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Esther's - ST.Michaels Blog (Alle Artikel des Nutzers anzeigen)

Jesus geht heim zum Vater – und bleibt dennoch bei uns

Homilie am 6. Sonntag der Osterzeit
5. Mai 2013, Lesejahr C

L 1: Apg 15,1-2.22-29; L 2: Offb 21,10-14.22-23; Ev: Joh 14,23-29

Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch.

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Der Evangelist Johannes überliefert uns die Abschiedsreden Jesu. Jesus hat diese im Abendmahlssaal gehalten, bevor er sein Leiden und Sterben auf sich nahm, um durch den Tod hindurch zum Vater zu gehen. Als der Auferstandene hat er sich den Aposteln und Jüngern wiederum gezeigt, freilich in einer neuen Seinsweise. Die Liturgie der Kirche lässt uns die Worte des Herrn in diesen Tagen bedenken, da wir auf das Hochfest Christi Himmelfahrt zugehen.

Abschied von einem lieben Menschen nehmen zu müssen ist mit Schmerz verbunden. Dies gilt auch dann, wenn wir ein Wiedersehen erhoffen. Doch die Zeit der Trennung mag uns fast unerträglich erscheinen, und sehnsüchtig warten wir auf die erneute Begegnung. Wenn nun Jesus Christus, der Erlöser und Herr, Abschied nimmt, ist es da nicht verständlich, dass das Herz der Jünger von großer Traurigkeit erfüllt ist?

Jesus versteht das. Doch er will die Jünger trösten und klärt sie über den wahren Sachverhalt auf. Im Grunde ist es ein Anlass zur Freude, wenn er zu seinem Vater geht. Denn dort wird er den an ihn Glaubenden eine ewige Wohnung bereiten. Außerdem: Jesus entzieht den Jüngern bloß seine sichtbare Gegenwart. In Wirklichkeit bleibt er bei ihnen: in seinem Wort, in den Sakramenten, vor allem in der heiligen Eucharistie, in allen Werken der Liebe und im Gebet jener, die sich in seinem Namen versammeln.

Jesus verheißt den trauernden Jüngern einen Beistand, einen Tröster: den Heiligen Geist, den der Vater in seinem Namen senden wird. In diesem Geist wird den Jüngern Friede zuteil. Es ist ein Friede, wie ihn diese Welt nicht geben kann. Die Freude an Gott wird die Stärke all jener sein, die an Jesus Christus glauben.

Es ist wichtig, dass wir diese Worte des Herrn nicht bloß als etwas begreifen, was damals an die Apostel und Jünger gerichtet war. Nein: Jesus lebt! Und er ist bei seiner Kirche geblieben im Heiligen Geist. Wir dürfen ihm im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe begegnen. Sein göttliches Leben erfüllt uns; das Licht seiner Wahrheit erleuchtet uns; seine Liebe beseelt uns. Jesus sagt selber: „Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.“ Gott selbst will Gast sein in unserem Herzen. Das ist die Frucht jener Gnade, die wir in der heiligen Taufe empfangen haben.

Sollte uns das nicht emporheben über unseren Alltag? Ist das nicht ein Anlass zur Hoffnung in allen Widrigkeiten des Lebens? Gott hat unser Herz so groß gemacht, dass uns nichts auf dieser Erde genügt. Nur Gott allein kann das Herz erfüllen und selig machen! Und er tut es; er wendet sich uns voll Liebe zu in seinem Sohn und im Heiligen Geist.

So beten wir zu Gott um den Beistand des Heiligen Geistes. Er möge uns mit seinen Gaben erfüllen, damit wir wie die Jungfrau und Gottesmutter Maria das Wort Gottes in unserem Herzen bewahren. Christ sein heißt unterwegs sein zum Himmelreich und zugleich fest auf dieser Erde stehen, den Nöten unserer Mitmenschen zugewandt, um sie mit der Liebe Gottes bekannt zu machen!

Amen.
http://spindelboeck.net/

Von der notwendigen Wiederentdeckung der Keuschheit – Ein Ausweg aus sozialer und kultureller Dekadenz

von Josef Spindelböck1

Das Generalthema des diesjährigen „Forums Moraltheologie Mitteleuropa“ befaßt sich mit der Sexualisierung der Medien und ihren Folgen und mit der Suche nach positiven Antworten auf diese Situation aus psychologischer, soziologischer und philosophisch-theologischer Perspektive.

http://www.katholisches.info/category/nachrichten/

Jeder von uns hat seinen besonderen, ja individuellen Zugang zur Wirklichkeit2 ; wir sind geprägt durch unsere Familien- und Lebensgeschichte und durch jeweils konkrete Herausforderungen in Beruf und Gesellschaft. Und doch sind wir alle auch eingebettet in gemeinsame kulturelle und soziale Lebensfelder – in Milieus und Traditionen –, die unser Denken und Handeln in ähnlicher Weise mitbedingen und auch beeinflussen und die wiederum auch von unserer Freiheit in sittlicher Verantwortung gegenüber uns selbst, gegenüber den Mitmenschen und vor allem gegenüber Gott gestaltet werden sollen. Kurz gesagt: Das soziale Milieu prägt uns, doch wir sind auch selbst wieder für dessen Ausformung mitverantwortlich. Dies gilt im Positiven wie im Negativen: in Bezug auf das sittlich Gute, das zu bejahen und zu verwirklichen ist, und in Bezug auf das sittlich Böse, das wir innerlich ablehnen und in allem auch effektiv meiden sollen.

Interaktivität der Medien und sittliche Verantwortung

Wenn von der Sexualisierung der Medien die Rede ist, sollte uns klar sein, daß die Mittel der sozialen Kommunikation in ihren verschiedenen Formen nicht gleichsam hypostasiert für sich allein bestehen, sondern daß es um einen Ausdruck des Denkens und Wollens konkreter Menschen bzw. sozialer Gruppen geht und natürlich auch immer um das Bestreben jener Akteure, das Denken, Wollen und Handeln der Adressaten in der einen oder anderen Weise – positiv oder negativ – zu beeinflussen. Die klassische Aufteilung der medialen Bezugsgruppen in Akteure (oft Medienproduzenten genannt) und Rezipienten (die als Medienkonsumenten gelten) stellt gewiß eine Verkürzung dar. Medien sind ihrem Wesen und Anspruch nach keine Einbahnstraße, sondern Foren des Austauschs und der Kommunikation, also der jeweiligen Wechselwirkung (Interaktion).

Die elektronischen Medien verwirklichen diesen grundlegenden Zusammenhang noch konkreter, wie dies am Beispiel des Internets und damit verbundener neuer kommunikativer Formen und damit verbundener Möglichkeiten des Ausdrucks und Austauschs ersichtlich ist (Webpages, Foren, Blogs, Facebook, Twitter, Youtube etc.). Der ethische Standard des Gebrauchs der einzelnen Medien läßt sich danach bemessen, inwieweit die Personen in ihrer unveräußerlichen Würde geachtet werden und inwieweit es in der Form der Kommunikation um ein Anerkennen und Erstnehmen des personalen Gegenübers in Einsicht und Freiheit geht. Wo diese Wesensmerkmale des verantwortlich gelebten Menschseins gleichsam übersprungen werden, droht die Gefahr der Manipulation. Diese zielt eben gerade nicht darauf ab, andere zu überzeugen und in ihrer unvertretbaren Freiheit zum guten Handeln zu motivieren, sondern möchte andere Menschen wie „blinde Werkzeuge“ für bestimmte Zwecke instrumentalisieren. Dabei bleiben die wirklichen Absichten der Akteure oft im Dunkeln, und die eigentliche Triebkraft des Handelns wird nicht in der Freiheit der Entscheidung gesehen, sondern in den zu weckenden und zu lenkenden Impulsen und Trieben einer auf das Biologische verkürzten menschlichen Natur.

Wenn von einer weit verbreiteten „Sexualisierung der Medien“ zu sprechen ist, dann ist dieses Phänomen gerade hier einzuordnen, wo es um die Problemanzeige eines auf das Biologische verkürzten Menschenbilds und um die Klärung der Differenz zwischen Manipulation und Freiheit geht. Wir stehen vor der Alternative zwischen Wahrheit und Illusion, zwischen einer Freiheit, die sich an das Gute bindet, und grenzenloser Willkür, die den Menschen als Menschen verrät und sein Leben zerstört. Die ethische Frage ist daher nicht, ob die Sexualität des Menschen ein Thema der Medien sein darf, sondern wie diese zum Thema gemacht wird: ob in Ehrfurcht vor der Würde der Person und der spezifischen Aufgabe und Berufung von Ehe und Familie oder in Verkehrung ihres Wesens als angeblich durch keine Grenzen bestimmte Freiheit der Triebbefriedigung, die in Wirklichkeit nicht Freiheit ist, sondern paulinisch gesprochen mit der Sklaverei und Verfallenheit an das „Fleisch“ zusammen fällt.3

Weil wir auf diesem Symposion nicht nur Istzustände analysieren wollen, sondern nach Auswegen suchen, um eine gerade im Bereich der Sexualisierung der Medien zutage tretende soziale und kulturelle Dekadenz zu überwinden, gilt es nach den eigentlichen Ursache bestimmter Entwicklungen zu fragen und die Kräfte der sittlichen Verantwortung im Rahmen der menschlichen Freiheit, die von der Gnade Gottes getragen und unterstützt wird, neu zu wecken. Als hilfreich kann sich fürs erste ein Blick auf soziologisch erhobene und empirisch verifizierte Zusammenhänge zwischen der rechtlichen und sittlichen Regulierung der sexuellen Betätigung und dem jeweiligen kulturellen Standard eines Volkes bzw. einer Gesellschaft erweisen.

Die soziologische Analyse von Joseph D. Unwin – Ein Zusammenhang zwischen sexueller Regulierung und kulturellem Standard

Die aufgrund empirischer Untersuchungen gewonnene und durch „harte Fakten“ bestätigte soziologische Grundthese des Anthropologen Joseph D. Unwin (1895-1936) lautet, in Kürze auf den Punkt gebracht: Je permissiver Völker und Gesellschaften im Hinblick auf das sexuelle Leben sind, desto niedriger ist der jeweilige kulturelle Standard.4 Und umgekehrt: Je mehr sich in einer Gesellschaft in Theorie und Praxis die Achtung und Wertschätzung der unauflöslichen Einehe (Monogamie) und der auf sie gegründeten Familie durchsetzt und die sexuellen Energien dadurch in positiver Weise gebunden werden, desto höher ist das geistig-kulturelle Gesamtniveau einer solchen Gesellschaft. 5 Unwin ist zu seiner Untersuchung durch die Theorie der sexuellen Sublimierung Sigmund Freuds angeregt worden, wonach der Treib „von einem ursprünglichen Ziel – z.B. sexueller Natur – auf ein anderes, kulturell höheres, hingelenkt wird.“6

Sieben Jahre lang erforschte Unwin achtzig verschiedene Naturvölker und sechs verschiedene Kulturvölker im Hinblick auf den vermuteten Zusammenhang zwischen einem Verbot direkter Befriedigung der sexuellen Antriebe und einer damit korrelierenden gesellschaftlichen Förderung von Kultur und Zivilisation. Er sah sich schließlich veranlaßt, seine eigene Lebensphilosophie aufgrund der Ergebnisse seiner Untersuchungen in Frage zu stellen.7

Als ausnahmslos gültiges Ergebnis fand Unwin z.B., daß jene Naturvölker, die eine vollkommene voreheliche Enthaltsamkeit für die Frau (d.h. den Zustand der unversehrten physischen Jungfräulichkeit) vor der Ehe verlangten, in religiöser Hinsicht einem Gottes- bzw. Götterglauben anhingen. Wo nur eine eingeschränkte sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe verlangt wurde (im Sinn der sexuellen Treue zu einem bestimmten Mann), wurde eine manistische religiöse Verehrung (Ahnenkult) festgestellt. Wo schließlich die völlige sexuelle Freizügigkeit vor der Ehe zugelassen war, gab es nur die kulturelle Stufe einer magischen Religiosität.8

Unwin kam weiters zum Ergebnis: Je stärker bei einem Volk die sexuelle Begrenzung in Richtung auf absolute Monogamie innerhalb der Ehe war, desto vorherrschender war ein expansiver Drang des betreffenden Volkes, was nicht notwendigerweise mit Aggressivität gegen andere Völker gleichzusetzen sei.9 Aggressivität ist also keine Folge von sexueller Einschränkung; in der Regel ist der Zusammenhang nach Unwin gerade umgekehrt.

In einem noch weiter fortgeschrittenen Zustand werde die Gesellschaft eines Volks rationalistisch: Das Individuum trete mehr und mehr in den Vordergrund, während frühere Gesellschaften stärker auf die Zugehörigkeit des einzelnen zu sozialen Gruppen aufgebaut waren. 10 Das letzte wäre nach Unwin der wissenschaftlich-produktive Zustand, der dann erreicht werde, wenn ein Volk genügend Energie besitze.11

Der Energiezustand eines Volkes korreliere mit der jeweiligen Intensität verpflichtender sexueller Enthaltsamkeit, die sich ein Volk auferlege, was sich jeweils einige Generationen später im kulturellen Bereich positiv oder negativ auswirke.12 Tradition und Erziehung haben nämlich einen Einfluß auf die jeweils nächste Generation. 13 Den großen Einfluß der auf die Frauen bezogenen normativen Aspekte der Sexualität erklärt Unwin durch die primäre Erziehungsfunktion der Frauen für ihre Kinder, wodurch sie für das Ethos der Gesellschaft besonders prägend seien.14

Den rechtlich-sittlichen Status absoluter Monogamie sieht Unwin in historischer Analyse verknüpft mit einer Dominanz des Mannes über die Frau; erst allmählich sei es in den jeweiligen Gesellschaften zu einer schrittweisen Gleichberechtigung der Frauen gekommen, was allerdings meist mit einer Lockerung der Festigung des Ehebundes einhergegangen sei und in manchen Fällen auch mit einer größeren Freizügigkeit im Hinblick auf voreheliche Enthaltsamkeit verbunden war. In jenen Fällen habe die „Energie der Gesellschaft“ abgenommen, was sich in kulturellem Niedergang ausgewirkt habe.15

Bewertung und Rezeption der Untersuchungen Unwins

Die Grundthese Unwins, wonach es einen eindeutig feststellbaren empirischen Zusammenhang zwischen vorehelicher sexueller Enthaltsamkeit und strikter Monogamie auf der einen und dem höheren kulturellen Status einer Gesellschaft auf der anderen Seite gibt, ist bis jetzt nicht widerlegt. Im Hinblick auf die Zuordnung zu bestimmten Völkern und Gesellschaften ergeben sich freilich Unschärfen, was Unwin auch selber zugibt.

Von einem ethischen und moraltheologischen Standpunkt aus könnte man in Anschluß an Unwin und in Weiterführung seiner Ergebnisse auch den positiven Wert einer sakralen bzw. religiösen Sicht von Ehe, Familie und Sexualität würdigen und feststellen, daß der Glaube an Gott und die damit verbundene religiös-sittliche Praxis zur Stärkung von Ehe und Familie und zur Sublimierung und Integration der sexuellen Urkräfte im sittlichen und kulturellen Bereich wesentlich beitragen.

Etwas konstruiert klingt eine Folgerung Unwins, wonach eine Gesellschaft, die den Ausschluß vorehelicher sexueller Beziehungen sowie die absolute Monogamie in der Ehe verlangt, bei einem relativen Rückfall im ersten Bereich unter Beibehaltung der zweiten Errungenschaft kultisch gesehen den Gottesglauben mit manistischen Elementen vermenge. Damit erklärt er das angeblich erstmalige Auftreten der Heiligenverehrung innerhalb der römisch-katholischen Kirche seit dem 4. Jh. und deren Abschaffung im England des 16. Jh.16

Unschwer wird man in der Analyse der gegenwärtigen Gesellschaft so manches von dem verwirklicht finden können, was Unwin als These aufgestellt hat. Freilich ist gerade die pluralistische Gesellschaft keineswegs nur von einem einzigen Faktor oder einer einzigen Tendenz bestimmt, so daß man einfach sagen könnte, es wäre gegenwärtig nur ein sittlicher Verfall im Hinblick auf Ehe und Familie feststellbar. In „Familiaris consortio“ hat Johannes Paul II. ein differenziertes Bild gezeichnet: es gibt sowohl „Licht“ als auch „Schatten“.17 Dem entsprechen aktuelle soziologische Untersuchungen, wonach bei allem Scheitern und allen Schwierigkeiten von Ehen und Familien auch heute bei vielen Menschen eine tiefe Sehnsucht nach Stabilität einer heterosexuellen Partnerbeziehung in Offenheit für Kinder vorhanden ist, auch wenn dies aus verschiedenen Gründen oft nur unvollkommen oder gar nicht verwirklicht wird. Das „klassische“ Leitbild der Ehe und Familie, das die Kirche sowohl aus der Schöpfungs- als auch aus der Erlösungsordnung begründet, scheint also keineswegs überholt. 18 Seine Substanz ist, wie der Soziologe Franz-Xaver Kaufmann anmerkt, „auch unter liberalen und säkularisierten Bedingungen weitgehend intakt“, wobei er die Werte „Liebe, Treue, wechselseitige Unterstützung, Dauerhaftigkeit ‚bis der Tod Euch scheidet‘“ anführt. 19 Eine Erklärung für diese optimistische Sichtweise trotz aller Defizite läßt sich in der allen Menschen gemeinsamen Wesensnatur und den in sie eingeschriebenen sittlichen Gesetzen auch des ehelichen Zusammenlebens von Mann und Frau finden.20

Die von Unwin in seiner Hauptthese aufgezeigten Zusammenhänge sind zwar in einschlägigen Kreisen bekannt und anerkannt; im öffentlichen gesellschaftlichen Diskurs hindert es gegenwärtig eine so genannte „political correctness“ im Rahmen der Gender- und Homosexualitäts-Ideologie, daß die Ergebnisse Unwins zum Gegenstand weiterer Analysen und Schlußfolgerungen gemacht werden. Die Mentalität des Scientismus, die trotz einer verstärkten Zuwendung zur Natur in ihrem Eigenwert und ihrer Schutzbedürftigkeit noch weiterwirkt, zeigt sich in der vagen und letztlich illusorischen Hoffnung, Wissenschaft und Technik könnten den moralischen Verfall gerade im Bereich der sexuellen Ordnung gleichsam kompensieren. Man meint so im letzten, Moral durch Technik ersetzen zu können. Der Mensch wäre auf diese Weise gleichsam frei geworden von seiner eigenen zweigeschlechtlichen Natur, die nur mehr ein willkürlich zu instrumentalisierendes „biologisches Material“ darstellt. So würde die These Unwins unter den Bedingungen der Industrie- und Informationsgesellschaft angeblich nicht mehr gelten. So jedenfalls die von manchen als Vorwand und Rechtfertigung für das Aufrechterhalten eines sexuell permissiven Lebensstils vorgebrachte Auffassung, die kaum mehr als eine unbewiesene Vermutung darstellt.

Was die Analysen Unwins nicht leisten können und wollen, ist die Ausarbeitung einer philosophischen Anthropologie. Diese aber scheint unerläßlich, um den Stellenwert rechtlicher und sittlicher Verpflichtungen in angemessener Weise begründen und interpretieren zu können. Eine solche Anthropologie im Hinblick auf die personale Gemeinschaft der Ehe und Familie und die damit verbundenen sittlichen Normen betreffend die sexuelle Dimension hat der verstorbene Papst Johannes Paul II. entwickelt, und zwar noch bevor er Papst wurde, nämlich als Anthropologe und Ethiker. Eine umfassende Präsentation seiner Gedanken findet sich im Werk „Liebe und Verantwortung“21 , auf das im folgenden auch Bezug genommen werden soll, wenn die Rede ist von der notwendigen Wiederentdeckung der Keuschheit als Antwort auf die Dekadenz unserer Zeit, die gerade durch die Sexualisierung der Medien sichtbar geworden ist.

Die notwendige Wiederentdeckung der Keuschheit

Die richtige Antwort gegenüber der Herausforderung der „Sexualisierung der Medien“ als bloß instrumentelle Sicht des Menschen und seines Leibes und als einseitige Fixierung auf Sexualität als sinnliche Bedürfnisbefriedigung kann nur eine sittliche und im letzter Konsequenz eine in der Gottesbeziehung gründende sein. Bloß technische „Rezepte“, und seien sie noch so ausgefeilt und gut gemeint, nützen nichts , wenn wir nicht dort ansetzen, wo unser Herr Jesus Christus die Wurzel sowohl des Guten als auch des Bösen verortet: im menschlichen Herz!22

Nicht umsonst spricht Jesus in den Seligpreisungen der Bergpredigt von der „Reinheit des Herzens“, die mit der Verheißung der Gottesschau verbunden ist. 23 Sicher ist damit nicht nur die rechte Ordnung des sexuellen Bereichs gemeint, sondern es geht um die Integrität des Menschen als solchen, um sein Heilsein und Heilwerden in der Wahrheit und in der Liebe vor Gott, doch ist gerade die sexuelle Prägung des Menschseins ein konstitutives Element seiner Person, und die rechte Sicht dieser Wirklichkeit und der Umgang mit der Sexualität als triebhafter Urkraft des Menschen ist wesentlich für alles übrige: für das geistig-kulturelle Leben gemäß der Analyse Joseph D. Unwins und insbesondere für die Gottesbeziehung des Menschen. Wer seinen eigenen Leib, der ein Tempel des Heiligen Geistes sein soll24 , entwürdigt und schändet und wer den Mitmenschen in seinem Leib instrumentalisiert (in Gedanken, Worten und Werken), der trübt auch das Bild Gottes im Menschen und verbaut sich und anderen den Zugang zu Gott, der die Liebe und das Leben ist und den man nur schauen kann mit einem reinen Herzen.

Der Sache nach geht es hier um nichts anderes als um die notwendige Wiederentdeckung der Keuschheit als sittlicher Tugend in der Einheit der Gottes- und Nächstenliebe. Eine Tugend zu besitzen und zu verwirklichen bedeutet viel mehr als bloß bürgerliche Anständigkeit oder Bravheit. Es geht gemäß klassischem aristotelisch-thomanischen Verständnis um „das ultimum potentiae, das Äußerste dessen, was ein Mensch sein kann; sie ist die Erfüllung des menschlichen Seinskönnens.“ Es geht um „die Vollendung des Menschen zu einem Tun, durch das er seine Glückseligkeit verwirklicht.“25

Der Begriff der Keuschheit ist im gesellschaftlichen Kontext fast zum Fremdwort geworden, und auch innerkirchlich gilt man als Exot, wenn man von ihr spricht. Der „Katechismus der Katholischen Kirche“ tut dies dennoch und stellt heraus, was wirklich damit gemeint ist:

„Keuschheit bedeutet die geglückte Integration der Geschlechtlichkeit in die Person und folglich die innere Einheit des Menschen in seinem leiblichen und geistigen Sein. Die Geschlechtlichkeit, in der sich zeigt, dass der Mensch auch der körperlichen und biologischen Welt angehört, wird persönlich und wahrhaft menschlich, wenn sie in die Beziehung von Person zu Person, in die vollständige und zeitliche unbegrenzte wechselseitige Hingabe von Mann und Frau eingegliedert ist.“26

Diese Kurzbeschreibung zeigt auf, daß es bei der Tugend der Keuschheit um keine Unterdrückung und Verleugnung der geschlechtlichen Dimension des Menschseins geht. Im Gegenteil! Ein keuscher Mensch bejaht voll und ganz die eigene sexuelle Prägung und Ausrichtung: Die jeweilige Person nimmt ihr Frau-Sein bzw. Mann-Sein wirklich an und sieht es als Reichtum ihrer Person und als Prägung und Qualifikation, die nicht nur den Leib betrifft, sondern das ganze leibseelische Wesen. Der Sinn so verstandener Keuschheit liegt nicht in der Selbstgenügsamkeit der Person, nicht in einem Sichverschließen gegenüber dem Mitmenschen, vielleicht aus Egoismus oder auch aus falscher „bewahrender“ Ängstlichkeit, sondern in einer Offenheit und Hingabe der Liebe, wie sie in der ehelichen Berufung ihren einzigartigen Ausdruck findet.

Es geht bei der Tugend der Keuschheit sowohl um die Wahrung der „Unversehrtheit der Person“ als auch um die „Ganzheit der Hingabe“, wie der Katechismus ausführt.27 Wesentlich ist es, die Keuschheit als standesgemäße Tugend zu erkennen, d.h. es gibt nach dem heiligen Ambrosius einen Unterschied zwischen der Keuschheit der Verheirateten, der Verwitweten und der Jungfräulichen.28 Dabei gilt:

„Verheiratete sind berufen, in ehelicher Keuschheit zu leben; die anderen leben keusch, wenn sie enthaltsam sind.“29

Die eheliche Keuschheit entspricht voll und ganz dem Wesen ehelicher Liebe als personale Ganzhingabe und Vereinigung der Partner mit Leib und Seele. Die Einheit der Herzen zeigt sich auch im Ein-Fleisch-Werden, d.h. in der sexuellen Vereinigung der Gatten. Diese ist stets auf humane Weise und als Ausdruck personaler Liebe zu vollziehen. 30 Niemals ist es in der Ehe gestattet, den Ehepartner als Instrument der sexuellen Befriedigung zu mißbrauchen. Der innere Zusammenhang der Sinndimensionen der ehelich-sexuellen Vereinigung, nämlich Ausdruck personaler Liebe in Offenheit für das Leben zu sein, darf nicht aufgelöst werden.31

Die Keuschheit der Unverheirateten zeigt sich nicht nur in der wirklichen Enthaltsamkeit von allen sexuellen Akten, sei es mit anderen oder auch allein. Es muß auch die rechte innere Haltung gegenüber dem Geschlechtlichen gegeben sein. Entweder ist die Person von ihrer Fähigkeit und Berufung her offen für eine mögliche Ehe und bereitet sich in entsprechender Weise vor, auch durch eine innere Kultur ihrer Affektivität und durch äußere Weisen der Kommunikation, um den geeigneten Partner fürs Leben zu finden.32 Oder aber eine Person hat erkannt, daß sie entweder nicht (mehr) heiraten kann oder daß im Unverheiratet-Sein sogar ihre eigentliche Berufung liegt, um auf diese Weise einen besonderen Dienst auszuüben und/oder in ausdrücklicher Weise ganz Gott anzugehören. Auch hier darf und soll die sexuelle Prägung und Ausrichtung nicht verleugnet werden. Es ist wichtig, daß auch ehelose und zölibatär-jungfräuliche Menschen eine natürliche und übernatürliche Kultur männlicher bzw. fraulicher Affektivität entwickeln und pflegen, die sie auch befähigt, in sittlich geordneter Freundschaft und Liebe mit anderen Menschen verbunden zu sein. Zugleich muß in kluger Weise dafür Sorge getragen werden, daß allfällige Gefahren für die Wahrung der Keuschheit ausgeschlossen werden und Ärgernisse vermieden werden.

Bei der Einübung in die Tugend der Keuschheit geht es um das schrittweise Erlernen der Selbstbeherrschung und des rechten Maßes im Umgang und Einsatz der uns von Gott geschenkten Kräfte. 33 Dies alles muß im Kontext personaler Liebe geschehen, worin sich die volle Bedeutung der Tugend der Keuschheit zeigt.34 Von daher wird klar, daß die christliche Tradition stets daran festgehalten hat, daß die Keuschheit bei allem menschlichen Bemühen um sie letztlich eine Gabe Gottes ist, d.h. eine Gnade, die auch erbetet werden muß.35

Karol Wojtyła hat in seinen Analysen herausgestellt, daß es bei der Keuschheit um einen zugleich unbefangenen und ehrfurchtsvoll-liebenden Zugang zum eigenen Leib als auch zur leibseelischen Wirklichkeit des Mitmenschen geht.36 Während wir an uns selber den Leib von unserem Innenleben klar unterscheiden können, begegnet uns der Mitmensch gerade auch in seiner Innerlichkeit immer nur vermittelt durch den Leib. Von daher verbietet sich jede Versachlichung und Instrumentalisierung des Leibes gerade der anderen Person. Wir können den Respekt und die Ehrfurcht, die wir dem Leib des Mitmenschen entgegenbringen, nicht vom Respekt gegenüber dieser oder jener konkreten Person trennen.37

Die besondere Perspektive der Medien

In der medialen Präsentation wird nun zwar eine gewisse Distanz gegenüber dem durch Leiblichkeit vermittelten und unmittelbar gegenwärtigen Menschsein aufgebaut, und oft besteht auch eine Anonymität und „Künstlichkeit“ der Perspektive. Doch darf dies nicht zur irrigen Auffassung führen, es gäbe in den Medien überhaupt keinen Bezug zur Wirklichkeit als solcher bzw. zu wirklichen Menschen. Auch wo diese als Schauspieler auftreten oder in eine andere Rolle schlüpfen, können sie doch von ihrer eigenen Persönlichkeit nicht ganz abstrahieren, und insofern kann und darf es nicht gleichgültig sein, welches Verhalten jemand an den Tag legt bzw. welche Rollenerwartung der sog. Rezipient der Medien an die Darsteller hat. Es gibt per se entwürdigende Verhaltensweisen, die durch keine noch so gute Absicht oder Umstände zu rechtfertigen sind.38 Nicht alles darf man daher in den Medien „zeigen“. Wo es um eine Darstellung des Bösen geht (im Kontext einer wirklich sittlichen Bewertung und nicht als Selbstzweck, d.h. nicht zur Verherrlichung des Bösen) muß auch diese eher mit manchen Andeutungen arbeiten als daß sie das Böse einfach „reproduzieren“ darf, um es so möglichst „realistisch“ darzustellen. Denn eine Quasi-Reproduktion des Bösen würde dessen Immoralität gleichsam medial wiederholen bzw. sogar intentional vervielfachen. Ein derart mißverstandener „Realismus“, der beispielsweise eine Vergewaltigung in pornografisch-obszöner Weise zur Darstellung bringt, verleitet eher zu einer partiellen und instrumentellen Sicht der Personen als daß diese Darstellungsform geeignet wäre, das furchtbare Unrecht gegenüber einem Opfer sexueller Gewalt aufzuzeigen.39 Und so weiter.

Insbesondere die Pornografie (von Medienverantwortlichen mitunter verharmlosend als „Vollerotik“ oder „adult entertainment“ bezeichnet) stellt ein massives gesellschaftliches und sittliches Problem dar und verlangt die Wahrnehmung medialer Verantwortung.40

„Pornografie besteht darin, tatsächliche oder vorgetäuschte geschlechtliche Akte vorsätzlich aus der Intimität der Partner herauszunehmen, um sie Dritten vorzuzeigen. Sie verletzt die Keuschheit, weil sie den ehelichen Akt, die intime Hingabe eines Gatten an den anderen, entstellt. Sie verletzt die Würde aller Beteiligten (Schauspieler, Händler, Publikum) schwer; diese werden nämlich zum Gegenstand eines primitiven Vergnügens und zur Quelle eines unerlaubten Profits. Pornografie versetzt alle Beteiligten in eine Scheinwelt. Sie ist eine schwere Verfehlung. Die Staatsgewalt hat die Herstellung und Verbreitung pornografischer Materialien zu verhindern.“41

Der eheliche Akt ist etwas, das den Gatten zu eigen ist. Sie brauchen den notwendigen Raum des Schutzes dafür, um ihn so vollziehen zu können, daß er wirklich ein Ausdruck ihrer Ganzhingabe und Liebe ist. Von seinem Wesen her widersetzt sich gerade dieser Akt der Außenbeobachtung, wie Karol Wojtyła aufgezeigt hat.42
Der voyeuristische Außenbeobachter eines sexuellen Aktes nimmt ja gerade nicht die innere Dimension der Liebe wahr und kann dies auch gar nicht. Insofern dieser heiligste Akt der Gatten dann gleichsam auf sein biologisches Erscheinungsbild reduziert wird, wird er zugleich radikal entwertet und gerät in den Verdacht, nichts anderes zu sein als ein Akt der Unzucht oder gar der Prostitution, wo es nur um die geschlechtliche Befriedigung als solche geht und die jeweiligen Personen bloß Mittel zum Zweck sind. In der Pornografie und im öffentlich präsentierten erotischen Vergnügen wird die Sexualität aus dem intimen und sie schützenden personalen Bezug herausgenommen und der sexuellen Begierde ausgeliefert.43 Sexualität wird so zur Ware, und insbesondere die Würde der Frau wird mißachtet, was im öffentlichen Bewußtsein inzwischen immer mehr erkannt wird.44 Eine besonders schwerwiegende Form des Unrechts und der Gewalt stellt die Kinderpornografie dar, unabhängig davon, ob die dargestellten pornografischen Szenen tatsächlich „real“ sind oder „fiktiv“ bzw. „virtuell“.45

Praktische Schlußfolgerungen für den Umgang mit Medien

Angesichts der Sexualisierung der Öffentlichkeit und des Einflußes der Medien ergeben sich einige praktische Folgerungen:

Entscheidend ist gemäß dem Evangelium das „reine Herz“. Auf dieses kommt es in allem an. Dabei muß uns bewußt sein, daß der Mensch sich nicht selbst erlösen und rechtfertigen kann. Thomas von Aquin hat darum mit Recht festgestellt, daß das neue Gesetz ja gerade die Gnade des Heiligen Geistes ist, der die Liebe ausgießt in die Herzen der Menschen.46
Es braucht gewisse Regeln der Klugheit im Umgang mit den Gefahren: Dabei ist es wichtig nicht zu dramatisieren, aber auch nicht zu verharmlosen. Was für den einen eine ernste Gefahr darstellt, ist für den anderen vielleicht (noch) keine Bedrohung. Vor Selbstsicherheit sollte man sich hüten: „Wer also zu stehen meint, der gebe acht, daß er nicht fällt.“47 Die Gelegenheit zur Sünde ist – in kluger Einschätzung, nicht in Überängstlichkeit – entsprechend den vorhandenen Möglichkeiten und speziellen Aufgaben und Verantwortlichkeiten zu meiden.48 Gerade die „Starken“ müssen sich jedoch auch bemühen, den „Schwachen“ kein Ärgernis zu geben.49
Der Schutz von Kindern und Jugendlichen hat jedenfalls Vorrang vor der Wahrnehmung der Freiheit Erwachsener. Im Kontext medial vermittelter Realität ist es wesentlich, auf den Reifegrad der Personen Rücksicht zu nehmen, die von bestimmten Darstellungen betroffen sind. Nicht umsonst gibt es, auch wenn er vielfach ausgehöhlt ist, den Jugendschutz, und für die Umsetzung entsprechender Empfehlungen sind die Eltern in der Familie die primären Verantwortlichen, die wir darum auch in ihrer Aufgabe unterstützen sollten. So ist es sinnvoll, Zeiten und Möglichkeiten des Fernsehens und der Nutzung des Internets gerade für Minderjährige einzuschränken und hier entsprechende „zensurierende“ Vorkehrungen zu treffen.50 Dies freilich nicht in einer Haltung prinzipieller Abwehr und Angst vor diesen Medien, doch im Gesamtkontext eines verantwortlichen Umgangs, der nicht nur um die vielen Chancen der Medien im Dienst des Guten weiß, sondern auch ganz realistisch konkrete Gefahren erkennt und ihnen mit Klugheit und Entschiedenheit zu begegnen weiß.
Die nötige Selbstdisziplin im Umgang mit den Medien der sozialen Kommunikation müssen sich gerade auch Erwachsene aneignen. Dabei geht es darum, die Medien nicht zu verteufeln, sondern gezielt, d.h. aber auch selektiv nutzen, wie die inzwischen zahlreichen kirchlichen Dokumente zu den Massenmedien, besonders auch zu Fernsehen und Internet ausführen.51 Oft ist weniger mehr. Wer alles Dargebotene unterschiedslos konsumiert, kann das Gehörte und Gesehene nicht wirklich verarbeiten. Er verliert in seinem Denken und Empfinden fast unmerklich die Sensibilität für das Wahre und Gute.52
Nebenbei sei angemerkt, daß die verzerrte und entwürdigende Darstellung der menschlichen Sexualität nicht die einzige Gefahr ist, die von einem Mißbrauch der Medien droht. Ein großes Problem ist der in vielen Filmen (und auch in Computerspielen!) begegnende massive Einsatz von Gewalt, was auf einer anderen Ebene zu Verrohung und Abstumpfung führen kann. Auch wenn dies hier nicht unmittelbar das Thema ist, so sagt doch das Begriffspaar „Sex and Crime“ schon genug aus über einen oft bestehenden Zusammenhang von Haß, Gewalt und sexueller Diskriminierung, der noch stärker beachtet werden sollte.
An dieser Stelle sei ein Wort über kirchliche oder kirchennahe Medien verloren: Natürlich ist es für katholische Christen nicht notwendig, sich nur auf die Nutzung kirchlicher oder kirchennaher Medien zu beschränken. Wir leben nun einmal in dieser Welt und müssen uns auch in angemessener Weise über Vorgänge des öffentlichen Lebens informieren. Außerdem gibt es neben Information und religiös-sittlicher Weiterbildung auch ein Recht auf eine – selbstverständlich sittlich einwandfreie – Unterhaltung. Wollte man sich nur auf „katholische“ oder kirchliche Medien beschränken, so würde die Gefahr einer Gettoisierung drohen. Gerade katholische Christen sollen und dürfen sich im Sinne einer recht verstandenen Präsenz der Laien in dieser Welt auch in säkulare Medien einbringen; sie sollen diese mitgestalten und Verantwortungsaufgaben übernehmen, ohne allerdings unannehmbare Kompromisse zu schließen, die gegen ihr christliches Gewissen sind oder ihre Identität als katholische Christen preisgeben.
Erinnert sei nochmals an das über die standesgemäße Keuschheit Gesagte: Verheiratete sollen die Beziehungen zu ihrem Partner in ehelicher Liebe fördern; auch gute und sittlich geordnete Freundschaften sind wichtig, wie schon der heilige Franz von Sales richtig erkannt hat.53
Jedenfalls sind stets geistliche Hilfen in Anspruch zu nehmen: das Gebet, der Empfang der Sakramente, die geistliche Begleitung, die treue Erfüllung der Standespflichten und beruflichen Aufgaben in einer Haltung der „guten Meinung“, d.h. zur Ehre Gottes und zum Heil der Seelen.

Schlußimpuls

Als Christen leben wir auch in einer weithin von Gott abgewandten Welt immer in der Hoffnung auf Gottes Hilfe und Beistand. Eine Erneuerung der Kultur im christlichen Sinne ist nicht illusorisch. Die Evangelisierung vollzieht sich immer nach dem Prinzip des Sauerteigs im Evangelium54 . Ein guter Anfang, wie immer und wo immer er geschieht, pflanzt sich fort und findet seine Nachahmer. „Exempla trahunt!“ – Gute Beispiele regen an und bewegen. In diesem Sinn sollte jeder seine Aufgabe und Verantwortung wahrnehmen und nach besten Kräften zu erfüllen trachten: Gottes Beistand und Gnade ist uns jedenfalls zugesagt!

Der Priester Josef Spindelböck ist Professor für Moraltheologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Diözese St. Pölten und Mitglied der Gemeinschaft vom heiligen Josef.
http://www.katholisches.info/2009/12/09/...eller-dekadenz/

Ein Gespräch mit dem Dogmatiker Manfred Hauke
Prof. Dr. Manfred Hauke ^

Seit Jahren gibt es eine Diskussion um das Phänomen der angeblichen „Marienerscheinungen“, die in Medjugorje ihren Ursprung genommen haben: Erscheint den aus Medjugorje stammenden Sehern wirklich die Gottesmutter? Oder sind die Ereignisse parapsychologische Früchte aus dem Unbewussten der Seher? Sind sie eine betrügerische Manipulation oder gar eine Täuschung böser Mächte? Dem Vernehmen nach gibt es im Vatikan Pläne, das Phänomen Medjugorje demnächst durch eine Kommission abschließend prüfen zu lassen. Regina Einig befragte dazu den Vorsitzenden der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Mariologie, den in Lugano lehrenden Dogmatiker und Patrologen Professor Manfred Hauke.
Worin liegt die theologische Bedeutung der Marienerscheinungen?

Medjugorje WEBCAM
http://www.medjugorje.ws/en/videos/medjugorje-webcams/

Die Erscheinungen der Gottesmutter gehören zum Charisma der Prophetie, worin das unverfügbare Wirken des Geistes Gottes zum Ausdruck kommt. Paulus betont: „Löscht den Geist nicht aus! Verachtet prophetische Worte nicht!“ (1 Thess 5, 19–20). Schon das Buch der Sprichwörter betont: „Ohne prophetische Offenbarung verwildert das Volk“ (Spr 29, 18). Gemäß Thomas von Aquin werden die prophetischen Offenbarungen nach der apostolischen Zeit nicht dazu gegeben, eine neue Glaubenslehre zu verbreiten, sondern dienen der Ausrichtung des menschlichen Handelns. Die Theologie spricht hier auch von „Privatoffenbarungen“, insofern der mitgeteilte Gehalt nicht zur allgemeinen und öffentlichen Offenbarung gehört, die mit der apostolischen Zeit abgeschlossen ist. „Privat“ meint dann den Bezug auf eine einzelne Person, eine Gruppe oder auch die ganze Kirche in einer besonderen geschichtlichen Situation. Die „Privatoffenbarungen“ oder (besser) prophetischen Offenbarungen helfen uns, die „Zeichen der Zeit“ (Lk 12, 56) zu erkennen und entsprechend zu handeln. Nach Papst Benedikt XIV. begründet die Anerkennung einer Privatoffenbarung durch den zuständigen Bischof keineswegs eine Glaubenspflicht im strikten Sinn (fides divina), sondern erklärt, dass man den Erscheinungen begründetermaßen einen rein menschlichen Glauben entgegenbringen kann (fides humana). Kein Katholik ist also verpflichtet, daran zu glauben, dass die Muttergottes in Lourdes und Fatima erschienen ist; die Kirche erklärt aber, dass die Berichte über die Erscheinungen glaubwürdig sind und ein Katholik daran glauben und eine entsprechende Spiritualität pflegen darf. Ja, die Kirche hat sogar eigene Gedenktage in den liturgischen Kalender gesetzt und entsprechende Messformulare herausgegeben. Prophetische Offenbarungen sind nicht der Normalfall des christlichen Lebens, sondern eine Ausnahme: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“ (Joh 20, 29). Der Katechismus der Katholischen Kirche betont mit dem hl. Johannes vom Kreuz: In Jesus Christus, dem ewigen göttlichen Wort, hat uns der göttliche Vater alles mitgeteilt (vgl. Hebr 1, 1–2). „Wer demnach jetzt noch ihn befragen oder von ihm Visionen oder Offenbarungen haben wollte, der würde nicht bloß unvernünftig handeln, sondern Gott geradezu beleidigen, weil er seine Augen nicht einzig auf Christus richten würde, ohne jegliches Verlangen nach anderen oder neuen Dingen“ (KKK 65)
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: EHE, FAMILIE und ELTERNRECHT | Tags: Birgit Kelle, Familienbund der dt. Katholiken, Familienförderung, Krankenkassen |Schreibe einen Kommentar Krankenversicherungen erzielen Überschüsse mit Familien
Veröffentlicht: 6. Mai 2013 | Autor:
Von Birgit Kelle (Vorsitzende von “Frau 2000plus”)

Zum Stichwort “kostenlose Mitversicherung” aus gegebenem Anlass eine Klarstellung: Nicht die Familien profitieren von den Krankenkassen, sondern die Krankenkassen profitieren von den Familien.

Der Familienbund der Katholiken in Bayern hat sich die Mühe gemacht, dies einmal auszurechnen. Hier ein Ausschnitt aus der Pressemitteilung des Familienbundes:
Birgit Kelle

Birgit Kelle

“Eine durchschnittlich erwerbstätige Familie mit zwei Kindern (Vater Vollzeit, Mutter halbtags erwerbstätig) bringt der gesetzlichen Krankenversicherung jährlich 9000 € Beiträge ein, verursacht aber nur Kosten in Höhe von 6100 €. Auf diese Art bringt die Familie der Versicherung knapp 3000 € mehr ein, als sie an Kosten verursacht.

Hochgerechnet auf Deutschland kommt der Familienbund für das Jahr 2008 zu der Schätzung, dass die Familien circa 20 Milliarden EUR mehr in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlten, als sie aus ihr erhielten.

Das Bundesfamilienministerium weist allein für das Jahr 2008 einen Betrag von 14 Milliarden € Familienförderung durch die gesetzliche Krankenversicherung aus. Dieser Betrag kommt dadurch zustande, dass die beauftragten Experten nicht die kompletten Familien bilanzierten. Betrachtet wurden allein die Kinder. Sie verursachten 14 Milliarden € Kosten, brachten aber keine Beiträge. Durch das Ausblenden der Eltern wird kaschiert, dass Eltern der Krankenversicherung mehr einbringen, als sie und ihre Kinder zusammen an Kosten verursachen. Auf diese Art werden Familien zu Netto-Empfängern gerechnet, obwohl sie tatsächlich Netto-Zahler sind.”

Damit dürfte auch das Märchen aus der Welt sein, dass hier eine Familienförderung stattfindet und konsequenter Weise müsste dieser Posten auch aus den Aufstellungen des Familienministeriums über angebliche Familienleistungen gestrichen werden.

Die ganze Pressemitteilung mit Links zu der Studie finden Sie hier.
http://www.familienbund-bayern.de/19351.html



05.05.2013
Cölestin V. wird zum Papst gekrönt


Vor 700 Jahren Cölestin V. heiliggesprochen : Der zurückgetretene Papst

Vor dem 11. Februar 2013 war er nur Insidern bekannt. Nach der Rücktrittsankündigung von Benedikt XVI. gehörte er für zwei Wochen zu den meistgenannten Päpsten überhaupt: Cölestin V.

Der 1294 nach nur fünf Monaten zurückgetretene Nachfolger Petri gilt als einziger Papst, der vor Benedikt XVI. aus freien Stücken sein Amt niedergelegt hat. Vor 700 Jahren, am 5. Mai 1313, wurde der wegen seines asketischen und frommen Lebens auch als „Engelspapst» bezeichnete Eremit von Clemens V. (1305-14) heiliggesprochen - allerdings unter seinem bürgerlichen Namen Peter von Morrone. So sollte jeder Zweifel an der Gültigkeit des Rücktritts zerstreut werden.

Cölestin V. und Benedikt XVI. - zwei Päpste, die in den vergangenen Wochen oft in einem Atemzug genannt wurden. Wirklich vergleichbar sind die beiden Fälle jedoch nicht: Dort Peter von Morrone, ein einfacher Mann, der vor seiner Wahl als Einsiedler in den Bergen nahe dem italienischen Sulmona gelebt hat, eine Mönchsgemeinschaft gründete und die römische Kurie zuvor nur flüchtig kannte. Hier Benedikt XVI., ein Theologe von Weltrang, der vor seiner Wahl mehr als 20 Jahre an der Spitze der vatikanischen Glaubenskongregation stand.

Schlichtweg überfordert

Auch die Wahlen könnten unterschiedlicher kaum sein: Nachdem sich die zerstrittenen Kardinäle 27 Monate lang nicht auf einen Kandidaten einigen konnten, brachte der König von Sizilien und Neapel, Karl II. von Anjou, 1294 Peter von Morrone ins Spiel. Aus sehr eigennützigen Motiven. Andere Historiker sagen, die Kardinäle hätten aus Überdruss über die Pattsituation mit einem kühnen Schachzug das Papsttum erneuern wollen. Gewählt wurde der italienische Eremit in jedem Fall gegen seinen Willen - «per inspirationem», durch eine «formlose Spontanwahl». Peter von Morrone war zum Zeitpunkt seiner Wahl 85 Jahre, so alt wie Benedikt XVI. bei seinem Rücktritt. Und schließlich unterschieden sich auch die Gründe für den Schritt selbst: Benedikt XVI. begründete seine Entscheidung mit seinen nachlassenden Kräften.

Cölestin trat nach einhelligem Urteil der Historiker zurück, weil er schlichtweg überfordert war und dies erkannte. Die Geschichte des Einsiedler-Pontifikats ist schnell erzählt: Der in Verwaltungsangelegenheiten unerfahrene Cölestin zeigte sich sehr schnell seinem Amt nicht gewachsen und war von Anfang an eine Marionette Karls II. Weil der Monarch ihn unter seinen Fittichen haben wollte, residierte Cölestin nicht in Rom, sondern im Castello Nuovo in Neapel. In Rom herrschten derweil Chaos und Verwirrung.

Cölestin selbst sah schnell ein, dass er den Anforderungen auf dem Stuhl Petri nicht genügen konnte, und suchte Rat bei Kardinal Benedetto Caetani, einem berühmten Kirchenrechtler und späteren Papst Bonfifaz VIII. Als dieser ihm versicherte, dass sein Rücktritt kirchenrechtlich möglich sei, entschloss er sich zur Tat. Am 13. Dezember 1294 verlas er vor dem Kardinalskollegium seine Abdankungsformel und legte die päpstlichen Insignien ab.

Gestorben in Gefangenschaft

Benedikt XVI. hat Cölestin V. auffallend verehrt. Im März 2010, suchte er zum 800. Geburtsjahr Cölestins Reliquien im mittelitalienischen Sulmona auf. In dessen Nahbarschaft, im Morrone-Gebirge, lag Cölestins Einsiedelei. Zuvor hatte er im April 2009 am Grab seines Vorgängers in der Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila eine Ehrenstola, ein sogenanntes Pallium, niedergelegt. Dass Benedikt XVI. fast vier Jahre später dem Beispiel Cölestins folgen würde, ahnte damals freilich noch niemand. Darf ein Papst überhaupt zurücktreten? Anders als heute wurde diese Frage im Mittelalter auch schon vor dem Rücktritt Cölestins unter Gelehrten lebhaft diskutiert.

Damals herrschte die Auffassung vor, dass man ein Amt nur niederlegen könne, wenn der, der es verliehen hat, zustimmt. Für einen Papst hieß das: mit göttlichem Einverständnis. Die Frage war allerdings: Wie lässt sich das feststellen? Die Mehrheit der Kirchenrechtler argumentierte, dass der Willen Gottes allein durch den Mund des Papstes verkündet werden könne. Wenn dieser also seinen Rücktritt selbst erklärte, wäre er gültig. Um alle Zweifel an seinem Tun auszuräumen, veröffentlichte Cölestin V. überdies noch einen Erlass, der eine Abdankung des Papstes ausdrücklich für zulässig erklärte. Angezweifelt wurde die Rechtmäßigkeit seiner Entscheidung dennoch immer wieder.

Das unwürdige Schauspiel, das sich nach der Abdankung Cölestins bot, hat entscheidend dazu beigetragen, dass der Rücktritt eines Papstes in den folgenden 700 Jahren als nahezu undenkbar galt. Sein äußerst machtbewusster Nachfolger Bonifaz VIII. (1294-1303) nahm ihn gefangen und sperrte ihn im Turm von Castello Fumone ein. Er wollte verhindern, dass der zurückgetretene Papst zur Galionsfigur von Schismatikern werde. Anderthalb Jahre nach seiner Abdankung, am 19. Mai 1296, starb er in Gefangenschaft. Heiliggesprochen wurde Cölestin schließlich 1313 vor allem auf Drängen des französischen Königs Philipp IV.: Der Monarch führte einen posthumen Rachefeldzug gegen Bonifaz VIII.
Thomas Jansen
(KNA)


Wir sind nicht nur Zuschauer und Zaungäste eines großen Geschehens, vielmehr werden wir hineingenommen in das österliche Geheimnis von Erlösung und Heilung. Von Weihbischof Dominikus Schwaderlapp

Köln (kath.net) „Das Geheimnis der Eucharistie ist das größte Geschenk, das uns Gott auf Erden hinterlassen hat.“ Dies betonte der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp in seinem Vortrag über das Altarsakrament vor dem „Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung“ in Monheim. Er wies auch darauf hin, dass der vom 5.-9. Juni in Köln stattfindende Eucharistische Kongress dazu hinführen wolle, „dankbar diesen großen Schatz unseres Glaubens neu zu entdecken und in unserem Leben zu verankern“.

In diesem Zusammenhang bereite ihm aber „folgendes Phänomen weiterhin nachhaltig Sorgen. Die Schlangen vor den Kommunionbänken sind immer noch recht lang, aber vor den Beichtstühlen denkbar kurz.“

Der Vortrag "Die hl. Eucharistie – Sakrament der Demut Gottes" von Weihbischof Dr. Dominikus Schwaderlapp beim KKV in Monheim in voller Länge:

Veni Sancte Spiritus!

I.

In Nazareth in Galiläa, im heutigen Israel befindet sich die Verkündigungsbasilika. Sie ist über der sogenannten Verkündigungsgrotte gebaut, dort wo Maria dem Engel sagte: „Mir geschehe, wie du gesagt hast“(Lk. 1,38). Und in dieser Grotte befindet sich ein Altar, auf dem steht: „HIC verbum caro factum est“ – „HIER IST DAS WORT FLEISCH GEWORDEN“.

Dieser Ort ist für mich einer der beeindrucktesten Orte im ganzen Heiligen Land. Denn: Es ist der Ort, an dem Gott die Welt betreten hat. Es ist der Ort, der wie kaum ein anderer das einmalige, unverwechselbare Besondere des Christentums deutlich macht: Wir glauben an einen Gott, der nicht in der Weltferne thront, sondern herabgestiegen ist in diese Welt, um uns auf Augenhöhe zu begegnen.

Natürlich hätte er auch in Macht und Herrlichkeit, wie ein Blitz vom Himmel kommen können. Allerdings: der Macht unterwirft man sich zwar, doch man liebt sie nicht. Gott will aber nicht unsere Unterwerfung, sondern unsere Liebe. Und so begibt er sich in diese Welt, nimmt unser Menschsein an, ohne sein Gottsein zu verlieren: Er wird Mensch „in allem uns gleich, außer der Sünde“ (4. Eucharistisches Hochgebet)

Was in Nazareth im Augenblick der Verkündigung begonnen hat, das zieht sich wie ein roter Faden durch sein gesamtes irdisches Leben von Betlehem bis Golgotha. Seinen Lebensweg und seine Sendung hat Jesus Christus selbst in dem Wort zusammengefasst: „Der Menschensohn ist nicht gekommen um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“(Mk. 10,45)

Dieser rote Faden der Hingabe endet nicht auf Golgotha. Er führt über die Auferstehung und Himmelfahrt bis in die Gegenwart. Die hl. Eucharistie ist die Brücke vom Damals zum Heute. Die Menschwerdung in Nazareth setzt sich fort in jeder hl. Messe. Denn durch die Wandlung von Brot und Wein ist er auf jedem Altar, und in jedem Tabernakel genau so wirklich präsent wie damals in Betlehem, als er geboren oder auf Golgotha, als er gekreuzigt wurde.

„Ich bin bei Euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt. 28,20). Der Herr löst jeden Tag an unzähligen Orten dieser Welt sein Versprechen ein. „Der Menschensohn ist nicht gekommen um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen…“ Dieses Wort wird bei jeder Messe lebendige Gegenwart. Der Dienst Jesu in der Eucharistie ist mehr als der Sklavendienst, den er bei der Fußwaschung seinen Jüngern erweist. Die Demut Gottes in der Eucharistie übersteigt sogar noch seine Demut am Kreuz. Der hl. Thomas von Aquin formuliert es in seinem Hymnus „Gottheit tief verborgen“ so: „Einst am Kreuz verhüllte sich der Gottheit Glanz, hier ist auch verborgen deine Menschheit ganz“. War am Kreuz Jesu Menschheit noch sichtbar, so ist in den Gestalten von Brot und Wein nicht einmal mehr das der Fall.

Das Geheimnis der Eucharistie ist das größte Geschenk, das uns Gott auf Erden hinterlassen hat. Die Feier des Eucharistischen Kongresses in Köln im Juni dieses Jahres will uns dazu führen, dankbar diesen großen Schatz unseres Glaubens neu zu entdecken und in unserem Leben zu verankern.

So will ich heute Abend versuchen, mit Ihnen gemeinsam ein wenig tiefer in das unerschöpfliche Geheimnis der Eucharistie einzusteigen. Dabei soll mir als Leitfaden die 5. Strophe des erwähnten Hymnus des hl. Thomas von Aquin dienen:

„Denkmal, das uns mahnet an des Herren Tod,
du gibst uns das Leben, o lebendig Brot.
Werde gnädig Nahrung meinem Geiste du,
dass er deine Wonnen koste immerzu.“

Die Zeilen dieser Strophe machen drei wichtige Aussagen über das Geheimnis der Eucharistie: Die Heilige Eucharistie ist uns Mahnung, sie ist Nahrung und schließlich Wonne.

II.
1. Mahnung

„Denkmal, das uns mahnet an des Herren Tod.“ Die Heilige Eucharistie ist alles andere als eine harmlose Angelegenheit. Hier geht es nicht um brüderliches Mahl Halten oder oberflächliche Gemeinschaft. (In meiner Kindheit und Jugend wurde die Eucharistie nicht selten auf den Aspekt des brüderlichen Mahls reduziert, verbunden mit allen möglichen liturgischen Auswüchsen, die nichts mehr vom eigentlichem Geheimnis der Eucharistie erkennen ließen).

Halten wir uns die Szenerie des letzten Abendmahles vor Augen. Es findet am Abend vor seinem Leiden statt. Jesus hat sich danach „gesehnt“, mit seinen Jüngern dieses Mahl zu halten. Auch seine Worte machen deutlich, hier geht es um unendlich mehr als um ein Paschamahl: „Das ist mein Leib der für Euch hingegeben wird“ – „Das ist mein Blut das für Euch und für alle vergossen wird“(Liturgie).

Das was einen Tag später auf Golgotha geschieht, nimmt der Herr am Abend zuvor vorweg: Seinen geopferten Leib, sein vergossenes Blut gibt er seinen Aposteln als Speise und Trank.
In der Speise der Eucharistie schenkt uns der Herr das, was er auf Golgotha erwirkt hat: Liebe statt Sünde und Leben statt Tod.

Das Geschehen auf Golgotha sprengt die Zeit und wird lebendige Gegenwart: Damals am Kreuz, mit Leid und Qualen, heute jenseits von Qualen und Leid unter den demütigen Gestalten von Brot und Wein. Nicht das Abendmahl wird zur Gegenwart, sondern seine Lebenshingabe, sein Opfer am Kreuz. Die Eucharistie wird so zur Mahnung, nichts von dem zu vergessen, was der Herr auf sich genommen hat, um uns zu retten.

Wie können wir dieses unbegreifliche Opfer am Kreuz begreifen? Gibt es eine Antwort auf das Warum des Kreuzes? Folgender Vergleich mag helfen. Wenn ich Versöhnung suche nach Krach und Streit, dann tut mir das Geschehene „leid“. Ich erkenne: Das, was ich getan habe, war schlecht und ich leide daran. Wenn mir verziehen wird, dann nur deshalb, weil mir das Geschehene „leid“ tut. Jemanden um Vergebung zu bitten, ohne dass mir das Geschehene „leid“ tut, wäre nichts als Verhöhnung.

Schauen wir nun auf Jesus Christus: Ihm tun stellvertretend für alle Menschen aller Zeiten, alle Sünden dieser Welt buchstäblich „leid“. Alles Leid-tun dieser Welt nimmt er auf sich. Und weil er der Gottessohn ist, teilt er nicht nur unser Leid, sondern nimmt es an und verwandelt es. Unserer früherer Papst Benedikt XVI. drückt dies so aus: „Gott selbst richtet sich als Ort der Versöhnung auf und nimmt das Leid in seinem Sohn auf sich. Gott selbst schenkt seine unendliche Reinheit in die Welt hinein. Gott selbst „trinkt den Kelch“ alles Schrecklichen aus und stellt so das Recht wieder her durch die Größe seiner Liebe, die im Leid das Dunkle verwandelt.“ (Jesus von Nazareth II., S.256)



Bei der Priesterweihe überreicht der Bischof dem Neugeweihten Kelch und Patene und sagt dazu: „Bedenke, was du tust, ahme nach, was du vollziehst, und stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes“. Wir sind als Priester und Volk Gottes aufgerufen, die Heilige Eucharistie in großer Ehrfurcht zu feiern. Gewöhnen wir uns nie an dieses Geheimnis! Sorgen wir dafür, dass die Hl. Messe für uns nie zu oberflächlicher Routine wird! Dass wir sie feiern dürfen, kostete den Gottessohn das Leben. Wir leben vom Leben eines anderen. Wir leben vom Leben, dem Tod und der Auferstehung Jesu Christi. Die hl. Eucharistie ist daher: „Denkmal, das uns mahnet an des Herren Tod“.

2. Nahrung

„Du gibst uns das Leben, o lebendig Brot, werde gnädig Nahrung meinem Geiste du.“ Die Feier der Eucharistie ist nicht bloß Erinnerung und Gedächtnis an Vergangenes. Sie bewirkt lebendige und bleibende Gegenwart Jesu Christi unter den Gestalten von Brot und Wein. ER wird für uns zur Nahrung, ER wird für uns genießbar und verzehrbar. Wandlung ist kein Gedanke in unserem Kopf, sondern Geschehen an den Gaben – ein Geschehen allerdings, dass unser Verstand allein nicht erfassen kann. Hier bleiben uns nur die Worte des Hl. Thomas: „Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir, doch des Wortes Botschaft offenbart ich mir, was Gottes Sohn gesprochen, nehm ich glaubend an. Er ist selbst die Wahrheit die nicht trügen kann.“

Wenn wir uns aber auf diesen Glauben einlassen, dann begreifen wir: Was mit der Menschwerdung in Nazareth, der Geburt in Betlehem und dem Ostergeheimnis in Jerusalem begonnen hat, findet in der Hl. Eucharistie seine Verlängerung bis in die Gegenwart hinein. Der Gottessohn nimmt unser Menschsein an, um mit uns eins zu werden. Er will, dass wir mit ihm verschmelzen!

Mir hilft in diesem Zusammenhang folgender Gedanke: Wenn wir einen Menschen gern haben, dann möchten wir mit ihm zusammen sein, wir möchten mit ihm eins sein. Liebe will Einheit. Jede Umarmung ist ein Zeichen dieses Eins-sein-Wollens mit dem Menschen, den man gern hat. Christus umarmt uns nicht nur, um mit uns zusammen zu sein, er gibt sich uns als Speise! Und er tut dies, damit wir in ihm aufgehen. So offenbarte sich der Herr einmal dem Hl. Augustinus mit den Worten: „Nicht du wirst mich in dich verwandeln, sondern du wirst in mich gewandelt werden.“ (Confessiones, 7,10) Gott will unsere Vergöttlichung!

Welch unglaubliche, unfassbare und unübertreffbare Liebe, Zuwendung, Zuneigung und Hingabe zeigt Gott uns im Geschenk der Heiligen Eucharistie! Eigentlich müsste ein Sonntagsgebot überflüssig sein. Denn wir wären töricht, wenn wir dieses Geschenk unbeachtet liegen ließen. Und doch hat das Sonntagsgebot seinen Sinn. Es erinnert uns daran, dass es nicht nur eine Dummheit, sondern eine grobe Lieblosigkeit und Achtlosigkeit gegenüber diesem Geschenk Gottes wäre, es einfach unbeachtet bei Seite zu lassen.

Wenn wir uns dies vor Augen halten, bedeutet das aber auch: Wir dürfen nicht unbedacht und gedankenlos die heilige Kommunion empfangen. Herz und Verstand müssen vorbereitet sein.

In diesem Zusammenhang bereitet mir folgendes Phänomen weiterhin nachhaltig Sorgen. Die Schlangen vor den Kommunionbänken sind immer noch recht lang, aber vor den Beichtstühlen denkbar kurz. Hier kann etwas nicht stimmen! Entdecken wir wieder neu diese großen Schätze der göttlichen Barmherzigkeit die uns geschenkt sind, die Heilige Eucharistie und das Bußsakrament. Beide gehören zusammen.

Die Gestalten von Brot und Wein sind bescheiden und übersehbar. Damit wir aber nicht vergessen, wer es ist, der sich uns unter diesen Gestalten zeigt, gibt es Gesten und Zeichen der Ehrfurcht. Sie sind keineswegs nur äußerlich oder gar belanglos. Sie sind so etwas wie ein Wecker, der uns wachrüttelt. Dazu gehört die Kniebeuge vor dem Tabernakel beim Betreten der Kirche. Dazu gehört auch das Knien beim Eucharistischen Hochgebet, das Falten der Hände als Zeichen, dass wir uns zusammen nehmen und auf Gott hin orientieren. Dazu gehört auch die Atmosphäre der Stille und Andacht, die uns zur Sammlung vertieft. Dazu gehören auch die kostbaren Gefäße für die Eucharistischen Gestalten. Sie sind keine Prunksucht, sondern Zeichen unserer Überzeugung: Der, den diese Gefäße bergen, ist unendlich viel wertvoller, als alles Gold dieser Welt: „Du gibst uns das Leben, o lebendig Brot, werde gnädig Nahrung meinem Geiste du“.

3. Wonne

„Werde gnädig Nahrung meinem Geiste du, dass er deine Wonnen koste immerzu.“ Der Hl. Thomas bringt uns hier Entscheidendes in Erinnerung. Die heilige Kommunion ist ein Stück Himmel auf Erden. Und das ist etwas unbeschreiblich Beglückendes. Ja, es ist tatsächlich so: In der heiligen Kommunion halten wir ein Stück Himmel in den Händen.

Führen wir den Gedanken ein wenig fort: Indem wir also Christus in der Gestalt des Brotes begegnen, begegnen wir dem Himmel und damit auch all jenen, die dort sind. So kommen uns beispielsweise im Empfang der heiligen Kommunion auch all unsere lieben Verstorbenen sogar näher als zu ihren Lebzeiten. Ist das nicht eine Freude? Gibt uns das nicht inneren Trost und Frieden? Denn mit der Heiligen Eucharistie tragen wir den Himmel in uns, und keine Macht der Welt kann uns diesen Himmel nehmen.

Tief bewegt hat mich die Lebensgeschichte des verstorbenen Kardinals von Saigon in Vietnam Franz Xaver Nguyen Van Thuan. Wenige Tage nach seiner Amtseinführung als Erzbischof 1975 wurde er verhaftet und war über 13 Jahre für seinen Glauben in den Kerkern der Vietcong inhaftiert, davon 9 Jahre in Einzelhaft. Er schreibt darüber: „Nie werde ich meine große Freude in Worte fassen können: Mit drei Tropfen Wein und einem Tropfen Wasser in der hohlen Hand feierte ich Tag für Tag die Messe. Das war mein Altar, das war meine Kathedrale! ... Jesus in der Eucharistie war immer bei mir in der Tasche meines Hemdes… In der Nacht wechselten sich die Gefangenen schichtweise zur Anbetung ab. Der Eucharistische Jesus half durch seine stille Gegenwart in unvorstellbarer Weise: Viele Christen fanden zu einem glühenden, engagierten Glauben zurück. Ihr Zeugnis im Dienen und in der Liebe übte einen immer stärkeren Einfluss auf die anderen Gefangenen aus. Auch Buddhisten und andere Nichtchristen kamen zum Glauben. Die Kraft der Liebe Jesu war unwiderstehlich.“ (Hoffnung die uns trägt, 129-130)

Jeder Mensch sehnt sich nach Freude, nach Glückseligkeit, nach Wonne. Viele Menschen unserer Tage suchen sie in Konsumgütern, Zerstreuungen und an den exotischsten Orten dieser Welt. Doch das alles, was wir erhalten können, sind bestenfalls vorrübergehende Wonnen, die oft noch einen schalen Beigeschmack haben. Die Heilige Eucharistie ist eine Glückseligkeit die – einmal gefunden – nie vergeht. Sie trägt, auch wenn alle anderen Freuden am Schwinden sind. Wer die Heilige Eucharistie gefunden hat, hat die Liebe gefunden, und wer die Liebe gefunden hat, hat das Glück gefunden.

Erlauben Sie mir an dieser Stelle eine persönliche Bemerkung. Seit knapp 20 Jahren bin ich Priester, und ich bin dem Herrn für jeden Tag dieser zwanzig Jahre dankbar, auch wenn nicht jeder Tag ein Sonnentag war. Unter dem Strich habe ich sehr viel Frohmachendes, Beglückendes erlebt.

Das schönste Geschenk ist und bleibt für mich, dass ich jeden Tag die Heilige Messe feiern darf. Es ist beileibe nicht so, dass ich in jeder Messe extatische Erlebnisse hätte. Und mir geht es auch wie vielen, wenn nicht gar allen: Ich muss darum ringen, meine Gedanken zu sammeln und oft genug schweifen sie dennoch ab. Doch das alles ist zweitrangig. Der Herr weiß auch um unsere Zerstreutheit. Machen wir uns da keine Sorgen.

Eins steht für mich jedenfalls fest: Ohne die tägliche Feier der Heiligen Messe könnte ich nicht Priester sein. Die Heilige Messe ist ein Stück Himmel auf Erden und damit immer auch Wonne und Glückseligkeit – auch wenn die Gedanken abschweifen!

III.

„HIC verbum caro factum est“ – „HIER IST DAS WORT FLEISCH GEWORDEN“. Dieses HIER auf dem Altar in der Verkündigunsgrotte in Nazareth wird zum Hier und Heute, wenn wir die Heilige Eucharistie feiern. Gottes Weg zu uns ist ein Weg der Demut und des Sich-klein-Machens. Die Heilige Eucharistie sorgt dafür, dass wir nicht Zuschauer und Zaungäste dieses großen Geschehens sind. Wir werden hineingenommen in das österliche Geheimnis von Erlösung und Heilung. Wir sind jetzt schon – wie Paulus es sagt – „Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes“ (Eph. 2,19)

Die Heilige Eucharistie bedeutet für uns: Mahnung, Nahrung und Wonne. Was können wir tun, dass dieses große Geschenk für uns lebendige Wirklichkeit bleibt und wir es nicht achtlos liegen lassen? Einige Hinweise dazu:

An erster Stelle ist hier die Mitfeier der hl. Eucharistie selbst zu nennen und zwar möglichst häufig: wenigstens am Sonntag, aber womöglich auch an dem einen oder anderen Wochentag.

Sodann ist auch zu nennen die regelmäßige Beichte. Sie befreit uns nicht nur von Sünden, sondern verfeinert auch unser Gewissen. Und dann spüren wir schnell, wenn unser Herz sich klammheimlich von Christus entfernt.

Gerade im Hinblick auf die Heilige Eucharistie gibt es auch eine Fülle guter geistlicher Literatur. Angefangen von den päpstlichen Lehrschreiben bis hin zu den Texten großer geistlicher Lehrer.

Ein besonders wichtiges Element, die Liebe zu Christus in der Heiligen Eucharistie zu vertiefen, ist die eucharistische Anbetung: Das stille Verweilen vor dem Tabernakel oder gar vor dem ausgesetzen Herrn in der Monstranz. Das Dasein vor ihm verbindet uns immer tiefer mit ihm. Wir müssen nicht große Worte machen und kluge Gedanken fassen. Halten wir dem Herrn unser Herz hin, alles weitere tut er selbst.

Ein besonderes Geschenk ist vor diesem Hintergrund die Feier des Eucharistischen Kongresses im Juni in Köln. Betend feiern wir den Herrn in der Heiligen Eucharistie als Mittelpunkt unseres Glaubens. Beten wir darum, dass diese Tage für uns alle eine Quelle der Freude und der Erneuerung im Glauben werden.

AMEN.

+Dominikus Schwaderlapp
Weihbischof in Köln

kath.net dankt Weihbischof Dr. Dominikus Schwaderlapp für die freundliche Erlaubnis, diesen Vortrag zu veröffentlichen

Weitere Informationen: Eucharistischer Kongress

Foto: (c) Erzbistum Köln
http://www.kath.net/news/41065


Zu diesem Aktuell von Christa Meves nachfolgend der Link zu der Ausgabe von

ZENIT, "Die Welt von Rom aus gesehen".

http://www.zenit.org/article-25581?l=german

Liebe Freunde,
so schwer es fällt, es muss von mir als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin widersprochen werden!

Herzliche Frühlingsgrüße

Christa Meves

Meves aktuell

Die Bundesfraktion der Grünen will therapeutische Angebote verbieten lassen, die minderjährigen Homosexuellen helfen wollen, ihre sexuelle Orientierung zu ändern. Die Fraktion werde dazu einen eigenen Gesetzentwurf einbringen, erklärte der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion, Volker Beck. Nach dem Entwurf sollen Verstöße mit einer Geldbuße von mindestens 500€ geahndet werden. Soge­nannte „Konversionstherapien hätten „ein erhebliches gesundheitliches Risiko,“ so hieß es in der Verlautbarung - wie die WELT online berichtet. „Wenigstens Kinder und Jugendliche müssten davor geschützt werden“.

Das ist ein schockierendes Ansinnen gegenüber der Zunft der Kinder- und Jugendlichen­psychotherapeuten. Das Institut für Jugend und Gesellschaft in Reichelsheim hat deshalb am 20.3.13 mit einer Presseerklärung reagiert. Nach einer Zurückweisung “einer falschen und unsachlichern Terminologisierung und unzul­ässigen Verknüpfungen“ wird darin darauf hingewiesen, dass „ der Gesetzentwurf auf einen unzulässigen Eingriff in die gesetzlich gewährleistete Autonomie jeder Therapie zielt, deren Ziel und Methode zwischen Therapeut und Klient vereinbart werden.“ Die Verlautbarung von Volker Beck unterstelle, dass Therapeuten nicht fähig seien, das Anliegen und die Motivation von minderjährigen Kindern ange­messen einschätzen zu können. In einer Stellungsnahme des Bundesgesund­heitsministeriums von 2008 heiße es:

“Wenn homosexuell empfindende Menschen eine psychotherapeutische Behandlung wünschen oder in Anspruch nehmen, sind sie in der Wahl ihrer Therapie und ihres Therapeuten nicht eingeschränkt. Die Ziele einer Therapie werden grundsätzlich zwischen der Patientin oder dem Patienten und der Therapeutin oder dem Therapeuten vereinbart. Die Therapiefreiheit ist verfassungsrechtlich durch Artikel 5 Absatz 3, Satz 1 und Artikel 12 Absatz 1 Satz 1 des Grundgesetzes geschützt.“

Eine solche rechtliche Zusicherung der Therapiefreiheit des Bundesbürgers gewinnt angesichts des Vorschlags von Volker Beck an Gewicht. In der Praxis kommt es zwar selten – aber doch immer einmal wieder - vor, dass Eltern Beratung suchen, weil eins ihrer Kinder im Vor- und Grundschulalter ostentativ erklärt, es wolle kein Junge sein und kein Mann werden, sondern lieber eine Frau. Solche Wünsche verbergen sich häufig auch hinter den Aktionen solcher Kinder, Kleidungsstücke aus Mamas Wäsche heimlich an sich zu nehmen und damit zu schmusen. Manchmal ergibt sich die Aufdeckung dieser Tatbestände aber auch erst, nachdem die Kinder wegen anderer Verhaltensschwierigkeiten vorgestellt werden, besonders durch eine Renitenz gegen schulische Belange. Die allmählich gewonnene Vertrautheit des kleinem Patienten erst mit seinem Helfer während der Therapie führt dann zur Aufdeckung der Ursache des Problems. In solchen Fällen lässt sich meist eine unzureichende Identifikation des Jungen mit seinem Vater und nicht selten auch eine starke Verbundenheit mit der Mutter ausmachen, was meist in geschlechtsuntypischen Verhaltensweisen der Eltern ihre Ursache hat.

Wenn diese Zusammenhänge erkannt sind, ändert das Kind bei gezielter Mitarbeit der nahen Bezugspersonen – besonders aber des Vaters – meist in einer umso kürzeren therapeutischen Phase, je besser die Eltern mitarbeiten und je jünger das Kind ist umso rascher – seine Einstellung.. Dieses pflegt regelmäßig als eine seelische Entlastung sichtbar zu werden, eindeutig erkennbar in aufblühender Fröhlichkeit und Lernbereitschaft.

Die Behauptung von Volker Beck, dass die Festigung der sexuellen Identität des Kindes durch eine fachgerechte psychotherapeutische Einwirkung „Ängste, Isolation, Depressionen und eine Erhöhung der Selbstmordrate“ zur Folge habe, stellt die Fakten auf den Kopf. In der Praxis bestätigt sich gerade das Gegenteil.

Dieser Plan eines Übergriffs in eingebahnte Strukturen analytischer Kinder­psychotherapie und einer sogar besonders erfolgreichen Möglichkeit rechtzeitiger Wirksam­keit ist ein schockierendes Ansinnen einer politischen Gruppierung.

Es bedarf fachlicher Zurückweisung.

Es geht von der Behauptung einer vorhandenen allgemeinen Offenheit für sexuelle Orientierung aus, wie sie auch bei der Gender- Mainstreaming-Ideologie vertreten wird.

Aber die Hormonforschung kann dagegen belegen, dass die bereits bei der Zeugung festgelegte Unterschiedlichkeit des Geschlechts bereits beim Fötus - und zwar wenige Wochen nach der Zeugung - im Mutterleib aktiviert wird und schon dort Einfluss auf sich einprägende Wesensunterschiede zwischen Mann und Frau in das sich nun allmählich konstituierende Gehirn nimmt.

Christa Meves
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Helfen Sie mit, Fehlentwicklungen bei Kindern vorzubeugen. "Verantwortung für die Familie e.V." engagiert sich für die Zukunft unserer Kinder.

www.vfa-ev.de - www.christa-meves.de - www.ec
cm.de

Der ungläubige Thomas und die unentwegte Rivalität
Ein Gast aus Florenz

Von Elizabeth Lev

ROM, 29. April 2013 (ZENIT.org) - Während der Karwoche weilte in der „Galleria Borghese“, einem der Schmuckstücke Roms, ein regulärer Gast aus Florenz: die von Andrea del Verrocchio gefertigte Statuengruppe Christus und der Ungläubige Thomas, die gewöhnlich auf der „Via die Calzaiuoli“, der Hauptstraße von Florenz, anzutreffen ist. Unter Berninis mythologischen Skulpturengruppen von Pluto und Persephone oder Apollo und Daphne verbreitet sie ein Gefühl der Nüchternheit.

Um ein kleines Geheimnis zu verraten, ist der Ungläubige Thomas lange schon mein Favorit unter den Skulpturen in Florenz. Zu ihm fühle ich mich sogar mehr hingezogen als zum monumentalen David von Michelangelo. Er war mein Weggefährte, als ich mich als säkulare Kunsthistorikerin dem Reichtum des Glaubens näherte, als sich mir die wahre Schönheit der Renaissancekunst durch deren christliche Botschaft offenbarte. Das Faszinierende daran ist manifeste Erforschung des Zweifels und des Glaubens in der christlichen Kunst.

Die Fertigung und der Guss dieser beiden Statuen war ein gigantisches Projekt, das sich über einen Zeitraum von mehr als 15 Jahren erstreckte. Im Jahre 1466 erhielt die umtriebige Werkstatt von Andrea del Verrocchio (was wörtlich übersetzt bezeichnenderweise so viel wie „wahres Auge“ bedeutet) einen Auftrag vom Handelsgericht, einem aus sechs Richtern bestehenden und mit der Entscheidung von Streitfällen unter den Zünften betrauten Gremium, für den Palast der Zünfte „Orsanmichele“.

Dieses elegante Gebäude entlang der Hauptstraße von Florenz war ab dem 14. Jahrhundert von den berühmtesten Bildhauern der Republik geschmückt worden. In den 14 Nischen waren die Arbeiten Ghibertis, Donatellos und Nanni di Bancos ausgestellt. Für den damals 31-jährigen Verrocchio war dieser Auftrag der mit Abstand prestigereichste bisher. Die für das Werk vorgesehene Nische befand sich im Zentrum der Fassade. Zuvor hatte dort die Bronzeskulptur von St. Louis of Toulouse des legendären Donatello Platz gefunden, der im selben Jahr gestorben war.

Verrocchio entschloss sich zu einer Nachahmung der Leistung Lorenzo Ghibertis, dessen Bronzestatue von Johannes dem Täufer die benachbarte Nische ausfüllte und 1416 aus einem einzigen Guss geschaffen worden war. Jede Statue war mehr als zwei Meter groß, auf der Rückseite jedoch offen, sodass sie sich in die Nische einfügte und weniger Bronze benötigt wurde. In der „Galleria Borhgese“ ist es tatsächlich seltsam, zunächst fülligen, runden Figuren gegenüberzustehen und dann herumzugehen und auf der Rückseite einen klaffenden Hohlraum vorzufinden.

Im Gegensatz zu allen anderen für „Orsanmichele“ tätigen Bildhauern hat Verrocchio eine der ergreifendsten Erzählungen aus dem Johannesevangelium festgehalten:

„Thomas, genannt Didymus (Zwilling), einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.

Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht“ (Joh 20, 24-25).

Die Skulptur fängt jenen Augenblick ein, in dem Thomas, in der Nische tiefer gestellt, nach Jesus greift, seine Finger nur wenige Zentimeter von der Wunde entfernt haltend. Jesus hebt seinen Arm in die Höhe und entblößt seine Seite, um Thomas ein Berühren und Sehen zu ermöglichen. In einem der eindringlichsten künstlerischen Verarbeitungen von Christus in der Kunstgeschichte wirft Jesus einen von Traurigkeit und zugleich Mitgefühl erfüllten Blick auf Thomas hinab. Er versteht Thomas’ Bedürfnis zu begreifen, doch er begegnet dem Zweifel mit der Rüge, die auf dem Saum seines Gewandes geschrieben steht: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“ (Joh 20,29).

Dieses sanfte Gesicht hinterließ im Geist von Verrocchios Schüler Leonardo da Vinci, der das 30. Lebensjahr damals noch nicht vollendet hatte, eine unauslöschliche Spur und erfuhr im Christus beim Letzten Abendmahl, der seinen Jüngern den Verrat ankündigt, eine erneute Umsetzung.

Verrocchios Werkstatt brachte nicht nur Leonardo hervor, sondern auch Botticelli und Perugino. Jeder der Künstler nahm ein Stück des erlesenen Stils des Meisters auf seinen Weg mit. Mit den Faltenwürfen der Gewänder, der weichen Modellierung der Gesichter und anmutigen Gesten gibt das Werk Anlass zur friedlichen Kontemplation des Zweifels, nicht des gewalttätigen Kampfes.

Wenngleich das Werk als Sinnbild für die vom Gericht verlangten Nachweise betrachtet wird, ist seine Platzierung meines Erachtens bemerkenswert: Es befindet sich im Mittelteil der Vorderseite eines Gebäudes zwischen dem Palazzo Vecchio, dem Zentrum der Stadtverwaltung und Sitz des Handelsgerichtes und dem Dom, der Kathedrale von Florenz.

Verlässt man das geschäftige Stadtzentrum und begibt sich in Richtung Kirche, erweckt ein aus einer Nische hervortretender mit einer Sandale bekleideter Fuß als erstes Element der Gruppe die Aufmerksamkeit des Betrachters. Mit den Augen gespannt den Wellen der Faltenwürfe folgend, tritt man näher bis hin zu den Einbuchtungen der Nische und wird Zeuge des intimen Augenblicks zwischen Christus und Thomas, genannt Didymus, unserem Zwilling.

Es entsteht der Eindruck, als habe diese Gruppe an die Gläubigen Florentiner auf ihrem Weg hinaus aus der geschäftigen Welt der Gewichte, Maße und Überprüfungen die Einladung gerichtet, die weltliche Anschauung hinter sich zu lassen und sich für die durch den Glauben offenbarte Wahrheit zu öffnen.

***

Den Weg weisen

Diese lebendige Auseinandersetzung mit dem Zweifel, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte Kirchengeschichte zieht, beeindruckt mich stets aufs Neue, denn sie ist ein Zeichen für die Furchtlosigkeit wahren Glaubens.

Oft ist man versucht zu glauben, dass die Christen des Mittelalters gleich unwissenden Kindern den Lehren der Kirche blind Folge leisteten und aufgrund ihrer Einschüchterung zu eigenständigem Denken unfähig waren. Gläubige vergangener geschichtlicher Epochen werden häufig als verstandeslose Masse wahrgenommen, die Hühnerknochen als Reliquien verehrten, oder infolge der stundenlangen ihnen unverständlichen Gesänge eine Benebelung ihres Geistes erfuhren.

Nun mag es verwundern, dass in dieser Welt von Neo-Neandertalern der Bau von Kathedralen, die Wiederentdeckung der Bautechniken des alten Roms und die Erzeugung von Glasmalereien gelingen konnte, die selbst den erschöpftesten Reisenden in Blendung versetzen, Reisen von Großbritannien nach Syrien und Compostela unternommen wurden und Thomas Aquinas, Bonaventure und die ersten Universitäten hervorgegangen sind. Mit der Entdeckung der Erforschung der Realität des Zweifels dieser Welt erlebte ich jedoch gleichsam eine Erschütterung.

Die ersten Bilder des Ungläubigen Thomas entstanden bereits im fünften und sechsten Jahrhundert; in einer Zeit, da die Häresie des Arius Überhand zu nehmen schien. Ikonen erinnern an Thomas’ Bedürfnis nach Gewissheit während der turbulenten Zeitalter der Eroberung einst christlicher Länder durch den Islam.

Einige Zeitgenossen Verocchios schufen ebenso Darstellung von Thomas und Christus; das Thema des Zweifels erlebte jedoch mit der Reformation eine durchschlagende Wiederkehr. Im Jahre 1601 hinterließ Caravaggio der Nachwelt eine unvergessliche Version der Begegnung, bei der Thomas die von der Lanze zugefügte Wunde mit seinem Finger erkundet, wobei Christus selbst seine Hand führt. Die anderen Apostel drängen sich dicht an die Szene, um sie mitverfolgen zu können. Unterhalb des Thomas hat der Künstler hat sogar einen Platz für den Betrachter vorgesehen.

Das Mittelschiff der Lateranbasilika, der Kathedrale Roms und ältesten Kirche des Christentums, ist gesäumt von Statuen der Apostel aus dem 18. Jahrhundert. Auf die meisten Besucher üben die grauenvolle Haut des hl. Bartholomäus oder die sich in der gebeugten Haltung spiegelnde Inbrunst des hl. Matthäus besondere Anziehungskraft aus. Lässt man den Blick jedoch entlang des Mittelschiffes schweifen, so erkennt man nur eine Figur, die sich aus der Nische herausragt. Wie der Fuß der von Verrocchio angefertigten Skulpturengruppe hält die von Pierre le Gros geschaffene Marmorstatue des Thomas ihren berühmten ausgestreckten Finger in das Mittelschiff hinein. Während unseres Rundgangs durch das Mittelschiff geraten wir wie in unserem Leben ins Zweifeln und ins Wanken, doch da steht Thomas, der gesehen hat und glaubt, und den Weg zu seinem Herrn und seinem Gott weist (vgl. John 20,28).

Ich werde häufig um Informationen zu Reliquien, deren Authentizität und Herkunft gebeten. Letztlich führt dies hin zur Frage nach meiner Lieblingsreliquie. Sie ist in der Kirche „Santa Croce in Gerusalemme“ in einem Glaskasten im für die Passionsreliquien vorgesehenen Marmorschrein untergebracht. Neben dem Fragment des Kreuzes Jesu, seiner Holztafel (dem „titulus“) und den Nägeln und Dornen befindet sich dort auch ein kleines Behältnis mit dem Finger des Thomas, der allgegenwärtigen Versuchung des Zweifels.

In seiner „Einführung in das Christentum“ schrieb der emeritierte Papst Benedikt und damalige Kardinal Ratzinger, dass diese Ungewissheit, diese „unbeendbare Rivalität zwischen Zweifel und Glauben“ Gläubige und Nichtgläubige vereinen könne und „zum Ort der Kommunikation“ werde. Der Zweifel, so Ratzinger, bewahre beide vor dem Genuss der vollkommenen Selbstzufriedenheit; er öffne den Gläubigen für den Zweifler und den Zweifler für den Gläubigen. Letztlich rette er beide Seiten vor einer Einschließung in der eigenen Welt.

Thomas war vielleicht nicht der Fürst oder der von Jesus am meisten geliebte unter den Apostel, doch wir sind ihm, unserem „Zwilling“, zu tiefen Dank verpflichtet.



Kein Sex vor der Ehe? Münchner Moraltheologe beklagt beim ZdK-Treffen ernsthaft eine Verengung der sexualethischen Diskussionen auf das Raster "Ehe oder Nicht-Ehe" und möchte die Sexualmoral überdenken

Münster (kath.net/KNA/red)
Die katholische Kirche hat im Bereich ihrer Sexualethik ein erhebliches Glaubwürdigkeitsproblem. Dies behauptete bei der Frühjahrsvollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) zumindest der Münchner Moraltheologen Konrad Hilpert (Foto) und meinte, dass "leidige Diskrepanz zwischen amtlichen Forderungen und gelebten inneren Überzeugungen des Großteils der Gläubigen" gäbe. Hilpert wandte sich dagegen, das in der Kirche über Sexualität von der übergeordneten Position des Besserwissens und «im Gestus des Belehrens» gesprochen werde. Vielmehr müsse der Grundsatz des Fragens und Lernens gelten und ein Sprachmodus herrschen, der die Erfahrungen und Überzeugungen der Menschen einbeziehe.

Der Theologe beklagte eine Verengung der sexualethischen Diskussionen auf das Raster "Ehe oder Nicht-Ehe". Statt "detaillierte Verbotsnormen" vorzugeben, müsse die Sexualmoral unter dem Stichwort "Beziehungsethik" gesehen werden. Dann sei Sexualität eine "spezielle Art von Kommunikation", in der personale Güter wie Zuneigung, Wertschätzung, Fürsorge, Annahme und Trost mitgeteilt werden. Dabei gehe es weniger um die Bestimmung der Grenzen, «innerhalb der Befriedigung erlaubt und jenseits der sie verboten ist», sondern um Verantwortung für Menschen, denen man emotional und leiblich nahekomme. «Sexualethik muss also von den Beziehungen her gedacht und ausgestaltet werden und nicht umgekehrt», sagte Hilpert. Dieser Perspektivenwechsel sei anspruchsvoll und erfordere, dass Beziehungen gestaltet und gefördert werden.

Kontakt Prof. Hilpert

Auszüge aus dem Katechismus der Katholischen Kirche über die Lehren der Kirche zu Sexualität und Ehe:

2360 Die Geschlechtlichkeit ist auf die eheliche Liebe von Mann und Frau hingeordnet. In der Ehe wird die leibliche Intimität der Gatten zum Zeichen und Unterpfand der geistigen Gemeinschaft. Das Eheband zwischen Getauften wird durch das Sakrament geheiligt.

2361 „Infolgedessen ist die Sexualität, in welcher sich Mann und Frau durch die den Eheleuten eigenen und vorbehaltenen Akte einander schenken, keineswegs etwas rein Biologisches, sondern betrifft den innersten Kern der menschlichen Person als solcher. Auf wahrhaft menschliche Weise wird sie nur vollzogen, wenn sie in jene Liebe integriert ist, mit der Mann und Frau sich bis zum Tod vorbehaltlos einander verpflichten" (FC 11).

2366 Die Fruchtbarkeit ist eine Gabe, ein Zweck der Ehe, denn die eheliche Liebe neigt von Natur aus dazu, fruchtbar zu sein. Das Kind kommt nicht von außen zu der gegenseitigen Liebe der Gatten hinzu; es entspringt im Herzen dieser gegenseitigen Hingabe, deren Frucht und Erfüllung es ist. Darum lehrt die Kirche, die „auf der Seite des Lebens" steht (FC 30), „daß jeder eheliche Akt von sich aus auf die Erzeugung menschlichen Lebens ausgerichtet bleiben muß" (HV 11). „Diese vom kirchlichen Lehramt oft dargelegte Lehre gründet in einer von Gott bestimmten unlösbaren Verknüpfung der beiden Bedeutungen - liebende Vereinigung und Fortpflanzung -‚ die beide dem ehelichen Akt innewohnen" (HV 12) [Vgl. Pius Xl., Enz. „Casti connubii"].

2368 Ein besonderer Aspekt dieser Verantwortung betrifft die Empfängnisregelung. Aus berechtigten Gründen dürfen die Eheleute für Abstände zwischen den Geburten ihrer Kinder sorgen wollen. Es ist an ihnen, zu prüfen, ob ihr Wunsch nicht auf Egoismus beruht, sondern der angebrachten Großmut einer verantwortlichen Elternschaft entspricht. Außerdem werden sie ihr Verhalten nach den objektiven Maßstäben der Sittlichkeit regeln:

2370 Die zeitweilige Enthaltsamkeit sowie die auf Selbstbeobachtung und der Wahl von unfruchtbaren Perioden der Frau beruhenden Methoden der Empfängnisregelung [Vgl. HV 16] entsprechen den objektiven Kriterien der Moral. Diese Methoden achten den Leib der Eheleute, ermutigen diese zur Zärtlichkeit und begünstigen die Erziehung zu echter Freiheit. Hingegen „ist jede Handlung verwerflich, die entweder in Voraussicht oder während des Vollzuges des ehelichen Aktes oder im Anschluß an ihn beim Ablauf seiner natürlichen Auswirkungen darauf abstellt, die Fortpflanzung zu verhindern, sei es als Ziel, sei es als Mittel zum Ziel" (HV 14).

Mit Material der (C) 2013 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.
Foto Konrad Hilpert: © Ludwig-Maximilians-Universität München





Domkapitular Markus Hofmann, Regens des Kölner Priesterseminars, über die Gebetsinitiative für den Eucharistischen Kongress/Köln: „Maria zeigt uns, wie wir uns dem Geheimnis der hl. Eucharistie nähern sollen“ – kath.net-Interview von Petra Lorleberg

Köln-Stuttgart (kath.net/pl) „Maria zeigt uns, wie wir uns dem Geheimnis Gottes und dem Geheimnis der hl. Eucharistie nähern sollen: schweigend, staunend, fragend, voll Freude und dankbar.“ Dies sagt Domkapitular Monsignore Dr. Markus Hofmann, der Regens des Kölner Priesterseminars, im kath.net-Interview über die Gebetinitiative „Mit Maria zu Jesus“. Die 33-tägige Gebetsaktion möchte das bevorstehende Großereignis, den Nationalen Eucharistischen Kongress in Köln (5.-9.Juni), schon im Vorfeld geistlich mittragen. Die Vertiefung der eigenen marianischen Frömmigkeit führt nach Überzeugung von Monsignore Hofmann direkt zur Christusfrömmigkeit und zur eucharistischen Frömmigkeit hin, denn „es gibt keine weisere und geeignetere Lehrerin für das unfassbare Geheimnis der hl. Eucharistie“ als Maria.

kath.net: Monsignore Dr. Hofmann, mit dem Aufruf zu einer 33-tägigen Gebetsinitiative zeigen Sie die Richtung und die Haltung an, in der das Geheimnis des Glaubens betrachtet werden muss. Wie kam diese Eingebung zustande? Aus welcher Tradition schöpfen Sie?

Monsignore Markus Hofmann: Der Gedanke kam beim Gebet für die Vorbereitungen des Eucharistischen Kongresses, der vom 5.-9. Juni in Köln stattfindet. Diese großartige Gelegenheit zur Erneuerung der Kirche von ihrem Zentrum her, von Jesus Christus selbst, wird nicht in erster Linie mit organisatorischen Mitteln zu einem „Erfolg“ werden – so nötig diese auch sind -, sondern vor allem durch eine gute geistliche Vorbereitung.

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Als der Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, am 8. Dezember 2004 den Weltjugendtag der Gottesmutter Maria anvertraut hatte, da war ich von diesem Abend an sicher: jetzt wird der Weltjugendtag gelingen. Die damals zunehmende Sorge, ob der gesundheitlich schon sehr angeschlagene Heilige Vater, Papst Johannes Paul II., nach Köln kommen würde, wich der Gewissheit: egal wie, das wird gut gehen, denn diese Frage ist jetzt in die Hände der Mutter gelegt worden, und sie wird es richtig machen. – Und wie großartig hat sie die ganze Angelegenheit gelöst: Köln war der erste Weltjugendtag mit zwei Päpsten: mit Johannes Paul II., der „von oben“ aus teilnahm und mit seinem Nachfolger auf Erden, Benedikt XVI., der ausgerechnet als erster Papst nach fast 400 Jahren aus Deutschland kam und seine erste Auslandsreise zum Weltjugendtag nach Köln unternahm!

Wer könnte also besser die geistliche Vorbereitung des Eucharistischen Kongresses in Köln 2013 in die Hand nehmen, als die Mutter Jesu und unsere Mutter?

Kein Mensch stand Christus auf Erden näher als Maria. Aus ihrem Schoß hat er sich den Leib gebildet, den er am Kreuz für uns hingab und den er uns in der hl. Eucharistie als lebendige Speise schenkt.

Keiner der Zeitgenossen Jesu hat ihn tiefer verstanden als seine Mutter, niemand hatte einen größeren und treueren Glauben an Christus und seine Verheißungen als sie, die der selige Johannes Paul II. die „eucharistische Frau“ (Enzyklika, Ecclesia de Eucharistia Nr.53 ) nennt.

Es gibt keine weisere und geeignetere Lehrerin für das unfassbare Geheimnis der hl. Eucharistie als sie.

Mit ihren Worten bei der Hochzeit zu Kana „Was er euch sagt, das tut“, ermutigt Maria uns, dem Wort ihres Sohnes zu vertrauen, auch wenn die menschliche Erfahrung dagegen zu sprechen scheint. Derselbe Jesus, der in Kana Wasser in echten und guten Wein gewandelt hat, der ist auch fähig, Brot und Wein wirklich in seinen Leib und sein Blut zu wandeln und sich selbst uns als Speise zum ewigen Leben zu schenken (vgl. Ecclesia de Eucharistia Nr. 54).

kath.net: Wie ist der 33-tägige Gebetsweg an der Hand Mariens aufgebaut?

Monsignore Hofmann: Wir laden ein, jeden Tag etwa 10-12 Minuten dem Gebet und einer kleinen Betrachtung eines zentralen Inhalts des katholischen Glaubens zu widmen, um so den Eucharistischen Kongress geistlich an der Hand Mariens vorzubereiten. Auf das Kreuzzeichen und die Anrufung des Hl. Geistes mit dem Lied „Komm, Heilger Geist, der Leben schafft“ (Gotteslob Nr. 241) folgt eine kurze Katechese von etwa einer halben Seite. Dann schließt sich ein Rosenkranzgesätz an, das mit dem ältesten bekannten Mariengebet abgeschlossen wird: „Unter deinem Schutz und Schirm“.

Alle Texte für die einzelnen Tage sind auf der Homepage www.mit-maria-zu-jesus.de zu finden.

Alternativ dazu ist es natürlich auch möglich, anstelle der Katechesen einige Artikel aus dem Katechismus der Katholischen Kirche zu lesen und zu bedenken. Dies ist vor allem für diejenigen Personen interessant, die keinen Zugang zum Internet haben. Im Oktober 2002 wurde der Katechismus der Katholischen Kirche veröffentlicht. Das 20 jährige Jubiläum dieser reifen Frucht des II. Vatikanischen Konzils war neben der Eröffnung des Konzils vor 50 Jahren ein wesentlicher Grund für die Ausrufung des Jahres des Glaubens, in dem wir zurzeit stehen.

kath.net: Wer kann mitmachen? Ist es möglich, auch jetzt noch einzusteigen?

Monsignore Hofmann: Mitmachen kann grundsätzlich jeder, der mit Maria zu Jesus gehen möchte. Auch wer nicht schon am 16. April (dem Geburtstag von Benedikt XVI.) mit den 33 Tagen begonnen hat, kann selbstverständlich noch einsteigen.

Wer später gestartet ist, kann nach dem offiziellen Abschluss 18. Mai, dem Vorabend des Pfingstfestes (und dem Geburtstag des seligen Papstes Johannes Pauls II.), die entsprechenden Tage anhängen.

kath.net: MUSS man an der Abschlussveranstaltung teilnehmen können?

Monsignore Hofmann: Die Abschlussveranstaltung in Köln findet am 18. Mai um 20.00 Uhr in der Kirche St. Mariä Himmelfahrt (Marzellenstrasse) statt, die unmittelbar am Kölner Hauptbahnhof und wenige Minuten vom Kölner Dom entfernt liegt. Joachim Kardinal Meisner wird dabei die Weihe an die Gottesmutter gemeinsam mit all denen vollziehen, die sich dieser Weihe anschließen möchten.

Das ist für diejenigen, die nicht dorthin kommen können, natürlich auch im Geiste möglich. Herzlich willkommen sind dabei auch alle Personen, die die 33 Tage selbst nicht mitbeten, aber an dieser Betstunde mit Marienweihe teilnehmen möchten.

kath.net: Sind nur Beter aus der Erzdiözese Köln angesprochen?

Monsignore Hofmann: Wir haben inzwischen schon Mitbeter aus ganz Deutschland und darüber hinaus: von Osnabrück im Norden bis zum Chiemsee, ja bis in die Schweiz und Südtirol im Süden.

Aus Belgien, den Niederlanden und Kaiserslautern im Westen bis nach Berlin und der Steiermark im Osten.

Aus fast allen Diözesen Deutschlands haben sich über die Interneteite Personen gemeldet, die teilnehmen – und ich weiß von vielen, die darüber hinaus mit dabei sind, ohne sich offiziell angemeldet zu haben.

kath.net: Mit Maria zu Jesus: In Ihrer Homepage zitieren Sie den hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort. Papst Johannes Paul II. schreibt: Für St. Louis-Marie ist wahre Marienverehrung letztlich immer auf Christus bezogen und wird dadurch zu einem privilegierten Mittel ‚Jesus ganz zu finden, ihn zärtlich zu lieben und ihm treu zu dienen‘ (Traktat, 62)“. Wie kann die Gottesmutter Maria die Menschen wieder näher zur Eucharistie bringen?

Monsignore Hofmann: Maria zeigt uns, wie wir uns dem Geheimnis Gottes und dem Geheimnis der hl. Eucharistie nähern sollen: schweigend, staunend, fragend, voll Freude und dankbar. Das waren ihre Haltungen beim Empfang des Sohnes Gottes in ihrem Schoß und bei seiner Geburt in Bethlehem. Der selige Papst Johannes Paul II. verweist (Ecclesia de Eucharistia 555) auf die Analogie zwischen dem Glauben Mariens an die Fleischwerdung des Wortes Gottes und den gläubigen Empfang desselben Wortes unter den Gestalten von Brot und Wein. Das „Fiat“ Mariens und das“ Amen“ des Kommunizierenden sind miteinander verwandt.

Wer hat sich mehr um den Leib Christi in seinem irdischen Leben gesorgt als Maria? Wer hat mehr gelitten als sie bei der Verletzung der Würde Jesu? Darum können wir von ihr auch die Wiedergewinnung der rechten Ehrfurcht vor dem eucharistischen Leib Christi lernen.

kath.net: Herr Regens, Kardinal Meisner hat einmal gesagt: Wo die Marienverehrung lebendig ist, wachsen auch Priesterberufungen. Ist das auch Ihre Beobachtung?

Monsignore Hofmann: Das kann ich bestätigen. In Indien oder in Nigeria, wo die katholischen Familien täglich gemeinsam den Rosenkranz beten, sind die Priesterseminar voll.

Aus denjenigen Pfarrgemeinden und geistlichen Gemeinschaften , die eine lebendige und gesunde Marienverehrung pflegen, kommen die meisten Berufungen zum Priestertum in Deutschland.

Das ist auch gar nicht erstaunlich, denn Maria möchte immer zu Christus führen. Sie hilft, ihn tiefer zu verstehen, zu lieben und ihm voll Vertrauen zu folgen; so wie sie es schon unter dem Kreuz für den Jünger getan hat, den Jesus liebte und sterbend mitgab: „Das ist jetzt deine Mutter!“

Wer dem Beispiel dieses Jüngers folgt, wer Maria in sein Leben hineinnimmt und täglich den Umgang mit ihr pflegt, dem stellt sich dann auch die Frage: „Was will Jesus von mir? Was traut er mir zu? Wie kann ich ihm ähnlich werden?“

kath.net: Der geistliche Gebetsweg an der Hand Mariens endet am Samstag vor Pfingsten mit einer feierlichen Marienweihe durch den Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner. Wie geht es dann weiter, auf dem Kongress und danach?

Monsignore Hofmann: Das muss vor allem die Gottesmutter in die Hand nehmen. Auf dem Kongress sollten nach Möglichkeit viele Teilnehmer der Gebetsinitiative und –gemeinschaft selbst sehen und miterleben, wie ihr Gebet Früchte trägt.

Nach der Weihe geht es darum, dass jeder einzelne mit der Hilfe Gottes in seinem Leben das zu verwirklichen sucht, was er in der Weihe ausspricht: an der Hand Mariens Christus näher zu kommen. Das geschieht durch das regelmäßige Gebet um die Fürsprache Mariens sowie das Streben nach ihren Tugenden: vor allem Glaube, Hoffnung und Liebe in den tausend Kleinigkeiten des Alltags.

Ob sich dann Weiteres daraus ergibt, werden wir sehen und legen es in die Hände und in das Herz der Gottesmutter Maria.

kathTube-Foto: Monsignore Dr. Markus Hofmann und kath.net-Redakteurin Petra Lorleberg



29. April 2013, 10:20 Eine Frau mit einer herausragenden Rolle in der Kirchengeschichte



Benedikt XVI. sagte 2010 über die hl. Katharina von Siena: „Auch heute zieht die Kirche großen Nutzen aus der geistlichen Mutterschaft vieler Frauen, die – geweiht oder im Laienstand – in den Seelen den Gedanken an Gott nähren“

Rom (kath.net) Am heutigen Festtag der heiligen Katharina von Siena, Kirchenlehrerin und Mitpatronin Europas, veröffentlichen wir die Katechese von Papst Benedikt XVI., die er bei der Generalaudienz am 24. November 2010 über sie gehalten hat.


Liebe Brüder und Schwestern!

Heute möchte ich über eine Frau sprechen, die eine herausragende Rolle in der Kirchengeschichte hatte. Es handelt sich um die hl. Katharina von Siena. Das Jahrhundert, in dem sie lebte – das 14. Jahrhundert –, war eine schwierige Zeit für das Leben der Kirche und der ganzen Gesellschaftsstruktur in Italien und in Europa.

Doch der Herr lässt auch in Augenblicken großer Schwierigkeiten nicht ab, sein Volk zu segnen, indem er heilige Männer und Frauen erweckt, die den Verstand und das Herz aufrütteln und Bekehrung und Erneuerung bewirken.

Katharina ist eine von ihnen, und auch heute noch spricht sie zu uns und spornt uns an, mutig den Weg zur Heiligkeit zu beschreiten, um in immer vollkommenerer Weise Jünger des Herrn zu sein.

Sie wurde 1347 in Siena in einer sehr kinderreichen Familie geboren und starb 1380 in Rom. Im Alter von 16 Jahren trat sie, von einer Vision des hl. Dominikus veranlasst, in den weiblichen Zweig des Dritten Ordens der Dominikaner, den so genannten »Mantellaten« ein.

Sie blieb in der Familie, bekräftigte das Gelübde der Jungfräulichkeit, das sie bereits als Heranwachsende in privater Form abgelegt hatte, und widmete sich dem Gebet, der Buße und den Werken der Nächstenliebe, vor allem zum Wohl der Kranken.

Als der Ruf ihrer Heiligkeit sich verbreitete, führte dies zu einer intensiven Tätigkeit geistlicher Beratung für Menschen aller Stände: Adlige und Staatsmänner, Künstler und Menschen aus dem Volk, geweihte Personen, Kleriker, einschließlich Papst Gregors XI., der zu jener Zeit seinen Sitz in Avignon hatte und den Katharina nachdrücklich ermahnte, nach Rom zurückzukehren.

Sie reiste viel, um die innere Reform der Kirche anzuregen und den Frieden zwischen den Staaten zu fördern: Auch aus diesem Grund erklärte der ehrwürdige Diener Gottes Johannes Paul II. sie zur Mitpatronin Europas. Der alte Kontinent sollte niemals die christlichen Wurzeln vergessen, die seinem Weg zugrunde liegen, und auch weiterhin aus dem Evangelium die Grundwerte schöpfen, die Gerechtigkeit und Eintracht gewährleisten.

Katharina hatte viel zu erleiden, wie viele Heilige. Einige misstrauten ihr so sehr, dass das Generalkapitel der Dominikaner sie 1374, sechs Jahre vor ihrem Tod, sogar nach Florenz beorderte, um sie zu prüfen.

Ihr wurde ein gelehrter und demütiger Ordensmann zur Seite gestellt, Raimund von Capua, später Generalmagister des Ordens. Er wurde ihr Beichtvater und auch ihr »geistlicher Sohn« und schrieb eine erste vollständige Biographie der Heiligen. Sie wurde 1461 heilig gesprochen.

Die Lehre Katharinas, die nur mit Mühe lesen lernte und erst als Erwachsene schreiben konnte, ist im „Dialog der göttlichen Vorsehung“ oder „Buch der göttlichen Lehre“, einem Meisterwerk der geistlichen Literatur, in ihren Briefen und in der Sammlung ihrer Gebete enthalten.

Ihre Lehre ist mit einem solchen Reichtum ausgestattet, dass der Diener Gottes Paul VI. sie 1970 zur Kirchenlehrerin erklärte. Diesen Titel erhielt sie zusätzlich zu dem der Mitpatronin der Stadt Rom, der dem Wunsch des sel. Pius IX. entsprach, und dem der Patronin Italiens, den der ehrwürdige Diener Gottes Pius XII. ihr zuerkannte.

In einer Vision, die aus Katharinas Herz und Verstand nie mehr ausgelöscht wurde, brachte die Gottesmutter sie zu Jesus, der ihr einen wunderschönen Ring schenkte und zu ihr sagte: »Ich, dein Schöpfer und Erlöser, vermähle dich mit mir im Glauben, den du stets rein bewahren sollst, bis du im Himmel mit mir deine ewige Hochzeit feierst « (vgl. Raimund von Capua, S. Caterina da Siena, Legenda maior, Nr. 115).

Jener Ring blieb nur für sie selbst sichtbar. In diesem außergewöhnlichen Ereignis wird der lebendige Mittelpunkt von Katharinas Religiosität und jeder echten Spiritualität deutlich: die Christozentrik. Christus ist für sie gleichsam der Bräutigam, zu dem eine Beziehung der Innerlichkeit, der Gemeinschaft und der Treue besteht; er ist das über alles geliebte Gut.

Diese tiefe Vereinigung mit dem Herrn wird durch ein anderes Ereignis aus dem Leben dieser bedeutenden Mystikerin erläutert: den Herzenstausch. Raimund von Capua zufolge, der das darlegt, was Katharina ihm anvertraut hat, erschien ihr der Herr mit einem leuchtend roten menschlichen Herzen in der Hand, öffnete ihre Brust, legte es dort hinein und sagte: »Liebste Tochter, so wie ich jüngst das Herz genommen habe, das du mir schenken wolltest, so schenke ich dir jetzt das Meinige; von jetzt an wird es den Platz einnehmen, an dem das Deinige war« (ebd.). Katharina hat wirklich die Wortes des hl. Paulus gelebt: »nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir« (Gal 2,20).

Wie die Heilige aus Siena verspürt jeder Gläubige das Bedürfnis, sich die Empfindungen des Herzens Christi zu eigen zu machen, um Gott und den Nächsten so zu lieben, wie Christus liebt.

Und wir alle können unser Herz verwandeln lassen und lernen, wie Christus zu lieben, in Vertrautheit mit ihm, die genährt wird vom Gebet, von der Betrachtung des Wortes Gottes und von den Sakramenten, vor allem durch den häufigen und ehrfürchtigen Empfang der heiligen Kommunion. Auch Katharina gehört zu jener Schar eucharistischer Heiliger, die ich am Ende meines Apostolischen Schreibens Sacramentum caritatis (vgl. Nr. 94) erwähnt habe.

Liebe Brüder und Schwestern, die Eucharistie ist eine außerordentliche Liebesgabe, die Gott uns immer wieder schenkt, um unserem Glaubensweg Nahrung zu geben, unsere Hoffnung zu stärken, unsere Liebe zu entflammen, um uns ihm immer ähnlicher zu machen.

Um eine so starke und authentische Persönlichkeit bildete sich eine echte geistliche Familie: Menschen, die von der sittlichen Autorität dieser jungen Frau mit sehr hohem Lebensniveau angezogen waren. Manchmal waren sie auch beeindruckt von den mystischen Phänomenen, denen sie beiwohnten, wie den häufigen Ekstasen.

Viele stellten sich in ihren Dienst und betrachteten es vor allem als Privileg, von Katharina geistlich geleitet zu werden. Sie nannten sie »Mama«, denn als geistliche Kinder erhielten sie von ihr die Nahrung des Geistes.

Auch heute zieht die Kirche großen Nutzen aus der geistlichen Mutterschaft vieler Frauen, die – geweiht oder im Laienstand – in den Seelen den Gedanken an Gott nähren, den Glauben der Menschen stärken und das christliche Leben auf immer größere Höhen ausrichten.

An einen ihrer geistlichen Söhne, den Kartäuser Giovanni Sabatini, schreibt Katharina: »Ich bezeichne Euch als Sohn, da ich Euch durch ständiges Gebet und Verlangen im Angesicht Gottes gebäre, so wie eine Mutter ihr Kind gebiert« (Brief Nr. 141: An Giovanni Sabbatini). Den Dominikaner Bartolomeo de Dominici redete sie gewöhnlich mit folgenden Worten an: »Liebster Bruder und Sohn in Christus, dem liebreichsten Jesus«.

Ein weiterer Zug von Katharinas Spiritualität ist mit der Gabe der Tränen verbunden. Sie sind Ausdruck einer feinfühligen und tiefen Sensibilität, einer Fähigkeit zur inneren Ergriffenheit und zur liebevollen Zuneigung.

Nicht wenige Heilige hatten die Gabe der Tränen und äußerten damit erneut die innere Bewegtheit Jesu, der vor dem Grab des Freundes Lazarus und dem Schmerz Marias und Martas sowie beim Anblick von Jerusalem in seinen letzten irdischen Tagen seine Tränen nicht zurückgehalten und versteckt hat.

Katharina zufolge vermischen sich die Tränen der Heiligen mit dem Blut Christi, von dem sie in leidenschaftlichem Ton und mit sehr ausdrucksstarken symbolischen Bildern gesprochen hat: »Denkt an den gekreuzigten Christus, Gott und Mensch (…) Setzt euch den gekreuzigten Christus zum Ziel, verbergt euch in den Wunden des gekreuzigten Christus, versenkt euch in das Blut des gekreuzigten Christus« (Brief Nr. 21: An einen, dessen Name nicht genannt wird).

Hier können wir verstehen, warum Katharina, obgleich sie sich der menschlichen Unzulänglichkeiten der Priester bewusst war, stets sehr große Hochachtung vor ihnen hatte: Sie spenden durch die Sakramente und das Wort die erlösende Kraft des Blutes Christi.

Die Heilige aus Siena hat die geistlichen Amtsträger, auch den Papst, den sie den »sanftmütigen Christus auf Erden « nannte, stets aufgefordert, ihrer Verantwortung treu zu sein, wozu sie stets allein durch ihre tiefe und beständige Liebe zur Kirche bewegt wurde.

Bevor sie starb, sagte sie: »Wenn ich aus dem Leib scheide, habe ich wahrhaftig das Leben in der heiligen Kirche und für die heilige Kirche vollendet und hingegeben, was für mich eine einzigartige Gnade ist« (vgl. Raimund von Capua, S. Caterina da Siena, Legenda maior, Nr. 363).

Von der hl. Katharina lernen wir also die höchste Wissenschaft: Jesus Christus und seine Kirche zu kennen und zu lieben. Im „Dialog der göttlichen Vorsehung“ beschreibt sie mit einem einzigartigen Bild Christus als Brücke, die zwischen Himmel und Erde gespannt ist. Sie besteht aus drei Stufen: den Füßen, der Seite und dem Mund Jesu. Indem sie diese Stufen emporsteigt, durchschreitet die Seele die drei Abschnitte eines jeden Weges der Heiligung: die Loslösung von der Sünde, die Übung der Tugend und der Liebe, die süße und liebevolle Vereinigung mit Gott.

Liebe Brüder und Schwestern, wir wollen von der hl. Katharina lernen, mit Mut Christus und die Kirche zutiefst und aufrichtig zu lieben. Machen wir uns daher die Worte der hl. Katharina zu eigen, die wir im „Dialog der göttlichen Vorsehung“ am Ende des Kapitels lesen, in dem von Christus als Brücke die Rede ist: »Aus Barmherzigkeit hast du uns im Blut gewaschen, aus Barmherzigkeit wolltest du Umgang haben mit den Geschöpfen. Du bist außer dir vor Liebe! Es genügte dir nicht, Mensch zu werden, sondern du wolltest auch sterben! (…) O Barmherzigkeit! Mein Herz versinkt im Gedanken an dich: Wohin ich meine Gedanken auch wende, finde ich nichts als Barmherzigkeit « (vgl. Kap. 30). Danke.
http://kath.net/news/41104
kathTube-Foto: Nach alter Überlieferung ist in diesem Reliquiar die Hand der hl. Katharina von Siena

29 April 2013, 11:52 Regensburger Bischof auf Distanz zu Zollitsch-Aussagen

Zollitsch hat bei einer Diözesanversammlung ein "nicht sakramentales Dienstamt für Frauen" vorgeschlagen - Regensburger Bischof geht auf Distanz und erinnert, dass eine Äbtissin oder Generaloberin mehr Gestaltungsmöglichkeiten hat



Regensburger (kath.net)
Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer ist am Sonntagabend auf Distanz zu Aussagen von Erzbischof Robert Zollitsch gegangen, der im Rahmen einer Versammlung folgendes gemeint hatte: "Ich fördere die Vielfalt der Dienste und Ämter sowie die Zukunft der unterschiedlichen kirchlichen Berufe. Ich tue dies auf der Grundlage der Lehre der katholischen Kirche. Dazu gehört auch der Einsatz für neue kirchliche Dienste und Ämter, die auch Frauen offen stehen, wie etwa ein spezifisches Diakonenamt für Frauen."

Diese Aussagen nahm Voderholzer zum Anlass, in einer Aussendung die große Bedeutung der Frau in der Kirche zu betonen. Bei verschiedenen Gelegenheiten habe er sich die Forderung der Bischofskonferenz, dass der „Anteil an Frauen in Leitungsaufgaben, die nicht die Weihe voraussetzen, deutlich erhöht werden“ soll, ausdrücklich zu eigen gemacht.

Dann erinnerte Voderholzer aber, dass eine Äbtissin oder Generaloberin, eine Ordinariatsrätin oder Rektorin einer kirchlichen Schule wesentlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten als ein neues, nicht sakramentales Dienstamt für Frauen. "Der sakramentale Diakonat gehöre wie das Priester- und Bischofsamt untrennbar zum einen Weihesakrament, das gemäß der biblisch begründeten Tradition der Kirche – auch der Ostkirchen – Männern vorbehalten ist", so Voderholzer.
http://kath.net/news/41101
Foto Bischof Voderholzer (c) Bistum Regensburg


28.04.2013 14:23 - Die Erschaffung der Engel

Ursachen, Hintergründe und Folgen
Die Geschichte der Engel
Der Engelsturz und seine Auswirkung
auf uns Menschen,

Das Imprimatur hat das erzbischöfliche Ordinariat Salzburg
am 31. Mai 1954, Zl. 1311 für das Gesamtwerk erteilt.

Die Lebensbeschreibung der Schwester Maria von Agreda
sowie Einzelheiten über ihre erhaltenen Offenbarungen
sind im ersten Buch des Gesamtwerkes (4 Bücher)
welches auch einzeln bestellt werden kann enthalten.


Vorwort
Der Inhalt dieser Broschüre ist zwar nicht der durchgehenden
Reihenfolge entsprechend, jedoch wortgetreu übernommen,
aus dem Offenbarungswerk „Leben der jungfräulichen Gottes-
mutter Maria,“ geoffenbart der Schwester Maria von Agreda
aus Spanien in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts.
Es ist hervorragend dazu geeignet, den wirklichen Sinn und
das wahre Ziel des menschlichen Lebens begreifbar zu ma-
chen. Ein ausgewählter Teil davon ist in dieser Broschüre wie-
dergegeben und kann niemals als zeitlich überholt betrachtet
werden.
Es wird darin berichtet, wie und warum der Sturz des einst-
mals höchsten Engels Luzifer und seines Anhanges aus dem
Himmel zustande gekommen ist.
Da wir Menschen nach bestandener Prüfung dazu bestimmt
sind diese Plätze im Himmel einzunehmen, die Satan und sein
Anhang für immer verloren haben, sucht er nun seit Anbeginn
der Welt dieses mit aller Macht aus Rache gegen Gott und aus
Hass und Neid gegen die Menschen zu verhindern. Das ist der
Grund für den unversöhnlichen Kampf des Satans gegen Gott
und das ganze Menschengeschlecht, dessen Folgen wir tagtäg-
lich immer wieder aufs Neue erfahren.
Man will aber nicht erkennen, dass die Ursache davon vom
Satan in der Welt – mit der Zustimmung und Beihilfe der
Menschen – zu ihrer verderblichen Wirkung gebracht werden.
Dieser größte Feind Gottes und der Menschen hat es sogar
vermocht, vielen Menschen den Gedanken einzugeben, dass es
einen persönlichen Gott, besonders aber ihn selbst, den Teufel
als Persönlichkeit – und damit eine Hölle, vor der die Men-
schen Angst haben müssten – überhaupt nicht gibt und alles
nur symbolisch betrachtet werden muss.
Einen Feind den man aber nicht kennt, beachtet man nicht.
Durch den Unglauben, der Gleichgültigkeit und der Nichtbe-
achtung der göttlichen Gebote, bekommt der Satan seinen Ein-
fluss auf die Gedanken und Handlungen der Menschen, deren
verheerende Folgen in zunehmendem Maße zu sehen sind.
Bedingt durch die vergeblichen Bemühungen der Menschheit,
Frieden und eine bessere und gerechtere Welt zu schaffen, die
den Erfordernissen eines guten menschlichen Zusammenle-
bens gerecht wird, sollte es doch allmählich begriffen werden,
dass alle diesbezüglichen Bestrebungen ohne Gott und die An-
erkennung und Befolgung Seiner Gebote zum Scheitern ver-
urteilt sind.
Um den rechten Weg sicher finden zu können und damit viel
Leid nicht notwendig werden zu lassen, hat Gott der Mensch-
heit immer wieder ganz besondere Hinweise und Gnaden zu-
kommen lassen. Dazu gehören zweifellos die göttlichen Offen-
barungen auf die eingangs hingewiesen wurde. Diese enthül-
len in ganz besonderer Weise die Ursachen, Hintergründe
und Folgen des satanischen Wirkens in der Welt. Darin wer-
den die geheimsten Pläne und Absichten des Teufels und sei-
ner höllischen Genossen gegen seinen Willen aufgedeckt – die
Menschheit sollte dieses niemals erfahren – und schriftlich
festgehalten.
Es wird auch der wahre Grund enthüllt wie es möglich war,
dass sich gerade nach dem Beginn des Christentums bis in die
heutige Zeit hinein, eine Vielzahl der unterschiedlichsten
Glaubensgemeinschaften und Sekten gebildet haben, wo jede
für sich behauptet im Besitz der alleinigen Wahrheit zu sein. Es
kann aber nicht nebeneinander mehrere der unterschiedlichs-
ten Wahrheiten geben die sich gegenseitig widersprechen.
Da es Satan mit aller Macht verhindern wollte, dass seine Ma-
chenschaften zur Verwirrung, Irreführung und Vernichtung
der ganzen Menschheit bekannt gemacht würden, begann
durch seinen Einfluss verursacht, eine dreihundert-jährige
Auseinandersetzung um die Anerkennung der geoffenbarten
Wahrheit, bis diese endlich von der Kirche anerkannt und ver-
öffentlicht werden konnte.
Aus den vorgenannten Gründen ist es auch nach dieser Zeit,
bis zum heutigen Tage einer breiten Öffentlichkeit unbekannt
geblieben, was auch mit dazu beigetragen hat, dass sich die
Geisteskrankheit des Unglaubens immer weiter verbreiten
konnte.
Es gibt wohl wenige Bücher, welche auf so allgemein ver-
ständliche Weise, die Erkenntnis über die neid- und hasser-
füllte Verfolgung des ganzen Menschengeschlechtes durch Sa-
tan und seiner höllischen Genossen klarer und deutlicher zum
Ausdruck bringen. Darum behält dieses berühmte Werk gera-
de für die heutige Zeit seine besondere Bedeutung und sollte
deshalb überall bekannt gemacht und allgemein verbreitet
werden.
Abschließend kann noch gesagt werden, alle ökumenischen
Bestrebungen werden erst dann von Erfolg gekrönt sein, wenn
unsere Gottesmutter Maria, ihrer gottgewollten Stellung ge-
mäß als Fürbitterin und Gnadenvermittlerin erkannt und an-
erkannt sein wird.
L. W. im Jahre 2004


Inhaltsverzeichnis

1. Die Erschaffung und Prüfung der Engel 10
2. Luzifer geriet damals in eine sehr ungeordnete Selbstliebe, 11
3. In den Werken Gottes ist alles nach Maß, Zahl und Gewicht
geordnet. 12
4. Ferner offenbarte Gott den Engeln, 13
5. Luzifer aber, voll Neid und aufgeblasener Hoffart, widersetzte
sich 14
6. Hier muss ich noch ein anderes Geheimnis erwähnen. 14
7. Diese aufgeblasene, eitle Hoffart reizte den Zorn des Herrn. 15
8. Auslegung des 12. Kapitels der Geheimen Offenbarung. 17
9. Es war als sage Gott den Engeln: 17
10. Noch ein anderes Zeichen erschien am Himmel: 18
11. Die zehn Hörner dieser Häupter 19
12. „Der Drache trat vor die Frau, 19
13. Fortsetzung der Auslegung des zwölften Kapitels der geheimen
Offenbarung. 20
14. Er ist Gott, der Allerhöchste, König aller Geschöpfe. 21
15. Mit diesen Worten kämpften der Heilige Michael und sein
Anhang. 22
16. Doch Michael erwiderte: „Wer ist wie der Herr, unser Gott, der
in den Höhen wohnt? 22
17. So offenbarte sich aufs neue Gottes Macht und Gerechtigkeit. 23
18. So wurde der große Drache gestürzt, 24
19. So war nun der Himmel von den bösen Engeln gesäubert. 25
20. Schluss der Auslegung des zwölften Kapitels der Geheimen
Offenbarung. 25
21. Der Fall von Adam und Eva im Paradies. 28
22. Luzifer betrog sich selbst. 29
23. An das Gebot anknüpfend, 30
24. Als Luzifer den Fall der Stammeltern gewahrte, 31
25. Im Augenblick der Menschwerdung des göttlichen Wortes 31
26. Alle tugendhaften und vollkommenen Frauen habe ich genau
verfolgt, um unsere Feindin (Maria) zu finden, 33
27. Sie überlegten, wie sie die heiligste Jungfrau verfolgen
könnten, 34
28. Luzifer will das Erlösungswerk verhindern. 35
29. Ich wusste, dass diese Ehre Ihm als Gott gebühre. 36
30. „Meine Verwirrung ist jetzt zu groß,“ 38
31. Nur gegen jenes Weib (Maria), unsere Feindin, trage ich
tödlichen Hass, 39
32. Die Versammlung der bösen Geister nach dem Tode Jesu in
der Hölle. 40
33. Von jenem Tage der Erschaffung der ersten Menschen an, habe
ich danach getrachtet, den Gottmenschen und Seine Mutter zu
vernichten 41
34. Oh ihr Menschen, wie seid ihr doch von Gott, den ich hasse, so
sehr begünstigt 42
35. Oh wie stark ist dieser Gottmensch, 44
36. Sie waren sich einig, dass es unmöglich sei, die Person Christi
anzugreifen, 44
37. „Die Menschen haben nun eine neue Lehre, 45
38. Einige Teufel machten es sich zur Aufgabe, die Neigungen der
Kinder von ihrer Empfängnis und Geburt an in eine verkehrte

Richtung zu bringen 46
39. Wir müssen sorgen, dass die Menschen die Frömmigkeit und
den Geschmack an geistlichen und göttlichen Dingen verlieren, 47
40. Es ist unmöglich, alles darzulegen, 48
41. Leider sind diese höchst wichtigen Wahrheiten in unseren
Tagen gar sehr dem Gedächtnis der Menschen entschwunden
zu ihrem entsetzlichen Schaden. 49
42. Die Heilige Schrift und die Werke der heiligen Lehrer 49
43. Damit nun jene, die dieses Buch lesen, aus diesem Schlafe
erwachen, 50
44. Da dieser Feind ein unkörperlicher Geist ist, den keine
Wirksamkeit ermüdet, 51
45. Sobald der Satan die Tatsache der natürlichen Zeugung eines
Menschen erkennt, 52
46. Die Mittel des Allerhöchsten, die Menschen gegen diese Bosheit
des Drachens zu beschützen, sind verschiedener Art. 53
47. Zu dieser allgemeinen Vorsehung Gottes kommt dann noch der
Schutz unserer heiligen Engel. 54
48. Er sucht es dahin zu bringen, dass die Kinder sich manche
schlimme Handlungen angewöhnen, dass sie Böses sehen und
hören, und dass ihre Eltern in dieser Zeit an solche Gefahren
nicht denken und darum auch keine Vorsorge dagegen treffen. 54
49. Nicht geringer ist aber die Sorge und Wachsamkeit der heiligen
Engel, 55
50. Die Engel hingegen führen zu Gunsten der Kinder die
Tugenden der Eltern und Ahnen an, 56
51. Hat der Mensch den vollen Vernunftgebrauch erlangt, dann
wird der Kampf zwischen den bösen und den guten Engeln
noch heftiger. 56
52. Unaufhörlich kommen uns die Engel durch Eingebungen und
Ermahnungen zu Hilfe. 57
53. Eine unzweifelhafte Offenbarung göttlichen Schutzes war die
Bekehrung des Saulus. 59
54. Luzifer und die Seinen empfanden die Geißel der göttlichen
Allmacht. 60
55. Was hatte Saulus getan, um ein so außerordentliches Glück zu
verdienen? 61
56. Lehre der Himmelskönigin 63


1. Die Erschaffung und Prüfung der Engel
Sie wurden von Gott im Himmel erschaffen und zwar im
Stande der Gnade. Mit dieser sollten sie sich die Herrlichkeit
als Lohn verdienen. Obwohl sie sich am Orte der Gnade be-
fanden, schauten sie doch die Gottheit noch nicht von Ange-
sicht zu Angesicht, bis sie es mit der Gnade durch Gehorsam
gegen den göttlichen Willen verdient hätten.
Die guten wie auch die abtrünnigen Engel blieben nur kurze
Zeit im Zustand der Prüfung, denn die Erschaffung, Prüfung
und Entscheidung erfolgten in drei ganz kurzen Zeitabschnit-
ten. Im ersten Zeitraum wurden alle Engel erschaffen und mit
Gnaden und den Gaben des Heiligen Geistes ausgerüstet, so
dass sie überaus schön und vollkommen waren.
Dann folgte eine kurze Weile, in der allen der Wille ihres
Schöpfers kundgetan wurde. Sie empfingen das Gesetz und
den Auftrag ihren Schöpfer als ihren höchsten Herrn anzuer-
kennen und so den Zweck ihres Daseins zu erfüllen.
In dieser kurzen Weile entbrannte zwischen dem Heiligen Mi-
chael und seinen Engeln jener große Streit wider den Drachen
und seinen Anhang. Die guten Engel verdienten durch Be-
harrlichkeit in der Gnade die ewige Seligkeit. Die ungehor-
samen hingegen verfielen durch ihre Auflehnung gegen Gott
der ewigen Pein.
Ich (Maria von Agreda) wünschte zu wissen, aus welchem
Beweggrund und durch welche Veranlassung Luzifer und sein
Anhang ungehorsam waren und fielen. Ich erkannte, dass die
bösen Engel der Verschuldung nach, vielerlei Verbrechen be-
gehen konnten, wenn sie auch der Tat nach nicht alle begin-
gen. Jene Sünden aber, die sie mit ihrem bösen Willen tatsäch-
lich verübten, erzeugten in ihnen einen Habitus, d. h. die Nei-
gung zu allem Bösen. Auch zu jenem, das sie selbst nicht ver-
üben konnten. Zu diesen Sünden aber verführen sie die Men-
schen und freuen sich, wenn es ihnen gelingt.
2. Luzifer geriet damals in eine
sehr ungeordnete Selbstliebe,
denn er sah sich mit einer höheren Schönheit der Natur und
Gnade ausgerüstet, als die übrigen Engel. In dieser Erkenntnis
hielt er sich zu lange auf, und das Wohlgefallen an sich selbst
hemmte ihn so, dass er Gott, der einzigen Ursache all seiner
Vorzüge, den schuldigen Dank lässig und träge darbrachte.
Wiederum betrachtete er sich selbst.
Aufs neue gefielen ihm seine Schönheit und seine Gnaden. Er
schrieb sie sich selbst zu und liebte sie als seine eigenen. Diese
ungeordnete Selbstbetrachtung bewirkte, dass er sich mit den
Kräften, die er von einer höheren Macht empfangen hatte,
nicht nur nicht, wie er sollte, über sich selbst erhob, sondern
sie verführte ihn auch zum Neid gegen andere und zur Be-
gierde nach den Gaben und Vorzügen der anderen. Da er diese
für sich nicht erlangen konnte, entbrannte er in tödlichem Zorn
und Hass gegen Gott, der ihn aus dem Nichts erschaffen hatte,
und gegen alle Seine Geschöpfe. Aus dieser Verfassung ent-
sprangen Ungehorsam, Vermessenheit, Ungerechtigkeit, Treu-
losigkeit, Gotteslästerung, ja, sogar eine Art Abgötterei, denn
er begehrte für sich jene Anbetung, die man allein Gott schul-
dig ist. Er lästerte Gottes Hoheit und Heiligkeit. Er verlor den
Glauben und die schuldige Treue. Er nahm sich vermessentlich
vor, alle Geschöpfe zu vernichten, und schmeichelte sich, dies
und noch manches andere ausführen zu können. In dieser
Geisteshaltung verharrte er. Seine Hoffart steigerte sich. Doch
seine Vermessenheit war größer als seine Stärke, denn in die-
ser konnte er nicht wachsen. Doch hinsichtlich der Sünde „ruft
ein Abgrund dem anderen zu“, der erste sündige Engel war
Luzifer, er verführte die anderen. Deshalb wird er der Fürst
der bösen Geister genannt, also nicht vermöge Seiner Natur.
Nicht wegen dieser, sondern nur um der Sünde willen konnte
er diesen Titel behaupten. Die sündigen Engel sind nicht alle
aus einem Chor, sondern aus allen fielen Engel ab, und zwar
viele. Jetzt will ich, wie ich es schaute, berichten nach welchen
Ehren und Vorzügen Luzifer voll Neid und Hoffart trachtete.
3. In den Werken Gottes ist alles nach
Maß, Zahl und Gewicht geordnet.
Darum beschloss die göttliche Vorsehung, den Engeln unmit-
telbar nach ihrer Erschaffung, - also bevor sie sich noch ande-
ren Zielen zuwenden konnten - das Endziel zu offenbaren, zu
dem sie erschaffen und mit einer so erhabenen und ausge-
zeichneten Natur begabt worden waren. Gott erleuchtete sie
auf folgende Weise: Zuerst empfingen sie eine sehr eindrucks-
volle Erkenntnis von der Wesenheit Gottes, Seiner Einheit in
der Natur, Seiner Dreifaltigkeit in den Personen. Zugleich er-
hielten sie den Befehl, den unendlichen Gott als ihren Schöpfer
und Herrn zu verehren und anzubeten. Alle folgten gehorsam,
doch mit Unterschied, die guten Engel folgten aus Liebe und
Gerechtigkeit. Sie unterwarfen sich mit bestem Willen, nahmen
gläubig auf, was ihre Fassungskraft überstieg, und gehorchten
freudig. Luzifer aber unterwarf sich nur, weil ihm das Gegen-
teil unmöglich schien, darum auch nicht mit vollkommener
Liebe. Er teilte seinen Willen zwischen sich und der untrügli-
chen Wahrheit des Herrn. Deshalb fand er das Gebot schwer
und lästig und er erfüllte es nicht mit vollkommener Liebe und
nicht aus Gerechtigkeit. Darum geriet er in eine Verfassung,
die seinen Ungehorsam herbeiführte. Diese Lässigkeit und Zu-
rückhaltung, mit der er diese ersten Akte setzte, beraubten ihn
noch nicht der Gnade, doch begann hier seine üble Verfassung.
Er empfand eine gewisse Schwäche in der Tugend und ein Ab-
sinken im Geiste, und seine strahlende Schönheit minderte
sich. Er erfüllte Gottes Gebote lau und unvollkommen. Dies
war sein erster Schritt zum Fall.
4. Ferner offenbarte Gott den Engeln,
dass er Menschen, vernünftige Geschöpfe einer niederen Ord-
nung, erschaffen wolle. Auch diese sollten Gott als ihren Urhe-
ber und ihr ewiges Gut lieben, fürchten und ehren. Er werde
diese Natur überaus begnadigen. Die zweite Person der Hei-
ligsten Dreifaltigkeit selbst werde Mensch werden und in Ver-
bindung die menschliche Natur mit der Göttlichen zu einer
Person vereinigen. Diesen zukünftigen Gottmenschen sollten
die Engel nicht nur wegen Seiner Gottheit, sondern auch we-
gen Seiner Menschheit als ihr Oberhaupt anerkennen, verehren
und anbeten. Als an Würde und Gnade Ihm untergeordnet,
sollten sie Seine Diener sein. Zugleich ließ Gott die Engel er-
kennen, wie geziemend, gerecht und vernünftig diese Unter-
werfung sei. Wie alle übrigen zukünftigen Geschöpfe hätten
auch sie die Aufgabe, den Gottmenschen zu verherrlichen,
weil Er aller Wesen König sei. Alle vernünftigen Geschöpfe,
die der Erkenntnis und des Genusses Gottes fähig seien, soll-
ten Sein Volk werden und Ihn als ihr Haupt anerkennen und
verehren. Dann wurde den Engeln das entsprechende Gebot
erteilt. Die gehorsamen, heiligen Engel unterwarfen sich die-
sem Befehle sofort mit ganzer Willenskraft, mit demütigem
und liebesglühendem Eifer.
5. Luzifer aber, voll Neid und aufgeblasener
Hoffart, widersetzte sich
und trieb die gleichgesinnten Engel an, ein Gleiches zu tun.
Auch sie gehorchten dem göttlichen Befehle nicht. Dafür ver-
sprach Luzifer ihnen, dass er ihr Haupt sein und ein unabhän-
giges Fürstentum gegen Christus aufrichten wolle. Neid und
Hoffart und unordentliches Begehren verursachten in diesem
einen Engel eine solche Verblendung, dass er unzählige mit
der Pest der Sünde ansteckte. Nun erhob sich jener große
Kampf im Himmel, von dem der Heilige Johannes berichtet.
Die gehorsamen heiligen Engel entbrannten vor Eifer, die Ehre
des Allerhöchsten und die Ehre des Gottmenschen, den sie in
einem Gesichte schauten, zu verteidigen. Sie baten um die Er-
laubnis und die Genehmigung des Herrn, gegen den Drachen
zu streiten. Das wurde ihnen gewährt.
6. Hier muss ich noch ein anderes
Geheimnis erwähnen.
Als allen Engeln geboten wurde, dem menschgewordenen
Wort zu gehorchen, empfingen sie als drittes Gebot jene Frau
als Gebieterin anzuerkennen in dessen Schoß der Eingeborene
des Vaters das menschliche Fleisch annehmen sollte. Diese
Frau werde ihre Königin und die Herrin aller Geschöpfe sein
und an Gnaden und Glorie alle Engel und Menschen überra-
gen. Die guten Engel zeichneten sich durch Annahme dieses
Befehles aus. Sie glaubten und priesen in tiefster Demut die
Macht und Geheimnisse des Allerhöchsten. Luzifer und seine
Anhänger aber erhoben sich infolge dieses Befehles bei der Of-
fenbarung dieses Geheimnisses mit wachsendem Hochmut. In
tobsüchtiger Wut begehrte Luzifer für sich die Auszeichnung,
Haupt aller Engel und des ganzen Menschengeschlechtes zu
werden. Wenn dies nur durch die Verbindung der höheren mit
der niederen Natur möglich sei, so solle sie an ihm geschehen.
Im Hinblick auf die niedere Natur der Mutter des menschge-
wordenen Wortes (Maria) widersetzte sich Luzifer unter
schauerlichen Lästerungen. In unbändigem Zorn empörte er
sich gegen den Urheber solch großer Gnadenwunder. Er reizte
seine Genossen auf und rief: „Diese Befehle sind unbillig! Mei-
ne Hoheit wird dadurch beleidigt! Darum will ich diese Natur
die Du mit so großer Liebe anblickst und ferner noch so reich-
lich begnadigen willst, verfolgen und ausrotten. Dazu will ich
meine ganze Macht und List aufbieten. Dieses Weib, die Mut-
ter des Wortes, will ich von der Höhe, auf der Du sie zu erhe-
ben gedenkst, herabstürzen. Ich will Deine Pläne zuschanden
machen!“
7. Diese aufgeblasene, eitle Hoffart
reizte den Zorn des Herrn.
Zur Beschämung Luzifers sagte Er: „Diese Frau, die du nicht
ehren willst, wird dir den Kopf zertreten, dich überwinden
und zunichte machen. Wenn durch deinen Stolz der Tod in die
Welt kommen wird, so wird durch ihre Demut das Leben und
Heil der Menschen kommen. Sie werden jenen Lohn und jene
Kronen empfangen, die du samt deinem Anhang verloren
hast.“
Luzifer widerstrebte mit tollsinnigem Stolze allem, was er vom
göttlichen Willen und Seinen Entschlüssen verstanden hatte.
Er drohte dem ganzen Menschengeschlecht. Die guten Engel
erkannten den gerechten Zorn des Allerhöchsten wider Luzifer
und seinen Anhang. Sie stritten wider sie mit den Waffen des
Verstandes, der Gerechtigkeit und der Wahrheit.
Darauf wirkte der Allerhöchste ein anderes geheimnisvolles
Wunder. Nachdem Er den Engeln die hypostatische Union der
zweiten Person mit der Menschheit durch Erleuchtung geof-
fenbart hatte, zeigte Er ihnen die allerseligste Jungfrau in ei-
nem visionären Bilde. Er ließ sie die reine menschliche Natur
in einer höchst vollkommenen Frau schauen. In dieser werde
Seine Allmacht viel wunderbarer wirken als in allen übrigen
bloßen Geschöpfen, da Er in dieser Frau in unvergleichlich ho-
hem Grade alle Gaben und Gnaden Seiner Rechten hinterlegen
werde. Die Schau dieses Bildes der Himmelskönigin und Mut-
ter des wirklichen Wortes wurde allen Engeln, den Guten und
den Bösen, gewährt. Dieses Gesicht erfüllte die Guten mit Be-
wunderung. Sie sangen Loblieder und begannen gleich, mit
inbrünstigem Eifer und dem unüberwindlichen Schild jenes
Zeichens bewaffnet, die Ehre des Mensch gewordenen Gottes
und Seiner Allerheiligsten Mutter zu verteidigen. Der Drache
und sein Anhang hingegen flammten auf in einem unversöhn-
lichen Hass gegen Christus und Seine jungfräuliche Mutter.
Dann erfolgte, was ihm 12. Kapitel der Geheimen Offenbarung
enthalten ist.
8. Auslegung des 12. Kapitels der
Geheimen Offenbarung.
Und es erhob sich ein großer Kampf im Himmel, Michael und
seine Engel kämpften mit dem Drachen, und der Drache und
seine Engel kämpften. Aber sie vermochten nicht standzuhal-
ten, und ihr Platz im Himmel ging verloren. So wurde der
große Drache gestürzt, die alte Schlange, die Teufel und Satan
heißt und die ganze Welt verführt. Er wurde auf die Erde ge-
stürzt, und mit ihm wurden seine Engel gestürzt.
Der Evangelist sagt: „Ein großes Zeichen erschien am Himmel,
eine Frau, mit der Sonne umkleidet, den Mond unter ihren Fü-
ßen und eine Krone von zwölf Sternen auf ihrem Haupte.“
Dieses Zeichen ist durch Gottes Willen vor allen Engeln, den
guten und den bösen, im Himmel wirklich erschienen. Im
Schauen sollten sie ihren Willen entweder zum Gehorsam oder
zum Ungehorsam gegen die Gebote des göttlichen Wohlgefal-
lens entscheiden. Dieses Zeichen offenbarte ihnen auch, wie
wunderbar Gott die menschliche Natur erschaffen würde.
Wohl war sie ihnen schon bei der Offenbarung des Geheim-
nisses der Menschwerdung zu erkennen gegeben, doch Gott
wollte sie ihnen auch noch in einem rein menschlichen, ganz
vollkommenen, ganz heiligen Geschöpfe kundtun, das Er
nächst Christus erschaffen werde.
9. Es war als sage Gott den Engeln:
„Ich will die Menschen nicht so wie euch züchtigen, weil aus
ihnen eine Frau hervorgehen wird, in dessen Schoß Mein Ein-
geborener Fleisch annehmen soll. Er wird ihnen Meine
Freundschaft wieder erwerben, Meine Gerechtigkeit versöh-
nen und den Weg zur Seligkeit, den die Sünde verschlossen
hat, wieder eröffnen.“
Er ließ die Engel erkennen, dass Er durch Vermittlung Christi
und Seiner Mutter jene Gnaden und Gaben in den Menschen
niederlegen wolle, die die abtrünnigen Engel durch ihre Treu-
losigkeit verloren hatten. Die Engel erkannten in diesem Zei-
chen auch viele Geheimnisse der Menschwerdung, der strei-
tenden Kirche und ihrer Glieder, und dass sie, die Engel, beru-
fen seien, den Menschen zu helfen, sich gegen ihre Feinde zu
verteidigen und sie zur ewigen Seligkeit zu führen.
10. Noch ein anderes Zeichen erschien am Himmel:
Ein großer, feuerroter Drache mit sieben Köpfen und zehn
Hörnern und sieben Kronen auf seinen Köpfen. Sein Schweif
fegte den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und
warf sie auf die Erde. Nach dem Luzifer gegen diese im Zei-
chen dargestellte Frau seine Lästerungen ausgestoßen hatte,
ward er sogleich aus einem überaus schönen Engel in einen
fürchterlichen, abscheulichen Drachen verwandelt, so dass er
in äußerer Gestalt als ein wahrnehmbares Zeichen erschien.
Wütend erhob er sieben Köpfe, nämlich die sieben Legionen
oder Heerscharen seines ganzen Anhanges. Jeder einzelnen
Rotte setzte er ein Haupt vor und befahl ihnen, zu sündigen
und zu den sieben Hauptsünden anzureizen und zu verfüh-
ren. Diese werden Hauptsünden genannt, weil sie alle übri-
gen in sich schließen und sie gleichsam Hauptstandarten sind,
die sich gegen Gott aufrichten. Es sind Hoffart, Neid, Zorn,
Unkeuschheit, Unmäßigkeit, Trägheit, Geiz. Sie werden
durch die sieben Kronen versinnbildlicht, mit denen Luzifer
nach seiner Verwandlung in einen Drachen gekrönt wurde.
Der Allerhöchste selbst hatte sie zur Strafe für die entsetzliche
Bosheit dem Luzifer und den übrigen abtrünnigen Engeln
durch Seinen heiligen Zorn geschmiedet. Jeder empfing seine
besondere Strafe, die zugleich ein Merkmal war, das ihre Bos-
heit andeutete, durch die sie die Urheber der sieben Haupt-
sünden geworden waren.
11. Die zehn Hörner dieser Häupter
sind die Triumphe der Ungerechtigkeit und Bosheit des Dra-
chens und bedeuten seine Ruhmsucht und aufgeblasene, stolze
Vermessenheit, in der er die Ausübung der Laster sich selbst
zuschreibt. In dieser bösen Gesinnung bot er, um das Ziel sei-
nes Stolzes zu erreichen, den unglücklichen Engeln seine las-
terhafte, giftvolle Freundschaft an und stellte ihnen erdichtete
Fürstentümer und Belohnungen in Aussicht. Diese Verspre-
chen voll teuflischer Dummheit und Täuschung waren der
Schwanz mit dem der Drache den dritten Teil der Sterne vom
Himmel fegte. Die Engel waren helle Sterne, und wenn sie be-
harrt hätten, würden sie mit den übrigen Engeln und Gerech-
ten wie Sonnen in alle Ewigkeit leuchten. Aber ihre wohlver-
diente Strafe schleuderte sie auf die Erde, und zu ihrem Un-
glück gar bis in den Mittelpunkt derselben, nämlich in die Höl-
le, wo sie in Ewigkeit des Lichtes und der Freude entbehren
müssen.
12. „Der Drache trat vor die Frau,
die gebären sollte, um ihr Kind gleich nach der Geburt zu ver-
schlingen.“ Luzifers Stolz war so ungeheuer, dass er voll An-
maßung begehrte, seinen Thron über alle Sterne Gottes zu set-
zen. In Gegenwart der im Zeichen dargestellten auserwählten
Frau fabelte der Tor: „Jener Sohn, den dieses Weib gebären
wird, ist von Natur aus geringer als ich. Ich will Ihn verschlin-
gen und vernichten. Meinen Anhang will ich gegen Ihn führen
und wider Seine Gedanken und Gesetze meine Lehren aus-
streuen. Einen ewigen Krieg will ich wider Ihn führen und in
ewiger Feindschaft gegen Ihn verharren!“
Maria aber steht einzig da. Obwohl Adamstochter, überragt
sie weit alle Engel an Gnaden, Gaben und Verdiensten.
13. Fortsetzung der Auslegung des zwölften
Kapitels der geheimen Offenbarung.
Und es erhob sich ein großer Kampf im Himmel, Michael und
seine Engel kämpften mit dem Drachen, und der Drache und
seine Engel kämpften. Nach dem der Herr obige Geheimnisse
den guten und bösen Engeln geoffenbart hatte, begann der
Heilige Michael mit den Seinen unter Zustimmung Gottes ge-
gen den Drachen und seinen Anhang zu kämpfen. Dieser Streit
war wunderbar. Er wurde nur mit den Waffen des Verstandes
und des Willens geführt. Entflammt von Eifer für die Ehre Got-
tes, ausgerüstet mit der ihm von Gott verliehenen Macht und
bewaffnet mit seiner eigenen Demut, widerstand Michael dem
eitlen Hochmut des Drachens, indem er sagte: „Würdig ist der
Allerhöchste aller Ehre, alles Lobes, aller Ehrfurcht. Er ist wür-
dig der Ehrfurcht, der Liebe und des Gehorsams aller Ge-
schöpfe. Er ist allmächtig und kann tun, was Er will. Nichts
kann er wollen, was nicht vollkommen gerecht ist. Er, der Un-
erschaffene und von keinem andern Wesen Abhängige, gab
uns aus Gnade alles, was wir besitzen. Er erschuf uns aus dem
Nichts. Er kann auch andere Wesen erschaffen, wann und wie
es Ihm gefällt. Darum ist es höchst geziemend, dass wir uns
vor Seinem göttlichen Thron niederwerfen und Seine göttliche
Majestät und wesenhafte Hoheit anbeten, kommet also, ihr
Engel, folget mir! Lasset uns Ihn anbeten. Seine wunderbaren
geheimen Gerichte und Seine heiligen, vollkommenen Werke
lobpreisen.
14. Er ist Gott, der Allerhöchste,
König aller Geschöpfe.
Er wäre es nicht, wenn wir Seine großen, machtvollen Werke
begreifen könnten. Seine Weisheit und Güte sind unendlich. Er
ist reich an Schätzen und Segnungen, Herr aller Dinge. Keines
andern bedürftig, kann Er Seine Schätze mitteilen, wem Er
will. In Seiner Wahl kann Er nicht irren. Er kann lieben und
sich dem Geliebten mitteilen. Er kann lieben, wen Er will, und
erschaffen, erhöhen, bereichern nach Seinem Wohlgefallen. In
allem ist Er stets der Weise, der Heilige, der Allmächtige. Las-
set uns Ihn mit tiefster Dankbarkeit anbeten wegen der Wun-
derwerke der Menschwerdung und der Auserwählung Seines
Volkes. Auch wegen dessen Erlösung, wenn es fallen sollte.
Jenem Vorhergeschauten wollen wir in beiden Naturen, der
göttlichen und der menschlichen, anbeten und verehren, Ihn
als unser Haupt anerkennen und freimütig bekennen, dass Er,
der Urheber aller Gnade und Glorie, aller Ehre, alles Lobes
und aller Herrlichkeit würdig sei. Lasset uns Ihm zurufen: „Du
bist der Starke, der Mächtige, Du bist Gott!“
15. Mit diesen Worten kämpften der Heilige
Michael und sein Anhang.
Wie mit heftigen Blitzen stritten sie wider den Drachen und
seinen Anhang. Diese hingegen kämpften mit Gotteslästerun-
gen. Luzifer aber konnte vor dem Antlitz des heiligen Engels-
fürsten nicht bestehen. Er verging vor Wut und wollte vor
Qual entfliehen allein der Göttliche Wille gebot, dass er nicht
nur gestraft, sondern auch überwunden werde und die Wahr-
heit und Allmacht Gottes erfahre, er mochte wollen oder nicht.
Trotzdem lästerte er: „Gott ist ungerecht, wenn Er die Natur
der Menschen über die Natur der Engel erhebt. Ich bin der er-
habenste und schönste Engel, mir gebühren Triumph und
Huldigung. Ich will meinen Thron über die Sterne setzen und
gleich sein dem Allerhöchsten. Keinem einzigen von niederer
Natur werde ich mich unterwerfen und niemals zugeben, dass
ein anderer mir vorgehe oder sich über meine Hoheit er-
schwinge!“ Dasselbe wiederholten seine abtrünnigen Anhän-
ger.
16. Doch Michael erwiderte: „Wer ist wie der Herr,
unser Gott, der in den Höhen wohnt?
Schweige, Feind, mit deinen ungeheuren Lästerungen! Du bist
ganz von Bosheit besessen, darum fort aus unserer Gesell-
schaft, du Unglückseliger! Fahre hinab mit deiner blinden
Unwissenheit und deiner Bosheit in die finstere Nacht und in
das Chaos der höllischen Pein! Wir hingegen, o Geister des
Herrn, wollen Gott anbeten und verehren. Die glückselige Frau
aber, die dem ewigen Wort die menschliche Natur schenken
wird, wollen wir als unsere Herrin und Königin anerkennen.“
Jenes >große Zeichen< der Himmelskönigin war in diesem
Streit für die guten Engel wie Schild und Waffe gegen die bö-
sen Abtrünnigen. Dem gegenüber waren die Streitgründe Lu-
zifers kraftlos. Er wurde verwirrt und sprachlos und konnte
die in diesem Zeichen dargestellten Wahrheiten nicht ertragen.
Wie dieses geheimnisvolle Zeichen durch Gottes Kraft erschie-
nen war, so wollte Gott auch, dass ein anderes Zeichen, der ro-
te Drache, sichtbar werde und Luzifer in dieser Gestalt zum
Entsetzen und Erschrecken seines Anhanges und zur Verwun-
derung der heiligen Engel mit Schande aus dem Himmel ver-
stoßen werde.
17. So offenbarte sich aufs neue
Gottes Macht und Gerechtigkeit.
Den Verlauf dieses Streites kann man mit Worten schwerlich
schildern, weil der Abstand zwischen unserem Begreifen und
der Tätigkeit so vieler erhabener Engel zu groß ist. Die Bösen
wurden nicht Herr, denn Ungerechtigkeit, Lügenwerk, Unwis-
senheit und Bosheit können Gerechtigkeit, Wahrheit, Licht und
Güte nicht überwältigen, noch können diese Tugenden von
den Lastern überwunden werden.
Deshalb sagt der Evangelist: „Aber sie vermochten nicht
standzuhalten, und ihr Platz im Himmel ging verloren.“ Die
unglückseligen Engel machten sich durch ihre Sünde der ewi-
gen Anschauung und Gesellschaft Gottes unwürdig. Ihr An-
denken wurde aus dem göttlichen Geiste ausgelöscht, wo sie
vor ihrem Fall durch ihre Gnadengaben gleichsam einge-
schrieben waren. Sie verloren ihr Recht auf die im Falle ihres
Gehorsams ihnen zubereiteten Plätze.
Dieses Anrecht ging nun auf die Menschen über. Von den
abtrünnigen Engeln wurde jede Spur so vollständig ausge-
löscht, dass nichts mehr von ihnen im Himmel zu finden war.
Oh unglückselige Bosheit, unbeschreibliches Unglück, würdig
einer so entsetzlichen Strafe!
18. So wurde der große Drache gestürzt,
und mit ihm wurden seine Engel gestürzt. Der heilige Erzengel
Michael verstieß den elenden, in einen Drachen verwandelten
Luzifer mit jenem unüberwindlichen Wort: „Wer ist wie
Gott?“ Es war so kräftig, dass es jenen stolzen Riesen samt sei-
nen Rotten niederschmetterte und mit unvergleichlicher
Schande in den tiefsten Abgrund der Erde hinunterschleu-
derte. Nun empfing er zu seinem Unglück und zur Strafe auch
noch neue Namen, wie Drache, Schlange, Teufel, Satan. Na-
men, die der heilige Erzengel ihm im Streite beigelegt hatte,
um dadurch seine Bosheit und Ungerechtigkeit auszudrücken.
Wie er durch seine Tücke alles Glück und alle Ehre verwirkt
hatte, so ward er auch aller Ehrentitel beraubt und statt dessen
mit Schandnamen bezeichnet. Übrigens legte schon sein Bos-
heitsplan, den er seinen Bundesgenossen vorschlug und be-
fahl, nämlich die Erdenbewohner zu betören und zu verfüh-
ren, seine Arglist mehr als genügend an den Tag. So ward also
jener, der in seinen Gedanken schon alle Völker zerschmet-
terte, hinabgeschleudert in die Hölle.
Von ihm sagt Isaias: „In die Unterwelt wirst du hinabgestürzt,
in die Tiefe des Pfuhles. Dein Leichnam wird übergeben den
Motten und dem Wurme deines bösen Gewissens“ (Is. 14, 15).
Es erfüllte sich an Luzifer alles, was Isaias im 14. Kapitel seines
Buches berichtet.
19. So war nun der Himmel
von den bösen Engeln gesäubert.
Für die guten und gehorsamen aber fiel der Vorhang der Gott-
heit. Triumphierend gingen sie in ihre Glorie ein, während die
Abtrünnigen ihre Strafe empfingen.
Gott offenbarte den Engeln einen Teil der göttlichen Be-
schlüsse und sprach: „Luzifer hat sein Banner der Hoffart und
der Sünde aufgepflanzt. Mit vollendeter Bosheit und starkem
Grimm wird er das menschliche Geschlecht verfolgen und vie-
le durch Arglist verführen und so verleiten, dass die Men-
schen sich gegenseitig selbst umbringen. In der Blindheit der
Sünden und Laster werden sie zu verschiedenen Zeiten in un-
heilvoller Unwissenheit sich empören, aber Hoffart, Lüge und
alle Arten von Sünden sind Meinem Wesen und Willen unend-
lich fern. Wir wollen darum der Tugend und Heiligkeit den
Triumph verleihen.“
20. Schluss der Auslegung des zwölften Kapitels
der Geheimen Offenbarung.
Wehe der Erde und dem Meere, denn der Teufel ist zu euch
mit gewaltigem Grimm herabgestiegen. Er weiß, wie kurz sei-
ne Frist ist. Wehe der Erde, dem zukünftigen Schauplatz so
vieler Übeltaten! Wehe dem Meere, weil es so entsetzlichen
Lastern gegenüber sich nicht in tosenden Strömen ergoss, die
Übeltäter zu ertränken und die Unbilden wider Gott, Seinen
Schöpfer, zu rächen. Doch noch viel mehr wehe dem uner-
gründlichen, in aller Bosheit verhärteten Meere, das sind jene,
die dem Teufel nachfolgen. Er ist herniedergestiegen, euch in
großem Zorn und unerhörter Grausamkeit mit Krieg zu über-
fallen. Die Wut dieses grimmigen Drachens, der ärger ist als
ein blutgieriger Löwe, will alles verschlingen. Alle Tage der
gesamten Weltzeit dünken ihm eine kurze Frist, seinen Grimm
zu befriedigen. So groß ist sein Durst und seine Gier, die Men-
schen zu verderben, dass ihm ihre ganze Lebenszeit nicht ge-
nügt. Seine Tobsucht wünscht ewige Zeiten, wenn sie möglich
wären, um gegen die Kinder Gottes einen ewigen Krieg führen
zu können. Vor allem kehrt sich sein Grimm gegen jene gott-
selige Frau, die ihm den Kopf zertreten wird.
Als der Drache sich auf die Erde herabgestürzt sah, verfolgte
er die Frau, die den Knaben geboren hatte. Nachdem die alte
Schlange, der Teufel, den unseligen Ort und Zustand, in den er
geraten war, erkannte, entbrannte er in noch heftigerem
Grimm und Neid. Er hätte sich selbst wie ein wütendes Tier
zerreißen mögen. Gegen die Frau, die Mutter des menschge-
wordenen Wortes, fasste er einen solchen Groll, dass ihn kein
Mensch zu begreifen vermag.
Als Luzifer und sein teuflischer Anhang in der Hölle ange-
kommen war, hielt er gleich mit allen eine Ratsversammlung.
In dieser Zeit bot Luzifer seinen Verstand und seine ganze
teuflische Bosheit auf, mit seinen höllischen Genossen zu über-
legen, wie sie Gott am ärgsten beleidigen und sich an Ihm für
die über sie verhängte Strafe rächen könnten.
Das Endergebnis dieser Versammlung war kurz folgendes:
Weil Gott aller Voraussicht nach die Menschen sehr lieben
werde, würde die ärgste Rache und schwerste Unbill darin be-
stehen, dass sie die Wirkungen der göttlichen Liebe verhin-
derten, indem sie die Menschen betörten, verführten und so
viel wie möglich aufreizten, gegen Gott undankbar und rebel-
lisch zu sein. Dadurch würden sie Seine Gnade und Freund-
schaft verlieren.
Luzifer sagte: „Nach dieser Erkenntnis müssen wir arbeiten,
und alle Kräfte und Sorgen aufbieten. Wir wollen die Men-
schen unseren Einsprechungen und unserem Willen unterwür-
fig machen und sie dadurch verderben. Wir wollen das ganze
Menschengeschlecht verfolgen und es um seinen verheiße-
nen Lohn bringen. Wir wollen unsere ganze Wachsamkeit
aufbieten, dass die Menschen nicht zur Anschauung Gottes ge-
langen, weil diese uns ungerechter Weise verweigert wurde.
Großen Triumph werde ich über sie feiern. Alles werde ich
verheeren und meinem Willen unterwerfen. Ich will Irrtümer
und Sekten und meine den Gesetzen Gottes zuwiderlaufen-
den Gesetze verbreiten. Ich selbst werde aus den Menschen
Propheten und Anführer erwecken, in sie meine Irrlehren säen,
die sie überall verbreiten sollen. Darauf will ich aus Rache ge-
gen ihren Schöpfer sie zu mir in die Qualen der Hölle hinab-
ziehen.
Die Armen will ich bedrängen, die Notleidenden unterdrü-
cken, die Verlassenen verfolgen. Ich will Zwietracht säen,
Kriegsflammen entzünden, Völker gegen Völker hetzen,
Hochmütige und Freche hervorbringen, die das Gesetz der
Sünde überall ausbreiten. Alle die mir folgen, will ich im ewi-
gen Feuer vergraben. Jene die sich mir am engsten anschließen,
will ich in den Ort der größten Qualen versenken. Daraus wird
mein Reich sein, das ist der Lohn, den ich meinen Knechten
gebe.
Dem menschgewordenen Wort will ich einen blutigen Krieg
ankündigen. Wenn Er auch Gott ist, so wird Er doch auch
Mensch sein, also von einer niedereren Natur als ich. Ich will
meinen Thron und meine Würde über die Seinige erheben,
durch meine Macht und Arglist Ihn überwinden und stürzen.
Die Frau, die Seine Mutter wird, soll unter meinen Händen
vergehen. Denn was sollte für meine Macht und Größe eine
einzige Frau bedeuten? Ihr Dämonen aber, die ihr mit mir ver-
gewaltigt worden seid, folgt mir nach und gehorcht mir jetzt in
der Rache, wie ihr mir damals im Ungehorsam gefolgt seid.
Heuchelt Liebe zu den Menschen und richtet sie dadurch
zugrunde. Dienet ihnen betrüglich, um sie zu stürzen. Macht
sie schlecht und zieht sie zu mir hinab in die Hölle.“
Keine menschliche Zunge vermag den Grimm und die Bosheit
dieser ersten höllischen Ratsversammlung gegen das Men-
schengeschlecht zu schildern, das noch gar nicht erschaffen
war.
Damals wurden alle Laster und Sünden der Welt ausgedacht.
Von dorther entspringen alle Lügen, Irrtümer und Glaubens-
spaltungen. Alle Ungerechtigkeit hat in dieser chaotischen
Versammlung ihren Ursprung. Alle die Bosheit verüben, die-
nen dem Fürsten der Hölle.
21. Der Fall von Adam und Eva im Paradies.
Der glückliche Gnadenstand des ersten Elternpaares dauerte
nur kurze Zeit, weil bald der Neid der Schlange gegen sie er-
wachte. Sie hatte immer mit Spannung auf die Erschaffung der
ersten Menschen gelauert. Luzifer sah die Entstehung aller üb-
rigen Geschöpfe. Die Erschaffung Adams aber sowie die Ges-
taltung Evas aus seiner Rippe wollte ihm Gott nicht offenba-
ren. Dies alles blieb ihm verborgen, bis beide beisammen wa-
ren.
Als nun Luzifer die alle anderen Geschöpfe überragende wun-
derbare Gestaltung der menschlichen Natur sowie die leibliche
und seelische Schönheit Adams und Evas erblickte und die vä-
terliche Liebe erkannte, mit der der Herr sie ansah und zu Her-
ren der ganzen Schöpfung machte und ihnen die Hoffnung auf
das ewige Leben verlieh, entflammte sein Zorn mehr denn je.
Unbeschreiblich ist der Grimm, in dem die stolze Schlange sich
wand und ihren Neid anfeuerte, um Adam und Eva wie ein
reißender Löwe ums Leben zu bringen. Er hätte es getan, wenn
eine höhere Macht ihn nicht gehindert hätte. Er überlegte, wie
er beide der Gnade Gottes berauben und sie gegen den Aller-
höchsten aufwiegeln könne.
22. Luzifer betrog sich selbst.
Der Herr hatte ihm gleich im Anfang geoffenbart, dass das
Göttliche Wort im reinsten Schoße Mariä Mensch werde, aber
wann und wie verbarg Er ihm wie die Erschaffung Adams und
die Bildung Evas. Luzifer sollte sofort seine Unwissenheit be-
züglich des Geheimnisses und der Zeit der Menschwerdung
empfinden. Da seine Wut und Wachsamkeit vorzüglich auf
Christus und Maria gerichtet waren, mutmaßte er, Adam sei
aus Eva geboren, sie sei seine Mutter, und Adam könnte das
fleischgewordene Wort sein. Diese Ansicht verstärkte sich, als
er jene göttliche Kraft verspürte, die ihn zurückhielt, sie zu tö-
ten. Seine Mutmaßung verlor sich nach und nach, als er Adam
und Eva über das Gebot sprechen hörte, das Gott ihnen gege-
ben hatte. Er fing an ihre Gespräche zu belauschen und ihre
Anlagen auszuspähen.
Er umschlich sie wie ein hungriger Löwe, um durch ihre Nei-
gungen, die er in ihnen erkannte, in sie einzudringen. Bevor er
alles ausgekundschaftet hatte, schwankte er ständig zwischen
dem Zorn gegen Christus und Maria und der Sorge, von ihnen
überwunden zu werden. Am meisten jedoch fürchtete er die
Schande, von der Himmelskönigin besiegt zu werden, da sie ja
nur ein Geschöpf war und nicht Gott.
23. An das Gebot anknüpfend,
das Gott Adam und Eva gegeben hatte, bewaffnete sich Luzifer
mit einer verführerischen Lüge und begann, mit aller Gewalt
sich dem Willen Gottes zu widersetzen. Nicht den Mann, son-
dern die Frau fiel er zuerst an, weil er erkannte, dass sie zarter
und schwächer von Natur sei. Auch hatte er dabei die Gewiss-
heit, dass er nicht Christus angreife. Dazu kam, dass er wieder
in größten Zorn geriet wegen des Zeichens, das er im Himmel
gesehen hatte, als Gott ihm im Hinblick auf diese Frau drohte.
Dies alles brachte ihn heftiger gegen Eva auf als gegen Adam.
Bevor er sich ihr zeigte, erdreistete er sich, ihr allerlei unge-
ordnete Gedanken und lebhafte Vorstellungen einzuflößen,
um sie so einigermaßen verwirrt und unvorbereitet zu finden.
Ich will jetzt nur sagen, dass der Satan Eva gewaltig, ja un-
menschlich versuchte. Es genügt hier zu wissen, was die Hei-
lige Schrift darüber berichtet, dass nämlich Luzifer in Gestalt
einer Schlange mit Eva geredet hat. Sie hörte auf das Gespräch,
was sie nicht hätte tun sollen, denn durch das Anhören und
Antworten kam sie dazu, dem Satan zu glauben und das Ge-
bot zu übertreten. Darauf überredete sie auch ihren Mann, der
zu seinem und aller Menschen Unheil auch das Gebot übertrat.
Dadurch verloren sie für sich wie auch für uns den Stand der
Gnade.
24. Als Luzifer den Fall der Stammeltern gewahrte,
und sah, dass die innere Schönheit der Gnade und Gerechtig-
keit der Abscheulichkeit der Sünde gewichen war, frohlockte
und triumphierte er unbeschreiblich vor den höllischen Geis-
tern. Doch sein Jubel verstummte sogleich, als er erkannte,
dass ganz gegen seinen Wunsch und seine Erwartung die gött-
liche Liebe und Barmherzigkeit die beiden Übeltäter be-
gnadigte, ihnen Zeit zur Buße und Hoffnung auf Verzeihung
gewährte, für die sie sich durch wahre Reue empfänglich
machten. Luzifer sah, wie ihnen die Schönheit der Gnade und
die Freundschaft Gottes wieder hergestellt wurde.
Die großen Wirkungen der vollkommenen Reue erschreckten
und verwirrten aufs neue die ganze Hölle. Luzifers Bestürzung
wuchs noch, als er das Urteil Gottes gegen die Schuldigen ver-
nahm, das er sich ganz anders gedacht hatte, besonders aber,
als er aufs neue die Drohung hörte: „Die Frau wird dir den
Kopf zertreten!“
25. Im Augenblick der Menschwerdung
des göttlichen Wortes
hatten Luzifer und alle bösen Geister die Kraft des allmächti-
gen Gottes gespürt, der sie in die tiefsten Höhlen der Hölle
hinabstürzte. Sie lagen dort einige Tage machtlos niedergewor-
fen, bis der Herr in Seiner wunderbaren Vorsehung ihnen er-
laubte, von diesem Schlag, dessen Ursache sie nicht erkannten,
sich zu erheben.
Der große Drache stand nun auf und begab sich auf die Welt,
um überall auf Erden umherzugehen und auszuforschen, ob
sich etwas Neues vorfinde, das Ursache der Wirkung sein
könnte, die er und alle seine Diener an sich erfahren hatten.
Der stolze Fürst der Finsternis wollte diese Untersuchung sei-
nen Genossen nicht allein überlassen. Er selbst kam mit ihnen
herauf, streifte mit höchster Arglist und Bosheit über den gan-
zen Erdkreis und forschte und spähte drei Monate umher.
Dann kehrte er ebenso unwissend, wie er sie verlassen hatte, in
die Hölle zurück.
Er konnte solche göttlichen Geheimnisse nicht verstehen. Seine
Bosheit war ja so schwarz, dass er solche göttlichen Früchte
nicht genießen, noch den Schöpfer dafür verherrlichen und
preisen konnte wie wir, denen die Erlösung gilt.
Der Feind Gottes wusste in seiner Verwirrung nicht, wem er
sein neues Missgeschick zuschreiben sollte. Darum berief er
alle höllischen Banden zur Beratung zusammen, ohne auch nur
einen einzigen bösen Geist auszunehmen. Er ließ sich auf ei-
nem erhöhten Platz nieder und hielt folgende Rede: „Ihr wisst,
meine Untertanen, mit welcher Sorgfalt ich, seitdem Gott uns
aus seinem Hause verstoßen und unsere Macht gebrochen hat,
auf Rache gesonnen und an der Zerstörung seiner Macht gear-
beitet habe. Freilich kann ich Ihn nicht selbst erreichen.
Aber bei den Menschen, die Er liebt, habe ich weder Zeit noch
Gelegenheit verloren, sie meiner Herrschaft zu unterwerfen. So
habe ich durch meine Stärke mein Reich bevölkert. Zahlreich
sind die Völker und Nationen, die mir folgen und gehor-
chen.
Jeden Tag gewinne ich unzählige neue Seelen und bringe sie
ab von der Erkenntnis und dem Dienste Gottes, damit sie nicht
einst genießen, was wir verloren haben. Ich will sie in diese
ewigen Qualen stürzen, die wir erleiden, da sie meinen Lehren
und meinen Fußstapfen gefolgt sind.
An ihnen werde ich den Zorn auslassen, den ich gegen ihren
Schöpfer hege. Doch dies alles halte ich für gering, und ich bin
immer in Schrecken wegen des ungewöhnlichen Ereignisses,
das wir erlebten. Eine solche überwältigende und zermal-
mende Stärke erfuhren wir noch nie, seitdem wir vom Himmel
gefallen sind. Ich erkenne, dass eure und meine Macht gewal-
tig erschüttert ist, und es bemächtigt sich meiner eine große
Furcht, dass unsere Herrschaft zerstört sein möchte. Wir brau-
chen jetzt außerordentliche Wachsamkeit. Ich bin voll Wut,
und der Zorn meiner Rache ist nicht befriedigt. Ich durchzog
den ganzen Erdkreis, beobachtete sorgfältig alle seine Bewoh-
ner, und doch habe ich nichts Außergewöhnliches gefunden.
26. Alle tugendhaften und vollkommenen Frauen
habe ich genau verfolgt, um unsere Feindin
(Maria) zu finden,
die wir im Himmel kennen gelernt haben. Keine Anzeichen
künden mir, dass sie geboren ist. Keine von allen Frauen hat
jene Eigenschaften, die die Mutter des Messias nach meinem
Urteil haben müsste. Ein Mädchen, das ich wegen seiner hohen
Tugenden fürchtete und im Tempel verfolgte, ist bereits ver-
heiratet. Sie kann also die Gesuchte nicht sein, denn Isaias hat
gesagt, dass sie Jungfrau sein werde. Trotzdem fürchte und
hasse ich sie.
Da sie tugendhaft ist, könnte von ihr die Mutter des Messias
oder ein großer Prophet geboren werden. Bis jetzt konnte ich
sie noch nie überwinden, und ich verstehe von ihrem Leben
weniger als von dem der andern. Sie hat mir immer unüber-
windlichen Widerstand geleistet. Sie schwindet mir leicht aus
dem Gedächtnis, und wenn ich mich ihrer erinnere, so kann
ich ihr nicht recht nahe kommen. Ich weiß nicht, ob diese Ver-
gesslichkeit geheimnisvoll ist, oder ob sie von der Verachtung
kommt, die ich gegen ein armseliges Weib hege. Ich werde
darüber nachdenken.
In diesen Tagen hat sie mir zweimal Befehle erteilt. Wir konn-
ten der Gewalt der Hoheit nicht widerstehen, mit der sie uns
aus jenen von uns besessenen Personen vertrieb. Das ist aller
Beachtung wert, und wegen eines solchen Auftretens gegen
mich verdient sie meinen Zorn. Ich beschließe also, sie zu ver-
folgen und zu unterwerfen. Ihr werdet mich mit allen euren
Kräften und eurer ganzen Verschlagenheit unterstützen. Wer
sich in diesem Kampf auszeichnet, wird von meiner großen
Macht bedeutende Belohnung erhalten.“
Die aufmerksamen höllischen Rotten lobten und billigten Luzi-
fers Pläne. Sie sagten, er möge nicht fürchten, dass seine Tri-
umphe durch jenes Weib zerstört oder vermindert würden, da
seine Macht so groß und ihm beinahe die ganze Welt un-
terworfen sei.
27. Sie überlegten, wie sie die heiligste
Jungfrau verfolgen könnten,
die sie als eine Frau von ausgezeichneter Tugend und Heilig-
keit, nicht aber als die Mutter des menschgewordenen Wortes
erkannten. Dann folgte für Maria ein langer Kampf mit Luzifer
und seinen Dienern der Bosheit. Sie sollte oft dem höllischen
Drachen den Kopf zertreten.
Gott kann Satan immer bezwingen und niederhalten, allein Er
ordnet alles in einer Weise, die Seiner unendlichen Güte am
besten entspricht. Darum verbarg der Herr diesen Feinden die
Würde Mariä, die wunderbare Art ihrer Mutterschaft und ihre
jungfräuliche Unversehrtheit, vor und nach der Geburt des
göttlichen Kindes. Auch erkannten die bösen Geister die Gott-
heit Christi vor Seinem Tod nicht mit zweifelloser Sicherheit.
Erst von da an verstanden sie viele Geheimnisse der Erlösung,
über die sie sich getäuscht und geirrt hatten. Sie verstanden nie
das Geheimnis der Demut des Erlöses. Ihr aufgeblasener Stolz
verblendete sie.
28. Luzifer will das Erlösungswerk verhindern.
Seit der Menschwerdung des göttlichen Wortes konnte Luzifer
seine tyrannische Herrschaft auf der Welt nicht mehr so unge-
stört ausüben wie in den früheren Jahrhunderten. Schon in der
Stunde der Verkündigung fühlte dieser stark Bewaffnete eine
andere stärkere Macht, die ihn überwältigte und nieder-
schmetterte. Dasselbe widerfuhr ihm, als das Jesuskind und
seine Mutter in Ägypten einzogen. Noch bei vielen anderen
Gelegenheiten war der höllische Drache von Maria durch ü-
bernatürliche Macht überwunden worden.
Nun begannen die ungewöhnlichen Werke Jesu. Das alles zu-
sammen flößte der alten Schlange unsägliche Angst und Be-
sorgnis ein, es möchte sich eine andere große Macht auf Erden
befinden.
Doch das Geheimnis der Erlösung war dem in seiner Wut ver-
blendeten Luzifer so verborgen, dass er die Wahrheit nicht
entdecken konnte, obschon er seit seinem Sturz vom Himmel
immer in Unruhe und auf der Lauer gewesen war, um auszu-
forschen, wann und wie das ewige Wort Fleisch annehmen
würde. Dieses Wunderwerk flößte seinem Stolz am meisten
Furcht ein. Darum hatte er so oft Ratsversammlungen gehal-
ten. Bestürzt über das, was ihm und seinen Dienern von Seiten
Jesu und Mariä begegnet war, dachte er nach, mit welcher
Macht diese ihn zurückgeworfen und überwältigt hatten. Er
vermochte das Geheimnis nicht zu ergründen.
Er beschloss, seine höchsten, in Bosheit und Arglist am meisten
hervorragenden Diener der Finsternis zu Rate zu ziehen und
ließ ein ganz furchtbares Gebrüll in der Hölle vernehmen. -
Das Zeichen, wodurch die bösen Geister sich gegenseitig ver-
ständlich machen. - Nachdem sie alle versammelt waren,
sprach er: „Meine Diener und Gefährten, die ihr allzeit meiner
gerechten Partei gefolgt seid, ihr wisset wohl, dass wir in dem
ersten Stande, in dem der Schöpfer aller Dinge uns versetzte,
Ihn als den Urheber unseres Daseins anerkannten und ehrten.
Da Er aber mit Hintansetzung unserer gottähnlichen Schönheit
und Erhabenheit uns das Gebot gab, die Person des Wortes in
der menschlichen Gestalt, die es annehmen wollte, anzubeten
und ihr zu dienen, haben wir uns Seinem Willen widersetzt.
29. Ich wusste, dass diese Ehre
Ihm als Gott gebühre.
Da Er aber zugleich Mensch sein sollte, also von einer gerin-
gen, tief unter uns stehenden Natur, so konnte ich es nicht er-
tragen, Ihm unterworfen zu sein, da mir verweigert wurde,
was Gott für diesen Menschen tun wollte. Und nicht nur die-
sen Menschen anzubeten hat uns Gott geboten, sondern auch
ein Weib als Herrin anzuerkennen, das ein bloß irdisches Ge-
schöpf und Seine Mutter sein sollte. Diese so beleidigende Zu-
rücksetzung haben wir alle tief empfunden. Wir haben uns
widersetzt und diesem Befehle widerstanden. Dafür wurden
wir mit dem unglücklichen Zustand und den Qualen gestraft,
die wir jetzt tragen. Wir kennen diese Wahrheiten und beken-
nen sie hier unter uns mit Beben.
Doch vor den Menschen dürfen wir das nicht tun, dies ver-
biete ich euch, damit sie nicht unsere Unwissenheit und
Schwäche erfahren.“
„Wenn aber jener Gottmensch und Seine Mutter uns verderben
sollen, so wird Ihre Ankunft in der Welt unsere größte Qual
und unser größtes Unglück sein.
Darum muss ich all meine Macht aufbieten, sie zu vernichten,
müsste dabei auch die ganze Welt zugrunde gehen. Ihr kennt
die bisherige Unüberwindlichkeit meiner Macht. Ein so großer
Teil der Welt gehorcht mir und ist meinem arglistigen Willen
unterworfen. Doch seit einigen Jahren seid ihr bei vielen Gele-
genheiten überwunden worden und sind eure Kräfte ge-
schwächt.
Ich selbst verspürte eine höhere Macht, die mich bindet. Schon
einige Male habe ich mit euch die ganze Welt durchstreift, um
zu sehen, ob in ihr etwas Neues zu finden sei, dem unsere
Niederlage zuzuschreiben wäre, oder ob etwa der verheißene
Messias gekommen sei.
Wir haben Ihn auf der ganzen Erde nicht gefunden und ent-
deckten nicht einmal sichere Zeichen Seiner Ankunft, nämlich
die Pracht und das Aufsehen, mit denen Er unter den Men-
schen auftreten wird. Trotzdem fürchte ich, die Zeit könnte
nahe sein, dass Er vom Himmel auf die Erde kommen wird.
Wir wollen Ihn samt dem Weibe, dass Er zu Seiner Mutter er-
wählen wird, mit großer Wut vernichten. Wer darin mehr leis-
tet, dem werde ich zum Dank größere Belohnungen erteilen.
Bis jetzt finde ich an allen Menschen Sünden und Wirkungen
der Sünde. Nirgends entdecke ich die Majestät und Größe, in
der sich der menschgewordene Gott den Menschen offenbaren
wird, um sie zu bewegen, Ihn anzubeten und Ihm Opfer dar-
zubringen. An diesem unfehlbaren Zeichen werden wir Ihn
erkennen, aber auch an Seiner Sündenlosigkeit.“
30. „Meine Verwirrung ist jetzt zu groß,“
fuhr Luzifer fort. „Wenn das ewige Wort noch nicht in die
Welt gekommen ist, so weiß ich die Ursache der außerordent-
lichen Dinge, die wir erfahren, nicht zu finden. Ich kenne die
Kraft nicht, die uns niederschmettert. Wer hat uns aus Ägyp-
ten verjagt? Wer hat die Tempel und Götzenbilder dieses Lan-
des umgestürzt, in denen wir von allen Bewohnern angebetet
wurden? Wer überwältigt uns jetzt in Galiläa und in der Um-
gegend und hindert uns, manche Sterbende ins Verderben zu
bringen? Wer bewirkt, dass sich so viele von ihren Sünden und
unserer Herrschaft losmachen, und dass andere tugendhafter
werden und vom Reiche Gottes sprechen?
Geht es so fort, so kann durch diese unbekannte Macht großes
Verderben über uns kommen. Wir müssen dem vorbeugen
und aufs neue nachforschen, ob es in der Welt einen großen
Propheten oder Heiligen gibt, der uns zu vernichten beginnt.
Ich entdecke keinen, dem solche Kraft zuzuschreiben wäre.
31. Nur gegen jenes Weib (Maria), unsere Feindin,
trage ich tödlichen Hass,
besonders seit wir sie im Tempel und später in ihrem Haus zu
Nazareth verfolgt haben. Immer wurden wir von der sie
schützenden Kraft besiegt und niedergeschmettert. Unserer
Bosheit überlegen, hat sie uns unüberwindlichen Widerstand
geleistet. Nie gelang es mir, ihr Inneres zu durchschauen oder
ihrer Person etwas anzutun. Sie hat einen Sohn (Jesus). Als
dessen Vater starb (Josef), stand sie mit ihm dem Sterbenden
bei. Wir alle aber konnten ihnen nicht nahen.
Es sind arme, verachtete Leute, sie ist ein unbekanntes, schwa-
ches Weiblein. Doch steht es zweifellos fest, dass Sohn und
Mutter gerecht sind. Ich wollte sie immer zu den gewöhnli-
chen Lastern der Menschen verleiten, allein ich konnte bei Ih-
nen nie die geringste ungeordnete Regung hervorrufen. Ich
sehe wohl, dass der allmächtige Gott mir den Stand dieser bei-
den Seelen verbirgt. Dem liegt sicher irgendein Geheimnis ge-
gen uns zu Grunde.
Wenn aber dieser Mensch auch nicht der Messias ist, so sind
Mutter und Sohn jedenfalls Gerechte und unsere Feinde. Das
ist Grund genug, sie zu verfolgen und a

von esther10 06.04.2013 00:26
Barmherzigkeitssonntag und vollkommener Ablaß, ein Sonntag nach Ostern

JESUS OFFENBART SCHWESTER FAUSTINA KOWALSKA:

"Künde der Welt Meine große, unergründliche Barmherzigkeit.

http://www.barmherzigkeitssonntag.de/

Bereite die Welt vor auf Meine zweite Ankunft.

Bevor ich als Richter komme, öffne Ich noch ganz weit die Tore Meiner Barmherzigkeit."

Barmherzigkeitsrosenkranz
http://www.rosenkranzgebete.de/jesus/bar...kranz/index.php



O Seelen der Menschen, wohin werdet ihr flüchten am Tage des göttlichen Zornes? Nehmt jetzt Zuflucht zur Quelle der Barmherzigkeit Gottes. 0, welch große Zahl von Seelen sehe ich, die Gottes Barmherzigkeit gepriesen haben und in Ewigkeit das Loblied singen werden.

Festes der göttlichen Barmherzigkeit

am ersten Sonntag nach Ostern.



Jesus verband zwei Verheißungen mit der Verehrung des Bildes:

"Ich verspreche der Seele, die dieses Bild verehrt, dass sie nicht zugrunde gehen wird. Ich verspreche ihr ferner schon hier auf Erden den Sieg über die Feinde, aber in besonderer Weise in der Stunde des Todes. Ich selbst werde sie verteidigen wie meine eigene Ehre. Ich wünsche, dass ein Fest der göttlichen Barmherzigkeit am ersten Sonntag nach Ostern gefeiert wird. . . Ich will, dass die Priester diese meine große Barmherzigkeit den sündigen Seelen verkünden; der Sünder fürchte sich nicht, sich mir zu nahen; es verzehren mich die Flammen der Barmherzigkeit, und ich will sie in den Seelen entzünden. Das Misstrauen der Seele zerfleischt mein Inneres. Noch weit mehr schmerzt mich das Misstrauen einer auserwählten Seele. Trotz meiner unerschöpflichen Liebe vertrauen sie mir nicht, nicht einmal mein Tod genügt ihnen. Wehe der Seele, die meine Liebe missbraucht!"




Der Heiland sprach folgende Worte zu ihr:

Ich wünsche, dass der erste Sonntag nach Ostern zum Feste der göttlichen Barmherzigkeit bestimmt wird. Sage deinem Beichtvater, dass er meine große Barmherzigkeit der ganzen Welt verkünde. Wer immer an diesem Tage sich der Quelle des Lebens nähert, wird die vollkommene Nachlassung aller Sünden und Strafen erlangen. Das menschliche Geschlecht wird nicht eher den Frieden finden, bis es mit Vertrauen sich an meine Barmherzigkeit wendet. Meine Seele erfreut sich an diesem Titel der Barmherzigkeit, da die Barmherzigkeit die größte aller göttlichen Eigenschaften ist. Alle Werke meiner Hände sind von Barmherzigkeit gekrönt. Ehe ich als gerechter Richter komme, komme ich als König der Barmherzigkeit. Oh, wie mich das Misstrauen der Seelen verwundet! Solche Seelen bekennen zwar, dass ich heilig und gerecht bin; aber sie glauben nicht, dass ich barmherzig bin, und erkennen meine Güte nicht an. Auch die Teufel ehren meine Gerechtigkeit, aber sie glauben nicht an meine Güte, und dies ist die Ursache, dass sie Teufel sind."

Ein anderes Mal sagte ihr Jesus:

"Meine Tochter, sprich zur ganzen Welt von meiner unvorstellbaren Barmherzigkeit. Ich wünsche, dass das Fest der Barmherzigkeit eine Zuflucht und eine Heimstätte sei für alle Seelen und vor allem für die armen Sünder. An jenem Tage wird sich das Innerste meiner Barmherzigkeit öffnen. Ich werde ein Meer von Gnaden auf die Seelen ausgießen, welche sich dem Brunnen meiner Barmherzigkeit nähern werden. Die Seele, die an diesem Tage beichtet und kommuniziert, wird die vollkommene Nachlassung aller Schuld und aller Strafen erhalten. Möge keine Seele sich fürchten, sich mir zu nähern. selbst wenn ihre Sünden rot wie Purpur wären! Dieses Fest ist hervorgequollen aus dem Schoß der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, die durch mich, das göttliche Wort, euch den Abgrund ihrer göttlichen Barmherzigkeit zu erkennen gibt. Ich wünsche, dass es am ersten Sonntag nach Ostern feierlich begangen werde."

Einmal, als ich durch den Korridor zur Küche ging,

hörte ich in meiner Seele die Worte:

«Bete unablässig den Rosenkranz zur Göttlichen Barmherzigkeit, den Ich Dich gelehrt habe.
Wer auch immer ihn beten wird, der erfährt in seiner Todesstunde Meine große Barmherzigkeit. Die Priester werden ihn den Sündern als letzten Rettungsanker reichen. Sollte es der verstockteste Sünder sein - falls er nur ein Mal diesen Rosenkranz betet, wird ihm die Gnade Meiner unendlichen Barmherzigkeit zuteil. Ich wünsche, dass die ganze Welt Meine Barmherzigkeit erkennt. Unbegreifliche Gnaden will ich jenen Seelen erteilen, die Meiner Barmherzigkeit Vertrauen schenken.»

Bei Sterbenden

JESUS lehrte Sr. Faustine einen besonderen Rosenkranz und versprach: »Jeder, der ihn betet, wird meine Barmherzigkeit im Leben und besonders in der Todesstunde erfahren. Wird er bei einem Sterbenden gebetet, besänftigt sich der Zorn Gottes, und eine unermeßliche Barmherzigkeit umfängt mit Rücksicht auf das schmerzliche Leiden des göttlichen Sohnes diese Seele«.


ZUR VORBEREITUNG AUF DAS
"Fest der göttlichen Barmherzigkeit"

sollte die

"Novene zur Göttlichen Barmherzigkeit"

gebetet werden.
Die Novene beginnt am Karfreitag und endet am Samstag vor dem Barmherzigkeitssonntag.

Die Novene zur göttlichen Barmherzigkeit kann zu jeder Zeit gebetet werden, aber besonders ab Karfreitag.

Wer nicht durch die Pforten Meiner Barmherzigkeit eingehen will,

muss vor Meiner Gerechtigkeit erscheinen.

http://www.barmherzigkeitssonntag.de/

BEICHTE IST AM
07.04.2013: dem Barmherzigkeitssonntag

BEICHTE AM BARMHERZIGKEITSSONNTAG


Die Seele, die an diesem Tage beichtet und kommuniziert, wird die vollkommene Nachlassung aller Schuld und aller Strafen erhalten.

Möge keine Seele sich fürchten, sich mir zu nähern, selbst wenn ihre Sünden rot wie Purpur wären!

Zur Gewinnung eines vollkommenen Ablasses sind die Verrichtung des mit dem Ablass versehenen Werkes und die Erfüllung folgender drei Bedingungen erforderlich:

sakramentale Beichte,

eucharistische Kommunion

und Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters.

Darüber hinaus ist das Freisein von jeder Anhänglichkeit an irgendeine auch lässliche Sünde erforderlich.
Damit jemand fähig ist, Ablässe zu gewinnen, muss er getauft sein; er darf nicht exkommuniziert sein und muss sich wenigstens beim Abschluss der vorgeschriebenen Werke im Stand der Gnade befinden.





****************

APOSTOLISCHE PÖNITENTIARIE

DEKRET

Andachtsübungen zu Ehren der Göttlichen Barmherzigkeit
mit Ablässen verbunden
http://www.vatican.va/roman_curia/tribun...cree-ii_ge.html


»Großer Gott, dein Erbarmen und deine Güte sind unerschöpflich …« (Gebet nach dem Te deum), und »Großer Gott, du offenbarst deine Macht vor allem im Erbarmen und im Verschonen . . .« (Tagesgebet vom 26. Sonntag im Jahreskreis), singt die Heilige Mutter Kirche in Demut und Treue. Gottes unermeßliche Zuwendung sowohl dem gesamten Menschengeschlecht als auch dem einzelnen Menschen gegenüber leuchtet vor allem dann auf, wenn Sünden und moralische Fehler vom allmächtigen Gott vergeben und die Schuldigen wieder in väterlicher Liebe zur Freundschaft mit ihm zugelassen werden, die sie verdientermaßen verloren hatten.

Die Gläubigen werden dadurch in ihrem Herzinnersten zum Gedächtnis und zur andächtigen Feier der Geheimnisse der göttlichen Vergebung bewogen. Sie erfassen auch sehr gut die hohe Angemessenheit, ja Pflichtschuldigkeit, daß das Volk Gottes die Göttliche Barmherzigkeit durch besondere Gebetstexte lobpreist und daß es gleichzeitig, nachdem es die erforderlichen erke dankbaren Herzens vollbracht und die notwendigen Bedingungen erfüllt hat, geistlichen Gewinn aus dem Schatz der Kirche ziehen kann. »Das Paschamysterium ist der Gipfelpunkt der Offenbarung und Verwirklichung des Erbarmens, das den Menschen zu rechtfertigen und die Gerechtigkeit wiederherzustellen vermag im Sinne der Heilsordnung, die Gott vom Anbeginn her im Menschen und durch ihn in der Welt wollte« (Enzyklika Dives in Misericordia, 7).

Die Göttliche Barmherzigkeit weiß tatsächlich auch die schwersten Sünden zu vergeben, aber während sie es tut, bewegt sie die Gläubigen dazu, einen übernatürlichen, nicht nur psychologischen Schmerz über die eigenen Sünden zu verspüren, damit die Gläubigen, immer mit Hilfe der göttlichen Gnade, den festen Vorsatz fassen, nicht mehr zu sündigen. Mit einer solchen inneren Haltung erlangt der Gläubige wirklich die Vergebung der Todsünden, wenn er das Bußsakrament fruchtbringend empfängt oder sie in einem Akt vollkommenen Schmerzes und vollkommener Liebe bereut mit dem Vorsatz, baldmöglichst das Bußsakrament zu empfangen. Denn unser Herr Jesus Christus lehrt uns im Gleichnis des verlorenen Sohnes, daß der Sünder sein Elend vor Gott mit den Worten »Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein« (Lk 15, 18–19) bekennen und auch spüren muß, daß es Gottes Werk ist: Er »war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden« (Lk 15, 32).

Unter dem Antrieb der Liebe des Barmherzigen Vaters und mit vorausschauender pastoraler Einfühlsamkeit wollte Papst Johannes Paul II. diese Gebote und Lehren des christlichen Glaubens tief in die Herzen der Gläubigen einsenken. Deshalb hat er den zweiten Sonntag der Osterzeit dazu bestimmt, dieser Gnadengaben mit besonderer Verehrung zu gedenken, und ihn mit der Bezeichnung »Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit« versehen (Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Dekret Misericors et miserator, 5. Mai 2000).

Im Evangelium vom zweiten Sonntag der Osterzeit wird von den Wundertaten erzählt, die unser Herr Jesus Christus nach seiner Auferstehung in der ersten öffentlichen Erscheinung vollbracht hat: »Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, daß sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!em ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert« (Joh 20, 19–23).

Damit die Gläubigen diese Feier mit ganzem Herzen begehen, hat der Papst festgelegt, daß der vorgenannte Sonntag – wie in der Folge noch näher erklärt wird – mit dem vollkommenen Ablaß ausgestattet wird. Das hat den Zweck, daß die Gläubigen das Geschenk des Trostes des Heiligen Geistes in höherem Maß empfangen und so eine wachsende Liebe zu Gott und zum Nächsten entfalten können und, nachdem sie selbst die Vergebung Gottes empfangen haben, ihrerseits angeregt werden, sogleich den Brüdern und Schwestern zu vergeben.

Die Gläubigen werden dann den Geist des Evangeliums vollkommener beobachten, indem sie ihr Innerstes erneuern, entsprechend den Worten und der Einführung des II. Ökumenischen Vatikanischen Konzils: »Die Christen können, eingedenk des Wortes des Herrn: ›Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr einander liebt‹ (Joh 13, 35), nichts sehnlicher wünschen, als den Menschen unserer Zeit immer großherziger und wirksamer zu dienen … Der Vater will, daß wir in allen Menschen Christus als Bruder sehen und lieben in Wort und Tat« (Pastoralkonst. Gaudium et spes, 93).

Mit dem brennenden Wunsch, im christlichen Volk diese Verehrung der Göttlichen Barmherzigkeit auf Grund der von ihr zu erhoffenden reichen geistlichen Früchte zu fördern, hat der Papst in der Audienz am 13. Juni 2002 sich gewürdigt, den unterzeichneten Seiten der Apostolischen Pönitentiarie die Ablässe unter folgenden Bedingungen zu gewähren:

Der vollkommene Ablaß wird unter den gewohnten Bedingungen (Empfang des Bußsakraments, der heiligen Eucharistie und Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters) dem Gläubigen gewährt, der mit reinem, jeder, auch der läßlichen Sünde abgewandtem Herzen am zweiten Sonntag der Osterzeit, das heißt, dem »der Göttlichen Barmherzigkeit«, in einer Kirche oder einem Oratorium an den zu Ehren der Göttlichen Barmherzigkeit durchgeführten Andachtsübungen teilnimmt oder wenigstens vor dem Allerheiligsten Sakrament der Eucharistie – öffentlich ausgesetzt oder im Tabernakel aufbewahrt – das »Vater unser« und das »Credo« betet mit dem Zusatz einer kurzen Anrufung des Barmherzigen Herrn Jesus (z.B. »Barmherziger Jesus, ich vertraue auf dich!«)

Ein Teilablaß wird dem Gläubigen gewährt, wenn er mit reuigem Herzen an den Barmherzigen Herrn Jesus eine der rechtmäßig genehmigten Anrufungen richtet.


Die Seefahrer, die ihre Pflicht im weiten Meer tun; die zahllosen Brüder und Schwestern, die durch das Unheil des Krieges, die politischen Wirrnisse, die Unbarmherzigkeit der Orte und aus anderen Gründen ihre Heimat verlassen haben; die Kranken und ihre Pfleger und alle, die aus berechtigten Gründen nicht außer Haus gehen können oder zugunsten der Gemeinschaft eine unaufschiebbare Tätigkeit ausüben, können den vollkommenen Ablaß am Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit gewinnen, wenn sie unter vollständiger Abkehr von jeder Sünde, wie zuvor gesagt, und mit dem Vorsatz, baldmöglichst die drei gewohnten Bedingungen zu erfüllen, vor dem Bild Unseres Barmherzigen Herrn Jesus das »Vater unser« und das Glaubensbekenntnis beten und eine Anrufung an den Barmherzigen Herrn Jesus hinzufügen (z.B. »Barmherziger Jesus, ich vertraue auf dich«).

Sollte den Gläubigen auch das nicht möglich sein, können an demselben Tag den vollkommenen Ablaß erlangen, die sich in der Absicht und Gesinnung des Herzens geistig mit denen vereinen, die in ordentlicher Weise das für den Ablaß vorgeschriebene Werk erfüllen und dem Barmherzigen Gott ein Gebet und die Leiden, die Krankheit und die Beschwerlichkeiten ihres Lebens aufopfern, wobei auch sie den Vorsatz haben, baldmöglichst die für die Gewinnung des vollkommenen Ablasses vorgeschriebenen drei Bedingungen zu erfüllen.

Die Priester, die den pastoralen Dienst versehen, vor allem die Pfarrer, sollen ihre Gläubigen in der angemessensten eise von dieser heilsamen Verfügung der Kirche unterrichten; sie sollen selbstlos und hilfsbereit deren Beichte hören und am Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit nach der Feier der heiligen Messe oder der Vesper oder während einer Andacht zu Ehren der Göttlichen Barmherzigkeit die vorgenannten Gebete mit der dem Ritus entsprechenden Würde leiten; sie sollen, gemäß dem Wort des Herrn: »Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden« (Mt 5, 7), die Gläubigen in der Katechese behutsam dazu drängen, so häufig wie möglich Werke der Barmherzigkeit zu tun und dem Beispiel und Auftrag Jesu Christi folgen, wie es in der zweiten allgemeinen Gewährung des Enchiridion Indulgentiarum angegeben ist.

Das vorliegende Dekret bleibt immer in Kraft, ungeachtet jeglicher gegenteilig lautenden Vorschrift.

Rom, beim Sitz der Apostolischen Pönitentiarie, am 29. Juni 2002, am Hochfest der hll. Apostel Petrus und Paulus 2002.

LUIGI DE MAGISTRIS
Titularerzbischof von Nova
Pro-Großpönitentiar

GIANFRANCO GIROTTI, O. F. M. Conv.
Regent

31.03.2013


Papst Franziskus erteilt Segen "Urbi et orbi"
: Appell zum Frieden

VIDEO
http://www.domradio.de/video/papst-franz...en-urbi-et-orbi

Papst Franziskus hat zu verstärkten Friedensbemühungen weltweit aufgerufen. In seiner Osterbotschaft äußerte er die Hoffnung auf ein Ende der Konflikte besonders im Nahen Osten und in Afrika.

Papst Franziskus hat an Ostern zu Frieden für die Krisenherde der Welt aufgerufen. Vor allem erinnerte er an Konflikte und Krisen im Nahen Osten, in Afrika und auf der koreanischen Halbinsel. In seiner Osterbotschaft vor 250.000 Menschen mahnte er Israelis und Palästinenser zur Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen. Zugleich forderte er ein Ende der Gewalt im Irak und in Syrien. Weiter verurteilte der Papst Egoismus und Profitgier sowie den Menschhandel; dieser sei die am weitesten verbreitete Form von Sklaverei im 21. Jahrhundert.

Anders als seine Vorgänger sprach Franziskus bei seinem ersten Osterfest im Vatikan keine Festtagswünsche in verschiedenen Sprachen. Vor dem Segen "Urbi et orbi" wünschte er allen Anwesenden nochmals auf Italienisch gesegnete Ostern. Bei bedecktem Himmel dankte er den niederländischen Blumenzüchtern für den geschmückten Garten rund um dem Papstaltar auf dem Petersplatz.

Sorge um Situation in Afrika

Der Friede werde auch durch Gewalt im Zusammenhang mit Rauschgifthandel und durch eine ungerechte Ausbeutung der natürlichen Ressourcen behindert, sagte Franziskus. "Der auferstandene Jesus bringe Trost den Opfern der Naturkatastrophen und mache uns zu verantwortungsbewussten Hütern der Schöpfung", sagte er.

Besorgt äußerte sich Franziskus über die Situation in Afrika, "das immer noch Schauplatz blutiger Konflikte ist". Er hoffe, dass in Mali wieder Frieden und Stabilität einkehre. Auch Nigeria leide unter Anschlägen, "die das Leben vieler Unschuldiger schwer bedrohen". Weiter rief er zum Gebet um Frieden in der Demokratischen Republik Kongo und in der Zentralafrikanischen Republik auf; dort hätten viele ihre Häuser verlassen müssen und lebten weiter in Angst. Im Blick auf die koreanische Halbinsel äußerte der Papst den Wunsch, "dass die Divergenzen überwunden werden und ein neuer Geist der Versöhnung heranreife".

Die Kraft der Auferstehung

Mit seiner Auferstehung sei Jesus nicht in sein früheres irdisches Leben zurückgekehrt, betonte der Papst. Er sei vielmehr "eingetreten in das Leben der Herrlichkeit Gottes". Damit habe er der Menschheit eine Zukunft der Hoffnung aufgetan. Jesu Auferstehung bedeute, dass die Liebe Gottes stärker sei als das Böse und als der Tod.

Die Kraft der Auferstehung müsse sich in jeder Zeit und im konkreten täglichen Leben verwirklichen, führte der Papst aus. Wie viele Wüsten muss der Mensch auch heute durchqueren. "Vor allem die Wüste in ihm selbst, wenn das Bewusstsein fehlt, Hüter all dessen zu sein, was der Schöpfer uns geschenkt hat und schenkt." Die Barmherzigkeit Gottes könne auch das trockenste Land erblühen lassen, so der Papst.

(KNA, epd, dr)

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