben Christi bringt uns vielfache Frucht: »Bitterstes Leiden, des Leibes und der Seele, sehen wir den Herrn durchmachen, aber auch durch die Liebe zu Gott und zu uns überwinden. Und wir lernen, mit unserem Schicksal Ähnliches zu vollbringen.«12 Wir lernen, die Sünde zu verabscheuen und angesichts eines so gütigen Gottes die Liebe in uns zu entzünden, denn er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt13. »Und bei diesem Anblick geht uns auf, daß die Sünde unendlich mehr ist als nur ein kleiner >Schreibfehler< von uns. Sündigen heißt: Christus kreuzigen, ihm Hände und Füße durchbohren, ihm das Herz zerreißen.«14 Christi Leiden entzündet gegen Lauheit, Lustlosigkeit und Trägheit unsere Liebe und öffnet uns für die Bereitschaft zur Abtötung.

Der heilige Thomas stellt in der nüchternen Sprache seiner Summa Theologica dar, wie Christus nicht nur die physischen, sondern auch alle geistigen Leiden durchlebt, denn »er erfuhr Leid von Heiden und Juden, Männern und Frauen, wie beispielsweise von den Mägden, die Petrus anklagten. (...) Sogar von den Freunden und Bekannten erfuhr er Leid, so von Judas, der ihn verriet, und von Petrus, der ihn verleugnete. (...) Christus hat gelitten an seinen Freunden, da sie ihn verließen; an seinem Ruf durch die Gotteslästerungen, die man gegen ihn ausstieß; an seiner Ehre und seinem Ruhm durch den Spott und die ihm zugefügte Schmach.«15 Der Blick auf den leidenden Christus hilft uns, Gottes Willen anzunehmen, wenn der Herr einmal eine schwere Krankheit, Anfeindungen oder Widrigkeiten zuläßt.

Immer schenkt uns die Nähe zu Maria die Nähe zu Jesus. In diesen Tagen, unmittelbar vor der Passion des Herrn wollen wir Maria um die Gabe bitten, Ängstlichkeit oder auch Panik angesichts des Kreuzes zu verlieren und auf den Gekreuzigten zu schauen.

1 Liturgie vom Karfreitag. Improperien. - 2 Leo der Große, Predigt 47. - 3 J. Escrivá, Christus begegnen, 95. - 4 1 Petr 2,24. - 5 Guardini, Der Kreuzweg unseres Herrn und Heilandes, Mainz 1975, S.7-9. - 6 Johannes Chrysostomos, Homilien über das Matthäusevangelium, 87,1. - 7 Thomas von Aquin, Über das Glaubensbekenntnis, 6. - 8 J. Escrivá, Der Weg, Nr. 302. - 9 ders., Die Spur des Sämanns, Nr. 993. - 10 ders., Christus begegnen, 101. - 11 ebd. - 12 Guardini, Der Kreuzweg unseres Herrn und Heilandes, Mainz 1975, S.13. - 13 Jes 53,5. - 14 J. Escrivá, Die Spur des Sämanns, Nr. 993. - 15 Thomas von Aquin, Summa Theologica, III,q.46,a.5.



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