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  • 02.02.2018 00:31 - Das kleine Kind, das Riesen trägt
von esther10 in Kategorie Allgemein.

Die Pyramiden vor der Haustür


Auschnitt aus der "Flucht nach Ägypten" von Gentile da Fabriano (1423).

02 February, 2018 / 10:15 AM
Schon längst sind die Christbäume aus den Wohnzimmern geworfen worden. In unseren Straßen und Häusern ist nicht mehr Weihnachten, sondern oft schon Fasching. In vielen Kirchen allerdings – so auch im Petersdom zu Rom – erinnert die Krippe an die Geburt des Gottessohnes.

Schon beginnt die fastnächtliche Ballsaison, aber Christen singen noch immer "Zu Betlehem geboren ist uns ein Kindelein". 40 Tage nach Weihnachen klingt es nicht mehr so freudig und festlich. Der Alltag hat uns Christen schon längst eingeholt, aber – am Fest der Darstellung des Herrn – lohnt der Blick auf das Kind in der Krippe, das nicht nur an Festtagen von uns "erkoren" sein will, wie es im Lied heißt. Am 2. Februar sagt der greise Simeon Maria voraus, dass ein Schwert ihr Herz durchbohren wird. Auf die Freude der Geburt folgt – wohl nur wenige Monate später nach der Wallfahrt ins Jerusalemer Heiligtum – die Flucht nach Ägypten. Maria weiß, dass das Kind auf ihrem Arm, derjenige ist, dem sie auf dem Kreuzweg nachfolgt. Sie hält sich an den, der sie umarmt. Es ist Mariä Lichtmess: auch wir dürfen Jesus noch einmal im Arm halten und ihn bitten, dass er uns tragen möge, gerade dann, wenn wir im Alltag müde werden. Vor unserer Haustüre stehen Pyramiden. Wir leben als Christen in einer heidnischen Welt, die nicht immer böse, aber doch viel zu oft gottvergessen ist. Die Legende vom heiligen Christopherus erzählt, dass er das Jesuskind nicht tragen konnte; der kleine Junge dagegen trägt den Riesen und die ganze Welt ohne zu ermüden. Meine Sorgen und Lasten, die mich im Alltag bedrücken, werden ihm nie zu schwer!

Das kleine Kind, das Riesen trägt

Johannes, der Lieblingsjünger Jesu, sieht auf der Insel Patmos den Herrn in seiner Herrlichkeit. Im letzten Buch der Bibel schreibt er seine geheimnisvollen Visionen nieder, die vom Ende sprechen. Er schaut den Sieg Christi, der wiederkommen wird, um Hochzeit zu halten mit seiner Braut. Die Offenbarung des Johannes ist eine endzeitliche Schrift, die über die Zukunft spricht, aber wie alle biblischen Propheten geht es dem Apostel nicht so sehr um das, was kommen wird, sondern um das, was heute getan werden muss. Jesus sagt uns durch seinen Jünger, was er von uns Christen erwartet.

Jeder Christ lebt in Ägypten

In dieser Perspektive ist die Offenbarung des Johannes eine Anleitung zum guten, zum heiligen Leben, gerade – und von diesen Bildern ist ja die Apokalypse voll – wenn Leid und Tod, Anfeindung und Zweifel eben ein solches Leben unmöglich zu machen scheinen. Wie können wir heute Jünger Jesu sein und ohne falsche Kompromisse unseren Glauben leben? Um diese Fragen geht es in der Offenbarung. Um diese Frage geht es besonders auch in der "normalen" Zeit des liturgischen Jahres. Die hl. Familie flieht nach Ägypten und führt dort ein verborgenes und mühsames Leben. Auch wir sind in der Fremde. "Unsere Heimat ist im Himmel" und diese Welt ist nichts anderes als Ägypten – vielleicht mit vollen Fleischtöpfen, aus denen wir aber allzu oft nur unter Schweiß und Tränen essen können. Die normalen Wochen des Kirchenjahres – unser "Alltag in Ägypten", das heißt unser Leben in einer heidnischen Welt, die Gott gar nicht kennen will – sie sind das Exil, in dem wir Jesus nachfolgen. Hier entscheidet sich, wie ich bete, arbeite, liebe und leide; hier, nicht in einem "Gelobten Land", in das ich jetzt noch nicht eintreten kann.

Es gibt keinen besseren Platz, Gott zu lieben, als den, auf dem Du jetzt stehst

Der erste Brief Jesu, von dem in der Offenbarung des Johannes spricht, ist an die Gemeinde in Ephesus gerichtet; er könnte genauso an uns – Christen in einem geistlichen Ägypten, zu dem viele unserer Länder geworden sind, geschrieben sein. Der Herr hat eigentlich nur Worte des Lobes für die Gläubigen: "Ich kenne Deine Werke und deine Mühe und Dein Ausharren; ich weiß, Du kannst das Böse nicht ertragen; Du hast die auf die Probe gestellt, die sich Apostel nennen und es nicht sind, und sie als Lügner erkannt." (Offb 2, 1).

Die Christen in Ephesus machen scheinbar alles richtig. Man stelle sich eine Pfarrei vor, wo der Besuch der Sonntagsmesse bei 100 Prozent liegt – und das nicht nur an Weihnachten, denn Jesus spricht ja davon, dass sie "ausharren" –, das heißt: Diese Christen lassen nicht darin nach, gut und fromm zu sein; auch nicht in ihrem Alltag. Es ist eine Gemeinde, in der es eine aktive Caritas gibt, Gebetskreise, Jugendgruppen und ein Missionsteam, das Hausbesuche macht – über Jahre hinweg. Perfekt! Und mehr noch: In dieser Pfarrei gibt es keine Mitarbeiter, die das Glaubensbekenntnis umschreiben. Keine Therapeuten, die den Blick von Jesus auf das "Göttliche in uns" lenken und, im Grunde wie der alte Irrlehrer Pelagius, die Möglichkeit predigen, sich selbst zu erlösen, wenn man nur ganz fest dem eigenen Herz vertraue. Keine falschen Apostel, keine häretischen Wortführer.

Kurzum: Eine Pfarrei, die glaubt und diesen Glauben lebt – ohne Kompromisse, obwohl die gesamte Stadt um sie herum eine Hochburg des heidnischen Artemiskultes war, und die Christen für ihren naiven, weltfremden und unzeitgemäßen Glauben verspottete. Das war die Situation in Ephesus, das ist sie heute in unserem Ägypten.

Nicht müde werden!

"Du bist nicht müde geworden" (Offb 2,3) sagt Jesus. Könnte er das auch von uns sagen? Der Sklavendienst in Ägypten ermüdet. Unser Alltagsleben kreist fast täglich nur um Arbeit und Karriere, Essen, Trinken und Spaß haben – wohl verdient nach einer harten Woche. Wir sind müde Christen, die in der Fremde leben und fast vergessen haben, das ihre Heimat ganz woanders liegt; schlimmer noch, die Jesus fast vergessen haben und nur noch am Sonntag an ihn denken.

Perfektion wird von uns nicht verlangt, aber die Frage bleibt, ob wir Christen heute nicht unsäglich müde und träge geworden sind. Unsere Religion scheint für viele von uns kein leichtes Joch zu sein, sondern eine unsagbar schwere Last von Geboten und Verpflichtungen. Schon die eine Stunde der heiligen Messe am Sonntag scheint viele zu überfordern, geschweige denn ein tägliches Gebetsleben, bei dem nicht nur alte Kinderreime wiederholt werden. Den Alltag in Ägypten, also in meinem hier und jetzt, christlich zu leben, ist eine gewaltige Herausforderung, weil es scheinbar nur um moralische Forderungen geht: morgens und abends beten, dem schlecht gelaunten Chef freundlich zulächeln, dem arroganten Kollegen vergeben; schlechte Freunde meiden, schlechte Filme wegschalten, schlechte Musik ausschalten, ... Nie bin ich gut genug! "Was will denn Gott noch alles?" Kein Wunder, wenn man da müde und entmutigt wird; kein Wunder, wenn man so gerne leben würde wie die freien, stolzen ägyptischen Heiden! Wer so denkt, verwechselt Liebe mit Perfektion; Hingabe mit Vollkommenheit; Vertrauen mit Leistung.

Den alten Ofen wieder anheizen

Die Gemeinde von Ephesus scheint, als ob sie nicht mehr den Schwung des Anfangs gäbe. "Du hast Deine erste Liebe verlassen!" (vgl. Offb 2, 4). Das ist Jesu Vorwurf. Es gibt hier offensichtlich keine schweren Sünden – auch bei vielen Katholiken nicht – aber doch diese Mutlosigkeit, die alles grau in grau sieht. Wie ein altes Ehepaar lebt Ephesus – immer noch in echter Treue, immer noch in gegenseitiger Hilfsbereitschaft, immer noch mit Wohlwollen und Zuneigung, aber ohne "die erste Liebe". Die Flitterwochen scheinen unwiederbringlich verloren! Muss das so sein? Wie kann der alte Ofen – das ist keine Anspielung auf ein Paar, das bereits die Goldene Hochzeit gefeiert hat – wieder angeheizt werden? Man muss Holz nachwerfen und dem Geist vertrauen, dass er die Glut neu entfacht. Wer Gott seine Zeit im Gebet schenkt – ein Scheit nach dem anderen immer wieder nachlegt – der wird zum glühenden Ofen, der auch noch andere wärmt.

Geistliches Ice Age

Jeder Christ macht die Erfahrung geistlicher Dürre. Diese Zeiten sind schlimmes Ice Age, und keine lustigen Episoden wie im gleichnamigen Kinofilm. Die bittere Eiszeit überlebt, wer einen brennenden Ofen zu Hause hat; ein glühendes Herz. "Bedenke, aus welcher Höhe du gefallen bist" (Offb 2,5). Gott hat uns geliebt schon vor der Erschaffung der Welt und als wir noch Sünder waren. Er liebt uns – unfassbar für moderne Menschen "in Ägypten", die nach den Gewinn- und Verlustprinzipien der Wirtschaft denken, die immer höhere Pyramiden bauen und doch nie den Himmel erreichen. Gott liebt uns, nicht damit Er glücklich wird – das ist er schon – sondern damit wir es werden. Und im Moment der Taufe schenkt er uns eben diese Liebe. Das ist der Augenblick "unserer ersten Liebe", denn ohne die Gnade des Sakramentes könnten wir gar nicht glauben, hoffen, lieben. Auch unsere Antwort, so sehr sie auch in unsere Entscheidung gelegt ist, bleibt Geschenk. Zur ersten Liebe zurückkehren heißt daher zur Taufe zurückkehren und zur "Höhe" emporsteigen, die uns damals geschenkt wurde, nämlich Kind Gottes zu sein. "Bedenke, dass Du Kind Gottes bist". Das ist die Botschaft an die Gemeinde von Ephesus und auch an uns: Lebe nicht unter Deinem Niveau. Nähr Dich nicht am Trog der Schweine, sondern wohne im Vaterhaus. Werde kein Sklave heidnischer Ägypter.

Nie allein – selbst in Ägypten nicht!

Das Kind in der Krippe, auf das wir heute ein letztes Mal blicken, erinnert uns daran, dass auch wir Söhne und Töchter Gottes sind. Wir sind nicht alleine in der Fremde – in unserem Alltag. Jesus, Maria und Josef – eine heilige Familie, ist die unsrige. Diplomaten, die in ein fremdes Land ziehen, müssen stets wieder von vorne anfangen, aber sie nehmen doch immer die liebsten Menschen mit, die sie in dieser Welt haben. Nach Mariä Lichtmess gehen wir wieder in den Alltag; sind wir wieder in Ägypten; aber nicht allein. Die, die uns mehr lieben, als wir es fassen könnten, sind da: Jesus, Maria, Josef. Kein Grund zu müder Traurigkeit und trauriger Resignation, wenn nur die erste Liebe bleibt.



https://de.catholicnewsagency.com/articl...hen-alltag-0060



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