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  • 02.01.2016 00:20 - Das „Wunder des roten Fadens“ – Der Talmud bestätigt das Kreuzesopfer Christi
von esther10 in Kategorie Allgemein.

Das „Wunder des roten Fadens“ – Der Talmud bestätigt das Kreuzesopfer Christi
2. Januar 2016 Giuseppe Nardi Hintergrund, Liturgie & Tradition, Top 1


Roter Faden, Altstadt von Jerusalem (2015)
Der Talmud ist, neben dem Tanach, den für das Judentum normativ geltenden Bibeltexten, die wichtigste Schrift der Juden. Er liefert in beiden Versionen, sowohl dem Babylonischen wie dem Jerusalemer Talmud eine ganze Gegenerzählung, ein Anti-Evangelium, um die Hinrichtung Jesu zu rechtfertigen und enthält eine Vielzahl abscheulicher Aussagen gegen Christus und die Christen. Dennoch bestätigt auch er, unabsichtlich, das Kreuzesopfer Jesu.


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Talmud und Sohar berichten, daß der jüdische Hohepriester nur einmal im Jahr, an Jom Kippur, dem „Tag der Sühne“ oder „Versöhnungstag“, das Allerheiligste des Tempels betrat, um Tieropfer darzubringen (siehe auch Hebr 9,6-7). Damit bat er um Vergebung für die Sünden der Juden, die einst Israeliten genannt wurden. Der Sohar ist die bedeutendste Schrift der Kabbala, einer jüdischen Geheimlehre. Beide Schriften erwähnen „das Wunder des roten Fadens“.

Im Sohar heißt es im Kommentar zum Wajikra, wie das Buch Levitikus oder dritte Buch Mose auf hebräisch heißt:

„An diesem Tag werden alle Sünden vergeben […] die Unreinheiten der Seelen und Körper […] sie alle, an diesem Tag […] Gott vergibt Israel und befreit es von allen Sünden. An diesem Tag bittet der Priester für sich, sein Haus, die Priester, für alle und für das Heiligtum um Vergebung […] durch einen besonderen roten Faden, wissen sie, ob der Priester Erfolg hatte“ (Wajikra, 3).
Wenn der rote Faden sich von rot zu weiß verfärbte, herrschte Jubel im ganzen Volk. Wenn er rot blieb, herrschte allgemeine Niedergeschlagenheit, denn es war das Zeichen dafür, daß das Opfer des Hohepriesters und seine Gebete von Gott nicht erhört wurden. Priester und Volk wußten, daß Gott ihnen die Sünden nicht vergeben hatte.

Die Entstehung des Sohar wird von der Forschung inzwischen ins 13. Jahrhundert datiert und die Autorenschaft Mosche de Leon zugeschrieben. Nicht nur das orthodoxe Judentum hält jedoch an der Autorenschaft Schimon ben Jochais, einem talmudischen Rabbi des 2. nachchristlichen Jahrhunderts, fest.

Der Prophet Jesaja spielte auf diesen „Faden“ an, ohne ihn ausdrücklich zu nennen. Das war für die Juden auch gar nicht notwendig. Sie wußten die Worte zu deuten:

„Wären eure Sünden auch rot wie Scharlach, sie sollen weiß werden wie Schnee. Wären sie rot wie Purpur, sie sollen weiß werden wie Wolle“ (Jes 1,18).
40 Jahre blieb das Wunder aus

Der Talmud berichtet, daß dieses große Wunder der göttlichen Bestätigung für die Annahme des hohepriesterlichen Opfers und damit die Vergebung der Sünden, bereits vierzig Jahre vor der Zerstörung des Jerusalemer Tempels aufhörte.

„Ursprünglich befestigten sie den roten Faden am Tor des äußeren [Tempel-]Hofes. Wurde er weiß, freute sich das Volk, wenn er nicht weiß wurde, war es bekümmert. […] Vierzig Jahre lang vor der Zerstörung des Tempels wurde der rote Faden nicht mehr weiß, sondern blieb rot“ (Babylonischer Talmud, Rosh Hashanah 31b). Gleiches berichtet der Jerusalemer Talmud (yYom 6,3,43c).
Der Talmud ist die zentrale Schrift des Judentums nach der Verleugnung und Hinrichtung Christi. Die zitierte Stelle geht auf die Zeit des pharisäischen Rabbi Gamaliel II. zurück, der im Jahr 114 nach Christus gestorben ist. Gamaliel sorgte für den endgültigen Ausschluß der Judenchristen aus der Synagoge und ihre Verfluchung als Häretiker.

Der Tempel wurde im Jahr 70 nach Christus durch die Römer unter dem militärischen Oberbefehl von Titus, dem Sohn von Kaiser Vespasian, der später selbst Kaiser wurde, zerstört. Das „Wunder des roten Fadens“ trat demzufolge seit dem Jahr 30 nach Christus nicht mehr auf. Das entspricht genau der Zeit, als Jesus auf Golgota gekreuzigt wurde. Das Neue Testament, das von Juden geschrieben wurde, die Christus erkannten und ihm nachfolgten, lehrt, daß das Kreuzesopfer Christi die Tieropfer des Alten Bundes ersetzte. Der alte Tempel hatte seine Bedeutung verloren und die Tieropfer ihre Wirksamkeit. An die Stelle des alten Bundes war ein neuer Bund getreten.

Der Übergang vom Alten Bund zum Neuen Bund


Jesus vor Kaiphas, der sich die Kleider zerreißt, Duccio di Buoninsegna, um 1300
Im Brief an Hebräer wird der Übergang theologisch erklärt:

„Christus opferte auch nicht das Blut von Böcken und Kälbern für unsere Sünden. Vielmehr opferte er im Allerheiligsten sein eigenes Blut ein für alle Mal. Damit hat er uns für immer und ewig von unserer Schuld vor Gott befreit.
Schon nach den Regeln des alten Bundes wurde jeder, der nach den religiösen Vorschriften unrein geworden war, wieder äußerlich rein, wenn er mit dem Blut von Böcken und Stieren oder mit der Asche einer geopferten Kuh besprengt wurde.
Wie viel mehr wird das Blut Jesu Christi uns innerlich erneuern und von unseren Sünden reinwaschen! Erfüllt von Gottes ewigem Geist, hat er sich selbst für uns als fehlerloses Opfer Gott dargebracht. Darum sind unsere Sünden vergeben, die letztlich nur zum Tod führen, und unser Gewissen ist gereinigt. Jetzt sind wir frei, dem lebendigen Gott zu dienen“ (Hebr 9,12-14)

Der Vorhang zum Allerheiligsten im Tempel riß entzwei

Dieser Übergang vom Alten zum Neuen wird in der Heiligen Schrift aber auch durch äußere Zeichen überliefert, indem sie berichtet, zum Zeitpunkt, als Jesus am Kreuz einen brutalen Tod starb, „herrschte eine Finsternis im ganzen Land“ (Mt 27,45; Mk 15,33; Lk 23,44). „Die Sonne verdunkelte sich“ (Lk 23,45a). „Die Erde bebte und die Felsen spalteten sich“ (Mt 27,51b). „Da riß der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei.“ (Mt 27,51a; Mk 15,38; Lk 23,45b). „Die Gräber öffneten sich und die Leiber vieler Heiligen, die entschlafen waren, wurden auferweckt“ (Mt 27,52).

Mit dem Zerreißen des Vorhanges stand allen der Blick ins Allerheiligste offen, der bis dahin nur dem Hohepriester vorbehalten war. Er sollte das Allerheiligste verbergen, die Bundeslade. In Wirklichkeit war es leer, weil die Bundeslade mit der Babylonischen Gefangenschaft, also seit vielen Jahrhunderten, verschollen war. Der zerrissene Vorhang machte das Ende des alten Allerheiligsten und den Übergang zum neuen Allerheiligsten, das Christus selbst ist durch den Opfertod am Kreuz sichtbar.

Der Prozeß gegen Jesus


Jesus vor Kaiphas, Szene aus dem Spielfilm „Die Passion“ von Mel Gibson (2005)
Diesen Übergang wollten der damalige Hohepriester und die Mehrheit des Volkes nicht erkennen. Sie erkannten aber das Ende ihres Allerheiligsten. Dieses Ende wurde bereits früher eingeleitet und durch ein weiteres Zeichen sichtbar. Kaiphas, von 18–36 nach Christus Hoherpriester, als höchster Vertreter des Judentums, ließ Jesus vor dem Hohen Rat, dem Sanhedrin wegen Gotteslästerung anklagen, weil Jesus von sich sagte, der Sohn Gottes zu sein. Kaiphas war von blinder Entschlossenheit getrieben, Jesus zu vernichten und für immer zum Schweigen zu bringen.

Im Matthäus-Evangelium wird der entscheidende Moment der Ratsversammlung wie folgt berichtet:

„Darauf sagte der Hohepriester zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, sag uns: Bist du der Messias, der Sohn Gottes? Jesus antwortete: Du hast es gesagt. Doch ich erkläre euch: Von nun an werdet ihr den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen“ (Mt 26,63-64). Daraufhin wurde Jesus vom Sanhedrin schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Um ein sicheres Todesurteil zu erreichen, empörte sich der Hohepriester mit theatralischem Gestus und tat dabei etwas, was im Judentum durchaus üblich war, ihm aber so verboten war:

„Da zerriß der Hohepriester seine Gewänder und rief: Wozu brauchen wir noch Zeugen? Ihr habt die Gotteslästerung gehört. Was ist eure Meinung? Und sie fällten einstimmig das Urteil: Er ist schuldig und muß sterben“ (Mk, 14,63-64; Mt 26,65).

Das Ende des jüdischen Hohepriestertums

Das Zerreißen der Kleider brachte in der jüdischen Welt eine tiefe Gefühlsregung zum Ausdruck, besonders in Momenten der Verzweiflung, größter Empörung, tiefer Trauer oder großer Demütigung. Die Heilige Schrift berichtet mehrere Episoden (Gen 37,18-35; Hiob 1,18-20; 1 Sam 4,12-17; 2 Kön 22,8-13; Apg 14,14; 22,23). Verpflichtend war das Zerreißen des Gewandes, wenn ein Jude eine Lästerung des Gottesnamens hörte. Eben das, was Kaiphas in der Sanhedrin-Versammlung von Jesus behauptete. Aber bereits der Prophet Joel mahnte, daß eine innere Zerknirschung entscheidender sei, als ein äußerlicher Gestus: „Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider, und kehrt um“ (Joel 2, 13).

Nicht das Zerreißen des Obergewandes wäre dem Hohepriester bei einer Gotteslästerung verboten gewesen. In seinem Eifer zerriß Kaiphas jedoch Ober- und Untergewand und tat dies nicht, in der für einen Hohepriester für einen so schwerwiegenden Ausnahmefall üblichen Art von unten her, sondern von oben. An dieser Stelle kann nicht auf die Details dieser jüdischen Gepflogenheiten im allgemeinen und jener für den Hohepriester im besonderen eingegangen werden. Auch nicht auf die Kleiderordnung des Hohepriesters, die besonderen Stoffe, Farben und Webarten seiner Gewänder. Entscheidend ist, daß Kaiphas durch die Art, wie er seine Gewänder zerriß, unbeabsichtigt, selbst das Ende des alten Hohepriestertums anzeigte.

Das Hohepriestertum endete de facto mit der Zerreißung der Kleider durch Kaiphas in den Abendstunden des Gründonnerstags, dem Zerreißen des Tempelvorhangs am Karfreitag und dem Ausbleiben der Verfärbung des roten Fadens an Jom Kippur im September/Oktober desselben Jahres.
Formal bestand das jüdische Hohepriesteramt auch nach Jesu Tod und Auferstehung weiter. Phannias ben Samuel bekleidete von 66-70 als letzter das Amt des Hohepriesters, obwohl er selbst keiner priesterlichen Familie entstammte. Im Jahr 70 fand er bei der Zerstörung des Jerusalemer Tempels durch die römischen Truppen den Tod. Mit ihm endete das alte Hohepriesteramt auch de jure.

Der Verlust der Kapitalgerichtsbarkeit


Zerstörung des Jerusalemer Tempels, Francesco Hayez (1867)
Ein weiterer Aspekt verdient Erwähnung. Mit dem Todesurteil durch den Sanhedrin wäre das Schicksal Jesu besiegelt gewesen. Doch wie beide Talmud-Überlieferungen, sowohl der Jerusalemer als auch der Babylonische übereinstimmend berichten, wurde dem Sanhedrin 40 Jahre vor Zerstörung des Tempels, also wiederum im Jahr 30 nach Christus, von den Römern die Kapitalgerichtsbarkeit entzogen (Babylonischer Talmud, Sanhedrin 41b; Jerusalemer Talmud, Sanhedrin I,1). Mit dem Jahr, in welchem Jesus von der jüdischen Elite der Prozeß gemacht wurde, war es dem Sanhedrin nicht mehr möglich, Todesurteile zu vollstrecken. Um Jesus dennoch hinrichten zu können, mußten Kaiphas und seine sadduzäische und pharisäische Gefolgschaft notgedrungen bei Herodes Antipas und Pontius Pilatus vorsprechen, obwohl sie den einen verachteten und den anderen haßten. Herodes Antipas aus der idumäischen Dynastie der Herodianer, römische Klientelkönige, war Tetrarch von Galiläa. Pontius Pilatus war von 26–36 mit harter Hand römischer Präfekt von Judäa.

Anstatt zur erhofften Hinrichtung kam es jedoch zu einer vierfachen Feststellung der Schuldlosigkeit Jesu: eine erste Feststellung der Schuldlosigkeit durch Pilatus, gefolgt von einer ebensolchen Feststellung durch Herodes, einer zweiten Feststellung durch Pilatus und auch noch einer dritten Feststellung der Schuldlosigkeit durch Pilatus. Erst als der Präfekt die unerbittliche Entschlossenheit der jüdischen Führung und der von ihnen aufgebotenen Volksmenge erkannte und einen Aufstand befürchtete, gab er nach und ließ das Urteil des Sanhedrin vollstrecken (Lk 23,1-24).

Vom Tieropfer zum Kreuzesopfer: Vollendung des Hohepriestertums

Auch die jüdische Überlieferung bestätigt damit, wenn auch unbeabsichtigt, den Zusammenhang zwischen dem Kreuzestod Jesu und dem Ende des alten Hohepriesteramtes, des Jerusalemer Tempels und der Tieropfer zur Sündenvergebung des Alten Bundes. Im Jahr 30 ging das Hohepriestertum auf Christus über. Er machte sich selbst durch den Tod am Kreuz zum Opfer, um die Sünden der Menschen zu sühnen, und stiftete damit einen Neuen Bund (Hebr 9,11ff). Das Hohepriestertum findet in ihm seine Vollendung als wahrer und ewiger Hohepriester. Die Tatsache, daß er dabei vom Hohepriester des Jerusalemer Tempels ans Kreuz gebracht wurde, ist keineswegs ein Zufall, wie aus dem Dargestellten hervorgeht.
http://www.katholisches.info/2016/01/02/...sopfer-christi/
Text: Giuseppe Nardi
Bild: Lloyd Wolf/Christus vor Kaiaphas, Duccio (um 1300)/Wiki
commons/Youtube (Screenshot)



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