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von esther10 28.12.2015 16:08

Fürnsinn: "Sie können mich einmal anmieten" INTERVIEW RENATE GRABER 26. Dezember 2015, 08:00


Der Propst des Stifts Herzogenburg über Flüchtlinge, die Hetz' im Kloster und seine 15 Rezepte für Schopfbraten Fürnsinn: Soll ich mein Kreuz umhängen, meinen Kriegsschmuck?

STANDARD

: Wie Sie mögen. (Er hängt sein Kreuz um.) Sie waren am 8. Dezember wie immer beim Adventsingen der Wiener Fleischhauer in der Stiftskirche Dürnstein und dann beim Heurigen? Fürnsinn: Ja. Der Männergesangverein der Wiener Fleischer kommt seit 29 Jahren, die Kirche ist immer voll, hauptsächlich mit Fleischhauern. Das ist toll, sie singen sehr kräftig.

STANDARD:

Was ist das Besondere an Fleischhauern? Sie sind stolz, dass Sie sechs Jahre selbst einer waren, einer Ihrer Freunde nennt Sie "Weltmeister der Würste" ... Fürnsinn: Bei Gott nicht, ich war ein ganz normaler Fleischhauer. Am liebsten habe ich Bratwürstel, Pasteten und Schinken gemacht. Und Rouladen, zu Ostern und Weihnachten mit Mustern drin. Fleischhauer sind gstandene Leut, die nicht deuteln und unter großem Konkurrenzdruck stehen, sehr drankommen. Da tut ihnen eine Besinnungsstunde gut, auch für ihre persönliche Ermutigung. foto: regine hendrich

Der Propst mit seinem "Kriegsschmuck" um den Hals. STANDARD:

Wo vermissen Sie denn solche Besinnung? Bei den Politikern vielleicht? Fürnsinn: Es gibt auch nachdenkliche Politiker, aber die sind heute sehr getrieben, auch von den Medien. Es

bleibt ihnen wenig Zeit zum Rekreieren, auch gedanklich. STANDARD:

Wolfgang Schüssel zog sich manchmal ins Koster zurück. Sie nehmen aber niemanden auf. Fürnsinn: Doch, wir haben auch Gästezimmer. Aber institutionalisiert haben wir das nicht. Wenn mich jemand anruft und sagt: "Ich brauche ein paar Tage", kann er ruhig kommen. Und

es waren auch schon Politiker da. STANDARD

: Ihr Landeshauptmann? Fürnsinn: Sollte er da gewesen sein, würde ich es nicht sagen. Aber bei den Herzogenburger Gesprächen haben wir über unsere Gesellschaft diskutiert, auch mit Politikern. Ich glaube, wir sind eine Gesellschaft der Auflösung, weil wir uns über die Grundfragen wie unser Menschenbild nicht mehr verständigen. Da müssen wir wachsam sein, denn um Grundsätze muss man streiten: Politik, Kirche, wir alle. foto: karl bauer Das Augustiner-Chorherren-Stift Herzogenburg wurde 1112 gegründet, zum 900-Jahr-Jubiläum
wurde es aufwändig renoviert.

STANDARD:

Sie sind seit 36 Jahren Propst hier, der dienstälteste Klosterchef Österreichs ... Fürnsinn: Die
Brüder nennen mich Dinosaurier .



.. STANDARD:

Sie wurden gegen den Willen Ihres Vaters Priester. Als Sie sich dazu entschieden haben, hatten Sie eine Freundin, die Sie wohl geheiratet hätten, Sie haben auf Kinder verzichtet. Nie etwas bereut? Fürnsinn: Kinder hätte ich schon gern, das muss ich sagen. Aber meinen Weg bereut? Nein. Aber er ist mir nicht immer leicht gefallen, und manchmal bin ich schon sehr gefordert. Natürlich gibt es Sehnsüchte in mir wie in jedem Menschen. Wissen Sie: Es ist auch Leben sinnvoll, wenn nicht alles gelebt werden kann. Es ist auch ein Leben erfüllt, in dem nicht alle Wünsche erfüllt werden. Der heutige Mensch will alles – und er will alles pronto. Sonst kriegt

er die Krise. STANDARD

: Was wäre der Mensch ohne Sehnsucht? Fürnsinn: Über Sehnsüchte, wenn Sie nicht zur Sucht werden, können wir sehr gut zu uns selbst kommen. Sehnsüchte lassen uns spüren, wohin wir eigentlich wollen. Ungeschützt sage ich: Der Mensch ist unheilbar religiös. Denn seine große Ursehnsucht lautet: Ich möchte bleiben können, gehalten sein, nicht nur ein Mensch des Vorübergangs sein: fängt an, hört auf, aus, Ende. Diese tiefen Wünsche führen, in meinen Augen, in tiefe religiöse Momente. Auf mich bezogen: Ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben. Auch wenn ich zunächst nicht Fleischhauer werden wollte

... STANDARD:

Sie haben schon als Bub Priester gespielt und gepredigt ... Fürnsinn: Und als Ministrant haben mich in der Kirche die Rituale, die Farben, und die Lieder angesprochen. Die Kirche riecht

auch zu jeder Jahreszeit anders ... STANDARD:

Und im Stift Klosterneuburg, wo Sie vor Herzogenburg waren, riecht man Leopoldi ... Fürnsinn: Ja, weil der junge Wein aufgärt, wenn man den Heiligen Leopold feiert.

STANDARD:

Das hat alles etwas Sinnliches? Fürnsinn: Selbstverständlich. Liturgie ist immer sinnlich. Auch

der Gottesdienst, sonst ist er fad. STANDARD:

Sie haben 1968 in Wien Theologie und Philosophie studiert; da hatten Sie eine tiefe Krise. Damals hat sogar der Chef des Priesterseminars demissioniert und geheiratet ... Fürnsinn: ... und viele andere meiner Kollegen und Freunde haben aufgehört. Da fragt man sich schon: "Was mach ich da, bin ich belämmert, hab ich einen Huscher?" Aber ich bin meinen Weg konsequent weitergegangen. STANDARD:

Weil Sie so streng zu sich sind? Fürnsinn: (lacht) Ich habe schon eine gewisse Toleranz mir

gegenüber. Ich peitsche mich nicht täglich. STANDARD:

Ist in Ihrem Orden aber auch nicht vorgesehen. Fürnsinn: Richtig. Eigentlich in keinem.

STANDARD:

Noch zurück zu Herzogenburg. Das Stift ist auch ein Wirtschaftsbetrieb, dessen Chef Sie sind. Diese Bezeichnung mögen Sie aber nicht. Zu profan für Sie? Fürnsinn: Für mich zu abgehoben. In einem Kloster ist man schon auch Chef, aber man muss lernen, sehr brüderlich mit den anderen zu leben. Beides zu verbinden, das macht den Oberen eines Klosters aus. Für den Wirtschaftsbetrieb braucht es natürlich betriebswirtschaftliche Entscheidungen. Wir können
nicht alles mit Frömmigkeit überziehen

. STANDARD

Sie sagten in einem Interview, über längere Zeit Verlust zu schreiben sei unmoralisch, und wir hätten allen Anstand verloren. Der österreichische Staat ist chronisch im Minus. Die Regierung wirtschaftet unmoralisch? Fürnsinn: Ja, auf Dauer kann das nicht funktionieren. Die Politik sollte den Reformstau angehen, um auf eine andere Basis zu kommen. Aber was den Anstand betrifft, bin ich jetzt optimistischer. In Krisensituationen hinterfragt man verstärkt, wie es weitergeht und trachtet, dass es gut weitergeht. Wir sehen das auch beim Flüchtlingsthema, in dem Solidarität geübt und gefragt wird, wie wir unser Verantwortungsbewusstsein beweisen können. foto: apa/scheriau Der Zaun an Österreichs Grenze bei Spielfeld. Propst Fürnsinn meint, dass eine europäische Flüchtlingspolitik die Frage nach Obergrenzen obsolet machen
würde.



STANDARD:

Wie sollen wir das tun? Fürnsinn: Einem Menschen auf der Flucht muss man helfen. Aber alle Probleme werden wir nicht bewältigen. Einige Zeit stimmt das Wort "Wir schaffen das", aber dieses Wort wird seine Grenzen bekommen. Eine der wichtigsten Zukunftsfragen lautet: Wer darf kommen, wer nicht? Bei Menschen, denen Asyl zusteht, gibt es nichts zu deuteln, aber wenn sich die Lage in ihrer Heimat entspannt, muss es die Möglichkeit der Rückführung geben. Übrigens: Das Christentum ist die meistverfolgte Religion dieser Erde. Alle fünf Minuten stirbt ein Christ wegen seiner Religion – politisch wird das nicht wahrgenommen.

STANDARD:

Sind Sie für Obergrenzen? Fürnsinn: Wenn es uns gelingt, eine europäische Flüchtlingspolitik zu gestalten, wird sich diese Frage nicht so schnell stellen. Weil die Flüchtlinge dann sowieso auf
mehr Länder verteilen werden.

STANDARD:

Und was tun mit sogenannten Wirtschaftsflüchtlingen? Fürnsinn: Ich habe Verständnis für jemanden, der seine Heimat mit seiner Familie verlässt, weil er dort keine würdige Existenz führen kann. Man sollte die

Weichen schon früher stellen, in Aufnahmezentren.

STANDARD:

Betreiben wir eine christliche Fremdenpolitik? Fürnsinn: Ja. Wir winken zwar nicht mit der Bibel in der Hand, aber in Österreich gibt es schon noch eine gute Grundeinstellung gegenüber Menschen in Not.

Und das ist eine zutiefst christliche Forderung des Evangeliums.

STANDARD:

Im Stift haben Sie aber keine Flüchtlinge einquartiert? Fürnsinn: Nein, aber in der Stadt und in vier Wohnungen in unseren Pfarrhöfen. Dass die Kirche ihre Stimme für Flüchtlinge erhebt,

wird medial ignoriert. Über die Caritas betreut die Kirche tausende Flüchtlinge; auch Diözesen

und Stifte nehmen welche auf

. STANDARD:

Noch mal zu Ökonmischem. Sie sagen, Geld sei kein Wertmaßstab für Sie im Kloster. Die Mitbrüder bekommen Taschengeld, Sie am wenigsten,



dafür haben Sie ein Dienstauto ... Fürnsinn: Ich fahre aber selbst.

STANDARD:

Geht sich da ein Urlaub aus? Chorherren haben drei Wochen im Jahr frei. Fürnsinn: Ich mache schon Urlaub. Manchmal begleite ich auch Gruppen, vornehmlich nach Israel, weil ich mich da

auskenne. foto: apa/fohringer Der Blick auf Dürnstein in der Wachau. STANDARD:

Ihr Lieblingsplatz in der Welt? Fürnsinn: Dürnstein ist schon schön. Wenn ich auf der Terrasse von Stift Dürnstein stehe, unter mir die Donau und ober mir die Weinberge, um mich herum dieses originell, direkt auf den Felsen zum Strom hingebaute Stift: Das hat eine unglaubliche Atmosphäre. Am schönsten ist Dürnstein im Winter, bei Neuschnee: Wenn es ganz ruhig ist,

die Donau schwarz und dunkel, wenn die Weingärten weiß sind: Na, das ist was! STANDARD

: Sie haben das Stiftsweingut seit 2009 an die Familie von Finanzminister Schelling verpachtet.

Sein bester Wein? Fürnsinn: Ich habe am liebsten seinen Messwein. STANDARD

: Was ist das Gute dran? Ich trinke wenig Wein ... Fürnsinn: Schade, dann wissen Sie nicht, wo Gott wohnt. Er ist ein trockener, rescher, schlichter Wein. Ich kenne viele Winzer, vor allem im Traisental –

und schätze die junge Generation mit ihren leichten, singenden Weinen.

STANDARD:

STANDARD: Kasteien muss man sich als Stiftsherr offenbar nicht. Sie essen auch recht gern

. Fürnsinn: Aber wir leben hier ganz normal, mit ganz normaler Küche. STANDARD:

Sie können 15 Rezepte für Schopfbraten? Die kommen im Schweinsbratenbuch von Exgesundheitsministerin Kdolsky vor. Fürnsinn: Ja, im Buch ist das böhmische Rezept mit Dörrpflaumen. foto: ap/zak Ex-Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky 2007 bei der Präsentation des Buchs "Schweinsbraten&Co". Ein Fürnsinn-Rezept ist dabei

. STANDARD:


Wie geht das genau? Fürnsinn: Soll ich Ihnen das Rezept im Detail erklären? Man schneidet Gemüse großzügig und schwitzt es an, dann gibt man Dörrpflaumen dazu. Das alles gibt man zum – in einem anderen Topf – angebratenen Schopfbraten, die Zwetschgen machen dann

diesen eigenen Geschmack Richtung Powidl.

STANDARD:

Kochen Sie auch selbst? Fürnsinn: Ab und zu bei Freunden. Sie können mich durchaus einmal anmieten. Wenn Sie einen

ordentlichen Schopfbraten wollen – und gesund sind.

STANDARD:

Weihnachten wäre gut.

Aber da haben Sie eher keine Zeit. Fürnsinn: Stimmt.

STANDARD:

Wir waren beim Maßstab. Sie kritisieren, wir seien maßlos geworden und beantworten die Kernfragen im Leben nicht mehr. Warum ist das so? Fürnsinn: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was treibt mich? Wozu das alles? Das fragt sich jeder, und die Antworten gibt er damit, wie er lebt. Aber wenn sich der Mensch zu seinem eigenen Maßstab macht, wird das immer schwieriger. Es fehlt uns die innere Dimension, wir sind unglaublich veräußerlicht geworden. Ich halte es, nicht überraschend, mit Augustinus. Er sagt: Der Mensch ist ein Wesen der Heimkehr – zu sich selbst und zu Gott. Einfach gesagt: Wir müssen immer wieder zurück, in unsere eigene Mitte, ich muss bei mir selbst daheim sein. Das fällt heute vielen schwer. Darum gibt es so viele Ausgeflippte, Exotische. Aber mir gefallen diese Bunten auch; manchmal bin ich selbst so.

STANDARD:

Sie flippen aus manchmal? Fürnsinn: Also, ich feiere schon ganz gern. Und ich bin froh, dass ich in einer Gemeinschaft leben darf, wo’s eine Hetz gibt. Wobei wir schon manchmal streiten. Aber öfter rennt der Schmäh. STANDARD: Ins Kino gehen Sie auch mit den Brüdern, oder ins Theater? Fürnsinn: Ins Kino? (lacht) Das Theater haben wir hier.

STANDARD:

Sie sehen gern Krimis? Fürnsinn: Sehr gern, zum Entspannen. Aber das erschreckt manche.

STANDARD:

Weil wir bei der eigenen Mitte waren: Sie im Koster haben halt mehr Zeit zum Mitte-Suchen. Fürnsinn: Natürlich leben wir hier in einem anderen Rhythmus. Aber täglich ein bisschen Reflexion, In-Sich-Hineinhören, Nachdenken: Das geht sich bei jedem aus. Wer gut denkt, beginnt auch gut zu leben. Würden sich die Menschen auf sich einlassen, brächte das sicher auch mehr Erkenntnis und Verantwortung in die Welt.



STANDARD:

Würden wir dann auch den Tod weniger verdrängen? Sie argumentieren, der Gedanke daran würde uns von unseren Allüren befreien. Warum schauen wir weg? Fürnsinn: Der Tod stellt das moderne Leben in Frage. Er steht in Kontrast zu dem, was wir wissenschaftlich, medizinisch leisten können: Der Mensch stirbt trotzdem. Wenn ich nicht hoffen kann, dass mein Leben auch im Tod getragen ist, ist er auch für mich eine große Infragestellung. Wenn ich nur eine Episode im Vorübergang bin und dann ins Nichts der Geschichte eingehe, dann denke ich mir auch: Naja, liab, aber was soll das alles?

STANDARD:

Ist doch paradox, dass uns der Terror des IS, der sich auf den Glauben beruft, auf unsere Endlichkeit stößt. Kein Ort, an dem’s uns nicht erwischen könnte. Fürnsinn: Der IS hat nichts mit Religion zu tun, ist Ideologie. Er will die heile Welt, und das ist schon öfter in der Geschichte schief gegangen. Wir Menschen, wir retten die Welt nicht. Dass dieser Terror Riesenangst erzeugt, ist klar. Ich spüre das auch bei unserer Suche nach Wohnungen für Flüchtlinge. Viele lehnen das intuitiv ab, sind verunsichert, aus Ihnen spricht eine Art Fremdenangst. Und das ist stärker in unserer Bevölkerung verankert, als wir es wahrhaben wollen.

STANDARD:

Fürchten Sie sich vor dem Sterben? Fürnsinn: Je älter ich werde, desto mehr setze mich mit dem Tod auseinander. Aber da stehe ich natürlich mangels Vorstellungskraft an. Ich halte mich an meine Lebensdevise: Es wird alles gut. Das hat bisher geklappt, und ich hoffe, dass dieses Wort auch im Tod hält. STANDARD: Passt zur letzten Frage. Worum geht’s im Leben? Fürnsinn: Lebe! ZUR PERSON: Maximilan (Josef) Fürnsinn (75) stammt aus Herzogenburg, wurde auf Wunsch des Vaters und wie der Vater Fleischhauer.

Er selbst hatte schon als Kind Priester werden wollen und ging letztlich ins Priesterseminar. 1972 wurde er zum Priester geweiht. Seit 1979 ist Fürnsinn Propst des Augustiner-Chorherren-Stifts Herzogenburg in Niederösterreich – und somit österreichweit der längstdienende Chef eines Klosters. Der Exchef der Superiorenkonferenz der Männerorden und der Grabesritter ist bekannt für innerkirchlich kritische Ansichten und seine Lust an Essen und Trinken. - derstandard.at/2000028006273/Propst-Fuernsinn-Sie-koennen-mich-einmal-anmieten
http://derstandard.at/2000028006273/Prop...n?ts=1451314217




von esther10 28.12.2015 15:50

Schönborn: „Gefahr, dass Religion insgesamt in Gewaltverdacht gerät“


Kardinal Christoph Schönborn im Interview mit der "Presse": Flucht kann niemanden neutral lassen.

23.12.2015 | 16:06 | VON RAINER NOWAK UND DIETMAR NEUWIRTH (Die Presse)

Die Presse: Herbergssuche, Geburt begegnen uns zu Weihnachten fortwährend. Sind Assoziationen zum Flüchtlingsstrom zulässig?

Christoph Schönborn: Sie sind nicht nur zulässig, sie sind notwendig. Wenn wir sagen, dass Gott Mensch geworden ist in einer so prekären Situation wie in Bethlehem und nach der Flucht, ist das Kernbestand des Christentums. Wenn man sich an zentrale Worte Jesu erinnert – „Ich war nackt und du hast mich bekleidet, ich war fremd und obdachlos und du hast mich beherbergt“ – kann das Thema Flüchtlinge gerade zu Weihnachten niemanden neutral lassen.


Es kommen nicht nur Kinder, auch junge Männer, die Ängste auslösen, weil sie unter Umständen einen islamistischen Hintergrund haben könnten.

Sehr viele von diesen jungen Männern sind Vorboten ihrer Familien. Sie haben die Kraft, die Flucht anzutreten und die meisten haben die Hoffnung, ihre Familie nachholen zu können. Natürlich gibt es auch Gefährliche unter den Flüchtlingen. Ich bin kein Experte, um zu sagen, wie groß die Gefahr ist. Paris hat aber gezeigt, dass die Attentäter längst schon bei uns waren. Auch die 130 Jihadisten, die von Österreich nach Syrien gezogen sind, sind zum Großteil hier aufgewachsen. Das Problem ist längst mitten unter uns.


Wie schützt man Kinder vor Radikalisierung?

Die große Herausforderung ist nicht, Flüchtlinge aufzunehmen, sondern die Integration. Je schneller sie Deutsch lernen, je schneller sie Möglichkeiten haben zu arbeiten, umso weniger besteht die Gefahr, dass zum Teil schon vorhandene Ghettos durch Flüchtlinge verstärkt werden.


Schon jetzt gibt es Probleme mit Integration. Wie nahe sind wir an der Grenze des Möglichen?

Not hat keine Obergenze. Die Aufnahmefähigkeit kann aber an Grenzen stoßen, zweifellos. Das erlebt der Libanon, wo auf 4,2 Millionen Einwohner 1,5 Millionen Flüchtlinge kommen. Da ist die Grenze täglich schmerzhafte Erfahrung.


Österreich ist weit entfernt . . .

Eins ist sicher: Europa wird sich verändern. Österreich hat sich in den vergangenen 40 Jahren bereits massiv verändert. Wir können uns unser Land gar nicht vorstellen ohne Immigranten. Der Anteil der Flüchtlinge, die in diesem Jahr nach Europa gekommen sind, beträgt aber nur knapp zwei Promille der europäischen Bevölkerung.


In Osteuropa sind die Veränderungen aber nicht passiert.

Die sind nur sehr partiell passiert. Diese Länder haben nicht unsere Erfahrung der Immigration gemacht. Was mich nicht hindert, mein Unverständnis auszudrücken, dass diesen Länder die Vorteile der europäischen Integration wollen, aber europäische Solidarität bei der Aufnahme von Flüchtlingen kein Thema ist. Das ist ein echtes Problem.


Zuletzt gab es Diskussionen über islamische Kindergärten. Wie groß ist Ihre Sorge um die Standards dort?

Es ist richtig, genauer hinzuschauen. Aber ich warne vor vorschnellen Schlüssen. Wir machen die Erfahrung, dass in kirchlichen Kindergärten die katholische Ausrichtung vereinbar ist mit religiöser und kultureller Offenheit. Respekt vor anderen Kulturen und Religionen wird selbstverständlich praktiziert und gelehrt.


Könnten durch diese Debatte konfessionelle Kindergärten generell diskreditiert werden?

Die Islamismus birgt die Gefahr, dass Religion insgesamt in Gewaltverdacht gerät und sich Stimmen mehren, die sagen, das Übel ist nicht der Islamismus, sondern Religion als solches. Die sagen, Religion hat Gewaltpotenzial, deshalb halten wir Religion möglichst dem öffentlichen Leben fern. Das halte ich für genauso falsch wie eine Marginalisierung oder Stigmatisierung des Islam.


Wie kann Kindern der Glaube vermittelt werden, wenn Eltern diesbezüglich ausfallen?

Es ist ein deutlicher Verlust an christlicher Grundkultur, christlichem Grundwissen spürbar. Es gibt aber auch eine gegenteilige Entwicklung. Das oft beklagte Verdunsten des Glaubens ist kein irreversibler Prozess.


Wie ist das Jesus-Wort „Werdet wie die Kinder“ mit einem erwachsenen Glauben vereinbar?

Dieses Miteinander gehört zum Christentum. Zum Ausdruck kommt das im Nacheinander der Weihnachtsevangelien: die Weihnachtserzählung mit ihren Hirten und der Krippe – und am Christtag der philosophischste Text der Bibel, der Johannesprolog: „Im Anfang war das Wort.“
http://diepresse.com/home/panorama/relig...l?ts=1451313791
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.12.2015)

von esther10 28.12.2015 15:49

"Wer bin ich, dass ich Menschen verurteile?"


Bischof Zsifkovics gibt sich im Interview offen für Veränderungen in der Kirche.
Axel Halbhuber Axel Halbhuber 24.12.2015, 17:42


Als Ägidius Zsifkovics vor fünf Jahren mit erst 47 Bischof von Eisenstadt wurde, nannten ihn viele einen Rom-treuen Hardliner. Nun schreibt er in seinem ersten Buch im Amt von Dating-Plattformen und Striptease. Zsifkovics, der wirklich als Ägidius getauft wurde, ist Burgenland-Kroate und europaweit für Flüchtlingsfragen zuständig. Im Weihnachtsgespräch gibt er sich überraschend offen für Veränderungen. In der Kirche.

KURIER: Können wir heuer zu Weihnachten stolz darauf sein, wie wir unsere Nächstenliebe-Pflicht gegenüber Flüchtlingen erfüllt haben?


Ägidius Zsifkovics: Viele Menschen in unserer Kirche haben das Möglichste und mehr getan. Die Diözesen waren bemüht, die Orden hatten es schwieriger, sicher waren manche Pfarren anfangs sehr zögerlich. Wir hätten als Kirche sicher noch mehr tun können.

Es sah eher so aus, als ob die Kirche das Flüchtlingsthema mit einem Bauchfleck begonnen hat. Tat Ihnen das nicht weh?

Es tut allen weh, die es ernst nehmen und Weitblick haben. Ich habe gesagt, jede Pfarre soll zumindest eine Familie aufnehmen, und es hat mich sehr geschmerzt, dass sich ganz fromme Kreise und Pfarreien versperrt haben. Mit denen habe ich auch ein ernstes Wort gesprochen. Man warf mir dann mitunter sogar vor, dass ich die Islamisierung im Land vorantreibe.

Kann die Kirche aus dem Evangelium heraus überhaupt anders, als die Arme aufzureißen und alle aufzunehmen?

Ja, wir müssen auch gegen den Strom schwimmen, aber durch Begegnungen mit Flüchtlingen die Menschen hinführen, nicht nur Donnerreden halten. Wir müssen den mühevollen Weg der kleinen Schritte gehen. Andererseits müssen wir auch Realpolitiker sein. Wenn Menschen Angst haben, ist unsere Aufgabe die Information.

Muss die Kirche bei Nächstenliebe realpolitisch sein? Bei Moralethik und Frauen-Gleichstellung kommt man mit Dogmatik doch auch gut durch.

Das darf man nicht vermischen. Bei ethischen und moralischen Fragen geht es ja um die Theologie und unseren christlichen Standpunkt.

Gilt bedingungslose Nächstenliebe nicht als theologische Grundlage des Christentums?

Daher ist mein persönlicher Weihnachtswunsch an alle Österreicherinnen und Österreicher, die Türen aufzumachen und ich bitte alle, dass wir Christen wie Nichtchristen den Menschen, die an unsere Tür klopfen, Herberge geben. Trotzdem muss ich auch die Fakten wahrnehmen, dass sich viele unter die Flüchtlinge mischen, die keinen Grund zur Flucht haben.

Hätte sich Jesus nicht eben der Wirtschaftsflüchtlinge angenommen, die keiner mag – im Sinn von "Was ihr dem Geringsten tut, habt ihr mir getan"? Welche Art Flüchtlinge waren übrigens Josef und Maria?

Gute Frage, sie waren sicher keine reiche Familie. Am ehesten politisch Vertriebene. Eher politisch als religiös. Und ja, Christus hätte jeden aufgenommen, gerade die Sünder. Und gesagt: Geh’ nun und sündige nicht mehr.

Mit Ihrem Buch haben Sie einige überrascht. Es klingt nicht nur modern, Sie scheinen sich auch inhaltlich in den fünf Jahren verändert zu haben.

Es wäre tragisch für einen Menschen, noch mehr für einen Priester oder Bischof, wenn er sich innerlich nicht bewegen würde. Man hat mir vor fünf Jahren einiges unterstellt, aber ich war immer offen. Doch bin ich in manchen Ansichten gewachsen, gereift, und sehe vieles offener als vielleicht als junger Priester. Die Veränderung in der Welt macht auch nicht vor der Kirche oder dem Amt eines Bischofs halt. Es gibt einen Paradigmenwechsel, es geht zunehmend um das Eingemachte. Wir müssen uns von alten Denkmustern und Schemata verabschieden.

Das überrascht doch. Lust an Veränderung ist ja nun nicht das größte Talent der Kirche.Vielleicht klingt das überheblich, aber ich spüre wirklich das Wirken des Geistes Gottes. Ich habe für meinen Dienst als Bischof gesagt, ich möchte offen sein und auf die Menschen zugehen. Wir gehen in der Diözese einen neuen pastoralen Weg, ich bringe mich dabei ein und daher spüre ich auch persönlich eine Veränderung. Natürlich sehe ich, dass nicht nur die Dinge sich verändern, sondern auch wir uns mitverändern. Das ist nicht immer einfach, weil man in Muster und Klischees eingefahren ist, aber aus der persönlichen Reflexion, aus der Aktualität, ergibt sich eine lebendige Veränderung. Der Kontakt mit den Menschen hilft da, der war mir immer wichtig. Da bekommt man das Rüstzeug, das sollte jeder in der Kirche gemacht haben, um zu sehen, wie Menschen leben, wie Menschen glauben, wie Menschen reagieren. Ich habe auch als Generalsekretär der Bischofskonferenz erbeten, weiterhin Pfarrer zu sein, das habe ich auch zur Hygiene gebraucht.

Das ist ja ganz im Sinn des Papstes, der sagt: Geht zu den Menschen! Hat seine Wahl dieses Überdenken der "Muster und Klischees" in Ihnen ausgelöst?

Ich vergleiche mich nicht, aber wir erleben auch an Papst Franziskus eine Veränderung. Viele seiner Vertrauten sagen, er war früher eher verschlossen. Sie sind überrascht, dass er jetzt so spontan, offen, herzlich ist.Wenn wir daran glauben, dass der Heilige Geist bei der Papstwahl mitgewirkt hat, und ich glaube fest daran, dann sehe ich meinen Weg auch bestätigt. Das ist eine innere Ermutigung. Und es ist ja auch die Aufgabe eines Bischofs, den Dialog mit der Weltkirche zu führen, also mit Rom. Als man mir Rom-Treue vorgeworfen hat, war für mich verwunderlich, wie ein Bischof nicht Rom-treu sein sollte. Aber es geht nicht um Weisungen aus Rom, sondern wie man sich selbst dort einbringt. Denn unsere Aufgabe ist, in der Lehre der Apostel Brückenbauer, Interpret und Dolmetscher zu sein.

Haben Sie Ihre Meinung in einem der großen Themen geändert?

Bei der Offenheit zur Welt hin, da beginne ich auch als Bischof noch besser zu verstehen, welches Erbe uns das zweite Vatikanische Konzil hinterlassen hat und merke, dass wir das noch nicht umgesetzt haben, eigentlich gewisse Dinge noch gar nicht begreifen. Diesen Weg müssen wir weitergehen und noch intensivieren, da muss ich auch persönlich noch tiefer gehen.

Das Konzil endete vor genau 50 Jahren und brachte umfassende Veränderungen. Glauben Sie, dass sich die Kirche in den kommenden Jahren wieder so stark verändern wird?

Es wird zwar alles immer rasanter, aber ich glaube nicht an schnelle Veränderungen. Weil wir die Aufträge des zweiten Vatikanums noch nicht wirklich umgesetzt haben. Das ist noch nicht voll bei den Menschen angekommen. Und als Selbstkritik: auch noch nicht bei den Geistlichen.

Wie sehen Sie den Stand der Entwicklung bei den großen Fragen der Menschen an die Kirche – Gleichstellung der Frau, Zölibat, Laienarbeit? Und wo stehen Sie bei diesen Themen?

Wir kennen die theologischen Grundlinien, die ich im Grunde mittrage. Keiner von uns weiß, wohin der Weg führt, aber es muss eine Weiterentwicklung und Offenheit geben. Unmittelbar sehe ich keine Veränderung, die Gleichstellung etwa kann man nicht übers Knie brechen, das muss in die Gesamtheit hineinwachsen. Und wenn sich die Kirche nur mit sich selber beschäftigt, wäre das der Untergang. Wir müssen uns bemühen, auf den Menschen zuzugehen, für den Menschen da sein.

Das versuchen Sie im Buch mit sehr profanen Themen. Wie gut kennt sich ein Bischof denn mit Dating-Plattformen und Striptease aus?

In dieser über-erotisierten Welt kriegt auch ein Bischof alles mit. Bei aller Offenheit sehen wir doch auch die Wunden und Folgen der überdimensional nackten Welt, was ist denn an Positivem von der sexuellen Revolution geblieben? Ich sehe Sexualität und Nacktheit nicht als etwas generell Negatives. Aber es muss einen natürlichen Anstand geben. Ich habe vieles zwar nicht selber erfahren, aber ich kann mich in moderne Herausforderungen der Menschen gut hineinfühlen.

Wie fühlt sich eine 35-jährige emanzipierte Frau, die sich zwischen gesellschaftlichem Druck und Biologie in Kinderwunsch und Job aufreibt?

Ich kann kein Rezept geben, aber ich weiß aus der Seelsorge, dass viele junge Menschen, auch Männer, heute im Zwiespalt von Familie und Beruf stehen. Ich kann schon helfen, im Gespräch, etwa bei der Beichte, die eigene Berufung zu suchen.

Sie wählen im Buch plakative Worte zu jedem Buchstaben. Was würde Ihnen denn zu C wie Conchita Wurst einfallen?

Das ist für viele eine prägende Gestalt. Für mich ist es eine eigenartige Figur, die aus unserer christlichen Sicht und dem Menschenbild der ersten Seiten in der Bibel schwierig ist. Ich habe mich gefragt, warum das so gepusht wurde?

Die Botschaft der Figur ist doch Liebe und totale Toleranz.

Wenn man das so sieht, ist es schön, Toleranz ist natürlich gut. Ich sage es in den Worten des Papstes Franziskus: Wer bin ich, dass ich Menschen verurteile?

Gilt das auch bei H wie Homosexuelle?

Ich begegne auch denen mit dem gleichen Respekt wie allen anderen Menschen.

Aber Sie tun sich mit dem Thema noch schwer?

Ja, ganz ehrlich. Daran muss ich auch persönlich noch arbeiten. Das wurde in den vergangenen Jahren viel präsenter, da haben wir alle noch Nachholbedarf.
http://kurier.at/lebensart/leben/bischof...9?ts=1451313963
(kurier) Erstellt am 24.12.2015, 17:42

von esther10 28.12.2015 15:38

"Glaube ist oberflächlich geworden"
Bischof Ludwig Schwarz…

:
/Josef Ertl Bischof Ludwig Schwarz auf dem Petersplatz, nachdem er sich im Rahmen der Generalaudienz vom Papst verabschiedet hat.

Bischof Ludwig Schwarz zieht Bilanz über seine zehn Jahre in der Diözese Linz.
Josef Ertl Josef Ertl 27.12.2015, 06:00

Ludwig Schwarz tritt nach zehn Jahren als Bischof der Diözese Linz ab. Am 17. Jänner um 15 Uhr wird sein Nachfolger Manfred Scheuer im Linzer Dom in das Amt eingeführt. Am 31. Jänner, dem Tag des Heiligen Don Bosco, lädt die Diözese zum Dankgottesdienst für den 75-jährigen Altbischof in den Linzer Dom. Schwarz wird zu den Salesianerinnen Don Boscos nach Vöcklabruck übersiedeln.

KURIER: FPÖ-Obmann Manfred Haimbuchner wehrt sich gegen den Zuzug von Flüchtlingen und Muslimen mit dem Argument, Oberösterreich sollte ein christliches Land bleiben.Ludwig Schwarz: Es ist schwer, dem Gutsein, der Liebe und der Hilfsbereitschaft Grenzen zu setzen. Der Mensch soll das tun, was er tun kann und die Strukturen der Familie, der Gemeinschaft und der Gesellschaft leben und aufrechterhalten. Es wird immer ein begrenzter Teil sein, den wir an Liebe und Güte den Hilfsbedürftigen, den Armen und den Vertriebenen schenken. Aber wir sollen uns aus Liebe immer wieder bemühen, in den Bedürftigen unseren Bruder und unsere Schwester zu sehen. Dann wissen wir leichter, mit welchen Maßstäben der Güte wir uns ihnen gegenüber verhalten sollen. Es kann natürlich nicht verlangt werden, das Eigene aufzugeben. Aber man kann sicherlich noch mehr als das tun, was bis jetzt getan wurde.


Man kann noch mehr tun?

Ja, das glaube ich.

Gibt es für Sie Obergrenzen?

Es gibt gewiss Grenzen der Belastbarkeit. Es muss das Eigene schon seinen Wert, seinen Bestand und seinen Fortgang bewahren. Ich kann ja als Bauer nicht meine Felder verkaufen, um dem Mittellosen zu helfen. Damit nehme ich mir ja meine eigene Lebenssicherheit. Da sind schon Grenzen da. Aber man soll Gutes tun, so weit es geht.

Welches Resümee ziehen Sie über Ihre zehn Jahre als Bischof von Linz?

Ich war gerne in Linz und habe mich bemüht, mit den Gläubigen in einem guten Kontakt zu sein. Ich habe das durch die vielen Visitationen in den Pfarren gemacht. Linz ist mit fast 500 Pfarren eine große Diözese. Ich habe gemerkt, dass hier gute Strukturen und ein guter Fortgang da sind. Es war mir ein Anliegen, ein Herz für die Armen und Bedürftigen zu haben. Es war mir wichtig, dass wir uns noch bewusster auf die Werte des christlichen Glaubens besinnen und sie im Alltag leben. Ich habe diese den Mitmenschen zum Beispiel durch Gespräche, Predigten und Vorträge nahe gebracht. Es war mir ein Anliegen, die Menschen zu einer vertieften Begegnung mit Christus zu führen, durch den Empfang der Sakramente, die Mitfeier der Heiligen Messe, durch den häufigeren Empfang des Bußsakramentes, durch das tägliche Gebet und die Werke der Nächstenliebe.

In der Diözese gibt es einerseits fortschrittliche Kräfte wie die Frauenbewegung, die für das Priestertum der Frau eintritt, andererseits gibt es Fundamentalisten und Traditionalisten.

In jeder großen Organisation gibt es Extreme nach links und rechts. Das sind kleinere Gruppen, die nicht auf das Gesamte eingestimmt sind. Das Gros der Diözese hat an einem Strang gezogen. Es ist schon eine klare Linie da. Aber es stimmt, es sind auch Extreme da. Ich habe in meinen Gesprächen versucht, das Gemeinsame in den Vordergrund zu rücken. Wenn sie im Recht waren, habe ich ihnen recht gegeben. Ich konnte aber bei der Priesterweihe für die Frauen nicht zustimmen.

In welcher Situation befindet sich die Diözese heute?

Der Glaube ist bisweilen oberflächlich geworden. Im religiösen Leben könnte mehr Eifer und Einsatz da sein. Dazu gehört die Gemeinschaft mit Christus in der Sonntagsmesse, der Empfang der Sakramente, die heilige Beichte, das Gebet in den Familien und bei den Einzelnen. Das sind Grundanliegen. Christus sagt, betet ohne Unterlass.

Was sind die Ursachen für den rückläufigen Messbesuch? Sind die Gläubigen selbst schuld?

Die Welt macht tausend andere Angebote. Man geht dann in diesen Dingen zu sehr auf und hat weniger Zeit für Gott. Darunter leiden wir in unserer Diözese ebenso wie auch in den anderen Diözesen. Dort, wo nicht gebetet wird, wo man nicht die Sakramente empfängt, wo nicht in der Heiligen Schrift gelesen wird, dort wird der Glaube immer schwächer.

Wird zu sehr dem Konsum gefrönt?

Gerade in der vorweihnachtlichen Zeit merken wir, wie übergroß das Angebot in diesem Bereich ist. Wir sollen als Christen dieser Welt nicht gleichförmig werden. Das beherzigen wir zu wenig. Das Religiöse, das, was aus der Nähe zu Gott heraus kommt, gibt unserem Leben Kraft und wird für andere spürbar. Die Gottes- und die Nächstenliebe sind dabei die tragenden Säulen.

Sollen sich die Christen in ihrer Gläubigkeit ein Beispiel an den Muslimen nehmen?

Viele Muslime leben ihren Glauben aus Überzeugung und bekennen sich offen dazu. Auch uns Christen würde bisweilen ein mutigeres Bekenntnis zu Christus und seiner Kirche nicht schaden.

Was war die schönste Erfahrung in diesen zehn Jahren in Linz?

Die Begegnungen mit den Jugendlichen bei den Gottesdiensten und Jugendtagen. Das hat mich als Salesianer besonders gefreut. Oder die Ministrantentreffen im Stift Florian, bei denen bis zu 2000 Ministranten zusammen gekommen sind. Ich denke auch an die Feier der Seligsprechung von Franz Jägerstätter. Weiters waren die Begegnungen mit einzelnen Menschen und Familien besonders schön. All das zusammen hat mir viel gegeben und mich freudig gestimmt. In der Diözese ist sicher viel Gutes vorhanden, das muss man fördern und soll man pflegen.

Was war Ihre schmerzlichste Erfahrung?

Die Kirchenaustritte tun mir sehr weh. Ich schreibe jedem, der austritt, aber auch jedem, der wieder eintritt. Es kehren jährlich wieder 900 Menschen in die Gemeinschaft der Kirche zurück.

Die Bestellung des Windischgarstner Pfarrers Gerhard Maria Wagner zum Weihbischof 2009 hat zu einem Konflikt geführt. Wie sehen Sie diese Kontroverse rückblickend?

Es ist gelaufen, wie es gelaufen ist, es war nicht alles gut und richtig. Natürlich wäre es für mich leichter gewesen, zusammen mit einem Weihbischof für die Menschen dieser großen Diözese Sorge zu tragen.

Sie hätten ja später nochmals einen beantragen können.

Ich habe mich darum bemüht, mit den vier Bischofsvikaren enger zusammenzuarbeiten. Auch mein Generalvikar Severin Lederholger stand mir immer helfend und beratend zur Seite. Wir waren ein gutes Team.

Die Bischofssynode hat sich kürzlich mit der Situation der geschiedenen Wiederverheirateten beschäftigt. Es wird eine Öffnung erwartet. Wie sieht die Handhabung in der Diözese aus?

Wir warten auf die noch ausständigen Ergebnisse der Synode und die diesbezügliche Stellungnahme des Papstes.

Ihre Familie wurde zu Kriegsende aus der Gegend um Bratislava vertrieben. Sie haben eine kirchliche Karriere gemacht, die Sie ins Bischofsamt geführt hat.

Karriere würde ich nicht sagen, sondern kirchlicher Dienst. Ich bin voll Dankbarkeit, dass Gott mich in eine christliche Familie hineingestellt hat, in der auch täglich miteinander gebetet wurde. Durch die Vertreibung aus unserem Heimatdorf Bruck an der Donau wurden wir bitterarm, wir hatten lange Zeit gar nichts, kein Dach über dem Kopf. as wir dann nach Wien kamen, ging es langsam aufwärts. Mein Vater fand Arbeit in einer Baufirma. Wir fühlten uns auch in einer Holzbaracke angenommen und geborgen. So haben wir auch dort eine schöne Kindheit verbringen dürfen. Man war ohnehin nichts Besseres gewöhnt und so hat man die Entbehrungen leichter und besser ertragen.

Wie kamen Sie zu den Salesianern Don Boscos?

Meine Mutter hat mich hier sehr geprägt. Sie hatte eine große Liebe zu Don Bosco. Sie war mit 16, 17 Jahren ein Dienstmädchen in Pressburg. Am ersten Freitag im Monat, am Herz-Jesu-Freitag, ging sie immer zum selben Priester beichten. Er war ein Salesianer. Er hat ihr die Liebe zu Don Bosco vermittelt. Sie hat dann am Don-Bosco-Fest, am 31. Jänner 1939 geheiratet.

Dann kam die Vertreibung. Wir kamen letztlich nach Wien in ein Barackenlager, wo vorher Kriegsgefangene untergebracht waren. Wir haben ganz armselig in diesen Baracken gewohnt. Aber meine Mutter hat gesagt, eines ist schön, dass nämlich diese Baracken in einer Pfarrgemeinde von Don Bosco stehen. Sie hat dahinter mehr als einen Zufall gesehen und uns Buben zu ihnen hingeführt. Dort konnten wir Fußball spielen, die Aufgaben machen, ministrieren und Gruppenstunden besuchen. Das war für uns ein Aufleben in jeder Hinsicht. Ich war der Erstgeborene von neun Kindern und so wurde in mir die Sehnsucht wach, selbst Priester und Salesianer Don Boscos zu werden.
http://kurier.at/chronik/oberoesterreich...9?ts=1451313190
(kurier) Erstellt am 27.12.2015, 06:00

von esther10 28.12.2015 12:18

D: Religionsdialog stärker auf Religionsfreiheit richten


Dialog, hier im Vatikan - OSS_ROM

28/12/2015 11:00SHARE:
Religionsfreiheit muss eine größere Rolle beim Dialog der Religionen spielen. Dieser Ansicht ist der religionspolitische Sprecher der Partei der Grünen, Volker Beck. Hier könnten „religiöse Oberhäupter ein Bündnis gegen Unterdrückung und Verfolgung zimmern“, betonte Beck am Wochenende in Berlin laut Nachrichtenagentur KNA. Wer lediglich die Diskriminierung und Verfolgung der „eigenen Leute“ hervorhebe, verändere leider nur wenig.

Alle Religionen seien in manchen Gegenden der Welt auch Minderheitsreligion und daher auf Respekt und Religionsfreiheit angewiesen. Religionen müssten daher „in der

menschenrechtlichen Arena als Anwälte der Anders- und Nicht-Glaubenden auftreten, dann kann religiöse Verfolgung überwunden werden“.

Wer sich dagegen für ein weltliches Recht einsetze, das sich an Scharia, Katechismus oder anderen religiösen Lehren ausrichte, der „legt die Axt an seine eigene religiöse Freiheit“, betonte Beck.

(kna 28.12.2015 ord

von esther10 28.12.2015 12:13

Nigeria: Mindestens 15 Tote bei Boko Haram-Anschlägen


Kinder in Maiduguri wurden nach den Anschlägen in Sicherheit gebracht - AP


28/12/2015 11:31SHARE:
Mindestens 15 Menschen sind am Montag bei Anschlägen der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram in Nigeria ums Leben gekommen. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Toten deutlich höher liegen könnte. Es war der erste Angriff in Maiduguri, dem Gründungsort von Boko Haram, seit mehreren Wochen. Der Anschlag in Maiduguri ist die zweite schwere Attacke der Islamisten binnen weniger Tage: Am ersten Weihnachtstag waren lokalen Berichten zufolge Boko-Haram-Kämpfer in das Dorf Kimba im Bundesstaat Borno

eingedrungen, haben auf die Einwohner geschossen und sämtliche Häuser in Brand gesteckt.
Muslime und Christen seien gleichermaßen Opfer dieser Angriffe. Das sagt im Gespräch mit Radio Vatikan der Erzbischof von Abuja, Kardinal John Olorunfemi Onaiyekan. Als Erzbischof der Hauptstadt Nigerias spüre er besonders „die schwere Last der Attacken“. Als besonderes Zeichen sehe er auch die Öffnung der Heiligen Pforte in der Kathedrale von Abuja, denn Nigeria brauche die göttliche Barmherzigkeit mehr denn je. „Die Kämpfer von Boko Haram laufen mit Gewehren herum und verüben an mehreren Orten Attentate. Die nigerianische Armee versucht sie in Schach zu halten. Aber das Ganze zeigt nur eines: man kann das Problem Boko Haram nicht einfach mit Waffen lösen. Es braucht meiner Meinung nach Dialog, vor allem auf politischer Ebene. Man muss den Anführern dieser Terrorgruppe klar machen, dass sie ein Problem gerade für die Muslime sind.“

Das Problem ist nicht mit Waffen zu lösen
Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit sei eine gute Gelegenheit – sowohl für Christen als auch für Muslime – um Verzeihung für die Fehler zu bitten, so der nigerianische Kardinal. „Wir müssen diese Gelegenheit nutzen, weil wir alle hier in Nigeria uns nicht gut miteinander verhalten haben. Es gab zu viel Gewalt, zu viele Konflikte, zu viele Tote…

Wir müssen Gott, um Verzeihung bitten, für das was geschehen ist. Wir selber müssen barmherzig sein und sogar bereit sein, jene von Boko Haram zu verzeihen. Niemand darf ausgeschlossen werden.“ Es gehe nicht nur um die Gewaltwelle, fügt Kardinal Onaiyekan an. Ein großes Problem in Nigeria sei die Korruption. „Es gibt so viele Nigerianer, die Milliarden von US-Dollars geklaut haben. Wir müssen sie dazu bewegen, dieses gestohlene Geld wieder zurück zu geben. Ich weiß aber, dass diese Sache mit der Korruption oder auch mit Boko Haram in Nigeria sehr einfach ist. Was wir als Kirchenvertreter gemacht haben, ist auf jeden Fall die Botschaft des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit zu klären und wir sind zuversichtlich, dass der Herr uns dabei hilft, diese auch in Taten umzusetzen.“

(rv 28.12.2015 mg)

von esther10 28.12.2015 11:33

Spanien: Valencia ist startklar für Taizé-Silvestertreffen


Das Taizé-Jugendtreffen zu Silvester zieht alljährlich zehntausende junge Gläubige und Suchende an.

27/12/2015 11:34SHARE:
Im spanischen Valencia beginnt am Montag das diesjährige internationale Taizé-Jugendtreffen. Zehntausende Jugendliche aus ganz Europa nehmen bis 1. Januar an den jährlichen Begegnungstagen der ökumenischen Gemeinschaft teil, in deren Mittelpunkt der Einsatz für Frieden und Solidarität steht. Geplant sind Thementreffen, Gebete und Gesänge sowie Gespräche mit Vertretern aus Religion und Politik.

Das Treffen beginnt am 28. Dezember mit einem gemeinsamen Abendessen im Turia-Park der spanischen Metropole an der Mittelmeerküste. Höhepunkt des Jugendtreffens ist die Feier eines alternativen Jahreswechsels in Form eines "Gebets für den Weltfrieden" und eines "Festes der Völker" - "alkoholfrei und bis 2 Uhr morgens", wie die Gemeinschaft ankündigte. Schon davor diskutieren die Teilnehmer in Länder- und Regionalgruppen.

Während der Begegnungstage sind die Jugendlichen in Gastfamilien und Schulen untergebracht. Die Vormittage beginnen mit einem Morgengebet in der Gastkirchengemeinde; danach folgen Begegnungen mit Menschen vor Ort, unter anderem mit Valencias Bürgermeister Joan Ribo, dem Soziologen Luis Die Olmos und einem Staatsanwalt am Antikorruptionsgericht. Mittags und abends kommen die Jugendlichen zum Gebet zusammen, das jeweils gleichzeitig im Dom, mehreren Innenstadtkirchen und in zwei Zelthallen stattfindet.

An den Nachmittagen sprechen sie über Religion und Glaube oder ihr Engagement in den Heimatorten, in den Kirchengemeinden, in Schule, Studium oder am Arbeitsplatz.

Das offizielle Programm endet täglich nach dem Abendgebet um 19 Uhr mit Gedanken von Frere Alois, dem Prior der Gemeinschaft von Taizé. Am 1. Jänner beschließen ein Gottesdienst und Mittagessen in der Gastgemeinde das Großtreffen.
Valencias Erzbischof Kardinal Antonio Canizares Llovera versicherte, der Gastgeberort sei bereit für das internationale Treffen: „Wir sind eine Kirche, die an Jesus Christus glaubt, eine vereinte Kirche; eine Kirche, die dem Wunsch unseres Herrn entspricht, eins zu sein, damit die Welt glauben kann. Denn im Glauben finden wir Hoffnung."

Die ökumenische Gemeinschaft im ostfranzösischen Taizé wurde 1944 von dem Schweizer Roger Schutz gegründet, den 2005 eine psychisch kranke Frau tötete. Rund 100 Männer aus der evangelischen und der katholischen Kirche gehören der Gemeinschaft an an. Bekannt ist die Taizé -Spiritualität für ihren einfachen Lebensstil und meditative, eingängige Gesänge.

Die Mönchsgemeinschaft im Burgund hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem religiösen Anziehungspunkt für Jugendliche aus ganz Europa entwickelt. Das Silvestertreffen findet seit 1978 statt, jedes Jahr in einer anderen europäischen Großstadt.
(kap 27.12.2015 gs)

von esther10 28.12.2015 11:32

Papst Franziskus schreibt an Taizé-Jugendtreffen


Barmherzigkeit dringend gesucht - EPA

27/12/2015 14:55SHARE:
Papst Franziskus hat die in Valencia versammelten Jugendlichen, die am Taizé-Treffen teilnehmen, zu besonderem Engagement für Migranten aufgerufen. Die zahlreichen Flüchtlinge „haben großen Bedarf an eurer Aufnahme“, heißt es in einer Botschaft von

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin im Namen von Papst Franziskus. Auch der Taizé-Gründer Frere Roger habe „die Armen und Enterbten und jene, die nicht zählen“ geliebt, schrieb Franziskus im zu Ende gehenden Jahr an den heutigen Leiter der Gemeinschaft, Frere Alois. Im Jahr der Barmherzigkeit danke der Papst ganz besonders für die „kreativen Kräfte und die Vorstellungskraft“ der Beiträge von Jugendlichen. Ausdrücklich wolle Franziskus die

Jugendlichen in ihrem Bestreben ermutigen, die Barmherzigkeit in allen Dimensionen, auch den sozialen, zu zeigen. Das traditionelle Neujahrstreffen der ökumenischen Mönchsgemeinschaft von Taizé findet in diesem Jahr in Valencia statt. Es beginnt am Montag und dauert bis 1. Januar.
(rv 27.12.2015 gs)

von esther10 28.12.2015 09:47

Der Betlehemitische Kindermord – damals und heute

28. Dezember 2015 Giuseppe Nardi Christenverfolgung, Hintergrund, Lebensrecht, Top 0


Betlehemitischer Kindermord (Giotto, 1304/1306, Cappella degli Scrovegni, Padua)
Am 28. Dezember gedenkt die Kirche des Betlehemitischen Kindermordes. König Herodes der Große ließ alle männlichen Kinder unter zwei Jahren töten, um den in die Welt gekommenen König zu beseitigen. Jesus wurde durch den heiligen Joseph gerettet, der die Heilige Familie durch Flucht nach Ägypten führte. Johannes der Täufer überlebte der Überlieferung nach, weil er versteckt wurde.

Im Stundengebet der Kirche des 28. Dezember, dem Fest der unschuldigen Kinder, heißt es im Hymnus der Laudes:

Warum, ihr Mütter, klaget ihr
und gebt euch eurem Schmerze hin?
Die Kinder, die ihr laut beweint,
sind in den Frieden heimgekehrt.

Ein König gab in Furcht und Wahn
den Blutbefehl zu ihrem Mord.
Ein andrer König führt sie sanft
zum Spiele in sein goldnes Haus.

Herr Jesus, dir sei Ruhm und Preis,
dem wahren König dieser Welt,
dem Vater und dem Geist zugleich
durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.


Maria mit den Unschuldigen Kindern (Peter Paul Rubens, 1618, Louvre, Paris)
Der Betlehemitische Kindermord wird heute im sinnbildlichen Zusammenhang mit der Tötung ungeborener Kinder durch Abtreibung gesehen. Die Rede ist daher von den Herodianern, die unter uns wüten.

Die Sowjetunion war 1920 das erste Land der Welt, das Abtreibung legalisierte. Der Rechtsbruch, den die kommunistische Ideologie in die Welt setzte, fand bereitwillige Nachahmung durch andere Ideologien und durch ein utilitaristisches Denken.

Seit den frühen 70er Jahren wurde die Tötung unschuldiger Kinder in den meisten westlichen Staaten eingeführt. Seit den 1990er Jahren wird auf eine weltweite Durchsetzung gedrängt und behauptet, die Tötung eines unschuldigen Kindes sei ein „Frauenrecht“ bzw. ein „Menschenrecht“.

Zum „Fluch der bösen Tat“, wie Schiller in seinem „Wallenstein“ sagen läßt, gehört, daß der legalisierte Kindermord unserer Tage ein selbstzerstörerisches Ausmaß angenommen hat. In Deutschland sind im 44. Jahr hintereinander mehr Menschen gestorben als lebend geboren wurden. Der Verlust liegt für jeden Jahrgang durchschnittlich bei mehr als einem Viertel, seit Jahren bei gut einem Drittel, und das in der zweiten Generation.

In den drei Antiphonen der Laudes heißt es:

So spricht der Herr: Sie werden mit mir einhergehen in weißen Gewändern, denn sie sind dessen würdig.

Die Kinder singen das Lob des Herrn: Durch ihren Tod bezeugen sie Christus, den sie im Leben nicht verkünden konnten.

Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge schaffst du dir Lob, deinen Gegnern zum Trotz.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: Wikicommons
http://www.katholisches.info/2015/12/28/...mals-und-heute/



von esther10 28.12.2015 09:32

Mitglied von Amnesty International (AI) kritisiert Stellungnahmen seines Verbandes
Veröffentlicht: 28. Dezember 2015 | Autor: Felizitas Küble


Von Dennis RiehleRiehle, Dennis_5

Nicht nur intern haben in der jüngsten Vergangenheit zwei Positionierungen von „Amnesty International“ für großes Aufsehen gesorgt: Das oberste Sekretariat der Menschenrechtsorganisation hat eigenmächtig ein Dokument veröffentlicht, in welchem deutlich wird, dass Menschenrechte lediglich ab dem Zeitpunkt der Geburt gelten.

Schon seit längerem hatte die oberste Führungsebene der Organisation deutlich gemacht, dass Rechte für einen Fötus nicht mit dem Selbstbestimmungsrecht der Frau vereinbar seien. Nun wurde diese Argumentation über die Köpfe der Mitglieder hinweg in Stein gemeißelt: Das Recht auf Abtreibung überwiege das Recht auf Leben für Ungeborene.

Inhaltlich kann ich dieser Darlegung nicht folgen, vor allem ist es aber die fehlende Auseinandersetzung in einem Verband mit weltweit Millionen von Mitgliedern, die mich an demokratischen Strukturen innerhalb von „Amnesty“ erheblich zweifeln lässt. Unter anderem war ich „Amnesty“ beigetreten, weil man dort den Einsatz für das Leben als unverrückbare Prämisse über alle Entscheidungen stellen wollte. Nicht nur gegen die Todesstrafe bei „Geborenen“ wandte man sich ursprünglich, sondern auch gegen das Einwirken auf entstehendes Leben.

Ich weiß, dass auch in der Organisation vielfach kritisiert wurde, dass solch ein Standpunkt von religiösen Überzeugungen geprägt sei und mit dem Gedanken der Emanzipation und der Aufklärung, wonach die Frau eigenständig berechtigt sei, über ihren Körper – und damit über ein heranwachsendes Kind im Mutterleib – zu richten, nicht vereinbar sei. Doch gerade nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshof über die Definition vom Beginn des menschlichen Lebens hatte man eigentlich damit gerechnet, dass sich „Amnesty“ der von den Richtern festgestellten Übereinkunft anschließt.

AI äußert sich pro Abtreibungsrecht und “Sexarbeit”



images (2)Nun kam es aber ganz anders. Und für mich ist es als „Amnesty“-Mitglied nicht nur die sachliche Feststellung des Internationalen Sekretariats, die mich irritiert. Insbesondere ärgere ich mich darüber, dass in solch einer fundamentalen Fragestellung die Anhänger der Organisation nicht einbezogen wurden.

Es fand kein Ringen statt, das ich mir von einem demokratisch strukturierten Verein erwarte. Keine Abwägung, bei der möglicherweise hätte klargestellt werden müssen, dass die ursprüngliche Eigenverpflichtung von „Amnesty“, sich für das Leben einzusetzen, dem Recht auf Abtreibung doch überwiegen könnte.

Zahlreiche Gruppen, die öffentlich gegen die Alleingänge des Sekretariats protestierten, wurden entweder überhört oder mit pauschalen Erklärungen abgespeist. Man zeigte zwar Verständnis für anderslautende Meinungen. Das reichte aber offenbar nicht, um diese auch in die Leitlinienarbeit der Organisation zu integrieren.

Auch die eingenommene Haltung in der Bewertung der Prostitution musste empören. So machte „Amnesty“ deutlich, dass Sexarbeit nicht grundsätzlich als Menschenrechtsverletzung anzusehen sei. Viel eher sehe man die freie berufliche Entwicklung von Männern und Frauen in der Prostitution als eine nur in Ausnahmen moralisch anstößige Arbeit an, wie aus den Aussagen der Führungsriegen der Organisation zu interpretieren ist.

Dass aber überwiegend Unterdrückung, Zwang und Freiheitsberaubung als selbstverständliche Begleiterscheinung der Prostitution eine gravierende Menschenrechtsverletzung an den Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern definitiv und unmissverständlich darstellt, wird aus den Erklärungen vom Internationalen Sekretariat von „Amnesty“ kaum deutlich. prolifeusa



Nicht nur Frauenrechtsgruppierungen waren deshalb auf die Barrikaden gegangen, als die Haltung des Vereins in den Medien publik wurde. Und sogar die weltweiten Presseagenturen sahen sich genötigt, zu dieser Haltung der Organisation mit eindeutiger Kritik zu reagieren. Das Image von „Amnesty“ litt unzweifelhaft unter der narzisstischen „Basta“-Politik des Generalsekretariats. Da half auch nicht, dass man in der Zentrale versuchte, mit dem Engagement für Flüchtlinge von den internen Querelen abzulenken…

Mit seinen eigenmächtigen Verdikten innerhalb des Internationalen Sekretariats, die auch immer öfter die nationalen Sektionen von „Amnesty“ überraschen, zementiert sich ein Eindruck, wonach die Organisation zunehmend von elitären Kreisen statt von seiner Mitgliederschaft gelenkt wird. Regelungen, wonach sich Neumitglieder zunächst über Jahre bewähren müssen, ehe sie in den thematischen Arbeitsgruppen mitwirken dürfen, untermauern diese Vermutung.

Ich hätte wohl kaum ein Problem damit, einen Entschluss (wie die oben genannten Beispiele) mitzutragen, der von der Mehrheit der „Amnesty“-Mitglieder gefasst wurde – auch wenn ich inhaltlich damit nicht übereinstimmen könnte. Immerhin wüsste ich dann aber, dass die Partizipation innerhalb des Vereins funktioniert. Durch zirkulär getroffene Verlautbarungen, die nicht mehr die Menschenrechte aller schützen, verliert „Amnesty“ den Anspruch, sich als Instanz zu erheben.

Wenn Menschenrechte danach ausgerichtet werden, nur noch als sich speziellem Klientel anbiedernde Freifahrtsscheine daherzukommen und partikulär ausgewählten Personengruppen die Vorfahrt zu lassen, hat die wohl bekannteste Menschenrechtsorganisation ihre Grundwerte verlassen. Dann ist „Amnesty“ nicht mehr der Anwalt von Menschen, sondern Lobbyist von Einzelinteressen – und hat die Fähigkeit, als unabhängiges und mahnendes Gewissen zu erscheinen, verwirkt.

Dennis Riehle, Sprecher
Humanistische Alternative Bodensee (HABO)
Martin-Schleyer-Str. 27 in 78465 Konstanz
www.humanisten-bodensee.de
sprecher@humanisten-bodensee.de

von esther10 28.12.2015 09:26

Bundespolizeigewerkschaft kritisiert Politik: “Stück aus dem Tollhaus”

Veröffentlicht: 28. Dezember 2015 | Autor: Felizitas Küble
Bundesbereitschaftspolizei “in ihren Grundfesten erschüttert”

Immer mehr Bundespolizisten aus ganz Deutschland werden auch in den kommenden Wochen über die Feiertage hinweg von ihren Familien getrennt und für teures Geld durch die halbe Republik geschickt, um ihre Kollegen an der deutsch-österreichischen Grenze und am internationalen Großflughafen in Frankfurt/Main zu unterstützen. Scannen0003



Die DPolG-Bundespolizeigewerkschaft übt daran deutliche Kritik: „Es gleicht schon einem Stück aus dem Tollhaus, wenn für die nächsten 14 Tage zur Verstärkung am Flughafen Frankfurt tageweise für einzelne Dienstschichten 12 Kollegen ausgerechnet aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern in Marsch gesetzt werden sollen“, erklärt Bundesvorsitzender Ernst G. Walter.

In ihren Grundfesten erschüttert ist inzwischen vor allem die Bundesbereitschaftspolizei. Die wird ihrem Namen nach Auffassung der DPolG bereits seit Monaten nicht mehr gerecht, da sie mit Masse für humanitäre und administrative Aufgaben an der Südgrenze gebunden ist.

„Unsere Kolleginnen und Kollegen kommen gar nicht mehr aus den Stiefeln, weil sie zwischen den Unterstützungseinsätzen an der Grenze auch noch für Fußballeinsätze und gewalttätige Auseinandersetzungen bei Demonstrationen herangezogen werden“, beschwert sich der Gewerkschaftschef.

Quelle und vollständige Meldung hier: http://www.dpolg.de/aktuelles/news/bunde...-einsatzfaehig/


von esther10 28.12.2015 00:52

Montag, 28. Dezember 2015

Der Hl. Thomas von Aquin und der Islam

Der Hl. Thomas von Aquin, der mit den Schriften der zeitgenössischen islamischen Philosophen wie Avicenna und Averroes wohl vertraut war, mißtraute dem Islam zutiefst.
Dr. D.Thomas William hat darüber einen Beitrag verfaßt.
Hier geht´s zum Original: klicken
http://www.breitbart.com/national-securi...strusted-islam/

"WARUM THOMAS VON AQUIN DEM ISLAM NICHT TRAUTE

"Thomas von Aquin, Gelehrter des 13. Jahrhunderts, der als einer der herausragendsten Philosophen und Theologen des Mittelalters angesehen wird, äußerte beißende Kritik am Islam, die in weiten Teilen auf dem fragwürdigen Charakter und den fragwürdigen Methoden seines Gründers Mohammed basiert.


Thomas-Aquinas-Black-large

Nach der Überzeugung Thomas´ sprach der Islam ignorante, brutale, sinnliche Männer an und verbreitete sich nicht durch die Kraft seiner Argumente oder göttlicher Gnade sondern durch die Macht des Schwertes.

Thoma, ein genauer Beobachter des Menschen, der conditio humana, war mit den Hauptwerken der muslimischen Philosophen seiner Tage vertraut, eingeschließlich Avicenna, Algazel und Averroes ... und beteiligte sie in seinen Schriften.

Seit der Islam im 7. Jahrhundert gegründet und verbreitet wurde, lebte Thomas v. Aquin, der von den Katholiken als Heiliger und Kirchenlehrer angesehen wird, in einer Zeit die Mohammed sehr viel näher war, als wir es heute sind.
In einem seiner Hauptwerke, dem umfangreichen "Summa contra gentiles", das er zwischen 1258 und 1264 schrieb, argumentiert Thomas für die Wahrheit des Christentums gegenüber anderen Glaubenssystemen, eingeschlossen den Islam.

Er stellt die Verbeitung des Christentums dem des Islam gegenüber, und führt große Teile des frühen Erfolges des Christentums auf den weitverbreiteten Glauben an die Wunder Jesu zurück, während die Verbreitung des Islams durch das Versprechen sinnlicher Freuden und die Gewalt des Schwertes erreicht wurde.

"Mohammed"- schreibt der Aquinate- "verführte die Menschen durch fleischliche Freuden, zu der die Begierde des Fleisches uns anstachelt. Seine Lehre enthielt auch Gebote, die mit seinen Versprechungen übereinstimmten und er gab der Fleischeslust die Zügel frei."



So ein Angebot- befand Thomas, sprach einen bestimmten Typus Mensch von begrenzten Tugenden und Weisheit an.

"In alle dem"- schrieb er- "gehorchten ihm sinnliche Männer. Als Beweise für die Richtigkeit seiner Lehre führte er nur solche an, die auch von denen mit sehr bescheidener Weisheit begriffen werden konnten. Tatsächlich waren die Wahrheiten, die er lehrte mit Fabeln und ganz falschen Lehren vermischt."
Wegen der Schwäche der islamischen Behauptungen, argumetiert Thomas so: "von Anbeginn an glaubte ihm kein weiser Mann, kein in göttlichen und menschlichen Dingen gelehrter."
Im Gegenteil, die die ihm glaubten,waren brutale Männer, Wüstenwanderer, ahnungslos in göttlichen Lehren; durch ihre Zahl zwang Mohammed andere, Kraft seiner Waffen, ihm zu folgen.

Die gewaltsamen Methoden der Verbreitung waren für Thoma besonders unüberzeugend, weil er fand, daß der Gebrauch solcher Gewalt nicht die Wahrheit von Behauptungen beweise und typischerweise von bösen Menschen benutzt würden.
"Mohammed sagt, daß er mit der Macht seiner Waffen gesandt wurde" schreibt Thomas- "Zeichen, an denen es weder Tyrannen noch Räubern mangelt."

In der Zeit, in der Thomas von Aquin lebte, wurde der Islam allgemein als christliche Häresie angesehen, weil er sich stark auf christliche Texte und Glaubensinhalte stützt. Thoma schreibt, daß Mohammed "fast alle Zeugnisse des Alten und Neuen Testamentes pervertiert und sie zu eigenen Erzeugnissen machte, wie jeder sehen kann, der sein Gesetz untersucht."

Nach dem bekannten Historiker Hilaire Belloc begann der Islam als Häresie, nicht als neue Religion. Er stand nicht in heidnischem Kontrast zur Kirche. Seine Vitalität und ...verlieh ihm bald das Erscheinungsbild einer neuen Religion, aber die Zeitgenossen seines Aufstiegs sahen ihn als das, was er war: keine Leugnung sondern eine Adaptation und ein Mißbrauch der christlichen Sache."

In seiner "Summa contra gentiles" beschließt Thomas seine Argumentation gegen den Islam mit einem negativen Kompliment an Mohammed und bemerkt, er müsse seine Anhänger unwissend halten, damit sie treu blieben.
"Es war eine schlaue Entscheidung von ihm, seinen Anhängern zu verbieten, das Alte und das Neue Testament zhu lesen, weil diese ihn seiner Irrtümer überführen."
"So ist es klar, daß die, die irgendewetwas von seinen Worteng glauben, töricht glauben", schrieb er."
http://beiboot-petri.blogspot.de/2015/12...islam.html#more
Quelle: www.breitbart.com., Thomas D. William

von esther10 28.12.2015 00:44



Österreich hat neues kath. Fernsehprogramm, das man überall sehen kann...auch im Internet



KIRCHE
IST
TOLL
LIVE Hl.Messen aus Neumarkt:


Sa: 18.30 Uhr
So: 9.00 Uhr

Informationen über KIT-TV

Monatsprogramm, ab Januar kommt auch von Medjugorje...
Jetzt auf
lit

Österreich hat neues katholisches Fernsehprogramm, das man überall sehen kann...auch im Internet
http://d20890.ispservices.at/index-Anton-kit.html...

Monatsprogramm:
http://d20890.ispservices.at/KIT-Monatsp...nner%202016.pdf




von esther10 28.12.2015 00:26

Gute Nachrichten

Ein Resultat der Scheidungsrevolution:
Die Generation der „wilden Ehe“



In der Hoffnung, die Schwierigkeiten zu meiden, die ihre Eltern in der Ehe erlebten, tendiert die Mehrheit der heutigen jungen Erwachsenen zu einem Zusammenleben ohne Trauschein. Ist das eine Lösung, oder schafft man damit eher neue Probleme?

Von Cecil Maranville

Vor 30 Jahren bestand nur eine geringe Chance, daß ein sechsjähriges Kind unter seinen Spielkameraden ein Kind aus einem geschiedenen Haushalt kennen würde. Heute gibt es nur eine geringe Chance, daß ein sechsjähriges Kind kein Kind kennt, das aus einem geschiedenen Elternhaus stammt. Das Kind, das bei seinen verheirateten leiblichen Eltern lebt, wird zunehmend zur Ausnahme.

Übertreibung? Vielleicht. Eine phänomenale Veränderung überrollte die westliche Gesellschaft unauffällig und leise. Nur wenige scheinen sie bemerkt zu haben. Noch weniger Menschen scheint es zu kümmern. In den letzten Jahrzehnten entwickelten sich die sozialen Normen weg von der Ansicht, eine Scheidung als Stigma zu betrachten, hin zu der Meinung, daß sie normal, natürlich und oft notwendig sei. Soziologen fassen diese radikale Veränderung mit dem Ausdruck „Scheidungsrevolution“ zusammen.

Die davon betroffenen Kinder akzeptieren jedoch nicht die Kavaliersphilosophie, wonach die Scheidung normal sei. Und sie unternehmen Schritte, die ihnen – wie sie meinen – helfen werden, den Schmerz und die Kosten, die mit einer zerbrochenen Ehe bzw. einer Scheidung verbunden sind, zu vermeiden. Die Scheidungsrevolution hat den Grundstein für die Generation der „wilden Ehe“ geschaffen.

„Einfach gesagt ist das ungebundene Zusammenleben – oder die außereheliche Beziehung – der Status von Paaren, die eine sexuelle Beziehung eingegangen sind und einen gemeinsamen Haushalt teilen, aber nicht miteinander verheiratet sind“ („Sollten wir zusammenleben?“, Das nationale Eheprojekt: die nächsten Generationen, Zusammenfassung der Untersuchungen von David Popenoe und Barbara Dafoe Whitehead; Studie im Auftrag der Rutgers-Universität).

Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts stieg die Zahl nichtehelicher Lebensgemeinschaften in Deutschland in der Zeit zwischen 1991 und 2000 um 50 Prozent. Im Mai 2000 gab es 600 000 nichteheliche Paare mit Kindern und 1,5 Millionen ungetraute Paare ohne Kinder. Die Partnerschaften ohne Trauschein stellten vor zwei Jahren 9,7 Prozent aller Lebensgemeinschaften hierzulande dar.

Die Akzeptanz von nichtehelichen Lebensgemeinschaften scheint heute gerade unter denen am größten zu sein, die die Protestbewegung vor ca. 35 Jahren nur vom Hörensagen kennen. 1995 machte nämlich die Gruppe der 18- bis 35jährigen zwei Drittel aller unverheirateten Paare aus (Nichtkonventionelle Lebensformen: Entstehung – Entwicklung – Konsequenzen, 1998, Verlag Leske + Budrich, Seite 67).

Womit begründen junge Menschen ihre Entscheidung?

Was ist die Ursache dieser Revolution?

Zum großen Teil ist sie das Ergebnis der Scheidungsrevolution, verbunden mit einer allgemeinen Lockerung in Fragen moralischen Verhaltens. Die heutige Jugend möchte die negativen Folgen einer Scheidung vermeiden, die sie in vielen Fällen aus erster Hand gesehen und erlebt hat.

„Für die heutigen jungen Erwachsenen, die erste Generation, die in der Zeit der Scheidungsrevolution heranwuchs, scheint das ungebundene Zusammenleben eine gute Möglichkeit zu sein, einige der Vorteile einer Ehe zu erleben, aber das Scheidungsrisiko zu vermeiden. Umfragen zufolge sagen die meisten jungen Leute, daß es eine gute Idee sei, mit einer Person vor der Ehe zusammenzuleben“ (ebenda).

Diese jungen Menschen sind überzeugt, daß zusammenlebende Paare, die irgendwann einmal heiraten, stärkere Ehen haben werden, weil sie zuerst zusammengelebt haben. Ein außereheliches Zusammenleben, so argumentieren sie, ermöglicht ihnen, sich besser kennenzulernen. Wenn eine Beziehung dann nicht funktioniert, kann sie ohne die Hindernisse eines Rechtsverfahrens oder religiöser Vorschriften aufgelöst werden. Dies steht im Gegensatz zu Leuten, die in die Ehe hineingehen, ohne zuvor zusammengelebt zu haben.

Die Befürworter nichtehelicher Beziehungen glauben, daß viele Scheidungen verhindert werden können, indem man eine Beziehung mit einer „Testphase“ des Zusammenlebens beginnt. Ein außereheliches Zusammenleben, behaupten sie, wird dem unverheirateten Mann oder der unverheirateten Frau die Gelegenheit geben, ausreichend zu experimentieren, damit er oder sie den idealen Partner finden kann, bevor man schließlich in dem Hafen der Ehe vor Anker geht.

Es haben aber nicht alle jungen Erwachsenen die gleichen Gründe für ein Zusammenleben. Einige leben zusammen, ohne je heiraten zu wollen. Andere leben kurz zusammen, bevor sie in den Hafen der Ehe gehen. Und wiederum andere sehen das Zusammenleben mit verschiedenen Partnern als eine Vorbereitung auf die Ehe mit irgend jemandem – irgendwann einmal.

Ein weiteres Argument ist, daß das außereheliche Zusammenleben wirtschaftliche Vorteile verschafft. Zum Thema Intimität halten junge Erwachsene die Möglichkeit des außerehelichen Zusammenlebens in der heutigen freizügigen Welt für fortschrittlicher und realistischer als die alten, erdrückenden, viktorianischen Ansichten.

Die feministische Bewegung mit ihrem Anliegen, die männliche Dominanz in der Familie umzukehren, ermutigt das außereheliche Zusammenleben statt die traditionellen Eherollen. Die moderne Auffassung, so wird argumentiert, erlaubt einer Frau mehr Kontrolle, mehr Freiheit und weniger Abhängigkeit vom Mann.

Leider fehlen Vorbilder guter Ehen. „Ich mache mir Sorgen um die Teenager“, sagt Popenoe und fügte hinzu: „Heutzutage kennen Teenager nicht einmal mehr jemanden, der glücklich verheiratet ist.“

Die Folgen


Wenn die Partnerschaft kriselt, kommen auch Geldfragen aufs Tapet

Trotz der stetig steigenden Zahl der Paare, die außerehelich zusammenleben, und trotz der vielen Gründe, mit denen das Zusammenleben gerechtfertigt wird, gibt es keinen Beweis, daß ein außereheliches Zusammenleben überhaupt einen positiven Beitrag zur Ehe leistet!

Tatsächlich wird das Gegenteil bewiesen: Außereheliches Zusammenleben ist in vielfacher Weise schädlich. Bei den Popenoe-Whitehead Untersuchungen stellte sich heraus:

• Ein Zusammenleben vor der Ehe erhöht das Risiko einer Scheidung. „1992 wurde eine Studie durchgeführt, die 3300 Fälle untersuchte, basierend auf einer im Jahre 1987 durchgeführten Befragung von Familien und Haushalten. Es wurde festgestellt, daß eine Eheauflösung bei Leuten, die vor der Ehe zusammengelebt haben, 46 Prozent häufiger vorkam als bei denen, die vorher nicht zusammengelebt hatten“ (Popenoe-Whitehead).

• Ein außereheliches Zusammenleben erhöht bei Frauen das Risiko der häuslichen Gewalt und bei Kindern das Risiko des physischen und sexuellen Mißbrauchs. „Eine Studie in Großbritannien fand heraus, daß Kinder, die bei ihren zusammenlebenden aber nicht verheirateten biologischen Eltern wohnen, 20mal eher dem Kindesmißbrauch ausgesetzt sind im Vergleich zu Kindern, die bei ihren verheirateten biologischen Eltern leben. Diejenigen, die mit einer Mutter und einem Freund zusammenleben, der nicht ihr eigener Vater ist, stehen einem 33mal so hohem Risiko gegenüber“ (ebenda).

• Menschen, die in einer außerehelichen Beziehung zusammenleben, die ohne eine Eheschließung beendet wird, werden mit großer Wahrscheinlichkeit wieder eine nicht erfolgreiche außereheliche Beziehung eingehen. Solche Menschen werden zu „Serienlebensabschnittsgefährten“. Wenn man sich schon einmal getrennt hat, ist es dann anscheinend leichter, die nächste Beziehung abzubrechen. Dies steht im Gegensatz zu der gewünschten Stabilität, die sich viele Menschen ausgerechnet durch eine außereheliche Beziehung versprechen.

• Ganze drei Viertel aller Kinder, die in einer außerehelichen Beziehung geboren wurden, werden die Trennung ihrer Eltern vor ihrem 16. Lebensjahr erleben. Nur ein Drittel aller Kinder, die in einer Ehe geboren wurden, werden das gleiche Schicksal erleben.

• Die Chancen, daß eine nicht verheiratete Mutter den Vater ihres gemeinsamen außerehelichen Kindes heiraten wird, stehen schlecht. Die neuesten Statistiken in den USA zeigen, daß dies nur in 44 Prozent aller solcher Fälle geschieht.

• Die wirtschaftlichen Verhältnisse in einer außerehelichen Beziehung sind oft ungeklärt, besonders für die Frau.

• Bei Partnern in einer außerehelichen Beziehung kommt es dreimal häufiger zu einer Depression als bei verheirateten Paaren. Allgemein sind unverheiratete Paare oft weniger glücklich und gesund als vergleichbare verheiratete Paare.

Zusammengefaßt führt eine außereheliche Beziehung allgemein genau zum Gegenteil dessen, was man von ihr behauptet. Statt die Vorteile einer Ehe ohne die für die Ehe typischen Probleme zu haben, hat man die Probleme einer Ehe ohne die Vorteile einer guten Ehe. Wenn sich eine außereheliche Beziehung überhaupt mit der Ehe vergleichen läßt, dann nur als „Ehe auf Sparflamme“. Sie verlangt ein geringeres Maß an Verpflichtung gegenüber dem Partner und fördert ein egoistisches Verhaltensmuster, wobei die Selbsterfüllung des einzelnen Partners oft bewußt in den Mittelpunkt gestellt wird. Ein außereheliches Zusammenleben setzt die Fehler der Scheidungsrevolution fort, statt diese zu beheben oder zu reduzieren. Wir erleben die Evolution von „Wegwerfbeziehungen“, ähnlich den in unserer Konsumgesellschaft so typischen Einwegverpackungen.

Keine Trendwende von der Religion zu erwarten

In früheren Jahren nannte man das Zusammenleben ohne Trauschein „in Sünde leben“. Die westliche Gesellschaft distanziert sich zunehmend von ihren religiösen Wurzeln. Viele junge Leute sehen das Heiraten vor dem Zusammenziehen lediglich als eine Wertvorstellung einer anderen, alternden Generation an – Werte, die aber für die gegenwärtige Generation nicht unbedingt gelten müssen. Es ist bequem für sie, ihre Beziehung nicht mehr mit einem Geistlichen entweder vor deren Gründung oder bei deren Auflösung besprechen zu müssen.

„All diesen Trends liegt eine breite kulturelle Verschiebung zugrunde, weg von einer religiöseren Gesellschaft, wo die Ehe als Grundstein einer Zivilisation erachtet wurde und die Menschen einen stark ausgeprägten Sinn für gesellschaftliche Anpassung und Tradition hatten. Wir bewegen uns hin zu einer materialistischen Gesellschaft, die sich auf die individuelle Autonomie und Selbstfindung konzentriert. Die Zurückweisung traditioneller, institutioneller und moralischer Autorität, die in unseren fortschrittlichen westlichen Gesellschaften sichtbar ist, macht oft die ,Entscheidungsfreiheit‘ zu ihrem Leitmotiv und die Akzeptanz des ,alternativen Lebensstils‘ zu ihrer Botschaft“ (ebenda).

Lange Zeit wurde die Autorität der Religion angeführt, um Frauen zu unterdrücken, obwohl die Bibel nichts derartiges lehrt. Die feministische Bewegung nutzte die verständlichen Reaktionen auf solche Übel aus und beeinflußte das Denken und Handeln religiös orientierter Menschen zu einer größeren Toleranz gegenüber dem außerehelichem Zusammenleben. Feministinnen sehen das außereheliche Zusammenleben als Vorteil für Frauen an. (Wie oben bereits erwähnt, zeigen Untersuchungen, daß genau das Gegenteil der Fall sein kann.)

Das Christentum sollte bei der Förderung ausgeglichener, biblisch begründeter Rollen für Ehemänner und -frauen die Führung übernehmen, um eine weitere Erosion der Ehe zu verhindern. Statt dessen beeilen sich einige Konfessionen zum populistischen Verhalten, indem sie sich solchen gesellschaftlichen Trends anpassen. Man hat sogar angefangen, „Verpflichtungszeremonien“ für außereheliche Beziehungen als Alternative zur „Trauungszeremonie“ anzubieten!

Diejenigen, die die Bibel lesen und ihren Aussagen glauben, sehen den Willen Gottes darin, daß Beziehungen zwischen alleinstehenden Männern und Frauen zu einer Ehe führen, ohne daß diese zuerst zusammengelebt haben. Lehren die meisten Kirchen, was Gott zu diesem kritischen Thema sagt, und weisen sie die Menschen konsequent auf das hin, was für sie am besten ist?

„[Wenige] Religionen verbieten eine außereheliche Beziehung oder versuchen sogar diese aktiv zu verhindern. Damit sind die religiösen Schranken wahrscheinlich sehr schwach ... [Da] außereheliche Beziehungen in Amerika immer mehr zunehmen, schwinden die volkstümlichen Unterscheidungen zwischen einem außerehelichem Zusammenleben und einer Ehe. Kurz gesagt: Die rechtlichen, gesellschaftlichen und religiösen Schranken gegenüber einer außerehelichen Beziehung sind schwach und werden wahrscheinlich noch schwächer werden. Wenn es nicht eine unerwartete Wende gibt, scheinen Amerika, die anderen angelsächsischen Länder und die Länder Nordeuropas in die Richtung Skandinaviens zu gehen“ (Popenoe-Whitehead).

Skandinavien, besonders Schweden und Dänemark, ist führend in der Zahl der außerehelich zusammenlebenden Paare – zusammen mit der niedrigsten Eherate und einer der höchsten Scheidungsraten.

Was bringt die Zukunft?

Popenoe und Whitehead gaben folgende Zukunftsprognose heraus: „Wir beobachten größere soziale und kulturelle Trends, die außereheliche Beziehungen für heutige junge Erwachsene attraktiv erscheinen lassen. Es ist unwahrscheinlich, daß außereheliche Beziehungen verschwinden werden.“

Das wird zu noch mehr Mißbrauch von Frauen und Kindern, noch mehr Depressionen, Unglück und noch mehr kaputten Beziehungen führen. Es ist daher vorauszusehen, daß eine neue Gesetzgebung für die Gesundheitsversorgung und die Regelung der finanziellen Interessen zusammenlebender Partner und für das Sorgerecht außerehelicher Kinder aus solchen Beziehungen notwendig sein wird.

Die Zeitschrift Gute Nachrichten kommentiert diese Situation wie folgt: Zusammenzuleben ohne verheiratet zu sein bedeutet nur ein weiteres Glied in der Kette zwischenmenschlicher Fehlentscheidungen, anstatt die Kette zu durchbrechen. Auch wenn das außereheliche Zusammenleben mit wohlklingenden Worten psychologischer Selbsterfüllung aufpoliert wird, widerspricht es dem offenbarten Willen Gottes für uns Menschen und ist daher Sünde. Wenn Menschen den Willen Gottes für zwischenmenschliche Beziehungen mißachten, bezahlen sie einen Preis, ihre Kinder bezahlen einen Preis und ihre ganze Nation bezahlt einen Preis – einen hohen Preis.

Ob ein Paar unverheiratet zusammenleben sollte oder nicht, kann nicht durch wirtschaftliche Faktoren, Bequemlichkeiten, persönliche Vorlieben oder gesellschaftliche Trends entschieden werden. Die Ehe ist eine göttliche Institution, verfügt von unserem Schöpfer. Er allein bestimmt die Regeln. Er weiß am besten, was funktioniert und was nicht. Die Menschen täten besser daran, sich an dem Willen ihres Schöpfers zu orientieren, anstatt nach eigenem Gutdünken zu experimentieren.

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von esther10 28.12.2015 00:25

Vatikan Welt Papst
26.12.2015 - 16:42

Meldung
Papst Franziskus prangert Schweigen über Christenverfolgung an

Papst Franziskus hat zu Weihnachten Schweigen über Christenverfolgung angeprangert. Am Festtag des erstlichen christlichen Märtyrers Stephanus forderte er zum Gebet für die Verfolgten auf.

Vatikanstadt (KNA) Papst Franziskus hat der westlichen Welt ein "beschämendes Schweigen" angesichts von Verfolgung und Bedrohung der Christen im Nahen Osten, Afrika und Asien vorgeworfen. "Beten wir für die Christen, die in der Verfolgung leben, oft unter dem beschämenden Schweigen so vieler Mitmenschen", heißt es in einer Twitter-Botschaft.

Zum Abschluss des traditionellen Angelus-Gebets auf dem Petersplatz rief der Papst am gleichen Tag zum Gebet für die verfolgten Christen in aller Welt auf, die wie der heilige Stephanus wegen ihres Glaubens verfolgt würden. "Leider sind das sehr viele", so Franziskus. Anlass des Appells war das Fest des heiligen Stephanus, der am zweiten Weihnachtstag (26. Dezember) als erster Märtyrer der katholischen Kirche verehrt wird. In seiner Weihnachtsbotschaft hatte der Papst die internationale Gemeinschaft am ersten Weihnachtstag aufgefordert, die "Grausamkeiten" des islamistischen Terrorismus zu stoppen.

Zuverlässige Statistiken zu religiös motivierter Diskriminierung, Bedrohung und Verfolgung von Christen weltweit gibt es nicht. Vor allem im Irak und in Syrien werden Christen von der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) verfolgt. Nach Angaben des Hilfswerks "Open Doors" sind weltweit mehr als 100 Millionen Christen betroffen, mit steigender Tendenz. Die beiden großen Kirchen in Deutschland halten diese Zahl für nicht überprüfbar.

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