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von 13.03.2013 10:01

FASTENZEIT
4. WOCHE - MITTWOCH

29

EINHEIT DES LEBENS


Einheit des Lebens: Salz der Erde und Licht der Welt sein.
Dazu beitragen, daß die Dinge der Schöpfung zu Gott führen. Das Wirken eines Christen in der Gesellschaft.
Frömmigkeitsübungen sollen uns nicht von der Welt abschotten, sondern den Umgang mit Gott vertiefen, damit wir in der Welt Zeugnis geben können.

I. Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde.1 Christus kam als Licht in die Welt, damit die Menschen nicht in der Finsternis verharren müssen2. Die ganze Schöpfung - in diesem Licht Gottes gesehen - ist für den Menschen Weg zu Gott. Doch: Das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfaßt.3

Auch heute sind diese Worte aktuell. In weiten Teilen der Welt kennt man die Botschaft Christi noch nicht, oder sie wird einfach ignoriert. Viele leben im dunkeln, haltlos, weil ohne Orientierung.

Einer der Gründe dafür ist bei vielen Menschen das Auseinanderklaffen von Leben und Glauben. Arbeit, Studium, Betrieb, Forschung, Freizeit gelten für sie als »die reale Welt« Da ist der Glaube dann nur noch eine Art Schnörkel. Ohne das Licht der Offenbarung aber entraten die irdischen Gegebenheiten ihres tieferen Sinnes. Die Welt wird dann zum Selbstzweck, sie verliert den Bezug zu ihrem Schöpfer Gott. Vor allem in der westl»chen Welt hat sich diese Mentalität ausgebreitet. »Durch sie drohen viele für Christus und für die Kirche verloren zu gehen; leider verbreitet sich von diesen Ländern aus wie Unkraut ein Neuheidentum in der ganzen Welt. Es ist gekennzeichnet durch die zwanghafte Suche nach materiellem Wohlstand und die damit einhergehende Verdrängung all dessen, was Leid bedeutet, ja man könnte sogar von einer panischen Angst vor ihm sprechen. Aus dieser Einstellung werden Worte wie Gott, Sünde, Kreuz, Abtötung, ewiges Leben vielen Menschen unverständlich, weil sie weder deren Sinn noch deren Inhalt kennen.

Ihr selbst seid Zeugen der Tatsache, daß viele Gott zunächst in Kleinigkeiten aus ihrem persönlichen, familiären oder beruflichen Leben ausklammern; da Gott aber ein Liebender ist, der bittet und fordert, werfen sie ihn schließlich - wie einen Eindringling - auch aus der Gesetzgebung und dem Leben der Völker hinaus. Lächerlich und anmaßend wollen sie an seine Stelle das armselige Geschöpf setzen, das - auf Bauch, Sex und Geld reduziert - seine übernatürliche und menschliche Würde eingebüßt hat - ich übertreibe nicht, man kann es doch allerorten sehen.«4

Damit die Menschen erkennen, daß die Welt von Gott erschaffen und deshalb nicht von ihm weg, sondern zu ihm hinführt, müssen die Christen sich der Tatsache, daß das menschliche Leben eine untrennbare Einheit bildet, ganz neu bewußt werden. Ein Jünger Christi - ein Laie zumal - sucht ja nicht die Absonderung von den irdischen Dingen. Er lebt mitten in der Welt, und er versteht sich darin als Sauerteig. Ein überzeugter Christ wirkt durch sein Zeugnis, das er in der Erfüllung seiner täglichen Aufgaben gibt, wie das Salz, das Geschmack verleiht und vor Fäulnis schützt. »Wenn wir Christen wirklich nach unserem Glauben lebten, käme es zu der umwälzendsten Revolution aller Zeiten ... Jeder einzelne von uns hat am Werk der Erlösung mitzuwirken. - Denke darüber nach!«5

II. Alles Geschaffene steht nach dem Willen Gottes im Dienst des Menschen. Die Sünde - der Hochmut unserer Stammeltern - zerstörte die gottgewollte Harmonie der Schöpfung. Von nun an war der Verstand getrübt und irrtumsanfällig, der Wille geschwächt und die Freiheit, das Gute zu wollen, zwar nicht aufgehoben, aber doch vermindert. Der Mensch wurde tief verwundet. Auch die Natur trägt dieses Mal: »Wenn der Mensch vom Plane Gottes, des Schöpfers, abweicht, verursacht er eine Unordnung, die sich unausweichlich auf die übrige Schöpfung auswirkt.«6

Die Welt ist als Gottes Schöpfung gut; aber seit dem Sündenfall können die Dinge dieser Welt mißbraucht werden. »Die Sünde des Menschen, das heißt sein Bruch mit Gott, ist die letzte Ursache für die Tragödien, welche die Geschichte der Freiheit begleiten.«7 Aus dem gottgewollten Zusammenhang herausgelöst, verkommen die geschaffenen Wirklichkeiten sehr bald zu Blendwerk und führen auf Irrwege.

In seiner unendlichen Güte erlöste uns Gott von der Sünde. Durch Jesus Christus hat er uns mit sich versöhnt, so daß wir uns Kinder Gottes nennen dürfen. Und wir sind es8, zur Gemeinschaft mit ihm im Himmel berufen.

Welche Aufgabe der Christen, dazu beizutragen, daß alle Wege dieser Erde wieder zu Gott führen! »Wir müssen alle Bereiche der Gesellschaft mit dem christlichen Geist durchtränken. Aber es darf nicht bei einem allgemeinen Wunsch bleiben: jeder muß dort, wo er arbeitet, seinem Tun den gottgewollten Sinn verleihen und sich darum bemühen - durch Gebet, durch Abtötung, durch gut getane Arbeit -, sich selbst und andere Menschen in der Wahrheit Christi zu formen, damit er als Herr allen menschlichen Tuns verkündet wird.«9

III. Der Herr hat uns Christen die Aufgabe anvertraut, die Gesellschaft aus christlichem Geist zu beleben, damit ihre Strukturen und Einrichtungen dem Menschen wirklich dienen können. Aber unser Wirken in der Gesellschaft wäre ohne die innere Spannkraft, die aus einem persönlichen Umgang mit Gott erwächst, unfruchtbar. Unsere Frömmigkeit muß deshalb einerseits sehr »persönlich« sein, andererseits aber darf sie uns niemals von der Umwelt abschotten, mit der wir es tagtäglich zu tun haben. Sie darf sich nicht verselbständigen, sondern muß in unseren Alltag eingebettet sein. In ihr kann sich die Sehnsucht nach Gott besonders innig und tief entfalten, so daß hernach die Aufgaben des Tages aus der Kraft dieser Augenblicke leben. Wer sich in der Welt heiligen will, wird also nicht bloß sein Frömmigkeitsleben pflegen, er wird gleichzeitig versuchen, es in das Ganze seines Lebens so einzubinden, daß es ihn Gott nahe sein läßt. »Dies wird dich, fast wie von selbst, zum beschaulichen Leben führen. Aus deiner Seele werden dann Stoßgebete, geistige Kommunionen, Akte der Liebe, des Dankes und der Sühne viel reicher hervorgehen, und zwar während der Zeit, die du der Erfüllung deiner Pflichten widmest: beim Telefonieren, beim Einsteigen in ein Verkehrsmittel, beim Schließen oder Öffnen einer Tür, im Vorbeigehen an einer Kirche, zu Beginn einer neuen Arbeit, währenddessen, und später, wenn du sie abschließt t«10.

Das ist jene Einheit des Lebens, in welcher sich individuelle Frömmigkeit und gesellschaftliche Verantwortung gegenseitig befruchten. Die Arbeit und die Alltagspflichten sind dann kein Hindernis für den Umgang mit Gott, gerade in ihnen können die Tugenden gedeihen und sich bewähren. Aus der Kraft des persönlichen Gebetes bemühen wir uns um eine gute Arbeit, und diese Arbeit trägt zum Wohl der Mitmenschen bei. Aber wir wissen, daß unser Bemühen nur dann fruchtbar werden kann, wenn wir uns dem Wirken des Heiligen Geistes öffnen: »Non est abbreviata manus Domini, der Arm Gottes ist nicht kürzer geworden (Jes 59,1): Gott hat heute nicht weniger Macht als in früheren Zeiten, er liebt die Menschen nicht weniger als damals. Unser Glaube lehrt uns, daß die ganze Schöpfung, das Kreisen der Erde und der Gestirne, das gute Streben des Menschen und der Fortschritt in der Geschichte, daß alles von Gott kommt und auf ihn hinzielt«11.

Wir wollen den Heiligen Geist um Licht bitten, damit wir immer besser erkennen, daß die Welt - Gottes Schöpfung - der Ort ist, an dem wir Salz und Licht sein sollen.

1 Kommunionvers. Joh 3,17. - 2 vgl. Joh 8,12. - 3 Joh 1,5.- 4 A. del Portillo, Hirtenbrief, 25.12.1985, 4. - 5 J. Escrivá, Die Spur des Sämanns, Nr. 945. - 6 Johannes Paul II, Botschaft zur Feier des Weltfriedenstages 1990, 8.12.1989, 5. - 7 Instruktion der Kongregation für die Glaubenslehre über die christliche Freiheit und die Befreiung, 22.3.1986, 37. - 8 vgl. 1 Joh 3,1. - 9 A. del Portillo, Hirtenbrief, 25.12.1985, 10. - 10 J. Escrivá, Freunde Gottes, 149. - 11 J. Escrivá, Christus begegnen, 130.

von 12.03.2013 09:36

FASTENZEIT
4. WOCHE - DIENSTAG

28

GEDULDIG AUF HEILUNG WARTEN

Der Gelähmte vom Teich Betesda. Ausdauer im inneren Kampf macht uns demütiger und erfahrener.
Der Wert der Geduld. Auch eine schwere Niederlage kann uns voranbringen.
Die Unzulänglichkeiten unserer Mitmenschen sind Prüfstein für Geduld und Verständnis.

I. Das heutige Evangelium berichtet von einem Mann, der seit achtunddreißig Jahren krank war und sich vom Wasser des Teiches Betesda Heilung erhoffte1. Als Jesus ihn dort liegen sah und erkannte, daß er schon lange krank war, fragte er ihn: Willst du gesund werden? Der Kranke schildert seine Situation: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich, sobald das Wasser aufwallt, in den Teich trägt. Während ich mich hinschleppe, steigt schon ein anderer vor mir hinein. Da sagte Jesus zu ihm: Steh auf, nimm deine Bahre und geh! Der Gelähmte gehorchte dem Wort: Sofort wurde der Mann gesund, nahm seine Bahre und ging.

Der Herr ist immer bereit, auf unsere Nöte einzugehen. Freilich müssen wir unsere Not sehen wollen und gewillt sein, sie zu überwinden. Sonst suchen wir unwillkürlich nach Ausreden: Ich habe es doch schon so oft versucht ... es hat keinen Zweck ... ich bin halt so ... Wir finden uns dann mit vielen Fehlern und Schwächen einfach ab, die uns von Gott und vom Nächsten trennen.

Diese Fastenzeit ist eine gute Gelegenheit, durch die Umkehr des Herzens zu Gott und durch Werke der Buße dem Heilswirken Gottes in unserer Seele den Weg zu ebnen. Jesus erwartet von uns Ausdauer im inneren Kampf, die Bereitschaft, immer wieder neu zu beginnen. Der heilige Johannes Chrysostomos sagt dazu: »Der Herr befragte den Gelähmten nicht etwa, weil er etwas von seiner Krankheit erfahren wollte - er hatte es ja nicht nötig -, sondern um die Geduld des Kranken hervorzuheben; seit achtunddreißig Jahren wartete er und hatte nicht aufgehört, auf Heilung zu hoffen.«2

Im Kampf um eine Tugend oder gegen einen Fehler ist nicht nur die Entschlossenheit Zeichen unserer Liebe zu Christus - auch die Geduld. Wir können die achtunddreißig Jahre des Wartens als Anspielung auf eine lange Zeit vergeblichen Mühens verstehen.

Jemand hat die Fähigkeit, aus den eigenen Unzulänglichkeiten geistlichen Nutzen zu ziehen, eine Kunst genannt. Wer sie beherrscht, ist angesichts seiner Gebrechen weder erstaunt noch gibt er vorschnell auf. Mitten in der scheinbaren Vergeblichkeit seiner Mühe wird er vielmehr demütiger und an Lebenserfahrung reicher werden.

Hätte der Gelähmte sein ganzes Leben lang hoffend ausgeharrt? Wir wissen nur so viel: der Lohn des jahrelangen Wartens war die Begegnung mit Christus.

II. Darum, Brüder, haltet geduldig aus bis zur Ankunft des Herrn! Auch der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde, er wartet geduldig, bis im Herbst und im Frühjahr der Regen fällt.3

Geduldig ausharren im inneren Kampf - dies ist gewissermaßen der Zauberschlüssel. Der heilige Franz von Sales schreibt: »Die Unruhe und das schmerzliche Sehnen, die mit dem Verlangen nach der Liebe verbunden sind, sollen uns nicht entmutigen und zur Verzweiflung treiben. Darum hat der Herr, der will, daß wir so inbrünstig nach ihm verlangen, uns tausendfach die Verheißung gegeben, daß wir das ersehnte Gut leicht erlangen können, wenn wir nur die Mittel gebrauchen, die er uns zur Erreichung dieses Zieles bereitgestellt hat.«4

Wenn wir bedenken, daß Tugend ein beständiges Streben zum Guten ist, wird es uns nicht überraschen, daß sie nicht in einem einzigen Kraftakt, sondern allein - getragen von der Gnade - durch beharrliches hartnäckiges Ringen zu erlangen ist, Tag für Tag. »In den Kämpfen der Seele ist die Strategie vielfach eine Frage der Zeit, der geduldigen und beharrlichen Anwendung des rechten Mittels. Immer wieder Gebetsakte der Hoffnung. Denkt daran: In eurem inneren Leben werdet ihr Niederlagen erleiden, ihr werdet Schwankungen erfahren - gebe Gott, daß sie kaum bemerkbar sind -, denn niemand ist frei von solchen Anfechtungen. Aber der Herr, der allmächtig und barmherzig ist, hat uns die geeigneten Mittel gegeben, um siegen zu können. Es genügt, daß wir sie anwenden und entschlossen sind (...), wenn nötig, immer wieder neu zu beginnen.«5

Beharrlichkeit wächst auf dem Boden der Liebe. Nur aus Liebe kann man geduldig sein und weiter kämpfen, ohne fälschlich zu meinen, Fehler und Schwächen seien unabänderlich und definitiv.

Wer seinen Kampf gegen böse Neigungen und charakterliche Unarten mit Geduld führt, ist gegen konformistische Parolen gefeit. Er festigt sich in der Demut und schämt sich nicht, immer wieder vor Gott dazustehen wie der Diener im Gleichnis, der das Geld nicht zurückzahlen konnte6. Wie dieser kann er nur immer wieder um Gnade bitten. Und er weiß, daß sie ihm gewährt wird. Auch eine schwere Niederlage kann uns dem Herrn durch Reue und Sühne näherbringen. Sie entzünden sich an dem heilsamen Schmerz, Gottes Liebe und Wohlwollen wieder einmal ausgeschlagen zu haben.

III. Geduld nicht nur mit uns selbst, wir müssen sie auch den uns Nahestehenden entgegenbringen, erst recht, wenn wir für sie in besonderer Weise verantwortlich sind. Es wäre unrealistisch, so zu tun, als dürften die Menschen um uns keine Unzulänglichkeiten haben. Sie haben sie - wie wir -, und sie sind ein Prüfstein für unsere Verständnisfähigkeit. Wenn uns die Pflicht gebietet, sie einmal zu tadeln, werden wir versuchen, es gelassen und geduldig zu tun: im rechten Augenblick, was oft bedeutet, nicht gleich zu reagieren, sondern abzuwarten. Die Geduld kühlt die gereizte Augenblicksstimmung ab; in gelassener Atmosphäre gibt sie unserer Ermahnung einen objektiven Charakter. Es wird deutlich, daß wir um der Sache willen tadeln, nicht wegen einer subjektiven Stimmung. Und gelegentlich können auf diese Weise auch Menschen, die wir für unverbesserlich hielten, nachdenklich werden.

Deshalb empfiehlt der heilige Johannes Chrysostomos: »Wiederhole deine Ermahnungen immer wieder, doch niemals unwillig; gehe immer mit Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit vor. Hast du etwa noch nicht gesehen, mit welcher Sorgfalt ein Maler manchmal seinen Entwurf löscht und ihn dann wieder überarbeitet, um ein schönes Antlitz wiederzugeben? Laß dich nicht von den Malern übertrumpfen. Wenn sie nämlich schon so viel Sorgfalt auf das Abbild des Körpers verwenden, um wieviel mehr haben dann wir, die wir das Bild einer Seele formen, Veranlassung, alles nur Erdenkliche zu tun, um sie schließlich vollkommen zu gestalten.«7

Ausdauer und Geduld sind besonders nötig, wenn es um unser apostolisches Wirken geht. Die Menschen brauchen Zeit, und Gott ist langmütig: er schenkt seine Gnade zu jeder Zeit, und sie ist vergebend und voller Impulse. Wenn er mir gegenüber so viel Geduld hat, soll ich dann gegenüber einem Freund, den ich zu Gott führen möchte, nicht geduldig sein? Mag sein, daß er jetzt nicht auf mich hören will und die Sache Gottes ihn gleichgültig läßt. Statt ihn aber aufzugeben, werde ich dann um so mehr für ihn beten, Opfer bringen, ihm meine lautere Freundschaft zeigen.

Ließen wir - ungeduldig, unbarmherzig - unsere Freunde im Stich, so könnten sie sich einmal die Klage des Gelähmten zu eigen machen: »Ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich trägt« »Das könnten - leider! - viele Menschen sagen, deren Seele krank und wie gelähmt ist - und die doch Gott und den Nächsten dienen können ... und dienen sollen. - Herr, laß mich niemals gegenüber den Seelen gleichgültig bleiben!«8

Fragen wir uns heute, während dieser Zeit des Gebetes, ob wir uns um die Menschen kümmern, die uns nahestehen. Haben wir es aufgegeben, ihnen eine Stütze zu sein? Haben wir uns an ihre Unzulänglichkeiten gewöhnt, als wären sie unabänderlich? Sind wir ihnen gegenüber geduldig?

Die Fastenzeit erinnert uns daran, daß wir - stellvertretend für sie - Sühne leisten und sie so für die Gnade des Glaubens und der Bekehrung aufnahmebereit machen können.

Der Gelähmte, der am Teich Betesda seine Genesung suchte, fand sie durch Christus. Er ist die Quelle des lebendigen Wassers, das alles reinigt und belebt. In ihm verwirklicht sich die Vision des Propheten Ezechiel, von der wir in der Lesung der heutigen Messe hören: Dieses Wasser fließt in den östlichen Bezirk, es strömt in die Araba hinab und läuft in das Meer, in das Meer mit dem salzigen Wasser. So wird das salzige Wasser gesund. Wohin der Fluß gelangt, da werden alle Lebewesen, alles, was sich regt, leben können9. Wer auf Christus schaut, über den obsiegen nicht seine Sünden und Fehler. Auch aus ihnen kann Leben erwachsen.

1 Joh 5,1-16. - 2 Johannes Chrysostomos, Homilien über das Matthäusevangelium, 36. - 3 Jak 5,7. - 4 Franz von Sales, Über die Gottesliebe, Zürich 1978, S.79. - 5 J. Escrivá, Freunde Gottes, 219. - 6 vgl. Mt 18,23 ff. - 7 Johannes Chrysostomos, Homilien über das Matthäusevangelium, 30. - 8 J. Escrivá, Die Spur des Sämanns, Nr. 212. - 9 Ez 47,8-9.

von 11.03.2013 10:26

FASTENZEIT
4. WOCHE - MONTAG

27

DAS PERSÖNLICHE GEBET

Der Herr lehrt uns durch sein Beispiel die Notwendigkeit des Gebetes.
Aussprache vor Gott: niemals anonym, persönlich, konkret.
Voraussetzungen für die innere Sammlung.

I. Jesus betete einmal an einem Ort1. Das Evangelium zeigt uns immer wieder, wie Jesus sich zurückzieht, um allein zu beten2. Dies wird besonders deutlich in den wichtigen Augenblicken seines öffentlichen Wirkens, bei seiner Taufe3, bei der Berufung der Apostel4, beim Wunder der Brotvermehrung5 oder bei der Verklärung auf Tabor6. Beten war für den Herrn eine Selbstverständlichkeit: »Manchmal verbrachte er die ganze Nacht im innigen Gespräch mit seinem Vater. Mit welcher Liebe muß die Gestalt des betenden Christus die ersten Jünger erfüllt haben.«7 Auch uns kann die Betrachtung dieser Szenen helfen, betend ihn mehr zu lieben.

Die Fastenzeit rückt das Gebet des Herrn im Ölgarten in die Mitte unserer Betrachtung. Der Beginn seines Leidensweges steht jetzt kurz bevor. Die Apostel begleiten ihn zum letztenmal nach Getsemani. Jesus kennt den Ort, weil er sich oft dorthin zum Beten zurückgezogen hatte. Lukas deutet dies an einer Stelle seines Evangeliums an, wenn er schreibt: Dann verließ Jesus die Stadt und ging, wie er es gewohnt war, zum Ölberg8. Diesmal aber bekommt das Gebet des Herrn eine besondere Färbung: er tritt in sein Todesleiden ein.

Bevor sich der Herr von den Aposteln trennt, sagt er zu ihnen: Betet darum, daß ihr nicht in Versuchung geratet!9 Die Stunde des Leidens wird für die Jünger zur Stunde der Versuchung und des Ärgernisses. Schon im Abendmahlssaal hatte es ihnen der Herr angekündigt, doch nun erinnert er sie von neuem daran: nur wachend und betend werden sie bestehen können.

Das Gebet ist für jeden Christen notwendig. Der Herr lehrt uns, daß wir allezeit beten und nicht nachlassen sollen10, denn: getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen11. Nachlassender Umgang mit Gott läßt das geistliche Leben versiegen. »Wer aufhört zu beten, lebt noch eine Weile von seinen spirituellen Reserven - und danach vom Schwindeln.«12 Wir sollen Gottes Nähe eindringlich und in jeder Situation suchen. Gerade in der Fastenzeit, da wir Jesus auf seinem Weg nach Golgota begleiten, gilt: »wie schwer ist es, ihn zu begleiten, wenn man nicht betet.«13

Der heilige Thomas von Aquin »definiert das Gebet als >Ausdruck der Sehnsucht des Menschen nach Gott<. Damit ist das Gebet mehr als Einkehr und Besinnung, mehr als Hygiene und Kultur der Seele oder ein bloß psychologisches >Auftanken<. Im Gebet betrachtet der Mensch sich und seine Situation vor Gott, auf ihn hin und von ihm her. Dabei erfährt er, daß er ein hilfsbedürftiges Geschöpf ist, ohnmächtig, selbst sein Dasein und seine Hoffnung zu erfüllen. Allein Gott, der Grund und das Ziel des Menschen, ist groß genug, um das menschliche Herz ganz auszufüllen. Darum ist das Gebet Aufbruch zu Gott, Erhebung des Herzens zu Gott, Begegnung des Menschen mit Gott. Die tiefste Sehnsucht des Menschen ist das Einswerden mit Gott, d.h. die Gemeinschaft und die Freundschaft mit ihm. Die eigentliche Definition des Gebetes lautet deshalb: Das Gebet ist ein >Gespräch mit Gott<, Austausch der Freundschaft mit ihm (Theresia von Avila).«14

II. Dann entfernte er sich von ihnen ungefähr einen Steinwurf weit, kniete nieder und betete: Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen.15

Abgründiger Seelenschmerz und grenzenloses Vertrauen zum Vater. Christus spricht ihn mit der familiären Anrede an, die Kinder gebrauchen: Abba. Und er zeigt uns damit, wie das Gespräch mit Gott sein soll: voll kindlichem Vertrauen, in Zeiten inneren Friedens wie in Zeiten heftigen Ringens oder der Dunkelheit, und ganz besonders dann, wenn Hoffnungslosigkeit droht. Das Gebet, das vertrauliche Zwiegespräch mit dem Herrn, ist die gemäße Reaktion auf die Ohnmacht, die wir manchmal auf dem Weg der Nachfolge so deutlich spüren.

Gemäß dem Wort des Herrn - du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater16 - suchen wir Gott in der Einsamkeit des eigenen Herzens. Aber dies ist keine Einschränkung gegenüber dem Gebet in der Gemeinschaft, das auch persönliches Beten ist, wenn wir das gesprochene Wort im Geiste bedenken. Der Liturgie-Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils zufolge »ist die Liturgie der Höhepunkt, dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt (...). Das geistliche Leben deckt sich aber nicht schlechthin mit der Teilnahme an der heiligen Liturgie. Der Christ ist zwar berufen, in Gemeinschaft zu beten, doch muß er auch in sein Kämmerlein gehen und den Vater im Verborgenen anbeten, ja ohne Unterlaß beten, wie der Apostel mahnt (1 Thess 5,17) «17.

Jetzt betrachten wir besonders das persönliche Gebet, in dem wir uns vor Gott aussprechen, so wie man sich mit einem Freund ausspricht. Wir wissen, daß er gegenwärtig ist, daß er uns aufmerksam zuhört, daß er uns erleuchtet. Wir beten ihn an, wir danken ihm, wir bitten ihn um Hilfe, wir versuchen - wie die Apostel damals - seine Lehre tiefer zu erfassen. »Du hast mir geschrieben: >Beten ist Sprechen mit Gott. Aber wovon?< - Wovon? Von ihm und von dir, von Freude und Kummer, von Erfolgen und Mißerfolgen, von hohen Zielen und alltäglichen Sorgen ... Von deinen Schwächen! Danksagungen und Bitten. Lieben und Sühnen. - Kurz, ihn erkennen und dich erkennen: Beisammen sein!«18

Beten darf niemals unpersönlich sein. Christus hat nicht eine anonyme Menschenmasse erlöst, sondern jeden einzelnen Menschen, Heil oder Verdammung sind individuell. Die eigenen Vorstellungen, Nöte, Sorgen und Freuden, die spezifischen Angelegenheiten dieses bestimmten Berufes, die Anliegen dieses oder jenes Freundes ... dies alles tragen wir vor unseren Vater Gott.

III. Nach dem Gebet stand er auf, ging zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend: denn sie waren vor Kummer erschöpft. Da sagte er zu ihnen: Wie könnt ihr schlafen? Steht auf und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet.19

Wieder einmal begegnen uns die Apostel in ihrer Schwäche, ihre Liebe zum Herrn war noch nicht genug gefestigt. Der Schlaf übermannt sie, sie lassen Jesus allein. Mit dem Schlaf, Sinnbild der menschlichen Schwachheit, bemächtigen sich ihrer Niedergeschlagenheit und Resignation.

Nur ein waches Gespräch mit dem Herrn kann solche Gefahren bannen. Nicht daß wir stets eigene Gedanken oder Regungen vortragen müßten. Häufig werden uns die Heilige Schrift, ganz besonders die Evangelien, oder ein geistliches Buch helfen, auf den Herrn zuzugehen. So haben es auch die Heiligen oft genug getan: »Vierzehn Jahre hindurch war ich in solcher Verfassung, daß ich niemals meditieren konnte, wenn ich nicht eine Lesung vor mir hatte« schreibt die heilige Theresia von Avila20.

»Die äußeren Bedingungen können die innere Sammlung erleichtern oder auch erschweren. Suchen wir deshalb einen geeigneten Ort, möglichst in der Nähe des Tabernakels, und eine günstige Zeit. Und wenn sich störende Erinnerungen oder Vorstellungen aufdrängen wollen, dann hilft uns der Geist der Abtötung, um zu vermeiden, daß »deine Sinne wach sind und deine Seele schläft«21.

»Die geistlichen Lehrer sprechen immer wieder von der Zerstreuung, dem Zustande, in welchem der Mensch nicht Mitte noch Einheit hat, seine Gedanken von diesem zu jenem Gegenstand schweifen, sein Fühlen unbestimmt und sein Wille der eigentlichen Möglichkeiten nicht mächtig ist. Hier gibt es eigentlich keinen richtigen >Jemand<, der redet und angeredet werden kann, sondern ein Gewirre von Gedanken, einen Fluß von Empfindungen, einen Durchgang von Eindrücken. So heißt Sammlung, daß der Betende sich >zusammennimmt<, wie das Wort sehr anschaulich sagt; die überallhin entgleitenden Gedanken zurückholt - eine mühselige Arbeit! - und so dem Gebete ein geeintes Gemüt zur Verfügung stellt. Es ist der Zustand, aus dem heraus er mit dem Angerufenen der Schrift sagen kann: >Hier bin ich<«22.

Wenn wir entschieden gegen Zerstreuungen ankämpfen, wird es uns mit der Gnade des Herrn und der Hilfe unseres Schutzengels gelingen, daß das Gespräch mit ihm nicht abreißt, auch wenn es hier und dort stockt.

Ungewollte Ablenkungen, die uns eher stören und die wir abzuwehren suchen, sobald wir sie bemerken, mindern weder Sinn noch Wert des Betens. Eltern macht schließlich auch das unzusammenhängende Gestammel des kleinen Kindes Freude.

Gelegentlich wird uns das Beten schwer, ja unfruchtbar vorkommen. Aber »Beten ist keine Frage des Redens oder Fühlens, sondern der Liebe. Und allein schon das Bemühen, dem Herrn etwas sagen zu wollen, ist ein Zeichen dieser Liebe - auch wenn man gar nichts sagt«23.

Das Gebet macht uns reicher, fester, entschiedener. Es »klärt und läutert die Grundhaltung des Menschen, entlarvt bloßen Schein, mit dem wir uns und den anderen etwas vormachen. Es gibt uns die Kraft, von unseren Lebenslügen zu lassen und die Wahrheit über uns und unser Leben anzuerkennen.«24

Niemand auf dieser Welt hatte einen so liebevollen Umgang mit Jesus wie seine Mutter. Auf ihre Fürsprache hin werden wir es immer besser verstehen, Jesus nahe zu sein.

1 Lk 11,1-3. - 2 vgl. Mt 14,23; Mk 1,35; Lk 5,16; etc. - 3 vgl. Lk 3,21. - 4 vgl. Lk 6,12. - 5 vgl. Mk 6,46. - 6 vgl. Lk 9,29. - 7 J. Escrivá, Christus begegnen, 119. - 8 Lk 22,39. - 9 Lk 22,40. - 10 vgl. Lk 18,1. - 11 Joh 15,5. - 12 J. Escrivá, Die Spur des Sämanns, Nr. 445. - 13 ders., Der Weg, Nr. 89. - 14 Katholischer Erwachsenen-Katechismus, Bonn 1985, S.87. - 15 Lk 22,41-42. - 16 Mt 6,6. - 17 II. Vat. Konz., Konst. Sacrosanctum Concilium, 10 u. 12. - 18 J. Escrivá, Der Weg, Nr. 91. - 19 Lk 22,45-46. - 20 Theresia von Avila, Weg zur Vollkommenheit, 17,4. - 21 vgl. J. Escrivá, Der Weg, Nr. 368. - 22 R. Guardini, Vorschule des Betens, Mainz 1986, S.21. - 23 J. Escrivá, Die Spur des Sämanns, Nr. 464. - 24 Katholischer Erwachsenen-Katechismus, Bonn 1985, S.87.

von 10.03.2013 07:37

VIERTER FASTENSONNTAG

26

DIE FREUDE DES KREUZES

Traurigkeit, nicht Schmerz ist das Gegenteil von Freude. Vereinbarkeit von Freude und Schmerz.
Geistlicher Ursprung der Freude: ein Herz, das liebt und sich von Gott geliebt weiß.
Gott liebt einen fröhlichen Geber.

I. Freut euch mit Jerusalem! Jubelt in der Stadt, alle, die ihr sie liebt ..., beten wir im Eröffnungsvers der heutigen Messe: Laetare, Ierusalem ...1

Die Freude ist ein Erkennungszeichen des Christen. Heute erinnert uns die Kirche im Jubelruf des Propheten daran. Es gibt eine verhaltene Freude, die in der Hoffnung des Advents gründet; eine helle und strahlende Freude der Weihnacht; die staunende Freude, am Leben des Auferstandenen teilzuhaben; und nun - mitten in der Fastenzeit - betrachten wir die Freude des Kreuzes. Allen Gestalten der Freude gemeinsam ist ihre Verwurzelung in Christus: »Nur von ihm kann jeder von uns, kann ich« sagt Johannes Paul II., »mit Worten des heiligen Paulus wirklich sagen, daß er mich geliebt und sich für mich hingegeben hat (Gal 2,20). Hier wurzelt eure tiefste Freude, hier eure Kraft und euer Halt. Wenn ihr auch einmal Bitternis oder Drangsal zu ertragen habt, Unverständnis erfahrt oder sündigt, richtet gleich eure Gedanken auf den, der euch immer liebt. Mit seiner grenzenlosen Liebe - der Liebe eines Gottes - läßt er alle Prüfungen bestehen, füllt die Leere in uns aus, vergibt uns alle unsere Sünden und schenkt uns einen neuen Schwung zum Weitergehen auf einem sicheren und freudigen Weg.«2

Dieser Sonntag trägt von Alters her nach dem lateinischen Anfang des Eröffnungsverses der heiligen Messe den Namen Laetare. Die Liturgie läßt den Priester statt des violetten ein rosafarbenes Gewand tragen3, auch der Altar darf heute mit Blumen geschmückt werden4. Durch diese Zeichen will uns die Kirche in Erinnerung rufen, daß die Freude mit Opfer und Leid durchaus vereinbar ist. Nicht die Buße, die Traurigkeit ist das Gegenteil von Freude. Wer diese liturgische Zeit, die zum Leiden und Kreuz Christi hinführt, wirklich innerlich erlebt, entdeckt das Herannahen der Passion als ein Herannahen des Höhepunkts der Erlösung. Deshalb freut sich die Kirche und freuen sich ihre Kinder: Laetare, freue dich, Jerusalem, und freut euch mit ihm alle, die ihr es liebt.

Etwas in uns stimmte nicht, wenn die Abtötungen, um die wir in diesen Tagen der Fastenzeit besonders bemüht sind, unsere innere Freude trübten, statt uns zu ihr hinzuführen, weil uns das Opfer erfahren läßt, daß der Herr uns durch das Kreuz erlöst hat. Durch das Leiden der Kartage gelangt zu uns der reiche Strom der Liebe Gottes, der österliche Jubel kündigt sich an. Deshalb suchen wir das Einssein mit dem Herrn, damit auch wir aufs neue erfahren, was es heißt, durch Leiden und Kreuz zur Freude der Auferstehung zu gelangen.

II. Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!5 Papst Paul VI. schreibt über die verschiedenen Grade der Freude: Ihre »lauterste Form ist die Freude oder >das Glück< im strengen Sinn, wenn der Mensch auf der Ebene seiner höheren Fakultäten im Besitz eines erkannten und geliebten Gutes inneren Frieden und Erfüllung findet.(...) In noch weit höherem Maße erfährt er geistige Freude und Glück, wenn sein Geist in den Besitz Gottes gelangt, den er als höchstes und unwandelbares Gut erkennt und liebt.«6 Der Papstmacht dann auf die inneren Widersprüche aufmerksam, die wir, besonders in unserer Zeit, erfahren: »Die technische Gesellschaft konnte die Gelegenheiten zum Vergnügen vervielfachen, aber die Übel sind zu zahlreich, als daß Freude aufkommen könnte. Denn die Freude erwächst aus anderen Gründen. Sie ist etwas Geistiges. An Geld, Komfort, Hygiene und materieller Sicherheit mangelt es oft nicht; aber dennoch bleiben Überdruß, mürrische Stimmung und Traurigkeit unglücklicherweise das Los vieler.«7

Herr, unser Gott, in der Freude auf das Osterfest bringen wir unsere Gaben dar. Hilf uns, gläubig und ehrfürchtig das Opfer zu feiern, das der Welt Heilung schenkt8. Leid und Bedrängnis gehören zu jedem menschlichen Leben auf Erden. Leid, getrennt von Christus, vermag jedoch nicht zu erhöhen und zu läutern, es wird zum Anlaß für Empörung und Haß. Es gibt Christen, die in dem Augenblick den Meister im Stich lassen, wo sie die Last des Kreuzes zu spüren beginnen, weil sie ein Glück erwarten, das frei ist von Schmerz und nur reich an irdischen Gütern.

Der Herr fordert uns hingegen auf, unsere manchmal panische Angst vor Schmerz und Drangsal zu verlieren und uns mit ihm zu vereinen, der uns am Kreuz erwartet. So wird unsere Seele geläutert, unsere Liebe gefestigt. Und dann werden wir auch erkennen, daß die Liebe vom Kreuz nicht zu trennen ist. Ja, wir werden niemals wirklich glücklich sein, wenn wir uns nicht mit Jesus am Kreuz vereinen, und wir werden niemals wahrhaft lieben, wenn wir nicht auch das Opfer lieben. Ohne solche Drangsal, die, mit dem bloßen Verstand betrachtet, ungerecht und sinnlos erscheint, ist unsere persönliche Heiligung nicht möglich. Im Geheimnis der Miterlösung erlangt unser Schmerz, verbunden mit dem Leiden Christi, unvergleichlichen Wert für die Kirche und für die ganze Menschheit. Wenn wir uns nur in Demut an ihn wenden, wird uns der Herr zeigen, daß für die, die Gott lieben, alles - und selbst das, was aus der Sicht des Menschen unerklärlich bleibt - zum Guten gereicht9. Wenn der Schmerz seinen Sinn darin findet, daß wir mehr lieben, schenkt er uns einen tiefen Frieden und eine innige Freude. Daher will uns der Herr immer wieder mit dem Kreuz segnen.

Auf diese Weise solltest du »den Weg der Hingabe gehen: das Kreuz auf deinen Schultern, auf deinen Lippen ein Lächeln und in deiner Seele ein Licht«10.

III. Wer Christ ist, gibt sich Gott und den Mitmenschen hin, er überwindet sich, verlangt viel von sich, erträgt Widrigkeiten ... und alles das gern, weil er weiß, daß diese Dinge viel von ihrem Wert verlieren, wenn sie nur widerwillig geschehen: denn Gott liebt einen fröhlichen Geber11. Es darf uns nicht wundern, daß uns Abtötung und Buße schwerfallen; entscheidend ist jedoch, daß wir sie entschlossen suchen, mit der Freude, Gott zu gefallen, der uns sieht.

»>Zufrieden?< - Die Frage machte mich nachdenklich.

Bis jetzt sind die Worte noch nicht gefunden, die wirklich ganz wiedergeben könnten, was Herz und Willen dessen erfüllt und bewegt, der sich als Kind Gottes erfahren hat.«12

Die Erfahrungen der Heiligen kommen sich hierin sehr nahe. Es sei nur an das erinnert, was der Apostel Paulus den Korinthern bekennt: Ich bin von Trost erfüllt und ströme über von Freude.13 Dabei wollen wir nicht vergessen, daß das Leben des heiligen Paulus alles andere als leicht und bequem war: Fünfmal erhielt ich von Juden die neununddreißig Hiebe; dreimal wurde ich ausgepeitscht, einmal gesteinigt, dreimal erlitt ich Schiffbruch, eine Nacht und einen Tag trieb ich auf hoher See. Ich war oft auf Reisen, gefährdet durch Flüsse, gefährdet durch Räuber, gefährdet durch das eigene Volk, gefährdet durch Heiden, gefährdet in der Stadt, gefährdet in der Wüste, gefährdet auf dem Meer, gefährdet durch falsche Brüder. Ich erduldete Mühsal und Plage, durchwachte viele Nächte, ertrug Hunger und Durst, häufiges Fasten, Kälte und Blöße.14 Doch dann, ungeachtet all dessen sein Fazit: Trotz all unserer Not bin ich von Trost erfüllt und ströme über von Freude.

Die Karwoche und Ostern sind nun schon ganz nahe, und damit Vergebung, göttliches Mitleid und Erbarmen, eine Überfülle an Gnade. Nur noch wenige Tage, und das Geheimnis unseres Heils vollendet sich. Und wenn wir irgendwann Angst vor Buße und Sühne hatten, so wollen wir Mut schöpfen und daran denken, daß die Zeit kurz ist und der Lohn für unsere Mühe unvergleichlich groß. Wir wollen Jesus begleiten: auf seinem Weg nach Jerusalem, nach Golgota, bis zum Kreuz. »Ist es nicht wirklich so, daß du dich glücklich fühlst und alle Belastungen, alle körperlichen oder seelischen Schmerzen überwindest, sobald du das Kreuz - das, was die Menschen Kreuz nennen - nicht mehr fürchtest und deinen Willen ganz mit dem göttlichen Willen vereinigst?«15

1 Jes 66,10-11. - 2 Johannes Paul II., Ansprache, 1.3.1980. - 3 Römisches Meßbuch, Allgemeine Vorschriften, Nr. 308. - 4 Caeremoniale Episcoporum, 1984, Nr. 48. - 5 Phil 4,4. - 6 Paul VI., Apost. Schreiben Über die christliche Freude, 9.5.1975, 1. - 7 ebd. - 8 Gabengebet der Messe vom Tage. - 9 vgl. Röm 8,28. - 10 J. Escrivá, Der Kreuzweg, II,3. - 11 2 Kor 9,7. - 12 J. Escrivá, Die Spur des Sämanns, Nr. 61. - 13 2 Kor 7,4. - 14 2 Kor 11,24-27. - 15 J. Escrivá, Der Kreuzweg, II.

von 09.03.2013 09:23

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3. WOCHE - SAMSTAG

25

DER PhARISÄER UND DER ZÖLLNER

Demut ist das Tor, das uns die Fülle des göttlichen Erbarmens öffnet.
Der Hochmut macht blind und hartherzig. Formen des Hochmuts.
Beten wie der Zöllner: demütig, aufmerkend, vertrauensvoll.

I. Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld (...). Ein zerknirschter Geist, ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen1. Das Reuegebet des in Sünde gefallenen Königs David ist inmitten seiner Not ein Ruf des Vertrauens. Er stimmt uns auf ein Gleichnis des Herrn ein, das uns zeigen will: Demut ist das Tor, das uns die Fülle des göttlichen Erbarmens öffnet.

Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.2 Die Pharisäer achteten peinlich genau auf die Treue zum Gesetz. Sie ist zwar lobenswert, wird aber dann gefährlich, wenn sie sich von der Treue im Herzen abkoppelt. Dies deutet der Evangelist an, wenn er schreibt, Jesus habe das Gleichnis an solche gerichtet, die von ihrer Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten. Die Zöllner standen als Steuereintreiber allgemein in dem Ruf, dem Geld eher zugetan zu sein als die Gesetze einzuhalten.

Der Pharisäer beginnt sein Gebet mit einem freudigen Dank an Gott, wie es der jüdischen Gebetssitte entspricht. Aber bald merken wir, daß daran etwas nicht stimmt: Der Dank kommt der Selbstbewunderung gefährlich nahe: Gott, ich danke dir, daß ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens. Er tut viel Gutes, aber sein Stolz macht es zunichte: er rechnet sich selbst das Verdienst zu und hat für andere nur Verachtung übrig. Ohne Demut und Nächstenliebe, das lehrt uns dieses Gleichnis, können weder echte Tugend noch gute Werke gedeihen.

Der Pharisäer ist »zufrieden« Sein Dankgebet ist selbstgefällig; in seiner Selbstgerechtigkeit hält er sich den anderen gegenüber für überlegen. Sein Hochmut ist das größte Hindernis, das der Mensch zwischen sich und der göttlichen Gnade aufrichten kann. Unter den Hauptsünden ist de» Hochmut die gefährlichste, weil er sich in gute Werke einschleicht und sie von innen her derart zersetzt, daß sie ihr Gutsein und ihre Hinordnung auf das Übernatürliche verlieren. Der Hochmut wurzelt tief im Menschen, in seiner ungeordneten Eigenliebe. Deshalb ist es so schwer, ihm beizukommen, ja ihn überhaupt wahrzunehmen.

»>Mir selbst zugeeignet, mit der Bewunderung, die ich mir schuldig bin.< - Das schrieb jemand als Widmung auf die erste Seite eines Buches. Dasselbe könnten viele arme Teufel auch auf der letzten Seite ihres Lebens eintragen.

Schlimm, wenn auch du und ich in dieser Haltung lebten oder stürben! - Prüfen wir uns also ernstlich ...= 3 Erbitten wir Gottes Erbarmen, um die Anzeichen des Hochmuts in uns erspüren und bekämpfen zu können. Eine Konkretisierung dieser Bitte kann das Bestreben sein, hin und wieder - ganz bewußt - die Richtung unseres Handelns vor Gottes Angesicht zu begradign.

II. Manche unter den Pharisäern ließen sich bekehren und wurden treue Jünger des Herrn, viele aber waren unfähig, in jenem Jesus, der vor ihnen stand, den erwarteten Messias zu erkennen. Der Hochmut machte sie blind. Ihre Frömmigkeit, auf die sie so stolz waren, war leer geworden und zu einer Ansammlung von Äußerlichkeiten entartet, zu einem bloßen Schaustück: dem trübseligen Aussehen beim Fasten4, den auffallenden Gesten beim Beten in der Synagoge oder auf einem öffentlichen Platz5, dem spektakulären Almosengeben6. Alles, was sie tun, tun sie nur, damit die Menschen es sehen7. Deshalb vergleicht sie der Herr mit Gräbern, die von außen säuberlich getüncht, innen aber modrig und verrottet sind8. Er rät seinen Jüngern: Macht es nicht wie die Heuchler.9

Auch das ist eine Folge des Hochmuts: hartherzig und unnachgiebig gegenüber den anderen sind diese Pharisäer weich und verständnisvoll gegenüber sich selbst: Ihr ladet den Menschen Lasten auf, die sie kaum tragen können, selbst aber rührt ihr keinen Finger dafür.10 Der Herr will uns aber anders haben: Der Größte von euch soll euer Diener sein.11 Beim Apostel Paulus heißt es: Einer trage des anderen Last; so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.12

Zu den härtesten Vorwürfen des Herrn gegen die Pharisäer gehört das Wort: Ihr habt den Schlüssel (der Tür) zur Erkenntnis weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die, die hineingehen wollten, habt ihr daran gehindert.13 Sie, die blinden Blindenführer14, haben denen, die sie ans Ziel führen sollten, den Weg versperrt. Der Hochmut verhindert die Weitergabe von Einsichten, die von Gott kommen, an jene, die sich auf uns verlassen.

Das Kreisen um sich selbst wirkt sich in allen Lebensbereichen aus: »Im Verhalten gegenüber den Mitmenschen macht die Eigenliebe empfindlich, unnachgiebig, ärgerlich, ungeduldig, übertrieben in der Betonung der eigenen Person und der eigenen Rechte. Sie macht kalt und teilnahmslos, abgeneigt, ungerecht im Urteilen und Reden über den Nächsten. Sie liebt es, von den eigenen Leistungen, von den eigenen inneren Erfahrungen, Erleuchtungen, Schwierigkeiten, Leiden auch da zu reden, wo es nicht nötig ist. Sie schaut in den Dingen und Übungen der Frömmigkeit gern auf die anderen und beobachtet sie. Sie verleitet dazu, daß man sich mit anderen vergleicht, sich über sie erhebt, ihnen das Gute abspricht, nur die Mängel sieht, ihnen falsche Ansichten unterschiebt, ja ihnen Böses wünscht. Die Eigenliebe bewirkt, daß wir, aller Frömmigkeit zum Trotz, verletzt sind, wenn wir gekränkt, beleidigt, zurückgesetzt, nicht so anerkannt und gewertet werden, wie wir es erwarten.«15

Nicht der Pharisäer, der Zöllner lehrt uns beten. Seine Bitte - Gott, sei mir Sünder gnädig! - kann zu einem Stoßgebet für unseren Alltag werden. Aus dem demütigen Bekenntnis spricht eine unbeholfene, aber aufrichtige Liebe.

III. Nahe ist der Herr den zerbrochenen Herzen, er hilft denen auf, die zerknirscht sind16. Dies ist die Haltung des Zöllners, demütig und vertrauend auf die göttliche Barmherzigkeit: Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!

Und der Herr faßt zusammen: Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Im Jakobusbrief finden wir die Begründung: Gott tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade.17

Demütig, aufmerkend, vertrauensvoll muß unser Gebet sein, fern vom Kreisen um uns selbst, um die eigenen Tugenden und Verdienste.

Die Richtung des Gleichnisses ist eindeutig: Unser Verhältnis zu Gott und zu den Mitmenschen muß sich auf die Demut gründen, das Fundament für die eigene Heiligung, die sich Stein für Stein zu einem Ganzen zusammenfügt. »Wünsche nicht, die vergoldete Wetterfahne auf dem großen Gebäude zu sein: so sehr sie glänzt und so hoch sie steht, sie bedeutet nichts für die Festigkeit des Baus.

Wärest du doch wie ein alter Quaderstein, verborgen im Fundament, unter der Erde, wo niemand dich sieht: deinetwegen stürzt das Haus nicht ein.«18

Manche Konflikte mit unseren Mitmenschen, die uns in unserem Selbstwertgefühl verletzen könnten, können dann in uns zum Wachsen der Demut beitragen. Denn: »Du bist nicht demütig, wenn du dich selbst demütigst, sondern wenn andere dich demütigen und du es um Christi willen erträgst.«19

In Maria finden wir die Demut in einer frohen, gewinnenden Art verwirklicht. Nehmen wir sie als unsere Fürsprecherin bei Gott: »Herr, befreie mein Leben von allem Stolz, durchbreche meine Eigenliebe, diesen Drang, mich um jeden Preis durchsetzen zu wollen und den anderen meinen Willen aufzuzwingen. Gib, daß die Vereinigung mit dir die Grundlage meines persönlichen Lebens werde.«20

1 Antwortpsalm der Messe vom Tage. - 2 Lk 18,9-14. - 3 J. Escrivá, Die Spur des Sämanns, Nr. 719. - 4 vgl. Mt 6,16. - 5 vgl. Mt 6,5. - 6 vgl. Mt 6,2. - 7 Mt 23,5. - 8 vgl. Mt 23,27. - 9 Mt 6,5. - 10 Lk 11,46. - 11 Mt 23,11. - 12 Gal 6,2. - 13 Lk 11,52. - 14 Mt 15,14. - 15 B. Baur, Still mit Gott, Krefeld 1957, S.72. - 16 Ps 34,19. - 17 Jak 4,6. - 18 J. Escrivá, Der Weg, Nr. 590. - 19 ebd., Nr. 594. - 20 ders., Christus begegnen, 31.

von 08.03.2013 11:26

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3. WOCHE - FREITAG

24

GOTT über alles LIEBEN

Gottes Liebe zu jedem Menschen ist grenzenlos.
Seine Barmherzigkeit zeigt sich besonders dann, wenn wir gesündigt haben.
Die unbedingte Liebe zu Gott schließt alle anderen Gestalten der Liebe ein.

I. Auf jeder Seite der Heiligen Schrift erfahren wir, oft mit bewegenden Worten, von der Liebe Gottes zu uns, wie etwa beim Propheten Jesaja: Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst, wenn sie ihn vergessen würde: ich vergesse dich nicht.1

Auch die heutige Lesung aus dem Buch des Propheten Hosea besingt die Beständigkeit der Liebe Gottes zu seinem Volk trotz der Treulosigkeit und dem Wankelmut Israels. Endlich erkennt es, daß sein Heil nicht in politischen Bündnissen, in selbstgefertigten Götzen2 oder in seelenlosen Brandopfern liegt, sondern in der Liebe, die sich in der Bundestreue ausdrückt. Nur das ist heilsmächtig. Aber selbst die nötige Umkehr entspringt der unfaßbaren göttlichen Liebe. So spricht der Herr: Ich will ihre Untreue heilen und sie aus lauter Großmut wieder lieben. Denn mein Zorn hat sich von Israel abgewandt. Ich werde für Israel da sein wie der Tau, damit es aufblüht wie eine Lilie und Wurzeln schlägt wie der Libanon. Seine Zweige sollen sich ausbreiten, seine Pracht soll der Pracht des Ölbaums gleichen und sein Duft dem Duft des Libanon. Sie werden wieder in meinem Schatten wohnen; sie bauen Getreide an und gedeihen wie Reben, deren Wein so berühmt ist wie der Wein vom Libanon.3

Die Tiefe der Liebe Gottes zu uns entzieht sich der menschlichen Vorstellungskraft. Gott hat die Welt so sehr geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.4 Gott schenkt sich uns und läßt seine Hingabe an uns fortdauern durch die Einwohnung Gottes in der Seele dessen, der in seiner Gnade lebt: Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.5 Gott in uns - nicht nur dann, wenn wir ausdrücklich zu ihm beten, sondern in jedem Augenblick des Tages.

»Sogar dienen werde ich dir, denn ich kam, um zu dienen, nicht daß man mir diene. Ich bin dir Freund, ich bin dir Haupt und Glied, ich bin dir Bruder, Schwester, Mutter; alles bin ich dir, und nur dies will ich von dir: dein Vertrauter zu sein. Für dich wurde ich arm und bedürftig, für dich wurde ich gekreuzigt und begraben; für dich halte ich im Himmel Fürsprache bei Gott, dem Vater, und bin auf Erden sein Gesandter bei dir. Alles bist du für mich, Bruder und Miterbe, Freund und Glied. Was willst du noch?«6

Zu wissen, daß du mich so sehr liebst, mein Gott, und ... ich habe noch nicht den Verstand verloren?«7

II. Herr, unter den Göttern ist keiner wie du. Denn du bist groß und tust Wunder. Du allein bist Gott8. Der große Gott, in Liebe seinen Geschöpfen zugeneigt - auch dies gehört zu den Wundertaten unseres Schöpfers. Jeden von uns liebt er einzeln und ganz persönlich. Niemals hört er auf, uns zu lieben, uns zu helfen, uns zu schützen, Zwiesprache mit uns zu halten; nicht einmal, wenn wir undankbar waren oder gesündigt haben. Vielleicht hat er sich gerade dann uns zugewandt, wie es sich in den Gleichnissen offenbart: nur das verlorene Schaf trägt er auf seinen eigenen Schultern; nur für den reumütig heimkehrenden Sohn, der sein Erbteil verschleudert hatte, läßt der Vater ein Fest feiern; nur die verlorene Drachme wird so lange gesucht, bis sie wiedergefunden ist ...9

Gottes Zuwendung und Liebe zu uns sind unumstößlich. Stets ist er bei uns: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt10, bis zum letzten Augenblick unseres Lebens.

Wie oft haben wir ihn als unseren Wegbegleiter erlebt! In frohen oder leidvollen Momenten, in einer schweren Prüfung, in Gestalt eines Freundes oder eines helfenden Priesters ... »Betrachtet mit mir dieses Wunder der Liebe Jesu: Da ist der Herr, der uns begegnen will und am Wegrand wartet, damit wir ihn nicht übersehen können. Er ruft einen jeden von uns persönlich zu sich und spricht mit uns über unsere Angelegenheiten, die auch die seinen sind. Er schenkt uns den Wunsch, treu zu sein und uns seine Jünger nennen zu können?«11

Als Unterpfand seiner Liebe gab uns der Herr die Sakramente. Danken wir besonders für jene, die wir immer wieder empfangen können: die Beichte, in der er uns unsere Sünden vergibt, und die heilige Eucharistie, in der er unter uns gegenwärtig ist. Dank auch, weil er uns seine Mutter zu unserer Mutter gegeben hat, weil er uns einen Engel an die Seite gestellt hat, der bis zum Ende unserer irdischen Tage unser Beschützer ist; und schließlich weil er uns dann in seine Herrlichkeit aufnehmen will, wo ein Platz für jene bereitet ist, die ihn lieben. Ist es angesichts solcher Liebeserweise noch schwer, ihn zu lieben?

Zum Dank kommt die Hoffnung, daß seine Liebe uns auch in Zukunft begleiten wird. Deshalb bitten wir in der Liturgie der heutigen Messe um die entscheidende Wohltat der Vollendung: Barmherziger Gott, komm uns zu Hilfe mit deiner Kraft und schütze uns an Leib und Seele, damit wir die Erlösung, die uns im Sakrament zuteil wird, einst in ihrer Vollendung erlangen12. Unser Dank für so viel unverdiente Liebe nährt den Wunsch, Liebe mit Liebe zu lohnen.

III. Das heutige Evangelium berichtet: In jener Zeit ging ein Schriftgelehrter zu Jesus hin und fragte ihn: Welches Gebot ist das erste von allen? Jesus antwortete: Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft.13

Die rückhaltlose Liebe, die der Herr erwartet, wird in den kleinen Dingen unseres Alltags konkret: in einer gut verrichteten Arbeit, im Familienleben, in den Beziehungen zu unseren Mitmenschen, in den Zeiten der Entspannung ... Alles kann zum Ausdruck der Liebe zu Gott werden. »Während wir, bei all unseren Fehlern und Unzulänglichkeiten, so vollkommen wie möglich die Aufgaben und Pflichten unseres Standes erfüllen, sehnt sich die Seele nach Befreiung. Sie drängt zu Gott hin, angezogen von ihm wie das Eisen vom Magneten. Wir beginnen Jesus auf eindringlichere Weise zu lieben, in seliger Bestürzung.«14

In der Kraft der Liebe zu Gott können wir große Hindernisse überwinden, ohne Liebe zu ihm lassen wir uns durch die kleinsten Schwierigkeiten entmutigen. Alles vermögen wir zu ertragen, wenn wir auf den Herrn schauen. »Alle diese Dinge jedoch finden jene schwierig, denen es an Liebe fehlt; die nämliche Sache aber erscheint denen leicht, die lieben. Es gibt kein Leid, so grausam und verzehrend es auch sei, das nicht von der Liebe gelindert, wenn nicht fast gelöscht würde.«15 Das deutlichste Zeichen dafür, daß die Liebe Gottes unser Tun bestimmt, ist, daß wir auch mitten in Schwierigkeiten unseren heiteren Sinn bewahren, denn »in dem, was man liebt, findet man entweder nichts Schwieriges oder man liebt es sogar (...). Die Mühe derer, die lieben, wird niemals zur Last«16.

Die Liebe zu Gott muß bedingungslos, uneingeschränkt sein. In dieser Liebe sind alle anderen Gestalten edler und reiner Liebe, die es auf Erden gibt, aufbewahrt, gemäß der jeweiligen Berufung und ihrem Rang entsprechend. »Es wäre nicht richtig zu sagen: >Entweder Gott oder der Mensch<. Man muß >Gott und den Menschen< lieben; den Menschen freilich nicht mehr als Gott oder gegen Gott oder gleich Gott. Mit anderen Worten: Die Liebe zu Gott hat zwar Vorrang, ist aber nicht ausschließlich. Die Bibel nennt Jakob >heilig< (Dan 3,35) und >von Gott geliebt< (Mal 1,2; Röm 9,13); sie schildert, wie er sich zu sieben Jahren Arbeit verpflichtete, um Rahel zur Ehefrau zu gewinnen; >weil er sie liebte, kamen sie ihm wie wenige Tage vor< (Gen 29,20), so groß war seine Liebe zu ihr. Franz von Sales kommentiert diese Worte: >Jakob liebt Rahel mit seiner ganzen Kraft, und mit ganzer Kraft liebt er Gott; aber deshalb liebt er nicht Rahel wie Gott, noch liebt er Gott wie Rahel. Er liebt Gott als seinen Gott über alle Dinge und mehr als sich selbst; er liebt Rahel als seine Ehefrau mehr als alle anderen Frauen und wie sich selbst. Er liebt Gott mit seiner ganzen Liebe, absolut und souverän, und Rahel mit höchster ehelicher Liebe; die eine Liebe widerspricht nicht der anderen, denn die Liebe zu Rahel verletzt nicht den höchsten Vorrang der Gottesliebe<.«17

Die Liebe zu Gott äußert sich zwangsläufig in der Liebe zu den anderen. Das äußere Zeichen unseres Einsseins mit Gott ist die Art und Weise, wie wir gegenüber unseren Mitmenschen die Nächstenliebe leben. Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid18, hat uns der Herr gesagt. Daran ... - das kann einen freundlichen Umgangston bedeuten, eine kleine Hilfestellung zu Hause oder im Beruf, die rechtzeitig und freundlich erteilte brüderliche Ermahnung, das Gebet für jemand, der in Not ist ...

Bitten wir um die Hilfe der Muttergottes, damit wir uns der Liebe ihres Sohnes würdig erweisen. Sie möge uns lehren, ihren Sohn immer mehr zu lieben und - in ihm - unsere Mitmenschen.

1 Jes 49,15. - 2 vgl. Hos 14,4. - 3 1. Lesung der Messe vom Tage. Hos 14,2-10. - 4 Joh 3,16. - 5 Joh 14,23. - 6 Johannes Chrysostomos, Homilien über das Matthäusevangelium, 76. - 7 J. Escrivá, Der Weg, Nr. 425. - 8 Eröffnungsvers der Messe vom Tage. Ps 85,8.10. - 9 vgl. Lk 15,1 ff. - 10 Mt 28,20. - 11 J. Escrivá, Christus begegnen, 59. - 12 Schlußgebet der Messe vom Tage. - 13 Mk 12,28-30. - 14 J. Escrivá, Freunde Gottes, 296. - 15 Augustinus, Predigt 70. - 16 Augustinus, Über den Vorzug des Witwenstandes, 21,26. - 17 Johannes Paul I., Generalaudienz, 27.9.1978. - 18 Joh 13,35.

von 07.03.2013 11:02

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3. WOCHE - DONNERSTAG

23

AUFRICHTIG DIE GANZE WAHRHEIT ERFASSEN


Das geistliche »Stummsein«. fehlender Mut zur Aussprache.
»Liebe zur »ganzen Wahrheit« Aufrichtigkeit gegen Gott, gegen sich selbst und bei der geistlichen Leitung.
»Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit im Verhalten. Verläßlichkeit und Treue.

I. Jesus heilt Kranke. Er trieb einen Dämon aus, der stumm war. Als der Dämon den Stummen verlassen hatte, konnte der Mann reden. Alle Leute staunten1, heißt es im heutigen Evangelium.

Jesus heilt Stumme, Blinde, Lahme. Natürlich stehen diese Gebrechen in keiner unmittelbaren Beziehung zu einer konkreten Sünde des Leidenden. Aber immer kann die Krankheit - ein anormaler Zustand des Menschen - als Chiffre für den krankhaften Zustand gelten, in dem sich der Mensch unter der Sünde befindet. Denn die Sünde macht für die Eingebungen Gottes blind, taub, lahm. Die Heilungen Jesu sind nicht nur Machterweise, die sich zu einer bestimmten Zeit an einem konkreten Menschen ereignen, sondern auch stets gültige Heilszeichen, Sinnbilder einer geistlichen Gesundung des notleidenden Menschen. Manche dieser Handlungen, die Jesus an den Kranken vollzieht, erscheinen wie ein Hinweis auf die Sakramente, die der Herr einsetzen wird.

Der Kirchenvater Johannes Chrysostomos interpretiert die Stelle des heutigen Evangeliums in dem Sinne, daß jener Mann »seine Bitte nicht selbst vortragen konnte, da er ja stumm war; auch andere konnte er nicht darum bitten, weil der Dämon seine Zunge gelähmt und zugleich seine Seele gefesselt hatte.«2

Im geistlichen Sinne können wir das Stummsein als das Bild eines Menschen verstehen, der seine innere Not für sich behält. Er spricht sich vor Gott nicht aus, er bittet nicht um Heilung. Der Stolz verschließt ihm Mund und Ohren. Die Eingebungen Gottes erreichen ihn nicht, auch nicht die Anregungen, die er durch ein geistliches Gespräch erhalten könnte. Er versagt sich der geistlichen Hilfe, die andere ihm geben könnten, ihm fehlt der Mut zur Aussprache. Er ist unfähig zuzuhören.

Was tun, um geheilt zu werden? An erster Stelle die eigenen Sünden realistisch-demütig richtig einordnen: »Erschrick (...) nicht, wenn du die Last deines armen Leibes - und der menschlichen Leidenschaften - spürst ... Es wäre töricht und naiv, wenn du jetzt erst entdecktest, daß es >so etwas< gibt. Deine menschliche Schwachheit ist kein Hindernis, sondern ein Ansporn, um dich noch mehr mit Gott zu vereinen und ihn beharrlich zu suchen. Denn er allein ist es ja, der uns läutert.«3

Gleichsam als Einstimmung auf dieses Evangelium von einem Menschen, der stumm ist, läßt uns die Kirche im Antwortpsalm um die Fähigkeit bitten, hinhören zu können: Hört auf die Stimme des Herrn, verhärtet nicht euer Herz4. Es ist eine Aufforderung an uns, hellhörig für die Eingebungen des Herrn zu sein.

II. Die Wahrheit ist etwas Heiliges, auch die Wahrheit über uns selbst, und wir müssen uns ihr in Ehrfurcht und Liebe öffnen. Doch sie gerät manchmal in Gefahr, verdunkelt oder entstellt zu werden. Die Sünde in uns, düstere Leidenschaften, eine materialistische Sicht des Lebens können die Wahrheit trüben. Dann fällt es schwer, die Dinge beim Namen zu nennen. Mit der Lüge hingegen läßt sich leicht paktieren, wenn sie dem Ehrgeiz, der Trägheit, dem sinnlichen Genuß schmeichelt, der Eitelkeit, dem Stolz oder auch der Angst, in ein schlechtes Licht zu geraten. Wir werden unaufrichtig.

Dem Herrn ist die Wahrheit so kostbar, daß er von sich selbst sagt: Ich (...) bin die Wahrheit5, der Teufel aber ist ein Lügner und ist der Vater der Lüge6. Und für die Seinen bittet Jesus den Vater: Heilige sie in der Wahrheit7.

In unserer Zeit ist viel die Rede von Authentizität, Eigenverantwortung und Ehrlichkeit. Gleichzeitig aber breitet sich in der Öffentlichkeit der Drang zur Anonymität aus, ein Weg vom »ich« und hin zum »man« Wie schwer wird es dann aber, die wahren Beweggründe des eigenen Handelns zu erkennen. Sie werden uns selbst und anderen gegenüber mehr oder weniger bewußt verharmlost oder retuschiert. Auch vor Gott möchten viele anonym bleiben; deshalb vermeiden sie d»e persönliche Begegnung mit ihm im Gebet oder in der Gewissenserforschung.

Wie aber können wir gute Christen sein, wenn wir zu uns selbst, zu Gott und den Mitmenschen nicht wahrhaftig, nicht ehrlich sind? Die Wahrheit mag uns gelegentlich stören, da sie anspruchsvoll und fordernd ist; wir sind dann versucht, ihr aus dem Weg zu gehen, zu schwindeln, Dingen und Verhaltensweisen einen anderen Namen zu geben, die Stimme der Wahrheit zu unterdrücken.

Ehrlich mit uns selbst, sind wir jedoch in der Lage, aufrichtig unsere Fehler zu erkennen und keine fadenscheinigen Argumente gelten zu lassen. Wir werden uns nicht eine eigene Wahrheit »zusammenbrauen« oder das bloß Nützliche für die Wahrheit ausgeben. Es ist Selbstbetrug, wenn einer sagt, daß in diesem oder jenem Punkt Gottes Gesetz zu mißachten »für ihn« keine Sünde sei. Subjektive Befangenheit, die ungeordneten Leidenschaften oder die innere Schlaffheit verleiten zur Unaufrichtigkeit gegenüber sich selbst. Nur eine kompromißlose Ehrlichkeit rettet uns vor der Gefahr, das Gewissen zu verbilden oder für Gottes Willen taub zu werden.

Selbstbetrug ist es auch, die Augen angesichts eines bestimmten Tatbestandes einfach zu verschließen, um sich nicht mit der ganzen Wahrheit auseinandersetzen zu müssen: »Niemals willst du >der Wahrheit ins Gesicht sehen<. - Manchmal aus Höflichkeit. Meistens, um dir die Stimmung nicht zu verderben. Aber immer aus Feigheit.

Wenn du Angst hast, den Dingen auf den Grund zu gehen, wirst du nie ein klarer Kopf.«8

Eine realistisch-demütige Einordnung der eigenen Sünden schafft die Voraussetzungen für die Aufrichtigkeit, gestützt vom Gebet, der Herr möge uns unsere Erbärmlichkeiten erkennen lassen, unsere Unarten enthüllen, uns erleuchten, damit wir uns so sehen, wie wir sind, und uns stärken, damit wir mit seiner Hilfe vorankommen können. Eine weitere Hilfe ist die tägliche Gewissenserforschung: kurz und konkret. Außerdem haben wir die geistliche Leitung und die Beichte, in denen unsere Seele sich öffnet und die ganze Wahrheit mit dem Wunsch offenbart, uns, im Wissen um unser inneres Befinden, auf unserem Wege zu Gott helfen zu lassen. »Laßt nicht zu, daß sich in eurem Herzen ein Eiterherd bildet, mag er auch noch so klein sein. Sprecht euch aus. Fließendes Wasser ist sauber; wenn es aber steht, wird es zur abstoßenden, schlammigen Pfütze und zu einem Tummelplatz für Ungeziefer.«9 Dabei kann es hilfreich sein, in der Beichte oder im geistlichen Gespräch als erstes gerade das zu sagen, was uns besonders beschämt. So werden wir mit Hilfe der Gnade den stummen Dämon abwehren. Wir sind dann froher und zufriedener.

III. Ehrlichkeit gegenüber Gott, gegenüber uns selbst und gegenüber den anderen. Nur wenn wir dem Herrn gegenüber ehrlich sind, können wir ihn lieben und ihm dienen; nur wenn wir uns selbst gegenüber ehrlich sind, erlangen wir die Reife eines gut gebildeten Gewissens, das das Gute liebt und das Böse zurückweist; nur wenn wir unseren Mitmenschen gegenüber ehrlich sind, ist die Wertschätzung für sie mehr als bloße Äußerlichkeit.

Man muß uns als ehrliche Menschen kennen, die nicht lügen, nicht betrügen, ihr gegebenes Wort halten. Denn auch das ist ein Stück Nachfolge: Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.10

Die Liebe zur Wahrheit wird uns das zurechtrücken lassen, worin wir uns möglicherweise geirrt haben. »Mach es dir zur Gewohnheit, niemals wissentlich zu lügen, auch nicht aus einer Notlage heraus oder um dich sonstwie herauszuwinden. Sei dir hierzu bewußt, daß Gott der Gott der Wahrheit ist. Solltest du daher einmal irrtümlich die Unwahrheit gesagt haben, so berichtige dich nach Möglichkeit sofort. Kläre den Sachverhalt auf und versuche, alles wieder gutzumachen; handle so und nicht anders, denn eine aufrichtige Entschuldigung hat mehr Würde und zeitigt mehr Erfolg als eine Lüge.«11

Ein weiterer Aspekt der Tugend der Aufrichtigkeit ist die Verläßlichkeit, die Wahrhaftigkeit im Verhalten: ein gegebenes Wort, ein Versprechen einzulösen, Vereinbarungen niemals zu brechen. Unsere Freunde und alle, mit denen wir in Verbindung stehen, müssen davon ausgehen können, daß auf uns Verlaß ist. Die Treue ist die Verläßlichkeit in einer förmlichen Verpflichtung, die man mit Gott oder vor Gott eingeht. Jesus wird der Treue und Wahrhafte12 genannt. Und die Heilige Schrift weist immer wieder darauf hin, daß Gott dem Bund mit seinem Volke treu ist13.

Treue ist eine unverzichtbare Tugend im privaten und öffentlichen Leben. Auf Treue beruhen die Ehe, die Erfüllung von Verträgen, die Maßnahmen der Regierenden.

Die Wahrheitsliebe wird uns auch davon abhalten, uns über Personen und Sachverhalte vorschnell ein Urteil zu bilden, das lediglich auf oberflächlichem Wissen beruht. Angesichts von häufig tendenziösen oder einseitigen Meldungen in den Medien gilt es, kritisch zu sein. Nicht selten sind die eigentlichen Tatsachen in Meinungen oder Auslegungen verpackt, die ein verzerrtes Bild der wirklichen Verhältnisse zeichnen. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn es sich um Meldungen handelt, die mittelbar oder unmittelbar die Kirche betreffen. Mit der gleichen Liebe zur Wahrheit sollten wir auch sektiererische Mitteilungskanäle meiden, die nur das Wasser trüben. Statt dessen gilt es, sachliches, wahrheitsgemäßes und begründetes Wissen einzuholen und zugleich dafür zu sorgen, daß auch die anderen richtig informiert werden. Dann wird sich das Wort des Herrn erfüllen: die Wahrheit wird euch befreien.14

1 Lk 11,14. - 2 Johannes Chrysostomos, Homilien über das Lukasevangeliun, 32,1. - 3 J. Escrivá, Die Spur des Sämanns, Nr. 134. - 4 Ps 94. - 5 Joh 14,6. - 6 Joh 8,44. - 7 vgl. Joh 17,17 ff. - 8 J. Escrivá, Der Weg, Nr. 33. - 9 ders., Freunde Gottes, 181. - 10 Mt 5,37. - 11 Franz von Sales, Philothea, III,30. - 12 Offb 19,11. - 13 vgl. Röm 3,7. - 14 Joh 8,32.

von 07.03.2013 00:30

07.03. Perpetua und Felicitas + 203 Märtyrinnen
"Die alten Vorbilder des Glaubens, die Gottes Gnade bezeugen und die Erbauung des Menschen bewirken, wurden schriftlich aufgezeichnet, damit, wenn sie gelesen und die Ereignisse durch die Lesung wiederhingestellt werden, Gott geehrt und der Mensch gefestigt werde. Warum sollen da nicht auch neue Zeugnisse aufgeschrieben werden, die ebenso diesen beiden Zielen dienen können? ... Deshalb schreiben wir die Gesichte und Wundertaten auf und feiern sie durch Lesung zur Verherrlichung Gottes.
Denn die Glaubensschwachen und Zweifler sollen nur nicht meinen, die göttliche Gnade habe allein bei den Alten verweilt, sei es, um sie des Martyriums zu würdigen, sei es, um ihnen Offenbarungen zu schenken. Gott wirkt ja immer das, was er versprochen hat, den Ungläubigen zum Zeugnis, den Gläubigen zur Wohltat."

Heiliger Gott! Du hast
Perpetua, Felicitas
und ihren Gefährten
großen Mut geschenkt.
Gewähre auch uns,
dass wir uns als würdig
erweisen die Leiter des
Opfers zu erklimmen und
in deinen Garten des
Friedens aufgenommen
zu werden.

Um das Jahr 200 war es gefährlich, sich als Christ im Römischen Reich zu bekennen. Wer nicht bereit war, den Göttern Roms und seinem vergöttlichten Kaiser das Opfer darzubringen, galt als Staatsfeind und wurde als solcher zum Tode verurteilt. Doch viele Christen blieben standhaft und gaben mit ihrem Mut zum Bekenntnis Zeugnis dafür, dass Jesus Christus stärker ist als die Mächte dieser Welt. Viele Menschen bewunderten die Kraft, die vom christlichen Glauben kommt und bekehrten sich.
Damals meldete sich in Karthago, einer antiken Weltstadt an der Küste Nordafrikas, eine junge Frau zur Taufe an. Perpetua war etwa 20 Jahre alt, als sie sich entschloss, Christin zu werden und darum bat, unter die Schar der Taufbewerber, der Katechumenen aufgenommen zu werden. Sie stammte "aus gutem Hause, war von vorzüglicher Bildung, wie es einer Freien geziemt, und ehrenvoll verheiratet. Ihr Vater und ihre Mutter lebten noch; auch hatte sie zwei Brüder, von denen der eine gleichfalls Katechumene war, und einen kleinen Sohn, den sie noch an ihrer Brust nährte."

Im Jahr 203 wurden die Christen Karthagos angezeigt und verhaftet. Zusammen mit Perpetua wurden ihre Sklavin Felizitas, die ebenfalls Taufbewerberin war, Revokatus, Saturninus und Sekundulus in den Kerker geführt. Zu ihnen kam später noch ihr Lehrer Saturus, der seine Katechumenen nicht alleine lassen wollte und sich freiwillig gemeldet hatte. Über ihr Martyrium besitzen wir einen ausführlichen Bericht. Die Tage bis zu ihrem Martyrium hat Perpetua selbst aufgeschrieben. Aus ihren Worten entnehmen wir, woher sie die Kraft nahm, die Strapazen der Haft und des Martyriums zu ertragen.

Gefangennahme

Als seine Tochter verhaftet wurde, versuchte der Vater von Perpetua alles, um seine Tochter vom Christentum und dem bevorstehenden Martyrium abzubringen. Doch sie widerstand klar seinen Worten und bekannte:

"Ich kann mir nur einen Namen geben, der sagt, was ich bin: Christin."

Oft kam der Vater von nun an ins Gefängnis und noch am Tage der Hinrichtung versuchte er, seine Tochter mit eindringlichen Worten vom Glauben an Jesus Christus abzubringen, aber sie blieb standhaft. Perpetua sagte zu ihm:

"Auf jenem Schaugerüst wird nur das geschehen, was Gott will. Du musst nämlich wissen, dass wir nicht in unserer Gewalt sind, sondern in der Macht Gottes stehen."

Dennoch konnte ihr Vater nicht verstehen und was der einzige aus ihrer Verwandtschaft, der sich nicht über ihre Passion freuen konnte.

Taufe im Kerker


Im Kerker empfing Perpetua zusammen mit den anderen Katechumenen die Taufe. Darüber schreibt sie:

"Der Heilige Geist gab mir ein, vom Wasser (der Taufe) nichts anderes als die Geduld des Fleisches zu erbitten."

Bald werden die Gefangenen aus der Untersuchungshaft in den inneren Kerker überführt. Perpetua schreibt darüber:


"Wenige Tage später nahm uns der Kerker auf, Entsetzt fuhr ich zurück, weil ich noch nie eine solche Finsternis erlebt hatte. Grauenhafter Tag! Drückende Hitze infolge der Menschenmenge! Bedrängnis durch die schikanösen Erpressungsversuche der Soldaten! Dazu härmte ich mich ab aus Sorge um das ferne Kind. Später erreichten die gottgesegneten Diakone Tertius und Pomponius, die uns dienten, durch Bestechung, dass wir für wenige Stunden in einen besseren Teil des Kerkers geführt wurden und uns dort erholen konnten. So verließen wir den (inneren) Kerker, und ein jeder konnte tun, was er wollte. Ich nährte das Kind, das schon schwach vor Hunger war. Aus Sorge um das Kind sprach ich hierauf meiner Mutter zu, ermahnte den Bruder und empfahl beiden den Kleinen. Ich grämte mich, weil ich sah, wie Mutter und Bruder sich abhärmten. Derlei Sorgen trug ich viele Tage. Dann setzte ich es durch, dass das Kind mit mir im Kerker blieb; sogleich erholte ich mich und wurde gestärkt in der Mühe und Sorge um mein Kind. Alsbald wurde mir der Kerker zum Palast, so dass ich dort lieber war als irgendwo anders."

Die Himmelsleiter

Ihre Mitgefangenen bewunderten den Glauben Perpetuas. Sie sollte um eine Vision bitten, den ihnen Aufschluss darüber geben sollte, was nun mit ihnen geschehen würde. Perpetua hatte daraufhin folgenden Traum:

"Ich schaute eine erzene Leiter von erstaunlicher Größe; sie reichte bis zum Himmel und war so schmal, dass man nur einzeln auf ihr hinaufsteigen konnte. An den Holmen der Leiter waren alle Arten von Eisenwerkzeugen befestigt: Schwerter, Lanzen, Haken, Messer und Spieße. Wenn einer lässig hinaufstieg, nicht angespannt nach oben schaute, musste er sich an den Geräten so verletzen, dass sein Fleisch daran hängenblieb. Unter der Leiter lag ein ungewöhnlich großer Drache; er lauerte den Hinaufsteigenden auf und versuchte, sie einzuschüchtern, damit sie nicht hinaufkletterten. Zuerst aber stieg Saturus hinauf, ... er erreichte das Ende der Leiter, drehte sich um und sagte zu mir: Perpetua, ich warte auf dich. Aber gib acht, dass dieser Drache dich nicht beißt! Ich antwortete: Er wird mir nicht schaden! Im Namen Jesu Christi! Da streckte der Drache, als ob er mich fürchtete, langsam den Kopf unter der Leiter hervor. Ich aber trat ihm auf den Kopf, als sei er die erste Sprosse. Ich stieg weiter hinauf, und oben sah ich einen weit ausgedehnten Park; mitten darin saß ein weißhaariger, hochbetagter Mann in Hirtentracht und molk die Schafe. Rings um ihn standen viele Tausende in weißen Kleidern. Er hob den Kopf, sah mich an und sprach zu mir: Willkommen, Kind! Dann rief er mich herbei und gab mir ein Stückchen von dem Käse aus der Molke. Ich empfing es in meine übereinandergelegten Hände und aß es; alle Umstehenden aber sagten: Amen."

So wusste Perpetua nun, dass ihnen das Martyrium bevorstand. "Von da an setzten wir keine Hoffnung mehr auf diese Welt."

Das Urteil


Am folgenden Tag wurde Perpetua mit ihren Gefährten plötzlich weggeschleppt zum öffentlichen Verhör vor dem Statthalter. Die Kunde davon verbreitete sich in Windeseile in der ganzen Stadt und es kam eine ungeheure Volksmenge zusammen. Vor ihnen allen legten sie ihr Bekenntnis zu Jesus Christus ab. Daraufhin verkündete der Statthalter allen das Urteil:

"Er verurteilte uns zu den wilden Tieren. Fröhlich stiegen wir daraufhin wieder in den Kerker hinab."

Nun übergab Perpetua ihr Kind endgültig ihren Eltern. Der Gefängnisaufseher Pudens staunte über die Kraft, die in den gefangenen Christen steckte. Bald sollte auch er sich zu Jesus Christus bekehren.
Felicitas aber war voller Sorge, dass sie nicht zusammen mit den anderen das Martyrium erleiden könne, denn sie war im achten Monat schwanger und als Schwangere durfte sie nicht hingerichtet werden. Doch sie gebar vor dem angesetzten Hinrichtungstermin ihr Kind. Ihr Kind wurde einer anderen Christin übergeben, die es aufzog. Während der schmerzhaften Geburt schrie Felicitas, woraufhin einer der Wärter spottete, wie sie denn die Schmerzen des Kampfes mit den wilden Tieren aushalten wolle, wenn sie schon unter den Schmerzen der Geburt so sehr leide. Felicitas erwidert daraufhin:

"Was ich jetzt leide, das leide ich; dort aber wird ein anderer in mir sein, der für mich leiden wird; denn ich werde ja auch für ihn leiden.
Auf jenem Schaugerüst wird nur das geschehen, was Gott will. Du musst nämlich wissen, dass wir nicht in unserer Gewalt sind, sondern in der Macht Gottes stehen."

Das Martyrium

Am 7. März 203 wurden Felicitas, Perpetua und ihre Gefährten bei einer Vorführung, die Kaiser Septimus Severus zum Geburtstag seines Sohnes abhalten ließ, im Zirkus den wilden Tieren vorgeworfen. Saturninus, Saturus und Revocatus (Secundulus war schon im Gefängnis gestorben) mussten mit Bären und Leoparden kämpfen, Felicitas und Perpetua mit einer wilden Kuh. Schließlich sollten die Schwerverletzten mit dem Schwert getötet werden.

"Das Volk forderte sie in die Mitte, um sich mit seinen Blicken an dem Mord zu beteiligen, wenn sie mit dem Schwert durchbohrt wurden. Darauf erhoben sich die Martyrer bereitwillig und begaben sich dorthin, wohin das Volk es wollte. Vorher küssten sie einander, damit das Martyrium durch den gewohnten Friedenskuss seine Vollendung erlangte. Die anderen empfingen das Eisen unbeweglich und schweigend. ... Perpetua aber schrie laut auf, als ihr das Schwert zwischen die Knochen gestoßen wurde und sie etwas Schmerz verkosten durfte. Sie führte dann selber die unsichere Hand des jungen Gladiators an ihre Kehle. Vielleicht konnte eine solche Frau, die von dem unreinen Geiste gefürchtet wurde, nicht anders getötet werden, als wenn sie es selbst wollte."

Bald schon wurde über dem Grab von Perpetua und Felicitas eine Kirche erbaut. Sie gehören zu den ältesten Blutzeugen des Christentums, deren Schicksal zuverlässig überliefert ist.

von 06.03.2013 10:39

FASTENZEIT
3. WOCHE - MITTWOCH

22

TUGENDEN UND GEISTLICHES WACHSTUM


Tugenden und Heiligkeit. Wahre Selbstverwirklichung.
Natürliche und übernatürliche Tugenden im Alltag.
Der Herr schenkt stets die nötigen Gnaden, damit wir den Glauben konsequent leben können.

I. Herr, du zeigst mir den Pfad zum Leben, vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle1.

In unterschiedlichen Bildern zeigt uns der Herr, daß der Weg zur Heiligkeit und zum ewigen Leben die stetige Entfaltung der Anlagen erfordert, die er in uns hineingelegt hat: das Senfkorn wächst und wird zu einem großen Strauch, in dem sich die Vögel des Himmels niederlassen; der Weizen reift und bringt üppige Ähren hervor ... Wir sind dafür verantwortlich, daß die Tugenden nicht verkümmern, sondern stetig wachsen.

Was aber ist die Tugend? »Tugend bedeutet nicht die Bravheit und Ordentlichkeit eines isolierten Tuns oder Lassens. Sondern Tugend bedeutet: daß der Mensch richtig ist, und zwar im übernatürlichen wie im natürlichen Sinne (...). Tugend also ist, ganz allgemein, seinsmäßige Erhöhung der menschlichen Person; Tugend ist, wie Thomas von Aquin sagt, das ultimum potentiae, sie ist das Äußerste dessen, was ein Mensch sein kann; sie ist die Erfüllung menschlichen Seinkönnens - im natürlichen und im übernatürlichen Bereich. Der tugendhafte Mensch ist so, daß er, aus innerster Wesensneigung, durch sein Tun das Gute verwirklicht.«2

Das Gute durch Übung in uns zu entfalten und so tiefer in unserer Seele zu verwurzeln ist die echte Form christlicher »Selbstverwirklichung« Ihr Ziel ist, gleichförmig zu werden mit Christus. Hin und wieder ergeben sich außergewöhnliche Herausforderungen, aber meistens ist der Alltag das Feld, wo die Tugenden wachsen sollen. Dort üben wir die natürlichen und übernatürlichen Tugenden: Glaube,»Hoffnung und Liebe, Klugheit, Zucht und Maß, Gerechtigkeit und Starkmut, Treue und Arbeitsamkeit.

Das Wachsen im geistlichen Leben ist eine Frucht der Gnade Gottes; aber Gott handelt nicht über unsere natürlichen Anlagen hinweg. Für das Wachsen der Tugenden ist - zusammen mit dem Gebet - Einübung nötig, die in der Seele die Bereitschaft zu weiterem tugendhaftem Handeln festigt. Es ist ähnlich wie beim Training eines Sportlers, der durch Übung die Kraft, die Geschmeidigkeit und das Zusammenspiel der Glieder zu steigern sucht.

Viele geistliche Schriftsteller haben dies hervorgehoben. Ein klassisches Beispiel für diese Art Training unserer natürlichen Fähigkeiten finden wir im »Weg« »Die heroische Minute. Das ist der Augenblick des pünktlichen Aufstehens. Kein Schwanken: ein übernatürlicher Gedanke, und auf!= 3 Dahinter steht - neben der Anregung, eine mehr oder weniger mühsame Überwindung Gott darzubringen - die schlichte Erkenntnis: Wer bereits den Tag im Kleinkrieg gegen die Trägheit mit einem Sieg beginnen kann, hat es leichter, mühsamere Aufgaben im Laufedes Tages sportlich anzugehen.

Denn es ist die gute Seite der Gewöhnung, daß wiederholtes Handeln eine Spur in der Seele hinterläßt; sie schenkt uns jene Leichtigkeit, die uns Anstrengung und Mühsal vergessen läßt.

Die Entfaltung der Tugenden ist der Weg, der zum Herrn führt. Natürlich müssen wir, weil wir Gott lieben wollen, die Gelegenheiten zur Sünde meiden und entschlossen zu jeder Versuchung nein sagen. Aber nicht das »Nein« soll die Mitte unseres christlichen Lebens sein, sondern das »Ja« das Wachsen - mit Hilfe der Gnade - in den Tugenden. In dieser Fastenzeit fordert uns die Kirche ganz besonders dazu auf: das Gute zu tun, damit es sich in uns immer mehr festigt.

II. Heiligung heißt, in unserer konkreten Lebenssituation beharrlich Tag für Tag die Tugenden zu üben. »Die natürlichen Tugenden sind das Fundament für die übernatürlichen; und die übernatürlichen Tugenden geben stets von neuem den Anstoß zu einem rechtschaffenen Leben. Ein bloßes Verlangen nach den natürlichen Tugenden genügt aber nicht, man muß sie regelrecht erlernen. Discite benefacere (Jes 1,17), lernt Gutes zu tun. Es ist nötig, das Tun der Tugend beharrlich zu üben: die Taten der Aufrichtigkeit, der Wahrhaftigkeit, der Unparteilichkeit, der Gelassenheit, der Geduld - denn die Liebe besteht in Taten, und Gott kann man nicht mit Worten allein, sondern man muß ihn in der Tat und in der Wahrheit (1 Joh 3,18) lieben.«3

Durch die Pflege der natürlichen Tugenden, durch Standhaftigkeit, Treue, Wahrhaftigkeit, Freundlichkeit öffnen wir unsere Seele für das Wirken des Heiligen Geistes. Dieses Bemühen soll in jeder Lebenssituation präsent sein. »Heute wie gestern wird vom Christen erwartet, daß er heroisch lebt. Heroisch, wenn es nötig ist, in den großen Kämpfen. Heroisch - und das wird das Normale sein - in den kleinen, alltäglichen Dingen.«4 So wie eine Pflanze sich aus der Erde ernährt, in der sie wurzelt, so gründet das übernatürliche Leben des Christen, seine Tugenden, in seiner Alltagswirklichkeit: in Arbeit und Familie, in Freude und Leid, Erfolgen und Mißerfolgen... Alles dient dazu, Gott zu lieben und ein christliches Zeugnis zu geben. Das eine bewegt uns zur Dankbarkeit, das andere stärkt das Bewußtsein der Gotteskindschaft, bestimmte Umstände und Aufgaben lassen uns in der Standhaftigkeit wachsen, andere festigen unser Vertrauen in Gott. Und da die Tugenden insgesamt ein miteinander verflochtenes Ganzes sind, trägt und stützt eine Tugend alle anderen. Doch »ist es die Liebe, die alle Tugenden zusammenhält, durch die der Mensch zur Vollkommenheit gelangt.«6

Im Streben nach Heiligkeit und apostolischem Wirken können wir nicht abwarten, bis vermeintlich ideale Situationen eintreten. Die »ideale Situation« ist die des konkreten Augenblicks. Denn »wenn ein Christ die unbedeutendste Kleinigkeit des Alltags mit Liebe verrichtet, dann erfüllt sich diese Kleinigkeit mit der Größe Gottes (...). Laßt falschen Idealismus, Träume und Phantastereien beiseite, laßt beiseite alles, was ich Blechmystik zu nennen pflege: wenn ich doch ledig geblieben wäre, wenn ich doch einen anderen Beruf gewählt hätte, wenn ich doch eine bessere Gesundheit besäße, wenn ich noch jung wäre, wenn ich doch schon alt wäre ...! Haltet euch vielmehr nüchtern an die ganz materielle und unmittelbare Wirklichkeit, denn dort ist der Herr.«7

Unser heutiges Gebet mag dazu dienen, uns in der Gegenwart des Herrn zu fragen: Will ich wirklich Christus ähnlicher werden? Nutze ich tatsächlich die Ereignisse jedes Tages, um - mit Gottes Gnade - in mir die natürlichen und die übernatürlichen Tugenden zu entwickeln? Richte ich mein Tun immer bewußter auf Gott aus, mit geläuterter Gesinnung?

III. Der Herr, der niemals Unmögliches verlangt, erwartet von einem Christen das Ernstnehmen der Tugenden, auch dann, wenn die Menschen um ihn sich wenig oder nichts aus Gott machen. Gott schenkt die nötige Gnade, ihm auch unter solch schwierigen Bedingungen die Treue zu halten. Und manchmal werden wir erleben, wie gerade die konsequente Art unseres Christseins zu einem Magnet für andere wird. Sie erkennen, daß es sich lohnt, christlich zu leben. Gott wird so aufs neue präsent in unserem Lebensbereich.

Heute haben leider viele Menschen den Sinn für das Übernatürliche und damit für das Wirken der Gnade im menschlichen Leben verloren. Sie meinen, die christlichen Ideale müßten sich, um für den Durchschnittsmenschen unserer Zeit lebbar zu sein, dem Zeitgeist anpassen. So suchen sie Kompromisse im Bereich der Arbeit, der Ehe, der Sexualität.

Unsere konsequente Art zu leben - mit Schwächen und Versagen, die wir aber beim Namen nennen - kann für viele eine ermunternde Aufforderung sein, die christlichen Tugenden auch heute zu verwirklichen, sich nicht mit dem Schein der Tugend zufrieden zu geben: »Die >Fassade< wirkt ja recht willensstark und charakterfest. - Aber wieviel Laschheit und Willensschwäche verbergen sich dahinter!

Nimm dir fest vor, deine Tugenden nicht zu einer Maskerade werden zu lassen, sondern zu dem selbstverständlichen Habitus, der von innen her deinen Charakter prägt.«8

Der Kirchenvater Johannes Chrysostomos ermuntert uns, im inneren Leben wie Schulanfänger zu sein. »Zunächst lernen sie die Gestalt der einfacheren Buchstaben kennen; dann beginnen sie die schwierigeren zu unterscheiden, und nach und nach lernen sie so zu lesen. Wenn wir uns auf ähnliche Weise den Tugenden nähern, lernen wir zum Beispiel als erstes, nicht schlecht über andere zu reden, dann - gewissermaßen zum nächsten Buchstaben übergehend - niemanden zu beneiden, niemals Sklave unseres Körpers zu sein, uns nicht der Völlerei hinzugeben und so fort. Dann werden wir zu den geistlichen Buchstaben fortschreiten und uns Mäßigung, Abtötung der Sinne, Keuschheit, Gerechtigkeit, Verzicht auf Ruhmsucht, Bescheidenheit und Herzensdemut aneignen. Sodann werden wir einige Tugenden mit anderen verbinden, um sie so in unsere Seele einzuprägen. Und all das gilt es im eigenen Hause zu üben: mit den Freunden, mit der Ehefrau, mit den Kindern.«9

Es geht darum, daß wir die Ausübung der Tugenden nicht als eine Sonderbeschäftigung betrachten, sondern als ein Stück Normalität christlichen Menschseins. Entsprechend wird es uns gelingen, auf dem Weg echter Selbstverwirklichung voranzuschreiten, das heißt, Christus immer ähnlicher zu werden. Unsere Liebe Frau zeigt uns auch hier den Weg.

1 Kommunionvers der Messe vom Tage. Ps 15,11. - 2 Josef Pieper, Über das christliche Menschenbild, München 1950, S.19-20. - 3 J. Escrivá, Der Weg, Nr. 206. - 4 ders., Freunde Gottes, 91. - 5 ders., Christus begegnen, 82. - 6 Alfons Maria von Liguori, Jesus lieben lernen, Freiburg 1982. - 7 Gespräche mit Msgr. Escrivá de Balaguer, 116. - 8 J. Escrivá, Die Spur des Sämanns, Nr. 777. - 9 Johannes Chrysostomos, Homilien über die Psalmen, 11,8.

von 05.03.2013 13:33

FASTENZEIT
3. WOCHE - DIENSTAG

21

verzeihen KÖNNEN

Verzeihen, nicht nachtragen.
Wir sind Schuldner: alles der Barmherzigkeit Gottes überlassen.
Verstehen. Lernen, in den anderen das Gute zu entdecken.

I. Spannungen im Umgang miteinander, zu Hause, bei der Arbeit, mit Freunden oder Bekannten, sind so gut wie unvermeidlich. Manchmal mag es uns sogar scheinen - mit oder ohne Grund -, daß jemand es darauf anlegt, uns zu ärgern, uns mit seiner groben Art herauszufordern. Vor diesem Hintergrund erreicht uns die Frage des Petrus im Evangelium der heutigen Messe: Wie oft muß ich meinem Bruder vergeben? Siebenmal?1 Muß ich also wirklich immer wieder verzeihen? Diese Frage stellen wir heute in die Mitte unseres Gebetes: Sind wir bereit, immer wieder zu verzeihen? Oder tun wir uns da schwer?

Wir kennen die Antwort des Herrn: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal, immer wieder also. Von Petrus, von uns, von allen, die ihm nachfolgen, erwartet der Herr die Bereitschaft zum uneingeschränkten Verzeihen. Denn er will, daß wir es ihm in der Weite des Herzens nachtun. »Gottes Allmacht« sagt Thomas von Aquin, »äußert sich vor allem darin, daß er Verzeihung gewährt und barmherzig ist. Denn dadurch, daß er freizügig vergibt, offenbart er seine unbegrenzte Macht«2. Deshalb schreibt ein Kirchenvater, daß »nichts uns Gott so ähnlich macht wie die Bereitschaft, immer zu vergeben«3.

»Löschen wir also in uns die Erinnerung an Beleidigungen, an Demütigungen, die uns zugefügt wurden, und mögen sie noch so ungerecht, ungehörig und grob gewesen sein; denn ein Kind Gottes führt nicht Buch darüber, um die ganze Liste später einmal vorzulegen.«4 Weder Groll noch Feindschaft dürfen unser Inneres verunstalten, auch dann nicht, wenn der andere fortfährt, uns wehzutun.

Jeden Tag beten wir im Vaterunser: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. »Das Vergeben soll nicht etwas Gelegentliches, Ungewöhnliches sein, sondern zum festen Bestand des Daseins, zur immerfort wirksamen Gesinnung des Einen gegen den Anderen werden.«5 Die Vergebung muß aufrichtig sein und von Herzen kommen, spontan und ohne nachzutragen, mit der Leichtigkeit des Selbstverständlichen, undramatisch und ohne den anderen zu demütigen. Meistens wird es nicht einmal nötig sein zu sagen: »Ich verzeihe dir« denn eine freundliche Geste oder das unverkrampfte Wiederaufnehmen eines Gesprächs zeigen schon, daß die Sache für uns erledigt ist.»Natürlich ist solche Nächstenliebe nicht leicht, selbst dann nicht, wenn es sich - wie meistens - nur um Bagatellen handelt: Wenn sich zu Hause jemand querstellt beim Planen des Sonntags, wenn wir beim Einkaufen eine unfreundliche Antwort bekommen oder wenn uns auf der Straße das rücksichtslose Verhalten eines Autofahrers aufregt. Jeder weiß aus eigener Erfahrung, daß dahinter selten böser Wille steckt, sondern einfach Müdigkeit, Überlastung oder vielleicht eine persönliche Sorge.

Es wäre bedenklich, wenn solche Reibereien gleich unsere Nächstenliebe in Frage stellten oder zu bösen Gedanken über die anderen führten. Oder ein böses Wort ließe uns gar vergessen, daß wir in der Gegenwart Gottes leben, die doch Garant für Gelassenheit und Frieden ist. Deswegen ist es gut, in unserer Gewissenserforschung auch die Art und Weise zu prüfen, wie wir uns bei den unvermeidlichen kleinen Spannungen im Umgang mit anderen Menschen verhalten. Auch sie haben mit unserem Streben nach Heiligkeit zu tun. Auch sie sind Weg der Nachfolge.

II. Und wenn er sich siebenmal am Tag gegen dich versündigt (...), so sollst du ihm vergeben6. Siebenmal, immer wieder also, sogar am selben Tag. Denn die Nächstenliebe, so lehrt uns der Apostel Paulus, erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand7.

Und wenn es uns schwerfällt? Wenden wir uns dann an den Herrn: er weiß es und zeigt uns den Weg des Verzeihens, selbst dann, wenn wir uns um der Gerechtigkeit willen wehren müssen.

Im heutigen Evangelium ist die Rede von einem König, der beschließt, von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen. Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man ihm einen, der ihm zehntausend Talente schuldig war.8 Das ist eine enorme Summe, etwa sechzig Millionen Denare (ein Denar ist der Tagelohn eines Feldarbeiters). Auch wenn der Diener beteuert, seine Schuld begleichen zu wollen, es muß eine leere Beteuerung bleiben.

So ergeht es auch uns vor Gott. Wir können unsere Schulden nicht begleichen. Denn selbst das, was wir besitzen, kommt von ihm. Als einziger Ausweg bleibt uns da nur, auf seine Barmherzigkeit zu vertrauen und zu hoffen, daß er mit uns ebenso verfährt wie mit jenem Knecht: Der Herr hatte Mitleid mit dem Diener, ließ ihn gehen und schenkte ihm seine Schuld.

Dieser Diener traf nun einen seiner Gefährten, der ihm hundert Denare schuldete - den sechshunderttausendsten Teil der ihm vom König erlassenen Schuld. Flehentliches Bitten um Geduld hilft nichts. Jener läßt nicht mit sich reden. Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Diener! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich angefleht hast. Hättest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?

Wir stehen Gott gegenüber in einer übergroßen Schuld. Das müssen wir in Demut erkennen. Und aus dem Gleichnis lernen wir auch, daß die göttliche Großmut uns mit der Vergebung auch die Pflicht auferlegt, selbst zu vergeben und anderen die Schuld zu erlassen. Wie wenig ist das angesichts dessen, was der Herr uns verzeiht.

Über so manche Kränkung hinwegzusehen wird nicht schwer sein, weil es sich oft genug um eine bloße Lappalie handelt. Schließlich ziehen wir selbst daraus den größten Nutzen, denn unser Herz weitet sich, wir gewinnen an Gelassenheit und ersparen uns nur Ärger, wo er ohnehin nicht lohnt. »Es ist wahr - das an sich schon ziemlich beengte und unsichere Leben kann manchmal recht schwierig werden. Aber das wird dir zu einer mehr übernatürlichen Sicht verhelfen, die dich in allem die Hand Gottes erkennen läßt. So wirst du deiner Umgebung mit mehr Güte und Verständnis begegnen.«9

»Wir müssen Verständnis für alle haben, mit allen zusammenleben, alle entschuldigen, allen verzeihen können. Wir werden uns nicht dazu hergeben, das Ungerechte gerecht oder das Schlechte gut zu nennen, die Beleidigungen Gottes zu beschönigen. Aber wir werden das Böse nicht mit Bösem erwidern, sondern mit der klaren Lehre und der guten Tat: indem wir es im Überfluß des Guten ersticken.«10

III. Nächstenliebe weitet das Herz. Sie schafft Raum auch für jene, die uns nicht verstehen oder die unsere Anteilnahme mit Kälte oder Verachtung erwidern. Die Nähe zum Herrn verscheucht mögliche Gefühle der Feindschaft ebenso wie voreiliges Urteilen über die Absichten anderer.

Denn nicht selten können wir bei den anderen lediglich äußere Verhaltensweisen wahrnehmen, deren eigentliche Motive uns verborgen bleiben. So lautet der weise Rat eines heiligen Kirchenvaters: »Auch wenn ihr etwas Schlechtes seht, urteilt nicht vorschnell über euren Nächsten, sucht ihn vielmehr in euerm Innern zu rechtfertigen. Und wenn ihr schon die Tat selbst für unverzeihlich haltet, dann entschuldigt wenigstens die Absicht. Überlegt, ob er es nicht vielleicht aus Unwissenheit getan hat, aus mangelnder Überlegung oder aus Schwäche. Und wenn die Sache so offenbar ist, daß es keinen Zweifel gibt, dann bemüht euch wenigstens zu glauben, daß es sich so verhält, und denkt: Die Versuchung muß sehr stark gewesen sein.«11

Wie oft versagen wir in den kleinen Reibereien des alltäglichen Zusammenlebens, weil wir uns allzu leicht zu vorschnellen Urteilen und Verdächtigungen hinreißen lassen. Manche familiären Auseinandersetzungen ließen sich vermeiden, wenn wir etwas mehr Gespür dafür hätten, daß jemand einen langen und beschwerlichen Tag hinter sich hat. Und im übrigen gilt: »Solange du die Absichten anderer böswillig deutest, hast du kein Recht, für dich selbst Verständnis zu verlangen«12.

Verstehenwollen schafft die Voraussetzungen für eine volle Offenheit gegenüber dem Nächsten. Ein unvoreingenommener Blick vermag in die Tiefe des Herzens zu sehen und dort den guten Kern zu entdecken, den es in jedem Menschen gibt.

Wer andere vestehen will, muß selbst demütig sein; denn der Hochmut verformt wie ein Zerrspiegel das wahre Bild der Dinge. Die Demut hingegen macht objektiv. Achtung und Verständnis werden leichter, der Blick für das Gute schärfer: »auch von den Tugenden vieler Menschen in unserer Umgebung werden wir lernen: Beispiele der Arbeitsamkeit, der Opferbereitschaft, der Freude ... Wir werden nicht zuviel auf ihre Fehler achten, sondern nur dann, wenn es nötig ist und wir ihnen mit einer brüderlichen Zurechtweisung helfen können.«13

Maria ist auch im Verstehen eine gute Lehrmeisterin. In Kanaan sehen wir sie eine heikle Situation meistern. Und anstatt Anstoß zu nehmen, hilft sie. Sie möge auch uns helfen, in unserem eigenen Leben jene Tugenden zu verwirklichen, die wir bisweilen bei den andern zu vermissen meinen. Dann können wir ihnen viel besser helfen.

1 Mt 18,21-35. - 2 Thomas von Aquin, Summa Theologica, I,q.25,a.3,ad 3. - 3 Johannes Chrysostomos, Homilien über das Matthäusevangelium, 30,5. - 4 J. Escrivá, Freunde Gottes, 309. - 5 R. Guardini, Der Herr, Würzburg 1951, S.352. - 6 vgl. Lk 17,4. - 7 1 Kor 13,7. - 8 vgl. Mt 18,24 ff. - 9 J. Escrivá, Die Spur des Sämanns, Nr. 762. - 10 ders., Christus begegnen, 182. - 11 Augustinus, Predigt 40, Über das Hohe Lied. - 12 J. Escrivá, Die Spur des Sämanns, Nr. 635. - 13 ders., Freunde Gottes, 20.

von 04.03.2013 12:30

FASTENZEIT
3. WOCHE - MONTAG

20

DIE HILFE DER GEISTLICHEn LEITUNG

Nur im Glauben können wir die Gestalt Christi wahrnehmen. Eine rein irdische Sicht macht blind.
Naaman und der Apostel Paulus: Demut und Gehorsam als innere Haltung der Offenheit gegenüber Gott.
Übernatürlich und realistisch zugleich sein. Die Hilfe der geistlichen Leitung.

I. Meine Seele verzehrt sich in Sehnsucht nach den Vorhöfen des Herrn, mein Herz und mein Leib jauchzen ihm zu, lesen wir im Eröffnungsvers der heutigen Messe.1 Die Worte des Psalms wollen uns einstimmen auf das Evangelium des Tages, das über den Besuch des Herrn in der Synagoge von Nazaret berichtet. Wir lernen aus dem Verhalten der Zuhörer, daß eine fruchtbare Begegnung mit dem Herrn nur in Lauterkeit des Geistes möglich ist.

Der Herr hatte in vielen Dörfern und Städten Galiläas gepredigt. So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war2. Hier kennen ihn alle als den Sohn Josefs und Marias. Am Sabbat ging er wie gewohnt in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen, reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Lukas deutet die knisternde Spannung des Augenblicks an: die Augen aller waren auf ihn gerichtet. Dann schloß er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Sie hatten wahre Wunderdinge von ihrem früheren Dorfgefährten gehört und erwarteten nun, auch in Nazaret Außergewöhnliches zu erleben.

Anfangs fanden seine Worte bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete3, doch fehlte es ihnen an Glauben.

Der Herr erinnert seine Zuhörer an Beispiele aus dem Alten Testament: Viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman. Naaman - ein Fremder, kein Angehöriger des auserwählten Volkes. Gott gewährt seine Gnaden ohne Rücksicht auf Herkunft, Alter oder gesellschaftliche Stellung.

Die Zuhörer in der Synagoge sehen in dem, der da zu ihnen spricht, lediglich den Zimmermann, der vielleicht manchen Tisch und manche Tür für sie gemacht hatte. Ist das nicht der Sohn Josefs?4, fragen sie sich voreingenommen. Sie stehen vor dem Messias und können ihn dennoch nicht wahrnehmen. Der Herr vollbrachte dort nicht ein einziges Wunder.

Christus sehen, Christus wahrnehmen. Dazu gehört eine innere Klarheit der Seele. »Der Christus, den du siehst, ist nicht Jesus. - Es ist höchstens das traurige Bild, das deine getrübten Augen dir zeigen ... - Läutere dich. Reinige deinen Blick mit Hilfe der Demut und der Buße. Dann ... fehlt dir das klare Auge der Liebe nicht. Dein Blick wird schärfer. Dein Bild wird dann wirklich sein Bild: Er!«5

Die Fastenzeit ist eine Zeit der Läuterung. Gebet und Buße helfen uns, Abstand von uns selbst zu gewinnen und, im Lichte der Gnade, Gottes Vorhaben besser zu erkennen.

II. Die Heilung Naamans, auf die sich der Herr in Nazaret bezieht, wird uns in der ersten Lesung der heutigen Messe geschildert. Dieser Feldherr des syrischen Königs litt an Aussatz. Er hatte von einer jüdischen Sklavin erfahren, in Israel gebe es einen mächtigen Propheten, der ihn heilen könnte. Nach einer langen Reise kam Naaman mit seinen Pferden und Wagen und hielt vor dem Haus Elischas. Dieser schickte einen Boten zu ihm hinaus und ließ ihm sagen: Geh und wasch dich siebenmal im Jordan! Dann wird dein Leib wieder gesund und du wirst rein.6

Naaman schien jener Vorschlag zu simpel. Wie könnte sich die Macht Gottes in einer so banalen Waschung zeigen? Er hatte sich alles ganz anders vorgestellt: in feierlicher Umständlichkeit. Ich dachte, sagt er, er würde herauskommen, vor mich hintreten, den Namen Jahwes, seines Gottes, anrufen, seine Hand über die kranke Stelle bewegen und so den Aussatz heilen. Sind nicht der Abana und der Parpar, die Flüsse von Damaskus, besser als alle Gewässer Israels? Kann ich nicht dort mich waschen, um rein zu werden?

Auf der Suche nach Heilung hatte er viele Beschwerlichkeiten auf sich genommen. Und nun, im Glauben, die ganzen Strapazen seien vergeblich gewesen und deshalb schon im Begriff, die Rückreise anzutreten, sagten ihm seine Diener: Wenn der Prophet etwas Schweres von dir verlangt hätte, würdest du es tun; wieviel mehr jetzt, da er zu dir nur gesagt hat: Wasch dich, und du wirst rein.

Naaman mußte zugeben, daß die Worte seiner Begleiter vernünftig waren. So ging er also zum Jordan hinab und tauchte siebenmal unter, wie ihm der Gottesmann befohlen hatte. Da wurde sein Leib gesund wie der Leib eines Kindes, und er war rein. Er hatte auf seine eigenen Vorstellungen verzichtet und sich stattdessen dem Wort des Gottesdieners unterworfen, das nach menschlichem Ermessen wenig Sinn machte. Das Gebet Elischas heilte ihn, aber nicht ohne daß er sich demütig unterworfen hatte.

Auch wir sind, durch Fehler und Gebrechlichkeiten geschwächt, heilsbedürftig. Der Herr hat uns deshalb Menschen zur Seite gestellt, die uns mit Hinweisen und Ratschlägen helfen können, wenn wir nur demütig und gehorsam auf sie hören. Mag sein, daß ihre Anregungen oftmals nicht unseren Vorstellungen entsprechen. Aber im eigenen geistlichen Leben ist es schwer, sich selbst ein guter Ratgeber und Arzt zu sein. Es ist nicht außergewöhnlich, daß der Herr sich hierzu anderer Menschen bedient. Ein Schriftsteller der frühchristlichen Zeit bringt dafür ein schönes Beispiel: »Auch den heiligen Paulus berief Christus selbst und sprach ihn an. Der Herr hätte ihm den Weg zur Heiligkeit sofort zeigen können, aber er ließ ihn zu Ananias gehen, damit er aus dessen Mund die Wahrheit erfahre: Steh auf und gehe in die Stadt. Dort wirst du erfahren, was du tun sollst.«7 Paulus besaß eine ausgeprägte Persönlichkeit und einen starken, erprobten Willen. Persönlichkeit und Wille helfen ihm jetzt, zu gehorchen. Er läßt sich von seinen Reisegefährten nach Damaskus führen und dort von Ananias belehren; dieser gibt ihm das Augenlicht zurück, und Paulus wird bald einer der tapfersten Kämpfer sein für die Sache des Herrn.

III. Wenn wir die geistlichen Mittel gläubig anwenden, werden wir über ihre Wirksamkeit staunen. Das Evangelium berichtet von einem Mann, dessen Hand verkrüppelt und gelähmt war8. Eines Tages forderte ihn der Herr auf, das Unmögliche zu tun: die Hand auszustrecken. Der Mann gehorcht dem Wort Christi: Er streckte sie aus, und die Hand war wieder ebenso gesund wie die andere.

Eine geistliche Lehre für uns: Was wir für unmöglich halten, kann uns gelingen, wenn wir die Gnade Gottes in uns wirken lassen. Nicht selten ist gerade diese Gnade der Lohn für ein fügsames Eingehen auf die Ratschläge, die wir in der geistlichen Leitung erhalten haben.

Uns allein auf menschliche Mittel zu verlassen, könnte uns, spätestens wenn sie versagen, resignieren lassen. Unsere Sicht muß von einem übernatürlichen Realismus geprägt sein, der davon ausgeht, daß Christus auch heute all denen hilft, die sich auf ihn und seine Gnadenmittel stützen. Vielleicht kommt uns auch die Episode der zehn Aussätzigen in den Sinn, die fügsam die Anweisung des Herrn befolgen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und während sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein.9

Auch die Begegnung Jesu mit einem blindgeborenen Bettler10 enthält bedenkenswerte Anregungen für unser betrachtendes Gebet. Johannes berichtet: Jesus spuckte auf die Erde, dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Der Bettler zögerte keinen Augenblick. Er ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.

»Wie vorbildlich fest ist der Glaube des Blinden! Ein lebendiger Glaube, ein Glaube mit Werken (...). Besaß das Wasser etwa medizinische Eigenschaften, um durch bloße Berührung die Blindheit zu heilen? Nein, da wäre wohl irgendeine geheimnisvolle Salbe aus einer Alchimistenküche geeigneter gewesen. Aber der Blinde glaubt, er setzt den göttlichen Befehl in die Tat um und kehrt heim mit klar sehenden Augen.«11

Blindheit, Erbärmlichkeiten, Schwächen - Gott kann sie in seiner Allmacht heilen.

An vielen Stellen des Evangeliums ist die Rede vom gläubigen Gehorsam vieler Menschen in der Begegnung mit Jesus. Eigensinn, Verstocktheit und Unbelehrbarkeit vereiteln den Gehorsam, die Hilfe der geistlichen Leitung kann dann nicht greifen. Sie sind Spielarten des Hochmuts, der nicht wahrnehmen will, daß von anderen zu lernen eine urmenschliche Haltung ist, die auch im geistlichen Bereich gilt.

Im geistlichen Leben ist Mißtrauen gegenüber dem eigenen Urteilsvermögen angebracht. So werden wir für Einsichten offen, die wir selbst nicht gewonnen hätten. Ereignisse des Tages, Erkenntnisse beim Beten oder Hinweise im geistlichen Gespräch werden für Gott zu Mitteln, uns nach und nach zu formen. Wir sind dann geschmeidig und formbar wie der Ton in der Hand des Töpfers. Glauben und Gnade lassen uns in der Stimme unseres geistlichen Leiters die Stimme Christi erkennen. Dann geschieht, was der Prophet Jeremias beschreibt: So ging ich zum Haus des Töpfers hinab. Er arbeitete gerade mit der Töpferscheibe. Mißriet das Gefäß, das er in Arbeit hatte, wie es beim Ton in der Hand des Töpfers vorkommen kann, so machte der Töpfer daraus wieder ein anderes Gefäß, ganz wie es ihm gefiel. (...) Kann ich nicht mit euch verfahren wie dieser Töpfer?12 Verfügbarkeit, Gehorsam, um uns von Gott immer wieder formen und umformen zu lassen: Das könnte ein guter Vorsatz am Ende unseres Gebetes sein. Wie immer verlassen wir uns dabei auf die Hilfe Mariens.

1 Eröffnungsvers der Messe vom Tage. Ps 83,3. - 2 Lk 4,16. - 3 Lk 4,22. - 4 ebd. - 5 J. Escrivá, Der Weg, Nr. 212. - 6 2 Kön 5,1-15. - 7 Johannes Cassianus, Unterredungen mit den Vätern, 2. - 8 vgl. Mt 12,9 ff. - 9 Lk 17,11-19. - 10 Joh 9,1 ff. - 11 J. Escrivá, Freunde Gottes, 193. - 12 Jer18,1-7.

von 03.03.2013 13:40

DRITTER FASTENSONNTAG

19

abtötung - ein fruchtbares ärgernis

Wer Christus wahrhaft nachfolgen will, muß beim Kreuz stehen.
Abtötung gibt uns die Kraft, uns aufzumachen zum Herrn. Großzügigkeit im Opfer.
Weitere Gründe für Buße und Abtötung.

I. Jede Handlung im irdischen Leben unseres Herrn ist heilsmächtig, jedoch gipfelt das Werk der Erlösung im Kreuz, auf das hin sein ganzes Leben ausgerichtet ist. Ich muß mit einer Taufe getauft werden, und ich bin sehr bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist1, sagt er zu seinen Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem. Dieses Wort ist eine Offenbarung seines brennenden Verlangens nach Hingabe des Lebens zu unserem Heil. Zugleich ist es ein Erweis seiner Liebe zum Willen des Vaters. Und es ist auch ein Hinweis auf die Haltung, die der Christ einnehmen soll. Das Kreuz ist der Prüfstein unserer Hingabe an Christus, Prüfstein in Schmerz und Leid, Pflichten und Aufgaben, die uns große Opfer oder kleine Überwindungen abverlangen. Zweifellos haben solche Übungen, schon rein menschlich betrachtet, ihren Wert als Selbstvervollkommnung, Selbstbeherrschung oder Proben auf die Geduld. Aber es wäre zu oberflächlich, darin nur Chancen menschlicher Selbstverwirklichung zu sehen; sie bieten uns weit mehr: die Gelegenheit, am Mysterium der Erlösung durch Christus teilzuhaben. Diese Übungen, die wesentlich zum geistlichen Leben gehören, bekommen ihren tiefsten Sinn, indem wir sie geistlich mit dem Kreuz Christi verbinden.

Ein Christ in der Nachfolge Christi wird den Rat des Herrn beherzigen: Wer mein Jünger sein will, verleugne sich, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.2 An einer anderen Stelle des Evangeliums wird deutlich, daß Christus für alle Menschen aller Zeiten dieses Wort gesprochen hat: Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.3

Nachfolge ohne Kreuz, das ist unmöglich. »Christentum und Kreuz sind voneinander nicht zu lösen. Seitdem Christus den Weg zum Kreuz hat gehen müssen, steht das Kreuz auf dem Weg eines jeden, der Christ sein will; für jeden als sein Kreuz. Die Natur lehnt sich dagegen auf. Sie will sich behalten. Sie will da nicht hindurchgehen. Jesus aber sagt, und es ist das Grundgesetz des Christentums: Wer sich, sein Leben, seine Seele festhält, der wird sie verlieren. Wer sich hineingibt in das Kreuz, so wie es hier und jeweils für ihn aufgerichtet ist, der wird sie finden - und dann unverlierbar.«4

Manche werden in der Abtötung ein Überbleibsel aus Zeiten sehen, in denen Kultur und Fortschritt noch nicht so entwickelt waren wie heute. Andere, die Gott aus ihrem Leben verdrängt haben, werden sie als Torheit oder als Ärgernis betrachten. Das ist nicht neu. Schon Paulus sagt über das Kreuz, es sei für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit5. Diese Sicht nimmt in dem Maße zu, in dem jemand das Gespür für den übernatürlichen Sinn seines Lebens verliert. »Wenn du dich nicht abtötest, wirst du nie ein Mensch des Gebetes.«6

Selbst den Aposteln fällt das Opfer schwer. Sie lieben den Herrn und bekunden sogar ihre Bereitschaft, das Leben für ihn hinzugeben. Gerne sind sie bei Jesus, wenn das Volk ihm zujubelt. Aber sie folgen ihm nicht auf den Kalvarienberg; sie waren noch zu schwach dazu, sie hatten die Kraft des Heiligen Geistes noch nicht empfangen. Es ist ein großer Unterschied, ob man Christus nachfolgt, wenn es nichts kostet, oder ob man bedingungslos zu ihm steht, wenn immer das Kreuz als große oder kleine Drangsal des Lebens spürbar wird. Die heilige Theresia sagt: »Töricht, wer da glaubt, der Herr gebe den Leuten seine Freundschaft ohne Mühe, als Geschenk«7.

Wer sein Leben so einzurichten sucht, daß er jedem Opfer aus dem Wege geht, und sich dann gegen den unabwendbaren Schmerz auflehnt, entzieht sich nicht nur der Möglichkeit, sich zu heiligen, sondern verscherzt sich auch die tiefere Freude, die dann gegeben ist, wenn wir uns nahe beim Erlöser unter dem Kreuz wissen.

II. Der Herr erwartet von jedem Christen, daß er ihm nahe folgt, und das bedeutet, ihn bis nach Golgota zu begleiten. Lange schon, bevor er ans Kreuz genagelt wird, gab Jesus seinen Jüngern zu verstehen, daß auch sie den Weg des Kreuzes würden gehen müssen: Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig.8

Das Paradox der christlichen Abtötung spiegelt das Paradox des Kreuzes Christi wider. Nur die Liebe vermag das klar zu sehen. Wer in jene Art von Sterben einwilligt, findet das eigentliche Leben; wer sich aber eigensüchtig am Leben festklammert, der findet nur Tod: Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.9 Der Herr hat angedeutet, daß es ohne Aussaat keine Ernte gibt : Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.10 Dieses Aufbrechen der eigenen Ichbefangenheit erlangt man nur durch regelmäßige Abtötung, durch Verzicht auf Bequemlichkeit und Eigennutz. Dann wird unser Leben fruchtbar: »Möchtest du nicht Weizenkorn sein, durch Abtötung sterben und volle Ähren hervorbringen? - Jesus segne dein Feld.«11

Das Kreuz kommt von einem Vater, der uns liebt und der weiß, was gut für uns ist. Das ist Grund genug, die Angst vor dem Opfer, das sich in freiwilligen kleinen Abtötungen ausdrückt, zu verlieren: Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.12 Bei Jesus verlieren Leid und Not die Schwere des Unerträglichen. Sie machen uns vielmehr bereit für ein aufrichtiges Beten und lassen uns hinter den Fügungen des Lebens die Hand des Vaters erkennen.

Abtötung gibt uns die Kraft, uns zum Herrn aufzuschwingen; fehlt sie, hält uns die Erde fest. Wenn sie da ist - als freiwilliges Opfer, als gottgeweihter Schmerz, geduldig und in Liebe ertragen -, sind wir fest in Christus verankert.

III. Da Opfer und Abtötung den Neigungen unserer menschlichen Natur entgegengesetzt sind, dürfen wir nie vergessen, weshalb wir sie brauchen. Nur so ist es möglich, großherzig zu bleiben.

Aus zahlreichen Gründen sucht ein Christ die Abtötung. Den ersten Grund haben wir bereits erläutert: Gleichförmigkeit mit Christus, geistliche Teilhabe am erlösenden Opfer, das Christus dem Vater darbringt.

Ein weiterer Grund: Die Abtötung ist das »Mittel, um voranzukommen«13. Im einleitenden Dialog zur Präfation der heiligen Messe hebt der Priester die Hände zum Himmel und sagt: Erhebet die Herzen. Die Gläubigen antworten: Wir haben sie beim Herrn. Damit bekennen wir, daß wir das Herz nicht zum Gefangenen irdischer Güter machen wollen. Unausgesprochen ist hier die Buße - die regelmäßige Abtötung - mit eingeschlossen. Denn ohne sie bleibt die Seele in irdischen Anhänglichkeiten gefangen, in Unreinheit, Spießertum, Gieren nach Wohlergehen ... Und vieles, das in sich gut ist, wird dann zu einer Fessel.

Die Abtötung ist außerdem eine unerläßliche Voraussetzung für das christliche Zeugnis und das apostolische Wirken zur Ausbreitung des Reiches Gottes. »Das Tun ist ohne das Gebet nichts wert: das Gebet wird wertvoller durch das Opfer.«14 Es ware anmaßend, sich einzubilden, wir könnten andere für Gott einnehmen, ohne unsere Worte durch Beten zu untermauern und ohne unser Gebet durch freiwillige Abtötung - als Siegel seiner Echtheit - zu bekräftigen.

= 14 Es wäre anmaßend, sich einzubilden, wir könnten andere für Gott einnehmen, ohne unsere Worte durch Beten zu untermauern und ohne unser Gebet durch freiwillige Abtötung - als Siegel seiner Echtheit - zu bekräftigen.Schließlich ist die Abtötung auch Ausdruck der Wiedergutmachung für die eigenen Verfehlungen. Im Tagesgebet der heutigen Messe beten wir zu Gott, dem »Quell des Erbarmens und der Güte« »Wir stehen als Sünder vor dir, und unser Gewissen klagt uns an. Sieh auf unsere Not und laß uns Vergebung finden durch Fasten, Gebet und Werke der Liebe.«15

Durch die Läuterung auf dem Weg der Buße und der Abtötung werden sogar frühere Sünden fruchtbar: »Vergrabe durch die Buße deine Nachlässigkeiten, Beleidigungen und Sünden in der tiefen Grube, die deine Demut öffnet. - Denn so vergräbt auch der Bauer die faulen Früchte, die trockenen Äste und das gefallene Laub am Fuße des Baumes, der sie hervorbrachte. - Was unfruchtbar, ja, was schädlich war, trägt nun wirksam zu neuer Fruchtbarkeit bei. - Lerne, Schwung aus dem Sturz zu holen: Leben aus dem Tode.«16

Der Herr möge uns lehren, den Sinn von Buße und Abtötung tiefer zu erfassen, damit wir ihren verborgenen Reichtum zu nutzen wissen: »Wenn du an dein vergangenes Leben denkst - an ein Leben ohne Höhen und Tiefen, dann mache dir klar, wieviel Zeit du verloren hast, und frage dich auch, wie du sie zurückgewinnen kannst - durch Buße und eine größere Hingabe.«17

Opferwille und Buße des Christen verbinden sich mit Christi Kreuz. Meistens geht es dabei um die kleinen Abtötungen. Und es gibt zahlreiche Motive für die Buße: »Gründe zur Buße? Sühne, Wiedergutmachung, Bitten, Danksagung: lauter Mittel, um voranzukommen ...: für dich, für mich, für deine Familie, dein Land, die Kirche ... Und tausend Gründe mehr.«18

1 vgl. Lk 12,50. - 2 Mt 16,24. - 3 Lk 14,27. - 4 R. Guardini, Der Herr, Würzburg 1951, S.343. - 5 1 Kor 1,23. - 6 J. Escrivá, Der Weg, Nr. 172. - 7 Theresia von Avila, Weg zur Vollkommenheit, 18,2. - 8 Mt 10,38. - 9 Mt 16,25. - 10 Joh 12,24-25. - 11 J. Escrivá, Der Weg, Nr. 199. - 12 Mt 11,28-30. - 13 vgl. J. Escrivá, Der Weg, Nr. 232. - 14 ebd., Nr. 81. - 15 Tagesgebet vom Dritten Fastensonntag. - 16 J. Escrivá, Der Weg, Nr. 211. - 17 ders., Die Spur des Sämanns, Nr. 996. - 18 ders., Der Weg, Nr. 232.

von 02.03.2013 06:00

FASTENZEIT
2. WOCHE - SAMSTAG

18

jeder mensch ist DER VERLORENE SOHN


Kinder Gottes und Erben eines großen Gutes. Durch die Sünde können wir die Gaben Gottes verschleudern.
Am Anfang jeglicher Umkehr steht eine mutige Gewissenserforschung, die die Sünde beim Namen nennt.
Heimkehr durch das Sakrament des göttlichen Erbarmens. Freude im väterlichen Haus.

I. Der Herr ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Gnade. Der Herr ist gütig zu allen; sein Erbarmen waltet über all seinen Werken1, beten wir im Eröffnungsvers der heutigen Messe. Und im Evangelium hören wir vom Ärger der Pharisäer, weil der Herr unbekümmert mit den Zöllnern und mit sündigen Menschen Umgang hatte. Dies ist der Hintergrund des Gleichnisses vom verlorenen Sohn: Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngste von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater gib mir das Erbteil, das mir zusteht.2

Wir sind Kinder Gottes, sind wir aber Kinder, dann auch Erben3. Das kostbare Gut dieser Erbschaft wird erst in der vollen Gemeinschaft mit Gott im Himmel unser fester Besitz sein. Hier auf Erden können wir mit ihm so umgehen wie der jüngere Sohn im Gleichnis: Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. »Dieser Sohn, der vom Vater das ihm zustehende Erbteil erhält und von zu Hause weggeht, um es in einem fernen Land mit seinem >zügellosen Leben< zu verschleudern, ist in gewisser Hinsicht der Mensch aller Zeiten.«4

Durch die schwere Sünde fügt sich der Mensch ein schlimmes Unglück zu: er entfernt sich vom väterlichen Haus und verliert dabei die Zielrichtung seines Lebens aus den Augen. Das Gute, das er getan hat, die Pläne Gottes mit ihm, seine Berufung zur Heiligkeit, seine Vergangenheit und seine Zukunft zählen auf einmal nicht mehr. Er verliert die heiligmachende Gnade und gibt die Verbindung mit seinem Lebensprinzip, Gott, auf; neue Verdienste kann er sich in diesem Zustand nicht erwerben, er gerät in die Knechtschaft des Teufels. Zwar ist es mit der läßlichen Sünde anders. Sie bewirkt nicht den geistlichen Tod der Seele, jedoch schafft auch sie Abstand von Gott: sie ist wie ein Stehenbleiben, wie ein Sich-ablenken-lassen auf dem Weg zu Gott5.

Der junge Mann, der gemeint hatte, fern von Zuhause sein Glück zu finden, begann schon bald zu darben. Er sah sich gezwungen, Schweine zu hüten, die erniedrigendste Tätigkeit, die es für einen Juden gab. »Das Vermögen, welches der Sohn vom Vater empfangen hatte, war eine Quelle materieller Güter; aber wichtiger als diese Güter war seine Würde als Sohn im Hause des Vaters. Die Lage, in der er sich nach dem Verlust der materiellen Güter vorfand, mußte ihm den Verlust dieser Würde zum Bewußtsein bringen. Früher, als er vom Vater sein Erbteil verlangte, um fortzugehen, hatte er daran nicht gedacht.«6 In der Not und Einsamkeit vollzieht sich »das Drama der verlorenen Würde, das Wissen um die leichtsinnig zerstörte Sohnschaft«7.

II. »Der materielle Engpaß, in den der verlorene Sohn durch seine Leichtfertigkeit und seine Sünde geraten war, hatte in ihm den Sinn für seine verlorene Würde zum Reifen gebracht.«8 Er geht in sich und beschließt, sich auf den Heimweg zu machen. In sich gehen: Dies steht am Anfang jeglicher Umkehr, jeglicher Reue. Der Sohn entdeckt jetzt seinen Verlust und sieht, daß jenes Abenteuer ihn in die Irre geführt hat. Die Erforschung seines Gewissens ist kein künstlich herbeigeführter Zwang und kein bloßes Sich-Vergegenwärtigen dessen, was geschehen ist, sondern eine Regung der Reue, die aus dem Herzen kommt. »Soziologische Untersuchungen (...) reichen nicht hin, um Frieden und Gerechtigkeit in die Welt zu bringen. Die Wurzel des Bösen steckt im Menschen selbst. Daher muß auch das Heilmittel aus dem menschlichen Herzen kommen.«9

Dies erfordert den Mut, die Sünde beim Namen zu nennen und die eigene Lebensführung kritisch unter die Lupe zu nehmen, sie also nicht durch fadenscheinige Ausreden zu verbrämen. Johannes Paul II. sagte zu einer Gruppe junger Leute: »Lernt, das Weiße weiß und das Schwarze schwarz zu nennen; lernt, das Böse böse und die Sünde Sünde zu nennen.«10

In der Gewissenserforschung messen wir unser Leben an den Erwartungen Gottes. Einige geistliche Autoren vergleichen die Seele mit einem geschlossenen Raum. Öffnet man die Fenster, strömt das Licht herein und macht alles sichtbar: auch eine verschmutzte Ecke, einen verstaubten Tisch, eine häßliche Vase. Im Lichte der Gnade erkennen wir uns bei der Gewissenserforschung, wie wir wirklich sind, das heißt, wie wir vor Gott dastehen. Die Heiligen haben sich immer als Sünder gesehen, weil sie die Fenster ihres Innern stets für das Licht der Gnade weit offen hielten und so den ganzen Raum ihrer Seele prüfen konnten. Eine Gewissenserforschung bei offenen Fenstern läßt auch die Unterlassungen im Umgang mit Gott sichtbar werden und läßt uns fragen, warum das so ist. Wenn wir nichts zu bereuen hätten, wäre zu vermuten, daß wir uns nicht genügend dem göttlichen Licht ausgesetzt haben, das uns den tatsächlichen Zustand unserer Seele offenbart. Denn bei geschlossenen Fenstern bleibt das Zimmer dunkel: der Staub, der ramponierte Stuhl, das schiefe Bild bleiben unsichtbar.

Der Hochmut in uns wird es immer darauf anlegen, daß wir uns nicht so sehen, wie wir sind: ihre Augen halten sie geschlossen, damit sie mit ihren Augen nicht sehen11. Die Worte des Herrn gelten den Pharisäern, die taub und blind bleiben, weil sie sich nicht ändern wollen.

III. Dann brach er auf und ging zu seinem Vater.

Vom Irrweg umkehren. Die Sehnsucht nach Hause wird nach und nach tiefer und lauterer im Sohn. Die Begrüßung, die er sich zurechtgelegt hat, wird von Wort zu Wort aufrichtiger: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner.

»In gewisser Weise ist das menschliche Leben eine ständige Heimkehr ins Haus unseres Vaters. Heimkehr durch die Reue, diese Bekehrung des Herzens, die den Wunsch, uns zu ändern, in sich schließt, den festen Entschluß, unser Leben zu bessern, und die sich daher auch in Werken des Opfers und der Hingabe äußert. Wir kehren heim ins Haus unseres Vaters durch das Sakrament der Vergebung, indem wir, unsere Sünden bekennend, Christus anziehen und so seine Brüder werden, Glieder der Familie Gottes.«12

Ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt: Dies soll unsere Haltung beim Empfang des Bußsakramentes sein: ein demütiges, schlichtes Bekenntnis, das die Sünden weder zu beschönigen noch zu rechtfertigen sucht. Die Aufrichtigkeit ist das Zeichen dafür, daß wir unsere Verfehlungen wirklich bereuen.

Der Sohn kehrt hungrig, schmutzig und zerlumpt heim. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küßte ihn.

Der Vater lief ihm entgegen ... »Das Erbarmen, wie es Christus im Gleichnis vom verlorenen Sohn darstellt, hat die innere Form jener Liebe, die im Neuen Testament >agape< genannt wird. Solche Liebe ist fähig, sich über jeden verlorenen Sohn zu beugen, über jedes menschliche, vor allem über das moralische Elend: die Sünde. Wenn das geschieht, fühlt sich der, dem das Erbarmen zuteil wird, nicht gedemütigt, sondern gleichsam wiedergefunden und >aufgewertet<.«13 Deswegen schenkt die sakramentale Begegnung mit dem barmherzigen Vater immer Hoffnung und Freude.

Diese Freude ist auch Freude des Vaters: Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an. Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie begannen ein fröhliches Fest zu feiern.

Das beste Gewand macht den Heimgekehrten zum Mittelpunkt des Festes; mit dem Ring ist ihm die Siegelgewalt zurückgegeben, die verlorenen Rechte; die Schuhe dürfen wir als Zeichen der wiedergewonnenen Freiheit verstehen. Er wird neu ausgestattet: »Im Sakrament der Buße ziehen du und ich Jesus Christus und seine Verdienste an.«14 Ohne daß wir es verdient hätten, erhalten wir alles zurück, was wir durch die Sünde schuldhaft verloren haben: die Gnade und die Würde der Gotteskindschaft. Durch das Sakrament der göttlichen Barmherzigkeit dürfen wir immer wieder freudig ins Haus des Vaters zurückkehren: Ich aber sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.15

Die Lossprechung vollendet das Bußsakrament, die Verrichtung der auferlegten Buße bezeugt unseren Willen zu Versöhnung und Wiedergutmachung. »So >vergißt< der Christ, der Buße tut, was hinter ihm liegt (Phil 3,13), fügt sich neu in die Heilsordnung ein und richtet sich auf die Vollendung der Heilszeit aus.«16

1 Eröffnungsvers der Messe vom Tage. Ps 145,8-9. - 2 Lk 15,1-3.11-32. - 3 Röm 8,17. - 4 Johannes Paul II., Enz. Dives in misericordia, 5. - 5 vgl. ders., Apost. Schreiben Reconciliatio et Paenitentia, 2.12.1984, 17. - 6 ders., Enz. Dives in misericordia, 5. - 7 ebd. - 8 ebd. - 9 ders., Ansprache an Studenten, Rom, 11.4.1979. - 10 ders., Ansprache an Studenten, Rom, 26.3.1981. - 11 Mt 13,15. - 12 J. Escrivá, Christus begegnen, 64. - 13 Johannes Paul II., Enz. Dives in misericordia, 6. - 14 J. Escrivá, Der Weg, Nr. 310. - 15 Lk 15,10. - 16 Die Feier der Versöhnung. Pastorale Einführung, 6.

von 01.03.2013 13:45

FASTENZEIT
2. WOCHE - FREITAG

17

DIE SÜNDE VERABSCHEUEN

Jede Sünde steht in geheimnisvoller Beziehung zum Leiden Christi. Verlust des Sündenbewußtseins.
Gefährlichkeit der läßlichen Sünden. Sie fördern die Lauheit.
Auch kleine Sünden als Sünde erkennen. Aufrichtigkeit. Gewissenserforschung. Reue.

I. Gott hat uns geliebt und seinen Sohn gesandt als Sühne für unsere Sünden.1 Die Liturgie der Fastenzeit führt uns nach und nach hin zur Mitte des Mysteriums der Erlösung. Sie stellt uns Gestalten des Alten Testaments vor, in denen wir schattenhaft den Erlöser ahnen können. Heute hören wir in der ersten Lesung der heiligen Messe die Geschichte vom alttestamentlichen Patriarchen Josef. Der Verrat seiner Brüder an ihm wurde - nach dem Plan der göttlichen Vorsehung - zur Vorstufe des Heils für die Stämme des auserwählten Volkes2. Er ist Sinnbild für Christus, den Erlöser.

Josef war der Lieblingssohn Jakobs. Auf dessen Geheiß hin macht er sich auf die Suche nach seinen Brüdern, er soll ihnen einen Gruß des Vaters und etwas zu essen bringen. Die Brüder - neidisch, weil der Vater ihn bevorzugte - planen, ihn umzubringen; schließlich verkaufen sie ihn stattdessen als Sklaven. Gott bedient sich dieses Umstandes, damit Josef nach Ägypten gelangt, wo er Jahre später ein hoher Beamter werden soll. Während einer Hungersnot wird er, in der Freiheit seines Herzens, zum Retter seiner Brüder. Die israelitischen Stämme lassen sich in Ägypten nieder, das zur Wiege des auserwählten Volkes wird. Wenn jemand sich mit einer Bitte an den Pharao wendet, antwortet dieser: Geht zu Josef.

Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf3, heißt es bei Johannes. Christus schildert dieses Verhalten anhand eines dramatischen Gleichnisses: Ein Gutsbesitzer schickt den Winzern, denen er das Land verpachtet hat, zahlreiche Boten, um seinen Anteil am Weinberg einzufordern. Sie werden mißhandelt und verjagt: Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um.4 Später sollte das Gleichnis Jesu Wirklichkeit werden.

Die Sünden der Menschen waren die Ursache für den Tod des Herrn. Jede Sünde steht in geheimnisvoller Beziehung zu seinem Leiden. Nur wenn wir im Lichte der Gnade auf das Mysterium der Erlösung schauen, sind wir in der Lage zu erkennen, was Sünde und wie verwerflich sie ist. Erst dann geht uns ein Licht auf: wir brauchen Läuterung, Sühne, Reue. Dies ist die ständige Botschaft der Kirche, besonders in dieser Fastenzeit.

Am Anfang unserer Bereitschaft umzukehren steht der Wille, standhaft jede Sünde abzuwehren und auch alle Umstände zu meiden, die uns in Gefahr bringen könnten, Gott zu beleidigen. Die sittliche Erneuerung, deren die Welt so sehr bedarf, geht von der tiefen Überzeugung aus, »daß es für dich auf der Erde nur ein Übel gibt, das du fürchten und mit der Gnade Gottes vermeiden mußt: die Sünde.«5 »Der Verlust des Sündenbewußtseins ist eine Form oder eine Frucht der Verneinung Gottes nicht nur in ihrer atheistischen, sondern auch in ihrer säkularistischen Spielart. Wenn Sünde ein Abbruch der Kindesbeziehung zu Gott ist, um die eigene Existenz aus dem Gehorsam ihm gegenüber herauszunehmen, dann ist Sündigen nicht nur eine Verneinung Gottes. Sündigen ist auch, so zu leben, als ob er nicht existiere; Sündigen ist, ihn aus dem eigenen Alltag zu beseitigen«6.

Wir wollen mehr und mehr in unseren Sünden den geheimnisvollen Zusammenhang mit Christi Leiden sehen: »Tu meine Augen auf, rühre mein Herz an, daß ich sehe und tief inne werde, wie groß deine Liebe zu mir ist: daß ich mich mit ganzer Seele zu dir wende, mein Erlöser, und von der Sünde lasse, die dir so bittere Schmerzen gebracht hat.«7

II. Das Bemühen um persönliche Umkehr muß uns allmählich in Fleisch und Blut übergehen. Und es gibt bestimmte Zeiten und Umstände, wie jetzt die Fastenzeit, die für uns besondere Gnaden Gottes bereithalten. Unser Kampf gegen die Sünde kann dann bewußter werden, das Bemühen um gute Werke beharrlicher.

Wir erfassen die Verwerflichkeit der Sünde viel konkreter, wenn wir bedenken, wieviel Jesus Christus wegen unserer Vergehen gelitten hat. Gott hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht8, schreibt der heilige Paulus. Es beginnt mit der unaussprechlichen Todesangst in Getsemani: »Auf dem harten Boden kniend, harrt er aus im Gebet. - Er weint um dich ... und um mich: die Sünden der Menschen lasten schwer auf ihm.«9 Die Betrachtung dieses Augenblicks im Leben des Herrn mag uns besonders dann helfen, wenn Versuchungen uns bedrängen.

Das Wachsen im geistlichen Leben hängt von der Haltung ab, die wir der läßlichen Sünde gegenüber einnehmen. Die Sünden, die wir als harmlos ansehen, fügen in Wirklichkeit der Seele großen Schaden zu, da sie sie stumpf und gleichgültig werden lassen gegenüber den Eingebungen und Anstößen des Heiligen Geistes. Läßliche Sünden beeinträchtigen das Gnadenleben, erschweren das Bemühen um die Tugenden und ebnen nach und nach der schweren Sünde den Weg. In einem geistlichen Buch heißt es über die gewohnheitsmäßigen läßlichen Sünden: »Viele Fromme sind fast dauernd in >kleinen< Dingen untreu und ungenau; sie sind ungeduldig, lieblos in Gedanken, Urteilen und Worten, im Reden und Sichgeben, sie sind schlaff und träge in religiösen Dingen, unbeherrscht, zu frei im Reden und gehen leichtfertig mit dem Rufe des Nächsten um. Sie wissen um ihre Fehler und Untreuen. Sie klagen sich wohl auch darüber in der heiligen Beichte an. Aber sie bereuen sie nicht ernst und wenden die Mittel nicht an, mit denen sie diesen Sünden vorbeugen könnten. Sie beachten nicht, daß jede dieser Untreuen und Sünden wie ein Mühlstein um ihren Hals ist, der sie niederzieht. Sie beachten nicht, wie sie anfangen, nur mehr rein natürlich-menschlich zu denken, wie sie nur noch aus rein natürlichen Beweggründen handeln, wie sie den Anregungen der Gnade gewohnheitsmäßig widerstehen und die Gnaden mißbrauchen. Und die Folgen davon? Die Seele büßt den Glanz ihrer Schönheit ein. Gott zieht sich von ihr mehr und mehr zurück. Sie findet nach und nach zu Gott nicht mehr das Verhältnis wie ehedem. Sie erkennt ihn nicht mehr als den liebenden Vater, dem sie in kindlicher Zärtlichkeit verbunden ist. Es ist etwas zwischen sie und Gott getreten.«10 Die Seele gerät auf den abschüssigen Pfad der Lauheit.

Wie läßt sich diese Gefahr bannen? Indem wir auch jene Beleidigungen Gottes zu meiden suchen, die geringfügig erscheinen. »Du tust mir leid, wenn du keinen Schmerz über deine läßlichen Sünden verspürst. - Erst dann beginnst du wirklich inneres Leben zu haben.«11 »Bitte für uns Sünder« heißt es im Gebet der Kirche zur Muttergottes. Ihre Fürbitte möge uns empfänglicher für eine Liebe werden lassen, die nicht nur die schwere Sünde, sondern auch die bewußte läßliche Sünde verabscheut.

III. »Das echte Sündenbewußtsein wieder neu zu formen, das ist die erste Weise, um die schwere geistige Krise, die den Menschen unserer Zeit bedrückt, anzugehen.«12

Nur wenn wir die läßliche Sünde als wirkliche Sünde, d.h. als eine Gott zugefügte Beleidigung, erkennen, finden wir die Kraft, uns gegen sie zu wehren. Denn wir sehen dann, daß auch sie die Nähe zu Gott beeinträchtigt. Haben wir also den Mut, auch Geringfügigkeiten beim Namen zu nennen, ohne Umschweife, ohne Verharmlosung: erste Anwandlungen von Jähzorn oder Neid, das noch unklare Gefühl einer Unordnung im sinnlichen Empfinden, den scheinbar harmlosen Wunsch, im Mittelpunkt eines Gespräches zu stehen, das Kreisen um sich selbst, das uns für die Sorgen anderer taub macht, eine routinierte Frömmigkeit, Vorurteile ... Nennen wir dies Sünde, und nicht bloß unvermeidliche Unzulänglichkeiten. »Wessen Seele einen gesunden Geruchssinn hat« sagte der heilige Augustinus, »der wird den widerlichen Gestank der Sünde wahrzunehmen wissen.«13

Nur mit der Hilfe des Heiligen Geistes ist es möglich, unsere Fehler und Sünden wirklich einzusehen, mit wachem Gewissen, mit dem Wunsch nach Vergebung. Der Heilige Geist schenkt uns eine aufrichtige Reue über unsere Fehler und Sünden. Er hilft uns, die Gewöhnung zu überwinden, besonders wenn wir im Sakrament der Beichte die göttliche Barmherzigkeit erfahren. Der heilige Franz von Sales gibt den Rat: »Sorge dich darum, wirklich Schmerz zu empfinden über die Sünden, die du beichtest, so leicht sie auch sein mögen, und nimm dir fest vor, dich zu bessern. Es gibt viele, die wertvollen Besitz und erheblichen geistlichen Nutzen preisgeben. Weil sie nämlich ihre läßlichen Sünden nur aus Gewohnheit und Pflichtgefühl beichten, ohne die Absicht sich zu bessern, verharren sie ihr ganzes Leben unter der Last dieser Sünden.«14

Maria ist Zuflucht der Sünder. Wir empfehlen uns ihrer Fürbitte, damit wir ein waches Gewissen haben - feinfühlig in der Liebe zu Christus und zu allen Menschen, aufrichtig in der Beichte, mutig beim reuigen Eingeständnis unserer Verfehlungen, auch der kleinen.

1 Kommunionvers. 1 Joh 4,10. - 2 vgl. Gen 37,3-4.12-13.17-28. - 3 Joh 1,11. - 4 Evangelium der Messe vom Tage. Mt 21,33-43.45-46. - 5 J. Escrivá, Der Weg, Nr. 386. - 6 Johannes Paul II., Apost. Schreiben Reconciliatio et Paenitentia, 2.12.1984, 18. - 7 R. Guardini, Der Kreuzweg unseres Herrn und Heilandes, Mainz 1967, S.23. - 8 2 Kor 5,21. - 9 J. Escrivá, Der Rosenkranz, Die Todesangst im Ölgarten. - 10 B. Baur, Still mit Gott, Krefeld 1957, S.60. - 11 J. Escrivá, Der Weg, Nr. 330. - 12 Johannes Paul II., Apost. Schreiben Reconciliatio et Paenitentia, 2.12.1984, 18. - 13 Augustinus, Erklärung der Psalmen (37). - 14 Franz von Sales, Philothea, II,19.

von 28.02.2013 11:45

FASTENZEIT
2. WOCHE - DONNERSTAG

16

losgelöst sein

Loslösung als Weg zur Freiheit des Herzens. Irdische Güter sind nur Mittel zum Zweck.
Loslösung und Großzügigkeit. Merkmale der Loslösung.
Auch die übertriebene Sorge um uns selbst kann zu einer Fessel werden. Durch Verzicht Raum schaffen für Gott.

I. In dieser Fastenzeit ermahnt uns die Kirche immer wieder zum Verzicht, zur Loslösung vom Irdischen, damit das Herz frei werden kann für Gott. Nur so kann es aufblühen und reich werden an Früchten. Der Prophet Jeremia sagt es uns in der ersten Lesung der heutigen Messe mit einem wunderbaren Bild aus der Natur: Gesegnet der Mann, der auf den Herrn sich verläßt und dessen Hoffnung der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, unablässig bringt er seine Früchte.1

Anders ist es mit jenem, dessen Herz sich abwendet vom Herrn und es nicht fertig bringt, Abstand vom Irdischen zu nehmen, weil er seine Hoffnung lieber auf die Dinge dieser Welt setzt: Er ist wie ein kahler Strauch in der Steppe, der nie einen Regen kommen sieht; er bleibt auf dürrem Wüstenboden, im salzigen Land, wo niemand wohnt.2

Natürlich möchte der Herr, daß wir uns um irdische Dinge kümmern und sie gebührend lieben. Er ist ja der Schöpfer der Erde, die wir nach seinem Auftrag hüten und uns untertan machen sollen3. Aber eine sklavische Liebe zum Irdisch-Materiellen würde uns Fesseln anlegen für unseren Aufstieg zu Gott: Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.4 Und wie sinnlos wäre dann unser Leben!

»Christus ist der Weg, um zu Gott zu gelangen - aber der Christus am Kreuz. Und um das Kreuz zu besteigen, muß das Herz frei sein, losgelöst vom Irdischen.«5 Unser Herr selbst gibt uns das Beispiel eines Lebens in souveräner Freiheit: Er, der reich war, wurde euretwegen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen6, sagt der Apostel Paulus.

Irdische Reichtümer können einen Menschen in innere Armut stürzen. Wie den jungen Mann im Evangelium, der Jesus nachfolgen möchte; doch er ging traurig weg, denn er hatte ein großes Vermögen7. Im Anschluß daran sagt der Herr: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen!8 Die Jünger erschrecken. »Also rechnen sie sich auch zu den >Reichen<? Gewiß, und Jesus stimmt zu. Jenes Reichsein, worüber hier das Urteil gesprochen wird, bedeutet nicht das viele Geld gegenüber dem wenigen oder den großen Grundbesitz gegenüber dem kleinen Acker, sondern jeden Besitz. Die Tatsache des Besitzens überhaupt ist das Reichsein (...). Das Haben überhaupt, selber und für sich - darauf kommt es hier an. Und nun sagt Jesus: Nur aus der Kraft Gottes, aus der freimachenden Großmut schenkender Liebe Gottes heraus kann man alles weggeben, aus einem >Reichen< ein >Armer< werden (...). In der rechten Weise aber, nach Gerechtigkeit und Nächstenliebe zu besitzen, etwas zu haben, ohne im Sinn der Schrift >reich< zu sein, kann man nur aus der gleichen Gotteskraft heraus, die fähig macht, alles wegzugeben«9.

Die materiellen Güter, die Gott dem Menschen schenkt, haben eine individuelle und eine soziale Funktion. Wer sich aber an das, was er besitzt, klammert, verwaltet die geschenkten Gaben nicht im gottgewollten Sinn, sondern setzt an ihre Stelle gleichsam ein goldenes Kalb als Götzen.

Wer im spirituellen Leben wachsen will, muß die Fäden zerreißen, die - und seien sie noch so fein - uns ungebührlich an Dinge, Personen oder auch an uns selbst fesseln. »Mir scheint es keinen Unterschied zum machen« sagt Johannes vom Kreuz, »ob ein Vogel mit einer dünnen statt mit einer dicken Schnur festgebunden ist, denn er wird mit der dünnen ebenso festgehalten wie mit der dicken, solange es ihm nicht gelingt, sie zu zerreißen und davonzufliegen. Gewiß ist die dünne Schnur leichter zu zerreißen; so leicht es aber auch sein mag, wenn es ihm nicht gelingt, die Fesseln zu sprengen, wird er nicht aufsteigen können.«10

II. Im Evangelium der heutigen Messe hören wir das Gleichnis von einem Mann, der sich nicht als Verwalter eines Vermögens versteht, sondern als egoistischer, sinnlos verschwenderischer Alleinbesitzer. Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte. Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel.11

Dieser Mann des Gleichnisses hatte eine eigenwillige Art, das Leben zu verstehen: Er »feierte« Er war ein Genießer, er hatte keine Augen für die Not vor seiner Tür. Weder hatte er etwas gegen Gott noch gegen den armen Bettler. Er sah sie einfach nicht. Diese Blindheit ist seine Sünde. Gregor der Große schreibt: »Nicht der Reichtum war es, der den Prasser daran hinderte, ins Reich der Seligen einzugehen: seine Selbstsucht vielmehr war es und seine Treulosigkeit«12.

Egoismus und Gefühlsroheit sind ein Hindernis für die Wahrnehmung fremder Not. Dann werden Menschen wie wertlose Sachen behandelt, je nach eigenem Nutzen hin- und hergeschoben. Wie anders wird es, wenn wir uns unseres Reichtums bewußt werden! Wievieles davon können wir dann verschenken und dadurch noch reicher werden: Freundlichkeit, Verständnis, Herzlichkeit, Ermutigung, eine gut verrichtete Arbeit, ein Almosen, das im rechten Moment den Bedürftigen erreicht, eine Spende an eine wohltätige Einrichtung - und nicht zuletzt ein gutes Wort unter vier Augen, das dazu anregt, über Gott nachzudenken und ernst zu machen mit seinen Gnadenmitteln.

Durch den rechten Gebrauch der Reichtümer, die Gott uns anvertraut hat - ob geistig oder materiell, ob beträchtlich oder gering -, sammeln wir uns Schätze im Himmel13. Nur wenn wir reichlich geben, - überzeugt, daß wir es mit Brüdern und Schwestern in Christus, mit Kindern Gottes zu tun haben -, werden wir hier auf Erden und hernach im ewigen Leben glücklich sein. Die Nächstenliebe ist in allen ihren Äußerungen immer ein Stück Verwirklichung des Reiches Gottes. Sagen wir es anders: sie ist eine Art Vermögen, das wir, trotz aller Wechselfälle von Armut und Reichtum in dieser Welt, nie verlieren.

Die Loslösung muß aber wirksam werden, sie muß erkennbare Früchte tragen, die freilich ohne Opfer nicht zu erlangen sind. Sie muß auch natürlich und unaufdringlich sein, der Art von Christen entsprechend, die, eingebettet in die irdischen Strukturen, selbstverständlich für ihre Arbeit und für ihre apostolischen Aufgaben materielle Mittel benötigen. Alle irdischen Güter sind nichts im Vergleich mit dem unermeßlichen Gut, das wir zu erwerben trachten.

III. Unsere Loslösung erwächst aus der Liebe zu Gott und vermehrt sie zugleich. Denn in einer Seele voller Anhänglichkeiten bleibt für Gott nicht mehr als ein Notsitz übrig. Die Fastenzeit eignet sich besonders gut für eine gründliche Prüfung unserer Einstellung gegenüber dem materiellen Besitz. Gibt es zuviele Dinge bei mir - Plunder -, deren Sinn und Nutzen ich nicht angeben kann? Ist mein Konsumverhalten von der Laune des Augenblicks bestimmt? Setze ich mich ab von der verbreiteten Neigung, Wohlstand zu demonstrieren? Bin ich großzügig beim Almosengeben? Bin ich es auch bei der Unterstützung der Kirche und ihrer apostolischen Werke? Verliere ich den inneren Frieden, wenn ich einmal etwas entbehren muß, das ich für nötig halte?

Nicht nur materielle Güter sind Gegenstand der Loslösung, die der Herr von uns erwartet. Auch das eigene Ich kann uns fesseln: etwa die krankhafte Sorge um die eigene Gesundheit, die übertriebene Gewichtung der Meinung anderer über uns oder die Überschätzung von beruflichen Erfolgen.

»Ja, auch jene guten Anliegen schließe ich hier ein (...), die aus dem Wunsch hervorgehen, nur die Ehre Gottes zu suchen und ihn in allem zu preisen. Bei solchen Anliegen soll unser Wille klar und bestimmt reagieren: Herr, ich möchte dies oder jenes, aber nur, wenn es dir gefällt, wozu sonst nützte es mir? Wir versetzen so dem Egoismus und der Eitelkeit, die sich in unser aller Herz einschleichen, den Todesstoß und gewinnen auf diesem Weg den wahren Frieden der Seele; denn in dem Maße, da sie sich loslöst, birgt sie sich immer inniger und stärker in Gottes Armen.«14

Wer Christ ist, muß Besitz so erwerben, als würde er nicht Eigentümer15. Gregor der Große sagt dazu: »Wer das Nötige zusammenträgt, um Nutzen daraus zu ziehen, dabei aber klug voraussieht, daß er seinen Besitz bald wieder aufgeben muß, besitzt so, als besäße er nicht. Wer das Lebensnotwendige sein eigen nennt und vermeidet, daß sein Besitz die Herrschaft über sein Herz gewinnt, so daß all dies der Reifung seiner Seele dient - die ja nach Höherem strebt - und dieser niemals schadet, bedient sich dieser Welt so, als ziehe er keinen Nutzen aus ihr.«16

Die Gesundheit ist ein wichtiges Gut. Die Sorge um sie könnte uns jedoch gleichsam krank machen. Dazu schreibt die heilige Theresia von Avila: »Ich habe darüber nachgedacht, wie wichtig es ist, unserer Zerbrechlichkeit nicht zu achten, wenn wir dem Herrn zu dienen wünschen (...). Was taugte uns Leben und Unversehrtheit des Leibes, vermöchten wir sie nicht einem so großen Herrn und König hinzugeben? Glaubt mir, meine Schwestern, daß ihr, diesen Weg beschreitend, gewiß nie Not leiden werdet.«17

Unser Herz gehört Gott, denn für ihn wurde es geschaffen und nur in ihm mündet all sein Sehnen nach Glück und Unendlichkeit. »Jesus genügt es nicht, daß man mit ihm >teilt<: Er will alles.«18 Alles andere, was wir reinen und lauteren Herzens lieben und was unser irdisches Leben ausmacht, muß sich an dieser großen Liebe, Jesus Christus, ausrichten und sich von ihr nähren.

Die heilige Maria, unsere Mutter, möge uns helfen, unser Herz frei von Fesseln zu machen, damit allein ihr Sohn in ihm herrscht.

1 Jer 17,7-8. - 2 Jer 17,5-6. - 3 vgl. Gen 1,28. - 4 Mt 6,24. - 5 J. Escrivá, Der Kreuzweg, X. - 6 vgl. 2 Kor 8,9. - 7 vgl. Mk 10,22. - 8 Mk 10,23. - 9 R. Guardini, Der Herr, Würzburg 1951, S.334. - 10 Johannes vom Kreuz, Lebendige Liebesflamme, 11,4. - 11 Lk 16,19-21. - 12 Gregor der Große, Homilien über das Lukasevangelium, 40,2. - 13 vgl. Mt 6,20. - 14 J. Escrivá, Freunde Gottes, 114. - 15 1 Kor 7,30. - 16 Gregor der Große, Homilien über die Evangelien, 36. - 17 Theresia von Avila, Buch der Klosterstiftungen, 28,18. - 18 J. Escrivá, Der Weg, Nr. 155.

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