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  • 11.02.2016 00:59 - Vor der Papstreise: „Es gibt verschiedene Mexikos“
von esther10 in Kategorie Allgemein.

Vor der Papstreise: „Es gibt verschiedene Mexikos“


Mexiko-Stadt - EPA

11/02/2016 15:21SHARE:

Mexiko, das ist ein Land mit gewaltigen Chancen und gewaltigen Problemen. Wir baten den Leiter der mexikanischen Niederlassung der Konrad Adenauer-Stiftung (KAS), Stefan Jost, um eine Einschätzung. Wirtschaftlich steht Mexiko insgesamt gut da, sagte Jost unserer Kollegin Gudrun Sailer. Gesellschaftlich sei das Land außerordentlich heterogen.
„Ich glaube es gibt verschiedene Mexikos. Sie haben eine dominierende reiche kleine Oberschicht, einen kleinen Mittelstand und sehr viele untere Bevölkerungsschichten, was Einkommen und soziale Aufstiegschancen angeht. Mexiko ist nach Auskunft der OECD das Land in Lateinamerika, das es in den letzten 15 Jahren nicht geschafft hat, seine Armutsquote zu reduzieren. Wir sind hier nach wie vor bei einer Armutsquote von knapp über 50 Prozent. Und das in einem Land, das an sich ein reiches Land ist. Das ist mit Sicherheit ein Problem für die künftige Entwicklung des Landes.“

RV: Thema Kirche und Staat in Mexiko: Da weht die Mexiko-Flagge auf der Kathedrale und ist drapiert unter der Muttergottes von Guadalupe, schwer vorstellbar für unsereins. Andererseits heißt es, es gebe eine strenge Trennung von Kirche und Staat in Mexiko. Was stimmt denn nun?

„Es stimmt beides. Es gibt eine strenge Trennung von Kirche und Staat, das betrifft die Finanzierung, die Tatsache, dass es keine Kirchensteuer gibt, es betrifft die große Vorsicht von Politikern, auch nur an Debatten mit Kirchenführern teilzunehmen, weil man immer das Bedenken hat, dass man als Politiker eine verfassungsrechtliche Grenze überschreitet. Diese Trennung ist auch mental so verinnerlicht, dass es manchmal zu Auswüchsen führt, die einem als Europäer stark auffallen.“

RV: Zum Beispiel?

„Wir hatten vor einigen Monaten eine Veranstaltung als Adenauer-Stiftung im mexikanischen Senat mit einem mexikanischen Bischof und wollten mit Politikern diskutieren über die Papst-Enzyklika Laudato si. Das war mit rund 100 Teilnehmern sehr gut besucht. Es war das erste Mal, dass ein mexikanischer Bischof im mexikanischen Senat mit mexikanischen Politikern diskutierte. Und jeder der politischen Redner brachte vorher zum Ausdruck, dass sein Auftritt hier keinen Rechtsbruch darstellen würde. Da sieht man, wie stark das verinnerlicht ist.“

RV: Präsident Pena Nieto von der einst antiklerikalen Partei PRI hat den Papst mehrmals und mit großem Nachdruck nach Mexiko eingeladen. Warum eigentlich?

„Es wird Ihnen jeder Mexikaner sagen, dass die PRI unabhängig von ihrer Vergangenheit im Endergebnis häufig eine sehr pragmatische Partei ist. Sie weiß, dass die große Mehrheit der Mexikaner Katholiken sind. Wenn ich das vergleiche mit dem sonntäglichen Messbesuch, hier haben Sie auch in Großstädten in einer Kirche sechs bis sieben Sonntagsmessen, und die sind voll. Die PRI ist pragmatisch genug zu sagen, wieso sollen wir hier eine Front aufmachen, wenn diese Dinge so sind, wie sie sind. Franziskus ist ein lateinamerikanischer Papst mit gewissen Botschaften, man weiß natürlich nicht genau, welche er hier in Mexiko verkünden wird, ob die alle unbedingt zur Freude der Regierung sind, aber ich kann mir vorstellen, dass ein Staatspräsident sagt, ein Papstbesuch kann mir medial nur guttun.“

RV: Franziskus besucht unter anderem den südlichen Bundesstaat Chiapas mit seinem hohen Anteil an Indigenen. Wie steht es mit der Indigenenpolitik in Mexiko?

„Wir hatten über verschiedene Gesellschaften gesprochen. Der indigene Bereich sind etwa zehn bis 13 Prozent der mexikanischen Gesellschaft. Ich denke, dass das in weiten Teilen eine Gesellschaft für sich ist.

Eine Gesellschaft, die in sich sehr heterogen ist, es gibt sehr viele verschiedene Völker von der Nordgrenze bis nach Chiapas, zu Mayas und Olmeken, die sehr unterschiedliche Kulturen und Sprachen haben. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass der ganz große Teil der indigenen Bevölkerung nach wie vor von vielen Chancen der Teilhabe ausgeschlossen ist, sei es politisch wie sozioökonomisch. Insofern kann ein Papstbesuch da für Aufmerksamkeit sorgen auch innerhalb der mexikanischen Gesellschaft, die das Thema weitestgehend nicht auf dem Radar hat. Ob das dann strukturelle Auswirkungen hat, das muss man sehen.“

RV: Vor einem Jahr hat Papst Franziskus privat geäußert, er fürchte eine „Mexikanisierung“ Argentiniens, damit meinte er die Ausbreitung von Drogen und der damit verbundenen Kriminalität. Da war Mexiko beleidigt, der Vatikan hat sich entschuldigt. Das ändert freilich nichts an den Tatsachen in Mexiko: ein nicht erklärter Bürgerkrieg in Sachen Drogen. Sie sind seit drei Jahren hier, beobachten Sie, dass sich die Dinge diesbezüglich zum Besseren ändern?

„Aus meiner Sicht nicht. Die Gewalt, die sich in diesem Milieu abspielt, in den Streitigkeiten untereinander zwischen Kartellen und Gruppen und mit den staatlichen Behörden, daran hat sich nichts geändert. Die Mexikaner haben sich in der Tat beschwert über diesen Ausdruck der Mexikanisierung.

Interessant ist, früher sprach man in diesem Zusammenhang von „Kolumbianisierung“ bestimmter Länder, nun war von Mexikanisierung die Rede, und das hat damit zu tun, dass die mexikanischen Drogenkartelle weit über das Land hinaus vertreten sind, darauf war vielleicht die private Äußerung von Franziskus zurückzuführen. Ich glaube, an der Tatsache ändert das nichts. Und es ändert auch nichts an den Strukturen, wenn man den Chef des Sinaloa-Kartells verhaftet. Die Drogenkartelle sind so aufgestellt, dass die Strukturen auch dann funktionieren, wenn einer im Gefängnis landet.“

RV: Wir haben in Franziskus einen politischen Papst. Welchen Einfluss kann er, realistisch betrachtet, auf die Politik und Gesellschaft Mexikos haben ?

Man muss unterscheiden zwischen der medialen Begeisterung von Hunderttausenden, die ihm zujubeln, unter denen auch Politiker sind, und den tatsächlichen Auswirkungen. Mexikos Probleme sind keine, die kurzfristig bewältigt werden können. Wenn Papst Franziskus hier zum Beispiel das Problem der Armut anprangert, kann man nicht erwarten, dass das in drei Jahren gelöst ist. Man muss sehen, wie die Politik reagiert, ob sich das in öffentlichen Politikentwürfen äußert. Da wäre ich vorsichtiger in meiner Erwartung.“

http://de.radiovaticana.va/news/2016/02/...2%80%9C/1207726
(rv 11.02.2016 gs)



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