Herzlich Willkommen, hier in diesem Forum....http://files.homepagemodules.de/b531466/avatar-4dbf9126-1.gif
  • 28.05.2013 00:07 - FREI IN DER NACHFOLGE
von Hildegard Maria in Kategorie Allgemein.

JAHRESKREIS
8. WOCHE - DIENSTAG

14

FREI IN DER NACHFOLGE

Nachfolge als Lohn.
Herrschaft über die Dinge.
Christi Verheißungen.


I. Gestern betrachteten wir die Begegnung des Herrn mit einem jungen Mann, der, in seinen Besitz vernarrt, sich von Christus abwandte. Jesus und die Seinen setzen den Weg nach Jerusalem fort. Unterwegs sagte Petrus zu ihm: Du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt1. Bei Matthäus verbindet sich die schlichte Feststellung mit einer Frage: Was werden wir dafür bekommen?2 »Man sieht ja die Szene plastisch vor sich: Der Meister hat mit großem Ernst gesagt, was dem Heil entgegensteht, und mit großer Liebe, wodurch es dennoch erlangt wird. Die Bestürzung der Jünger weicht. Sie werden wieder guten Mutes. Es sind im Grunde rechte Kinder - weshalb Jesus sie auch manchmal so anredet -, und der kindlichste von allen ist dieser Petrus. Immer muß er alles gleich aussprechen, was ihm in Herz und Sinn kommt, und was ihm in Herz und Sinn kommt, ist in den größten Augenblicken seines Lebens erhaben und ergreifend, oft aber auch unausgegoren, an der Sache vorbei, mitunter sogar töricht. Auch jetzt - welche Mischung aus Naivität und ein wenig musterschülerhafter Zufriedenheit mit sich selbst! Er hält sich nicht damit auf, die Güte Gottes zu preisen, die auch den >an sich< unrettbaren Reichen rettet - er zeigt sich vielmehr kindlich-stolz darauf, daß er dem Ruf Jesu gefolgt ist und >alles verlassen< hat. Es klingt wie: Meister, du kannst dich doch eigentlich sehr darüber freuen, daß wir sofort auf dich gehört und alles im Stich gelassen haben. Die eben von dir genannten Hindernisse für die Begüterten bestehen für uns nicht. Folglich ... Und hier wird Simon verstummt sein, wohl aus einer gewissen Hemmung heraus, so unverblümt nach der Belohnung zu fragen.«3

Wir verstehen Petrus, denn auch unsere natürliche Neigung geht in diese Richtung. Aber indem wir Schritt für Schritt in die Berufung hineinwachsen, die der Herr einem jeden zudenkt - verschieden in ihrer Ausformung, gemeinsam in ihrem Ziel -, entdecken wir, daß »nachfolgen zu dürfen, sich ganz hingeben zu können, schon das größte Geschenk ist, das jemandem zuteil werden kann, weil es das Glück in dieser und die Seligkeit in jener Welt in sich schließt«4. Erneuern wir jetzt den Vorsatz, Christus in die Mitte unserer Existenz zu stellen, um mit Paulus sagen zu können: Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen!5

Warum Loslösung? »Besitz erschwert den Weg des Menschen zu Gott. Nicht eigentlich durch ein Mehr oder Weniger, sondern durch die innere Verhaftung an ihn. Die Liebe zum Besitz verdrängt und ertötet schließlich die Liebe zu dem, der diesen Besitz geschenkt hat und auch zu denen, denen er dienen soll. Die Rangordnung der Werte purzelt durcheinander, bis sie sich, falls kein Licht in die Seele fällt, dann verkehrt und betoniert wiederherstellt.«6

»Was hast du verlassen, Petrus?« fragt der heilige Augustinus. »Ein Boot und ein Netz. Und doch könnte er antworten: Ich habe die ganze Welt verlassen, da ich nichts für mich behalten habe. (...) Sie verließen alles in der Nachfolge dessen, der die Welt erschaffen hat, und glaubten an seine Verheißungen.«7 Wie können wir den Geist der Loslösung in jeder Lebenssituation leben? Durch eine noble, geläuterte Zurückhaltung im Umgang mit den irdischen Gütern, denn »der Erwerb zeitlicher Güter kann zur Gier führen, zum Verlangen, immer mehr zu besitzen, und zur Versuchung, seine Macht auszudehnen. Die Habsucht der einzelnen, der Familien, der Völker kann die Armen und die Reichen packen und bei den einen wie den anderen einen erstickenden Materialismus hervorrufen.«8 Wie immer muß sich die Praxis der Loslösung in vielen kleinen Einzelheiten unseres Alltags bewähren: überflüssige Ausgaben aus Laune, Eitelkeit oder Bequemlichkeit zu melden; die Zeit zu nutzen; gebefreudig zu sein, wenn es darum geht gute Werke zu unterstützen; mit Möbeln, Kleidung oder anderen Gebrauchsgegenständen pfleglich umzugehen ...

II. Wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt: Wer - wie Petrus - dies sagt, hat klar erkannt, wo die unverlierbaren Güter liegen, und findet mit Hilfe der Gnade die Kraft, das urmenschliche Streben nach Erfüllung nicht in materiellem Besitz verebben zu lassen. In einem Text des Zweiten Vatikanischen Konzils heißt es: »Alle sollen deshalb ihre Willensantriebe richtig leiten, um nicht im Umgang mit Dingen der Welt und durch die Anhänglichkeit an die Reichtümer wider den Geist der evangelischen Armut im Streben nach vollkommener Liebe gehindert zu werden.«9

Großzügig auf die christliche Berufung zu antworten, befreit von Ballast. Paulus kann sagen: Wir haben nichts und haben doch alles10, weil sich das Wort bewahrheitet: alles gehört euch; aber er nennt auch die Voraussetzung für dieses Besitzen in Freiheit: Ihr aber gehört Christus und Christus gehört Gott.11 Wer sich Christus ganz anheim gibt, ist von der Versklavung durch das Irdische frei; er kann dann wirklich über den Dingen stehen und schafft Raum für die Liebe Gottes in seinem Herzen.

Wir sagten schon, daß, als Petrus den Herrn auf seine und der anderen Jünger Nachfolge aufmerksam machte, dies in einer Mischung aus Naivität, musterschülerhafter Zufriedenheit und kindlichem Stolz geschah, als müßte Jesus ihm dafür dankbar sein. Der Herr hätte ihn belehren können, etwa im Sinne der ersten Seligpreisung, die im Grunde besagt, »daß ein Mensch nicht durch das groß ist, was er hat, sondern durch das, was er ist - nicht durch das, was er besitzt, sondern durch das, was er mit anderen teilt«12. Aber er läßt diesmal die unausgegorenen Worte des Apostels auf sich beruhen; er belehrt ihn nicht, sondern gibt ihm eine Verheißung, die auf Vollendung und Sinnerfüllung zielt: Jeder, der Haus und Brüder und Schwestern und Vater und Mutter und Frau und Kinder und Besitz um meines Namens willen verläßt, wird das Hundertfache erhalten und das ewige Leben erlangen.

Christliche Loslösung geht immer mit einem ausgeprägten Sinn für Mitmenschlichkeit einher. Eine russische Legende erzählt von einem Reichen, der bei seiner Ankunft im Jenseits sich die kostbaren Güter kaufen will, die dort ausgelegt sind. Als es ans Bezahlen geht, holt er seine Kopeken aus der Tasche. Aber man sagt ihm: O nein. Wir nehmen hier nicht Kopeken an, die Sie bei sich, sondern nur, die Sie verschenkt haben. Der Kirchenvater Petrus Chrysologus drückt im fünften Jahrhundert denselben Gedanken so aus: »Sammle also, indem du ausgibst, damit du nicht durch Festhalten verlierst. Mensch, gib dem Armen und damit dir selbst: denn was du nicht dem andern überläßt, das besitzest du nicht!«13

Jesus vergilt schon den Becher Wasser14, der in seinem Namen gereicht wird. Denn was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan15. Wenn Jesus also jede auch noch so geringe gute Tat belohnt, um wieviel mehr wird er die Treue jener belohnen, die sich Tag für Tag auf ihn verlassen? »Der Sohn kehrt heim, nachdem er seinen Vater verraten hat, und schon bereitet dieser ein Festmahl: Was wird er uns gewähren, uns, die wir immer bestrebt gewesen sind, an seiner Seite zu bleiben?«16

»Nur Gott kann eines Menschen Hingabe ganz empfangen und so empfangen, daß der Mensch seine Seele nicht verliert, sondern gewinnt. Und nur Gott kann sich selbst einem Menschen so schenken, daß er dessen ganzes Wesen ausfüllt und dabei von sich nichts verliert.= 17 Die Jünger - mit dem Herrn auf dem Weg nach Jerusalem - werden immer tiefer die Erfahrung gemacht haben, die dann in der Kirche durch die Jahrhunderte in der Gestalt der Heiligen fortlebt: wer sich Gott ganz schenkt, erfährt, daß die Verheißungen Chrisi jede irdische Sicherheit um ein Unendliches übertreffen.

III. Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird das Hundertfache dafür empfangen. So belohnt der Herr die Treue der Nachfolge. Johannes Chrysostomos läßt den Herrn sagen: »Das Gold, das du anderen leihen willst, leihe mir und es wird dir mehr und sicherer Zinsen tragen; den Leib, den du in den Dienst anderer stellen willst, stelle in meinen Dienst, und ich werde auf das reichlichste deine Mühen entlohnen.«17 Und er fährt fort: »Sonst gibst du bei Geschäften demjenigen den Vorzug, der mehr bietet, so beim Geld ausleihen, beim Handel, beim Kriegsdienst; nur bei Christus, der doch mehr, ja unendlich mehr als alle anderen bietet, willst du diesen Grundsatz nicht gelten lassen. (...) Warum übergibst du deinen Schatz der Erde? Vertraue ihn meiner Hand an, sagt er. Erachtest du den Herrn der Erde nicht für verläßlicher als die Erde? Sie gibt dir wieder, was du auslegst, oft nicht einmal so viel; er zahlt dir auch noch Lohn dafür, daß er ihn behütet, so innig liebt er uns. Willst du also auf Zinsen ausleihen, er ist bereit dazu; willst du säen, er nimmt die Saat auf; willst du bauen, er lädt dich ein und sagt: baue bei mir. Warum läufst du zu den Armen, zu den Bettlern, denn das sind die Menschen? Eile zu Gott, der dir für Kleinigkeiten großes Entgelt bietet.«18

Dem Wortlaut des Evangeliums zufolge könnte man meinen, einer, der alles verläßt, erhalte schon jetzt in dieser Zeit hundertfachen Ersatz an irdischen Gütern: Häuser, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und Äcker, wie es dort ja heißt. Aber damit »können nicht diese nämlichen Güter in hundertfacher Menge gemeint sein, sondern nur etwas, das hundertmal so viel, das heißt unendlich mehr wert ist, nämlich die Gottesgemeinschaft. Der hundertfache Lohn ist demnach nicht irdisch, sondern himmlisch zu verstehen.«19

Was aber meint der Zusatz, der die Verheißung irdischen Lohnes begleitet: wenn auch unter Verfolgung. Dies überrascht einen Jünger nicht, der dem Meister folgen will. Die Verfolgung macht ihn dem Meister ähnlicher und ist Unterpfand künftiger Vollendung: wir sind Miterben Christi, wenn wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden20.

Hindernisse, die uns auf die Probe stellen, können vielfältig sein. Immer macht die Kirche irgendwo in der Welt blutige Verfolgung durch, und einzelne erfahren Verleumdung, Diskriminierung, berufliche Benachteiligung oder Bespöttelung.

Wer Christus treu ist, dem ist unwiderruflich der Himmel verheißen. Er wird einmal die Worte des Herrn hören: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist.21 Auf diese Worte kann unsere Hoffnung setzen, wenn einmal alles äußerst mühsam wird.

Der Herr will mit seinen Verheißungen unsere Hoffnung stärken. Wir antworten mit unserem guten Willen, auch wenn uns die Loslösung vielleicht nicht ganz gelingt. »Selbstverständlich sollen und müssen wir auch um die innere und bisweilen äußere Loslösung vom Besitz kämpfen - letzlich aus Liebe -, aber es kann trotzdem sein, daß wir dabei durch unsere Schwäche, durch diese schreckliche Geschwächtheit unseres Willens, die die eigentliche tiefste Verletzung unserer von der Erbschuld angeschlagenen Natur darstellt, keine sonderlichen Erfolge erringen werden. Dann brauchen wir uns dennoch nicht zu fürchten. Wenn wir auch nur ein einziges Mal im Leben, einen Herzschlag lang, selbstlos geliebt haben - und das ist immer ein Demutsakt! -, werden wird gerettet werden.«22

1 Mk 10,28-31. - 2 Mt 19,27. - 3 P.Berglar, Petrus - Vom Fischer zum Stellvertreter, München 1991, S.79. - 4 ebd. - 5 Phil 3,8. - 6 P.Berglar, a.a.O., S.78. - 7 Augustinus, Predigt, 301,4. - 8 Paul VI., Enz. Populorum progressio, 18. - 9 II. Vat. Konz., Konst. Lumen gentium, 42. - 10 2 Kor 6,10. - 11 1 Kor 3,22-23. - 12 Johannes Paul II., Ansprache in Manila, 18.2.1981. - 13 Petrus Chrysologus, Predigt über Gebet, Fasten und Almosen, 43. - 14 Mk 9,41. - 15 Mt 25,39. - 16 J.Escrivá, Freunde Gottes, 309. - 17 Edith Stein, Im verschlossenen Garten der Seele, Freiburg 1987, S.118. - 18 Johannes Chrysostomos, Homilien über das Matthäusevangelium, 76,4. - 19 Regensburger Neues Testament, Bd.2, Regensburg 1958, S.197. - 20 Röm 8,17. - 21 Mt 25,34. - 22 P.Berglar, a.a.O., S.79.



Beliebteste Blog-Artikel:

Melden Sie sich an, um die Kommentarfunktion zu nutzen
Danke für Ihr Reinschauen und herzliche Grüße...
Xobor Xobor Blogs
Datenschutz