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  • 10.08.2015 09:41 - "Menschen leben nicht in Übergangsunterkünften. Menschen leben in Wohnungen."
von esther10 in Kategorie Allgemein.

08.08.2015

Flüchtlingsunterkunft der Caritas in Dortmund


Ein Stück Deutschland zu zehnt

In der Flüchtlingsunterkunft der Caritas am Dortmunder Ostpark teilen sich zehn Flüchtlinge einen Raum - und es sollen noch mehr werden. Trotz des schwierigen Starts blicken Flüchtlinge oft voller Hoffnung auf ihre Zukunft in Deutschland.

"Menschen leben nicht in Übergangsunterkünften. Menschen leben in Wohnungen." So lautet der Anspruch der Stadt Dortmund, den Christoph Geermann gerne zitiert. Geermann arbeitet für die Caritas und führt durch ein Haus, das dem Anspruch der Stadt widerspricht: eine Übergangsunterkunft für Flüchtlinge am Dortmunder Ostpark.

Hier, in einem seit Sommer 2014 verlassenen Hauptschulgebäude, bringt die Caritas seit Februar Flüchtlinge unter. 120 sind es derzeit, zehn pro Klassenraum. Und es sollen noch mehr werden. Kürzlich, erzählt Geermann, habe die Stadt angerufen. Ob man noch weitere Flüchtlinge aufnehmen könne? Wie zahlreiche andere Stadtverwaltungen deutschlandweit suchen die Dortmunder dringend nach Unterkünften für Flüchtlinge. Mehr als 200.000 kamen bisher in diesem Jahr, wenige verglichen mit den mehr als eine Million, die derzeit im viel kleineren Libanon leben. Viele jedoch für eine Stadt wie Dortmund.

Zehn Menschen in einem Raum

Und so müssen die Flüchtlinge am Ostpark noch enger zusammen rücken. Auch Ahmad Anas und die Brüder Mohammad und Rami Ali bekommen bald einen weiteren Zimmergenossen. Dabei leben und schlafen die drei Syrer schon jetzt mit sieben weiteren Männern aus den Krisengebieten dieser Welt Bett an Bett. Damit das klappt, hängen die Brandschutzregeln auf Deutsch, Französisch, Englisch und Arabisch aus. Und auch die Flüchtlinge selbst haben sich Regeln auferlegt: Um 24.00 Uhr sollen Licht und Telefone ausgeschaltet werden. Nicht einfach für Menschen wie die Brüder Ali aus dem kriegsgeplagten Syrien, die nie wissen, wann sie ihre Angehörigen das nächste Mal sprechen können.

Die Alis haben Glück im Unglück: Sie konnten gemeinsam aus Syrien fliehen, mit ihrem Schulfreund Ahmad Anas, den die beiden Brüder seit zwölf Jahren kennen. Kürzlich erhielten die drei das Bleiberecht für drei Jahre. Anas hofft, bald eine Wohnung zu finden. Ihm gefällt es in Dortmund, auch wenn er zugibt: "Ich schaue manchmal nach Nazis." Gesehen hat er noch keinen.

Gute Kontakte zur Nachbarschaft

Die Gegend am Ostpark mit ihren Gründerzeitgebäuden gilt als bürgerlich. Christoph Geermann von der Caritas sagt: "Wir haben hier keine Nazis mit Fackelzug wie vor anderen Unterkünften." Im Gegenteil: Die Nachbarn helfen, leisten ehrenamtliche Arbeit, spenden Spielzeug. Es gibt eine Fahrradwerkstatt, damit die Flüchtlinge die Nachbarschaft erkunden können, bald soll auch ein Kräutergarten Kontakte zu den Nachbarn fördern. Der Kioskbesitzer gegenüber stellt sein W-Lan zur Verfügung. Mohammad Ali nutzt es, um mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Damaskus zu chatten. Er hofft, dass sie in zwei Monaten nachkommen können.

Seine Frau und die zwei Töchter hat Semir Rebronja schon um sich. Doch in Sicherheit wähnt der Bosniake die Kleinen nicht. Vier und neun Jahre alt sind sie, und Rebronja lässt die Töchter nicht aus den Augen. Zu viele Fremde gebe es in der Unterkunft, "vor allem Albaner". Rebronja weiß nicht, dass Albaner auch außerhalb der Unterkunft Gesprächsthema sind. Dass deutsche Politiker von "massenhaftem Asylmissbrauch sprechen", von "Wirtschaftsflüchtlingen" vom Westbalkan und dass damit auch er gemeint ist, der Bosniake Rebronja.

Hoffnung auf eine bessere Zukunft

Seine Stelle als Kellner, sagt Rebronja, habe nicht genug Geld gebracht, seine Frau sei erwerbslos, ihr Vater im Bosnienkrieg gefallen, das Haus noch nicht wieder aufgebaut. In Deutschland hofft Rebronja auf eine bessere Zukunft, denn Deutschland kennt er. Während des Bosnienkrieges lebte er mit seiner Mutter in Hamburg. Doch die Mutter, sagt Rebronja, wollte zurück, zur Schwester nach Srebrenica. Sie hätten damals wohl bleiben können. Jetzt wird er es schwerer haben. Für seine Familie hat er Asyl beantragt, sagt Rebronja. "Ich weiß nicht, ob das klappt."

Wie die drei Syrer legt er Wert darauf, arbeiten zu wollen. Sein Vorteil: Er spricht schon Deutsch. Ahmed Anas, Rami und Mohammad Ali wollen die Sprache schnell lernen. Mohammad hat in Syrien in einer Gewürzfabrik gearbeitet, Rami ein Diplom als Wirtschaftswissenschaftler, Ahmad Anas ist Jurist. In Deutschland, das weiß er, muss er von vorne anfangen.
domradio.de
Jonas Krumbein
(KNA)


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