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  • 07.08.2015 13:27 - Jesuiten: Deutsche Aufnahmezahl von Flüchtlingen erhöhen Immer wieder empören!
von esther10 in Kategorie Allgemein.

06.08.2015


Särge mit vor Lampedusa ertrunkenen Flüchtlingen
© dpa

Jesuiten: Deutsche Aufnahmezahl von Flüchtlingen erhöhen
Immer wieder empören!


Wieder ist ein Flüchtlingsboot im Mittelmeer gesunken. Die Europäische Union muss endlich handeln und ihre Flüchtlingspolitik ändern. Das fordert der Jesuitenflüchtlingsdienst im domradio.de-Interview.

domradio.de: Irgendwie scheint eine gewisse Ratlosigkeit zu herrschen, angesichts der sich immer wiederholenden Dramen auf dem Mittelmeer. Haben Sie den gleichen Eindruck?

Stefan Keßler (Jesuitenflüchtlingsdienst): Die Ratlosigkeit, von der sie sprechen, ist selbstgemacht. Eigentlich gibt es eine ganze Reihe von Vorschlägen, wie man den Dramen auf dem Mittelmeer begegnen könnte. Wie man es vor allen Dingen auch schaffen könnte, dass Menschen, die Schutz brauchen, auch sichere und legale Zugangswege zum Schutz nach Europa bekommen. Dazu gehört die Wiederansiedlung von Flüchtlingen, die in Drittländern bereits gestrandet sind, Stichwort Resettlement. Dazu gehört die Erteilung von humanitären Visa an bestimmte Flüchtlingsgruppen. Anderen könnte vielleicht besser damit geholfen werden, dass man den Visumszwang zumindest zeitweise für sie aufhebt. Solche und andere Vorschläge liegen auf dem Tisch, sie müssen nur aufgegriffen und umgesetzt werden.

domradio.de: Auf europäischer Ebene können sich die Politiker nicht so richtig einigen. Ist dieser Eindruck richtig?

Keßler: Da muss man etwas differenzieren. Ich glaube, dass das Europäische Parlament sich inzwischen sehr klar positioniert hat und ziemlich klar die Notwendigkeit zum Ausdruck gebracht hat, endlich konkrete und notwendige Schritte zu tun. Es scheitert am Egoismus der Regierungen der Nationalstaaten, die mit Blick auf populistische Gruppen in ihren jeweiligen Ländern sich davor scheuen, vernünftige Verpflichtungen einzugehen, die vielleicht auch dazu führen könnten, dass wirklich ein paar Leute mehr kommen. Die aber auch umgekehrt dazu führen könnten, dass sie sich in völlig unsichere Boote begeben müssen und dabei ihr Leben gefährden.

domradio.de: Was kann Deutschland diesbezüglich tun? Soll es einen Alleingang wagen?

Keßler: Das muss sie gar nicht. Sie könnte zunächst einmal in den Diskussionen im Rat der Europäischen Union stärker Einfluss nehmen im Hinblick auf eine gesamteuropäische Lösung. Sie könnte die Aufnahmezahl von Flüchtlingen, insbesondere im Zuge des Resettlements, erhöhen. Das, was wir europaweit an Resettlement-Zahlen haben ist beschämend gering angesichts der weltweiten Dimension von Menschen, die auf der Flucht sind.

domradio.de: Müssen wir uns an solche Dramen im Mittelmeer gewöhnen?

Keßler: Ich hoffe nicht. Ich hoffe, dass wir uns nie daran gewöhnen müssen. Ich hoffe, dass wir uns immer wieder darüber empören, dass an den Toren Europas wegen der Politik Europas Menschen sterben müssen. Ich hoffe, dass wir weiter an dem Thema dranbleiben, dass wir weiterhin protestieren. Und ich hoffe, dass der Protest irgendwann tatsächlich auch zu dem Ergebnis führt, dass wir eine vernünftige, menschenwürdige Flüchtlingspolitik betreiben.

Das Interview führte Christian Schlegel.

(dr)



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