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  • 26.05.2017 00:40 - Die Wahl des Vorsitzenden der Italienischen Bischofskonferenz und wie der Wahlmodus zustande kam
von esther10 in Kategorie Allgemein.

Die Wahl des Vorsitzenden der Italienischen Bischofskonferenz und wie der Wahlmodus zustande kam
26. Mai 2017


Kardinal Bassetti, der von Papst Franziskus ernannte, neue Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz

(Rom) Die Italienische Bischofskonferenz hat seit vergangenem Mittwoch einen neuen Vorsitzenden. Da der Vatikan auf der Apenninenhalbinsel liegt, Italienisch die offiziöse Verkehrssprache der katholischen Kirche ist und vor allem aus historischen Gründen, kommt der Italienischen Bischofskonferenz ein ganz besonderes Gewicht zu. Papst Franziskus ernannte als Bischof von Rom seinen Vertreter an der Spitze der italienischen Bischöfe, denn der Papst ist nicht nur Mitglied dieser Bischofskonferenz, sondern deren eigentlicher Vorsitzender. Die päpstliche Wahl fiel auf Gualtiero Bassetti, den Erzbischof von Perugia, den er bereits 2014 zum Kardinal kreiert hatte. Sandro Magister, der Doyen unter den Vatikanisten, schildert die Hintergründe, wie der Wahlmodus zustande kam, der diese wichtige Personalentscheidung vorbereitete.

Die Ernennung ist auch deshalb bemerkenswert, weil Kardinal Bassetti bereits das 75. Lebensjahr überschritten hat und sogar fast ein Jahr älter ist als Kardinal Angelo Bagnasco, der bisherige Vorsitzende aus Benedikts Zeiten, den Bassetti ablöst.

Papst Franziskus, als Bischof von Rom auch Primas von Italien, änderte 2014 den Wahlmodus des geschäftsführenden Vorsitzenden, der an seiner Stelle die Bischofskonferenz führt.

Bis dahin ernannte der regierende Papst den Papst ganz allein. 1984, so Magister, gab es einen Versuch der Bischofskonferenz, den Wahlmodus zu ändern. Johannes Paul II., der nach seiner Wahl zum Papst und nach den „wilden“ 70er Jahren eine Kursänderung unter den Bischöfen anstrebte, ermutigte zu einer Verfahrensänderung. Es sollten nicht verbindliche Abstimmungen erfolgen, die eine beratende Wirkung für den Papst haben sollten, um die Stimmung in der Konferenz zu erkennen.

Dadurch stellte sich heraus, daß die Mehrheit der italienischen Bischöfe für eine direkte Wahl ihres Vorsitzenden war, wie sie mit Ausnahme von Italien und Belgien in allen anderen Staaten gilt. Allerdings kam die nötige Zweidrittelmehrheit zur Änderung der Statuten nicht zustande. 185 von 226 Rechtsmitgliedern nahmen an der Abstimmung teil. Statt der notwendigen 155 Stimmen, kamen aber nur 145 Stimmen für eine Änderung zustande. 36 Bischöfe wollten den bisherigen Modus der Ernennung des Vorsitzenden und des Generalsekretärs durch den Papst beibehalten. Vier Bischöfe gaben einen weißen Stimmzettel ab.

Für die Berufung des Generalsekretärs wurde mit 158 Stimmen die Zweidrittelmehrheit aber erreicht. „Johannes Paul II. zog es am Ende“, aufgrund des uneinheitlichen Votums, „aber vor, alles so zu belassen, wie es war“, so Magister. Die notwendige Richtungsänderung, die der polnische Papst anstrebte, überwog in seinen Überlegungen. 1985 ernannte er den damaligen Kardinalvikar von Rom, Ugo Poletti, zum neuen Vorsitzenden, dann, 1991, dessen Nachfolger als Kardinalvikar, Camillo Ruini. Benedikt XVI: berief 2007 den Erzbischof von Genua und „Sirianer“ Angelo Kardinal Bagnasco.

2013, als Papst Franziskus gewählt wurde, warf er gleich im Mai, bei der ersten Begegnung mit den italienischen Bischöfen, die Wahlfrage wieder auf.


Kardinal Montenegro

Im September folgte eine Befragung aller Bischöfe im Rahmen der regionalen Bischofskonferenzen. Im Januar 2014 kam der Ständige Rat an der Spitze der Bischofkonferenz aufgrund der Befragung zum Schluß, daß die große Mehrheit eine Ernennung durch den Papst anhand einer Kandidatenliste wünscht, die ihm von den Bischöfen vorgelegt wird. Jeder Bischof sollte vertraulich und allein dem Papst seinen Vorschlag unterbreiten. Alternativ wurde in Erwägung gezogen, daß dem Papst eine Liste der fünfzehn am häufigsten genannten Namen übermittelt werden solle.

Bei der Frühjahrskonferenz 2014 sollte darüber abgestimmt werden, ob jeder Bischof seinen Kandidaten in einem verschlossenen Umschlag dem Papst zugehen läßt, den nur dieser öffnen dürfe.

Die Papst-Ansprache zur Eröffnung der Frühjahrsversammlung interpretieren einige Bischöfe allerdings als Aufforderung, den Vorsitzenden selbst zu wählen, wie es (ausgenommen Belgien) im Rest der Welt geschieht. An dieser Interpretation entbrannte eine hitzige Debatte. Der scheinbar gefundene Konsens war dahin. Die Meinungen gingen heftig auseinander. Schließlich wurde der Vorschlag eingebracht, dem Papst nur einen Dreiervorschlag zu unterbreiten, der von den Bischöfen Sardiniens und Umbriens, aber auch von Erzbischof Luigi Negri von Ferrara unterstützt wird.

Es wurde zudem vom Vorsitz der Bischofskonferenz klargestellt, daß Papst Franziskus keine Vorgabe für Italien machen, sondern in seiner Ansprache lediglich eine Anekdote aus Argentinien erzählen wollte.

Schließlich kommen nicht einer, sondern fünf verschiedene Wahlmodi zur Abstimmung:

Geheime Abstimmung und Übergabe aller Stimmzettel in verschlossenen Umschlägen an den Papst;



Abstimmung in zwei Schritten: zuerst die Ermittlung einer Zehnerliste, dann die Abstimmung über diese Liste und Übermittlung der nach erhaltenen Stimmen gereihten ersten drei Kandidaten an den Papst.
Wahl eines Dreiervorschlags;
direkte Wahl des Vorsitzenden.
Das Ergebnis lautete:

55 Stimmen
33 Stimmen
19 Stimmen
24 Stimmen
73 Stimmen
Die Mehrheit sprach sich für die direkte Wahl aus, blieb aber weit unter der notwendigen Zweidrittelmehrheit für eine Statutenänderung.

Daher erfolgte eine weitere Abstimmung mit nur mehr zwei Vorschlägen:

Der Papst ernennt den Vorsitzenden nach Anhörung der Mitglieder der Bischofskonferenz, deren Modalitäten noch zu klären sind;
direkte Wahl des Vorsitzenden.
Das Ergebnis brachte keine Entscheidung, sondern zeigte, daß die Bischofskonferenz in zwei gleich starke Gruppen zerfiel.

102 Stimmen
104 Stimmen
Kardinalvikar Vallini beantragte aufgrund der Pattsituation die Vertagung, um den Medien nicht den Eindruck eines gespaltenen Episkopats zu liefern. Dagegen opponierte Erzbischof Bruno Forte, der darauf drängte, den Papst selbst zu fragen. Kardinal Bassetti beklagte, daß man zu keiner Entscheidung komme.


Bischof Brambilla mit Papst Franziskus

Der damalige Vorsitzende, Kardinal Bagnasco, ließ also noch einmal abstimmen, nun über eine Direktwahl oder einen Dreiervorschlag. 190 Bischöfe nahmen noch daran teil, 156 stimmten für den Dreiervorschlag, nur mehr 31 für die Direktwahl (zwei Stimmzettel blieben weiß, einer war ungültig).

Auf diese Weise kam auf etwas turbulente Weise und unter erheblichem Zeitdruck der Wahlmodus zustande, mit dem in dieser Woche erstmals der Vorsitzende der Bischofskonferenz ermittelt wurde: ein Dreiervorschlag, wobei jeder der drei Kandidaten in getrennten Wahlgängen und mit absoluter Mehrheit zu wählen war.

Die Abstimmung für den ersten Wahlvorschlag entschied Kardinal Bassetti (Erzbischof von Perugia) in der Stichwahl mit 134 Stimmen für sich. Für den zweiten Vorschlag erreichte Bischof Franco Giulio Brambilla (Bischof von Novara) im zweiten Wahlgang mit 115 Stimmen die nötige Mehrheit. Für den dritten Vorschlag setzte sich Kardinal Francesco Montenegro (Erzbischof von Agrigent) gleich im ersten Wahlgang mit 126 Stimmen durch. Papst Franziskus teilte am 24. Mai der Bischofskonferenz mit, sich für den ersten Wahlvorschlag, und damit den meistgewählten Kandidaten, entschieden zu haben.

Magister erwähnt es im neuen Artikel nicht, sagte es aber bereits in einem früheren Moment. Alle drei Kandidaten gelten als „Bergoglianer“. Die Bischöfe legten also großen Wert darauf, den Papst nicht mit einem unerwünschten Wahlvorschlag zu desavouieren. Das erklärt, warum es für den dritten Wahlvorschlag nur mehr eines Wahlganges bedurfte. Ebenso erklären sich die meisten Stimmen für Kardinal Bassetti mit der Tatsache, daß er als der „Gemäßigtste“ unter den dreien gilt.
http://www.katholisches.info/2017/05/die...s-zustande-kam/
Text: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican.va (Screenshots)




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