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  • 22.02.2017 00:01 - Das gekappte Schlepptau der Sünde..Luthers verkürzter Blick auf den Ablass
von esther10 in Kategorie Allgemein.

Das gekappte Schlepptau der Sünde
Luthers verkürzter Blick auf den Ablass: Warum es eine Gnade für die Gläubigen ist, die Last der zeitlichen Sündenstrafen abzugeben. Von Klaus Berger

22. Februar 2017

Die geschlossenen Türen der Schlosskirche von Wittenberg symbolisieren auch einen Verlust:


Der Ablass beispielsweise ist... Foto: dpa
Wer Luthers Thesen von 1517 noch einmal liest, die damals, wenn überhaupt jemand, dann der Hausmeister an der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen hatte, findet heraus: Luther hat nichts gegen den Ablass und verteidigt in den Thesen den Papst. Er fragt nur spöttisch an, warum der Papst in all seiner Vollmacht nicht gleich die ganze Hölle leeren könne. Anders gefragt: Wenn zwar nicht der Papst, wohl aber der Herrgott allmächtig ist, warum schließt er nicht die Hölle, Gottes Guantanamo? Antwort müsste wohl sein: Des Menschen Wille ist sein Himmelreich

Der unmittelbare Anlass für die Reformation war der Ablasshandel, der den Blick auf den Kern des Ablasses verstellte. In Wahrheit besteht der Ablass aus Beichte, Kommunion und Gebet. Er soll nicht Sünden vergeben, sondern zeitliche Sündenstrafen vermeiden helfen. Gut: Ein Teil ist Wiedergutmachung des sonst nicht wieder gut zu Machenden durch Spende für einen guten Zweck. Dadurch werden Glaube, Umkehr und Gebet glaubwürdig, übrigens auch nach Luther. Versuchen wir, zu übersetzen, warum Ablass für die Frömmigkeit so wichtig werden konnte. Luther meinte, durch Umkehr und Beicht-Absolution seien alle Sünden und Strafen dank Jesus Kreuz vergeben, wohlgemerkt, auch alle Strafen, zeitliche und ewige. Ablass erschien ihm als ein gutes Werk, dass zu vielem taugt außer zur Sündenvergebung.

Meine These: Durch die Beichte und Lossprechung ist der Christ von der Höllenangst befreit. Das ist wahr und auch gut lutherisch. Aber viele leiden auch nach der Lossprechung unter den Folgen ihrer Missetaten, genannt Sünden: Genau diese nennt die Kirche zeitliche Sündenstrafen. Denn bei übermäßigem Genuss bleibt die Suchtgefahr, es bleiben oft gesundheitliche Probleme, die mit der bösen Tat zusammenhängen. Der eine kann das Rauchen oder Trinken dann doch nicht aufgeben, der andere ist dauernd schlafgestört, ein anderer fürchtet sich vor sozialer, besonders innerfamiliärer Ächtung, fürchtet nach dem Verbrechen um seine Ehe, wieder ein anderer ängstigt sich vor ungerechter Bestrafung durch die weltliche Gewalt. Und wer zum Beispiel durch leichtfertiges Abladen von Sondermüll die Umwelt verpestet, muss mit Recht weitgehende Folgen fürchten. Denn die Natur vergisst nichts, wie man sagt. Da hilft auch eine Absolution in der Beichte nicht. Das alles sind innerweltliche Folgen von Sünden. Und davor kann man in der Tat Angst haben.

Beim Ablass geht es um Angst. Der Ablass erklärt: Was auch immer Du in der Welt erleidest, es ist nicht oder nicht notwendig Folge oder Spätfolge deiner Sünden, sondern ein Fall für das Gebet. Beichte ist wie eine Operation mit Vernähung, Ablass ist wie Rehabilitation, sozial und für die Gesundheit.

Der Ablass ist eine fromme Hinwendung zu Gott, der in Kommunionempfang oder Wallfahrt oder Gebet besteht. Alle diese Frömmigkeit wendet sich ausdrücklich an Gottes Gnade und Barmherzigkeit und an nichts anderes. Gott, der seinen Geschöpfen die Angst vor der Hölle durch die Absolution in der Beichte genommen hat, bittet der Reumütige nun erneut: Bewahre mich vor all den Folgen, die sich aus seinem Tun ergeben können oder werden.

Damit kappt der Ablass die weit verbreiteten Ängste, dass zum Beispiel Krankheit oder früher Tod Folge von Sünden ist, und das gilt als Nachrede zumeist von anderen: Die Nachbarin ist früh gestorben, weil sie viel gesündigt hat. Die Ernte ist missraten, weil der Nachbar schuldig geworden ist.

Tausend Ängste aus den Folgen unseres Tuns belasten die Menschen. Dem Ablass geht es um eine Befreiung von diesen Ängsten. In der Dogmengeschichte wird diese Beobachtung dadurch bestätigt, dass man mit dem Aufkommen genauerer Naturbeobachtung zwischen den ewigen Strafen – aufgrund eines verdorbenen Gottesverhältnisses – und zeitlichen Strafen zu unterscheiden lernte. Dazu passt, dass die Ablasslehre besonders durch den Aristoteliker Thomas von Aquin entwickelt wurde, der mit Leidenschaft den Aberglauben bekämpft, die zeitlichen Folgen der Sünde seien zwangsläufig. Er sagt: Was auch immer in der – umfassend verstandenen – Natur passiert, es ist nur in Ausnahmefällen Folge der Sünden. Schon Jesus hatte sich gegen die Meinung gewehrt, Sünde und Krankheit hingen automatisch zusammen.

Doch dieser Glaube ist als Aberglaube weit verbreitet. Der Ablass kappt das Schlepptau zwischen Sünde und weiteren Ängsten. Er verhindert als Ausdruck des Glaubens und besonders als Gebet den verbreiteten Aberglauben, zwischen Tun und Ergehen bestehe ein einliniger Zusammenhang. Viele Christen wären fröhlicher geworden, hätte man ihnen den Ablass nicht genommen.

hier geht es weiter
http://www.die-tagespost.de/kirche-aktue...e;art312,176438

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Debatte um Amoris laetitia geht weiter
Kardinal Zen verteidigt „dubia“ der vier Kardinäle – Müller betont traditionelle Lehre zur Beichte

http://www.die-tagespost.de/kirche-aktue...r;art312,176457



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