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von 09.09.2013 07:11

09.09.Petrus Claver


Herr, mein Gott,
dir soll mein Herz gehören,
dir allein.
Du bist mein Friede
und mein Leben,
du mein Heil.
Nur dich will ich noch suchen,
von dir allein ergriffen sein,
dir unwiderruflich zu eigen sein.




Petrus Claver 1580-1654 Ordenspriester

Pedro wurde 1580 in Spanien geboren. Während seines Theologiestudiums trat er 1602 in den Jesuitenorden ein. Noch während seines Studiums bekam er über die Berichte von Mitbrüdern Einblick in die Nöte der Schwarzen, die man als Sklaven nach Amerika verschiffte. 1610 sandte ihn der Orden nach Cartagena, einem für den Handel mit Spanien wichtigen Hafen in Kolumbien. Dort wurde er 1616 zum Priester geweiht und diese Stadt bildete von nun an das Zentrum seines Wirkens.
Als Hafenstadt war Cartagena auch ein Zentrum des Sklavenhandels. Petrus kümmerte sich in selbstloser Nächstenliebe um die Sklaven, die hier eintrafen und weiterverkauft wurden. Er brachte ihnen Lebensmittel und Kleidung und hatte im Jesuitenkolleg auch eine eigene Ambulanz für die Kranken eingerichtet, die ihm besonders am Herzen lagen. Darüber hinaus sorgte er dafür, dass die Sklaven unterrichtet wurden und gab auch eine Einführung in den katholischen Glauben. Viele ließen sich von ihm taufen, sein Beichtstuhl blieb vor allem den Schwarzen vorbehalten.
Petrus selbst führte ein asketisches Leben, fastete viel und schlief auf einer einfachen Matratze. Er nannte sich selbst stets den "Sklaven der Sklaven" - im Volksmund wurde er aber der "Apostel der Schwarzen" genannt. Das Ende seines Lebens ist gezeichnet von verschiedenen Krankheiten, die ihn ans Bett fesselten. Er starb 1654 im Jesuitenkolleg von Cartagena. Bei seiner Beerdigung war die ganze Stadt zugegen. Sein Leichnam ruht in einem Kristallsarg unter dem Altar der nach ihm benannten Jesuitenkirche.
Petrus wird verehrt als Schutzheiliger Kolumbiens und wegen seines Einsatzes für die Sklaven ist er auch zum Patron der Menschenrechte geworden. Nach ihm ist die 1894 von Maria Teresia Ledóchowska gegründete Sodalität der Missionsschwestern vom hl. Petrus Claver benannt, die in Afrika wirkt.

Ich weiß oft nicht, was für ein Wind mich vorantreibt, wohin mein Schifflein segelt, wie ich festsitze und wie ich meinen Kurs richtig steuere. - Ich vertraue auf Gott, meinen Herrn, der mir alles zum Besten schickt. Des Ewigen, nicht des Zeitlichen wegen bin ich erschaffen und erlöst worden.

von 07.09.2013 10:54

7. September – Der heilige Peter Claver



Peter, der eigentlich Claver hieß und von Geburt ein Spanier war, hat laut und kräftig und mächtig gegen die Sklaverei gekämpft und hat sich dadurch einen unsterblichen Ruhm erworben.

Zäh und lange kämpfte das Christentum gegen die Unmenschlichkeiten der Sklaverei, aber kaum war es ihm gelungen, in Europa wenigstens die schlimmsten Missstände dieser Menschenschinderei abzustellen, da gab es nach der Entdeckung Amerikas einen Rückfall bösester Art. Zu Millionen wurden Menschen in Afrika auf regelrechten Menschenjagden gefangen. Sie wurden unter den unwürdigsten Umständen auf Schiffen nach Amerika verfrachtet, wo sie in harter Fronarbeit auf großen Landgütern oder in Gold- und Silberbergwerken ein unmenschliches Dasein fristeten. Ein Unrecht war es, das laut zum Himmel schrie.

Peter Claver wurde der Helfer und Retter in der Not. Mit jungen Jahren war er zu Hause in den Jesuitenorden eingetreten. Und als er von den Grausamkeiten gegen die Sklaven hörte, hielt es ihn nicht mehr in der friedlichen Ruhe der heimatlichen Klöster. Noch bevor er die Priesterweihe empfangen hatte, siedelte er nach Cartagena über, einem der Haupthandelsplätze der Sklavenjäger, an der Ostküste Südamerikas. Er lebte und litt und schaffte und sorgte vierzig Jahre lang unter unvorstellbaren Schwierigkeiten und ungezählten Opfern für das leibliche und geistliche Wohl der Sklaven. Es war ein Dienst, der weder Geld noch Ehre einbrachte, denn niemand entlohnte den Heiligen für seine Mühen. Die vornehmen Leute verachteten ihn. Die Sklavenhändler hassten ihn sogar, weil er ihnen, wo es nur möglich war, auf die Finger klopfte und ins Handwerk pfuschte. Nichts jedoch konnte den eigentlich schwachen Mann, der so dünn wie ein Gerippe war, aber ein liebendes und starkes Herz besaß, davon abhalten, stets und überall für seine Schützlinge eine Lanze zu brechen und als ein Ritter ohne Furcht für sie aufzutreten.

Sooft, und es geschah leider all zu oft, ein Schiff mit Menschenfracht im Hafen in Cartagena einlief, war Peter Claver zur Stelle. Er verteilte an die Hungernden viele Gaben, Kleider und Lebensmittel, holte die Kranken an Deck, bediente und betreute sie und sorgte für den Transport ins Spital. Alle diese Hilfeleistungen waren allerdings nur Tropfen auf einen heißen Stein. Erst als es dem Heiligen gelungen war, bei den Behörden eine Vorschrift durchzudrücken, nach der die Sklaven bei der Ankunft aus Afrika erst eine Zeitlang in Cartagena bleiben mussten, bevor sie ins Landesinnere zur Zwangsarbeit verschleppt wurden, konnte sich seine Hilfstätigkeit nachhaltiger auswirken. Da es ihm mit seinem priesterlichen Herzen auch um die Bekehrung der Sklaven ging, hat Peter Claver auch über dreihunderttausend von ihnen mit eigener Hand getauft. Damit wollte er ihnen vor allem ihr trauriges Schicksal etwas erleichtern und ihnen den Herzensfrieden vermitteln, der sie stärkte, das harte Los etwas leichter zu tragen. Nicht zu wiegen ist der Segen, der von diesem Mann mit dem Herzen auf dem rechten Fleck ausgegangen ist.

Im Jahr 1650 zog sich Peter Claver im Dienst der Liebe die Pest zu. Zwar wurde er wieder gesund von der Krankheit, aber von da an war er gelähmt, so dass er weder gehen noch stehen noch die heilige Messe feiern noch allein essen konnte. Da ließ er sich zur Kirche tragen und hörte alle Tage Beichte früh und spät, bis ihn nach vier leidvollen Jahren die von ihm innig verehrte Mutter Gottes an ihrem Geburtstag von allen Leiden erlöste und in die ewige Freude holte.

von 06.09.2013 10:21


Dem Herzen Jesu singe!



Ich hatte bitteren Kummer und ich hatte niemand, dem ich mich hätte aussprechen können; niemand, dem ich meine Seelenkämpfe und Stürme hätte anvertrauen mögen.

Ein Gefühl gänzlicher Verlassenheit überkam mich bei dem Gedanken, dass das Elternhaus mir täglich fremder und fremder geworden sei seit dem Tod meiner guten Mutter. An Vergnügungen, wie sie ein 18jähriges Mädchen wohl sucht, das nur ganz für die Welt erzogen, fehlte es nicht. Sonst aber blieb ich mir ganz selbst überlassen und täglich wurde es leerer und öder in meinem Herzen, an das die Gnade schon manches Mal vergeblich angeklopft hatte, bald leise, bald laut.

In dieser Seelenstimmung verließ ich eines Tages das Haus und unwillkürlich lenkte ich meine Schritte zum Gotteshaus. Dort, wo ich allsonntäglich die Liturgie mit anderen jungen Mädchen zusammen auf der Orgelbühne sang, wohin ich immer mit so freudigem Eifer eilte, wenn ein Konzert die Kirche bis zum letzten Platz füllte: dort wird es vielleicht still werden in meinem Innern, so dachte ich. Es drängte mich hin zu Gott, mit ihm wollte ich allein sein; er war es, den ich suchte, aber in Dunkelheit, und den ich nicht fand. „Verschlossen!“ kam es enttäuscht und tonlos über meine Lippen, als ich die Hand auf das schwere Schloss der Kirchentür legte; denn die Kirchen sind ja untertags verschlossen.

Fast mechanisch schritt ich weiter auf der schon im Abenddunkel liegenden Straße, mit den Tränen kämpfend, die heiß emporstiegen. Ich achtete nicht darauf, wie weit ich schon gegangen sei. Plötzlich aber blieb ich stehen, um den vollen Akkorden einer Orgel zu lauschen. Vergebens suchte ich beim Schein der Laterne die Kirche, in der eine solche doch nur sein kann; nur ein offener, dunkler Torbogen lag vor mir, in den ich eintrat. Ein enger Hofraum zeigte eine Tür, die nur angelehnt war; von dorther kam die Musik.

Leise schob ich die Tür ein wenig auf, durch eine zweite Tür schimmerte Licht und kurz entschlossen trat ich ein. – Welch eine glückliche Fügung! Ich stand in einer katholischen Kirche. – Dass eine solche sich in der kleinen, ganz protestantischen Stadt befand, hatte ich gar nicht gewusst.

Das Kirchlein selbst war eng und klein, aber sauber und freundlich wie ein Schmuckkästchen und die ewige Lampe vor dem kleinen Hochaltar erhellte mit ihrem rosigen Schimmer den düsteren Chor. Auf einem kleinen Seitenaltar stand eine Herz-Jesu-Statue und diese selbst war festlich geschmückt.

Eben setzte die Orgel wieder aufs neue ein und nun hörte ich, dass oben geübt wurde. Es musste nur ein kleiner Chor junger Mädchen sein. Die Altstimmen waren überwiegend stark; auch eine dritte Stimme fehlte nicht. Aber der Sopran klang schwach und wenig durchgreifend.

Trotzdem ergriff mich die süße Melodie des Liedes, sie klang mir in die Seele hinein. Wieder und immer wieder aufs neue übte man dasselbe Lied. Bald konnte ich es auch. Bei dem jubelnden Schluss eines jeden Verses hätte ich einstimmen mögen, um mit meiner vollen Stimme, die Gott mir gegeben hat, zu helfen, dass es doch noch jubelnder klingen möchte.

Dieser stille Wunsch sollte kein bloßer Wunsch bleiben. Gewissermaßen zu meiner Ermutigung knistert droben auf der Orgelbühne unter den Taktschlägen des Dirigenten ein loses Blatt. Nun flattert es langsam näher und näher von oben herab und fällt zu meinen Füßen zur Erde nieder.

Freudig bücke ich mich. „Dem Herzen Jesu singe,“ lese ich unter der einzigen Gasflamme; mit starker Schrift steht es über den schlecht geschriebenen Noten, aber ich lese sie schon. Wieder klopft der Taktstock oben – wieder dasselbe Lied.

Ich kann es nicht lassen, nicht länger in der Kehle zurückhalten, was aus tiefster Brust emporsteigt, und so singe ich denn aus voller Kehle und freue mich, dass es klingt. Die zweite Strophe wird mit gleicher Begeisterung gesungen. Ich höre lebhafte, gedämpfte Stimmen und nun kommt mit hastigen Schritten jemand die Treppe, die zur Orgelbühne führt, herunter. Eilig will ich mich zur Tür wenden, aber im nächsten Augenblick steht ein junges Mädchen meines Alters vor mir und sagt in etwas schüchternem, aber freundlichem Ton: „Ach, liebes Fräulein, der Herr Lehrer lässt Sie bitten, doch heraufzukommen und mit uns zu üben. Wir müssen das Lied morgen zur ewigen Anbetung hier singen. Aber unsere beste Sängerin ist krank geworden und wir sind nur so wenige. Herr Lehrer hat es sogleich herausgehört, dass Sie unten mitsangen.“ Ich war sehr verlegen und wollte auch nicht verraten, wer ich sei. Im Städtchen waren wir noch wenig bekannt, weil mein Vater vor kurzem erst dorthin versetzt worden war.

Aber das Lied, das schöne Lied, es war zu verlockend für mich, ich musste es können, wenn ich auch Protestantin war. – So stand ich denn gleich darauf in der letzten Reihe der kleinen Mädchenschar bei der Orgel. Meine anfängliche Verlegenheit verbarg ich hinter dem Notenblatt und sang tapfer mit.

„Also morgen pünktlich um 6 Uhr!“ sagte der Lehrer zum Schluss. Offenbar hatte er die Absicht, auf mich zuzukommen; ich bemerkte es. Jedoch, um dies zu verhindern, war ich die erste, die eilends die Kirche verließ.

Seltsam, - mit welcher Stimmung war ich doch gekommen und wie ging ich von dannen! Hatte ich mir das Leid von der Seele gesungen? Es schien so. Noch immer klang es jubelnd in mir nach:



„Gelobt, gebenedeit

Soll sein zu jeder Zeit

Das heiligste Herz Jesu,

In alle Ewigkeit.“



Und leise sang ich es vor mich hin, während ich durch die dunklen Straßen nach Hause eilte. Was die ewige Anbetung recht sei, wusste ich nicht. Ich dachte auch nicht viel darüber nach; aber mitsingen wollte ich das Lied für jeden Fall.

So kam es denn, dass ich am folgenden Tag wieder zwischen meinen jugendlichen Gefährtinnen auf der Orgelbühne stand, die mich, freundlich lächelnd, mit etwas neugierigen Mienen empfingen.

Wie so gerne hätte ich einen Blick hineingetan in das hellerleuchtete Kirchlein von oben herab, aber ich stand ganz im Hintergrund. Ich hörte unten den Priester beten und die Andächtigen antworten; ich sah am Hochaltar die Kerzen blinken, aber den guten Gott, den erbarmenden Heiland in der Monstranz, sah ich nicht. Wohl aber wird sein allsehendes Auge auf mir geruht haben. Ja, der mich da wieder mit so deutlicher Stimme gerufen hatte, er sah mich auch.

Nun kam unser Lied an die Reihe. Wie schön es klang, so frisch und jubelnd! Denn auch die erkrankte Sängerin hatte sich wieder eingefunden.

„Da haben sich aber der liebe Herrgott und die Engel im Himmel gefreut,“ sagte der Lehrer mit wohlwollendem Lächeln, als die letzte Schlussstrophe verklungen war. Er ahnte nicht, dass ein Ruf der Gnade mit diesem Lied ertönte – hinein in ein armes, zagendes und irrendes Menschenherz.

Leise und unbemerkt hatte ich mich wieder entfernt. Als ich aber auf der stillen, öden Straße stand, überkam mich plötzlich ein Empfinden, das ich nicht in Worte zu bringen vermag. Ich hätte lachen und weinen mögen zugleich.

Zu der stillen, freudigen Zuversicht, die mich plötzlich erfüllte, schlich sich ein Weh in meine Seele, das bitterstem Heimweh gleichkam und das mir geblieben ist, bis zu dem Tag, an dem ich endlich nach langem Ringen und Kämpfen aufgenommen wurde in den Schoß der heiligen katholischen Kirche. Einige Jahre darauf, nachdem ich anderswo verheiratet war, besuchte ich auf einer Reise auch das kleine, liebe Städtchen wieder. Mein guter Mann, der mich begleitete, erfüllte gern meine Bitte, mit mir das traute, liebe Kirchlein aufzusuchen, in dem ich einst so freudig mitgesungen hatte, obwohl ich gänzlich fremd war. Nun war ich nicht mehr fremd, denn überall, wo immer eine ewige Lampe glüht, sind wir zu Hause und die Kirchtür ist uns nicht verschlossen.

Deshalb störte es auch jetzt nicht die heilige Stille, als auf der Orgel das liebste meiner Lieder, das ich hier zum ersten Mal gesungen hatte, in jubelnden Akkorden gespielt wurde:



„Dem Herzen Jesu singe

Mein Herz in Liebeswonn`!“



Nach meiner Konversion hatte ich nach und nach all die schönen Lieder und Gesänge gelernt, die so viel beitragen zur Verherrlichung des Gottesdienstes. Anfangs war es mir immer hart gewesen, dass ich nur schweigend zuhören musste, wenn in der Kirche gesungen wurde. Aber ein Lied konnte ich, und als ich zum ersten Mal als Katholikin in stiller Anbetungsstunde vor dem heiligsten Sakrament kniete und mit den Augen des Glaubens das Herz erkannte, das für die ganze Welt in heißer Liebe sich erschloss, da sang ich mit wahrem Herzensjubel den Lobgesang mit, den die andächtige Menge anstimmte:



„Dem Herzen Jesu singe

Mein Herz in Liebeswonn`,

Durch alle Wolken dringe

Der laute Jubelton.“



und nie soll in meinem Herzen verklingen das dankende:



„Gelobt, gebenedeit

Soll sein zu jeder Zeit

Das heiligste Herz Jesu,

In alle Ewigkeit.“

von 05.09.2013 06:35

•WIE DU MIR SO ICH DIR
Ein Junggeselle ist oft zu Hochzeiten in der Verwandtschaft eingeladen. Nach der Hochzeit wird ihm immer wieder gesagt: "Und das nächste Mal bist du dran!" Jedes Mal ärgert er sich über diese Sprüche und denkt nach, was er dagegen tun könnte. Nach dem nächsten Begräbnis in der Verwandtschaft sagt er zu jedem seiner Gesprächspartner: "Gelt, und das nächste Mal bist du dran!"

von 03.09.2013 12:06

3. September – Die heilige Ludmilla (im 10. Jahrhundert)
Ludmilla wurde um das Jahr 873 von heidnischen Eltern in Böhmen geboren. Ihr Vater, Slaviborig, war Graf und Erbherr zu Melnik und in den umliegenden Orten. Ihre Mutter, Lidoslava, war ebenfalls aus einer alten adeligen und reichen Familie entsprossen. Borzivojus, Sohn des damals regierenden Herzogs in Böhmen, wählte sie wegen ihrer guten Eigenschaften zur Gemahlin. Nicht lange danach fügte es Gott, dass ihr Gemahl mit vielen Vornehmen dem König der Markomannen einen Besuch abstattete, wo eben die zwei mährischen Apostel, Cyrillus und Methodius, anwesend waren. Sie predigten auch vor ihnen Christus den Gekreuzigten, außer dem kein Heil ist; und ihre Worte wirkten durch Gottes Gnade in den erzen des Herzogs und seiner Großen eine solche Überzeugung, dass er und viele von ihnen die heilige Taufe empfingen. Er nahm die heiligen Apostel mit sich an seinen Hof, und durch sein Beispiel und ihre salbungsvollen Worte wurde Ludmilla von der Lehre Jesu so überzeugt, dass sie mit ihren Kindern, ihrem Vater und ihren Brüdern zu Melnik vom heiligen Methodius feierlich die Taufe empfing.

Von diesem Augenblick an führte sie ein heiliges Leben, täglich beweinte sie ihre bisherige Blindheit, sie lag am Tag und des Nachts oft auf ihren Knien vor Gott, verweilte gern im Haus des Herrn, empfing oft die heiligen Sakramente, und wurde, gestärkt durch die göttliche Kraft, immer eifriger im Guten. Sie ließ die Götzenbilder zerschlagen, beschenkte die Kirchen, besonders zu Melnik und Bunzlau, mit verschiedenen Kirchengefäßen, und war die zärtlichste Mutter verlassener Armen.

Sie hatte ein großes Verlangen, Gott noch eifriger zu dienen, und ihr Leben fern von allen irdischen Freuden und dem Umgang mit Menschen zuzubringen. Sie trug dieses Verlangen ihrem Gemahl vor, der, von gleichem Geist beseelt, ihr den Wunsch äußerte, selbst genau das zu tun. Borzivojus übergab daher die Regierung seinem Sohn Wratislaus, der schon die Mündigkeit erreicht hatte, und ging mit Ludmilla und einem alten Priester, Namens Paulus, in die Einöde von Tetin, um da, fern von den Gefahren und den Zerstreuungen des Hofes, Gott allein zu dienen.

- Wratislaus wurde mit einer heidnischen Gattin, Drahomira, vermählt, in der Hoffnung, sie werde für ihn zu Jesus Christus gewonnen werden. Aber sie wollte die Religion Jesu Christi nicht annehmen. Indessen wurde dem Wratislaus von seiner Gemahlin ein Sohn, Wenzeslaus, der von der Kirche als ein Heiliger verehrt wird, geboren. Diesen ließ Ludmilla mit seiner christlichen Säugamme sogleich zu sich bringen, um ihn selbst im Christentum und in der wahren Frömmigkeit zu unterrichten und aus ihm einen Fürsten zu bilden, der für die Verbreitung des Christentums, welches das erste Augenmerk ihrer Sorgfalt war, stets eifern würde. Der unvermutete Tod des Wratislaus aber machte in der Regierungsfolge eine Abänderung notwendig. Der sterbende Fürst empfahl Böhmens Schicksal und besonders die Aufrechthaltung der christlichen Religion seiner Mutter Ludmilla, da sein Vater schon gestorben war. Hierüber war Drahomira äußerst aufgebracht; sie konnte es nicht ertragen, dass sie keinen Teil an der Regierung haben, und die gänzliche Zerstörung des Götzendienstes ansehen sollte. Sie sann daher auf eine Gelegenheit, ihre Schwiegermutter auf eine meuchelmörderische Weise los zu werden. Gott zeigte der Heiligen den Tag des ihr bevorstehenden Todes an. Ohne Gedanken an Rache brachte sie zuerst ihre zeitlichen Angelegenheiten in Ordnung. Sie gab jedem aus ihrer Dienerschaft, nebst einigen sehr nützlichen Lehren und Ermahnungen, den noch rückständigen Lohn, verteilte das noch übrige Geld unter die Armen, empfing dann die heiligen Sakramente und erwartete, voll Zuversicht auf den Beistand Gottes, ihre Mörder. Es erschienen zwei heidnische Fürsten, Tuman und Kuman. Sie bewirtete die beiden mit aller Freundlichkeit und Sanftmut. Während der Nacht brachen sie in ihr Schlafgemach, wo sie Ludmilla im Gebet antrafen und erwürgten sie mit dem Schleier ihres Hauptes im Jahre 927. Man begrub sie anfangs zu Tetin; nach einigen Jahren aber wurde ihr ganz unverwesener Leib von ihrem Enkel, dem heiligen Wenzeslaus, erhoben und in der Kirche des heiligen Georgius zu Prag beigesetzt.

Man nannte die heilige Ludmilla eine Mutter der Armen, einen Fuß der Lahmen, das Auge der Blinden, eine Trösterin der Betrübten und Waisen. Leuchtet die Liebe zu den Armen auch an uns hervor?

von 02.09.2013 08:42

7. September: Gebetstag für den Frieden
(radiovatikan.de) Mit eindringlichen Worten hat Papst Franziskus ein Ende der Gewalt in Syrien gefordert. Bei seinem Angelusgebet in Rom verurteilte er auch ausdrücklich den Einsatz von chemischen Waffen. „Nie wieder Krieg!“, rief der Papst und griff damit einen berühmten Satz seiner Vorgänger Pius XII. und Paul VI. auf. Für den nächsten Samstag lädt Franziskus zu einem Gebets- und Fasttag für den Frieden in Syrien und an anderen Konfliktherden weltweit ein. Er hoffe auf rege Teilnahme an einem Gebetstreffen am Samstagabend auf dem Petersplatz, so der Papst. Franziskus bat auch die anderen christlichen Konfessionen, sich seiner Initiative anzuschließen.
„Ich will mir den Schrei zu eigen machen, der mit wachsender Sorge aus jedem Teil der Erde, aus jedem Volk, aus dem Herzen eines jeden aufsteigt, aus der ganzen Menschheitsfamilie: Das ist der Schrei nach Frieden! Wir wollen eine Welt des Friedens, wir wollen Männer und Frauen des Friedens sein, wir wollen, dass in dieser unserer Gesellschaft, die von Spaltungen und Konflikten durchzogen wird, der Friede ausbreche! Nie wieder Krieg! Nie wieder Krieg!“
Der Friede sei „ein zu wertvolles Gut“, er müsse stetig gefördert und beschützt werden, so Papst Franziskus. Er nehme starken Anteil an allen Konflikten, die es auf der Erde gebe. „Aber in diesen Tagen wird mein Herz vor allem durch das verwundet, was in Syrien passiert. Ich bin bestürzt über die dramatischen Entwicklungen, die sich abzeichnen.“ Er rufe aus tiefstem Herzen nach Frieden in Syrien, sagte der Papst. „Wieviele Leiden, wieviel Zerstörung, wieviel Schmerz hat der Gebrauch von Waffen über dieses gemarterte Land gebracht und bringt es immer noch darüber, vor allem über die wehrlose Zivilbevölkerung! Denken wir daran, wieviele Kinder nicht mehr das Licht der Zukunft sehen werden! Mit besonderer Bestimmtheit verurteile ich den Einsatz von Chemiewaffen: Ich versichere euch, dass sich die schrecklichen Bilder der letzten Tage mir ins Gehirn und ins Herz gebrannt haben.“
Es gebe „ein Gericht Gottes und auch ein Gericht der Geschichte über unser Tun“, und niemand könne sich dem entziehen, mahnte der Bischof von Rom, der sich am Samstag mit seinen engsten Mitarbeitern ausgiebig über das Thema Syrien beraten hatte. „Der Einsatz von Gewalt führt niemals zum Frieden. Krieg bringt Krieg hervor, Gewalt bringt Gewalt hervor! Mit aller Kraft rufe ich die Konfliktparteien dazu auf, die Stimme des Gewissens zu hören und sich nicht in den eigenen Interessen zu verschließen. Sie sollen auf den anderen als auf einen Bruder sehen und mit Mut und Entschlossenheit die Begegnung und den Verhandlungsweg wählen, um die blinde Gegnerschaft zu überwinden.“ Mit „ebensoviel Nachdruck“ rief Papst Franziskus die internationale Gemeinschaft auf, endlich „ohne weitere Verzögerung“ mit allen Kräften „klare Initiativen für den Frieden“ in Syrien zu unternehmen. Diese Initiativen müssten „den Dialog und Verhandlungen“ zur Grundlage haben. Auf einen möglichen Waffengang der USA und westlicher Verbündeter in Syrien ging Franziskus nicht ein.
„Man sollte keine Mühe scheuen, um allen Betroffenen dieses furchtbaren Konflikts humanitäre Hilfe zu garantieren, vor allem den Obdachlos Gewordenen in Syrien und den zahlreichen Flüchtlingen in den Nachbarländern.“ Hilfswerke bräuchten unbedingt Unterstützung, damit ihre Anstrengungen die Bevölkerung erreichten.
„Was können wir tun für den Frieden in der Welt? Wie Papst Johannes gesagt hat: Es ist die Aufgabe aller, die Beziehungen des Zusammenlebens in Gerechtigkeit und Liebe fester zu knüpfen.“ Damit bezog sich der Papst auf die berühmte Friedens-Enzyklika Pacem in Terris seines Vorgängers, des seligen Johannes XXIII. „Eine Kette des Einsatzes für den Frieden möge alle Männer und Frauen guten Willens untereinander verbinden! Das ist ein dringender Appell, den ich an die ganze katholische Kirche richte, aber auch ausweite auf die Christen anderer Konfessionen, auf die Anhänger jeder Religion und auch auf die Brüder und Schwestern, die nicht glauben: Der Friede ist ein Gut, das jedes Hindernis überwindet, er ist ein gemeinsames Gut der Menschheit.“
Eine „Kultur der Begegnung und des Dialogs“ sei „der einzige Weg zum Frieden“, fuhr Franziskus beschwörend fort. Im Gegensatz zur üblichen Praxis war der Entwurf seiner Ansprache vom Vatikan den Journalisten nicht vorab übermittelt worden. „Möge der Schrei nach Frieden laut aufsteigen, damit er das Herz aller erreicht und alle die Waffen niederlegen! Darum, liebe Brüder und Schwestern, habe ich entschieden, für die ganze Kirche am 7. September, der Vigil des Festes Mariä Geburt, einen Tag des Fastens und des Gebets für den Frieden in Syrien, im Nahen Osten und weltweit anzusetzen. Ich lade auch die nicht-katholischen christlichen Brüder, die Angehörigen anderer Religionen und alle Menschen guten Willens dazu ein, sich dieser Initiative anzuschließen.“ Für die Initiative von Papst Franziskus gibt es vor allem im Pontifikat von Johannes Paul II. (1978-2005) Vorbilder. So bemühte sich der polnische Papst in den achtziger Jahren vor einem Gebetstreffen für den Frieden in Assisi um einen weltweiten Waffenstillstand. Weil eine Reise in den Irak zum Heiligen Jahr 2000 nicht zustandekam, hielt Johannes Paul II. einen Gebetstag für den Irak im Vatikan ab.
„Am 7. September von 19 bis 24 Uhr werden wir uns hier auf dem Petersplatz zum Gebet und in einem Geist der Busse treffen, um Gott um das Geschenk des Friedens zu bitten für die geliebte syrische Nation und alle Konflikt- und Gewaltherde in der Welt. Die Menschheit braucht Gesten des Friedens, sie braucht Worte der Hoffnung und des Friedens! Ich bitte alle Ortskirchen, dass sie an diesem Tag das Fasten einhalten und einen liturgischen Akt in dieser Intention organisieren.“

von 01.09.2013 12:24

1. September – Der heilige Ägidius

Ägidius heißt auf französisch Gilles. Die Franzosen sagen aber nicht Gilles, sondern Schill. Als es einmal in Köln am Rhein eine Zeit gab, da es zum vornehmen Ton gehörte, französisch zu sprechen, den Kölnern die feine französische Aussprache trotz aller Mühe aber nicht recht gelang, da wurde aus dem Schill ein Schääl.

Über zwölfhundert Jahre ist es her, da ritt einmal, wie die Legende erzählt, der Gotenkönig Wamba auf die Jagd. Es war in einem großen Wald in Südfrankreich . Plötzlich sichtete der königliche Jäger einen prachtvollen Hirsch. Sofort hetzte er mit seiner kläffenden Meute über Berg und Tal hinter dem Tier her, bis sich der Hirsch vor einer Felsenhöhle niederwarf. Da sirrte im gleichen Augenblick des Königs Pfeil klingend durch die Luft.

Als sich dann Wamba der Höhle näherte, zeigte sich für ihn ein unerwartetes Bild. Da lag der Hirsch zitternd und schutzsuchend zu Füßen eines alten Mannes mit wallendem weißen Bart. Von dem Pfeil war das Tier nicht getroffen, sondern der alte Mann. Bei diesem Anblick erschrak der König. Während der Hirsch ins Dickicht flüchtete, untersuchte der unglückliche Schütze die Wunde, die er verursacht hatte. Gottlob, dass es nur eine Fleischwunde von geringfügiger Art war.

Darüber kamen die beiden, der König und der Einsiedler, denn ein solcher war der alte Mann, ins Gespräch. Bald stellte der König staunend fest, dass der andere ein gebildeter und tiefsinniger Mann war. Kurz entschlossen bat Wamba den alten Mann, die Einsiedelei aufzugeben und ihm als Ratgeber auf sein Schloss zu folgen. Doch er schüttelte verneinend den Kopf, schaute den König an und sagte ihm folgende schwerwiegende Worte:

„König Wamba! Wenn du wünschst, dass ich dir diene, so nimm von mir diesen Rat: Geh hin und bekenne die Sünde, die du bisher im Beichtstuhl verschwiegen hast, dann wird dein Herz endlich jene Ruhe finden, die du schon lange vergeblich suchst.“

Da erschrak der König zum zweitenmal an diesem Tag. So hatte noch keiner in seiner Seele gelesen. Tief beschämt verneigte er sich vor dem, der ihm die Wahrheit ins Gesicht geworfen hatte, entfernte sich schweigend, tat wie ihm gesagt und fand die Ruhe des Herzens zurück. Dieser Einsiedler aber war der heilige Ägidius.

In einem fremden Land war der heilige Ägidius in Frankreich, denn in Griechenlands vornehmer Hauptstadt Athen war er geboren. Ein liebes Herz besaß er schon als Junge, denn als er einmal ohne Mantel heimkam und man ihn nach dem Kleidungsstück fragte, sagte er so nebenbei, als sei es die natürlichste Sache der Welt, er habe den Mantel einem Armen geschenkt, der ihn auf der Straße um ein Almosen in Christi Namen angesprochen habe.

Nach dem frühen Tod seiner Eltern verteilte er sein nicht geringes Erbe unter die Armen. Weil er den Ruhm und die Ehre scheute, die ihm wegen seiner guten Taten überall hin folgten, verließ er heimlich die Heimat und begab sich nach Frankreich. Dort wollte er als unbekannter Einsiedler ein heiliges Leben führen.

Nach dem Zusammentreffen mit dem König Wamba änderte sich für Ägidius allerdings die Lage. Viele Jünger sammelten sich um ihn und ein Kloster entstand, das der Heilige als Abt bis an sein Lebensende im Jahr 725 leitete. Nach seinem Tod wuchs um das Kloster herum eine Stadt, und seine Grabstätte gehörte viele Jahrhunderte hindurch zu den besuchtesten Wallfahrtsorten der Christenheit.

Der heilige Ägidius war „Gottes und der Menschen Liebling, und sein Andenken ist gesegnet“. Zwei alte deutsche Städte, Nürnberg und Osnabrück, verehren ihn als Schutzherrn. Auch ist er, der wegen seiner vielseitigen Hilfe zu den Vierzehn Heiligen Nothelfern gehört, der Patron der Hirten, der Viehhändler und Bettler. Gegen Krebs, Aussatz und Pest wird er angerufen, ebenso in Gewissensängsten. Ganz besonders soll man sich an ihn wenden um die Gnade einer guten heiligen Beichte dann, wenn man versucht ist, eine Sünde, die gebeichtet werden muss, aus falscher Scham zu verschweigen.

von 31.08.2013 08:54

Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Gott

(radiovatikan.de) „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Dir“ – diesen wohl berühmtesten Satz des heiligen Augustinus nahm sich Papst Franziskus am Mittwochabend zum Ausgangspunkt, um über Nächstenliebe nachzudenken. Er feierte gemeinsam mit dem Augustinerorden [Augustiner Eremiten, nicht zu verwechseln mit den Augustiner Chorherren] die Messe zu Ehren des Heiligen. Mit dieser Messe in der Hauptkirche des Ordens Sant’Agostino, die in der Nähe der Piazza Navona steht, begann gleichzeitig auch das Generalkapitel des Ordens.
Die Unruhe, von der Augustinus spricht, führe zu Gott und zur Liebe, so der Papst. Christen sollten sich von dieser Unruhe antreiben lassen. Franziskus nannte drei verschiedene Weisen, diese wahrzunehmen: Die Unruhe der geistlichen Suche, die Unruhe der Begegnung mit Gott, die Unruhe der Liebe. „Ich möchte denen etwas sagen, die sich Gott und dem Glauben gegenüber gleichgültig fühlen, die sich von Gott entfernt fühlen oder ihn verlassen haben. Wir mit unseren Distanzen und unserem Aufgeben Gottes, klein vielleicht nur, und doch gibt es in unserem Alltag so viel davon: Schau in die Tiefen deines Herzens, schau in dein Innerstes und frage dich: Hast du ein Herz, das Großes will, oder ein Herz, das von den Dingen ruhig gestellt wurde?“
Die Unruhe habe den heiligen Augustinus zu Gott geführt, so der Papst. „Aber auch in der Entdeckung der Begegnung mit Gott hat sich Augustinus nicht abgeschlossen, er hat sich nicht beruhigt, sich nicht in sich selbst abgeschlossen, als ob er schon angekommen wäre, sondern er hat den Weg fortgesetzt. Die Unruhe der Suche nach Wahrheit, der Suche nach Gott, wurde ihm zu einer Unruhe, ihn immer mehr kennen zu lernen und aus sich selbst heraus zu gehen und die Nächsten kennen zu lernen. Genau das ist die Unruhe der Liebe.“
Diese Unruhe, betonte Papst Franziskus, wende sich dem Anderen zu. Das gelte auch für die Orden, vielleicht sogar besonders: Diese dürften sich nicht in bequemen Kommunitäten abkapseln. Sie müssten vielmehr offen sein zum ergiebigen geistlichen und pastoralen Einsatz für die Mitmenschen. „Augustinus ließ sich von Gott beunruhigen und wurde niemals müde, Gott zu verkündigen, seine Botschaft mit Mut weiter zu geben, ohne Furcht und immer mehr zum Bild des Guten Hirten werdend, der seine Schafe kennt, den Geruch seiner Herde aufnimmt und geht, um die verlorenen Schafe zu suchen. Augustinus lebte so, wie es der heilige Paulus an Timotheus schrieb und jedem von uns: ‚Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung.′ (2 Tim 4:2) Der Schatz des Augustinus war dieses Verhalten: Immer gen Gott aufbrechen, immer zur Herde gehen, er war ein Mann in Spannung zwischen diesen beiden Aufbrüchen. Er hat die Liebe nicht ‚privatisiert′, er war immer auf dem Weg, immer unruhig. Das ist der Friede der Unruhe.“
Diese Unruhe bedeute eine tiefe Liebe, schloss der Papst, immer das Gute für den Nächsten suchend, der geliebten Person, so intensiv, dass es auch Tränen bringen kann. Die Unruhe der Liebe treibe uns immer zur Begegnung mit dem Nächsten – ohne darauf zu warten, dass jemand anderer den ersten Schritt macht.

von esther10 31.08.2013 00:38

Ninnive

AN NINIVE ERFÜLLTE SICH DIE BIBLISCHE

WEISSAGUNG

Ninive sollte ein „Schauspiel“ werden: dies weissagte vor ungefähr fünfundzwanzig Jahrhunderten der hebräische Prophet Nahum (3, 6).

In jener Zeit stand die Hauptstadt der grausamen Assyrer auf der Höhe ihrer Macht und ihres Ruhms. Noch konnte der Besucher der stolzen Stadt hören, wie „die Peitschen knallen und die Räder rasseln und die Rosse jagen und die Wagen rollen“ (Nahum 3, 2).

Damals galt Ninive als der Mittelpunkt der Welt. Von seinen Verwaltungsstellen aus wurden Statthalter eingesetzt, die die Provinzen des Riesenreiches beherrschen sollten, das von den Wüsten Persiens und Arabiens im Osten bis zu den grünen Küsten des Mittelmeeres im Westen, von den Grenzen Äthiopiens im Süden bis ans Schwarze Meer im Norden reichte.

Jahrhunderte hindurch unterwarfen die Heere dieser grausamen Nation ein Volk nach dem anderen, zerstörten deren Städte und brachten unsagbares Leid über viele Länder. Als Nahum voraussagte, „daß alle ... fliehen und sagen sollen: Ninive ist verwüstet ...“ (3, 7), schien es unglaubhaft, daß sich das je erfüllen könnte. Seit langem sehnten die geknechteten Völker vieler Länder sich nach Befreiung vom assyrischen Joch; doch ein Retter schien niemals kommen zu sollen.

Dennoch behielt die Prophezeiung recht. Ninive fiel in den Staub. Mit vereinten Kräften zerstörten Meder und Babylonier im Jahre 612 v. Chr. die Stadt. Sie hatten selbst einige Jahrhunderte die harte Hand der Assyrer über sich dulden müssen. Nun übergaben sie die Paläste den Flammen, brachen die Tempel nieder und schleiften die Befestigungen. Der letzte Herrscher in Ninive kam mit seiner Familie und seinem Gefolge beim Brand seiner Residenz ums Leben. Nie hatten die Assyrer Gnade gezeigt; so hatten sie selbst auch keine zu erwarten.

Als Assyrien dem unbarmherzigen Angriff erlegen war, metzelten seine Feinde die Bewohner nieder und vernichteten den Reichtum. Die mächtigen, Jahrhunderte alten Städte wurden zu Trümmerhaufen, um nie wieder zu erstehen.

Etwa zweihundert Jahre nach der Zerstörung Ninives marschierte der Grieche Xenophon mit 10000 Söldnern (nach der Schlacht bei Kunaxa) am Tigris entlang der Heimat zu. Als er die gewaltigen Steinhaufen des einstigen Ninive erblickte, wollte er wissen, welche große Stadt dies vormals gewesen sei. Bereits damals war ihr wirklicher Name in Vergessenheit geraten. Die Anwohner teilten Xenophon mit, es sei eine Stadt der Meder namens Mespila gewesen. Es ist fast nicht zu glauben, daß somit schon nach zweihundert Jahren der Name Ninives völlig verschollen war. Nochmals einige Jahrhunderte später schrieb der griechische Schriftsteller Lukian, niemand wisse mehr, wo Ninive einst gelegen habe.

Kein Wunder daher, daß zu Beginn unseres skeptischen Zeitalters vielfach die Berichte (in der Bibel und bei den klassischen Autoren), in denen Ninive als mächtige Hauptstadt Assyriens bezeichnet wird, als unzuverlässig hingestellt wurden. Ist es überhaupt denkbar, so lautete der Einwand, daß eine Stadt von solchem Ruhm und solcher Größe wie vom Erdboden fortgewischt wurde, so daß man nicht einmal ihre Lage kennt? Viele Historiker zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts bezweifelten sogar, daß es je eine große assyrische Hauptstadt gegeben habe. Vielleicht haben ja, so meinten sie, die antiken Berichterstatter nur übertrieben, und der Ort sei in Wirklichkeit klein und unbedeutend gewesen. Und doch war dieses Verschwinden des Namens einer der größten Hauptstädte des Altertums nichts anderes als die Erfüllung einer biblischen Voraussage; denn der erwähnte Prophet Nahum hatte bereits Jahrzehnte vor Ninives Untergang im Namen Gottes angekündigt, daß dem Namen dieser Stadt „kein Nachkomme mehr bleiben soll“ (Kap. 1, 14).

Als im 19. Jahrhundert in Assyrien die Ausgrabungen anfingen, erst unter Botta, später unter Layard und Rassam, kannte niemand die Stelle des antiken Ninive. Botta, der den großen Palast Sargons in Chorsabad freilegte, meinte, mit ihm Ninive gefunden zu haben, und gab deshalb seinem Grabungsbericht den Titel „Monuments de Ninive“ (Baudenkmäler Ninives). Auch Layard glaubte, als er die biblische Stadt Kalah (1. Mose 10, 11) ausgegraben hatte, es handele sich um die Bauten Ninives, und nannte sein berühmtes mehrbändiges Werk über seine Entdeckungen „Nineveh and Its Remains“ (Ninive und seine Trümmer). Erst nachdem es gelang, die Keilschrift zu entziffern, merkten die Gelehrten, daß Ninive gegenüber dem heutigen Mosul lag. Dort bedeckten zwei Hügel namens Kujundschik und Nebi-Junus seine alten Paläste und Tempel.

Der Hügel Nebi-Junus trägt auf seiner Spitze ein islamisches Heiligtum (nach der Lokalüberlieferung das Grab des Jona). Deshalb konnten an ihm nie Grabungen nennenswerten Umfangs durchgeführt werden. Dagegen stammen aus dem unförmigen Hügel Kujundschik viele unschätzbare Wertstücke, die heute im Britischen Museum zu London zu bewundern sind, u. a. Tausende von Keilschrifttäfelchen aus der einstigen Bibliothek des Königs Assurbanipal.

Die zerstörten Paläste, Tempel und Wälle Ninives und anderer assyrischer Städte Mesopotamiens waren überhaupt ergiebige Jagdgründe für die ersten Archäologen. Sie bargen aus ihnen geflügelte Stiere, aus einem Stein gemeißelt und bis zu 40 Tonnen schwer, außerdem Hunderte großer Orthostaten, also reliefgeschmückter Steinplatten, die zur Verblendung der inneren Palast- und Tempelwände dienten. Auch Obelisken, Statuen, zierliche Elfenbeinschnitzereien und zahlreiche andere Kunstgegenstände fanden sich.

Die zerstörten Archive Ninives lieferten der jungen Assyriologie Mitte des vorigen Jahrhunderts Zehntausende von Keilschriftdokumenten, die einer erstaunten Welt Einblick in die reiche Literatur und Geschichte dieses alten Landes boten. 1872 erfuhr man, daß die antike Bevölkerung Mesopotamiens die Geschichte der Sintflut im wesentlichen so kannte, wie auch die Bibel sie wiedergibt. Biblische Persönlichkeiten wie Ahab und Hiskia kamen neben anderen in assyrischen Urkunden vor. Auch königliche Namen wie Sanherib und Sargon, die dem Bibelleser aus dem Alten Testament wohlvertraut sind, die andere Quellen aber so gut wie überhaupt nicht nennen, stiegen herauf.

Mosul ist heute die wichtigste Stadt des nördlichen Irak; man erreicht sie in einem der bequemst und best ausgestatteten Eisenbahnzüge des Nahen Ostens. Dort umfängt einen sofort das quirlende Leben der Nachfahren der alten Assyrer. Die Stadt liegt am Westufer des Tigris, während sich die Ruinenstätte des früheren Ninive am Ostufer befindet. Ausgedehnte Hügel, die Reste der ehemaligen Befestigungswälle, sind selbst auf weite Entfernung noch deutlich erkennbar. Begibt man sich in das Gebiet, das diese insgesamt zwölf Kilometer langen Wälle einschließen, so gewahrt man außer dem kahlen Hügel Kujundschik auch das Dorf Nebi-Junus auf einem zweiten großen Hügel. Die sonstigen Reste des alten Ninive, d. h. die einstigen Wohnviertel, sind noch immer von Äckern bedeckt.

Touristen auf Besichtigungsfahrt werden bei dieser und anderen Stadtruinen des alten Assyrien kaum auf ihre Kosten kommen. Abgesehen von einem freigelegten Tor an der Nordmauer, das von zwei mächtigen geflügelten Stieren flankiert wird, erblickt man keinerlei Ruinen. Nur formlose Erd-, Sand- und Schutthaufen bieten sich dem Betrachter. Freilich,wer die Geschichte des berühmten Ortes und die Prophezeiungen über ihn kennt, hält seinen Besuch dennoch für ein außerordentlich lohnendes Unternehmen.

Am zweiten Tage meines Aufenthaltes in Assyrien bestieg ich einen Hügel westlich von Mosul. Man überschaut dort beide Städte – das moderne Mosul und das alte Ninive. Zwischen ihnen fließt der Tigris. Als Jona den Bewohnern Ninives die göttliche Gerichtsbotschaft verkündet hatte, mag er von einem ähnlichen Beobachtungspunkt aus abgewartet haben, ob die Stadt tatsächlich zerstört werden würde. Die Bürger hatten auf seine Worte gehört, und „mehr als hundertzwanzig-tausend Menschen ..., die nicht wissen, was rechts oder links ist“, wandten sich, wie das Buch Jona (4, 11) erzählt, von ihrer Verderbtheit ab und taten Buße. Daraufhin sei Ninive damals verschont worden. Noch anderthalb Jahrhunderte hat die Stadt bestanden, dann fand sie ihr Ende.

Von meinem Aussichtspunkt aus konnte ich die Größe Mosuls mit der Ninives vergleichen. Mosul, so stellte ich fest, nimmt mit seiner heutigen Bevölkerung von über 388000 Einwohnern ein Gebiet ein, das nicht größer als das des alten Ninive ist. Die Angabe der Bibel, daß dort rund 120000 Menschen lebten, braucht man also nicht als übertrieben anzusehen, wie es bisweilen geschehen ist.

In diesem Zusammenhang sei kurz auf eine Bemerkung in Jona 3, 3.4 eingegangen. Dort heißt es: „Ninive ... war eine große Stadt vor Gott, drei Tagereisen groß. Und als Jona anfing, in die Stadt hineinzugehen, und eine Tagereise weit gekommen war“, begann er zu predigen. Die erste Angabe verstanden die Bibelausleger früher so, daß ein Reisender drei Tage gebraucht habe, um einmal außen um die Stadt herumzugehen. Diese Erklärung ist offensichtlich falsch. Denn die Stadtmauern sind ja nur zwölf Kilometer lang.

Andere meinten, es sei damit nicht nur die eigentliche Stadt Ninive gemeint, sondern auch ihre Nachbarstädte Chorsabad, Nimrud und Assur, die zwischen 25 und 100 Kilometer von Ninive entfernt liegen. Auch diese Deutung kann kaum richtig sein: erstens nennt die Bibel nur eine Stadt namentlich; und zweitens heißt es ausdrücklich, ihre Bevölkerung habe 120000 betragen (Jona 4, 11). Wäre mit der Angabe, daß Ninive „eine große Stadt ..., drei Tagesreisen groß“ sei, ganz Mittelassyrien gemeint, so wäre die überlieferte Bevölkerungszahl viel zu klein und der Bericht in sich widersprüchlich.

Die Erklärung des Textes muß also davon ausgehen, daß nur die eigentliche Stadt Ninive gemeint sei, und zwar in der Ausdehnung, wie die archäologische Forschung sie ermittelt hat. Den Bericht über Jona schrieb ein palästinensischer Israelit vornehmlich für Palästinenser. Er und seine Leser hielten Ninive für eine Stadt, die sich an Größe mit keiner anderen in Vorderasien vergleichen ließ. Samaria, die Hauptstadt des Königreichs Israel, bedeckte nur eine Fläche von 7,5 Hektar. Kaum eine Stadt Palästinas überschritt 7 bis 8 Hektar. Für Menschen aus diesem Lande mußte Ninive mit seinen über 800 Hektar riesig erscheinen. Wenn also der Text sagt, die Stadt sei „drei Tagereisen groß“ gewesen, so bedeutet das wahrscheinlich, daß man drei Tage gebraucht hätte, alle Straßen abzugehen und alle Einwohner zu erreichen.

Daß „Jona anfing, in die Stadt hineinzugehen, und eine Tagereise weit gekommen war“, ehe er predigte (3, 4), kann kaum heißen, daß er erst nach einem vollen Tagesmarsch einen Platz in der Stadt gefunden habe, wo er mit seinen Warnreden beginnen konnte.

Vielmehr deutet der Text an, daß Jona bereits am ersten Tage in Ninive seine Wanderpredigt an verschiedenen Stellen der Stadt hielt; über seinen Erfolg wird erzählt: „Da glaubten die Leute von Ninive an Gott.“ (3, 5.)

Gerade in unserer Zeit, in der sich die letzten Vorhersagen über den Lauf der Weltgeschichte erfüllen, lohnt es sich, einmal darüber nachzudenken, wie die biblischen Prophezeiungen über die Weltmächte der Antike in Erfüllung gegangen sind. Wie die Weissagungen über Assyrien und Babylonien werden auch die über die letzten Ereignisse dieser Welt keine leeren Worte bleiben
http://betezujesus.files.wordpress.com/2...0.png%3Fw%3D611

http://haroldgraf.blog.de/2010/06/12/nin...sagung-8786822/

von 29.08.2013 10:43

29. August – Die Enthauptung des heiligen Johannes des Täufers

Johannes der Täufer, der Sohn des Zacharias und der Elisabeth, bei der Heimsuchung Mariä bereits vor der Geburt geheiligt, reifte früh zu ernster Männlichkeit heran und ging mit jungen Jahren in die Wüste, um sich in Gebet und Fasten auf den hohen Beruf vorzubereiten, für den ihn Gott ausersehen hatte. Als er etwa dreißig Jahre alt war, verließ er die Einsamkeit und trat am Jordan als Bußprediger und als der Wegbereiter des Messias auf. Immer wieder wies er auf den einen hin, der nach ihm kommen werde, der größer sei als er und dessen Schuhriemen aufzulösen er nicht verdiene. Und als sich der Heiland bei ihm einstellte und sich von ihm taufen ließ, führte er seine Jünger dem Meister zu. Auch als Jesus seine öffentliche Wirksamkeit begann, setzte Johannes die eigene Tätigkeit fort, bis ihr durch die Gefangennahme von seiten des Königs Herodes ein gewaltsames Ende bereitet wurde.

Herodes hatte einen Bruder, der Philippus hieß. Diesem nahm er die Gattin mit Namen Herodias weg und lebte mit ihr zusammen. Die beiden, Herodes und Herodias, glichen sich allerdings auf ein Haar. Liederliche Menschen waren es. Das ganze Land entsetzte sich über das Ärgernis, das vom Königshaus ausging, aber niemand brachte den Mut auf, dem König die Schande ins Gesicht zu sagen, niemand bis auf einen, und dieser eine war Johannes der Täufer, der vor Herodes hintrat und zu ihm als Mann zu Mann sprach: „Es ist dir nicht erlaubt, deines Bruders Frau zu haben.“ So sagte Johannes, aber der König, der sonst dem Heiligen nicht übel gesinnt war und zuweilen sogar auf seinen Rat hörte, war nicht Manns genug, um den mannhaften Vorwurf des Bußpredigers zu verschmerzen, zumal da die gottlose Frau hinter ihm stand und ihn immer wieder verhetzte, dass er den lästigen Mahner beseitigte. Dazu konnte sich Herodes allerdings nicht entschließen, denn er fürchtete das Volk, das den großen Propheten hochschätzte. Schließlich aber gab der königliche Pantoffelheld dem Drängen der gehässigen Frau insofern nach, dass er den Täufer verhaften und einsperren ließ.

Da kam, wie das heutige Evangelium berichtet, ein gelegener Tag. Herodes feierte Geburtstag. Die Großen des Landes fanden sich zum Fest im königlichen Schloss ein. Es ging hoch her. Man schmauste, man tanzte, und der Wein floss in Strömen, und immer roher und ausgelassener wurde die Stimmung. Gegen Ende des Festes trat dann noch Salome, die nichtsnutzige Tochter der gottlosen Herodias, in den Saal und führte einen losen Tanz auf, der ihr rauschenden Beifall einbrachte, und der König, trunken vom Wein und seiner nicht mehr mächtig, rief der frechen Tänzerin zu, sie könne sich ausbitten, was sie wolle, er werde es ihr geben, und wenn es selbst das halbe Reich wäre, dafür bürge er mit seinem Eid.

Weil Salome im ersten Augenblick nicht wusste, was sie begehren sollte, beriet sie sich mit der Mutter, die sie ohne Bedenken aufforderte, das Haupt des Johannes zu verlangen. Sogleich ging Salome zum König und sagte: „Ich will, dass du mir das Haupt des Täufers auf einer Schüssel gibst.“ Da entsetzte sich Herodes, aber wegen des Schwures und aus feiger Menschenfurcht vor den Gästen willfahrte er dem Begehren, ließ Johannes enthaupten und den Kopf des Vorläufers der Salome auf einer Schüssel überreichen. Diese hinwieder brachte die grausige Schüssel der Mutter, deren Hass mit dem Tod des heiligen Johannes endlich gestillt war. Für den Gemordeten allerdings war der Tod ein herrliches Sterben im Dienst der Wahrheit.

Selbstredend ließ Gott die Bluttat nicht ungestraft. Herodes wurde später bekriegt, überwunden, aus dem Land verjagt und endete als Bettler zu Lyon in Frankreich, wohin ihn der römische Kaiser verbannt hatte. Salome aber brach, wie alte Schriftsteller berichten, eines Tages so unglücklich in einem zugefrorenen Fluss ein, dass ihr die Eisstücke den Kopf vom Rumpf trennten. Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sicher.

von 28.08.2013 22:01


V E R L E T Z U N G E N

Es ist fast nicht zu glauben, aber unsere tiefsten Verletzungen stammen aus der Kindheit (der

Stammbaum ist eine separate Sache) und sind mit unseren Eltern verbunden.

Unsere Eltern können sich nicht ändern, sondern w i r müssen uns ändern.

Unser größter Schmerz liegt nicht einmal in der Verletzung selber, sondern in der Blockade der

Liebe zu jenen, die uns wehgetan haben.

Wir sollten/müssen unsere Wunden anschauen, Loslassen und den Schmerz abgeben. Diese

sind Voraussetzung für die Bewältigung.

Wir übertragen sonst, diese Probleme, die wir mit unseren Eltern hatten auf alle Menschen. Wir

müssen in uns hineinhorchen und dies hochkommen lassen, so dass uns Jesus jetzt in

unserem Zustand heilen kann.

Manchmal haben wir noch Reste dieser Schmerzen von den Verletzungen in uns. Wir sind aber

wie gefühlsleer (wie tiefgekühlt) und diese zeigen sich in gewissen Widerständen den anderen

Menschen und auch Gott gegenüber. Hier müssen wir noch einmal die Vergangenheit

d u r c h l e i d e n um sie dann endlich abzugeben. Lassen wir es doch zu!!

In Jesus sollen wir alles bekommen. Er ist die größte Liebe. Kein anderer Mensch kann uns so

viel Liebe schenken, wie unser guter süßer Jesus! Er ist das größte Geschenk für uns.

Tauchen wir ein in seine unendliche Liebe, die uns erfüllen will. Wir dürfen aber auch weinen,

d. h. unsere Verletzungen dürfen wir alle hinausweinen - und das mit Jesus; er ist bei uns. Er

umarmt uns liebevoll, liebevoller kann das kein Mensch tun.

. . . Lassen wir Jesus ran an unser Innerstes. Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde . . . . . .

Leben wir ganz mit Jesus. Er wird uns befreien - und auch wenn es ein wenig dauert und wir

wieder mutlos werden - nein er macht es mit uns. Er prüft uns auch, ob wir den Weg ganz mit

ihm gehen wollen und nicht aufgeben, auf der Strecke. Haben wir Mut, auch wenn der

Schmerz bleibt. Halten wir aus.

Aber wie reagieren wir auf Verletzungen von früher??

Der eine löst sich von seinen Peinigern und findet neue Bezugspersonen Der andere ist wie

erstarrt in der Abhängigkeit von seinen Peinigern, wird aggressiv, depressiv od. einfach

sprachlos. Der andere stürzt verzweifelt in Ab h ä n g i g k e i t e n von Vergnügungen, immer

auf der Suche nach dem Kick. Oder er beamt sich weg dadurch.

Wir müssen bedenken, dass auch eine überfürsorgliche oder autoritäre Erziehung dieselben

Folgen hervorrufen kann wie wiederholte Androhung von Liebesentzug im Fall, wenn wir den

Gehorsam verweigern. Wir sind manchmal hilflos, weil wir mit versch. Gefühlen u. Bedürfnisse

nicht umgehen können - daher können Depressionen kommen Ein anderer Auslöser ist

Dauerstress.

Depression: Ein emotionaler Eindruck, der nicht ausgedrückt wird, bleibt unterdrückt. Im

starken Schwitzen oder im häufigen Wasserlassen, i. d. zittrigen, weinerlichen Stimme verbirgt

sich oft der Drang, den verbotenen Tränen ein Ventil zu gewähren. (KH

von 27.08.2013 10:37

27. August - Der heilige Josef von Calasanza

Das Andenken an den heiligen Josef von Calasanza hat etwas mit Kindern zu tun, die Jesus im Evangelium sogar über die Erwachsenen stellt: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht in das Himmelreich eingehen.“ Der heilige Josef von Calasanza war ein einzigartiger Kinderfreund, der das Wort des Herrn beherzigte: „Lasst die Kinder zu mir kommen, denn ihnen gehört das Himmelreich.“

Josef, der letzte Nachkomme aus dem adeligen Grafengeschlecht der Calasanza, wurde im Jahr 1556 auf einem Bergschloss in Spanien geboren. Als junger Mann studierte er an der Hochschule zu Lerida die Rechtswissenschaft, um nach dem Wunsch des Vaters später Staatsbeamter zu werden. Sein eigener Wunsch zielte allerdings von vornherein auf das Priestertum, aber er fügte sich dem Wunsch seines Vaters.

Recht locker und lustig war das Leben der Studenten zur damaligen Zeit. Die meisten schwänzten die Schule, schlugen kaum mal ein Buch auf und lernten nichts. Dafür lagen sie halbe Tage und ganze Nächte in den Wirtshäusern und zechten und drangsalierten nebenbei in unverschämter Weise die kleinen Leute. Das nannten sie studentische Freiheit. Als die Lehrer mit Geboten und Verboten dagegen einschritten, protestierten die Gemaßregelten laut und lärmend. Da erhob sich furchtlos unter ihnen der junge Graf von Calasanza. Als einer von ihnen wies er sie zurecht, nahm die Lehrer in Schutz und hielt ihnen vor, dass man Freiheit nicht mit Zügellosigkeit verwechseln dürfe. Frisch und mutig sprach er zu ihnen, und wenn ihm sein kühnes Auftreten anfangs auch Spott eintrug, so konnte man ihm auf die Dauer die Hochachtung nicht versagen. Die Besseren unter den Mitschülern gaben ihm recht, schlossen sich ihm an, studierten eifriger, beteten mehr und wurden später auch tüchtige Leute. Daran sieht man deutlich, was einer ausrichten kann, wenn er keine Menschenfurcht kennt.

Graf Josef von Calasanza ist dann nach Gottes weiser Fügung nicht Staatsmann geworden, sondern Priester, so wie er es sich gewünscht hatte. Er wurde ein eifriger Priester, der in der spanischen Heimat landauf und landab als Volksmissionar tätig war. Als er später eine Wallfahrt nach Rom machte, blieb er dort hängen. Es gefiel ihm nämlich gut in der Ewigen Stadt.

Was dem Heiligen in Rom allerdings nicht gefiel, war die Tatsache, dass es für die Kinder der armen Leute überhaupt keine Schulen gab. Wie die Wilden wuchsen sie heran, lernten nichts und wussten nichts, lungerten auf den Straßen herum, bettelten die Pilger an und verkamen und verlotterten. Nicht selten wurden aus ihnen später Räuber und Diebe. Es ist immer ein großes Unglück, wenn ein Kind ohne Schule heranwachsen muss.

Natürlich gab es damals Schulen für die Reichen, aber um die armen Kinder kümmerte sich niemand. Das war übrigens nicht nur in Rom der Fall, sondern überall, man wusste es einfach nicht besser. Da hat nun der heilige Josef von Calasanza zunächst in Rom eine Schule gegründet, in der er die Kinder der unbemittelten Leute unentgeltlich unterrichtete. Auch Bücher, Papier und Schreibwerkzeuge schenkte er den Kindern. Und als er dabei selbst arm wurde, bettelte er bei den reichen Leuten um milde Gaben.

Noch mehr tat er, denn wenn er tagsüber die lebhaften Römerkinder von Klasse zu Klasse unterrichtet hatte, reinigte er abends die Schulstuben und die Treppen und schnitt in der Nacht den Schülern die Gänsekiele zurecht, mit denen man damals schrieb. Über fünfzig Jahre hat er es so gemacht. Er hat auch einen Lehrorden gegründet, dessen Mitglieder sich dem Unterricht der armen Kinder widmeten. Und weil sich der neue Orden rasch über ganz Europa verbreitete, so entstanden bald überall neue Schulen für die armen Kinder.

Der heilige Josef von Calasanza ist also jener Mann, der die Volksschulen erfunden hat. Nicht tadeln darf man ihn deswegen, man muss ihn vielmehr loben, denn wenn auch die Schule für die Kinder nicht immer angenehm ist, so ist doch nicht zu leugnen, dass der Unterricht allen zum Segen gereicht.

von 25.08.2013 14:52

25. August – Der heilige Ludwig



Wie jeder Stand, so haben auch die Friseure einen himmlischen Patron, und es ist begreiflich, dass sich diese Leute, deren Leben ganz im Dienst der Schönheit steht, nicht irgendeinen, sondern einen sehr vornehmen Schutzherrn ausgesucht haben. Es ist der heilige König Ludwig von Frankreich, der als erster mit der damals allgemein geltenden Sitte brach, einen Bart zu tragen, und sich rasieren ließ. Daher kommt es, dass der heutige Tagesheilige der Patron der Friseure ist.

Der heilige Ludwig war übrigens ein schöner Mensch, blondgelockt, schlank, wohlgebaut und von solcher Körpergröße, dass ihm gewöhnliche Menschen nur bis an die Achsel reichten. Kopfhoch überragte er alle, eine wahrhaft königliche Gestalt, und zu der äußeren Schönheit gesellten sich überdies Hoheit des Geistes und Heiligkeit des Lebens. In Ludwig war das Wunschbild eines christlichen Herrschers erfüllt. Von außen und von innen war alles an ihm königliche Schönheit.

Wie so manches Kind, so verdankte auch Ludwig hauptsächlich der Mutter alles, was er war. Blanka hieß die Mutter, eine kluge und tatkräftige Frau, die während der Minderjährigkeit Ludwigs, der schon mit zwölf Jahren den Königsstuhl bestieg, die Geschicke Frankreichs mit Erfolg leitete. Es war eine prächtige Frau, die in allen Sätteln gerecht war und die durch die vielgestaltigen Regierungsgeschäfte nicht davon abgehalten wurde, das letzte Ziel des Christen stets im Auge zu haben. Auch sie wird von der Kirche als Heilige verehrt. Auf diese Weise wird Ludwigs Leben schon um vieles verständlicher, insofern nämlich eine heilige Mutter einen heiligen Sohn erzog.

Vor allem ließ es sich die heilige Königin Blanka angelegen sein, in ihrem Sohn eine solche Abscheu vor jeder Sünde zu wecken, dass Ludwig trotz der Verlockungen des hohen Standes stets ein sauberer Mensch blieb, und darin ist letztlich alle Schönheit grundgelegt, denn nur die Sünde macht hässlich.

Mit zwanzig Jahren führte Ludwig IX. das schönste Mädchen, das es damals in Frankreich gab, an den Traualtar. Der Ehe entsprossen elf Kinder, die der Vater nach dem Vorbild seiner Mutter mit strenger Liebe zunächst zu Christen und dann erst zu Fürsten erzog. Alle mussten täglich der Heiligen Messe beiwohnen, und wenn eines der königlichen Kinder über die Stränge schlug, so tat es das im Andenken an die scharfe Zuchtrute des Vaters ein zweites Mal nicht mehr. Überhaupt macht man sich zuweilen ein durchaus verkehrtes Bild von den Heiligen, indem man meint, sie liefen nur so über von Gutmütigkeit, die bereits an Dummheit grenzt. Nein, so ist es nicht, denn auch ein heiliger Vater ist beispielsweise nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet, Strenge dort walten zu lassen, wo Güte fehl am Platze ist.

Diese Erfahrungen mussten zu Ludwigs Zeiten auch die Großen des Reiches machen, als sie glaubten, der heilige König werde beide Augen fromm und bescheiden zudrücken, wenn sie die kleinen Leute schindeten und die Armen aussogen. Da schnitten sie sich gewaltig in den Finger, denn Ludwig, sonst mild und gütig, schlug mit eiserner Faust zu.

Auf der anderen Seite zeigte sich Ludwigs große Heiligkeit in einer grenzenlosen Wohltätigkeit. Unsummen gab er an die Armen weg, die in seinem Haus sogar Tischrechte besaßen. Der König scheute sich nicht, mit Bettlern und Aussätzigen zu speisen, und überall, wohin er kam, besuchte er die Kranken in den Spitälern. Als ihm einst ein Minister gutgemeint vorhielt, er übertreibe, verliere zu viel Zeit beim Beten und Wohltun, gab der Getadelte die wahrhaft königliche Antwort: „Wenn ich ständig bei Spiel und Gelage säße und wochenlang auf der Jagd läge, so würde mir das vornehme Geschmeiß keinen Vorwurf machen. Ich tue weiter, was ich bisher tat.“

Zweimal unternahm der ritterliche König, dem Zug des frommen Herzens folgend, einen Kreuzzug zur Rückgewinnung des Heiligen Landes. Beide Male ohne Erfolg, und als im Heer auf dem letzten der Kreuzzüge die Pest ausbrach, erlag auch Ludwig der Seuche am 25. August 1270, und da hat ihn Gott, wie das heutige Kirchengebet sagt, von dem irdischen Königreich in die Glorie des himmlischen Reiches versetzt.

von 24.08.2013 09:50

24. August – Der heilige Theoderich (+ 1087)

In Belgien lebte vor etwa 900 Jahren eine fromme Soldatenfrau, die einen sonderbaren Traum hatte. Sie träumte, sie gehe in priesterlicher Kleidung an den Altar, lese die Heilige Messe, gebe dem Volk den Segen, und ziehe dann in der Sakristei das Messgewand wieder aus, als sei sie das schon lange gewöhnt. Eine gottselige Person, der sie es erzählte, legte dem Traum die Bedeutung bei, dass das Kind, das Gott ihr schenken werde, von Gott zum Priester bestimmt sei. Wirklich bekam sie bald darauf einen Sohn, dem in der heiligen Taufe der Name Theoderich gegeben wurde. Als er ungefähr sieben Jahre alt war, kamen die beiden Eheleute miteinander in Streit wegen des Jungen; der Vater wollte, dass Theoderich auch einmal Soldat wird wie er, und die Mutter wollte, dass er studieren und geistlich werden soll. Da geschah es einmal, dass beim Auftragen die kochende Fleischbrühe dem Jungen über die linke Schulter und den Arm geschüttet und er so verbrannt wurde, dass sich die Haut vom Fleisch loslöste. In der Meinung, das Kind werde sterben, brach die Mutter in heftige Klagen aus, das sei die Strafe dafür, dass der Vater den Jungen verhindere, sich Gott zu weihen. Als der Junge wiederhergestellt und der Vater auf einige Zeit abwesend war, ließ sich die Mutter nicht mehr abhalten, Theoderich in die lateinische Schule zu schicken. Als der Mann nach Hause kam und erfuhr, was vorgegangen war, ging er selbst in die Schule und führte seinen Sohn hinaus. Am gleichen Tag stieg der Junge, wahrscheinlich aus Langeweile, auf das Dach, fiel herab und brach sich den linken Arm. Jetzt konnte der Vater den bitteren Vorwürfen seiner Frau nicht mehr widerstehen und er willigte ein, dass Theoderich zum geistlichen Stand erzogen werde.

Der Junge wurde nun in ein Kloster gegeben; hier erweckte sein musterhaftes Benehmen große Hoffnungen. Er ging mit gesenkten Blicken, hatte stets eine würdige Haltung, war stets angemessen in seinen Reden, lachte selten, wohl traf man ihn aber manchmal in Tränen an. Keine Stunde ließ er unbenutzt vorübergehen, so dass er bald durch seine vielen Kenntnisse der ausgezeichnetste Schüler war. Er wählte auch das Ordensleben und wurde in kurzer Zeit das Vorbild aller Mönche; er erreichte gerade dadurch eine hohe Stufe der Vollkommenheit, dass er das Gute, was er bei einzelnen bemerkte, insgesamt nachahmte, des einen Demut, des andern Liebe, das Fasten und Wachen des dritten, des vierten Ausdauer im Gebet. Als Theoderich später zum Priester geweiht wurde, wozu man ihn gleichsam nötigen musste, weil er in seiner Demut sich für unwürdig hielt, fing er noch viel eifriger an, Gott zu dienen. Von nun an aß er bis zu seinem Tod (beinahe 50 Jahre lang) täglich nur ein einziges Mal; selbst in der Krankheit war er nicht zu bewegen, den Bußgürtel abzulegen. In der Heiligen Schrift las er so anhaltend, dass er sie auswendig hersagen konnte. Sein Scharfsinn, seine Kenntnisse und seine Begabung zu Lehren machten ihn auch so berühmt, dass er von mehreren Klöstern begehrt wurde, um in ihnen eine Zeitlang geistlichen Unterricht zu erteilen.

Nun war der Abt des Klosters Sankt Hubert gestorben; Ordnung und klösterliche Zucht waren in Verfall geraten, und es handelte sich darum, wieder einen besseren Geist einzuführen. Dazu schien aber kein Mann tauglicher als Theoderich, und er wurde deshalb zum Abt ernannt. Da er selbst aber diesem Amt nicht gewachsen zu sein glaubte, und weil die Vorsteher die allerschwerste Verantwortlichkeit haben, fiel er mehrmals dem Bischof zu Füßen und bat ihn dringend mit Schluchzen und Tränen, ihm doch nicht eine solche Last aufzulegen. Aber es wurde auf die Wahl bestanden und Theoderich wurde zum Abt geweiht. Als er nun sein Amt antrat, fand er in Sankt Hubert die größte Unordnung. Die Mönche waren verdorben, taten worauf sie Lust hatten, waren unwissend und zum Teil roh. Theoderich gab sich nun alle Mühe, durch sein Beispiel, durch freundliches Zureden, durch Vorhalt und Strafe, durch Predigten und durch sein Gebet die Mönche auf einen besseren Weg zu bringen. Aber es schien alles vergebens; die sittenlosen Mönche verlachten ihren Abt oder leisteten offenen Widerstand. Insbesondere waren es einige, die voll Dünkel auf ihre vornehme Geburt sich durch Ungehorsam und Verachtung der Klosterregeln auszeichneten. Ihr Rädelsführer war Lambert, ein hochmütiger, zuchtloser Mönch; der hetzte noch die anderen auf, fügte offen und insgeheim dem Abt Schwierigkeiten zu, verteidigte die schuldigen Mönche und widersprach allem, was der Abt sagte, mit bissigen Reden. Theoderich ertrug die vielen Beleidigungen mit aller Geduld und versuchte durch Gebet, durch Zureden, durch Vorstellungen von ewiger Seligkeit und ewiger Verdammung diesen boshaften Menschen zu bessern; aber er wurde im Gegenteil immer noch schlimmer.

Man hört oft über solche Menschen, wie Lambert, das Urteil sprechen: „An dem ist alles umsonst, der ist schlecht und bleibt schlecht; es ist eine Torheit, ihm noch zuzureden.“ Selbst Geistliche entschuldigen sich oft in ihrem Herzen damit, wenn sie sich lieber mit frommen Personen abgeben und sich nicht weiter um die anderen, die unbequem sind, kümmern. Das ist aber ganz unchristlich und bei einem Seelsorger pflichtvergessen. Die Gnade Gottes ist stark genug, um auch das verhärtetste Herz aufzuweichen. Man muss an keinem Sünder verzweifeln; manchmal hat sich ein großer Sünder schon bekehrt und ist ein viel besserer Christ geworden, als diejenigen, die früher geglaubt haben, er sei ganz und gar schon dem Teufel verfallen. Hast du einen lasterhaften Menschen um dich, so höre niemals auf, durch Gebet und Ermahnung auf ihn einzuwirken; wenn er auch lange darüber schimpft und spottet, vertraue auf das Wort Jesu Christi: „Bei Gott ist alles möglich.“

Schon zwei Jahre lang hatte der Unfug des Lambert und seiner Gesinnungsgenossen gedauert, als sie eine neue Feindseligkeit gegen ihren Abt ausdachten; sie beredeten sich nämlich, dem heiligen Abt nicht einmal die übliche Reverenz mehr zu machen und beim gemeinsamen Chorgebet die Benediktion nicht von ihm zu verlangen. Lambert schritt in übermütiger Haltung und hochmütigem Blick einher; da er aber in die Nähe des heiligen Abtes kam, berührte ihn plötzlich der Finger Gottes. Er fing an zu zittern, verbeugte sich demütig vor Theoderich, ging in seinen Stuhl; es wurde ihm hell vor den Augen seines Geistes, wie schlecht er bisher gehandelt habe, und er fing an bitterlich zu weinen, so dass es allen Mönchen auffiel. Nach dem Chorgebet ging der reuige Sünder zu dem Abt, fiel ihm zu Füßen, bekannte unter Tränen sein großes Unrecht und bat um Verzeihung. Zugleich begehrte er die Erlaubnis, das Kloster mit einem anderen vertauschen zu dürfen, denn er habe durch seine schweren Sünden schon zu oft diesen heiligen Ort verunreinigt, als dass er noch würdig sei, länger hier zu verweilen. Da er auf seiner Bitte beharrte, gab ihm Theoderich die Erlaubnis und den Segen und begleitete ihn unter vielen Tränen bis zu den Pforten der Kirche.

In aller Frühe machte sich Lambert allein auf den Weg, mit viel bitterem Schmerz und Jammer im Herzen über die Schwierigkeiten, die er dem heiligen Mann zugefügt hatte. In einem Kloster, wo er einkehrte, hielt ihn der Abt zurück. Hier führte er nun ein sehr strenges Bußleben; er trug einen eisernen Gürtel um den Leib, machte sich Fesseln an Hände und Füße, büßte mit fortwährendem Wachen, Fasten, Weinen und Beten, bis er nach zwei Jahren versöhnt mit Gott starb. Auch viele andere Mönche kamen nach der Bekehrung des Lambert durch die Gnade Gottes und das Gebet des heiligen Theoderich zur Sinnesänderung und unterwarfen sich seiner Anordnungen. Nur einige wenige verharrten im Bösen und verließen das Kloster. Wie dieses vorher in üblem Ruf stand, so kam es jetzt durch die Bemühungen des heiligen Theoderich wegen seiner guten Zucht in großes Ansehen und in jeder Beziehung zu großer Blüte.

Nachdem das Kloster zu einer festen Ordnung gekommen war, wollte Theoderich eine Wallfahrt nach Rom machen. Er führte sie mit großer Strenge aus, indem er den weiten Weg selbst über die schneebedeckten Alpen ganz zu Fuß und zwar barfuß machte. In Rom verrichtete er am Grab des heiligen Petrus seine Andacht und besuchte dann auch noch die übrigen heiligen Orte. Bei der Rückkehr lösten sich ihm alle Nägel von den Zehen, dennoch ließ er nicht ab von seinen gewohnten Übungen auf der Reise, seinem Fasten und Psalmen-Beten.

Es wird nun in dem Leben des heiligen Theoderich noch umständlich erzählt, wie er auch für die äußerliche Ausstattung und Erweiterung des Klosters sehr vieles getan hatte, und wie schon zu seinen Lebzeiten auffallende Wunder und Heilungen geschehen sind, besonders wenn er um sein Gebet ersucht wurde.

Theoderich erkrankte auf einer Geschäftsreise; man musste ihn auf einer Sänfte ins Kloster zurücktragen. Ungeachtet seines Elendes aber zwang er seinen sterbenden Leib, in Psalmen und göttlichem Lob dem Herrn zu dienen, wie er es in gesunden Tagen gewöhnt war. Auch blieb er in der schweren Krankheit stets bei der Übung, nur einmal am Tag zu essen. Als man ihm zuredete, er möge wenigstens seinen Bußgürtel in der Plage der Krankheit ablegen, da erwiderte er unwillig: „Seid nicht aus Barmherzigkeit unbarmherzig gegen einen Mann, der auf der Reise zu Christus ist. Für seine Diener geziemt es sich nicht anders, als im Bußkleid und in Asche zu sterben.“ Da alle Brüder bekümmert und jammernd um ihren sterbenden Vater herumstanden, ließ er sich im Bett aufrichten und die priesterliche Stole umlegen und gab allen Angehörigen des Klosters Segen und Absolution und sprach Verzeihung aus für alle, die ihn je beleidigt oder ihm Übles nachgeredet haben. Er sagte dann zu den klagenden Brüdern: „Wenn ihr mich liebt, so müsst ihr euch freuen, da ich von der Arbeit zur Ruhe, vom Elend zur Freude eingehe, wie ich durch die Barmherzigkeit Gottes hoffe. Was aber die Trennung betrifft, so wird es nicht lange dauern, dass auch ihr zu mir kommt.“ Zuletzt wandte er sein Gesicht gegen die Wand, als wolle er jetzt nichts mehr mit irdischen Dingen zu tun haben und flüsterte noch mit sterbenden Lippen anhaltend Lobgebete zu Gott. Ja, als schon alle Glieder des Körpers kalt und gleichsam tot waren und fast kein Leben mehr in ihm war, betete er immer noch Psalmen. Zum Trost und zur Hilfe des Sterbenden wurde in seinem Zimmer das heilige Messopfer gefeiert; als der Priester gerade das letzte Gebet sprach, gab er den Geist auf im 80. Jahr seines Alters.

Der Mönch, der das Leben des heiligen Theoderich geschrieben hatte und ihn persönlich kannte, schreibt am Schluss: „Jetzt, Gott sei Dank, genießt er die Güter, nach denen er stets getrachtet hat. Sein Fleisch hat er gekreuzigt samt den Fehlern und Lüsten dieser Welt; nun wohnt er in Freude bei dem, der für die Menschen gekreuzigt worden ist; der Leib wurde durch Fasten und Züchtigungen abgemagert, jetzt wird er gesättigt mit den Freuden der Herrlichkeit Gottes. Zeitlich betrübt, freut er sich ewig; die Tränen weniger Tage werden ihm bezahlt mit ewigem Jubel. Die schwarze Kutte hat er jetzt vertauscht mit weißen Kleidern. O glücklicher, wünschenswerter Tausch! Vergängliches hat er hingegeben, Ewiges empfangen; Irdisches hat er verkauft, Himmlisches eingetauscht. O glücklicher, über die Mühen dieses Lebens hinaus gelangter Theoderich! Weil er gesetzmäßig gekämpft hat, ist er nach Verdienst gekrönt mit der Krone der Unsterblichkeit von unserem Herrn Jesus Christus, der lebt und regiert als Gott durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.“

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