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  • 19.10.2015 20:21 - Bischof Stefan Oster
von esther10 in Kategorie Allgemein.

Bischof Stefan Oster



Heute durfte ich in Fürstenzell neue Gemeindereferentinnen in ihren Dienst in unserem Bistum entsenden: von links: Barbara Kalchauer, Tanja Schnurr, Verena Frömel und Carolin Tiefenbacher. Ganz rechts Ausbildungsleiterin Anja Wagner-Hölzl, ganz links Ortspfarrer Christian Böck. Ein sehr schönes Fest - in der Kirche und danach im Pfarrsaal.



Herzlichen Glückwunsch den Vieren. (Bild: R. Kickinger)
Hier ist die Predigt:
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Texte: Jes 6,1-8, Lk 24,13-25

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, liebe Verena, liebe Barbara, liebe Tanja, liebe Carolin,
hoffentlich habt Ihr nichts dagegen, wenn ich Sie alle mit Ihrem Vornamen anspreche. Ich tue es deshalb, weil der Vorname etwas von dem ausdrückt, wovon die beiden Texte sprechen, die wir für heute gehört haben. Die Texte schildern sehr persönliche Berufungserfahrungen, sie schildern Begegnungen mit Gott, in denen die betroffenen Personen die Erfahrung machen: Ich, ich bin gemeint. Unverwechselbar, unvertauschbar, unvertretbar. Und der Vorname eines Menschen steht eben für diese Einzigartigkeit eines Menschen. Jeder Mensch, der Sie gern hat, und Sie mit Ihrem Vornamen anspricht, der meint unvertretbar Sie selbst. Sie sind gemeint. Sie sind auch heute gemeint.

Mächtig kommt die Berufungsgeschichte des Propheten Jesaja daher. Der Prophet sieht in einer Vision den Herrn auf einem so hohen und erhabenen Thron, dass nur der Saum seines Gewandes den riesigen Tempel ausfüllt. Serafim, mächtige Engelwesen, verehren anbetend. Der Gesang lässt den Tempel beben. Heilig, heilig heilig. Der Prophet ist angesichts dessen bestürzt, fühlt sich unwürdig, glaubt sich verloren – weil er sich im Angesicht der Mächtigkeit Gottes als Sünder erkennt. „Weh mir, ruft er. Ich bin verloren.“ Aber hier wendet sich die Situation für Jesaia. Ein Engel berührt mit glühender Kohle seine Lippen. Er wird freigesprochen von seinen Sünden und kann nun gesandt werden. Der Herr fragt selbst: „Wen kann ich senden, wer kann für uns gehen?“ - und der gereinigte Jesaja sagt: „Hier bin ich, sende mich.“

Liebe neue Gemeindereferentinnen: Ihr sagt heute auch: „Hier bin ich, sende mich.“ Und sicher seid Ihr alle in den vergangenen Jahren auch durch das eine oder andere Feuer der Reifung gegangen, sicher auch hat es Momente der Verlorenheit, des Fragens, des Zweifelns, der Selbstzweifel gegeben. Sicher auch Erfahrungen von Schönheit, Gewissheit, Freude. Momente, in denen auch Ihr erfahren durftet. „Ich bin gemeint und ich darf antworten: Hier bin ich, sende mich.“

Jesaia fühlt sich unrein, fühlt sich sündig und bedarf der Reinigung. Ausgerechnet die Lippen werden ihm gebrannt mit glühender Kohle vom Altar. Warum die Lippen? Weil er berufen ist zur Verkündigung, weil aus seinem Herzen Worte aufsteigen sollen, die aus der Beziehung mit Gott erwachsen, weil seine Verkündigung klar sein soll, wahr und tief und möglichst rein. Und wir wissen alle, wie sehr unser Sprechen zum Ausdruck bringt, ob unser Innenleben geordnet oder ungeordnet ist. Mit was es voll ist und mit was nicht. Das Sprechen des Jesaia soll geläutert sein aus der Umkehr, aus der immer neuen Hinwendung zu Gott. Ich wünsche Ihnen das sehr, dass Sie in ihrem täglichen Leben Wege finden, jeden Tag zu Gott umzukehren. Sich von seiner Liebe anschauen zu lassen, sich berühren lassen - und von dort immer neu zu den Menschen zu gehen.

Sicher wird es dann Zeiten geben, in denen Sie sich fragen: Warum mache ich das eigentlich. Wir alle wissen, dass wir in kirchlichen Zeiten leben, in denen der Mangel viel häufiger benannt wird als das Wachstum. Sie werden also auch erleben, dass Sie Zurückweisung erfahren oder eigene Niedergeschlagenheit. Sie werden sich fragen, ob es doch der richtige Beruf für Sie ist, Sie werden manchmal intensives Bemühen in Frage stellen mit der Frage: „Hat das überhaupt etwas genützt oder war es völlig umsonst?“ Wenn Sie in solchen Fragen stecken, dann schauen Sie auf die Emmausgeschichte von heute. Schauen Sie auf die beiden Jünger, die da nach dem Karfreitag unterwegs sind, verzweifelt, enttäuscht. Alle Hoffnungen zunichte. „Wir kannten den, der Worte, Taten, Handlungen hatte, aus denen uns Gott selbst entgegenkam. Wir dachten, er wäre der verheißene Messias. Und jetzt ist er wie der allerletzte Verbrecher grausam gefoltert und hingerichtet worden. Dabei hatten wir doch alles auf ihn gesetzt.“ Die beiden sprechen miteinander – und der geheimnisvolle Wegbegleiter gesellt sich hinzu. Er zeigt ihnen, wie sehr die gesamte Schrift auf Ihn hinweist, wie sehr Leid und Kreuz in seinen Weg hinein gehören, wie sehr Er aber jetzt auch in der Herrlichkeit des Himmels ist, um von dort her mit Ihnen zu gehen. Sie laden Ihn ein zu bleiben, es kommt zum Brechen des Brotes – sie erkennen Ihn – und ihnen geht das Herz auf und über.

„Brannte uns nicht das Herz, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss“, sagen Sie zueinander. Brannte uns nicht das Herz?! Ist es nicht oft so, dass wir manchmal erst im Nachhinein verstehen, wie sehr wir von einer Sache, einem Menschen, einem Handeln begeistert waren. Erst im Rückblick, wenn wir uns eine Situation vergegenwärtigen, erinnern wir uns daran, wie intensiv es eigentlich war. Warum erst im Rückblick? Na, weil wir im Augenblick, in dem uns das Herz brennt, da sind wir ganz bei der Sache selbst, bei dem Menschen selbst, der da mit uns ist. Und im Nachhinein verstehen wir, wie sehr uns das bewegt und berührt hat.

Und auch hier gilt wieder: die beiden Jünger sind persönlich gemeint, sie sind persönlich angesprochen. Ihnen beiden brennt das Herz und sie werden in ihrer Berufung als Jünger gestärkt. Und wie! Sie verzichten auf die Übernachtung, sie brechen auf, um ihren Brüdern zu erzählen, was sie mit ihm erlebt haben. Sie sind Verkündiger der Begegnung mit Ihm.

Liebe Carolin, liebe Tanja, liebe Barbara, liebe Verena, wir können von dieser Erzählung so viel lernen über unseren Dienst. Erstens: Wenn wir niedergeschlagen, müde, verzweifelt sind, ist Er dennoch da und bleibt da! Und Er geht mit. Zweitens: Bleibt auch untereinander verbunden. Sprecht miteinander über den, an den ihr glaubt und über euren Dienst. Mitten darin wird sich auch immer wieder der Raum öffnen, in dem Ihr euch gegenseitig vergewissern dürft: „Der Herr ist da.“

Drittens: Jesus legt ihnen aus, was in der gesamten Schrift über ihn steht. Die Schrift ist Ort der Begegnung mit Jesus. Lest sie, lest sie wie einen Brief, den der Herr euch schreibt. Lest sie wie ein Eingangstor zur Begegnung mit Ihm. Und lest sie mit der Frage, wie und wo sie auf Ihn hinweist. Ausdrücklich oder unausdrücklich. Und auf Euch und Euer Leben. Es ist immer wieder spannend, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen durch die Bibel, sich zu nähren von ihr. Nehmt sie mit ins Gebet, ins persönliche Gebet, in die Pflege der Beziehung mit Ihm. Findet wirklich in die Stille, immer wieder. Nehmt euch Zeit, einfach für Ihn – um seinetwillen. Einfach da sein vor Ihm.

Das wird Euch immer noch mehr zu Menschen machen, die anderen davon erzählen können, wie das ist, dem Herrn zu begegnen. Die wissen, wie das ist, wenn das Herz brennt, weil sie Jesus begegnet sind. Und ihr werden auch Menschen sein, die anderen in ihren Nöten beistehen können, die mit anderen mitgehen können, die für andere ausdrücklich oder unausdrücklich ein Hinweis auf den Herrn und damit Trost und Stärkung werden können.

Ich wünsche Euch von Herzen, dass Ihr Euren Beruf und mehr noch Eure Berufung immer neu aus dieser Quelle leben könnt. Und ich bin Euch dankbar, dass Ihr Euch habt ausbilden lassen und dass Ihr Euch jetzt senden lasst. Und dankbar bin ich auch allen, die Euch auf diesem Weg begleitet und unterstützt haben, besonders Euren Familien, Euren Freunden, Euren Ausbilderinnen und Ausbildern in Hochschule und Bistum und vielen Menschen, die dazu beigetragen haben, dass Ihr hier und heute hier seid.

„Hier bin ich, sagt Jesaia, sende mich.“ „Hier bin ich,“ sagen heute Verena, Barbara, Tanja und Carolin und ich freue mich, dass ich Euch im Namen des Herrn heute senden darf. Amen.
17. Oktober · Bearbeitet

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