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  • 07.11.2015 15:16 - Der Fuldaer Bischof Johannes Dyba war ein Stück vom Felsen Petri
von esther10 in Kategorie Allgemein.

Der Fuldaer Bischof Johannes Dyba war ein Stück vom Felsen Petri

Veröffentlicht: 7. November 2015 | Autor: Felizitas Küble
Von Martin Hohmann

Gegner hatte Erzbischof Dyba nicht wenige innerhalb und außerhalb der kath. Kirche. Freunde, Anhänger, ja glühende Verehrer hatte er auch, und sie dürften sogar in der Überzahl gewesen sein. jdfiiieh - Kopie - Kopie (2)



Woran lag es, dass er die Menschen nicht gleichgültig ließ, sondern in zwei Lager schied? – Er selbst war kein Lauer, er war ein Streiter. Er suchte die Öffentlichkeit. Talkshows, die großen Tageszeitungen bis hin zur Bildzeitung waren für ihn Bühne und Sprachrohr.

FOTO: Erzbischof Johannes Dyba und unser Autor Martin Hohmann bei einer Soldatenwallfahrt in Lourdes am 20. Mai 2000

Mit bübischem Schalk und nicht ohne Stolz bezeichnet er sich als „Spiegel-Autor“, hat doch ausgerechnet er, der konservativste aller deutschen Bischöfe, im links-liberalen Hamburger Wochenblatt mehrfach über ganze Seiten seine Weltsicht darstellen können. In sein Temperament mischte sich heiliger Zorn, wenn er zentrale christliche Werte in Gefahr sah.

„Axt Gottes“, diesen Titel verlieh man ihm in der Publizistik in Anspielung auf den hl. Bonifatius, der zu seiner Zeit die Donar-Eiche gefällt hatte und dessen Grab der Fuldaer Dom beherbergt. Als „Primas von Deutschland“ empfanden ihn nicht wenige Christen, weil er unbeugsam und unbequem die Glaubenswahrheiten unverkürzt in die moderne Welt hinausrief.

Sein Hauptangriffspunkt war das Monstrum der deutschen Abtreibungsregelung. Sie widerspricht diametral einer „Kultur des Lebens“. Sie widerspricht dem göttlichen Gebot: „Du sollst nicht morden“. Sie verkehrt die Schöpfungsordnung, nach der Gott allein Herr über Leben und Tod und jedes Leben gottgewollt ist.

War schon deswegen sein erbitterter Widerstand angesagt, so erzürnte ihn zusätzlich die Einbindung der Kirche in den staatlichen Abtreibungsmechanismus. Die katholische Kirche durfte aus seiner Sicht keinesfalls als moralisches Feigenblatt dienen und „Tötungslizenzen“ mit der Vergabe des Beratungsscheines ausstellen.

Als er sich im deutschen Episkopat mit Hilfe des Papstes endlich durchgesetzt hatte, war ihm dies kein Anlass für Triumph, sondern lediglich selbstverständliche Pflichterfüllung. Zumal eine neu gegründete Laiengruppierung mit dem Namen „Donum vitae“ (Geschenk des Lebens) die päpstliche Ausstiegsorder nur auf kirchliche Amtsträger, nicht aber auf Laien bezog und weiter Beratungsscheine ausstellen will. „Donum mortis“ (Geschenk des Todes) wäre der richtige Name, so donnerte es aus Fulda.

Dybas Einsatz für das Leben und für Mütter in Not

Er scheute sich auch nicht, Köder und Schmiermittel der reibungslosen kirchlichen Einbindung offen zu legen. Pro Beratungsschein überwies der Staat damals 150 DM. Solche zur Abtreibung berechtigenden Beratungen gibt es im Bistum Fulda seit 1995 nicht mehr. 1577

Entgegen hartnäckig verbreiteten Gerüchten ist aber die allgemeine Schwangerschaftsberatung in Dybas Diözese keineswegs zusammen gebrochen. Im Gegenteil: Die Zahl der Beratungsfälle nahm ständig zu und ein spezieller bischöflicher Hilfsfonds hat an Mütter in Not mehrere Millionen DM verausgabt, berichtete Dyba stolz.



Unsere POSTKARTE mit dem Dyba-Spruch: “Alles kommt und geht, die KIRCHE aber ist geblieben”

Zudem sei beim Verbleib im staatlichen Abtreibungssystem die Eindeutigkeit des kirchlichen Bekenntnisses und die Stellung der Kirche als moralische Instanz gefährdet. Im vertrauten Gespräch zieht Dyba den Vergleich zur Hexenverfolgung. Es nütze der Kirche heute nichts, dass damals die eine oder andere „Hexe“ freigesprochen und damit gerettet wurde. Ebenso wenig ziehe heute der Hinweis auf mögliche Rettung einzelner Kinderleben bei kirchlicher Beratung mit Scheinvergabe. Moralisch unzweideutig sei damals wie heute nur der totale Ausstieg.

Bemerkenswert war es für Dyba, dass gerade diejenigen, die der Kirche ein Versagen durch Anpassung in der Vergangenheit vorwerfen, heute lauthals ihre Anpassung an den modernen Zeitgeist verlangen.

Mit der weltweit einmaligen Einbindung der Kirche in eine staatliche Abtreibungsregelung stand für Dyba auch der Aspekt der Einheit der kath. Kirche als Papstkirche und als Weltkirche auf dem Spiel. Für Dyba eine Horrorvorstellung, die kath. Kirche könne, nachdem sich 300 evangelische Kirchen gebildet haben, als 301. dazu kommen.

Der Erzbischof im Dienst der Weltkirche

Außerdem kennt keiner seiner deutschen Amtsbrüder die Weltkirche so wie Dyba. 21 Jahre war er im diplomatischen Dienst des Vatikans tätig. Dabei lernte er die apostolischen Nuntiaturen in Argentinien, Buenos Aires, Den Haag, Kinshasa und Kairo kennen. Später vertrat er den hl. Stuhl in Westafrika. Liberia, Gambia, Guinea und Sierra Leone waren die Stationen. _SITE_MUNDO_4d95e5470607b



Berichtete er über seine Zeit in Den Haag, zogen Sorgenfalten auf seine Stirn: Erst verfiel die holländische Kirche dem anpasserischen Modernismus, jetzt werden dort mit staatlicher Duldung alte Menschen – auch gegen ihren Willen – umgebracht. Erzählte er hingegen über seine Zeit in Afrika, spiegelten seine Augen die Begeisterung der dortigen Christen wider.

Was im Pulverdampf der öffentlichen Gefechte mit und um Dyba auf der Strecke bleibt, ist sein Hauptanliegen. Ihm geht es um die Glaubenssubstanz: „Wir sind Erlöste. Wir haben nach einem Leben nach Gottes Gebot die unveräußerliche Hoffnung auf die ewige Seligkeit. Deswegen ist der Glaube für uns Quelle der Freude.“

Freude und Begeisterung, das sind Zentralbegriffe seiner Predigten. Man muss ihn als Prediger erlebt haben. Ruhig, eindringlich, die Stimme geschickt modulierend, Witz und Humor nicht auslassend, in der Sache, im Kern immer glasklar und für alle verständlich. Vierzehnjährige Firmlinge in der Dorfkirche lauschten ihrem Bischof ebenso gebannt wie die Gläubigen aller Altersgruppen im vollbesetzten Fuldaer Dom. Kein Räuspern, kein ungeduldiges Herumrutschen bei den Zuhörern.

Dyba weiß den Spannungsbogen bis zum letzten Wort der regelmäßig eher kurzen Predigten zu halten. „Der lebendige Gott ist da. Er hört jeden, der ihn ruft und ihm vertraut. Jeder Mensch ist von Gott akzeptiert und unendlich geliebt.“ – Das waren seine Kernsätze. Dem entsprach sein Leitwort: „filii dei sumus – Kinder Gottes sind wir.“ – Vielen hat er mit seinen Worten Mut gemacht.

Großer Zuspruch von evangelischen Christen

Der Mutmacher Dyba kennt keine konfessionellen Grenzen. Viele Dankesbriefe und Ermunterungen erhielt er von evangelischen Christen. Sie bewunderten seine unzweideutige Haltung zur Abtreibung und zur modischen Neubewertung der Homosexualität. Die atemberaubende Karriere der praktiziereten Homosexualität vom Straftatbestand zum Gegenstand staatlicher Fürsorge mit faktischer Gleichstellung zur Ehe in nur 30 Jahren verschlägt manchem die Sprache und den Mut zum Widerspruch.

Wenn Dyba sie als sittlich verwerflich, als Sünde und gegen das Gesetz der Natur brandmarkt, bleibt er schlicht der kirchlichen Lehre treu. Zugleich bewegte ihn die Sorge, ob unsere Gesellschaft nicht durch Minderheitenkult, zunehmenden Individualismus, Ansteigen der „unfruchtbaren Lebensverhältnisse“ zu einer Ansammlung „alternder Egoisten“ verkomme. Die abgesicherte demographische Schätzung von noch 30 Millionen Deutschen im Jahre 2100 gibt ihm in brutaler Weise recht. Nur hat die deutsche Politik hiervon noch keine offizielle Kenntnis genommen.

Er war ein liebenswürdiger Gesprächspartner

Wie ist dieser Streiter, Kämpfer und liebste Watschenmann der Modernisierer und Liberalisierer nun im persönlich menschlichen Bereich? 100_1901

Gerade Frauen, die ihn wegen seiner unzweideutigen Ablehnung des Frauenpriestertums ihm mit gemischten Gefühlen entgegentreten, sind verblüfft. Sie schildern ihn übereinstimmend als charmanten, witzigen Unterhalter und zuvorkommenden Gastgeber. Auch ideologische Gegner bezeichnen ihn als liebenswürdigen Gesprächspartner.

BILD: Plakatwand mit Dyba-Bildern und -Zitaten an unserem Infostand beim Kongreß “Freude am Glauben” in Fulda (Juli 2015)

Als Militärbischof mischt er sich ohne Berührungsängste mit dem gefüllten Bierglas unter die Soldaten und ist für jedermann ansprechbar. Das Angebot eines kurzen Gastdirigats bei der Militärkapelle schlägt er nicht aus. Hier mischen sich wohl das Wissen um volkstümliche Wirkung und sein durchaus vorhandener Drang zum Lenken und Leiten.

Seine Hobbys: das Sammeln. Zum einen hat er sich eine in Ansätzen vom Vater übernommene Sammlung alter Briefumschläge mit Frankatur und Stempelung aufgebaut. Ab dem Mai 1840 kann jeder Monat mit einem frankierten, gestempelten Umschlag aus aller Herren Länder belegt werden. Abgerundet wird diese Sammlung durch litografierte Postkarten aus der Zeit um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Zur Entspannung zwischendurch spielt er auch gern mit seinem Sekretär eine Runde Billard.

Angst vor dem Tod? Die hat er nicht gekannt. Das Bewusstsein, im Alter von 70 Jahren demnächst seinem Schöpfer gegenüber zu treten, hat ihn nicht geschreckt, sondern eher zu noch mehr Unzweideutigkeit im Bekenntnis angestachelt.

Wie sein Namenspatron Johannes sah er sich als moderner „Rufer in der Wüste“. Dass sein Bistum glaubensmäßig eher einer Oase glich, zeigen auch die 15.000 Besucher seines Pontifikalamtes beim Bonifatiusfest im Jahr 2000 kurz vor seinem Tod. Die Schlussworte seiner Predigt klingen aus heutiger Sicht wie ein Vermächtnis: „Credo, Credo, Credo“.

Unser Autor Martin Hohmann war direkt gewählter CDU-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Fulda von 1998 bis 2005.

Fotos: Martin Hohmann, Fe-Verlag, Archiv



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