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  • 22.05.2013 13:34 - EINHEIT UND VIELFALT
von Hildegard Maria in Kategorie Allgemein.

JAHRESKREIS
7. WOCHE - MITTWOCH

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EINHEIT UND VIELFALT

Kein Monopolanspruch.
Vielfalt: ein Zeichen des Lebens.
Verschiedene Formen der Spiritualität.


I. Das heutige Evangelium1 schildert eine kurze, aber lehrreiche Episode. Den Jüngern ist aufgefallen, daß einer, der nicht zu ihrem Kreis gehört, im Namen Jesu Dämonen austreibt. Wer war dieser Unbekannte? Wir dürfen annehmen, daß er irgendwann einmal in Berührung mit Jesus gekommen war. Hatte er dessen heilende Macht selbst erfahren? Wir wissen es nicht. Die Jünger wundern sich darüber, daß auch einer, der nicht wie sie Jesus ganz nahe ist, in seinem Namen Machterweise wirken kann. Das Evangelium berichtet über ihre ungestüme Reaktion, wahrscheinlich mit dem Donnersohn2 Johannes an der Spitze, denn er ist es, der sich dann an Jesus wendet. Er tut es mit der Befangenheit dessen, der sich über den Ausgang der Angelegenheit unsicher ist, und deshalb hat seine Bemerkung den Klang einer Frage: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgte. Sucht er bei Jesus die Bestätigung, sie hätten sich richtig verhalten? Ahnt er vielleicht, daß der Herr es nicht gutheißen wird?

Tatsächlich werden die Jünger durch die Aufklärung des Herrn in einem wichtigen Punkt belehrt. Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. »Dieses Wort ist kein Gegensatz zu jenem anderen, bekannteren: Wer nicht für mich ist, der ist wider mich (Lk 11,23). Eher könnte man sagen, das Wort hier bei Markus erklärt genauer, was es heißt, für Christus zu sein. Ein Mann, der Dämonen austreibt in Seinem Namen, der glaubt an ihn. Auch wenn er nicht nachfolgt, ist er für Christus. Die Jünger sollen unterscheiden lernen: nicht alle, die nicht ständig Christus nachfolgen, sind schon gegen ihn.«3 Der Unbekannte handelt wohl auf eigene Faust, aber nicht in eigener Vollmacht: mit einer Spur Glauben beruft er sich auf Jesus, auf die Kraft seines Namens. Und Jesus nimmt ihn in Schutz und weist die enge Sicht seiner Jünger zurück.

Daraus lernen wir zunächst, offen zu sein gegenüber vielen, die gutwillig Christus verkünden, ohne ihn ganz zu kennen. Aber dieses Wort des Herrn verweist ebenso auf das apostolische Zeugnis derer, die ihn gut kennen. Bei der Christusnachfolge sind viele Schattierungen und Ausprägungen möglich: »Es gibt viele Formen des Apostolates, durch die die Laien die Kirche aufbauen, die Welt heiligen und in Christus beleben«4, heißt es in einem Text des Zweiten Vatikanischen Konzils. Keine Form der Spiritualität ist also »gültiger« oder »vorbildlicher« als andere, wenn sie sich aus Berufung und Sendung ergibt. Diese bestimmen die für eine konkrete Person jeweils gültige Ausprägung. Wenn eine apostolische Initiative - ob individuell oder von einer Gemeinschaft ausgehend - »= als andere, wenn sie sich aus Berufung und Sendung ergibt. Diese bestimmen die für eine konkrete Person jeweils gültige Ausprägung. Wenn eine apostolische Initiative - ob individuell oder von einer Gemeinschaft ausgehend - in rechter Weise in das Apostolat der Gesamtkirche eingeordnet«5 ist, dann verlangt die christliche Gesinnung, daß man sie achtet. Dies bedeutet nicht, daß man sich mit ihr auch identifizieren müßte. Aber freuen kann man sich immer, eingedenk des Wortes Jesu über die Ernte und die wenigen Arbeiter.6

Das Geschehen im heutigen Evangelium mag eine isolierte Begebenheit schildern, die Belehrung jedoch, die der Herr den Seinen erteilt, bleibt für alle Zeit gültig: Jesus weist den Monopolanspruch seiner Jünger zurück. Tatsächlich kann man sich kaum einen Christen vorstellen, der in einer Art geistlichen Totalitarismus’ seine eigene Vorstellung von christlicher Spiritualität oder vom apostolischen Zeugnis als die einzig gültige ansieht. Papst Johannes Paul II. spricht in Christifideles laici »von den endlosen und verschiedenen Modalitäten, nach denen alle und die einzelnen Glieder der Kirche als Arbeiter im Weinberg des Herrn arbeiten und den mystischen Leib Christi auferbauen.«7

Einheit ist etwas ganz anderes als eine Gleichförmigkeit, die die Seelen und die apostolischen Initiativen einengen würde. In der Kirche wächst eine wunderbare Vielfalt, Blumen vergleichbar, die ganz verschieden in Aroma, Farbe und Gestalt sind. Diese Vielfalt ist ein Reichtum zur Ehre Gottes. Deshalb heißt es: »Freue dich zu sehen, daß andere in guten apostolischen Werken arbeiten. - Bitte für sie um Gottes reiche Gnade und darum, daß sie dieser Gnade entsprechen. Aber du, weiter auf deinem Weg: sei gewiß, es gibt keinen anderen für dich.«8

II. Es gibt keine bessere Art, die uns anvertrauten Talente einzusetzen, als sich ganz dem Weg zu verschreiben, den man als gottgewollten für sich erkannt hat. Es ist nicht nur Zeitverschwendung, sondern auch eine überflüssige Versuchung, Vergleiche mit anderen geistlichen Lebensformen anzustellen. Denn die Folge daraus kann nur die Relativierung des eigenen Engagements sein.

»Das Pfingstwunder besteht darin, daß alle Wege dieser Erde ihre göttliche Weihe erhalten. Nie darf es dahingehend mißverstanden werden, daß nur einem einzigen Weg - auf Kosten der anderen Wege - ein Monopol oder eine ausschließliche Wertschätzung zukäme. Pfingsten: das ist die unbeschreibliche Vielfalt der Sprachen, der Umstände, der mannigfachen Formen, in denen wir Gott begegnen - keine aufgezwungene Gleichförmigkeit.«9

Vielfalt in der Einheit hat es von Anfang an gegeben. »Von Anfang an ist sich die Kirche bewußt, allen Völkern offenzustehen. Sie ist weder an eine Stadt noch an ein Reich gebunden, weder an eine Rasse noch an eine soziale Schicht. Jeder Partikularismus wäre die Aufhebung ihrer selbst. Sie ist weder Kirche der Sklaven noch der Herren, weder die der Römer noch der Barbaren, sondern die Kirche aller, denn sie läßt allen deutlich werden, daß sie Brüder sind. (...) Einheit und Katholizität gehören zusammen; die eine ist Grundlage und Lebenskraft der anderen.«10 So hat der Glaube von Anfang an alle erreicht: Männer und Frauen, Junge und Alte, Gesunde und Kranke, Freie und Sklaven, Gebildete und Ungebildete. Allen Getauften gemeinsam war die Einheit in der brüderlichen Liebe, in der überlieferten Lehre, in den Sakramenten und im Gehorsam gegen die legitimen Hirten.

Freuen wir uns also auch heute, wenn wir sehen, wie sich die Katholizität der Kirche in der Vielfalt der Apostolatsformen äußert. Die Kirche kann niemals in ihren Äußerungen uniform sein, denn sie soll alle Menschen erreichen, und Menschen sind nun einmal - Gott sei Dank - sehr verschieden. »Die Kirche ist auch darum katholisch, weil sie es versteht, die geoffenbarte Wahrheit, die sie in ihrem göttlichen Inhalt unversehrt behütet, in jeder menschlichen Umgebung so vorzulegen, daß es zu einer geistigen Begegnung mit den höchsten Ideen und den berechtigten Erwartungen jedes Menschen und jedes Volkes kommt. (...) Das Evangelium führt nicht zur Verarmung oder zur Auslöschung dessen, was jeder Mensch, jedes Volk und jede Nation, was jede Kultur während ihrer Geschichte als Wert, Wahrheit und Schönheit anerkennen und leben. Es regt vielmehr an, diese Werte aufzunehmen und sie weiter zu entwickeln: sie mit Freude und Großmut zu leben und im geheimnisvollen und erhebenden Licht der Offenbarung.«11

Das heutige Evangelium verweist nicht nur auf die Vielfalt, sondern auch auf die verschiedenen Intensitätsgrade des Zeugnisses für Christus. Der Herr läßt auch das gelten, was die Jünger für unzureichend halten. In unserem Alltag begegnen uns nicht nur Menschen, die engagiert Zeugnis geben, sondern auch solche, die sich für das Gute einsetzen, ohne sich jedoch ganz zu engagieren. Jesus weist sie nicht ab; und sein Wort an die Jünger klingt wie eine Mahnung an uns, »den Übereifer zu bändigen, der vor lauter Strebsamkeit nach dem Allerbesten das einfache Gute oft durch Härte verhindert oder übersieht«12.

Wir dürfen dort keine Grenzen ziehen, wo Jesus keine zog. Prüfen wir also, ob wir es verstehen, für die Vielfalt der Gaben Gottes in der Kirche und für die Mannigfaltigkeit der apostolischen Impulse dankbar zu sein. Denn aus dieser Dankbarkeit erwächst die konkrete Wertschätzung für jede gute Tat in Jesu Namen.

III. Die Vielfalt, die die Kirche von Anfang an aufweist, »rührt einerseits von der Unterschiedlichkeit der Gaben Gottes her, andererseits von der Vielzahl der sie empfangenden Menschen.«13 Ein Ausdruck dieser Vielfalt sind die verschiedenen liturgischen Uberlieferungen: »Die Kirchen ein und desselben geographischen und kulturellen Bereichs begannen allmählich, das Mysterium Christi in besonderen, kulturell geprägten Ausdrucksformen zu feiern. Unterschiede in den Formen finden sich bei der Art und Weise der Überlieferung des Glaubensgutes (vgl. 2 Tim 1,14), in der liturgischen Symbolik, im Aufbau der brüderlichen Gemeinschaft, im theologischen Verständnis der Mysterien und in Formen der Heiligkeit.= 14 Anders als die Vielfalt in der Liturgie - die wir nur selten erleben können - begegnet uns innerhalb der Kirche die Vielfalt in den Äußerungen der Spiritualität im Alltag.Christliche Spiritualität ist immer Nachfolge Christi und baut auf den Mitteln der Heiligung auf, die Christus seiner Kirche gegeben hat. Sie ist nie abstrakt, denn sie wird immer von konkreten Menschen gelebt, die von bestimmten sozialen, kulturellen, psychologischen und historischen Voraussetzungen geprägt sind. Dies bringt verschiedene Ausdifferenzierungen und Gewichtungen mit sich. Jeder Heilige gleicht dem anderen und ist doch von ihm verschieden. Die Nachfolge Christi, die ein bestimmter Mensch verwirklicht, ist angesichts seiner Begrenzungen eingeschränkt. Erst alle zusammen ergeben ein Bild Christi.

»Der große Reichtum an Verschiedenheiten steht der Einheit der Kirche nicht entgegen, sondern die Sünde und ihre Folgen belasten und bedrohen diese Gabe der Einheit unablässig.«15 Darum sollen wir wie der heilige Paulus bitten, die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens16: Einheit in der Wahrheit und in der Liebe und gleichzeitg lebendige Vielfalt in den Formen der Spiritualität, im theologischen Denken, in der Pastoral. »Insofern die Vielfalt wirklich Reichtum ausmacht und Fülle mit sich bringt, ist sie wahre Katholizität; der Pluralismus grundlegend verschiedener Meinungen führt jedoch zur Auflösung, Zerstörung und zum Verlust der Identität.«17

Der Heilige Geist ist das Band der Einheit und der Liebe, er öffnet der Kirche und jedem einzelnen vielfältige Wege der Heiligung. Wer ein bestimmtes Charisma, eine spezifische Berufung erhalten hat, trägt zum Aufbau der Kirche bei, indem er sich treu seinem besonderen Ruf stellt und den Weg geht, den Gott ihm gezeigt hat. Denn der Herr wartet auf uns dort, wo er uns hingestellt hat, und nicht anderswo.

»Du warst verblüfft darüber, daß ich die mangelnde >Gleichförmigkeit< in diesem Apostolat, in dem du arbeitest, guthieß. Und ich sagte dir: Einheit und Vielfalt. - Ihr müßt so verschieden sein, wie die Heiligen im Himmel verschieden sind, denn jeder von ihnen hat seine besondere persönliche Note. - Darüber hinaus aber müßt ihr euch gleichen wie die Heiligen, die keine Heiligen wären, wäre nicht jeder von ihnen eins mit Christus geworden.«18

Die Kirche gleicht einem menschlichen Organismus, dessen Glieder in ihrer Differenziertheit gleichzeitig zusammengehören.19 In ihr wird die natürliche Verschiedenheit von Charakteren, Neigungen und Meinungen über Gesellschaft, Wissenschaft oder Politik in allem, was nicht im Widerspruch zum Glauben und zur Lehre Christi steht, nicht nur respektiert, sondern gefördert. Mit einem Wort: Die Christen unserer Zeit und aller Zeiten bleiben vereint in Christus, in seiner Liebe und seiner Lehre, treu zur erhaltenen Berufung und verschieden in ihrer Persönlichkeit: jeder im Bemühen, Salz und Licht zu sein, brennende Kohle, Jünger Christi aus einem Guß.

1 Mk 9,38-40. - 2 vgl. Mk 3,17. - 3 J.Dillersberger, Markus, Salzburg 1937, S.92. - 4 II.Vat.Konz., Dekret Apostolicam actuositatem, 16. - 5 ebd., 23. - 6 vgl. Mt 9,37. - 7 Johannes Paul II., Apost. Schreiben Christifideles laici, 30.12.1988, 56. - 8 J.Escrivá, Der Weg, Nr.965. - 9 J.Escrivá, Die Spur des Sämanns, Nr.226. - 10 A. Hamman, Die ersten Christen, Stuttgart 1985, S.137. - 11 Johannes Paul II., Rundschreiben Slavorum Apostoli, 2.6.1985, 18. - 12 J.Dillersberger, Markus, Salzburg 1937, S.94. - 13 Katechismus der Katholischen Kirche, 814. - 14 ebd., 1202. - 15 ebd., 814. - 16 Eph 4,3. - 17 Schlußdokument der Außerordentlichen Bischofssynode 1985, II C 2. - 18 J.Escrivá, Der Weg, Nr.947. - 19 vgl. 1 Kor 12,13-27.



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