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  • 11.04.2016 00:01 - Krieg und Frieden: Die Päpste und der Islam
von esther10 in Kategorie Allgemein.

Krieg und Frieden: Die Päpste und der Islam
| 11/04/16


Benedikt XVI. (Monat Januar 2006)
Kaum ein Thema steht zurzeit im Fokus der Medien wie der Umgang der westlichen Gesellschaft mit dem Islam. Die anhaltende muslimische Flüchtlingswelle hat vor dem Hintergrund des jüngst in Europa eingezogenen IS-Terrorismus und der weltweiten Politisierung des Islam neue Ängste geschürt und viele Fragen aufgeworfen. Sie betreffen das zukünftige Zusammenleben mit einer fremden Kultur und Religion, die eine extrem starke Identität besitzt und in Europa auf ein zunehmendes religiöses Analphabetentum trifft. Was wird mit den eigenen christlichen Wurzeln und Traditionen, fragen sich viele Gläubige? Wie sollen sich die beiden Weltreligionen im Hinblick auf einen Gewalt predigenden Islam begegnen? Auf welcher Basis überhaupt kann heute ein Dialog stattfinden?

Der bekannte Theologe und Vatikanexperte Ulrich Nersinger hat sich in seinem neuen Buch dem komplexen Thema gewidmet. Anstatt mit schnellen Antworten vorzupreschen – zu denen sich der Autor auch nicht autorisiert fühlt – bietet er eine Rückschau auf die lange Geschichte der Beziehung zwischen Papsttum und Islam. Der Titel des Buches „Krieg und Frieden“ trifft dieses Verhältnis der beiden Weltreligionen sehr gut. Denn es ist eine bekannte Tatsache, dass das Verhältnis bis zum 19. Jh. von kriegerischen Auseinandersetzungen und Gewalt geprägt war, angefangen mit den Kreuzzügen als Reaktion des Kirchenoberhauptes auf die muslimischen Eroberungen und Verwüstungen im Heiligen Land bis zum Zurückdrängen der türkischen Invasion in Europa in der Schlacht von Lepanto und Wien.

Der Autor versucht anhand von ausgewählten Ereignissen und Anekdoten diese Beziehungen aus der Sicht der Kirche aufzuzeigen. Er erläutert, wie es überhaupt dazu kam, dass der Nachfolger Petri zum Schwert griff und warum seine Kriegszüge mit dem augustinischen „bellum iustum“ (gerechter Krieg) begründet wurden. Erst im 19. Jahrhundert bahnte sich Frieden zwischen Christen und Muslimen an, der in einer respektvollen Annäherung beider Seiten bestand. Bahnbrechend war hierbei die Geste des Vizekönigs von Ägypten, Mehmet Ali, der dem Papst Gregor XVI. (1831-1846) kostbaren Alabaster zum Wiederaufbau der 1823 abgebrannten Paulusbasilika zum Geschenk machte.

Auftakt zu einem theologischen Dialog jedoch gab erst das Zweite Vatikanische Konzil. Hier machte die katholische Kirche den ersten Schritt. Man spricht von einer kopernikanischen Wende. In Nostra Aetate erklärt die Kirche nun offiziell, die Muslime primär und „mit Hochachtung“ als Partner in der Anbetung des „alleinigen Gottes“ zu betrachten, „des lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, des Schöpfers des Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat.“ Der Konzilstext schließt mit einem Aufruf, vergangene Feindschaften zwischen Christen und Muslimen „beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.“ Es entstand 1964 zunächst das allgemeine Sekretariat für Nichtchristen und zehn Jahre später die Päpstliche Kommission für religiöse Beziehungen zu den Muslimen. Seitdem sind Grußbotschaften der Päpste an die Muslime zur Regel geworden, das Weltgebetstreffen in Assisi (seit 1986) und verschiedene Friedensinitiativen haben die „universelle Brüderlichkeit“ gefördert. Seit 1960 unterhält der Heilige Stuhl diplomatische Beziehungen zu den meisten islamisch regierten Staaten (Ausnahme sind Afghanistan, Saudi Arabien, Libyen, Jemen).

Mit den Terroranschlägen am 11. September 2001 und der zunehmenden weltweiten Islamisierung hat sich das friedliche Panorama jedoch schlagartig geändert. Christen gehören heute zu der am meisten verfolgten Religionsgruppe. Die Politisierung des Islam, die Verknüpfung der Religion mit einem neuen Herrschaftsanspruch, der eine Konvivenz mit Nichtmuslimen ausschließt, hat die Gemüter im Westen verunsichert und einen Schatten auf den Dialog geworfen. Dass ein emotionsfreies theologisches Gespräch über den Koran schwierig ist, zeigte die erste Reaktion der islamischen Welt auf die Regensburger Rede von Benedikt XVI. über den Widersinn von Glaubensverbreitung durch das Schwert im Jahr 2006. Sein benutztes Zitat von dem byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaiologos wurde (absichtlich) falsch aufgenommen. Einige Monate später unterzeichneten 38 muslimische Imame und Großmuftis – allerdings ohne Vertreter der maßgeblichen Zentren islamischer Gelehrsamkeit Kairo, Medina und Mekka – einen Brief an den Papst, in dem sie auf das Zitat ausführlich eingingen und einen Beitrag zu einem sachlichen Dialog lieferten.

In jedem Fall hatte der Papst einen wichtigen Stein ins Rollen gebracht: Die Diskussion um die Rolle von Gewalt im Koran. Heute mehr denn je sind die Muslime aufgerufen, eine kritische Bestandsaufnahme der zahlreichen Suren, die Gewalt zum Thema haben, vorzunehmen und diese im Sinne der Gewaltablehnung neu auszulegen, bzw. sich davon zu befreien. Die Schwierigkeit eines religiösen Dialogs besteht auch darin, dass es für die Muslime kein verbindliches Lehramt gibt. Das Meinungsspektrum islamischer Gelehrsamkeit und Rechtsauffassung ist weit, wenn auch die Auslegungen der Al-Azhar-Universität in Kairo unter den Sunniten, das heißt die Mehrheit der Muslime, großen Respekt genießen.

Nersinger bietet weder Prognosen noch Rezepte für die Zukunft. Er hält an der Wichtigkeit der Bemühungen um einen friedlichen Dialog fest, gerade im Hinblick auf die vielen Flüchtlinge, die in Deutschland integriert werden müssen. Dabei sollen allerdings nicht zugunsten einer falschen Irenik die eigenen christlichen Überzeugungen und Standpunkte abgeschwächt werden.

Die Wahl des Abschlusszitats lässt dennoch durchblicken, dass der Autor nicht sehr optimistisch in die nähere Zukunft blickt. Er führt die Worte von Papst Franziskus zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit an, mit denen er vor dem Missbrauch der Gastfreundschaft warnt – nach Geheimdienstinformationen sei selbst der Vatikan im Visier der IS-Terrormiliz: „Die Gastfreundschaft kommt in der Freiheit des Aufnehmens zum Vorschein, doch sie wird zu etwas Dunklem, wenn eine Invasion durch Gewalt ausgeübt wird. (…) Die Öffnung der Tür erfordert daher über ein Vertrauen hinaus auch Achtsamkeit.“
https://de.zenit.org/articles/krieg-und-...-und-der-islam/

***

Ulrich Nersinger: Krieg und Frieden: Die Päpste und der Islam
Taschenbuch, 126 Seiten
2016 Bernardus Verlag
ISBN 978-3-8107-0245-6
Preis 15.30 EUR



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