Herzlich Willkommen, hier in diesem Forum....http://files.homepagemodules.de/b531466/avatar-4dbf9126-1.gif

NEUER BLOG von Esther

  •  

Blog Kategorien
Beliebteste Blog-Artikel
Blog empfehlen

Neueste Blog-Artikel
Letzte Kommentare der Blogs
  • Eine schöne Linkauswahl liebe Esther. Ich bin diesen Monat leider im Tansania Urlaub und deswegen verhindert sie sofort zu lesen, aber sobals ich zurück bin werde ich sie durcharbeiten. https://www.accept-reisen.de/
    von in Gestern haben die Gläubigen "V...
  • Liebe Mitchristen, hier etwas in eigener Sache, die ich Ihnen mitteilen möchte. Ja, wir, die wir noch Christen sind und sein wollen, für uns ist es nicht einfach mit unserem kath. Glauben. Gestern habe ich gelesen, dass Kardinal Burke sagte, er hat Angst, ja das wird uns wahrscheinlich auch so gehen. Denn wir wollen keine Spaltung, wie damals bei Luther, nein bestimmt nicht. Doch einfach ist es n...
    von esther10 in Angriff des Katechismus...
  • Ein Beitrag in eigener Sache: von www.anne.xobor.de blog-e75589-Sonnenwunder-VIDEO-wurde-in-Fatoma-am-wieder-gesehen-dieses-zeichen-hat-eine-grosse-Bedeutung-an-uns-umkehren-Rosenkranz-beten-wie-vor-jahren-auch-gesagt-Busse-tun.html Ja, ist auch sehr, sehr wichtig...die Bitte vom Himmel, zu befolgen. Herzl. Gruß Gertrud/Anne.
    von esther10 in Was können wir für 2017 erwart...
  • Möchte noch anfügen, ein mir bekanntes Ehepaar, von der kath. Kirche her, kam ich mal ins Gespräch, betreffs Ihres beiden kleinen Kindern, die sie als dabei hatten. Nach dem Gottesdienst sprach ich Sie mal an. Die Frau sagte, dass es hier in Deutschland schlimm wäre. betreffs Kinder zum Glauben zu erziehen. (Es wird ja so viel Schlechtes schon in der Schule gelehrt.) La, da musste ich ihr recht ge...
    von esther10 in Eltern begegnen: "Die Schule m...
  • Ein heiligmäßiger Priester sagte früher mal zu mir "Nichts geschieht von ungefähr...alles kommt vom Herrgott her."
    von esther10 in Das Erdbeben und die Strafe Go...

Die aktivsten Blogs
Kategorien
von 16.06.2013 19:05

www.fab-community.com
Familie als Berufung. FAB-Community - ein Gemeinschaft von Familien, die sich aktiv auf Ehe & Familie einlassen und nach einem hohen Ideal streben. Einfach, weil's der schönere Weg ist. Familien, die zeigen, dass es sich lohnt, in die Ehe zu investieren. Und das beginnt schon vor.der.ehe...

von 16.06.2013 17:50


(Autor: Pfr. Ulrich Engel, Pfarrei "St. Petrus in Ketten", 63110 Weiskirchen Stadt Rodgau)



Ein Priester erinnert seine Gemeinde


"Wer also unwürdig von dem Brot ißt und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und Blut des Herrn" (1 Kor 11,27).

Zur Erinnerung


Es ist allgemein bekannt, dass kaum noch 20% aller Katholiken auch nur noch den Sonntagsgottesdienst regelmäßig besuchen. Zugleich ist auch offenkundig, dass sich die Zahl derer, die noch regelmäßig das Bußsakrament empfangen, kaum noch in % ausdrücken lässt, so gering ist sie.

Umso auffälliger ist deshalb die rege Teilnahme an der Hl. Kommunion, gerade zu besonderen Anlässen, seien sie mehr allgemeiner Art wie Hl. Messen für Verstorbene eines Jahrgangs, Hl. Messen für verstorbene Angehörige, Erstkommunion, Firmung, Jubiläumsgottesdienste oder auch Kindergottesdienste usw., bei denen dann viele, die für jeden regelmäßig praktizierenden Christen bereits in auffälliger Weise den Kontakt zur Kirche verloren haben, meinen, es aus gegebenem Anlass schuldig zu sein, oder auch nur um nicht aufzufallen, sich im Strom der übrigen regelmäßigen Gottesdienstbesucher an die Kommunionbank mittreiben lassen zu müssen.

Als Pfarrer sehe ich mich im Gewissen dazu verpflichtet, ganz ausdrücklich an das Verständnis der katholischen Kirche vom Empfang der Hl. Kommunion zu erinnern, wie es schon immer Gültigkeit hatte. Ich bedaure dabei sehr, dass ich dies in schriftlicher Form tun muss, weil die vorzugsweisen Adressaten aus o. g. Gründen durch eine Predigt leider nicht (mehr) erreichbar sind.

1. Die Feier der Hl. Messe ist Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens. Sie ist das höchste und zugleich anspruchsvollste Tun der Kirche. Die Hl. Messe ist nämlich die Feier des Kreuzes- und Erlösungsopfers Jesu Christi und findet ihr Ziel in der Hl. Kommunion, d. h. in der leibhaftigen personalen Vereinigung von Gott und Mensch im Allerheiligsten Sakrament des Altares. Diese ist die Feier der Hochzeit zwischen Gott und Mensch und setzt deshalb auch auf Seiten des Menschen die bräutliche Liebe und Treue gegenüber dem Bräutigam, Christus, unbedingt voraus! Jeder Liebende will aber doch mit dem Geliebten so oft, so lange und so intensiv möglich Gemeinschaft haben. Eine hochzeitliche Vereinigung mit jemandem, mit dem man im Übrigen nichts zu tun hat, der einem vielleicht völlig gleichgültig oder sogar unbekannt ist, ist unmöglich! Wer vereinigt sich denn schon mit jemandem, bei dem er nur mal eben reinguckt? Zugleich bewirkt die Teilnahme an der Hl. Kommunion innigste Gemeinschaft mit allen Gliedern Kirche in Christus hier auf der Welt wie auch in der Ewigkeit in Christus!

Unmöglich ist deshalb eine Teilnahme an der Hl. Kommunion, wenn man seine Gleichgültigkeit gegenüber dem Bräutigam, Christus, wie auch gegenüber den übrigen Mitchristen durch häufige Abwesenheit, sogar von der sonntäglichen Feier der HL Geheimnisse, dokumentiert, obwohl einem diese Mitfeier - jedenfalls "beim besten Willen" - schon möglich wäre. Der Liebende unterlässt doch nur, was ihm wirklich "beim besten Willen" unmöglich ist, und dann nur schweren Herzens!

2. Die Hl. Eucharistie ist aber nicht nur Grund der Einheit des Menschen mit Gott und zugleich mit allen, die teilhaben an dem einen Brot und deshalb durch dieses und in diesem Sakrament miteinander geeint sind (1 Kor 10,17), sondern sie ist auch Zeichen der in demselben Glauben und Selbstverständnis der Katholischen Kirche bereits geeinten Gläubigen. Die Teilnahme an der Hl. Kommunion setzt deshalb die bereits bestehende Einheit im Glauben der Katholischen Kirche notwendig voraus. Der Empfang des Allerheiligsten Sakramentes bedarf auch unter dieser Rücksicht der Wahrhaftigkeit.
An der Hl. Kommunion kann deshalb auch nicht teilnehmen, wer nicht Glied der Katholischen Kirche ist, sei es dass er sich zu einer anderen Konfession oder Religion bekennt, sei es, dass er aus der Katholischen Kirche ausgetreten ist oder sich - etwa durch eine Abtreibung - die Exkommunikation zugezogen hat und noch nicht aus dem Kirchenbann gelöst ist oder dass er ganz einfach nicht (mehr) glaubt! Dasselbe gilt selbstverständlich auch für jeden Katholiken, der in Hass, Streit, Feindschaft, Unversöhnlichkeit und Unfrieden u. ä. mit irgendeinem Mitmenschen lebt!

3. An den Hl. Geheimnissen kann ferner nicht teilnehmen, wer in einer eheähnlichen Beziehung oder nur standesamtlich verheiratet ist, denn damit lebt er in einer schweren Sünde.

Die leib-seelische Gemeinschaft zwischen Mann und Frau ist nämlich nach dem Verständnis der katholischen Kirche auch heute(!) nur in einer vor der Katholischen Kirche gültigen Ehe denkbar, weil sie nur als sakramentale Ehe Abbild der unauflöslichen Einheit zwischen dem Bräutigam, Christus, und seiner Braut, der Kirche, ist (Eph 5,32), die ihrerseits in der HL Kommunion auf sakramentale Weise vollzogen wird. Wenn deshalb die eucharistische Abstinenz in Anerkennung dieser Wahrheit und damit aus Liebe zu Gott geschieht, hat sie sogar Buß- und Sühnecharakter und ist deshalb auch geistlich fruchtbar und damit sinnvoll.

4. Ein Frevel ist schließlich auch jede gedankenlose Teilnahme an der Hl. Kommunion, vielleicht noch in völliger Unkenntnis des heiligen Geschehens, erst recht wenn sie auch noch jeden eucharistischen Anstand vermissen lässt (Kaugummi, schmutzige Hände, alkoholisiert, usw.). Die gläubige, andächtige und ehrfürchtige Mitfeier der Hl. Messe muss jedem Teilnehmer an den Hl. Geheimnissen selbstverständlich sein (vgl. 1 Kor 11,29).

Dieser Katalog kann und will nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Er nennt lediglich einige, jedoch sehr wichtige Gründe, die inzwischen so weit verbreitet und auch so selbstverständlich geworden sind, dass sich heute kaum noch jemand etwas dabei denkt, geschweige denn ein Unrechtsbewusstsein hat.
Selbstverständlich gilt auch heute, was die Kirche immer gelehrt hat: An der Hl. Kommunion darf nicht teilnehmen, wer sich einer schweren Sünde bewusst ist; d.h. wer in einer wichtigen Sache mit freiem Willen gegen das verstößt, was er klar und deutlich als den Willen Gottes, nämlich als Gebot der Gottes- und Nächstenliebe, erkannt hat und ihm die Erfüllung seines Willens, wenigstens "beim besten Willen", auch möglich gewesen wäre.

Es wäre falsch, diese Erinnerung als frontale Aussperrung von der Teilnahme an den HI. Geheimnissen zu verstehen. Sie ist vielmehr eine ebenso herzliche wie dringende Einladung, sich einmal wieder die Heiligkeit des Geschehens in der HL Kommunion in Erinnerung zu rufen und im Hinblick darauf wieder der Notwendigkeit von Umkehr und Buße im Empfang des Bußsakramentes bewusst zu werden. Selbstverständlich kann dies aber nur gültig empfangen, wer ernsthaft Gott und seinen heiligen Willen für sich und sein Leben für maßgeblich und verbindlich erklärt und sich deshalb vornimmt, nach Kräften zu tun, was diesem seinem Willen entspricht bzw. zu unterlassen, was diesem widerspricht. Wer nämlich in der Sünde verharrt, kann auch nicht von ihr losgesprochen werden. Die Beichte beinhaltet notwendig die Trennung von der Sünde!

Ich möchte daher jeden so eindringlich wie herzlich bitten, sich einmal ganz ehrlich zu fragen, was ihm Christus und die eucharistische Vereinigung mit ihm im Allerheiligsten Sakrament wirklich bedeuten. Wem dies dann wirklich ein echtes Herzensbedürfnis ist - andernfalls wäre der Empfang der Hl. Kommunion eine furchtbare Lüge - und wem es dann wirklich bedeutet, was es ja auch tatsächlich ist, nämlich Hochzeit, d. h, innigste, intimste Vereinigung mit Gott selbst, dem müsste dies eigentlich überfließende Motivation für den Empfang des Bußsakramentes sein. Wer sich aber trotzdem nicht verstehen kann, dem fehlt allerdings eine unbedingte Voraussetzung und damit die erforderliche Disposition für die Teilnahme an der Hl. Kommunion. Oder zweifelt jemand, dass sich Braut und Bräutigam wenigstens das Gesicht zuwenden müssen, wenn sie sich hochzeitlich vereinigen wollen? Nicht zuletzt befindet man sich doch in einem eklatanten Widerspruch, wenn man an der Kommunionbank mit ausgestreckten Händen seine Hinwendung zu Gott zum Ausdruck bringt und geradezu händeringend um die leibhaftige Vereinigung mit dem eucharistischen Herrn bittet, ihm aber zugleich sein Herz verweigert, indem ich tatsächlich der Bekehrung zu Gott widersetzt, weil man sich halt doch selbst behaupten möchte. Wer wirklich liebt, bereut seine Verfehlung und will sie auch bekennen, nämlich beichten.

Das Heilige den Heiligen" (aus der byzantinischen Liturgie). "Selig, wer zum Hochzeitsmahle des Lammes eingeladen ist" (Apg 19,9). "Wenn einer heilig ist, soll er hinzutreten, wer es nicht ist, soll umkehren!" (Didache 10,6).

Ihr Pfarrer Ulrich Engel


* * *

von 15.06.2013 11:22

Priester, was ist das?
Das Wort Priester leitet sich vom griechischen "presbyteros", Ältester her. Der Priester ist als Mitarbeiter einem Bischof zugeordnet und diesem zu Gehorsam verpflichtet.

Der Priester erhält durch das Sakrament die besondere Weihe und Autorität, die von unserem Herrn Jesus Christus ausgehend zuerst an Petrus (der erste Papst) und dann in ununterbrochener Reihenfolge bis heute fortdauernd gegeben wurde kraft des Wortes unseres Herrn: "Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein." (Mt 16,18-19)

Durch das Sakrament der Priesterweihe hat der Priester ein unauslöschliches geistliches Merkmal, durch das er unserem Herrn Jesus Christus gleichförmig gemacht ist. Dadurch ist der Priester befähigt, auf besondere Weise im Namen Jesu Christi zu handeln.

Der Priester sorgt dafür, daß denen, die sich in der Pfarrei aufhalten, das Wort Gottes unverfälscht verkündigt wird; er unterrichtet die Laien in den Glaubenswahrheiten, besonders durch die Homilie an den Sonntagen und den gebotenen Feiertagen und durch die katechetische Unterweisung;

Der Priester unterstützt jene Werke, die den Geist des Evangeliums fördern, auch in bezug auf die soziale Gerechtigkeit; seine besondere Sorge gilt der katholischen Erziehung der Kinder und Jugendlichen; er müht sich mit aller Kraft, auch unter Beiziehung der Hilfe von Gläubigen, darum, daß die Botschaft des Evangeliums auch zu jenen gelangt, die religiös abständig geworden sind oder sich nicht zum wahren Glauben bekennen.

Der Priester trägt dafür Sorge, daß die heiligste Eucharistie zum Mittelpunkt der pfarrlichen Gemeinschaft der Gläubigen wird; er bemüht sich darum, die Gläubigen durch eine ehrfürchtige Feier der Sakramente zu weiden, in besonderer Weise aber darum, daß sie häufig die Sakramente der heiligsten Eucharistie und der Buße empfangen; ebenso ist der Priester darauf bedacht, daß die Gläubigen auch in den Familien zur Verrichtung des Gebetes geführt werden sowie bewußt und tätig an der heiligen Liturgie teilnehmen, die der Priester unter der Autorität des Diözesanbischofs in seiner Pfarrei leitet.

Um die Hirtenaufgabe sorgfältig wahrzunehmen, bemüht sich der Priester darum, die seiner Sorge anvertrauten Gläubigen zu kennen; deshalb besucht er die Familien, um an den Sorgen, den Ängsten und auch an der Trauer der Gläubigen Anteil zu nehmen und sie im Herrn zu stärken. Wenn die Gläubigen es in irgendwelchen Dingen fehlen lassen, bemüht er sich darum sie in behutsamer Weise wieder auf den rechten Weg zu bringen; mit hingebungsvoller Liebe steht er den Kranken, vor allem den Sterbenden zur Seite, indem er sie sorgsam durch die Sakramente stärkt und ihre Seelen Gott anempfiehlt;

Der Priester wendet sich mit besonderer Aufmerksamkeit den Armen, Bedrängten, Einsamen, den aus ihrer Heimat Verbannten und ebenso denen zu, die in besondere Schwierigkeiten geraten sind; er sieht seine Aufgabe darin, die Ehegatten und Eltern bei der Erfüllung der ihnen obliegenden Pflichten zu stützen und die Vertiefung eines christlichen Lebens in der Familie zu fördern.

Der Priester anerkennt und fördert den eigenen Anteil der Laien an der Sendung der Kirche und unterstützt ihre Vereine, die für die Ziele der Religion eintreten. Er arbeitet mit dem eigenen Bischof und mit dem Presbyterium der Diözese eng zusammen und bemüht sich darum, daß die Gläubigen, die für die pfarrliche Gemeinschaft Sorge tragen, sich in gleicher Weise als Glieder sowohl der Diözese wie der Gesamtkirche fühlen und an Werken zur Förderung dieser Gemeinschaft teilhaben oder sie mittragen.

Dem Priester in besonderer Weise aufgetragene Amtshandlungen sind folgende:

1. die Spendung der Taufe;

2. die Spendung des Sakramentes der Firmung an jene, die sich in Todesgefahr befinden;

3. die Spendung der Wegzehrung sowie der Krankensalbung und die Erteilung des Apostolischen Segens;

4. die Assistenz bei der Eheschließung und die Erteilung des Brautsegens;

5. die Vornahme von Begräbnissen;

6. die Segnung des Taufwassers zur österlichen Zeit, die Leitung von Prozessionen außerhalb der Kirche und die feierlichen Segnungen außerhalb der Kirche;

7. die feierliche Zelebration der Eucharistie an den Sonntagen und an den gebotenen Feiertagen.


Vgl.:
CIC 1983
Can. 528 — § 1. § 2.
Can. 529 — § 1. § 2.
Can. 530

siehe Internet-Link: http://www.codex-iuris-canonici.de/indexdt.htm


(PH)



Bittgebet um gute Hirten
Allmächtiger Gott,
Du sorgst für dein Volk
durch die Hirten, die Du ihm gibst.
Erwecke in der Kirche
den Geist des Glaubens und der Bereitschaft
und berufe auch in unseren Tagen
Menschen, die dem Altar dienen
und die Frohe Botschaft
mit Festigkeit und Güte verkünden.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

von 14.06.2013 11:04

Gotteshaus, was ist das?
Das Gotteshaus (Kirchengebäude) prägt den Unterschied zwischen Profan und Heilig, zwischen dem profanen, weltlichen und dem heiligen Raum.

Wie zu einem wertvollen Gemälde ein entsprechender Rahmen gehört, in dem es seine ganze Pracht entfalten kann, so soll sich auch die Liturgie im würdigen Rahmen und in der sakralen Atmosphäre eines Gotteshauses entfalten.

Nach dem Wunsch des letzten Konzils muss „das Gotteshaus, in dem die Heiligste Eucharistie gefeiert und aufbewahrt wird, in dem die Gläubigen sich versammeln und die Gegenwart des auf dem Opferaltar für uns dargebrachten Erlösers zur Hilfe und zum Trost der Gläubigen verehrt wird, ... schön sein, geeignet zu Gebet und heiliger Handlung“.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich der Glaube Ausdruck geschaffen in einer von reicher Symbolik geprägten Architektur. Aus der Art und Weise, wie in bestimmten Epochen Kirchen gebaut wurden, kann man viel ablesen über das religiöse Leben einer Zeit.

Auch die Gotteshäuser enthalten eine ‚Botschaft‘. Wer sie versteht, wird schon mit dem bewussten Eintritt in die Kirche die persönliche Vorbereitung zur Teilnahme am Messopfer beginnen.

Die Stufen zur Kirche

Gewöhnlich steigt man auf Stufen zum Eingang der Kirche empor. Sie erinnern daran, dass das Haus Gottes ein Haus des Gebetes ist [vgl. Mt 21,13] und dass der Christ zum Gebet die Seele zu Gott erhebt. Die Stufen sagen: „Sursum corda! - Empor die Herzen!” Wer sie besteigt, soll sich zugleich innerlich erheben über das emsige Getriebe der Welt.

So beteten einst die Juden, wenn sie hinaufstiegen zum Tempelberg in Jerusalem: „Wer darf hinaufsteigen zum Berg des Herrn, wer darf seine heilige Wohnstatt betreten? Wer schuldlose Hände hat und ein reines Herz, wer sein Begehren nicht auf Böses richtet und keinen Meineid schwört. Dieser wird Segen vom Herrn empfangen und gerechten Lohn vom Gott seines Heiles.“ (Ps 24,3 - 5)

Die Pforte der Kirche

Das Gotteshaus ist ein heiliger, ehrfurchtgebietender Ort. Deshalb mahnt uns beim Eintritt die Pforte der Kirche, auch innerlich die Schwelle zu überschreiten vom Profanen ins Sakrale, von der Welt hinein ins Heiligtum. Die ‚Welt’ lassen wir dabei ganz bewusst ‚draußen‘, oder besser gesagt ‚drunten‘.

Die Pforte „will mehr, als nur einen nüchternen Zweck erfüllen, sie redet. Wenn du durch ihren Rahmen gehst, und bist innerlich wach, dann fühlst du: Nun verlasse ich das Draußen; ich trete in ein Inneres ein. Draußen ist die Welt ... Durch die Pforte treten wir in ein Drinnen ein, vom Markt geschieden, still und geweiht: ins Heiligtum ... Und wenn einer durch sie hindurchgeht, dann spricht sie zu ihm: Lass draußen, was nicht hereingehört, Gedanken, Wünsche, Sorgen, Neugierde, Eitelkeit. Alles, was nicht geweiht ist, lass draußen. Mach dich rein, du trittst ins Heiligtum. Wir sollten nicht eilfertig durch die Pforte laufen! Sollten mit Bedacht hindurchgehen und unser Herz auftun, damit es vernehme, was sie spricht.“ (Romano Guardini, Von heiligen Zeichen S. 28)

Zu Beginn des Ritus der Kirchweihe schlug der Bischof zur feierlichen Öffnung dreimal mit dem Stab gegen die geschlossene Tür und betete dabei den Psalmvers: „Erhebt eure Häupter, ihr Tore, erhebt euch, ihr uralten Pforten, dass der König der Herrlichkeit einziehen kann! ‚Wer ist denn der König der Herrlichkeit?‘ Der Herr, der Starke, der Held! Der Herr, der Held im Kampf! Erhebt eure Häupter, ihr Tore, erhebt euch, ihr uralten Pforten, dass der König der Herrlichkeit einziehen kann! ‚Wer ist denn der König der Herrlichkeit?‘ Der Herr der Heerscharen, er ist der König der Herrlichkeit!” (Ps 24,7 - 10) Als dann in feierlicher Prozession die Reliquien zum Altar gebracht wurden, hat der Bischof die Pforte der Kirche mit Chrisam gesalbt: „Im Namen des Vaters † und des Sohnes † und des Heiligen Geistes †. Du Pforte sei gesegnet, geheiligt, geweiht, besiegelt und Gott dem Herrn empfohlen. Du Pforte sei Eingang für Heil und Frieden.” So wurde sie zum Symbol für Jesus, der von sich sagt: „Ich bin die Tür. Wenn einer durch mich hineingeht, wird er Heil erfahren.” (Joh 10,9)

Während wir den steinernen Gottestempel betreten, erinnern wir uns, dass Jesus selbst Einlass begehrt in das lebendige Heiligtum unserer Seele: „Höre den Ruf! Was hilft dir das Haus von Holz und Stein, wenn du nicht selbst lebendiges Haus Gottes bist? Was hilft es dir, wenn die Tore sich hoch wölben, und schwere Flügel sich voneinander tun, aber drinnen, in dir, öffnet sich nichts, und der König der Herrlichkeit findet keine Stätte, darin er wohnen könne?“ (Romano Guardini, Von heiligen Zeichen S. 30) Beim hl. Apostel Johannes lesen wir: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an; wenn einer meine Stimme hört und die Tür aufmacht, bei dem will ich eintreten und das Mahl mit ihm halten und er mit mir.“ (Offb 3,20)

Das Weihwasser


Beim Eintritt ins Gotteshaus nimmt man Weihwasser und bekreuzigt sich. Schon die natürliche Symbolik des Wassers legt nahe, darin einen Ausdruck des Verlangens nach innerer Reinigung zu sehen: „Wasche ganz von mir ab meine Schuld! Reinige mich von meiner Sünde!” (Ps 51,4)

Zur Fußwaschung beim Letzten Abendmahl sprach Jesus: „Wer ein Bad genommen, braucht sich nur die Füße zu waschen, er ist ja ganz rein.“ (Joh 13,10)

• Das ‚Bad’ deuten wir auf das Sakrament der Buße. Wer schwer gesündigt hat, braucht das ‚Vollbad’ einer guten sakramentalen Beichte. Ein ‚Fußbad’ würde nicht genügen.

• Beim Weihwassernehmen bitten wir um Reinigung vom ‚Staub der Straße’, nämlich von den kleinen Sünden und Unvollkommenheiten des Alltags, um - wie Petrus - volle Gemeinschaft mit Jesus zu haben.

Schließlich werden wir erinnert an die Riten der Kirchweihe und der Taufe: So, wie am Tag der Kirchweihe das Gotteshaus mit Weihwasser besprengt und der Altar gewaschen und gesalbt wurde, so wurde auch der Christ durch das Wasser der Taufe und die Salbung mit heiligem Chrisam zum geweihten Gottestempel. Durch diese erste und grundlegende Reinigung sind wir eingetaucht in das kostbare Blut Christi, wiedergeboren zum neuen Leben der Gotteskinder und geweiht als Tempel des Heiligen Geistes: „Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt? Ihn habt ihr von Gott, und nicht euch selber gehört ihr. Denn ihr wurdet erkauft um einen Preis. So verherrlicht denn Gott in eurem Leib!“ (1 Kor 6,19 f.)

Der überlieferte Ritus der Kindertaufe beginnt bekanntlich gerade an der Schwelle der Kirche. Dort bezeichnet der Priester den Täufling mit dem Kreuz und spricht: „Empfange das Zeichen des Kreuzes auf die Stirn und auf das Herz. Ergreife den Glauben an die himmlische Lehre und wandle so, dass du ein Tempel Gottes sein kannst.“ (Ritus der Kindertaufe)

Eine besonders feierliche Form des Weihwassernehmens ist das Asperges vor dem sonntäglichen Hochamt: „Besprenge mich, o Herr, mit Ysop, und ich werde rein; wasche mich, und ich werde weißer als Schnee.“ (Ps 51,9)

„Das Weihwassertröpfchen, das vor dem Sonntagshochamt auf uns niederfällt, will uns eine Predigt halten am Tor der heiligen Feier des Opfers Jesu Christi: Sei stolz, dass du kommen darfst, du getaufter Christ, und danke dem, der dich gerufen hat. Sei demütig, du sündiger Christ, und ehe du kommst, bitte den, der allein das Taufkleid deiner Seele wieder zu waschen vermag, und es wird weißer als der Schnee!“ (Balthasar Fischer, Was nicht im Katechismus stand, S. 50)

Die Kniebeuge und das Schweigen

Die Kniebeuge gilt dem Herrn im Tabernakel. Sie drückt einen inneren Akt des Glaubens und der Anbetung aus. Sehr förderlich ist es, wenn man während der Kniebeuge auch äußerlich die Augen auf den Tabernakel richtet.

Alles im Hause Gottes soll heilige Ehrfurcht atmen. Auch das bewusste Schweigen in der Kirche ist Zeichen der Ehrfurcht vor der Heiligkeit des Ortes.

Quelle Internet-Link: http://www.alte-messe.de/05_gotteshaus.html

(PH)

von 29.05.2013 00:33

JAHRESKREIS
8. WOCHE - MITTWOCH

15

DIENEN LERNEN

Eine große Bitte und ihr Sinn.
Für die anderen dasein.
In Beruf und Familie.


I. Wir gehen jetzt nach Jerusalem hinauf1. Jesus geht seinen Jüngern voran. Der Evangelist erwähnt, daß die Leute sich wunderten und die Jünger Angst hatten. Warum? Sie müssen eine unbegreifliche Energie beim Herrn verspürt haben. Es ist die Entschlossenheit des letzten Ganges, und der Herr vertraut sich den Zwölfen an, sobald sie unter sich sind: In Jerusalem wird der Menschensohn den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten ausgeliefert; sie werden ihn zum Tod verurteilen und den Heiden übergeben; sie werden ihn verspotten, anspucken, geißeln und töten. Es ist die dritte Ankündigung der Passion, diesmal in erschütternder Ausführlichkeit.

Vor diesem bedrückenden Hintergrund hören wir die Bitte der Zebedäussöhne: Laß in deinem Reich einen von uns rechts und den anderen links neben dir sitzen. Das angekündigte Leiden haben sie nicht verstanden, aber doch wohl gespürt, daß Jesu Sendung - das Kommen des Reiches - vor ihrer Erfüllung steht. Sie möchten den richtigen Zeitpunkt nicht versäumen und suchen sich eine bindende Zusage Jesu zu verschaffen. »Man wird nicht bloß tadelhaften Ehrgeiz und ungestüme Geltungssucht in dem Verlangen der Jünger sehen dürfen, es war auch Liebe zum Herrn und der Eifer für seine Sache, die große Begeisterung für das messianische Reich, das sie nahe glaubten. So kommt die Bitte aus dem ganz heißen Herzen der Jünger heraus, wo Eifersucht und Eifer für Gott, Liebe zu sich und Liebe zum Meister echt menschlich eng und dicht beisammen wohnen.«2

Wieder einmal können wir beobachten, wie Jesus ein Gesprächsthema aufgreift und auf eine höhere Ebene führt. Der Herr ist nicht empört wie die anderen Jünger, die wahrscheinlich dachten, sie verdienten mindestens ebensoviel Anerkennung oder gar mehr als die beiden Brüder. Ihr wißt nicht, um was ihr bittet: Jesus macht die beiden auf ihre Ahnungslosigkeit aufmerksam und belehrt sie über das Sitzen neben ihm und über die wahre Größe des Dienens.

Der Herr erklärt, »was die Bitte eigentlich meint, wenn man sie ernst nimmt: Sie ist die große Bitte um die Gemeinschaft mit ihm in seinem Leiden. Das Trinken aus dem Kelche - ein der Schrift geläufiges Bild - lag hier nahe, weil die Jünger ja um das Sitzen zur Rechten und Linken gebeten hatten. Jedenfalls dachten sie an eine Tischgemeinschaft beim messianischen Freudenmahl. Der Meister aber will ihnen sagen, daß nicht das Sitzen die Hauptsache ist, daß sich die Gemeinschaft vielmehr in dem Trunk aus dem gleichen Becher bewährt. Der Becher, den er trinken muß, ist aber das Todeslos, das ihm der Vater bestimmt.«3

Die zweite Belehrung erläutert, was Herrschen in seiner Nachfolge bedeutet. Bei euch aber soll es nicht so sein - nämlich wie bei den Mächtigen der Erde. Von der Nachfolge Jesu her ist Herrschen Dienen, Größe Erniedrigung: wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Der Herr nennt auch den Grund: Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.

Das ganze Leben Christi ist Ausdruck dieser Sendung. Er ist das Vorbild für alle in der Kirche. Der Menschensohn, der Erlöser und Richter der Welt, gibt das Leben hin für alle: dies ist seine Art und Weise, der Erste zu sein. Sie ließ die Apostel, zumal nach der Herabkunft des Heiligen Geistes, verstehen, daß ihr Auftrag Dienen war: Petrus beruft sich darauf, daß er ein Zeuge der Leiden Christi ist, und ermahnt die Ältesten: Seid nicht Beherrscher eurer Gemeinden, sondern Vorbilder für die Herde.4 Und Paulus sagt, er habe sich für alle zum Sklaven gemacht, um möglichst viele zu gewinnen5.

II. Die Worte des Herrn gelten nicht nur jenen, die damals um ihn waren, sondern allen Jüngern aller Zeiten, drücken sie doch ein charakteristisches Merkmal der christlichen Berufung aus: Dazusein für die anderen. »Weil christlicher Glaube den einzelnen fordert, ihn aber für das Ganze will und nicht für sich selbst, darum ist in dem Stichwort >Für< das eigentliche Grundgesetz der christlichen Existenz ausgedrückt. (...) Deshalb wird im christlichen Hauptsakrament, welches das Zentrum des christlichen Gottesdienstes bildet, die Existenz Jesu Christi als Existenz >für die vielen< - >für euch< erläutert, als die offene Existenz, die die Kommunikation aller untereinander durch die Kommunikation in ihm ermöglicht und schafft.«6

Wer als Jünger Christi leben will, soll die besonde Würde einer in Christus begründeten Dienstwilligkeit entdecken: »Diese Würde drückt sich aus in der Bereitschaft zum Dienst nach dem Beispiel Christi, der nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen. Wenn man also im Licht dieser Haltung Christi nur wirklich herrschen kann, indem man dient, verlangt das Dienen gleichzeitig eine solche geistige Reife, die man geradezu als herrschen bezeichnen muß. Um würdig und wirksam den anderen dienen zu können, muß man sich selbst zu beherrschen vermögen, muß man jene Tugenden besitzen, die diese Beherrschung ermöglichen.«7

Christus ließ am Abend vor seinem Leiden dem Für euch bei der Einsetzung der Eucharistie ein zeichenhaftes Geschehen vorangehen, einen Akt tiefster Herablassung, der zeigt, was er unter Dienen versteht. Während des Mahles stand er auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch. Dann goß er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.8 Er leistet seinen Jüngern den niedrigsten Sklavendienst. »Wieder einmal hat er durch das Beispiel, durch die Tat gepredigt. Jesus kniet sich vor seine Jünger hin, aus deren Unterhaltung Hochmut und Eitelkeit sprechen, und verrichtet freudig den Dienst eines Knechtes. (...) Mich bewegt die feinfühlige Art unseres Herrn. Er sagt ja nicht: Wenn ich schon dies tue, um wieviel mehr sollt ihr es tun. Nein, er stellt sich auf die gleiche Ebene wie sie, er zwingt sie nicht, sondern er tadelt liebevoll ihren Mangel an Großmut.

Auch uns, wie den ersten Zwölf, will der Herr dies zu verstehen geben: Exemplum dedi vobis (Joh 13,15), ich habe euch ein Beispiel gegeben, ein Beispiel der Demut. Ja, er führt es uns ständig vor Augen: Ich bin zum Knecht geworden, damit ihr versteht, von Herzen sanftmütig und demütig allen Menschen zu dienen.«9

Unseren Mitmenschen dienen gründet im Beispiel des Herrn. Das heißt zuallererst, den anderen sein Leben und seine Lehre zu bekunden. Denn »die religiöse Indifferenz und die fast inexistente religiöse Praxis, auch angesichts schwerer Probleme der menschlichen Existenz, sind nicht weniger besorgniserregend und zersetzend als der ausdrückliche Atheismus«10. Das, was den Laien in besonderer Weise zukommt, ist Recht, Pflicht und Dienst zugleich: »Zeugnis zu geben vom christlichen Glauben als einzige und wahre Antwort - die alle mehr oder weniger bewußt erkennen und nennen - auf die Probleme und Hoffnungen, die das Leben heute für jeden Menschen und für jede Gesellschaft einschließt. Dieses Zeugnis wird möglich, wenn es den Laien gelingt, den Gegensatz zwischen dem Evangelium und dem eigenen Leben zu überwinden und in ihrem täglichen Tun, in Familie, Arbeit und Gesellschaft eine Lebenseinheit zu erreichen, die im Evangelium ihre Inspiration und die Kraft zur vollen Verwirklichung findet.«11

III. Souverän verkündet Jesus eine ganz neue Art der Beziehung der Menschen zueinander: sich nicht bedienen lassen, sondern dienen. »Damit wurde auch der Sinn des Lebens aller Menschen geoffenbart: Es ist Dienst, Dienst an Gott und Dienst am Mitmenschen. Sträubt man sich gegen den Dienst, so fällt man der Sinnlosigkeit anheim, hat sich von der Wirklichkeit entfernt, hat einen Weg betreten, der zur Unsicherheit und zur Neurose führt. Nur dienende Menschen kosten die Wahrheit und die Tiefe der Existenz aus.«12

Ein wichtiges Feld des Dienens sind Beruf und Familie. Ein praktizierender Christ sieht den Beruf nicht nur als Unterhaltssicherung, sondern auch als weiten Bereich, sich für die Gemeinschaft einzusetzen. Bei manchen Berufen ist dies von selbst gegeben; sie sind ein direkter Dienst am Menschen, aber »im Grunde ist jeder Beruf nichts anderes als ein Dienst, ein Dienst an der Gesellschaft, ein Dienst am Nächsten, und gerade daraus erwächst jeder beruflichen Tätigkeit ihre spezifische Würde und Güte«13.

Es gibt - im Beruf wie in der Familie - Aufgaben, die unumgänglich, aber eher unangenehm sind. Es gilt dann, eindringlicher als sonst, das Wort unseres Herrn zu beherzigen, daß er nicht gekommen sei, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen. Diensterweise, um die wir uns lieber drücken würden, fallen uns im Blick auf Christus leichter: Kranken in ihren vitalen Bedürfnissen beizustehen, geistig schwachen Menschen Geduld und Warmherzigkeit entgegenzubringen, Behinderten eine kurzweilige Stunde zu bereiten.

Dient dem Herrn mit Freude14, heißt es in der Schrift. Wir können uns den vor seinen Jüngern knieenden Christus doch nicht mißmutig, den eine aufmerksam lauschende Menge lehrenden Christus doch nicht gestreßt, sondern im Gegenteil nur froh, dienstbereit und herzlich vorstellen. Jesus lehrt uns nicht nur das Dienen, sondern auch die erforderliche innere Einstellung. Und jedem, der sich darum bemüht, verheißt er die innere Freude: Selig seid ihr, wenn ihr das wißt und danach handelt15, sagt er nach der Fußwaschung zu den fassungslosen Jüngern.

Viele Menschen besitzen die natürliche Gabe, sich froh und gutgelaunt für andere zu verausgaben. Manch anderer muß sich da eher überwinden. Auf jeden Fall gewinnt auch die geringste Aufmerksamkeit an Wert, wenn sie mit einem aufrichtigen Lächeln getan wird. Gerade bei besonders unangenehmen Diensten können wir an das Beispiel eines jungen Mannes denken, der in einem Krankenhaus bei einer ekelerregenden Arbeit leise vor sich hin sagte: »Jesus, laß mich ein freundliches Gesicht dabei machen!«16

Dienstwilligkeit und Freude machen einen Dienst angenehmer. Und er wird besonders »menschlich« wenn er ganz uneigennützig und ohne auf Gegenleistung zu spekulieren getan wird. Christus belohnt uns reichlich, er würdigt die kleinste Aufmerksamkeit.»Bitten wir Maria, ancilla Domini, die Magd des Herrn, um die innere Größe, uns an die anderen zu verschwenden.

1 Mk 10,32-45. - 2 J.Dillersberger, Markus, Salzburg 1937, S.139. - 3 ebd., S.140. - 4 vgl. 1 Petr 5,1-3. - 5 1 Kor 9,19. - 6 J.Ratzinger, Einführung in das Christentum, München 1968, S.205. - 7 Johannes Paul II., Enz. Redemptor hominis, 21. - 8 Joh 13,4-5. - 9 J.Escrivá, Freunde Gottes, 103. - 10 Johannes Paul II., Apost. Schreiben Christifideles laici, 30.12.1988, 34. - 11 ebd. - 12 J.B.Torelló, Psychologie des Alltags, Linz 1993, S.137. - 13 ebd. - 14 Ps 100,2. - 15 Joh 13,17. - 16 vgl. J.Escrivá, Der Weg, Nr.626.

http://www.hablarcondios.org/de/tagesmeditation.asp

von 28.05.2013 00:07

JAHRESKREIS
8. WOCHE - DIENSTAG

14

FREI IN DER NACHFOLGE

Nachfolge als Lohn.
Herrschaft über die Dinge.
Christi Verheißungen.


I. Gestern betrachteten wir die Begegnung des Herrn mit einem jungen Mann, der, in seinen Besitz vernarrt, sich von Christus abwandte. Jesus und die Seinen setzen den Weg nach Jerusalem fort. Unterwegs sagte Petrus zu ihm: Du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt1. Bei Matthäus verbindet sich die schlichte Feststellung mit einer Frage: Was werden wir dafür bekommen?2 »Man sieht ja die Szene plastisch vor sich: Der Meister hat mit großem Ernst gesagt, was dem Heil entgegensteht, und mit großer Liebe, wodurch es dennoch erlangt wird. Die Bestürzung der Jünger weicht. Sie werden wieder guten Mutes. Es sind im Grunde rechte Kinder - weshalb Jesus sie auch manchmal so anredet -, und der kindlichste von allen ist dieser Petrus. Immer muß er alles gleich aussprechen, was ihm in Herz und Sinn kommt, und was ihm in Herz und Sinn kommt, ist in den größten Augenblicken seines Lebens erhaben und ergreifend, oft aber auch unausgegoren, an der Sache vorbei, mitunter sogar töricht. Auch jetzt - welche Mischung aus Naivität und ein wenig musterschülerhafter Zufriedenheit mit sich selbst! Er hält sich nicht damit auf, die Güte Gottes zu preisen, die auch den >an sich< unrettbaren Reichen rettet - er zeigt sich vielmehr kindlich-stolz darauf, daß er dem Ruf Jesu gefolgt ist und >alles verlassen< hat. Es klingt wie: Meister, du kannst dich doch eigentlich sehr darüber freuen, daß wir sofort auf dich gehört und alles im Stich gelassen haben. Die eben von dir genannten Hindernisse für die Begüterten bestehen für uns nicht. Folglich ... Und hier wird Simon verstummt sein, wohl aus einer gewissen Hemmung heraus, so unverblümt nach der Belohnung zu fragen.«3

Wir verstehen Petrus, denn auch unsere natürliche Neigung geht in diese Richtung. Aber indem wir Schritt für Schritt in die Berufung hineinwachsen, die der Herr einem jeden zudenkt - verschieden in ihrer Ausformung, gemeinsam in ihrem Ziel -, entdecken wir, daß »nachfolgen zu dürfen, sich ganz hingeben zu können, schon das größte Geschenk ist, das jemandem zuteil werden kann, weil es das Glück in dieser und die Seligkeit in jener Welt in sich schließt«4. Erneuern wir jetzt den Vorsatz, Christus in die Mitte unserer Existenz zu stellen, um mit Paulus sagen zu können: Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen!5

Warum Loslösung? »Besitz erschwert den Weg des Menschen zu Gott. Nicht eigentlich durch ein Mehr oder Weniger, sondern durch die innere Verhaftung an ihn. Die Liebe zum Besitz verdrängt und ertötet schließlich die Liebe zu dem, der diesen Besitz geschenkt hat und auch zu denen, denen er dienen soll. Die Rangordnung der Werte purzelt durcheinander, bis sie sich, falls kein Licht in die Seele fällt, dann verkehrt und betoniert wiederherstellt.«6

»Was hast du verlassen, Petrus?« fragt der heilige Augustinus. »Ein Boot und ein Netz. Und doch könnte er antworten: Ich habe die ganze Welt verlassen, da ich nichts für mich behalten habe. (...) Sie verließen alles in der Nachfolge dessen, der die Welt erschaffen hat, und glaubten an seine Verheißungen.«7 Wie können wir den Geist der Loslösung in jeder Lebenssituation leben? Durch eine noble, geläuterte Zurückhaltung im Umgang mit den irdischen Gütern, denn »der Erwerb zeitlicher Güter kann zur Gier führen, zum Verlangen, immer mehr zu besitzen, und zur Versuchung, seine Macht auszudehnen. Die Habsucht der einzelnen, der Familien, der Völker kann die Armen und die Reichen packen und bei den einen wie den anderen einen erstickenden Materialismus hervorrufen.«8 Wie immer muß sich die Praxis der Loslösung in vielen kleinen Einzelheiten unseres Alltags bewähren: überflüssige Ausgaben aus Laune, Eitelkeit oder Bequemlichkeit zu melden; die Zeit zu nutzen; gebefreudig zu sein, wenn es darum geht gute Werke zu unterstützen; mit Möbeln, Kleidung oder anderen Gebrauchsgegenständen pfleglich umzugehen ...

II. Wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt: Wer - wie Petrus - dies sagt, hat klar erkannt, wo die unverlierbaren Güter liegen, und findet mit Hilfe der Gnade die Kraft, das urmenschliche Streben nach Erfüllung nicht in materiellem Besitz verebben zu lassen. In einem Text des Zweiten Vatikanischen Konzils heißt es: »Alle sollen deshalb ihre Willensantriebe richtig leiten, um nicht im Umgang mit Dingen der Welt und durch die Anhänglichkeit an die Reichtümer wider den Geist der evangelischen Armut im Streben nach vollkommener Liebe gehindert zu werden.«9

Großzügig auf die christliche Berufung zu antworten, befreit von Ballast. Paulus kann sagen: Wir haben nichts und haben doch alles10, weil sich das Wort bewahrheitet: alles gehört euch; aber er nennt auch die Voraussetzung für dieses Besitzen in Freiheit: Ihr aber gehört Christus und Christus gehört Gott.11 Wer sich Christus ganz anheim gibt, ist von der Versklavung durch das Irdische frei; er kann dann wirklich über den Dingen stehen und schafft Raum für die Liebe Gottes in seinem Herzen.

Wir sagten schon, daß, als Petrus den Herrn auf seine und der anderen Jünger Nachfolge aufmerksam machte, dies in einer Mischung aus Naivität, musterschülerhafter Zufriedenheit und kindlichem Stolz geschah, als müßte Jesus ihm dafür dankbar sein. Der Herr hätte ihn belehren können, etwa im Sinne der ersten Seligpreisung, die im Grunde besagt, »daß ein Mensch nicht durch das groß ist, was er hat, sondern durch das, was er ist - nicht durch das, was er besitzt, sondern durch das, was er mit anderen teilt«12. Aber er läßt diesmal die unausgegorenen Worte des Apostels auf sich beruhen; er belehrt ihn nicht, sondern gibt ihm eine Verheißung, die auf Vollendung und Sinnerfüllung zielt: Jeder, der Haus und Brüder und Schwestern und Vater und Mutter und Frau und Kinder und Besitz um meines Namens willen verläßt, wird das Hundertfache erhalten und das ewige Leben erlangen.

Christliche Loslösung geht immer mit einem ausgeprägten Sinn für Mitmenschlichkeit einher. Eine russische Legende erzählt von einem Reichen, der bei seiner Ankunft im Jenseits sich die kostbaren Güter kaufen will, die dort ausgelegt sind. Als es ans Bezahlen geht, holt er seine Kopeken aus der Tasche. Aber man sagt ihm: O nein. Wir nehmen hier nicht Kopeken an, die Sie bei sich, sondern nur, die Sie verschenkt haben. Der Kirchenvater Petrus Chrysologus drückt im fünften Jahrhundert denselben Gedanken so aus: »Sammle also, indem du ausgibst, damit du nicht durch Festhalten verlierst. Mensch, gib dem Armen und damit dir selbst: denn was du nicht dem andern überläßt, das besitzest du nicht!«13

Jesus vergilt schon den Becher Wasser14, der in seinem Namen gereicht wird. Denn was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan15. Wenn Jesus also jede auch noch so geringe gute Tat belohnt, um wieviel mehr wird er die Treue jener belohnen, die sich Tag für Tag auf ihn verlassen? »Der Sohn kehrt heim, nachdem er seinen Vater verraten hat, und schon bereitet dieser ein Festmahl: Was wird er uns gewähren, uns, die wir immer bestrebt gewesen sind, an seiner Seite zu bleiben?«16

»Nur Gott kann eines Menschen Hingabe ganz empfangen und so empfangen, daß der Mensch seine Seele nicht verliert, sondern gewinnt. Und nur Gott kann sich selbst einem Menschen so schenken, daß er dessen ganzes Wesen ausfüllt und dabei von sich nichts verliert.= 17 Die Jünger - mit dem Herrn auf dem Weg nach Jerusalem - werden immer tiefer die Erfahrung gemacht haben, die dann in der Kirche durch die Jahrhunderte in der Gestalt der Heiligen fortlebt: wer sich Gott ganz schenkt, erfährt, daß die Verheißungen Chrisi jede irdische Sicherheit um ein Unendliches übertreffen.

III. Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird das Hundertfache dafür empfangen. So belohnt der Herr die Treue der Nachfolge. Johannes Chrysostomos läßt den Herrn sagen: »Das Gold, das du anderen leihen willst, leihe mir und es wird dir mehr und sicherer Zinsen tragen; den Leib, den du in den Dienst anderer stellen willst, stelle in meinen Dienst, und ich werde auf das reichlichste deine Mühen entlohnen.«17 Und er fährt fort: »Sonst gibst du bei Geschäften demjenigen den Vorzug, der mehr bietet, so beim Geld ausleihen, beim Handel, beim Kriegsdienst; nur bei Christus, der doch mehr, ja unendlich mehr als alle anderen bietet, willst du diesen Grundsatz nicht gelten lassen. (...) Warum übergibst du deinen Schatz der Erde? Vertraue ihn meiner Hand an, sagt er. Erachtest du den Herrn der Erde nicht für verläßlicher als die Erde? Sie gibt dir wieder, was du auslegst, oft nicht einmal so viel; er zahlt dir auch noch Lohn dafür, daß er ihn behütet, so innig liebt er uns. Willst du also auf Zinsen ausleihen, er ist bereit dazu; willst du säen, er nimmt die Saat auf; willst du bauen, er lädt dich ein und sagt: baue bei mir. Warum läufst du zu den Armen, zu den Bettlern, denn das sind die Menschen? Eile zu Gott, der dir für Kleinigkeiten großes Entgelt bietet.«18

Dem Wortlaut des Evangeliums zufolge könnte man meinen, einer, der alles verläßt, erhalte schon jetzt in dieser Zeit hundertfachen Ersatz an irdischen Gütern: Häuser, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und Äcker, wie es dort ja heißt. Aber damit »können nicht diese nämlichen Güter in hundertfacher Menge gemeint sein, sondern nur etwas, das hundertmal so viel, das heißt unendlich mehr wert ist, nämlich die Gottesgemeinschaft. Der hundertfache Lohn ist demnach nicht irdisch, sondern himmlisch zu verstehen.«19

Was aber meint der Zusatz, der die Verheißung irdischen Lohnes begleitet: wenn auch unter Verfolgung. Dies überrascht einen Jünger nicht, der dem Meister folgen will. Die Verfolgung macht ihn dem Meister ähnlicher und ist Unterpfand künftiger Vollendung: wir sind Miterben Christi, wenn wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden20.

Hindernisse, die uns auf die Probe stellen, können vielfältig sein. Immer macht die Kirche irgendwo in der Welt blutige Verfolgung durch, und einzelne erfahren Verleumdung, Diskriminierung, berufliche Benachteiligung oder Bespöttelung.

Wer Christus treu ist, dem ist unwiderruflich der Himmel verheißen. Er wird einmal die Worte des Herrn hören: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist.21 Auf diese Worte kann unsere Hoffnung setzen, wenn einmal alles äußerst mühsam wird.

Der Herr will mit seinen Verheißungen unsere Hoffnung stärken. Wir antworten mit unserem guten Willen, auch wenn uns die Loslösung vielleicht nicht ganz gelingt. »Selbstverständlich sollen und müssen wir auch um die innere und bisweilen äußere Loslösung vom Besitz kämpfen - letzlich aus Liebe -, aber es kann trotzdem sein, daß wir dabei durch unsere Schwäche, durch diese schreckliche Geschwächtheit unseres Willens, die die eigentliche tiefste Verletzung unserer von der Erbschuld angeschlagenen Natur darstellt, keine sonderlichen Erfolge erringen werden. Dann brauchen wir uns dennoch nicht zu fürchten. Wenn wir auch nur ein einziges Mal im Leben, einen Herzschlag lang, selbstlos geliebt haben - und das ist immer ein Demutsakt! -, werden wird gerettet werden.«22

1 Mk 10,28-31. - 2 Mt 19,27. - 3 P.Berglar, Petrus - Vom Fischer zum Stellvertreter, München 1991, S.79. - 4 ebd. - 5 Phil 3,8. - 6 P.Berglar, a.a.O., S.78. - 7 Augustinus, Predigt, 301,4. - 8 Paul VI., Enz. Populorum progressio, 18. - 9 II. Vat. Konz., Konst. Lumen gentium, 42. - 10 2 Kor 6,10. - 11 1 Kor 3,22-23. - 12 Johannes Paul II., Ansprache in Manila, 18.2.1981. - 13 Petrus Chrysologus, Predigt über Gebet, Fasten und Almosen, 43. - 14 Mk 9,41. - 15 Mt 25,39. - 16 J.Escrivá, Freunde Gottes, 309. - 17 Edith Stein, Im verschlossenen Garten der Seele, Freiburg 1987, S.118. - 18 Johannes Chrysostomos, Homilien über das Matthäusevangelium, 76,4. - 19 Regensburger Neues Testament, Bd.2, Regensburg 1958, S.197. - 20 Röm 8,17. - 21 Mt 25,34. - 22 P.Berglar, a.a.O., S.79.

von 27.05.2013 08:37

JAHRESKREIS
8. WOCHE - MONTAG

13

GUTER MEISTER, WAS MUSS ICH TUN?

Ein junger Mann fragt Jesus nach dem Lebenssinn.
Viele Wege der Nachfolge.
Fragen an uns heute.

I. In jener Zeit lief ein Mann auf Jesus zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muß ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? So steht es im heutigen Evangelium nach Markus1. Matthäus ergänzt, daß er ein junger Mann2 war, und wir verstehen seine Begeisterung - guter Meister ... -, sein ungestümes Auftreten - das Laufen zu Jesus, der Kniefall -, seinen Tatendrang - was muß ich tun? Papst Johannes Paul II. hat die Begegnung dieses jungen Mannes mit Jesus mehrfach kommentiert, besonders in seinem Apostolischen Schreiben an die Jugend der Welt und in der Enzyklika Veritatis splendor. Wir werden in unserer Betrachtung den Anregungen des Papstes folgen. »In dem jungen Mann, dessen Namen das Matthäusevangelium nicht nennt, können wir jeden Menschen erkennen, der, bewußt oder unbewußt, an Christus, den Erlöser des Menschen, herantritt und ihm die moralische Frage stellt. Für den jungen Mann ist es nicht zuerst eine Frage nach den Regeln, die befolgt werden müssen, als vielmehr eine Frage nach Sinnerfüllung für das Leben«3. Matthäus4 schildert das Gespräch ausführlicher, als einen offenen Dialog. Zuerst wendet Jesus den Blick des jungen Mannes auf Gott hin: Was fragst du mich nach dem Guten. Nur einer ist »der Gute« Dann erinnert er ihn an die zentrale Stellung der Zehn Gebote allen anderen Geboten gegenüber: Wenn du aber das Leben erlangen willst, halte die Gebote. Und auf die Frage des jungen Mannes: Welche?, die Antwort Jesu: Du sollst nicht töten, du sollst nic»t die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen ... »Damit wird ein enger Zusammenhang zwischen dem ewigen Leben und der Befolgung der Gebote Gottes hergestellt: die Gebote Gottes weisen dem Menschen den Weg des Lebens und geleiten ihn zu ihm. Aus dem Munde Jesu, des neuen Mose, werden den Menschen die Gebote des Dekalogs wiedergeschenkt; er selbst bestätigt sie endgültig und stellt sie uns als Weg und Bedingung des Heils vor.«5

Die Antwort Jesu genügt dem jungen Mann jedoch noch nicht. Nach Matthäus fragt er weiter: Was fehlt mir jetzt noch? Wir wollen hier innehalten; denn bisweilen werden wir uns selbst dies gefragt haben angesichts des wunderbaren Zaubers so vieler guter, schöner Dinge dieser Welt, die wir genießen und die uns dennoch keine Erfüllung schenken. Die Jahre verrinnen, und der Durst bleibt ungestillt. Die Antwort Jesu an den jungen Mann ist eine persönliche Antwort an einen jeden von uns.

Jesus sah dem jungen Mann an, daß er zur Hingabe fähig war, und er blickte liebevoll auf ihn: »Jedem Menschen schenkt er diesen Blick der Liebe. Das Evangelium bestätigt dies auf jeder Seite. Man kann sogar sagen, daß in diesem liebenden Blick Christi gleichsam eine Zusammenfassung der ganzen Frohen Botschaft enthalten ist. (...) Der Mensch braucht diesen liebevollen Blick: Er muß das Bewußtsein haben, geliebt zu sein, von Ewigkeit her geliebt und erwählt zu sein (vgl. Eph 1,4). Diese ewige Liebe göttlicher Erwählung begleitet den Menschen durch sein Leben wie der liebende Blick Christi.«6

Der liebende Blick des Herrn ist gleichsam seine Antwort auf das Zeugnis der Treue zu den Geboten, das der junge Mann bisher gegeben hat. Gleichzeitg ist dieser liebende Blick die Brücke zum Schlußteil des Gespräches, eben jener Frage: Was fehlt mir jetzt noch?7 »Diese Frage ist sehr wichtig. Sie zeigt, daß im Gewissen des Menschen und gerade des jungen Menschen ein Streben nach >etwas Höherem< verborgen liegt (...). Der Mensch, der Christ, ist fähig, sein Leben als Geschenk zu verstehen. Diese Dimension ist nicht nur >höher< als die Dimension der einzelnen sittlichen Verpflichtungen, wie sie aus den Geboten hervorgehen, sondern sie ist auch >tiefer< und grundlegender. Sie ist ein vollerer Ausdruck jenes Lebensentwurfs, an dem wir schon in der Jugend bauen.«8

Der junge Mann meinte, den Willen Gottes schon zu erfüllen, weil er die Gebote hielt. Nun muß er entdecken, daß es noch manche Fessel zu lösen gilt. Das hat sich bis heute nicht geändert: »Du erzählst mir von deinem Freund, daß er häufig die Sakramente empfange, ein sauberes Leben führe und ein tüchtiger Student sei. - Aber er geht nicht darauf ein. So oft du ihm vom Opfer und vom Apostolat sprichst, wird er traurig und läuft weg.

Sorge dich nicht. Das ist kein Mißerfolg deiner Bemühungen. Das ist Wort für Wort die Begebenheit, die der Evangelist beschreibt: >Wenn du vollkommen sein willst, so geh hin und verkaufe deine Habe und gib sie den Armen (Opfer), dann komm und folge mir nach< (Apostolat).

Der junge Mann >abiit tristis<, ging auch traurig davon: er wollte der Gnade nicht entsprechen.«9

II. Papst Johannes Paul II. schreibt, »daß in der Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil der Begriff der >Berufung< vor allem in Bezug zum Priestertum und Ordensleben gesehen wurde, als hätte sich Christus an den jungen Mann im Evangelium mit seinem >Folge mir nach< nur für diese Berufungen gewandt. Das Konzil hat diese Sicht erweitert (...). Der Ruf Christi >Folge mir nach< läßt sich auf verschiedenen Wegen vernehmen, auf denen Jünger und Bekenner des göttlichen Erlösers gehen. Auf verschiedene Weise kann man Christus nachfolgen, das heißt nicht nur durch das Zeugnis vom eschatologischen Reich der Wahrheit und Liebe, sondern auch, indem man an der Gestaltung der ganzen zeitlichen Wirklichkeit im Geiste des Evangeliums mitwirkt.«10 Gott ruft alle Menschen zur Heiligkeit: Gesunde und Kranke, Begabte und weniger Begabte, Reiche und Arme, Junge und Alte. Wer im kontinuierlichen Gebet danach sucht, entdeckt mit der Zeit den spezifischen Weg, den Gott für ihn vorgesehen hat.

Der junge Mann kam sich überfordert vor. Sein Reichtum war die große Fessel für die größte Chance seines Lebens, die Einladung Christi. Doch die ließ ihn traurig werden.

Die Worte, die Papst Johanes Paul II. an junge Menschen richtet, sind für jeden gültig: »Die Traurigkeit des jungen Mannes gibt uns zu denken. Wir könnten versucht sein zu glauben, daß ein großes Vermögen, die Fülle der Güter dieser Welt uns glücklich machen. Am Beispiel des jungen Mannes im Evangelium sehen wir jedoch, daß sein großes Vermögen zu einem Hindernis geworden war, den Ruf Jesu, ihm zu folgen, anzunehmen. Er war nicht bereit, zu Jesus ja zu sagen und nein zu sich selbst, ja zur Liebe und nein zur Ausflucht. Wahre Liebe ist fordernd. (...) Denn Jesus - unser Jesus selbst - hat gesagt: >Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage< (Joh 15,14). Liebe verlangt Anstrengung und eine persönliche, verpflichtende Bindung an den Willen Gottes. Liebe bedeutet Disziplin und Opfer, aber sie bedeutet auch Freude und menschliche Erfüllung. Meine lieben, jungen Leute! Habt keine Angst vor ehrlichem Bemühen und ehrlicher Arbeit! Habt keine Angst vor der Wahrheit! Mit der Hilfe Christi und durch das Gebet könnt ihr auf seinen Ruf antworten, könnt ihr Versuchungen, modische Launen und jeder Form von Massenmanipulation widerstehen. Öffnet eure Herzen für den Christus des Evangeliums - für seine Liebe, seine Wahrheit und seine Freude. Geht nicht traurig weg!«11

Der Ruf des Herrn zur Nachfolge erfordert ständige Bereitschaft: Was erwartest du von mir, Herr, in diesen neuen Umständen meines Lebens? Wir entdecken so, wie sich die Berufung im Gewebe des alltäglichen Lebens entfaltet; wir vernehmen Anregungen, Eingebungen, »besondere Rufe« in besonderen Augenblicken, die uns nahelegen, aus Liebe zum Herrn kleine oder große Dinge zu vollbringen. Und manchmal vernimmt man die göttliche Stimme wie Elija: der Herr war nicht im Sturm, der die Berge zerriß und die Felsen zerbrach, noch im Erdbeben, noch im Feuer: Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. Da hüllte Elija sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle.12

III. »Das Gespräch Jesu mit dem reichen Jüngling wird gewissermaßen in jeder Epoche der Geschichte, auch heute, weiter geführt. Die Frage: >Meister, was muß ich Gutes tun, um das ewige Leben zu gewinnen?< bricht im Herzen jedes Menschen auf, und es ist immer und allein Christus, der die volle und entscheidende Antwort anbietet. Der Meister, der die Gebote Gottes lehrt, der zur Nachfolge einlädt und die Gnade für ein neues Leben schenkt, ist immer unter uns gegenwärtig und tätig.«13 Der junge Mann wich Christi Blick aus, überhörte die Aufforderung zu einem Leben aus der Liebe und ging traurig weg. War es ein endgültiges Weggehen? Was ist aus ihm geworden? Das Evangelium deutet nur knapp den Grund des Weggehens an: er hatte ein großes Vermögen, das ihm das Herz beschwerte.

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als daß ein Reicher in das Reich Gottes gelangt, faßt Jesus seinen Jüngern gegenüber diese Begegnung zusammen. Dann heißt es von seinen Jüngern: sie erschraken sehr und sagten: Wer kann dann noch gerettet werden? Der Herr verweist auf die Macht Gottes: Für Menschen ist das unmöglich, für Gott aber ist alles möglich. »Die Liebe Christi nachzuahmen und nachzuleben, ist dem Menschen aus eigener Kraft allein nicht möglich. Er wird zu dieser Liebe fähig allein kraft einer Gabe, die er empfangen hat. Wie der Herr Jesus die Liebe von seinem Vater empfängt, so gibt er sie seinerseits aus freien Stücken an die Jünger weiter: >Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!< (Joh 15,9).«14

Das heutige Evangelium ermuntert uns, mutig im Gebet zu prüfen, wo wir das Herz haben. Lassen wir uns von Wohlstand, Luxus oder Bequemlichkeit bezirzen? Bemühen wir uns um die nötige innere Freiheit und Loslösung von den irdischen Gütern? Werden wir unwirsch, bedrückt oder mißgelaunt, wenn wir etwas entbehren müssen, das uns zur liebgewordenen Gewohnheit geworden war? Sind wir wachsam gegenüber spießigen Anhänglichkeiten? Lassen wir uns von Konsumdenken beeinflussen? Bekämpfen wir die Neigung, sich unnötige Bedürfnisse zu schaffen? Bemühen wir uns stattdessen, die Unbequemlichkeit froh, gelassen und sportlich zu nehmen und den Mangel an Mitteln nicht zu dramatisieren? Sind wir großzügig im Almosengeben und im Unterstützen guter Werke?

Der junge Mann, der Jesus traurig verließ, ist nicht die erfundene Gestalt in einem Gleichnis, sondern ein Mensch aus Fleisch und Blut. Er »ging traurig weg. Aber auch Jesus, menschlichster aller Menschen, blieb traurig zurück. Vielleicht seufzte er. Man kann sich das leicht vorstellen. Denn mit diesem Reichen war es so gegangen, wie es mit ungezählten Kindern dieser Welt bis zum Ende der Zeiten gehen würde: daß sie dem Rufe Gottes nicht folgen, weil sie ein verkehrtes Glück suchen, die Lust des Selbstbewahrens und Sich-Aneignens anstatt die Seligkeit des Sich-Verlierens und Sich-Verausgabens.15

Vielleicht - es ist ein schöner Gedanke - hat er das später, nach Jesu Tod und Auferstehung, doch noch geschafft. Denn es ist anzunehmen, daß der Blick Jesu ihn nie mehr losließ.16

1 Mk 10,17-27. - 2 vgl. Mt 19,20. - 3 Johannes Paul II., Enz. Veritatis splendor, 7. - 4 vgl. Mt 19,16-26. - 5 Johannes Paul II., a.a.O., 12. - 6 Johannes Paul II., Apost. Schreiben An die Jugend der Welt, 31.3.1985, 7. - 7 Mt 19,20. - 8 Johannes Paul II., a.a.O., 8. - 9 J.Escrivá, Der Weg, Nr.807. - 10 Johannes Paul II., a.a.O., 9. - 11 Johannes Paul II., Ansprache in Boston, 1.10.1979. - 12 vgl. 1 Kön 19,11-13. - 13 Johannes Paul II., Enz. Veritatis splendor, 25. - 14 ebd., 22. - 15 P.Berglar, Petrus - Vom Fischer zum Stellvertreter, München 1991, S.77. - 16 ebd.

von 26.05.2013 17:46

Unser Vater im Himmel


Am 1. Sonntag nach Pfingsten ist Dreifaltigkeitssonntag


Der liebe Gott hat uns in Seinem Sohne alles geschenkt (vgl. Röm.8,32)! Jesus ist unseretwegen Mensch geworden, hat alle Schuld allein für uns getragen und uns den Weg der Liebe, die ja Gott selbst ist, wieder eröffnet!

Aus Feinden Gottes, die wir durch die Sünde sind, können wir in Glaube, Hoffnung und Liebe wieder wahre Kinder Gottes werden (vgl. Röm. 5,10)! Ja, Jesus Christus hat uns in die göttliche Liebe selbst hineingenommen, dadurch, dass Er uns Anteil an der Liebe des Heiligen Geistes und damit auch an der Liebe des Vaters und des Sohnes schenkt!

In Seiner Menschwerdung hat Er sich zu unserem Bruder gemacht hat, wie wir es besonders in der Weihnachtszeit in so manchen Kirchenliedern besingen, ja Er will unser Freund sein (Joh.15,15), der Seine Liebe im Dienst an uns erweist, ja Sein Leben dahingibt für uns (vgl. Joh.15,13; Joh.10,17f.)!
In Jesus erhalten wir auch Anteil an der Kindschaft Gottes! Wie der Sohn den Vater liebt, sollen auch wir jetzt den Vater lieben im Heiligen Geist, und wie der Vater den Sohn liebt, so sollen auch wir die Liebe zum Sohn in unsere Herzen einlassen! „Ich habe ihnen Deinen Namen kundgetan und werde ihn weiter kundtun, damit die Liebe, mit der Du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen!“ (Joh. 17,26). Wir sind im Heiligen Geist keine Fremdlinge mehr Gott gegenüber, sondern unser neues Leben ist das Leben in der Liebe Gottes selbst!

Welchen Namen Gottes, von dem Jesus spricht, hat Er uns aber kundgetan? Ein besonderes Geschenk der Offenbarung Gottes in Jesus Christus, das uns oft gar nicht mehr hinreichend bewusst wird, ist, dass wir nicht nur von „Gott“, sondern von und mit unserem „Vater im Himmel“ sprechen können als Seine Kinder. Als Sohn führt Er uns zu Seinem und unserem Vater! Der Unterschied zwischen dem Sohn und uns, zwischen Schöpfer und Geschöpfen, ist dadurch nicht aufgehoben! Jesus ist nicht einfach nur Mensch wie wir. Das wird deutlich, wenn Er von „meinem Vater und eurem Vater“ (Joh. 20,17) spricht. Das Verhältnis Jesu zum Vater ist einzigartig. Doch Er nimmt uns in dieses Sein Verhältnis zum Vater mit hinein!

Dadurch, dass Jesus uns dahin führt, Gott gegenüber das vertrauensvolle „Vater“ zu gebrauchen, erschließt Er uns das Verständnis für unsere Berufung zur Gotteskindschaft, die uns im umfassenden Sinn durch Seine Hingabe für uns am Kreuz geschenkt wurde. Durch diese Seine Liebe bis in den furchtbaren Tod hat Er uns den Weg aus der Gottesferne und aus der Sünde wieder eröffnet und im Sakrament der Taufe uns wieder zu Gottes geliebten Kindern (Eph.5,1; Röm.8,15.ff.21; Phil2,15) gemacht!

„Da kam die Fülle der Zeit, und Gott sandte Seinen Sohn... Er sollte die unter dem Gesetze Stehenden loskaufen, damit wir die Annahme an Kindes Statt empfingen. Weil ihr nun Söhne seid, sandte Gott in unsere Herzen den Geist Seines Sohnes, der da ruft: Abba, Vater! So bist du also nicht mehr Sklave, sondern Sohn, als Sohn aber auch Erbe durch Gott“ (Gal. 4,4ff.).

Diese Anrede Gottes mit „Abba“, die Jesus selbst verwendet (Mk.14,36) und die Seine Apostel und Jünger weitergeben und praktizieren, ist mehr und inniger, als wir es mit dem deutschen Wort „Vater“ wiedergeben können. Es ist ein sehr kindliches Wort, in dem tief die Liebe zum Vater und des Vaters selbst ausgedrückt wird, ein Wort, das ein tiefes Vertrauensverhältnis voraussetzt und bezeichnet.

Ein solches Verhältnis zu Gott kennt keine andere Religion, sie kann es gar nicht haben, insofern sie Gott und Seine Offenbarung nicht kennt. Eine gewisse Vaterschaft Gottes wird auch im Alten Testament gelegentlich ausgesprochen, jedoch nicht so sehr als Ausdruck des persönlichen Verhältnisses zu Gott, sondern als Umschreibung der väterlichen Rolle Seinem alttestamentarischen, auserwählten Volk gegenüber (vgl. Dt. 8,5; 32,6; Ps. 103,13; Is. 1,2; 63,16; 64,7; Mal. 1,6).

In einem allgemeinen Sinn ist Gott natürlich Vater allen Seinen Geschöpfen gegenüber. Aber durch die Sünde ist unser Verhältnis zu Gott gebrochen! Erst Jesus Christus hat uns wieder geheilt und unsere ursprüngliche Berufung wieder ermöglicht! Nur durch die Befreiung von der Sünde und die Heiligung im Heiligen Geist sind wir wieder wahre Kinder Gottes geworden! Vorher waren wir unsererseits im Hinblick auf die Sünde noch Feinde Gottes (vgl. Röm.5,10)!

Ohne Jesus Christus bleibt „Gott“ immer entweder einseitig der Jenseitige, der Unerreichbare, der Unnahbare, der Unaussprechliche - oder er wird verdinglicht, verweltlicht, ein Götze, ein bloßes Abbild unserer Laune und unserer begrenzten Vorstellungskraft. Beides ist nicht der wahre Gott!

Denn Gott ist natürlich unaussprechlich erhaben und vollkommen, jenseitig, - aber wir könnten Ihn gar nicht wirklich erkennen oder lieben, wenn Er uns nicht auch zugleich sehr nah und direkt, voller Anteilnahme an unserem Geschick und Leben - also kurz: wirklich väterlich! - begegnen würde!

Indem Gott „Vater“ ist, werden beide Wirklichkeiten Gottes licht und klar: Seine Erhabenheit und unendliche Heiligkeit, die über alles Geschöpfliche unaussprechlich hinausragt, und Seine Nähe und Fürsorge, die uns in unserer Armseligkeit annimmt und emporhebt!

Als die Jünger bitten, ihnen das Beten zu lehren, da spricht Jesus das „Vater unser“ (Mt.6,9ff.; Lk.11,1ff.). Es ist das Urgebet der Kirche. Bis heute orientiert sich alles liturgische Beten an diesem Beten Jesu. Im Namen und mit der Endung „durch Jesus Christus, unseren Herrn“ betet die Kirche zum Vater.

Wie aber hat Jesus Seinen Jüngern den Vater vorgestellt? Der Apostel Philippus und mit ihm bestimmt auch die anderen Jünger haben ihn gebeten: „Herr, zeig uns den Vater. Das genügt uns!“ (Joh.14,8).

Was erhält Philippus und damit auch wir als Antwort? „Jesus erwiderte ihm: ‚So lange schon bin ich bei euch, und du kennst mich noch nicht, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen... Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, sage ich nicht aus mir selbst; der Vater, der in mir bleibt, vollbringt die Werke. Glaubt mir, dass ich im Vater bin und der Vater in mir ist. Sonst glaubt doch wenigstens um der Werke willen“ (Joh. 14,9-11).

Wenn Jesu sagt: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh. 10,30), so hebt Er den Unterschied in den Personen nicht auf, zeigt aber ganz klar, dass Gott dennoch in sich nur ein Einziger ist! Und so können und dürfen wir in Jesus und in Seiner Liebe auch das Angesicht und die Liebe des Vaters erkennen! In der Menschwerdung zeigt uns Gott Sein wahres Angesicht und Seine unendliche Liebe!

Die Worte und die Werke, von denen Jesus spricht und aus denen wir Ihn als Gottes Sohn erkennen sollen, sind die Zeichen, die Jesus uns gibt. Aus ihnen spricht die Wahrheit und Liebe Gottes. Wer nicht liebt und die Wahrheit hasst, nimmt sie nicht an. Er zeigt, dass er die Liebe Gottes ablehnt, dass er nicht den wahren Vater liebt, sondern sich einen falschen sucht, der aber niemals die Liebe sein kann. In diesem Sinn sagt Jesus zu den die Frohbotschaft vom Reiche Gottes ablehnenden Juden: „Ihr habt den Teufel zum Vater und wollt nach den Gelüsten eures Vaters tun. Der war ein Menschenmörder von Anbeginn“ (Joh.8,44).

„Seht, welch eine Liebe uns der Vater erwiesen hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es“ (1Joh.3,1). Das ist nicht nur eine unendlich große Gnade, sondern auch eine ernste Berufung zur Heiligkeit: „Daran erkennt man die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels: Wer das Rechte nicht tut, ist nicht aus Gott. Ebensowenig, wer seinen Bruder nicht liebt“ (1Joh.3,10)!

Der Glaube an Vater, Sohn und Heiligen Geist ist also nicht austauschbar mit irgend einem anderen Glauben, wie heute viele meinen! Nur durch die Gnade Jesu und im Heiligen Geist finden wir zu unserem wahren Vater und zur wahren Liebe Gottes! Der Glaube an Gott muss in der Liebe wirksam werden, sonst ist er nicht echt (vgl. Gal. 5,6)!

„Niemand hat Gott je gesehen. Der Eingeborene, der Gott ist, der da ruht am Herzen des Vaters, Er hat Kunde gebracht!“ (Joh.1,18).


Thomas Ehrenberger

von 25.05.2013 15:30

JAHRESKREIS
7. WOCHE - SAMSTAG

9

WIE DIE KINDER SEIN

Gottes Vaterschaft: tief und geheimnisvoll.
Mündliches Gebet und Volksfrömmigkeit.
Einfachheit, Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit.


I. Nicht nur mit ihren Krankheiten und Gebrechen kommen die Leute zu Jesus, sondern auch mit ihrem größten Reichtum: den Kindern. Darin haben sie eine feinere Witterung als die Jünger; denn diese scheinen zu denken: Was sollen Kinder beim Meister? Sie wiesen die Leute schroff ab.

Auch wir heute neigen dazu, im Kind das unfertige Geschöpf auf dem Weg zum Erwachsenwerden zu sehen. Wenn Jesus jene Kinder umarmt und segnet, umarmt und segnet er alle Kinder der Welt, aber auch alle Erwachsenen, die sein Wort beherzigen: Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.

Jesus nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.1 Nicht eine abstrakte Definition des Kindseins liefert er seinen Jüngern, sondern die greifbare Wirklichkeit, als wollte er uns vor der Gefahr warnen, sie zu verharmlosen - denn einerseits haben wir mit dem Kindsein unsere Schwierigkeiten, andererseits besingen wir es in rührenden Weisen.

Jesus sagt uns, wir - die »Erwachsenen« sollen wie die Kinder werden. Dies bedeutet zuallererst, den Geist der Gotteskindschaft zu entdecken: »Das Kindsein, das Jesus meint, ist die Entsprechung zu Gottes Vaterschaft. Für das Kind hängt ja alles mit Vater und Mutter zusammen. Durch diese kommt alles heran. Sie stehen überall. Sie sind Ursprung, Maßstab und Ordnung.«2

Gottes Vaterschaft ist umfassend, tief und geheimnisvoll: »Wenn die Sprache des Glaubens Gott >Vater< nennt, so weist sie vor allem auf zwei Aspekte hin: daß Gott Ursprung von allem und erhabene Autorität und zugleich Güte und liebende Besorgtheit um alle seine Kinder ist. Diese elterliche Güte Gottes läßt sich auch durch das Bild der Mutterschaft zum Ausdruck bringen (vgl. Jes 66,13; Ps 131,2), das mehr die Immanenz Gottes, die Vertrautheit zwischen Gott und seinem Geschöpf andeutet.«3

Der Erwachsene, der wie ein Kind werden will, braucht Starkmut und Entschlossenheit, aber auch Urteilsfähigkeit, denn wir sollen »unser Herz demütig von falschen Bildern >dieser Welt< reinigen (...). Die Reinigung des Herzens betrifft die Bilder von Vater und Mutter, die aus unserer persönlichen und der kulturellen Entwicklung hervorgegangen sind und unsere Beziehung zu Gott beeinflussen. Gott unser Vater steht über den Begriffen dieser geschaffenen Welt.«4

In der Praxis des Alltags soll sich diese demütige Sicht des eigenen Ich vor Gott im einfachen, unverstellten Verhalten ausdrücken. »Die geistliche Kindschaft ist nicht frommes Getue noch >Rührseligkeit<: sie ist ein kluger und kraftvoller Weg, den die Seele wegen seiner schwierigen Leichtigkeit nur beginnen und weitergehen kann, wenn Gott sie an der Hand führt.«5

Meister der Spiritualität verweisen darauf, daß die geistliche Kindschaft die Liebe immer jung erhält: »Du hast dich verjüngt! Tatsächlich wirst du gewahr, daß der Umgang mit Gott dir schon binnen kurzer Zeit die glückliche Ungezwungenheit deiner Jugend zurückgebracht hat und daß dir sogar die wunderbare Geborgenheit aus den fernen Tagen deiner geistigen Kindheit wiedergeschenkt wird - und doch weitab von jeglicher Kinderei. Du blickst dich um und stellst fest, daß es auch den anderen so ergeht. Seit ihrer Begegnung mit dem Herrn sind Jahre vergangen, aber je älter und reifer sie werden, desto unverwüstlicher ihre innere Jugendlichkeit, ihre Herzensfreude. Sie wirken nicht nur jung: sie sind jung und froh! Diese Wirklichkeit des inneren Lebens ist es, die die Menschen anzieht, ihnen Mut macht und schließlich überwältigt. Richte jeden Tag dein Dankgebet >ad Deum qui laetificat iuventutem< - an Gott, der deine Jugend erfreut.«6

Das Kind lebt aus dem Vertrauen. Edith Stein schreibt: »Es muß ja so sein, daß man sich ohne jede menschliche Sicherung ganz in Gottes Hände legt, um so tiefer und schöner ist dann die Geborgenheit.«7

Der »Erwachsene« dagegen »will sich sichern und wird dabei schlau und hart. Er hat Angst, und Angst erniedrigt. Das Kind hingegen kennt den Trieb der Selbstsicherung noch nicht - wenigstens nicht so stark -, sondern steht in ruhigem Vertrauen. Diese Haltung kommt nicht aus Verdienst, sondern aus Unwissenheit; dennoch ist sie da und erzeugt einen reinen, seiner selbst unbewußten Mut dem Dasein gegenüber. Der >Erwachsene< hat Zwecke, sucht danach seine Mittel und gebraucht sie. Er sieht die Dinge auf Nutzen und Verwendbarkeit an und macht dadurch alles unfrei.«8

II. Die heilige Theresia vom Kinde Jesu schreibt in ihren autobiographischen Aufzeichnungen: »Für mich ist das Gebet ein Aufschwung des Herzens, ein einfacher Blick zum Himmel, ein Ausruf der Dankbarkeit und Liebe inmitten der Prüfung wie in Stunden der Freude. Es ist etwas Erhabenes, Übernatürliches, das die Seele weitet und mit Gott vereinigt. Zuweilen, wenn mein Geist sich so ausgedörrt findet, daß ich keinen einzigen guten Gedanken finden kann, bete ich langsam ein Vaterunser oder ein Ave.«9 »Das mündliche Gebet, das in der Einheit von Leib und Seele der menschlichen Natur grundgelegt ist, verbindet den Leib mit dem Gebet des Herzens nach dem Beispiel Jesu, der zu seinem Vater betete und seine Jünger das Vaterunser lehrte.«10 Auch die verschiedenen Sitten und Bräuche außerhalb der Liturgie, wie etwa das Küßen eines Kruzifixes oder das Schmücken eines Bildes Unserer Lieben Frau, sind Ausdruck der »Einheit von Leib und Seele«»Dazu gehört ebenso das weite Feld der Volksfrömmigkeit. »Sowohl in jenen Gebieten, in denen die Kirche seit Jahrhunderten eingewurzelt ist, als auch dort, wo sie im Begriff ist, Wurzel zu fassen, findet man beim Volk besondere Ausdrucksformen des Glaubens und der Suche nach Gott.«11 In der Volksfrömmigkeit »kommt eine Sehnsucht nach Gott zum Ausdruck, wie sie nur die Einfachen und Armen kennen. Sie befähigt zur Großmut und zum Opfer, ja zum Heroismus, wenn es gilt, den Glauben zu bekunden. In ihr zeigt sich ein feines Gespür für tiefe Eigenschaften Gottes: seine Vaterschaft, seine Vorsehung, seine ständige, liebende Gegenwart. Sie führt zu inneren Haltungen, die man sonst kaum in diesem Maße findet: Geduld, das Wissen um die Notwendigkeit, das Kreuz im täglichen Leben zu tragen, Entsagung, Wohlwollen für andere, Respekt.«12

Manche Sitten und Bräuche unserer Vorfahren greifen den Kreislauf der Natur auf, wie das Erntedankfest oder Bittprozessionen, andere betreffen so entscheidende Situationen wie Geburt, Hochzeit oder Tod. Wieder andere rufen das Wirken heiligmäßiger Männer und Frauen ins Gedächtnis oder manifestieren sich in sinnenhaften Zeichen: dem Angelusläuten, in Krippenbrauchtum, Kreuzwegen und Kalvarienbergen, Wegekreuzen, Wallfahrten, Bilderschmuck, Weihwassser ...

Die Volksfrömmigkeit »hat gewiß ihre Grenzen. Oft ist sie dem Eindringen mancher religiösen Fehlformen ausgesetzt, auch dem Aberglauben. Häufig bleibt sie auf der Ebene kultischer Handlungen, ohne zu einem echten Akt des Glaubens zu führen. (...) Ist sie aber in der rechten Weise ausgerichtet, vor allem durch hinführende und begleitende Evangelisierung, dann birgt sie wertvolle Reichtümer in sich.«13 Der selige Josemaria Escrivä riet dazu, »mit der Frömmigkeit eines Kindes und der guten Lehre eines Theologen« zu beten.

Das Bemühen um ein immer tieferes Eindringen in die Glaubenslehre liefert die sichere Grundlage für solche frommen Volksbräuche. Gerade in ihrer Naivität zeigen sie uns den Weg der geistlichen Kindschaft. Wer darin nur die Äußerung eines infantilen Glaubens sieht, kann nur schwer das Wort des Herrn erfassen: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Vor Gott sind wir immer wie kleine, bedürftige Kinder, die es nötig haben, die Liebe in greifbaren, manchmal naiv-schlichten Zeichen auszudrücken. Von außen besehen und kritisch betrachtet, haben solche Zeichen kaum einen objektiven Wert. Und doch sind sie echter Ausdruck der betenden Haltung eines Menschen, der vor Gott kindhaft werden will.

Die geistliche Kindschaft nimmt manchmal auch kühne Züge an: wir wenden uns mit Worten an den Herrn, die uns, vor anderen Leuten ausgesprochen, die Schamröte ins Gesicht steigen ließen. Sie gehören einzig in die Intimität des Herzens: daß wir Gott lieben und ihn immer inniger lieben möchten, daß wir jedes Kreuz zu tragen bereit sind. Aus solch kühnem, kindlichem Beten können dann reife Vorsätze erwachsen.

III. Wenn wir in wenigen Worten zusammenfassen müßten, was es heißt, das Reich Gottes wie ein Kind anzunehmen, dann sollten wir uns folgende Haltungen merken: Einfachheit, Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit. Das Kind »ist noch nicht künstlich. Es steht noch in der Unmittelbarkeit; ist einfach es selbst. Es spricht aus, was ist, und bringt die Großen in Verlegenheit. Es zeigt, was es empfindet, und gilt als unerzogen. Die Erzogenheit besteht zu einem guten Teil nicht darin, liebevoll, verstehend, selbstlos zu sein, sondern die eigenen Gefühle zu verbergen; so enthält das Reden und Benehmen des Erwachsenen viel Unechtes und Unredliches. Demgegenüber ist das Kind einfach und aufrichtig. Auch das bedeutet kein Verdienst. Es empfindet die Hemmungen noch nicht, welche es dem Großen schwer machen, wahr zu sein. Seine Wahrhaftigkeit ist noch unerprobt. Aber sie ist da und bildet einen lebendigen Vorwurf.«14

Das kleine Kind braucht sich nicht zu verstellen und so zu tun, als wäre es groß und souverän, fehlerlos und vollkommen. Es weiß sich wehrlos - und doch geborgen. Und wir Erwachsenen? Könnten wir nicht zum Beispiel die Aussprache mit dem geistlichen Leiter einfacher und aufrichtiger führen, dabei schlicht alles berichten, was uns bewegt: Gutes, auf das wir befriedigt blicken, und Schlechtes, das uns beschämt, Unklares, das uns bedrängt?

Wer sich um Einfachheit bemüht, richtet seinen Blick auf den Herrn und sieht alles von ihm her. Dann ist die lautere Absicht da, man sucht in allem den Willen Gottes und das Wohl der Mitmenschen. Man sucht nicht das Außergewöhnliche, sondern tut das, was hier und jetzt zu tun ist.

Auf diesem Weg wächst die Vertrautheit mit dem Herrn. Wir lernen, uns in seiner Gegenwart zu sammeln. »Wer gesammelt in der Tiefe lebt, der sieht auch die >kleinen Dinge< in großen Zusammenhängen; nur er vermag ihr Gewicht - an letzten Maßstäben gemessen - in der richtigen Weise einzuschätzen und sein Verhalten entsprechend zu regeln.«15 Dann sind wir weder töricht leichtgläubig noch argwöhnisch, sondern klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben16.

Wie immer ist die Muttergottes auch im schlichten Umgang mit dem Herrn Lehrmeisterin. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, wie Maria ganz im Hinblick auf den Sohn lebte. Das Wort in Kana oder das Magnificat zeugen von einem unkomplizierten Ineinander von Innen und Außen, von Sammlung und Aktivität. Wie spontan, wie einfach ist ihre schlichte Reaktion in Kana! Was soll sie tun? Zum Sohn gehen. Sie haben keinen Wein mehr17 - das ist alles, und es ist genug. Der Sohn versteht.

Gegenüber dem eigenen Dünkel, der sogar beim Beten »kreativ« sein möchte, lehrt uns Maria eine schliche Natürlichkeit. Im Magnificat findet sich fast alles vereint, was uns heute nicht selten als schwer vereinbar erscheinen will: Gotteslob und Dienst am Nächsten, vorgeformtes und freies Beten, Spontaneität und Rückgreifen auf Tradiertes, Selbstbewußtsein und Wissen um die eigene Niedrigkeit. Althergebrachte Worte werden zu neuen, lebendigen Worten, die ein konkreter Mensch unter dem Eindruck des Augenblicks spricht - da Elisabet jubelt und das Kind in ihrem Schoß hüpft.

1 Mk 10,13-16. - 2 R.Guardini, Der Herr, Würzburg 1951, S.318. - 3 Katechismus der Katholischen Kirche, 239. - 4 ebd., 2779. - 5 J.Escrivá, Der Weg, Nr.855. - 6 J.Escrivá, Die Spur des Sämanns, Nr.79. - 7 Edith Stein, Im verschlossenen Garten der Seele, Freiburg 1987, S.118. - 8 R.Guardini, a.a.O., S.314. - 9 Theresia von Liseux, Autobiographische Schriften, C 25r. - 10 Katechismus der Katholischen Kirche, 2722. - 11 Paul VI., Apost.Schreiben Evangelii nuntiandi, 8.12.75, 48. - 12 ebd. - 13 ebd. - 14 R.Guardini, a.a.O., S.313. - 15 Edith Stein, a.a.O., S.39. - 16 Mt 10,16. - 17 Joh 2,3.

von 24.05.2013 07:45

JAHRESKREIS
7. WOCHE - FREITAG

8

HAUSKIRCHE UND KEIMZELLE DER GESELLSCHAFT

Jesus gibt der Ehe die anfängliche Würde zurück.
Die Familie als Keimzelle zur Erneuerung der Gesellschaft.
Die Kraft des Sakramentes.


I. Das Evangelium der Messe1 zeigt uns wieder einmal den lehrenden Jesus. Sein Kommen in das Gebiet jenseits des Jordan bedeutet den endgültigen Abschied von Galiläa auf dem Weg zum Ziel seiner Sendung. Jerusalem kommt immer näher. Scharen umringen ihn, darunter auch einige Pharisäer, die ihn, wie schon früher, wieder in ein Streitgespräch verwickeln wollen. Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen? Sie kennen seine Lehre und wollen ihn in Gegensatz zu Mose bringen, um dann mit dem Scheidebrief herauszurücken, den Mose gestattet hatte. Unter den Rabbinern gab es einen Streit über die Interpretation des Textes aus dem Buch Deuteronomium, der die Ausstellung der Scheidungsurkunde mit der Begründung rechtfertigt: weil er an ihr etwas Anstößiges entdeckt2. Die strenge Schule verstand darunter ausschließlich Unzucht, die laxere, in der Praxis vorherrschende »alles, was an der Frau beim Ehemann Mißfallen erregen konnte, bis zum Anbrennenlassen einer Speise, so daß damit dem Mann praktisch ein schrankenloses Recht zur Ehescheidung eingeräumt war.«3

Bei Matthäus klingen diese Schulstreitigkeiten nach, wenn die Pharisäer fragen, ob der Mann die Frau aus jedem beliebigen Grund aus der Ehe entlassen4 dürfe. Markus hat Heidenchristen im Blick und interessiert sich nicht für solche Hintergründe, sondern für das Wesentliche, für die Reaktion des Herrn. Auch Jesus läßt sich nicht auf den Streit ein. Er nimmt den Gegnern das Heft aus der Hand mit einer Gegenfrage: Was hat euch Mose vorgeschrieben? Sie sagten: Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und die Frau aus der Ehe zu entlassen.5

Die Antwort Jesu »gliedert sich in drei Teile: er gibt zunächst der zitierten Bestimmung des Mose eine neue Deutung, indem er sie als Zugeständnis an die menschliche Herzenshärte erklärt, stellt dann daneben einen anderen Satz des Gesetzes, der Gottes ursprünglichen Willen in dieser Frage ausspricht, und gibt endlich eine eigene Entscheidung der Frage. Jesus bestreitet nicht, daß wirklich Mose die Erlaubnis zur Ehescheidung gegeben hat, noch tastet er seine Autorität als Gesetzgeber an, als hätte Mose etwa mit der Erlaubnis der Ehescheidung Gottes Willen verfälscht. Er bestreitet aber, daß darin Gottes eigentliche Forderung uneingeschränkt zum Ausdruck komme.«6

Jesus will der Ehe die Würde des Anfangs zurückgeben: Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind daher nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.

Wie andere Male7 folgt der öffentlichen Auseinandersetzung eine besondere Belehrung der Jünger, sobald sie allein sind. Nach Matthäus sind die Jünger schokiert: Wenn das die Stellung des Mannes in der Ehe ist, dann ist es nicht gut zu heiraten8. Und Jesus ergänzt dann seine Erklärung: Wer seine Frau aus der Ehe entläßt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entläßt und einen anderen heiratet.

Christus sieht die Ehe vom Anfang her. Die Liebe der Gatten erfordert von ihrer Natur her Einheit und Unauflöslichkeit. Echte Liebe »bedeutet unlösliche Treue, die in Glück und Unglück Leib und Seele umfaßt und darum unvereinbar ist mit jedem Ehebruch und jeder Ehescheidung. Wenn wirklich durch die gegenseitige und bedingungslose Liebe die gleiche personale Würde sowohl der Frau wie des Mannes anerkannt wird, wird auch die vom Herrn bestätigte Einheit der Ehe deutlich.«9 Mann und Frau sind »berufen, in ihrer Einheit ständig zu wachsen durch die Treue, mit der sie täglich zu ihrem Eheversprechen gegenseitiger Ganzhingabe stehen«10.

II. Bei seinem ersten Besuch in Deutschland machte Papst Johannes Paul II. den christlichen Eheleuten Mut: »Die Endgültigkeit der ehelichen Treue, die heute vielen nicht mehr verständlich erscheinen will, ist ein Ausdruck der unbedingten Würde des Menschen. Man kann nicht nur auf Probe leben, man kann nicht nur auf Probe sterben. Man kann nicht nur auf Probe lieben, nur auf Probe und Zeit einen Menschen annehmen.«11

Wenn wir die Werte der christlichen Ehe verteidigen, müssen wir mit dem Unverständnis derer rechnen, die sie in heutiger Zeit für unmöglich halten, mit der Aggressivität derer, die die Liebe nur egoistisch deuten. Das christliche Ehe- und Familienleben ist heute vielen Schwierigkeiten ausgesetzt. Die moderne Industriegesellschaft hat die Lebensbedingungen für Ehe und Familie grundlegend verändert. Früher waren sie nicht nur Lebens- und Erlebnisgemeinschaft, sondern auch Produktions- und Wirtschaftsgemeinschaft, die einen natürlichen Zusammenhalt förderte. Die Gefahren der Entfremdung sind heute größer geworden. Und doch: »Ehe und Familie sind wichtiger denn je: Keimzellen zur Erneuerung der Gesellschaft, Kraftquellen, aus denen das Leben menschlicher wird.«12

Staat und Gesellschaft leiten ihren eigenen Zerfall ein, wenn sie Ehe und Familie nicht mehr wirksam fördern und schützen und andere, nicht eheliche Lebensgemeinschaften ihnen gleichstellen. Alle Menschen guten Willens, besonders wir Christen, sind aufgerufen, die Würde und den Wert von Ehe und Familie neu zu entdecken und überzeugend vorzuleben.«13

Das christliche Bemühen, die Grundlagen von Ehe und Familie zu festigen, ist ein allgemeiner Dienst an der Gesellschaft. »In der Überzeugung, daß das Wohl der Familie einen unersetzlichen und unverzichtbaren Wert für das Zusammenleben der Bürger darstellt, müssen die staatlichen Autoritäten ihr möglichstes tun, um den Familien alle jene Hilfen auf wirtschaftlichem, sozialem, erzieherischem, politischem und kulturellem Gebiet zu sichern, die sie brauchen, um in menschenwürdiger Weise ihrer vollen Verantwortung nachkommen zu können.«14

Die Familien sollen sich immer mehr bewußt werden, daß in erster Linie sie selbst die Initiativen für eine sogenannte »Familienpolitik« ergreifen müssen: »Der gesellschaftliche Auftrag der Familie soll sich auch in Formen politischen Handelns äußern, das heißt, die Familien müssen sich als erste dafür einsetzen, daß die Gesetze und Einrichtungen des Staates die Rechte und Pflichten der Familie nicht nur nicht beeinträchtigen, sondern positiv stützen und verteidigen.«15

Dies erfordert zuerst - als Voraussetzung öffentlicher Wirksamkeit - die Sorge um die innere familiäre Stabilität. Dann entstehen Kontakte zu anderen Familien, weil man gesellschaftliche Aufgaben - Schule und Erziehung der Kinder zum Beispiel - gemeinsam zu lösen versucht. Doch wie sollte das möglich sein ohne die innere Kraft, die aus dem Bemühen um ein der ehelichen Berufung entsprechendes Leben erwächst?

Auch die Kinder sollen im familiären Leben einen Teil ihrer Berufung erkennen und dazu beitragen, daß die häusliche Atmosphäre christlich geprägt ist. Dies heißt vor allem, die natürlichen und übernatürlichen Tugenden zu pflegen: feinfühliges Hinhören, Dienstbereitschaft, Verstehen und Rücksichtnehmen, gute Laune und »Danke« sagen können.

III. Christus tat mehr, als der Ehe ihre ursprüngliche Würde zurückzugeben: er hob die natürliche Einrichtung auf die übernatürliche Ebene eines Sakramentes.

Das gegenseitige Sichgehören von Mann und Frau setzt die Beziehung Christi zu seiner Kirche sakramental gegenwärtig. Die normalen Merkmale jeder natürlichen ehelichen Liebe erhalten eine neue Bedeutung, die sie läutert, festigt und erhebt. »Das Sakrament hebt die natürliche Gestalt der Ehe nicht auf, sondern nimmt sie in das sakramentale Geheimnis hinein. Das ist bei anderen Sakramenten nicht so. Geburt ist nicht Taufe. Mahl ist nicht Herrenmahl. Aber die Hochzeit des Christen ist das Sakrament der Ehe.«16

Als Jesus Christus die Urwahrheit über die Ehe, die Wahrheit des Anfangs offenbarte, machte er den Menschen auch fähig, sie zu verwirklichen. Am Kreuz erreicht die Offenbarung der Liebe Christi ihren Höhepunkt. »In diesem Opfer wird der Plan vollständigt enthüllt, den Gott dem Menschsein des Mannes und der Frau seit ihrer Schöpfung eingeprägt hat (vgl. Eph 5,32 f); die Ehe der Getauften wird so zum Realsymbol des neuen und ewigen Bundes, der im Blut Christi geschlossen wurde. Der Geist, den der Herr ausgießt, macht das Herz neu und befähigt Mann und Frau, einander zu lieben, wie Christus uns geliebt hat. Die eheliche Liebe erreicht dadurch jene Fülle, auf die sie von innen her ausgerichtet ist, die übernatürliche Gattenliebe, in welcher die Vermählten auf die ihnen eigene und spezifische Art an der sich am Kreuz schenkenden Liebe Christi teilnehmen und sie zu leben berufen sind.«17

Es ist eine wichtige katechetische Aufgabe unserer Zeit, Brautleute und junge Ehepaare auf diese tiefe Sicht der christlichen Ehe hinzuweisen. Sie sollen erkennen, daß die Ehe zwischen Getauften nicht allein eine gesellschaftliche Einrichtung oder eine überkommene Tradition ist, sondern ein heiligendes Sakrament. Es ist ebenso wichtig, im eigenen Gebet hin und wieder das eigene Familienleben unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten. Dies kann das Zusammenleben stärken und das Gespür für die Anliegen der anderen - Ehepartner, Kinder, Geschwister, Großeltern - schärfen. So kann man sich gegenseitig helfen und Fehlhaltungen korrigieren, die »meistens einem sublimen Egoismus entspringen, der sich häufig unter der Maske des ewigen schulmeisterlichen Erziehers oder der zudringlichen, mitleidigen Bemutterung zu tarnen sucht«18.

Der Kirchenvater Johannes Chrysostomos sagt: »Ubi caritas gaudet, ibi est festivitas. - Wo Liebe sich freut, da ist Fest.«19 Auch die Kultur des Feierns gehört zur Familie. Das Fest befreit von der Fron und dem Streß des Alltags, es läßt uns heraustreten aus der Welt des Machens und öffnet den Blick wieder für das Ganze. Dies gilt besonders für den Sonntag und die großen Feiertage des Glaubens. Die Arbeitsruhe ist dabei nicht Selbstzweck, sondern eine Möglichkeit, »daß alle über genügend Zeit der Ruhe und der Muße verfügen, um ihr familiäres, kulturelles, gesellschaftliches und religiöses Leben zu pflegen«20. Ebenso sind familiäre Gedenktage eine gute Gelegenheit, sich auf den gemeinsamen Ursprung zu besinnen und unter Umständen, etwa durch ein versöhnendes Gespräch, kleine Verstimmungen zu glätten, die in der Hektik des Alltags entstanden sind. Auch Urlaub und Ferien sollen in einer Umgebung stattfinden, die nicht durch Frivolität oder dümmliche Libertinage gekennzeichnet ist.

In einer von natürlichen Tugenden geprägten Atmosphäre entfalten sich christliche Ideale und noble menschliche Anliegen. Dann ist die Familie wirklich die »Hauskirche«21 und der ideale Ausgangspunkt der Neuevangelisierung unserer Gesellschaft.

Bitten wir Maria, Mater pulchrae Dilectionis, die Mutter der Schönen Liebe, um die Fülle der Gnade Christi für die eigene und für alle Familien.

1 Mk 10,1-12. - 2 vgl. Dtn 24,1. - 3 Regensburger Neues Testament, Bd.2, Regensburg 1958, S.185. - 4 Mt 19,2. - 5 Mk 10,3-4. - 6 Regensburger Neues Testament, a.a.O., S.186. - 7 vgl. Mk 4,10.34; 7,17; 8,28. - 8 Mt 19,10. - 9 II. Vat. Konz., Konst. Gaudium et spes, 49. - 10 Johannes Paul II., Apost. Schreiben Familiaris consortio, 22.11.1981, 19. - 11 Johannes Paul II., Ansprache in Köln, 15.11.1980. - 12 ebd. - 13 ebd. - 14 Johannes Paul II., Apost. Schreiben Familiaris consortio, 22.11.1981, 45. - 15 ebd., 44. - 16 J.Höffner, Nur Du - und Du für immer, Köln 1980, S.7. - 17 ebd., S.13. - 18 ebd., S.10. - 19 zit. bei J.Pieper, Zustimmung zur Welt, München 1964, S.43. - 20 Katechismus der Katholischen Kirche, 2184. - 21 vgl. II. Vat. Konzil, a.a.O., 11.

von 23.05.2013 12:55

JAHRESKREIS
7. WOCHE - DONNERSTAG

7

WORAUF ES ANKOMMT

Lohn und Strafe.
Die Existenz der Hölle als Mahnung und Anruf.
Zeugnis statt Ärgernis.


I. Gestern hörten wir von der Reaktion unseres Herrn gegenüber einem Unbekannten, der in seinem Namen Dämonen austreibt. Im Unterschied zur Intoleranz der Jünger deutet Jesus an, daß jener Unbekannte in einem gewissen Sinne für ihn ist und dem Himmelreich nahe steht. Das heutige Evangelium1 setzt die Rede des Herrn fort. Dämonen austreiben ist etwas Spektakuläres. »Es gibt noch ganz andere, viel kleinere Werke, die auch schon im Namen Jesu getan werden können, auch die sind schon Zeichen des Glaubens an ihn, auch die werden von ihm anerkannt. Der Herr nennt ein allerkleinstes Werk: Ein Becher Wasser, zu trinken gereicht einem Jünger des Herrn - der Herr sagt aber nicht das Wort Jünger, sondern er schwächt auch da noch ab und will sagen: wenn dieser Becher irgend einem gereicht wird, nur weil der Empfänger irgendwie zu Christus gehört.«2

Er wird nicht um seinen Lohn kommen ... Gott vergißt auch nicht den geringsten Dienst, den man ihm - oder ihm im Nächsten - erweist. Es spornt an, von ihm zu hören, daß Gott kein Dienst - auch nicht der geringfügigste - entgeht, wenn er aus Liebe und Anteilnahme geschieht.

Alles, was ein Mensch im Laufe seines Lebens an Erfolgen verbuchen oder an glanzvollen Leistungen vollbringen mag, ist nichts im Vergleich zu Gottes Lohn für das Gute, das wir tun: dem Himmel. Dieser Lohn ist Geschenk, nicht die Frucht eigener Leistung, und doch auch nicht von unserem Tun oder Lassen gänzlich unabhängig. Deshalb liegt viel daran, die Gelegenheiten zum Bösen entschlossen zu meiden. Alles soll in die Zielgerade unseres Lebens, zu Gott zu gelangen, einmünden. Nichts ist dem ewigen Heil vorzuziehen.

Drastisch verdeutlicht der Herr, wie selbst Nötiges und Elementares zum Hindernis werden kann: Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab (...). Und wenn dich dein Fuß zum Bösen verführt, dann hau ihn ab (...). Und wenn dich dein Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus. Die Hand, der Fuß, das Auge, so nötig und wichtig sie auch sind, die beseligende Schau Gottes für die ganze Ewigkeit, sie ist das absolute Gut und allem vorzuziehen. Meistens geht es - Gott sei Dank - nicht um Hand, Fuß oder Auge, sondern um Kleinigkeiten, auf die wir ganz undramatisch verzichten können.

Christus nennt die Alternative dazu: in die Hölle geworfen zu werden, wo der Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt. Weil es so ist, müssen wir entschlossen alles meiden, was ihn beleidigen könnte. Auch das, was noch keine Sünde ist, uns aber in ihre Nähe bringen könnte, sollen wir entschlossen meiden. Weder mit dem eigenen noch mit dem Heil des Nächsten dürfen wir spielen.

Wir sagten schon, daß, wer Gott in allem gefallen will, es in der Regel mit nur kleinen Hindernissen zu tun haben wird: mit Launen, Ecken und Kanten des Charakters, wählerischen Ansprüchen beim Essen und Trinken, übertriebener Sorge um Gesundheit oder Wohlbefinden. Vielleicht sind diese Schwächen nicht einmal Sünde, aber sie erschweren das Vorankommen und begünstigen Stolpern oder Versagen in wichtigeren Dingen.

Wem das Ziel seines Lebens klar ist, der kann leichter großzügig sein und beharrlich im Kampf. Der Herr unterstützt diesen Kampf bei seinen Jüngern: die ungestüme Art des Petrus verwandelt er in Festigkeit; die vorschnelle Aufgeregtheit der Donnersöhne Johannes und Jakobus in den beharrlichen Eifer von Glaubensverkündern; den skeptischen Realismus des Thomas in ein wunderbares Zeugnis des Glaubens.

II. Christlich leben heißt Schritt für Schritt unterwegs sein zum Himmel. »Der Himmel ist das letzte Ziel und die Erfüllung der tiefsten Sehnsüchte des Menschen, der Zustand höchsten, endgültigen Glücks.«3 Alles Irdische im Lichte dieses letzten Zieles seinen der Schmerz und die Freude, die die Erholung, der Erfolg und die vorausgesetzt, man weiß es richtig einzuordnen, ähnlich wie man bei einem großen Unternehmen jede Einzelheit plant und sie gleichzeitig in einem umfassenderen Zusammenhang sieht. Fehlt dieses Licht, dann gerät der Mensch in die Gefahr, das Ziel seines Weges, seine Existenz auf Erden, zu verfehlen. Denn der Herr belehrt uns über die Alternative: entweder der Himmel - auf dem Weg durch das Fegefeuer, falls wir noch der Läuterung bedürfen - oder die Hölle, der Ort des unauslöschlichen Feuers4.

»Die Aussagen der Heiligen Schrift und die Lehren der Kirche über die Hölle sind eine Mahnung an den Menschen, seine Freiheit im Blick auf sein ewiges Schicksal verantwortungsvoll zu gebrauchen. Sie sind zugleich ein eindringlicher Aufruf zur Bekehrung: >Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt, und der Weg dahin ist breit, und viele gehen auf ihm. Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng, und der Weg dahin ist schmal, und nur wenige finden ihn< (Mt 7,13-14).«5

Wäre die Hölle nicht eine Wirklichkeit, hätte Christus nicht so klar von ihr gesprochen und uns nicht so oft: Seid wachsam! zugerufen. Der Zustand ewiger Verdammnis für jene, die das Böse nicht bereut haben und in schwerer Schuld sterben, wird im Alten Testament dunkel angedeutet6, im Neuen Testament aber deutlich ausgesprochen. Der Herr spricht vom ewigen Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist7. In zahlreichen Gleichnissen verkündet er, daß es nach dem Tode nicht nur die Seligkeit des Himmels, sondern auch die Qual und Verzweiflung der Hölle gibt.8 Dort werden die bösen Knechte bestraft, die den Willen des Herrn nicht erfüllt haben9, ebenso die törichten Jungfrauen, die, als der Bräutigam eintrifft, kein Öl - nämlich das der guten Werke - bei sich haben10, sowie der Gast, der ohne Hochzeitsgewand an der Festtafel sitzt11. Wer seinen Bruder schwer beleidigt soll dem Feuer der Hölle verfallen sein12; ebenso werden jene Verfluchten die ewige Strafe erhalten, die sich um die schwere Not ihres Nächsten nicht gekümmert haben13. Johannes der Täufer sagt von dem Kommenden, er werde in der Welt die Spreu vom Weizen trennen, um den Weizen in seine Scheune zu bringen und die Spreu im nie erlöschenden Feuer zu verbrennen14.

»Wenn man über das Geschick des Menschen nach dem Tode spricht, so muß man sich besonders vor Darstellungsweisen hüten, die sich ausschließlich auf willkürliche Phantasievorstellungen stützen (...). Jene Bilder hingegen, welche wir in der Heiligen Schrift verwandt finden, verdienen eine besondere Ehrfurcht. Man muß ihren tieferen Sinn verstehen und die Gefahr vermeiden, sie allzu sehr abzuschwächen, weil das oft die Wirklichkeit selbst verflüchtigt, die in diesen Bildern angedeutet wird.= 15 Die Bilder von der Hölle stehen für eine Realität - sie sind weder bloßes Symbol noch die naive Erfindung einer unaufgeklärten Zeit. Das Lehramt der Kirche hat diese Glaubenswahrheit stets gelehrt. In der Konstitution Lumen gentium des Zweiten Vatikanichen Konzils heißt es im Kapitel über den endzeitlichen Charakter der pilgernden Kirche: »Da wir aber weder Tag noch Stunde wissen, so müssen wir nach der Mahnung des Herrn standhaft wachen, damit wir am Ende unseres einmaligen Erdenlebens (vgl. Hebr 9,27) mit ihm zur Hochzeit einzutreten und den Gesegneten zugezählt zu werden verdienen (vgl. Mt 25,31-46) und nicht wie böse und faule Knechte (vgl. Mt 25,26) ins ewige Feuer weichen müssen (vgl. Mt 25,41), in die Finsternis draußen, wo Heulen und Zähneknirschen sein wird (Mt 22,13; 25,30).«15

Es wäre unverantwortlich, diese Glaubenswahrheit in der Verkündigung auszusparen oder vom eigenen Beten auszuschließen. Die Kirche kann »nicht ohne schwerwiegende Verstümmelung ihrer wesentlichen Botschaft auf eine beständige Katechese darüber verzichten, was der traditionelle christliche Sprachgebrauch als die vier Letzten Dinge des Menschen bezeichnet: Tod, Gericht, Hölle und Paradies. In einer Kultur, die den Menschen in sein mehr oder weniger gelungenes irdisches Leben einzuschließen sucht, verlangt man von den Hirten der Kirche eine Katechese, die mit der Gewißheit des Glaubens das Jenseits erschließt und erhellt: Jenseits der geheimnisvollen Pforten des Todes zeichnet sich eine Ewigkeit der Freude in der Gemeinschaft mit Gott oder der Strafe in der Ferne von ihm ab.«17

Indem wir uns heute fragen, ob wir entschlossen die Gelegenheiten zur Sünde meiden, bitten wir die Muttergottes, sie möge uns lehren, jede Sünde - auch die läßliche - zu verabscheuen.

III. Der Blick nach oben, zum Ziel unseres Lebens, hilft uns, nicht orientierungslos zu werden in den Niederungen des Alltags. Dann können wir auch jenen Orientierung sein, die uns nahestehen. Wir helfen ihnen mit unserer konsequenten Lebensweise - bester Erweis der Freundschaft - auf ihrem Weg zu Gott. Im heutigen Evangelium heißt es: Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde.

Was heißt mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer werfen? »Anschaulich heißt es im Griechischen >Eselsmühlstein<, das ist jener von den beiden aufeinander sich wälzenden Steinen in der Mühle, der gewöhnlich von einem Esel herumgedreht wurde. In der Mitte hatte dieser Stein natürlich ein Loch, um die Walze durchstecken zu können. Daher heißt es >herumgelegt< - das Wort ist von furchtbarer Anschaulichkeit, mit einem solchen Stein um den Hals konnte er nur in die Tiefe sinken!«18

Dieses Herrenwort steht im Kontext des Streits unter den Aposteln, wer von ihnen der Größte sei.19 Zuerst belehrt sie der Herr: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein. Dann macht er die Lehre anschaulich: er stellte ein Kind in ihre Mitte - wohl eines der gerade in der Nähe spielenden Kinder. Er nahm es in seine Arme. Die Geste wird zu einem Gleichnis, das zwei Gedanken verbindet: selbst wie ein Kind sein, um in das Himmelreich einzugehen, und sich in acht nehmen, den Kleinen und Schwachen kein Ärgernis zu geben.

Dann ist es, als richteten sich die Gedanken Christi nicht mehr auf die Jünger und ihre kindischen Querelen, sondern auf das leibhaftige Kind in seinen Armen. Was wird aus diesem gefährdeten Wesen werden?

Ärgernis geben bedeutet einen Menschen dadurch zu Fall bringen, daß man auf seinem Lebensweg zu einem Stein des Anstoßes wird, zu einem Stolperstein. Das Ärgernis - heißt es im Katechismus der katholischen Kirche - »ist eine Haltung oder ein Verhalten, das den Anderen zum Bösen verleitet. Wer Ärgernis gibt, wird zum Versucher seines Nächsten. Er gefährdet dessen Tugend und Rechtschaffenheit; er kann seinen Bruder in den seelischen Tod treiben.«20

Die Kleinen, das sind für Jesus wohl zuerst die Kinder: jenes, das er in seinen Armen hielt wie alle anderen, in deren offener Einfalt sich das Bild Gottes unverfälscht widerspiegeln kann. Aber Jesus denkt wohl auch an die vielen, die in irgendeinem Sinne »schwach« und »zerbrechlich« sind: »Welchen Wert muß der Mensch in den Augen des Schöpfers haben, wenn >er verdient hat, einen solchen und so großen Erlöser zu haben<, wenn Gott seinen Sohn hingegeben hat, damit er, der Mensch, nicht verlorengeht, sondern das ewige Leben hat (vgl. Joh 3,16)?«21

Durch Ärgernis geben kann das größte Werk Gottes - die Erlösung - in einem Menschen zunichte gemacht werden. Verführt und verstrickt in die Unerbittlichkeit der Sünde, geht er des Gnadenlebens verlustig, das kostbarer ist als das Leben des Leibes. Jetzt verstehen wir besser, warum dies Wort des Herrn so hart ist wie kaum ein anderes im Evangelium.

Wieviel Ärgernis wird Tag für Tag in der Welt gegeben! Der Herr erwartet von seinen Jüngern ein lebendiges Zeugnis und ein gutes Beispiel, aber auch Sühne und Wiedergutmachung. Die Worte des Herrn über die Hölle rufen uns dazu auf, für viele Menschen statt Stolpersteine verläßliche Weggefährten zum Heil zu sein. Mit einem alten Stoßgebet der Kirche bitten wir Maria: Iter para tutum!, bereite uns den sicheren Weg!

1 Mk 9,41-50. - 2 J.Dillersberger, Markus, Bd.4, Salzburg 1937, S.93. - 3 Katechismus der Katholischen Kirche, 1024. - 4 vgl. Mt 5,22; 13,42.50; Mk 9,43-48. - 5 Katechismus der Katholischen Kirche, 1036. - 6 vgl. Jes 24,21; 66,24; Weish 4,19 usw. - 7 Mt 25,41. - 8 vgl. Mt 13,24-30.47-50; Lk 14,16-24; 16,19-31 usw. - 9 vgl. Mt 24,51. - 10 vgl. Mt 25,1 ff. - 11 vgl. Mt 22,11-13. - 12 Mt 5,22. - 13 vgl. Mt 25,41 ff. - 14 vgl. Lk 3,17. - 15 Schreiben der Kongregation für die Glaubenslehre zu einigen Fragen der Eschatologie, 17.5.1979. - 16 II.Vat.Konz., Konst. Lumen gentium, 48. - 17 Johannes Paul II., Apost. Schreiben Reconciliatio et paenitentia, 2.12.84, 26. - 18 J.Dillersberger, a.a.O., S.98. - 19 vgl. Mk 9,33-37. - 20 Katechismus der Katholischen Kirche, 2284. - 21 Johannes Paul II., Enz. Redemptor hominis, 10.

von 22.05.2013 13:34

JAHRESKREIS
7. WOCHE - MITTWOCH

6

EINHEIT UND VIELFALT

Kein Monopolanspruch.
Vielfalt: ein Zeichen des Lebens.
Verschiedene Formen der Spiritualität.


I. Das heutige Evangelium1 schildert eine kurze, aber lehrreiche Episode. Den Jüngern ist aufgefallen, daß einer, der nicht zu ihrem Kreis gehört, im Namen Jesu Dämonen austreibt. Wer war dieser Unbekannte? Wir dürfen annehmen, daß er irgendwann einmal in Berührung mit Jesus gekommen war. Hatte er dessen heilende Macht selbst erfahren? Wir wissen es nicht. Die Jünger wundern sich darüber, daß auch einer, der nicht wie sie Jesus ganz nahe ist, in seinem Namen Machterweise wirken kann. Das Evangelium berichtet über ihre ungestüme Reaktion, wahrscheinlich mit dem Donnersohn2 Johannes an der Spitze, denn er ist es, der sich dann an Jesus wendet. Er tut es mit der Befangenheit dessen, der sich über den Ausgang der Angelegenheit unsicher ist, und deshalb hat seine Bemerkung den Klang einer Frage: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgte. Sucht er bei Jesus die Bestätigung, sie hätten sich richtig verhalten? Ahnt er vielleicht, daß der Herr es nicht gutheißen wird?

Tatsächlich werden die Jünger durch die Aufklärung des Herrn in einem wichtigen Punkt belehrt. Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. »Dieses Wort ist kein Gegensatz zu jenem anderen, bekannteren: Wer nicht für mich ist, der ist wider mich (Lk 11,23). Eher könnte man sagen, das Wort hier bei Markus erklärt genauer, was es heißt, für Christus zu sein. Ein Mann, der Dämonen austreibt in Seinem Namen, der glaubt an ihn. Auch wenn er nicht nachfolgt, ist er für Christus. Die Jünger sollen unterscheiden lernen: nicht alle, die nicht ständig Christus nachfolgen, sind schon gegen ihn.«3 Der Unbekannte handelt wohl auf eigene Faust, aber nicht in eigener Vollmacht: mit einer Spur Glauben beruft er sich auf Jesus, auf die Kraft seines Namens. Und Jesus nimmt ihn in Schutz und weist die enge Sicht seiner Jünger zurück.

Daraus lernen wir zunächst, offen zu sein gegenüber vielen, die gutwillig Christus verkünden, ohne ihn ganz zu kennen. Aber dieses Wort des Herrn verweist ebenso auf das apostolische Zeugnis derer, die ihn gut kennen. Bei der Christusnachfolge sind viele Schattierungen und Ausprägungen möglich: »Es gibt viele Formen des Apostolates, durch die die Laien die Kirche aufbauen, die Welt heiligen und in Christus beleben«4, heißt es in einem Text des Zweiten Vatikanischen Konzils. Keine Form der Spiritualität ist also »gültiger« oder »vorbildlicher« als andere, wenn sie sich aus Berufung und Sendung ergibt. Diese bestimmen die für eine konkrete Person jeweils gültige Ausprägung. Wenn eine apostolische Initiative - ob individuell oder von einer Gemeinschaft ausgehend - »= als andere, wenn sie sich aus Berufung und Sendung ergibt. Diese bestimmen die für eine konkrete Person jeweils gültige Ausprägung. Wenn eine apostolische Initiative - ob individuell oder von einer Gemeinschaft ausgehend - in rechter Weise in das Apostolat der Gesamtkirche eingeordnet«5 ist, dann verlangt die christliche Gesinnung, daß man sie achtet. Dies bedeutet nicht, daß man sich mit ihr auch identifizieren müßte. Aber freuen kann man sich immer, eingedenk des Wortes Jesu über die Ernte und die wenigen Arbeiter.6

Das Geschehen im heutigen Evangelium mag eine isolierte Begebenheit schildern, die Belehrung jedoch, die der Herr den Seinen erteilt, bleibt für alle Zeit gültig: Jesus weist den Monopolanspruch seiner Jünger zurück. Tatsächlich kann man sich kaum einen Christen vorstellen, der in einer Art geistlichen Totalitarismus’ seine eigene Vorstellung von christlicher Spiritualität oder vom apostolischen Zeugnis als die einzig gültige ansieht. Papst Johannes Paul II. spricht in Christifideles laici »von den endlosen und verschiedenen Modalitäten, nach denen alle und die einzelnen Glieder der Kirche als Arbeiter im Weinberg des Herrn arbeiten und den mystischen Leib Christi auferbauen.«7

Einheit ist etwas ganz anderes als eine Gleichförmigkeit, die die Seelen und die apostolischen Initiativen einengen würde. In der Kirche wächst eine wunderbare Vielfalt, Blumen vergleichbar, die ganz verschieden in Aroma, Farbe und Gestalt sind. Diese Vielfalt ist ein Reichtum zur Ehre Gottes. Deshalb heißt es: »Freue dich zu sehen, daß andere in guten apostolischen Werken arbeiten. - Bitte für sie um Gottes reiche Gnade und darum, daß sie dieser Gnade entsprechen. Aber du, weiter auf deinem Weg: sei gewiß, es gibt keinen anderen für dich.«8

II. Es gibt keine bessere Art, die uns anvertrauten Talente einzusetzen, als sich ganz dem Weg zu verschreiben, den man als gottgewollten für sich erkannt hat. Es ist nicht nur Zeitverschwendung, sondern auch eine überflüssige Versuchung, Vergleiche mit anderen geistlichen Lebensformen anzustellen. Denn die Folge daraus kann nur die Relativierung des eigenen Engagements sein.

»Das Pfingstwunder besteht darin, daß alle Wege dieser Erde ihre göttliche Weihe erhalten. Nie darf es dahingehend mißverstanden werden, daß nur einem einzigen Weg - auf Kosten der anderen Wege - ein Monopol oder eine ausschließliche Wertschätzung zukäme. Pfingsten: das ist die unbeschreibliche Vielfalt der Sprachen, der Umstände, der mannigfachen Formen, in denen wir Gott begegnen - keine aufgezwungene Gleichförmigkeit.«9

Vielfalt in der Einheit hat es von Anfang an gegeben. »Von Anfang an ist sich die Kirche bewußt, allen Völkern offenzustehen. Sie ist weder an eine Stadt noch an ein Reich gebunden, weder an eine Rasse noch an eine soziale Schicht. Jeder Partikularismus wäre die Aufhebung ihrer selbst. Sie ist weder Kirche der Sklaven noch der Herren, weder die der Römer noch der Barbaren, sondern die Kirche aller, denn sie läßt allen deutlich werden, daß sie Brüder sind. (...) Einheit und Katholizität gehören zusammen; die eine ist Grundlage und Lebenskraft der anderen.«10 So hat der Glaube von Anfang an alle erreicht: Männer und Frauen, Junge und Alte, Gesunde und Kranke, Freie und Sklaven, Gebildete und Ungebildete. Allen Getauften gemeinsam war die Einheit in der brüderlichen Liebe, in der überlieferten Lehre, in den Sakramenten und im Gehorsam gegen die legitimen Hirten.

Freuen wir uns also auch heute, wenn wir sehen, wie sich die Katholizität der Kirche in der Vielfalt der Apostolatsformen äußert. Die Kirche kann niemals in ihren Äußerungen uniform sein, denn sie soll alle Menschen erreichen, und Menschen sind nun einmal - Gott sei Dank - sehr verschieden. »Die Kirche ist auch darum katholisch, weil sie es versteht, die geoffenbarte Wahrheit, die sie in ihrem göttlichen Inhalt unversehrt behütet, in jeder menschlichen Umgebung so vorzulegen, daß es zu einer geistigen Begegnung mit den höchsten Ideen und den berechtigten Erwartungen jedes Menschen und jedes Volkes kommt. (...) Das Evangelium führt nicht zur Verarmung oder zur Auslöschung dessen, was jeder Mensch, jedes Volk und jede Nation, was jede Kultur während ihrer Geschichte als Wert, Wahrheit und Schönheit anerkennen und leben. Es regt vielmehr an, diese Werte aufzunehmen und sie weiter zu entwickeln: sie mit Freude und Großmut zu leben und im geheimnisvollen und erhebenden Licht der Offenbarung.«11

Das heutige Evangelium verweist nicht nur auf die Vielfalt, sondern auch auf die verschiedenen Intensitätsgrade des Zeugnisses für Christus. Der Herr läßt auch das gelten, was die Jünger für unzureichend halten. In unserem Alltag begegnen uns nicht nur Menschen, die engagiert Zeugnis geben, sondern auch solche, die sich für das Gute einsetzen, ohne sich jedoch ganz zu engagieren. Jesus weist sie nicht ab; und sein Wort an die Jünger klingt wie eine Mahnung an uns, »den Übereifer zu bändigen, der vor lauter Strebsamkeit nach dem Allerbesten das einfache Gute oft durch Härte verhindert oder übersieht«12.

Wir dürfen dort keine Grenzen ziehen, wo Jesus keine zog. Prüfen wir also, ob wir es verstehen, für die Vielfalt der Gaben Gottes in der Kirche und für die Mannigfaltigkeit der apostolischen Impulse dankbar zu sein. Denn aus dieser Dankbarkeit erwächst die konkrete Wertschätzung für jede gute Tat in Jesu Namen.

III. Die Vielfalt, die die Kirche von Anfang an aufweist, »rührt einerseits von der Unterschiedlichkeit der Gaben Gottes her, andererseits von der Vielzahl der sie empfangenden Menschen.«13 Ein Ausdruck dieser Vielfalt sind die verschiedenen liturgischen Uberlieferungen: »Die Kirchen ein und desselben geographischen und kulturellen Bereichs begannen allmählich, das Mysterium Christi in besonderen, kulturell geprägten Ausdrucksformen zu feiern. Unterschiede in den Formen finden sich bei der Art und Weise der Überlieferung des Glaubensgutes (vgl. 2 Tim 1,14), in der liturgischen Symbolik, im Aufbau der brüderlichen Gemeinschaft, im theologischen Verständnis der Mysterien und in Formen der Heiligkeit.= 14 Anders als die Vielfalt in der Liturgie - die wir nur selten erleben können - begegnet uns innerhalb der Kirche die Vielfalt in den Äußerungen der Spiritualität im Alltag.Christliche Spiritualität ist immer Nachfolge Christi und baut auf den Mitteln der Heiligung auf, die Christus seiner Kirche gegeben hat. Sie ist nie abstrakt, denn sie wird immer von konkreten Menschen gelebt, die von bestimmten sozialen, kulturellen, psychologischen und historischen Voraussetzungen geprägt sind. Dies bringt verschiedene Ausdifferenzierungen und Gewichtungen mit sich. Jeder Heilige gleicht dem anderen und ist doch von ihm verschieden. Die Nachfolge Christi, die ein bestimmter Mensch verwirklicht, ist angesichts seiner Begrenzungen eingeschränkt. Erst alle zusammen ergeben ein Bild Christi.

»Der große Reichtum an Verschiedenheiten steht der Einheit der Kirche nicht entgegen, sondern die Sünde und ihre Folgen belasten und bedrohen diese Gabe der Einheit unablässig.«15 Darum sollen wir wie der heilige Paulus bitten, die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens16: Einheit in der Wahrheit und in der Liebe und gleichzeitg lebendige Vielfalt in den Formen der Spiritualität, im theologischen Denken, in der Pastoral. »Insofern die Vielfalt wirklich Reichtum ausmacht und Fülle mit sich bringt, ist sie wahre Katholizität; der Pluralismus grundlegend verschiedener Meinungen führt jedoch zur Auflösung, Zerstörung und zum Verlust der Identität.«17

Der Heilige Geist ist das Band der Einheit und der Liebe, er öffnet der Kirche und jedem einzelnen vielfältige Wege der Heiligung. Wer ein bestimmtes Charisma, eine spezifische Berufung erhalten hat, trägt zum Aufbau der Kirche bei, indem er sich treu seinem besonderen Ruf stellt und den Weg geht, den Gott ihm gezeigt hat. Denn der Herr wartet auf uns dort, wo er uns hingestellt hat, und nicht anderswo.

»Du warst verblüfft darüber, daß ich die mangelnde >Gleichförmigkeit< in diesem Apostolat, in dem du arbeitest, guthieß. Und ich sagte dir: Einheit und Vielfalt. - Ihr müßt so verschieden sein, wie die Heiligen im Himmel verschieden sind, denn jeder von ihnen hat seine besondere persönliche Note. - Darüber hinaus aber müßt ihr euch gleichen wie die Heiligen, die keine Heiligen wären, wäre nicht jeder von ihnen eins mit Christus geworden.«18

Die Kirche gleicht einem menschlichen Organismus, dessen Glieder in ihrer Differenziertheit gleichzeitig zusammengehören.19 In ihr wird die natürliche Verschiedenheit von Charakteren, Neigungen und Meinungen über Gesellschaft, Wissenschaft oder Politik in allem, was nicht im Widerspruch zum Glauben und zur Lehre Christi steht, nicht nur respektiert, sondern gefördert. Mit einem Wort: Die Christen unserer Zeit und aller Zeiten bleiben vereint in Christus, in seiner Liebe und seiner Lehre, treu zur erhaltenen Berufung und verschieden in ihrer Persönlichkeit: jeder im Bemühen, Salz und Licht zu sein, brennende Kohle, Jünger Christi aus einem Guß.

1 Mk 9,38-40. - 2 vgl. Mk 3,17. - 3 J.Dillersberger, Markus, Salzburg 1937, S.92. - 4 II.Vat.Konz., Dekret Apostolicam actuositatem, 16. - 5 ebd., 23. - 6 vgl. Mt 9,37. - 7 Johannes Paul II., Apost. Schreiben Christifideles laici, 30.12.1988, 56. - 8 J.Escrivá, Der Weg, Nr.965. - 9 J.Escrivá, Die Spur des Sämanns, Nr.226. - 10 A. Hamman, Die ersten Christen, Stuttgart 1985, S.137. - 11 Johannes Paul II., Rundschreiben Slavorum Apostoli, 2.6.1985, 18. - 12 J.Dillersberger, Markus, Salzburg 1937, S.94. - 13 Katechismus der Katholischen Kirche, 814. - 14 ebd., 1202. - 15 ebd., 814. - 16 Eph 4,3. - 17 Schlußdokument der Außerordentlichen Bischofssynode 1985, II C 2. - 18 J.Escrivá, Der Weg, Nr.947. - 19 vgl. 1 Kor 12,13-27.

von 21.05.2013 12:48

JAHRESKREIS
7. WOCHE - DIENSTAG

5

EIN MESSIANISCHER PSALM

Christus ist die Mitte der Psalmen.
Bitte um Kraft zur Überwindung heutiger Hindernisse.
Christus, der König.


I. Die hundertfünfzig geistlichen Gedichte, die auf hebräisch - ganz ihrer literarischen Art entsprechend - Loblieder und auf griechisch psalmoi, also »Lieder zur Harfe« heißen, gehörten zur Tempelliturgie des Alten Bundes und zum Gottesdienst der Synagoge. Sie gehörten ebenso zum Gebetsschatz der jüdischen Familie. Jesus wird sie von Maria und Josef gelernt haben. »Die Psalmen sind das >Gebetbuch< Jesu Christi. Sie bilden die geistige Welt, in der der Erlöser, seiner Menschheit nach, lebt. So sehr gehören ihm die Bilder-, Ausdrucks- und Aussagewelt der Psalmen, daß sie ihm bei entscheidenden Situationen auf die Lippen kommen. Sie werden sogar sein Sterbegebet. Die Psalmen sind eben Geist vom Geiste Jesu Christi. Sie kommen aus der Höhe zum Menschensohn Christus Jesus und steigen wieder vom Menschensohn zur Höhe der göttlichen Herrlichkeit. Christus ist Anfang und Ziel der Psalmen. Christus ist die Mitte der Psalmen.«2 Sie sind »erst ein Schatten jener Fülle der Zeit, die in Christus, dem Herrn, angebrochen ist und aus der das Gebet der Kirche seine Kraft gewinnt«3.

Die Kirche betrachtet die Psalmen als »wichtigen Teil der heiligen Liturgie und des Gottesdienstes«4. Sie »betet mit jenen großartigen Liedern, die heilige Verfasser im Alten Bund auf Eingebung des Geistes Gottes gedichtet haben. Sie haben von ihrem Ursprung her die Kraft, Geist und Herz des Menschen zu Gott zu erheben und in ihnen fromme und heilige Gesinnung zu wecken. Im Glück helfen sie danksagen, im Unglück bringen sie Trost und Standhaftigkeit.= 4 Die Psalmen sind - vor allem im Stundengebet - die geborene Stimme der Kirche«5, »Quelle der Frömmigkeit und Nahrung für das persönliche Beten«6. Dies bezeugt Augustinus: »Wieviel weinte ich bei deinen Hymnen und Gesängen, heftig bewegt durch die Stimme deiner Kirche, die lieblich erklang. Diese Stimme strömte in meine Ohren ein, und klar und lauter floß die Wahrheit in mein Herz. Dort entzündete sie die Gefühle der Frömmigkeit.«7

Unter den Psalmen messianischen Charakters ragt der Psalm 2 hervor. Seine Mitte ist das geheimnisvolle Wort: Mein Sohn bist du. Heute habe ich dich gezeugt. »Glauben, daß der, der auf Golgota gestorben ist, zugleich derjenige sei, zu dem diese Worte gesagt sind, scheint ein unerhörter Widerspruch. Was bedeutet diese Anwendung des Wortes? Sie besagt, daß man die Königshoffnung Israels in dem am Kreuz Gestorbenen und für das Auge des Glaubens Auferweckten erfüllt weiß. Sie bedeutet die Überzeugung, daß zu dem, der am Kreuz starb; zu dem, der aller Macht der Welt entsagte (...); zu dem, der alle Schwerter beiseite legen ließ und nicht, wie es die Könige der Welt tun, andere für sich in den Tod schickte, sondern selbst in den Tod für andere ging; zu dem, der den Sinn des Menschseins nicht in der Macht und in deren Selbstbehauptung, sondern im radikalen Sein für die anderen sah, ja, der das Sein für die anderen war, wie das Kreuz es zeigt - daß zu ihm und zu ihm allein Gott gesagt hat: >Mein Sohn bist du, heute habe ich dich gezeugt.< Im Gekreuzigten wird für die Glaubenden sichtbar (...), was der wahre Sinn von Königtum ist.«8

Die Apostelgeschichte zeigt, wie die ersten Christen in diesem Psalm Kraft inmitten ihrer Prüfungen fanden9. Als Petrus und Johannes zum Hohen Rat geführt wurden, weil sie im Namen Jesu einen Gelähmten am Tor des Tempels geheilt hatten, gaben sie mutig Zeugnis. Nach ihrer Freilassung gingen sie zu den Ihren und berichteten alles, was die Hohenpriester und die Ältesten zu ihnen gesagt hatten. Dann beteten sie alle zusammen zu Gott: Herr, du hast den Himmel, die Erde und das Meer geschaffen und alles, was dazu gehört; du hast durch den Mund unseres Vaters David, deines Knechtes, durch den Heiligen Geist gesagt: Warum toben die Völker, warum machen die Nationen vergebliche Pläne? Die Könige der Erde stehen auf, und die Herrscher haben sich verbündet gegen den Herrn und seinen Gesalbten.10 Sie baten den Herrn um die Kraft, trotz aller Drohungen sein Wort mit allem Freimut weiter zu verkünden, denn sie wußten: dies war ihr Auftrag und ihre Verantwortung.

II. Die Worte, die der Psalmist an den Herrn zu einem Zeitpunkt richtet, da Jerusalem von feindseligen Völkern und Fürsten bedroht ist, sind prophetische Worte. Vom geschichtlichen Boden des Königtums ausgehend, erfüllen sie sich in Christus und bleiben seitdem gültig. Auch wir können mit Recht beten: Warum toben die Völker, warum machen die Nationen vergebliche Pläne? Warum so viel Haß und so viel Bosheit in der Welt? Der Widerstreit, der mit der Ursünde begann, dauert fort: Die Mächtigen der Erde verbünden sich gegen Gott und gegen alles, was von Gott ist. Die Würde alter Menschen, von Ungeborenen und Wehrlosen wird mißachtet, die Kirche verunglimpft, Christus selbst verhöhnt, Menschen, die dem Glauben treu bleiben wollen, verachtet.

Aber Gott ist stärker. Zu ihm, dem lebenspendenden Felsen11 gingen Petrus und Johannes und alle, die an jenem Tag mit ihnen versammelt waren. Am Ende ihres Gebetes - berichtet Lukas - wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt, und sie verkündeten freimütig das Wort Gottes12.

Dies ist »kein einmaliges, in sich abgeschlossenes Geschehen gewesen. Für immer ist er in der Kirche wirksam, aber immer auch von neuem und individuell und >situativ< in jedem einzelnen Gläubigen. Die Ausgießung des Heiligen Geistes ist das Lebensprinzip der ganzen Kirche auf Erden und auch das Belebungs- und das Steuerungsprinzip des einzelnen Menschenherzens. Nur dessen eigener böser Wille kann das verhindern und zunichte machen.«13 Wenn wir heute diesen Psalm beten, bitten wir um Kraft zur Überwindung der Hindernise in einer Welt, die sich Gott entfremdet. Wie die Jünger damals, bauen wir auf das gläubige Bewußtsein unserer Gotteskindschaft und das Königsein Jesu Christi14.

Laßt uns ihre Fesseln zerreißen und von uns werfen ihre Stricke. Ein weltweites Aufbegehren. »Sie durchbrechen das sanfte Joch, sie werfen von sich seine liebenswerte Bürde der Heiligkeit und der Gerechtigkeit, der Gnade, der Liebe und des Friedens. Sie wüten gegen die Liebe, sie verspotten die wehrlose Güte eines Gottes, der auf Legionen von Engeln, die ihn verteidigen könnten, verzichtet (vgl. Joh 18,36).= 14 Doch er, der im Himmel thront, lacht, der Herr verspottet sie. Dann aber spricht er zu ihnen im Zorn, in seinem Grimm wird er sie erschrecken. Und doch scheinen hier auf Erden viele Widersacher Gottes zu triumphieren. Die Menschheitsgeschichte - auch userer Zeit - ist voll von Namen, deren Erwähnung uns Grauen einflößt - Orte wie Menschen. Denn die Geschichte »ist, wie Augustinus in seinem >Gottesstaat< gezeigt hat, ein ständiger Kampf zwischen zwei Reichen: dem Reich Gottes und dem Reich des Bösen (des Satans). Sie unterscheiden sich durch zweierlei Liebe: Gottesliebe und Selbstliebe. Meist ist beides miteinander vermischt. Deshalb darf man einzelne geschichtliche Ereignisse nicht vorschnell als Zeichen Gottes oder als Ausgeburt des Bösen deuten. Man muß vielmehr wissen, daß Gott ein verborgener Gott ist, der uns allein in Jesus Christus eindeutig erschienen ist. Allein von Jesus Christus her haben wir den Maßstab, um die Geschichte und das Leben zu beurteilen.«15

Derselbe Augustinus meint, Zorn Gottes sei bereits die geistige Blindheit derer, die sich gegen das göttliche Gesetz versündigen.16 Andrerseits meint ein anderer Kirchenvater - Hieronymus -, der Zorn, von dem im Psalm die Rede ist, sei »nicht sosehr Zorn wie die nötige Zurechtweisung, so wie der Vater dem Sohn, der Arzt dem Kranken, der Lehrer dem Schüler sie erteilt«17.

Gott ist geduldig und will, daß alle Menschen gerettet werden18. Jedoch ist die Zeit des geduldigen Erbarmens nicht unbegrenzt: denn für jeden Menschen kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann19.

Papst Johannes Paul II. hat sich der Barmherzigkeit Gottes zu verschließen als eines der Merkmale unserer Zeit charakterisiert. Der Mensch »bleibt in der Sünde gefangen, indem er von seiner Seite her seine Bekehrung und damit die Sündenvergebung unmöglich macht, die er als unwesentlich und unbedeutsam für sein Leben erachtet. Dies ist eine Situation des geistlichen Ruins.«20

Wir, die wir Christus nahe sein wollen, müssen durch Sühne die gewaltsame Ablehnung Gottes von so vielen Menschen wiedergutzumachen suchen.

III. Das Mysterium des Bösen ist die bedrängendste Frage im Kontext der menschlichen Freiheit. Der Psalm 2 proklamiert das alles überwindende Königsein Christi: Ich selber habe meinen König eingesetzt auf Sion, meinem heiligen Berg. Den Beschluß des Herrn will ich kundtun. Er sprach zu mir: Mein Sohn bist du. Heute habe ich dich gezeugt. »Gott, unser Vater, hat uns in seinem Erbarmen seinen Sohn zum König gegeben. Er droht und ist zugleich mild; er kündigt uns seinen Zorn an und schenkt uns seine Liebe. Mein Sohn bist du: Er wendet sich an Christus und er wendet sich an dich und an mich, wenn wir uns dazu entschließen, alter Christus, ipse Christus zu sein.

Die Sprache vermag nicht mehr auszudrücken, was das Herz angesichts der Güte Gottes empfindet. Er sagt zu uns: Du bist mein Sohn; nicht ein Fremder, nicht ein Knecht, den man gütig behandelt, nicht ein Freund - das wäre schon viel -, ein Sohn!«21 Dies ist unsere Zuflucht: die Gotteskindschaft. Hier finden wir die nötige Stärke gegen die Widrigkeiten eines Milieus, das sich oft gegenüber der christlichen Sicht des Lebens feindselig zeigt.

Gott, unser Vater, bleibt uns immer nahe. Seine Gegenwart wirkt überall: in den Herzen der Menschen wie in den Ereignissen der Geschichte, im Kleinen wie im Großen. Überall wartet Gott auf uns, daß wir zu ihm gehen - mit unseren Bitten und unseren Nöten: Fordere von mir, und ich gebe dir die Völker zum Erbe, die Enden der Erde zum Eigentum. Besonders im Umgang mit dem eucharistischen Herrn - bei der Kommunion oder in Anbetung vor dem Tabernakel - können wir ihn an dieses Wort Fordere von mir ... erinnern.

Johannes Chrysostomos vergleicht die Verheißungen Christi mit den Verheißungen im Alten Testament: »Uns ist ja nicht ein Land verheißen, das von Milch und Honig fließt, kein langes Alter und reicher Kindersegen, nicht Brot und Wein, Schaf- und Rinderherden; nein, unser harrt der Himmel und sein Glück, wir werden Kinder Gottes sein und Bruder seines Eingeborenen, gemeinsam unser Erbe besitzen, mit ihm Ruhm und Herrschaft teilen und tausend andere Gaben empfangen.«22

Du wirst sie zerschlagen mit eiserner Keule, wie Krüge aus Ton wirst du sie zertrümmern. Nun denn, ihr Könige, kommt zur Einsicht, laßt euch warnen, ihr Gebieter der Erde! Dient dem Herrn in Furcht und küßt ihm mit Beben die Füße. Christus hat mit seinem Tod am Kreuz vor all seinen Feinden triumphiert. Einige Väter wagen den Vergleich, die eiserne Keule sei das Kreuz, ein Holz mit eiserner Kraft.23 Das Kreuz ist das Zeichen des Christen, das alles Widrige wie Krüge aus Ton zerbricht. Das Kreuz in unserem Verstand, in unserem Herzen, in all unseren Werken - dies heißt, ein Leben zu führen, das sich vor dem Opfer nicht fürchtet und die freiwillige Askese bejaht.

Der Psalm endet mit einem Aufruf des Vertrauens auf Gott. Wohl allen, die ihm vertrauen. In deinen Händen ruht der Menschen Schicksal. Nichts kann auf Erden deiner Macht entgleiten. Du sprichst das Urteil über alle Völker, voll des Erbarmens. Reiche entstehen, blühen und zerfallen, aber das deine überdauert alle, denn deine Herrschaft ist von Gott verliehen, ewigen Ursprungs.24

1 Th.Schnitzler, Was das Stundengebet bedeutet, Freiburg 1980, S.142. - 2 Allgemeine Einführung in das Stundengebet, 101. - 3 Pius X., Apost.Schreiben Divino afflatu, 1.11.1911. - 4 Allgemeine Einführung in das Stundengebet, 100. - 5 Basilius, Homilie zu Psalm 1, 2. - 6 II. Vat. Konzil, Konst. Sacrosanctum Concilium, 90. - 7 Augustinus, Bekenntnisse, 9,6. - 8 J.Ratzinger, Einführung in das Christentum, München 1968, S.176. - 9 vgl. Apg 4,23-31. - 10 Apg 4,24-26. - 11 1 Kor 10,4. - 12 Apg 4,29-31. - 13 P.Berglar, Petrus - Vom Fischer zum Stellvertreter, München 1991, S.190. - 14 J.Escrivá, Christus begegnen, 185. - 15 Katholischer Erwachsenen-Katechismus, Bonn 1985, S.127. - 16 Augustinus, Erklärung der Psalmen, 2,4. - 17 Hieronymus, Erklärung der Psalmen, 2. - 18 1 Tim 2,4. - 19 Joh 9,4. - 20 Johannes Paul II., Enz. Dominum et vivificantem, 46-47. - 21 J.Escrivá, Christus begegnen, 185. - 22 Johannes Chrysostomos, Homilien über das Matthäusevangelium, 16,5. - 23 vgl. Athanasius, Kommentar zu den Psalmen, 2,6. - 24 Erste Vesper vom Christkönigssonntag, Hymnus.

von esther10 21.05.2013 00:48



blog-e48134-NEUER-Blog-Nachrichten-von-Kirche-und-Welt.html

21 Mai 2013, 11:55
Der Exorzismus des Papstes

Ein Befreiungsgebet auf dem Petersplatz? Von Armin Schwibach

Rom Eine der sichtbaren Änderungen bei den großen Begegnungen mit dem Papst (Generalaudienz, nach den Messen auf dem Petersplatz) besteht darin, dass es keine „prima fila“ („erste Reihe“) mehr gibt. War es früher einigen Einzelpersonen oder Vertretern von Vereinigungen und Institutionen möglich, zum Heiligen Vater zum sogenannten „baciamano“ („Ringkuss“) vorgelassen zu werden (was bei vielen jenseits einer besonderen Verbundenheit mit dem Papst auch zu Zwecken der Selbstdarstellung genutzt wurde), so hat Papst Franziskus mit dieser Tradition gebrochen.

Besser gesagt: in der „prima fila“ sitzen heute über 100 Personen, vor allem Kranke, Behinderte und Leidende, die vom Papst einzeln und persönlich begrüßt werden. Daher dauert heute die Generalaudienz bedeutend länger, da sich Franziskus für diese besondere „prima fila“ auch über eine Stunde Zeit nimmt. Die Begegnungen sind intensiv und berührend, vor allem wenn ein Behinderter im Rollstuhl zum Papst sagt: „Danke, dass es Sie gibt“; oder wenn sich Franziskus von den Leuten in ein Gespräch verwickeln lässt: „Sie sollten heilig gesprochen werden“, meinte ein Kranker nach der Heiligsprechung am 12 Mai. „Zuerst aber selig! “, erwiderte Franziskus mit einem Augenzwinkern. Den Menschen ist es so möglich, in einen direkten Dialog mit dem Papst zu treten, der sich nie zurückzieht und keiner Umarmung ausweicht.

So auch nach der heiligen Messe am Pfingstsonntag. Eine Begegnung jedoch war besonderer Art. Die Videoaufnahmen zeigen, wie einer der Kranken, ein junger Mann, Franziskus von einem Priester vorgestellt wird. Der Priester spricht einige Worte mit dem Papst, dessen Gesicht mit einem Schlag sehr ernst wird. Franziskus beschränkte sich nicht auf einen Segen mit Kreuzzeichen auf die Stirn. Der Papst legte dem jungen Mann die Hände auf. Dieser fuhr etwas in sich und öffnete den Mund.

Der Fernsehsender der italienischen Bischofskonferenz „TV 2000“ befragte zu diesem Ereignis einige Exorzisten. Diese bestätigten in der wöchentlichen Sendung „Vade retro“, dass es sich bei dieser Geste des Papstes um ein Befreiungsgebet gehandelt habe.

Der Direktor des vatikanischen Presseamtes, P. Federico Lombardi SJ, äußerte sich zu dieser Hypothese auf eine Anfrage: „Es war nicht Absicht des Papstes gewesen, auf dem Petersplatz einen Exorzismus zu praktizieren. Vielmehr wollte Franziskus für einen leidenden Menschen beten, der ihm vorgestellt wurde“.

Das Video des Befreiungsgebetes




1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29 | 30 | 31 | 32 | 33 | 34 | 35 | 36 | 37 | 38 | 39 | 40 | 41 | 42 | 43 | 44 | 45 | 46 | 47 | 48 | 49 | 50 | 51 | 52 | 53 | 54 | 55 | 56 | 57 | 58 | 59 | 60 | 61 | 62 | 63 | 64 | 65 | 66 | 67 | 68 | 69 | 70 | 71 | 72 | 73 | 74 | 75 | 76 | 77 | 78 | 79 | 80 | 81 | 82 | 83 | 84 | 85 | 86 | 87 | 88 | 89 | 90 | 91 | 92 | 93 | 94 | 95 | 96 | 97 | 98 | 99 | 100 | 101 | 102 | 103 | 104 | 105 | 106 | 107 | 108 | 109 | 110 | 111 | 112 | 113 | 114 | 115 | 116 | 117 | 118 | 119 | 120 | 121 | 122 | 123 | 124 | 125 | 126 | 127 | 128 | 129 | 130 | 131 | 132 | 133 | 134 | 135 | 136 | 137 | 138 | 139 | 140 | 141 | 142 | 143 | 144 | 145 | 146 | 147 | 148 | 149 | 150 | 151 | 152 | 153 | 154 | 155 | 156 | 157 | 158 | 159 | 160 | 161 | 162 | 163 | 164 | 165 | 166 | 167 | 168 | 169 | 170 | 171 | 172 | 173 | 174 | 175 | 176 | 177 | 178 | 179 | 180 | 181 | 182 | 183 | 184 | 185 | 186 | 187 | 188 | 189 | 190 | 191 | 192 | 193 | 194 | 195 | 196 | 197 | 198 | 199 | 200 | 201 | 202 | 203 | 204 | 205 | 206 | 207 | 208 | 209 | 210 | 211 | 212 | 213 | 214 | 215 | 216 | 217 | 218 | 219 | 220 | 221 | 222 | 223 | 224 | 225 | 226 | 227 | 228 | 229 | 230 | 231 | 232 | 233 | 234 | 235 | 236 | 237 | 238 | 239 | 240 | 241 | 242 | 243 | 244 | 245 | 246 | 247 | 248 | 249 | 250 | 251 | 252 | 253 | 254 | 255 | 256 | 257 | 258 | 259 | 260 | 261 | 262 | 263 | 264 | 265 | 266 | 267 | 268 | 269 | 270 | 271 | 272 | 273 | 274 | 275 | 276 | 277 | 278 | 279 | 280 | 281 | 282 | 283 | 284 | 285 | 286 | 287 | 288 | 289 | 290 | 291 | 292 | 293 | 294 | 295 | 296 | 297 | 298 | 299 | 300 | 301 | 302 | 303 | 304 | 305 | 306 | 307 | 308 | 309 | 310 | 311 | 312 | 313 | 314 | 315 | 316 | 317 | 318 | 319 | 320 | 321 | 322 | 323 | 324 | 325 | 326 | 327 | 328 | 329 | 330 | 331 | 332 | 333 | 334 | 335 | 336 | 337 | 338 | 339 | 340 | 341 | 342 | 343 | 344 | 345 | 346 | 347 | 348 | 349 | 350 | 351 | 352 | 353 | 354 | 355 | 356 | 357 | 358 | 359 | 360 | 361 | 362 | 363 | 364 | 365 | 366 | 367 | 368 | 369 | 370 | 371 | 372 | 373 | 374 | 375 | 376 | 377 | 378 | 379 | 380 | 381 | 382 | 383 | 384 | 385 | 386 | 387 | 388 | 389 | 390 | 391 | 392 | 393 | 394 | 395 | 396 | 397 | 398 | 399 | 400 | 401 | 402 | 403 | 404 | 405 | 406 | 407 | 408 | 409 | 410 | 411 | 412 | 413 | 414 | 415 | 416 | 417 | 418 | 419 | 420 | 421 | 422 | 423 | 424 | 425 | 426 | 427 | 428 | 429 | 430 | 431 | 432 | 433 | 434 | 435 | 436 | 437 | 438 | 439 | 440 | 441 | 442 | 443 | 444 | 445 | 446 | 447 | 448 | 449 | 450 | 451 | 452 | 453 | 454 | 455 | 456 | 457 | 458 | 459 | 460 | 461 | 462 | 463 | 464 | 465 | 466 | 467 | 468 | 469 | 470 | 471 | 472 | 473 | 474 | 475 | 476 | 477 | 478 | 479 | 480 | 481 | 482 | 483 | 484 | 485 | 486 | 487 | 488 | 489 | 490 | 491 | 492 | 493 | 494 | 495 | 496 | 497 | 498 | 499 | 500 | 501 | 502 | 503 | 504 | 505 | 506 | 507 | 508 | 509 | 510 | 511 | 512 | 513 | 514 | 515 | 516 | 517 | 518 | 519 | 520 | 521 | 522 | 523 | 524 | 525 | 526 | 527 | 528 | 529 | 530 | 531 | 532 | 533 | 534 | 535 | 536 | 537 | 538 | 539 | 540 | 541 | 542 | 543 | 544 | 545 | 546 | 547 | 548 | 549 | 550 | 551 | 552 | 553 | 554 | 555 | 556 | 557 | 558 | 559 | 560 | 561 | 562 | 563 | 564 | 565 | 566 | 567 | 568 | 569 | 570 | 571 | 572 | 573 | 574 | 575 | 576 | 577 | 578 | 579 | 580 | 581 | 582 | 583 | 584 | 585 | 586 | 587 | 588 | 589 | 590 | 591 | 592 | 593 | 594 | 595 | 596 | 597 | 598 | 599 | 600 | 601 | 602 | 603 | 604 | 605 | 606 | 607 | 608 | 609 | 610 | 611 | 612 | 613 | 614 | 615 | 616 | 617 | 618 | 619 | 620 | 621 | 622 | 623 | 624 | 625 | 626 | 627 | 628 | 629 | 630 | 631 | 632 | 633 | 634 | 635 | 636 | 637 | 638 | 639 | 640 | 641 | 642 | 643 | 644 | 645 | 646 | 647 | 648 | 649 | 650 | 651 | 652 | 653 | 654 | 655 | 656 | 657 | 658 | 659 | 660 | 661 | 662 | 663 | 664 | 665 | 666 | 667 | 668 | 669 | 670 | 671 | 672 | 673 | 674 | 675 | 676 | 677 | 678 | 679 | 680 | 681 | 682 | 683 | 684 | 685 | 686 | 687 | 688 | 689 | 690 | 691 | 692 | 693 | 694 | 695 | 696 | 697 | 698 | 699 | 700 | 701 | 702 | 703 | 704 | 705 | 706 | 707 | 708 | 709 | 710 | 711 | 712 | 713 | 714 | 715 | 716 | 717 | 718 | 719 | 720 | 721 | 722 | 723 | 724 | 725 | 726 | 727 | 728 | 729 | 730 | 731 | 732 | 733 | 734 | 735 | 736 | 737 | 738 | 739 | 740 | 741 | 742 | 743 | 744 | 745 | 746 | 747 | 748 | 749 | 750 | 751 | 752 | 753 | 754 | 755 | 756 | 757 | 758 | 759 | 760 | 761 | 762 | 763 | 764 | 765 | 766 | 767 | 768 | 769 | 770 | 771 | 772 | 773 | 774 | 775 | 776 | 777 | 778 | 779 | 780 | 781 | 782 | 783 | 784 | 785 | 786 | 787 | 788 | 789 | 790 | 791 | 792 | 793 | 794 | 795 | 796 | 797 | 798 | 799 | 800 | 801 | 802 | 803 | 804 | 805 | 806 | 807 | 808 | 809 | 810 | 811 | 812 | 813 | 814 | 815 | 816 | 817 | 818 | 819 | 820 | 821 | 822 | 823 | 824 | 825 | 826 | 827 | 828 | 829 | 830 | 831 | 832 | 833 | 834 | 835 | 836 | 837 | 838 | 839 | 840 | 841 | 842 | 843 | 844 | 845 | 846 | 847 | 848 | 849 | 850 | 851 | 852 | 853 | 854 | 855 | 856 | 857 | 858 | 859 | 860 | 861 | 862 | 863 | 864 | 865 | 866 | 867 | 868 | 869 | 870 | 871 | 872 | 873 | 874 | 875 | 876 | 877 | 878 | 879 | 880 | 881 | 882 | 883 | 884 | 885 | 886 | 887 | 888 | 889 | 890 | 891 | 892 | 893 | 894 | 895 | 896 | 897 | 898 | 899 | 900 | 901 | 902 | 903 | 904 | 905 | 906 | 907 | 908 | 909 | 910 | 911 | 912 | 913 | 914 | 915 | 916 | 917 | 918 | 919 | 920 | 921 | 922 | 923 | 924 | 925 | 926 | 927 | 928 | 929 | 930 | 931 | 932 | 933 | 934 | 935 | 936 | 937 | 938 | 939 | 940 | 941 | 942 | 943 | 944 | 945 | 946 | 947 | 948 | 949 | 950 | 951 | 952 | 953 | 954 | 955 | 956 | 957 | 958 | 959 | 960 | 961 | 962 | 963 | 964 | 965 | 966 | 967 | 968 | 969 | 970 | 971 | 972 | 973 | 974 | 975 | 976 | 977 | 978 | 979 | 980 | 981 | 982 | 983 | 984 | 985 | 986 | 987 | 988 | 989 | 990 | 991 | 992 | 993 | 994 | 995 | 996 | 997 | 998 | 999 | 1000 | 1001 | 1002 | 1003 | 1004 | 1005 | 1006 | 1007 | 1008 | 1009 | 1010 | 1011 | 1012 | 1013 | 1014 | 1015 | 1016 | 1017 | 1018 | 1019 | 1020 | 1021 | 1022 | 1023 | 1024 | 1025 | 1026 | 1027 | 1028 | 1029 | 1030 | 1031 | 1032 | 1033 | 1034 | 1035 | 1036 | 1037 | 1038 | 1039 | 1040 | 1041 | 1042 | 1043 | 1044 | 1045 | 1046 | 1047 | 1048 | 1049 | 1050 | 1051 | 1052 | 1053 | 1054 | 1055 | 1056 | 1057 | 1058 | 1059 | 1060 | 1061 | 1062 | 1063 | 1064 | 1065 | 1066 | 1067 | 1068 | 1069 | 1070 | 1071 | 1072 | 1073 | 1074 | 1075 | 1076 | 1077 | 1078 | 1079 | 1080 | 1081 | 1082 | 1083 | 1084 | 1085 | 1086 | 1087 | 1088 | 1089 | 1090 | 1091 | 1092 | 1093 | 1094 | 1095 | 1096 | 1097 | 1098 | 1099 | 1100 | 1101 | 1102 | 1103 | 1104 | 1105 | 1106 | 1107 | 1108 | 1109 | 1110 | 1111 | 1112 | 1113 | 1114 | 1115 | 1116 | 1117 | 1118 | 1119 | 1120 | 1121 | 1122 | 1123 | 1124 | 1125 | 1126 | 1127 | 1128 | 1129 | 1130 | 1131 | 1132 | 1133 | 1134 | 1135 | 1136 | 1137 | 1138 | 1139 | 1140 | 1141 | 1142 | 1143 | 1144 | 1145 | 1146 | 1147 | 1148 | 1149 | 1150 | 1151 | 1152 | 1153 | 1154 | 1155 | 1156 | 1157 | 1158 | 1159 | 1160 | 1161 | 1162 | 1163 | 1164 | 1165 | 1166 | 1167 | 1168 | 1169 | 1170 | 1171 | 1172 | 1173 | 1174 | 1175 | 1176 | 1177 | 1178 | 1179 | 1180 | 1181 | 1182 | 1183 | 1184 | 1185 | 1186 | 1187 | 1188 | 1189 | 1190 | 1191 | 1192 | 1193 | 1194 | 1195 | 1196 | 1197 | 1198 | 1199 | 1200 | 1201 | 1202 | 1203 | 1204 | 1205 | 1206 | 1207 | 1208 | 1209 | 1210 | 1211 | 1212 | 1213 | 1214 | 1215 | 1216 | 1217 | 1218 | 1219 | 1220 | 1221 | 1222 | 1223 | 1224 | 1225 | 1226 | 1227 | 1228 | 1229 | 1230 | 1231 | 1232 | 1233 | 1234 | 1235 | 1236 | 1237 | 1238 | 1239 | 1240 | 1241 | 1242 | 1243 | 1244 | 1245 | 1246 | 1247 | 1248 | 1249 | 1250 | 1251 | 1252 | 1253 | 1254 | 1255 | 1256 | 1257 | 1258 | 1259 | 1260 | 1261 | 1262 | 1263 | 1264 | 1265 | 1266 | 1267 | 1268 | 1269 | 1270 | 1271 | 1272 | 1273 | 1274 | 1275 | 1276 | 1277 | 1278 | 1279 | 1280 | 1281 | 1282 | 1283 | 1284 | 1285 | 1286 | 1287 | 1288 | 1289 | 1290 | 1291 | 1292 | 1293 | 1294 | 1295 | 1296 | 1297 | 1298 | 1299 | 1300 | 1301 | 1302 | 1303 | 1304 | 1305 | 1306 | 1307 | 1308 | 1309 | 1310 | 1311 | 1312 | 1313 | 1314 | 1315 | 1316 | 1317 | 1318 | 1319 | 1320 | 1321 | 1322 | 1323 | 1324 | 1325 | 1326 | 1327 | 1328 | 1329 | 1330 | 1331 | 1332 | 1333 | 1334 | 1335 | 1336 | 1337 | 1338 | 1339 | 1340 | 1341 | 1342 | 1343 | 1344 | 1345 | 1346 | 1347 | 1348 | 1349 | 1350 | 1351 | 1352 | 1353 | 1354 | 1355 | 1356 | 1357 | 1358 | 1359 | 1360 | 1361 | 1362 | 1363 | 1364 | 1365 | 1366 | 1367 | 1368 | 1369 | 1370 | 1371 | 1372 | 1373 | 1374 | 1375 | 1376 | 1377 | 1378 | 1379 | 1380 | 1381 | 1382 | 1383 | 1384 | 1385 | 1386 | 1387 | 1388 | 1389 | 1390 | 1391 | 1392 | 1393 | 1394 | 1395 | 1396 | 1397 | 1398 | 1399 | 1400 | 1401 | 1402 | 1403 | 1404 | 1405 | 1406 | 1407 | 1408 | 1409 | 1410 | 1411 | 1412 | 1413 | 1414 | 1415 | 1416 | 1417 | 1418 | 1419 | 1420 | 1421 | 1422 | 1423 | 1424 | 1425 | 1426 | 1427 | 1428 | 1429 | 1430 | 1431 | 1432 | 1433 | 1434 | 1435 | 1436 | 1437 | 1438 | 1439 | 1440 | 1441 | 1442 | 1443 | 1444 | 1445 | 1446 | 1447 | 1448 | 1449 | 1450 | 1451 | 1452 | 1453 | 1454 | 1455 | 1456 | 1457 | 1458 | 1459 | 1460 | 1461 | 1462 | 1463 | 1464 | 1465 | 1466 | 1467 | 1468 | 1469 | 1470 | 1471 | 1472 | 1473 | 1474 | 1475 | 1476 | 1477 | 1478 | 1479 | 1480 | 1481 | 1482 | 1483 | 1484 | 1485 | 1486 | 1487 | 1488 | 1489 | 1490 | 1491 | 1492 | 1493 | 1494 | 1495 | 1496 | 1497 | 1498 | 1499 | 1500 | 1501 | 1502 | 1503 | 1504 | 1505 | 1506 | 1507 | 1508 | 1509 | 1510 | 1511 | 1512 | 1513 | 1514 | 1515 | 1516 | 1517 | 1518 | 1519 | 1520 | 1521 | 1522 | 1523 | 1524 | 1525 | 1526 | 1527 | 1528 | 1529 | 1530 | 1531 | 1532 | 1533 | 1534 | 1535 | 1536 | 1537 | 1538 | 1539 | 1540 | 1541 | 1542 | 1543 | 1544 | 1545 | 1546 | 1547 | 1548 | 1549 | 1550 | 1551 | 1552 | 1553 | 1554 | 1555 | 1556 | 1557 | 1558 | 1559 | 1560 | 1561 | 1562 | 1563 | 1564 | 1565 | 1566 | 1567 | 1568 | 1569 | 1570 | 1571 | 1572 | 1573 | 1574 | 1575 | 1576 | 1577 | 1578 | 1579 | 1580 | 1581 | 1582 | 1583 | 1584 | 1585 | 1586 | 1587 | 1588 | 1589 | 1590 | 1591 | 1592 | 1593 | 1594 | 1595 | 1596 | 1597 | 1598 | 1599 | 1600 | 1601 | 1602 | 1603 | 1604 | 1605 | 1606 | 1607 | 1608 | 1609 | 1610 | 1611 | 1612 | 1613 | 1614 | 1615 | 1616 | 1617 | 1618 | 1619 | 1620 | 1621 | 1622 | 1623 | 1624 | 1625 | 1626 | 1627 | 1628 | 1629 | 1630 | 1631 | 1632 | 1633 | 1634 | 1635 | 1636 | 1637 | 1638 | 1639 | 1640 | 1641 | 1642 | 1643 | 1644 | 1645 | 1646 | 1647 | 1648 | 1649 | 1650 | 1651 | 1652 | 1653 | 1654 | 1655 | 1656 | 1657 | 1658 | 1659 | 1660 | 1661 | 1662 | 1663 | 1664 | 1665 | 1666 | 1667 | 1668 | 1669 | 1670 | 1671 | 1672 | 1673 | 1674 | 1675 | 1676 | 1677 | 1678 | 1679 | 1680 | 1681 | 1682 | 1683 | 1684 | 1685 | 1686 | 1687 | 1688 | 1689 | 1690 | 1691 | 1692 | 1693 | 1694 | 1695 | 1696 | 1697 | 1698 | 1699 | 1700 | 1701 | 1702 | 1703 | 1704 | 1705 | 1706 | 1707 | 1708 | 1709 | 1710 | 1711 | 1712 | 1713 | 1714 | 1715 | 1716 | 1717 | 1718 | 1719 | 1720 | 1721 | 1722 | 1723 | 1724 | 1725 | 1726 | 1727 | 1728 | 1729 | 1730 | 1731 | 1732 | 1733 | 1734 | 1735 | 1736 | 1737 | 1738 | 1739 | 1740 | 1741 | 1742 | 1743 | 1744 | 1745 | 1746 | 1747 | 1748 | 1749 | 1750 | 1751 | 1752 | 1753 | 1754 | 1755 | 1756 | 1757 | 1758 | 1759 | 1760 | 1761 | 1762 | 1763 | 1764 | 1765 | 1766 | 1767 | 1768 | 1769 | 1770 | 1771 | 1772 | 1773 | 1774 | 1775 | 1776 | 1777 | 1778 | 1779 | 1780 | 1781 | 1782 | 1783 | 1784 | 1785 | 1786 | 1787 | 1788 | 1789 | 1790 | 1791 | 1792 | 1793 | 1794 | 1795 | 1796 | 1797 | 1798 | 1799 | 1800 | 1801 | 1802 | 1803 | 1804 | 1805 | 1806 | 1807 | 1808 | 1809 | 1810 | 1811 | 1812 | 1813 | 1814 | 1815 | 1816 | 1817 | 1818 | 1819 | 1820 | 1821 | 1822 | 1823 | 1824 | 1825 | 1826 | 1827 | 1828 | 1829 | 1830 | 1831 | 1832 | 1833 | 1834 | 1835 | 1836 | 1837 | 1838 | 1839 | 1840 | 1841 | 1842 | 1843 | 1844 | 1845 | 1846 | 1847 | 1848 | 1849 | 1850 | 1851 | 1852 | 1853 | 1854 | 1855 | 1856 | 1857 | 1858 | 1859 | 1860 | 1861 | 1862 | 1863 | 1864 | 1865 | 1866 | 1867 | 1868 | 1869 | 1870 | 1871 | 1872 | 1873 | 1874 | 1875 | 1876 | 1877 | 1878 | 1879 | 1880 | 1881 | 1882 | 1883 | 1884 | 1885 | 1886 | 1887 | 1888 | 1889 | 1890 | 1891 | 1892 | 1893 | 1894 | 1895 | 1896 | 1897 | 1898 | 1899 | 1900 | 1901 | 1902 | 1903 | 1904 | 1905 | 1906 | 1907 | 1908 | 1909 | 1910 | 1911 | 1912 | 1913 | 1914 | 1915 | 1916 | 1917 | 1918 | 1919 | 1920 | 1921 | 1922 | 1923 | 1924 | 1925 | 1926 | 1927 | 1928 | 1929 | 1930 | 1931 | 1932 | 1933 | 1934 | 1935 | 1936 | 1937 | 1938 | 1939 | 1940 | 1941 | 1942 | 1943 | 1944 | 1945 | 1946 | 1947 | 1948 | 1949 | 1950 | 1951 | 1952 | 1953 | 1954 | 1955 | 1956 | 1957 | 1958 | 1959 | 1960 | 1961 | 1962 | 1963 | 1964 | 1965 | 1966 | 1967 | 1968 | 1969 | 1970 | 1971 | 1972 | 1973 | 1974 | 1975 | 1976 | 1977 | 1978 | 1979 | 1980 | 1981 | 1982 | 1983 | 1984 | 1985 | 1986 | 1987 | 1988 | 1989 | 1990 | 1991 | 1992 | 1993 | 1994 | 1995 | 1996 | 1997 | 1998 | 1999 | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 | 2026 | 2027 | 2028 | 2029 | 2030 | 2031 | 2032 | 2033 | 2034 | 2035 | 2036 | 2037 | 2038 | 2039 | 2040 | 2041 | 2042 | 2043 | 2044 | 2045 | 2046 | 2047 | 2048 | 2049 | 2050 | 2051 | 2052 | 2053 | 2054 | 2055 | 2056 | 2057 | 2058 | 2059 | 2060 | 2061 | 2062 | 2063 | 2064 | 2065 | 2066 | 2067 | 2068 | 2069 | 2070 | 2071 | 2072 | 2073 | 2074 | 2075 | 2076 | 2077 | 2078 | 2079 | 2080 | 2081 | 2082 | 2083 | 2084 | 2085 | 2086 | 2087 | 2088 | 2089 | 2090 | 2091 | 2092 | 2093 | 2094 | 2095 | 2096 | 2097 | 2098 | 2099 | 2100 | 2101 | 2102 | 2103 | 2104 | 2105 | 2106 | 2107 | 2108 | 2109 | 2110 | 2111 | 2112 | 2113 | 2114 | 2115 | 2116 | 2117 | 2118 | 2119 | 2120 | 2121 | 2122 | 2123 | 2124 | 2125 | 2126 | 2127 | 2128 | 2129 | 2130 | 2131 | 2132 | 2133 | 2134 | 2135 | 2136 | 2137 | 2138 | 2139 | 2140 | 2141 | 2142 | 2143 | 2144
Danke für Ihr Reinschauen und herzliche Grüße...
Xobor Xobor Blogs