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  • 15.09.2015 22:42 - Papst Franziskus im Gespräch mit einem portugiesischen Radiosender über Migration, Annullierungen und die „Großmutter Europa
von esther10 in Kategorie Allgemein.

Papst Franziskus im Gespräch mit einem portugiesischen Radiosender über Migration, Annullierungen und die „Großmutter Europa“
Jorge Bergoglio beantwortet Fragen bezüglich Korruption, die Enzyklika, die Synode und die Krise der Familie


Rom, 15. September 2015 (ZENIT.org) Deborah Castellano Lubov | 87 klicks


Im Rahmen eines gestern Vormittag veröffentlichten eingehenden Interviews gegenüber dem portugiesischen Sender „Radio Renascença“ thematisierte Franziskus nach dem Ad-Limina-Besuch der portugiesischen Bischöfe in der vergangenen Woche erneut die Krise der Familie und den Beitrag der Kirche zur Bewältigung dieses Problems.

Unter den während des Interviews berührten unterschiedlichen Themen befanden sich die Situation der Migranten in verschiedenen Ländern, die Herausforderungen der Familie, sein jüngster Schritt der Vereinfachung des Annullierungsverfahrens sowie die bevorstehende kommenden Oktober in Rom tagende Bischofssynode zur Familie.

„Spitze des Eisberges“

Als Antwort auf eine Reihe von Fragen bezüglich der vor allem in Europa zu verzeichnenden erheblichen Zunahme von Migranten auf der Flucht vor der Verfolgung rief der Papst dazu auf, diese willkommen zu heißen.

In Zusammenhang mit der gegenwärtigen Migration sprach Franziskus von der „Spitze des Eisberges. Wir sehen diese Flüchtlinge, diese armen Menschen auf der Flucht vor Krieg und Hunger… Dahinter liegt jedoch die Ursache, und diese ist ein ungerechtes sozioökonomisches System“. Er fuhr folgendermaßen fort: „Was die Umweltfrage betrifft, so muss im Zentrum unserer sozioökonomischen Struktur, der Politik, stets der Mensch stehen. Das gegenwärtig vorherrschende Wirtschaftssystem hat den Gott des Geldes, den Götzen, anstelle des Menschen in den Mittelpunkt gerückt.“

Vor diesem Hintergrund betonte der Heilige Vater die Notwendigkeit einer Ursachenforschung. „Wenn Hunger der Grund ist, möge man Arbeitsplätze schaffen und investieren. Wenn Krieg der Grund ist, muss man sich um den Frieden bemühen und für den Frieden arbeiten. Heute befindet sich die Welt im Krieg; sie führt einen Krieg gegen sich selbst.“

Jüngster Aufruf

In seiner am Sonntag, dem 6. September gehaltenen Ansprache zum Angelusgebet rief Franziskus sämtliche Pfarreien Europas zur Aufnahme einer Flüchtlingsfamilie auf und gab bekannt, dass der Vatikan sich ebenso an dieser Beherbergung beteiligen werde. Diese Ermahnung erläuterte Franziskus mit den Worten: „Wenn ich sage, dass eine Pfarrei eine Familie aufnehmen soll, meine ich damit nicht, dass diese Familie im Pfarrhaus wohnen muss. Vielmehr soll die Pfarrgemeinde einen Platz für sie suchen, einen Platz, an dem eine kleine Wohnung eingerichtet werden kann; im schlimmsten Fall könnte ein bescheidenes Appartement für diese Familie angemietet werden.“

Großmutter Europa

Franziskus kommentierte die in manchen Ländern wie Italien, Portugal und Spanien sehr niedrige Geburtenrate folgendermaßen: „Wo viel leerer Raum vorhanden ist, versuchen die Menschen diesen auszufüllen. Wenn ein Land keine Kinder hat, kommen Migranten, um diesen Platz einzunehmen… Keine Kinder zu wollen steht zum Teil – ich halte dies für meine Interpretation und weiß nicht, ob es stimmt – wohl in Verbindung mit der Wohlstandskultur.“

„Aus meiner Sicht besteht eine große Herausforderung für Europa darin, erneut die Mutter Europas und nicht die Großmutter Europas zu werden“, so der Papst.

Die hinausgehende Kirche

Laut dem 78-jährigen Papst muss die Kirche hinausgehen und die Bereitschaft für Risiken besitzen. „Wenn eine Kirche, eine Pfarrei, eine Diözese oder ein Institut in sich verschlossen ist, kommt es zu einem Stillstand. Wenn diese Einrichtungen allerdings hinausgehen und evangelisieren, vollzieht sich genau das, was ein Mensch erlebt, wenn er auf die Straße geht – es kann zu einem Unfall kommen. Daher würde meine Wahl zwischen einer kränklichen Kirche und einer unfallgefährdeten Kirche zugunsten letzterer ausfallen, denn sie bewegt sich zumindest hinaus.“

Fatima

Zur Beantwortung der Fragen bezüglich eines möglichen Portugalbesuchs zum 100-jährigen Jubiläum der Erscheinungen der Jungfrau in Fatima sagte Franziskus: „Ich habe meinen Wunsch nach diesem Besuch bekundet. Es ist einfacher, Portugal zu erreichen. Wir können am Tag der Ankunft wieder zurückkehren oder die gesegnete Jungfrau allenfalls einen Tag, einen halben oder zwei Tage lang besuchen.“

Eheannullierung, Synode, Familie in der Krise

Als Ziel des Motu Proprio über die Nichtigkeitserklärung von Ehen nannte Franziskus die „Beschleunigung des Prozesses durch den Bischof“.

„Ein Richter, ein Verteidiger des Bundes, ein Urteil, denn bisher waren zwei Urteile erforderlich. Nun ist es nur noch eines. Wird keine Beschwerde eingelegt, ist das Verfahren abgeschlossen. Bei Einlegung einer Beschwerde gelangt es zum Metropoliten, allerdings schneller, das stimmt. Die Verfahren sind nun auch unentgeltlich.“

Auf die Frage, ob und wenn ja, wann er dies beschlossen habe, nannte er die in Rom im Oktober stattfindende Familiensynode und das Jubeljahr: „All dies ist miteinander verbunden.“

Daraufhin interessierte den Journalisten der folgende Aspekt: „Ich weiß, dass sie nicht über die Synode sprechen wollen, aber was ist Ihr Herzenswunsch als Oberhirte?“ Franziskus‘ Antwort lautete: „Ich bitte die Menschen darum, viel zu beten. Was die Synode betrifft, seid ihr Journalisten bereits mit dem Instrumentum Laboris vertraut. Wir werden dieses und dessen Inhalte thematisieren. Es handelt sich um drei Wochen, wobei ein Thema für jede Woche vorgesehen ist. Und unsere Erwartungen sind hoch, denn offensichtlich befindet sich die Familie in der Krise. Junge Menschen heiraten nicht mehr. Sie gehen den Bund der Ehe nicht ein oder sagen angesichts dieser Kultur der Kurzfristigkeit: ‚Ich werde entweder mit ihr zusammenziehen oder sie heiraten, aber nur so lange die Liebe hält, und mich dann verabschieden…“

Anschließend wurde der Heilige Vater zu einer Stellungnahme bezüglich jenen Menschen gebeten, die in Situationen leben, die der kirchlichen Lehre widersprechen und „nach Vergebung dürsten“.

„Im Rahmen der Synode werden wir über alle möglichen Mittel zur Unterstützung dieser Familien diskutieren“, so Papst Franziskus. Dabei erscheine jedoch ein bereits von Papst Benedikt dargelegter Aspekt von großer Bedeutung: „Menschen in zweiter Ehe sind nicht zu exkommunizieren und sollten in das kirchliche Leben eingebunden werden. Dies wurde in aller Deutlichkeit hervorgehoben.“

In Zusammenhang mit dem bevorstehenden, von Franziskus am 13. März angekündigten Heiligen Jahr der Barmherzigkeit brachte er seine Hoffnung zum Ausdruck, dass „jedermann kommen möge. Mögen alle kommen und Gottes Liebe und Vergebung erfahren.“

Im Rahmen des Gesprächs gab der Heilige Vater auch einige Details über sein persönliches Leben bekannt. So erzählte er von seiner Berufung und jenen Dingen, die er seit der Papstwahl vermisst.

Weitere Fragen lauteten: „Was bereitet Ihnen schlaflose Nächte?“ – „Wollen Sie die Wahrheit wissen? Ich schlafe wie ein Stein“, so Franziskus lachend. „Was motiviert Sie?“ – „Viel Arbeit vor mir zu haben“ […] „Wie oft gehen Sie zur Beichte?“ – „Alle 15 oder 20 Tage. Mein Beichtvater ist ein Franziskanerpriester, Pater Blanco, der die Großzügigkeit besitzt zu kommen und mir die Beichte abzunehmen. Meine Sünden haben ihn nie in einen derartigen Schock versetzt, dass ich einen Krankenwagen rufen musste! [lacht]“.

Der Volltext des Interviews ist hier abrufbar (auf English).

(15. September 2015) © Innovative Media Inc.



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