Herzlich Willkommen, hier in diesem Forum....http://files.homepagemodules.de/b531466/avatar-4dbf9126-1.gif

NEUER BLOG von Esther

  •  

Blog Kategorien
Beliebteste Blog-Artikel
Blog empfehlen

Neueste Blog-Artikel
Letzte Kommentare der Blogs
  • Hallo, aufbauende und richtige Worte von Bischof Schneider. Die römisch-katholischen Bischöfe aller Diözesen in Deutschland sollten sich daran ein Beispiel nehmen. Mein Beitrag? Die Herausgabe (Neuausgabe) des Buches von Domkapitular Gall Josef Hug "Die christliche Familie im Kampfe gegen feindliche Mächte.Vorträge über christliche Ehe und Erziehung". Erhältlich im rediroma-verlag, ISBN 978-3-9...
    von in Bischof Schneider lobt Abschaf...
  • Wenn der Kardinal sich so sehr um die Fortpflanzung sorgt, warum trägt er dann nicht selber dazu bei? Mit welchem Recht will er anderen Menschen vorschreiben, dass und wie sie sich fortzupflanzen haben, wenn er sich selbst verweigert?
    von in Kardinal Sarah: «Die Kirche mu...
  • Hier wird geschrieben:"Diese beiden bösen heidnischen Götzenbilder erforderten Kinderopfer." Dieser partriarchale Moloch sicherlich, doch ist die Pachmama die Große Göttin - Mutter Erde-Welt-Himmel. Sie ist die Allesliebende, da Sie die Schöpferin allen Seins ist. Sie liebt Alles und würde NIEMALS ein lebendes Opfer verlangen, das entstand erst im Patriarchat.
    von in Statue des alten Gottes des Ki...
  • Ich möchte allerdings darauf hinweisen, dass es im Mittelalter auch die Verehrung des Todesengels Azrael als den personifizierten Tod mit Sene bzw. Sensensmann gab. Nämlich vor allem zu Zeiten der Pest-Seuche. Siehe dazu auch das äthiopische Henoch-Buch und das Jubiläen-Buch, welche heute noch beide vom breiteren und engeren Bibel-Kanon der Kopten Äthiopiens gehören bzw. der koptisch-äthiopischen ...
    von in ...8 Gründe, warum der Kult vo...
  • Danke für diese interessanten Ausführungen. Der hierzulande wohl sonst kaum bekannte Kult hat ja durch die US-Serie „Breaking Bad“ einiges Interesse hervorgerufen, da dort zwei sehr verschwiegene Auftragskiller eines mexikanischen Drogenkartells vor der Ausführung eines Mordauftrages Santa Muerte zu huldigen pflegen. Sie strahlen eine Aura der Unnahbarkeit und Bedrohung aus und gelten damit heutzu...
    von in ...8 Gründe, warum der Kult vo...

Die aktivsten Blogs
Kategorien
von esther10 28.03.2013 00:08

Chrisam-Messe im Petersdom : Franziskus weiht heilige Öle
28.03.2013



Chrisam-Messe im Petersdom
: Franziskus weiht heilige Öle


Papst Franziskus hat die Feier der Kar- und Ostertage begonnen: Im Petersdom zelebriert er die Chrisam-Messe. Dabei werden die heiligen Öle für Handlungen im Gottesdienst geweiht. domradio.de überträgt die Messe.

Papst Franziskus beginnt heute die Feier der Kar- und Ostertage in einem römischen Jugendgefängnis. Zuvor zelebriert er im Petersdom die sogenannte Chrisam-Messe, bei der die heiligen Öle für verschiedene gottesdienstliche Handlungen und Weihen der katholischen Kirche geweiht werden. Das Gedenken an das Letzte Abendmahl Jesu begeht der Papst am späten Nachmittag in der Jugendvollzugsanstalt "Casal del Marmo". Dort sind 46 straffällige Jugendliche inhaftiert. Sie gehören unterschiedlichen Nationalitäten und Glaubensrichtungen an.

Im Verlauf der Messe will Franziskus zwölf jungen Häftlingen verschiedener Religion und Herkunft die Füße waschen. Die Geste erinnert an eine Demutshandlung Jesu an seinen zwölf Jüngern im Abendmahlssaal. In früheren Jahren feierten die Päpste den Abendmahlsgottesdienst meist in der Lateranbasilika; die rituelle Fußwaschung vollzogen sie in der Regel an Klerikern.

Schon als Erzbischof besuchte Franziskus am Gründonnerstag Gefängnisse

Franziskus ließ vergangene Woche mitteilen, dass er die Messe in der Strafanstalt feiern wolle. Mit Rücksicht auf die Persönlichkeitsrechte der Minderjährigen ist keine TV-Übertragung vorgesehen. Schon als Erzbischof von Buenos Aires suchte Jorge Mario Bergoglio, der heutige Papst, am Gründonnerstag Gefängnisse, Krankenhäuser oder Armenhospize auf.

Nach Angaben von Radio Vatikan kommen auch Italiens Justizministerin Paola Severino und die Verantwortliche für Jugendstrafvollzug Caterina Chinnici zu der Messe. Im Anschluss ist eine Begegnung von Jugendlichen und Angestellten mit dem Papst vorgesehen. Die jungen Häftlinge wollen Franziskus ein Holzkreuz und eine Betbank übergeben, die sie in der anstaltseigenen Tischlerei hergestellt haben. An weiteren Werkstätten verfügt das Gefängnis über eine Schneiderei, eine Polsterei und eine Pizzabäckerei.

Auch Benedikt XVI. hatte die Haftanstalt besucht

In "Casal del Marmo" kam viele Jahre lang der damalige Kardinalstaatssekretär Agostino Casaroli (1914-1998) regelmäßig zu Besuch, um bei den Jugendlichen Beichte zu hören oder mit ihnen zu spielen. Franziskus hatte in einer Predigt 2008 in Buenos Aires einmal auf diese Episode verwiesen.

Gemeinsam mit dem Papst wollen laut Radio Vatikan der Generalvikar des Bistums Rom, Kardinal Agostino Vallini, und der Anstaltsseelsorger Gaetano Greco die Gründonnerstagsmesse zelebrieren. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hatte die Haftanstalt am 18. März 2007 besucht und dort eine Messe gefeiert.

von esther10 28.03.2013 00:04

Wahrhaft gute Hirten sein!

(presse.kirche.at) „Habt keine Angst, eure Hirtenaufgabe mit Gottes Hilfe wahrzunehmen“, appellierte Bischof Klaus Küng bei der Chrisammesse im Dom von St. Pölten an die Priester der Diözese. „Führt Eure Gemeinden mit einer gewissen Entschlossenheit auf Wege, die zur Vertiefung des Glaubens führen und wirkt der Verflachung entgegen.“ Mit den heiligen Ölen werde uns von Christus „ein Schatz anvertraut“, mit dem sich ein wichtiger Auftrag verbinde: „Je mehr wir mit Christus eins sind, desto mehr werden wir vom Heiligen Geist erfüllt.“ Das bedeute jedoch, dass vieles auch von den Bemühungen des Einzelnen abhänge.

Christus habe die Priester durch das Weihesakrament für einen besonderen Dienst „an sich gezogen“, sagte Küng. An seine Stelle tretend sollen sie Zeugen für die Wahrheit sein und die Heilsgeheimnisse verwalten. „Wir sollen Gute Hirten sein, Priester nach seinem Herzen“, so der Bischof wörtlich. Es sei „ein großes Geheimnis“, dass Jesus sich gewissermaßen von jenen, die dazu bestellt sind, abhängig mache. Die damit verbundene Verantwortung sei dadurch groß.
Das Wissen um Gegenwart Christi „unter uns“ und die Wirksamkeit des Heiligen Geistes sei die beste Ermutigung für die Arbeit der Priester, der beste Trost in allen Schwierigkeiten und der stärkste Ansporn. Daher sei es von größter Bedeutung, dass die Priester „allem anderen voran das geistliche Leben pflegen, es verteidigen und wiederherstellen, wenn wir nachgelassen haben“.

Küng betonte, dass es ihm „ein sehr großes Anliegen“ sei, dass die Priester das Evangelium „liebevoll, aber ohne Abstriche“ verkünden und dies auch von ihren Mitarbeitern verlangen sollten. Der in der Gesellschaft vorherrschende Relativismus müsse dort, wo er Glaubenswahrheiten und Gebote Gottes betreffe, „nach und nach überwunden“ werden. Küng: „Andernfalls dreht sich in der Entwicklung des Glaubenslebens die Schraube nach unten, Glaube und Glaubenspraxis verflachen immer mehr.“
Auch für die Sakramentenspendung brauche es „Hirten, die mit der Liebe Christi am Werk sind, die auf die Menschen zugehen, sie einladen und ermutigen“. Es gelte dabei dem Vorbild Jesu Christi nachzufolgen: „Er war bereit, von jeder Krankheit zu heilen; vor niemandem ist er zurückgeschreckt, nicht einmal vor Aussätzigen“, erinnerte Küng. Jesus habe aber auch „unmissverständlich zur Umkehr aufgefordert“ und für die Wirksamkeit seiner Wundertaten den Glauben vorausgesetzt.
Link: Bischofspredigt im Wortlaut.

http://schwarzwaldmaedle.xobor.de/blog-e...salbt-wird.html


von esther10 28.03.2013 00:00





Weltweit leben 14 Millionen Juden, davon 6 Mio in Israel und 5,5 Mio in den USA
Veröffentlicht: 28. März 2013 | Autor: Felizitas Küble | Einsortiert unter: ISRAEL / Judentum | Tags: Israel, Judentum, USA |Schreibe einen Kommentar »
Die israelische Tageszeitung “Jediot Achronot” berichtet erfreut: “65 Jahre nach der Staatsgründung Israels leben nun über 6 Millionen Juden im Judenstaat Israel.“

Zwei Wochen vor dem 65. Unabhängigkeitstag überschritt die Anzahl der israelischen Bevölkerung die 8 Millionen-Grenze, darunter 2 Millionen Nichtjuden. 1,6 Millionen Moslems sowie 0,4 Millionen Christen oder Angehörige anderer Religionen.


Foto: K. Ruprecht
Aber außerhalb Israels leben immer noch mehr Juden als im Heiligen Land. Gemäß Prof Sergio Della Pergola verteilen sich 96 % der Diaspora-Juden auf zehn Länder:

In den USA leben 5,5 Millionen, in Kanada 380.000, in Argentinien 180.000, in Brasilien 75.000, in Deutschland 120.000, in Frankreich 500.000, in Großbritannien 300.000, in Russland 190.000 und in Australien 102.000 Juden. Die Mehrheit der jüdischen Weltbevölkerung, nämlich 11,5 Millionen an der Zahl, leben in Israel und in den USA.

„Insgesamt zählt die jüdische Bevölkerung weltweit knapp 14 Millionen Juden“, sagte der Experte für jüdische Demographie an der Hebräischen Universität in Jerusalem.

Quelle: http://www.israel.heute.com

von 27.03.2013 14:57

FASTENZEIT
MITTWOCH IN DER KARWOCHE

43

DER WEG NACH GOLGOTA

Jesus trägt das Kreuz. Die Freunde haben ihn im Stich gelassen. Nur ein Fremder hilft.
Begegnungen auf dem Weg.
Der Beistand der Mutter.


I. Innere und äußere Schmerzen, Hohn, Erniedrigung die ganze Nacht über ... Jesus ist durch die Tortur der Geißelung gebrochen, nun wird er zur Kreuzigung geführt. Pilatus hatte versucht, Jesus im Tausch gegen Barabbas, einen Räuber und Mörder, freizulassen. Als die Volksmenge jedoch sein Angebot zurückwies, ließ er Barabbas frei und gab den Befehl, Jesus zu geißeln und zu kreuzigen1.

Es war Sitte, einen Schwerverbrecher zur Abschreckung durch die belebtesten Straßen der Stadt zu führen. Der römische Hauptmann hat bald bemerkt , daß Jesus zu geschwächt ist, um allein das Kreuz bis zur Hinrichtungsstätte zu tragen. Ein zufällig Vorübergehender, der vom Felde heimkommt, muß einspringen, Simon von Zyrene.

Wo sind seine Jünger? Als Jesus sie aufgefordert hatte, das Kreuz zu tragen2, hatten sie ihm versichert, sie seien bereit, mit ihm bis in den Tod zu gehen3. Nun aber ist nicht einer da, für ihn die Kreuzeslast bis zur Hinrichtungsstätte zu tragen. Ein Fremder muß dies tun, und er muß dazu gezwungen werden. Auch jene, die Jesu heilende Barmherzigkeit erfahren hatten, geben sich nicht zu erkennen. Ein Wort des Propheten Jesaja wird nun grausame Wirklichkeit: Ich allein trat die Kelter; von den Völkern war niemand dabei. (...) Ich sah mich um, doch niemand wollte mir helfen; ich war bestürzt, weil keiner mir beistand.4

Die christliche Frömmigkeit hat uns, in der sechsten Station des Kreuzweges, die Begegnung mit einer Frau aus dem Volk überliefert. Sie ist die einzige, die die Einsamkeit des Herrn durchbricht. Veronika trocknete, so die Tradition, mit einem Tuch das Antlitz Jesu ab. Seine heiligen Züge blieben darin haften. Das Schweißtuch der Veronika ist das bewegende Sinnbild der Zwiesprache zwischen Christus und der sühnenden Seele. Veronika erwiderte die Liebe Christi durch einen kleinen Dienst, der, gemessen an der Schrecklichkeit der Passion, nicht ins Gewicht fällt. Couragiert bahnt sie sich ihren Weg durch die Menge der Schaulustigen, der namenlosen Haßer und Spötter. Mancher mag dunkel so etwas wie Mitleid empfunden haben. Aber nur sie hat den Mut, sich dem Herrn zu nähern, um ihn vor aller Augen zu trösten. Und der Herr nimmt es dankbar an.

Jesus setzt seinen Weg durch die steilen Gassen Jerusalems fort. Beim Beten des Kreuzwegs werden die Stürze des Herrn auf dem Weg zum Kalvaria in drei Stationen zusammengefaßt. Er wird wohl noch öfter hingefallen sein. Jedesmal steht er wieder auf und schleppt sich weiter. Sich aufrichtend will er uns sagen, daß er uns liebt, bei jedem Fall, daß er unsere Liebe braucht.

»Es ist nicht zu spät, noch ist nicht alles verloren ... Selbst wenn es dir so scheinen mag; und wenn tausend Stimmen es unheilvoll verkünden; und wenn skeptische, spöttische Blicke dir folgen ... Du bist zur rechten Zeit gekommen, um das Kreuz auf dich zu nehmen: die Erlösung vollzieht sich immer noch - jetzt! Und Jesus braucht viele Helfer wie den von Zyrene.«5

II. An einer anderen Stelle seines Kreuzweges kommt Jesus an einer Gruppe von weinenden Frauen vorüber. Er tröstet sie. »Nun ertönt der Aufruf zur Reue, zur wahren Reue, zum Bedauern der begangenen Schuld. Jesus sagt zu den Töchtern Jerusalems, die bei seinem Anblick weinen: Ihr Frauen von Jerusalem, weint nicht über mich, weint über euch und eure Kinder! (Lk 23,28). Man darf nicht an der Oberfläche des Übels bleiben, man muß nach seinen Wurzeln, seinen Ursachen, nach der Wahrheit des Gewissens graben bis auf den Grund. Dies eben will Jesus sagen, der das Kreuz trägt und der schon immer das Innere jedes Menschen kannte (Joh 2,25) und es immer kennt. (...) Ich bitte dich, Herr, laß mich in der Wahrheit leben und wandeln.«6

Mit Jesus werden auch zwei Verbrecher zur Hinrichtung geführt. Ein ahnungsloser Zuschauer sähe lediglich drei Kreuztragende. Er wüßte nicht, daß einer der drei der Erlöser der Welt ist, der um unseres Heiles willen in den Tod geht, nichts über die verschiedenen Arten, wie einer sein Kreuz tragen kann.

Wie tragen wir das Kreuz, wenn der Herr es auf unsere Schultern lädt? Man kann sich dagegen auflehnen - widerwillig, voll Wut und Groll. Doch dann wäre es ein sinnloses Tragen, das nur von Gott wegführt. So tragen das Kreuz jene, die nur auf ein bequemes, unbeschwertes Leben aus sind, in dem Schmerz und Leid keinen Platz haben, weil sie deren übernatürlichen, vom Glauben erleuchteten Hintergrund nicht erkennen. Es ist ein Kreuz, das nicht erlöst.

Man kann das Kreuz auch in der Art eines Menschen tragen, der sich in sein Schicksal gefügt hat und in der Ausweglosigkeit des Unabwendbaren seine Würde bewahrt. Vielleicht ist dies die Art des einen der beiden anderen Verurteilten. Er hat sich nicht aufgegeben. Die Nähe zum Herrn in den letzten Augenblicken seines Lebens vermag sein Inneres noch zu erreichen, ihn umzuwandeln. Wir nennen ihn den »guten Schächer«»Es gibt aber noch eine dritte Art, das Kreuz zu tragen. Es ist die Art Jesu. Indem er das Kreuz in Liebe umfängt, lehrt er uns, wie wir Schmerz und Leid bewältigen können: liebend, im Wissen, daß wir uns am Erlösungswerk beteiligen und für unsere Sünden sühnen.

Der Herr hätte uns anders erlösen können. Aber er hat es durch Schmerz und Leiden tun wollen, damit wir deren verborgenen Sinn erkennen. Denn es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.7

Menschen, die ernsthaft um die Nachfolge bemüht sind, entdecken bald, daß Schmerz, Leid und Widrigkeiten in dem Augenblick aufhören, ein Ärgernis zu sein, wenn man sie nicht bloß als eine Belastung betrachtet, sondern gleichsam hinter ihnen die Gestalt des kreuztragenden Herrn sieht. »Mein Gott, laß mich die Sünde hassen und das Heilige Kreuz umarmen und einswerden mit dir, laß mich so deinen liebenswerten Willen erfüllen ..., von allen irdischen Anhänglichkeiten frei, und nichts anderes suchen als deine Ehre. Gib, daß ich mich hochherzig und vorbehaltlos hingebe, mit dir vereint zum vollkommenen Brandopfer.«8

Simon von Zyrene lernte Jesus durch das Kreuz kennen. Wir dürfen annehmen, daß er zum Glauben fand und von der Urgemeinde in Jerusalem hochgeachtet war, denn seine beiden Söhne Alexander und Rufus begegnen uns später als Christen9. »Alles begann durch eine unerwartete Begegnung mit dem Kreuz.

Ich war zu erfragen für die, die nicht nach mir fragten. Ich war zu finden für die, die nicht nach mir suchten (Jes 65,1).

Manchmal ragt plötzlich das Kreuz vor uns auf, ohne daß wir es gesucht haben: es ist Christus, der nach uns fragt. Wohl mag sich das Herz gegen dieses Kreuz sträuben, das uns - weil wir mit ihm nicht rechneten - vielleicht um so dunkler erscheint ... Versuche nicht, dein Herz zu trösten. Wenn es aber darauf besteht, dann sage ihm langsam und mitfühlend, wie in einer vertraulichen Zwiesprache: Herz, du Herz am Kreuz! Du Herz am Kreuz!«10

III. Im vierten Geheimnis des schmerzensreichen Rosenkranzes betrachten wir Jesus, der für uns das schwere Kreuz getragen hat. Wir »sind traurig beim Durchleben des Leidens unseres Herrn. - Sieh, mit welcher Liebe er das Kreuz umfängt. - Lerne von ihm. - Jesus trägt das Kreuz für dich - du, trage es für Jesus.

Aber schleife dein Kreuz nicht hinter dir her ... Nimm es fest auf deine Schultern, weil dein Kreuz, wenn du es so trägst, nicht mehr irgendein Kreuz sein wird ..., sondern das Heilige Kreuz. (...)

Und mit Sicherheit wirst du, wie er, Maria auf dem Weg begegnen«11

»Diese Begegnung mit der Mutter betrachten wir betend im Kreuzweg. »Mit unermeßlicher Liebe schaut Maria auf Jesus und Jesus auf seine Mutter. Ihre Blicke begegnen sich, und jeder ergießt seinen Schmerz in das Herz des anderen. Das bittere Leiden Christi überflutet die Seele Mariens.

Ihr alle, die ihr des Weges zieht, schaut und seht, ob ein Schmerz wohl sei wie der meine! (Klgl 1,12).

Aber niemand bemerkt es, keiner schaut hin, nur Jesus allein. (...)

In der dunklen Verlassenheit der Passion schenkt Unsere Liebe Frau ihrem Sohn den Balsam der Zärtlichkeit, der Einswerdung, der Treue - ein Ja zum göttlichen Willen.«12

Der Herr setzt seinen Weg fort. Maria folgt ihm. »Die Worte, die gesprochen worden waren, als Jesus vierzig Tage alt war, gehen jetzt in Erfüllung. Sie erhalten nun ihren vollen Sinn. Maria, von diesem unsichtbaren Schwert durchbohrt, geht dem Kalvarienberg ihres Sohnes, ihrem eigenen Kalvaria entgegen.«13

»Wer könnt' ohne Tränen sehen / Christi Mutter also stehen / in so tiefen Jammers Not?

Dort ihr zerschundener Sohn ... Und hier, fern von ihm, wir: feige und widersetzlich gegen Gottes Willen.

Meine Mutter, meine Gebieterin: lehre mich, mein Ja so zu sprechen wie du, damit es ganz und gar in den Ruf Jesu an seinen Vater einmünde: non mea voluntas ... (Lk 22,42): nicht mein Wille, sondern der Wille Gottes geschehe.«14

1 Mt 27,26. - 2 Mt 16,24. - 3 Mt 26,35. - 4 Jes 63,3.5. - 5 J. Escrivá, Der Kreuzweg, V,2. - 6 K. Wojtyla, Zeichen des Widerspruchs, Zürich/Freiburg 1979, S.217. - 7 Joh 15,13. - 8 J. Escrivá, Der Kreuzweg, IX. - 9 vgl. Mk 15,21. - 10 J. Escrivá, Der Kreuzweg, V. - 11 J. Escrivá, Der Rosenkranz, Viertes schmerzensreiches Geheimnis. - 12 ders., Der Kreuzweg, IV. - 13 K. Wojtyla, Zeichen des Widerspruchs, Zürich/Freiburg 1979, S. 214. - 14 J. Escrivá, Der Kreuzweg, IV,1.

von 26.03.2013 14:55

FASTENZEIT
DIENSTAG IN DER KARWOCHE

42

JESUS CHRISTUS VOR PILATUS

Jesus wird zum Tode verurteilt.
Ein Königreich der Heiligkeit und der Gnade.
Der Herr will in unserer Seele wohnen.


I. Die Ankläger haben es eilig. In aller Frühe führen sie Jesus durch die engen Gassen der Altstadt zum Prätorium des römischen Statthalters. Mit der Würde eines Wissenden schweigt der Herr. Denn alles, was da kommen wird, steht schon vor seinen Augen. Die Bewohner Jerusalems sehen ihn gefesselt vorbeiziehen. Wenige Tage zuvor noch hatten sie ihm zugejubelt.

»Es gehörte zu den Gepflogenheiten des Hohenpriesters, in wichtigen Angelegenheiten mit einer möglichst großen Delegation vor dem Vertreter des Kaisers zu erscheinen. So hielt es auch Kajaphas an jenem Freitagmorgen. Von vielen Ratsherren, geistlichen Würdenträgern und hohen Offizieren der Tempelwache begleitet, bestieg er die >Gabbata<, die Anhöhe zum Prätorium, um vom Vertreter des Kaisers die Vollstreckung des Todesurteils zu erwirken= 1, denn die jüdische Führung konnte zwar Todesurteile aussprechen, durfte sie jedoch nicht vollstrecken. Jesus soll beseitigt werden. Wir stehen am Anfang der Erfüllung eines Wortes des Herrn, das das ganze Geschehen - vom Grauen dieser Stunde bis zur gloreichen Auferstehung später - zusammenfaßt: Der Menschensohn wird den Heiden ausgeliefert, wird verspottet, mißhandelt und angespuckt werden, und man wird ihn geißeln und töten. Aber am dritten Tag wird er auferstehen.2

Man führte Jesus zum Platz vor dem Prätorium. Die Ankläger selbst gingen nicht in das Gebäude hinein, um nicht unrein zu werden, sondern das Paschalamm essen zu können3. »O unheilige Blindheit!« ruft der heilige Augustinus aus. »Sie vermeinen, sich in einem fremden Haus anzustecken, und fürchten nicht, durch das eigene Verbrechen unrein zu werden.«4 Und wieder erfüllt sich, was der Herr ihnen früher schon in bildhaften Worten vorgeworfen hatte: Blinde Führer seid ihr: Ihr siebt Mücken aus und verschluckt Kamele.5

Nach Johannes gibt es ein aufgeregtes Hin und Her zwischen Prätorium und Vorhof. Pilatus kam zuerst zu den Anklägern heraus, dann ging er wieder in das Prätorium hinein, danach ging Pilatus wieder zu den Juden hinaus6. Anschließend zieht er sich wieder ins Prätorium zurück, um dann den gegeißelten Jesus der wartenden Menge draußen vorzuführen. Da es ihm nicht gelingt, die Juden zum Mitleid zu bewegen, geht er noch einmal zu einem letzten Verhör hinein7. Dann tritt der Vertreter des Kaisers mit Jesus heraus, um vom Richterstuhl aus das Urteil zu fällen8.

Wieviel Hast! Nur Jesus, hin- und hergeschleppt, bleibt gelassen. Der Statthalter wird den Kontrast zwischen der Seelenruhe des Angeklagten und den aufgewühlten Anklägern bemerkt haben. Pilatus fragt ihn: Bist du der König der Juden?9 Und Jesus antwortet: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier. Pilatus sagte zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König.10 Es war dies die letzte Aussage, die der Herr seinen Anklägern gegenüber machte; danach wird er stumm bleiben wie ein Schaf angesichts seiner Scherer11.

Jesus ist allein. Er bleibt der Meister und Lehrer seiner Jünger. Aber sie werden erst später diese Lektion der Geduld lernen, vorerst sind sie weit weg. Wir wollen nahe bei Jesus bleiben und von ihm lernen, jetzt, im Gebet.

II. Wohl in der Annahme, daß diese Maßnahme den Haß der Juden besänftigen würde, ließ Pilatus Jesus geißeln12. Wir betrachten diese Szene im schmerzensreichen Rosenkranz mit Worten von Josemaría Escrivá: »An die Säule geschnürt. Mit Wunden übersät.

Die Schläge der Riemen sausen nieder auf sein zerfetztes Fleisch, auf sein makelloses Fleisch, das für dein sündhaftes Fleisch leidet. - Weitere Schläge. Weiter die Raserei ... Noch mehr ... Es ist der Ausbund menschlicher Grausamkeit.

Schließlich, als sie erschöpft sind, binden sie Jesus los. - Und Christi Leib ist ausgezehrt von Schmerz, und er fällt, wie ein Wurm, zerfleischt und halbtot.

Du und ich, wir können nicht sprechen. Worte sind überflüssig. - Blicke auf ihn, blicke auf ihn ... und wende deine Augen nicht ab.

Nach all dem ... kannst du da noch die Buße fürchten?«13

Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und legten ihm einen purpurroten Mantel um. Sie stellten sich vor ihn hin und sagten: Heil dir, König der Juden! Und sie schlugen ihm ins Gesicht.14 Im dritten Geheimnis des schmerzensreichen Rosenkranzes versuchen wir, den knappen Bericht mit dem Herzen zu betrachten: »Die Dornenkrone, mit schweren Schlägen ins Blut getrieben, macht ihn zum König des Hohnes (...). Und mit Schlägen verwunden sie sein Haupt. Und sie ohrfeigen ihn und spucken ihn an (...).

Haben wir, du und ich, ihn nicht erneut mit Dornen gekrönt, ihn geohrfeigt und ihn angespuckt?

Nie wieder, Jesus, nie wieder...«15

Der Herr ist zum Hohn mit Attrappen der königlichen Insignien ausgestattet worden. Das entsetzliche Bild überlagert das Geheimnis, das wir im Glauben bekennen: Er ist wirklich der König, der Herr der Schöpfung, herrschend über das Reich der Wahrheit und des Lebens, das Reich der Heiligkeit und der Gnade, das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens16.

»Angesichts dieses traurigen Schauspiels fühle ich mich gedrängt, dem Herrn Genugtuung zu leisten. Und wenn ich jenen unaufhörlichen Schrei der Auflehnung höre, der weniger in Worten als in schlechten Taten besteht, fühle ich mich gedrängt, laut zu rufen: Oportet illum regnare! (1 Kor 15,25). Er soll als König herrschen«17 Vielen ist dieser Ruf unbekannt. Sie wissen nicht, daß nur Christus den Menschen erlösen kann. Nur er kann dem Leben des Menschen Sinn geben. Nur er kann die Sehnsucht des menschlichen Herzens erfüllen. Das Wort, das Pilatus zum Volk spricht, erhält im Glauben eine abgründige Bedeutung: Seht, da ist der Mensch!18 Er ist wahrhaft das vollkommene Bild des Menschen, der Bruder aller, der einzige Freund, auf den man voll vertrauen kann.

Wir betrachten ihn und bitten ihn, er möge in unserem Leben, in unseren Herzen, in unseren Werken, in unserem Denken immer zugegen sein.

III. Alles, was ist, ist durch ihn geworden.19 Er hat uns um einen teuren Preis erkauft20. Er ist jener, von dem der Engel zu Maria gesagt hatte: Du wirst ein Kind empfangen (...). Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben (...), und seine Herrschaft wird kein Ende haben.21

Aber er ist auch jener, der sich auf den Berg zurückzog, als die Menge ihn zum König machen wollte22. Sein Königtum ist mit irdischen Maßstäben nicht zu fassen. Nicht der irdische Blick, sondern der Blick des Glaubens gilt. Deshalb nahm er das Bekenntnis Natanaëls an, der da sagte: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel!23 Er griff das Wort des Propheten Daniel auf24 und gab ihm seinen vollen Sinn: Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn.25 Er bekräftigte vor der höchsten Autorität des auserwählten Volkes, der Messias und Sohn Gottes zu sein26. Und am Holz des Kreuzes blieb für immer eingeschrieben: Jesus von Nazaret, der König der Juden.

Der Herr sagt uns, daß sein Reich ein Reich des Friedens, der Gerechtigkeit und der Liebe ist. Der Vater hat uns der Macht der Finsternis entrissen und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes. Durch ihn haben wir die Erlösung27.

Das alles bekennen wir im Licht des Glaubens. Aber im Licht der alltäglichen Wirklichkeit gewahren wir, daß die rätselhafte Logik der Sünde auch heute viele Menschen verblendet: Wir wollen nicht, daß dieser Mann unser König wird. Das Gleichnis, das Christus einst seinen Feinden erzählte, bleibt aktuell: Da ihn aber die Einwohner seines Landes haßten, schickten sie eine Gesandtschaft hinter ihm her und ließen sagen: Wir wollen nicht, daß dieser Mann unser König wird.28

Das Reich der Sünde baut sich auf diesen Worten auf: Wir wollen nicht, daß dieser Mann - Christus - über uns herrscht. Finsternis, Trauer, Einsamkeit, Betrug, Lüge sind der Lohn dafür. Seht, den Menschen! Anbetend erhält dieses Wort des Pilatus eine neue Tiefe.

1 Gerhard Kroll, Auf den Spuren Jesu, Stuttgart 1988, S.341. - 2 Lk 18,32. - 3 Joh 18,28. - 4 Augustinus, Vorträge über das Johannesevangelium, 114,2. - 5 Mt 23,24. - 6 Joh 18,29.33.38. - 7 Joh 19,4.9. - 8 Joh 19,13. - 9 Joh 18,33. - 10 Joh 18,37. - 11 Jes 53,7. - 12 Joh 19,1. - 13 J. Escrivá, Der Rosenkranz, Zweites schmerzensreiches Geheimnis. - 14 Joh 19,2. - 15 J. Escrivá, Der Rosenkranz, Drittes schmerzensreiches Geheimnis. - 16 Präfation vom Königtum Christi. - 17 J. Escrivá, Christus begegnen, 179. - 18 Joh 19,5. - 19 vgl. Joh 1,3. - 20 vgl. 1 Kor 6,20. - 21 Lk 1,32-33. - 22 vgl. Joh 6,15. - 23 Joh 1,49. - 24 Dan 7,13. - 25 Joh 1,51. - 26 Mt 27,64. - 27 Kol 1,13-14. - 28 Lk 19,14.

von 25.03.2013 00:09

FASTENZEIT
MONTAG IN DER KARWOCHE

41

PETRUS VERLEUGNET DEN HERRN

Petrus leugnet, den Herrn zu kennen.
Jesus schaut ihn an: Reue.
Reue in Demut und Hoffnung.


I. Während Jesus vor dem Hohen Rat steht, erlebt Petrus den bedrückendsten Augenblick seines Lebens. Er hatte alles zurückgelassen, um dem Herrn zu folgen, er hatte Wunder gesehen und Worte des Lebens gehört, er hatte die Zuwendung des Meisters erfahren. Jetzt verleugnet er ihn mit schroffen Worten. Bedrängt, in die Enge getrieben, ist er der gefährlichen Situation nicht gewachsen und schwört sogar, Jesus nicht zu kennen.

Als Petrus unten im Hof war, kam eine von den Mägden des Hohenpriesters. Sie sah, wie Petrus sich wärmte, blickte ihn an und sagte: Auch du warst mit diesem Jesus aus Nazaret zusammen. Doch er leugnete es und sagte: Ich weiß nicht und verstehe nicht, wovon du redest. Dann ging er in den Vorhof hinaus. Als die Magd ihn dort bemerkte, sagte sie zu denen, die dabeistanden, noch einmal: Der gehört zu ihnen. Er aber leugnete es wieder ab. Wenig später sagten die Leute, die dort standen, von neuem zu Petrus: Du gehörst wirklich zu ihnen; du bist doch auch ein Galiläer. Da fing er an zu fluchen und schwor: Ich kenne diesen Menschen nicht, von dem ihr redet.1 - Ich kenne diesen Menschen nicht ... Damit leugnete er den Sinn seines Lebens: Apostel, Zeuge Christi zu sein, Bekenner der göttlichen Sohnschaft Jesu. Ehre, Berufung, Hoffnungen, Vergangenheit und Zukunft: alles ist zusammengebrochen.

Einige Zeit zuvor hatte ihn ein großartiges Wunder des Herrn das Geheimnis der Gestalt Christi erahnen lassen. Nach dem wunderbaren Fischfang fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder.2 Wie auf einen Schlag sah er die Heiligkeit Christi und sein eigenes sündiges Dasein. Schwarzes wird im Kontrast zum Weißen schwärzer, Dunkelheit im Gegensatz zum Licht finsterer, Unreines in der Nähe des Reinen schmutziger - nun stand der Sünder vor dem Heiligen schlechthin. Mit dem Mund bekannte er, er sei seiner Nähe unwürdig, aus Augen und Gebärden aber sprach eine einzige Bitte, diese Nähe niemals mehr zu verlieren. Es muß für Petrus ein besonderer Tag gewesen sein. Mit ihm begann sein Weg der Nachfolge. Denn Jesus sagte zu ihm: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach3. Das Leben des Petrus war von nun an auf ein großes Ziel ausgerichtet: Christus zu lieben und Menschenfischer zu sein. Alles andere sollte diesem Ziel untergeordnet bleiben. Aber jetzt, zu Beginn der Karwoche, begegnen wir einem verängstigten, schwachen Petrus, der sich von ein paar Unbekannten einschüchtern läßt und schwach wird.

Jede Sünde bedeutet eine kleinere oder größere Untreue. Wir verleugnen Christus und nehmen Abstand vom Besten in uns: den Idealen, die der Herr in uns gelegt hat. Die Sünde bringt den Menschen zu Fall. Daher müssen wir bestrebt sein, mit Hilfe der Gnade, die uns stark macht, jede Form der schweren Sünde - ob aus Bosheit, Schwäche oder schuldhaftem Nichtwissen begangen - zu verabscheuen und auch jede freigewollte läßliche Sünde zu meiden.

Aber die Erfahrung des Petrus lehrt uns auch, daß wir selbst aus einer nicht bestandenen Versuchung Nutzen ziehen können. Der Sturz rüttelt uns auf, die Reue erwacht, die Freundschaft mit dem Herrn wird schließlich fester. Statt den Mut zu verlieren, werden wir demütiger. Auf dem Fundament der Demut und der Reue erhält die Begegnung mit dem Herrn eine neue Qualität, einen realistischeren Zug, der unserem inneren Leben neue Impulse geben kann. Wir bleiben Sünder, aber wir lernen, jedesmal zum Herrn zurückzukehren, wenn diese traurige Erfahrung uns heimsucht - in Reue und ohne Angst. Der Sturz des Petrus hat sich einen ganzen, traurigen Abend lang hingezogen, sein Aufstehen geschah in einer Sekunde geläuterter Liebe.

Die Geschichte des Glaubens ist voll von Heiligen, die groß waren in der Reue, nachdem sie große Sünder waren. Der Herr nimmt uns immer wieder an, wenn wir uns erneut auf den Weg zu ihm machen.

II. Vergegenwärtigen wir uns noch einmal, was nach der Verleugnung des Petrus geschah. Jesus, verhöhnt und mißhandelt, wird nun durch den Vorhof geführt. Da wandte sich der Herr um und blickte Petrus an.4 Nur eine kurze Weile, während die Soldaten den Herrn vorwärts stießen, wird dieser Blick gewährt haben. Und doch muß er sich dem Apostel tiefer eingeprägt haben als andere Blicke des Herrn - tiefer noch als der gebieterische Blick, der den Ruf zur Nachfolge begleitete, oder der anteilnehmende Blick, dem die Worte folgten: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder, oder der traurige Blick dem jungen Mann gegenüber, der nicht bereit war, ihm zu folgen.

Und dennoch, niemals zuvor hatte er im Antlitz des Herrn den Ausdruck gesehen wie in diesem Augenblick - Betrübnis, doch ohne Strenge. Petrus muß gespürt haben, daß der Tadel zugleich eine Bitte war, sich auf ihn zu besinnen, die Hoffnung nicht fahren zu lassen.

Es ist ein verzeihender Blick, der auf seiner tiefen Schuld ruht. Nun erst begreift Petrus sein ganzes Versagen. Er erkennt, daß sich Jesu Ankündigung, er werde ihn verraten, erfüllt hat: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Der Evangelist ist - wie immer - knapp in der Aussage: Petrus ging hinaus und weinte bitterlich5.

Petrus war dem Blick Christi nicht ausgewichen, denn die Scham wegen seines Versagens war nicht Ärger über sich selbst, sondern Trauer wegen der verratenen Liebe. Deshalb verlor er die Hoffnung nicht. Er schöpfte Trost und Ermunterung. Jetzt endlich verstand er, daß die Worte vom Guten Hirten, vom verlorenen Sohn, vom verlorenen Schaf allen - auch ihm, dem Feigling - galten.

Es ist nicht schwer, dieses Geschehen im Leben des Apostels auf das eigene Leben zu übertragen. »Schmerz aus Liebe. - Weil er gut ist. Weil er dein Freund ist, der für dich sein Leben gab. - Weil alles Gute, das du hast, sein ist. Weil du ihn so oft beleidigt hast ... Weil er dir vergeben hat ... Er! ... dir!! Weine, mein Sohn, aus liebendem Schmerz.«6

Die Reue richtet die Seele auf, sie belebt die Hoffnung, denn uns geht auf, daß nicht unsere vermeintliche Festigkeit, sondern die Barmherzigkeit Gottes uns trägt. Wir werden durch sie auf unsere wahre Dimension zurückgeführt: wir lieben Gott, aber uns fehlt oft das Gespür für das Ausmaß unserer Schwäche, und so ist unsere Liebe manchmal Gefahren ausgesetzt, die wir unterschätzen. Die Reue läßt uns den Wert des Verlorenen und Wiedergefundenen tiefer schätzen, sie läßt uns in der Selbsteinschätzung realistischer werden und ebnet den Weg für die göttliche Barmherzigkeit. Ich blicke auf den Armen und Zerknirschten, heißt es beim Propheten Jesaja7.

Das Versagen des Petrus ist für den Herrn kein Grund, den Bau seiner Kirche anders zu planen. Der Apostel, der seine Schwäche so schmerzlich erfahren hat, soll nach dem Willen des Herrn Fels der Stärke für alle sein. Christus lehrt uns, daß er im Plan seiner Erlösung der Menschheit unsere Schwäche und Zerbrechlichkeit berücksichtigt hat.

An wen wird sich der reuige Petrus nach jener schrecklichen Erfahrung gewandt haben? An die Mutter Jesu? In der Not des Versagens ist sie der Weg zum Erlöser.

III. Wahre Reue schenkt der Seele Starkmut und eine besondere Art der Freude. Sie erleichtert das apostolische Wirken. »Der Meister geht auf seinem Weg immer wieder sehr nahe an uns vorüber. Er sieht uns an ... Wenn du auf ihn blickst und auf ihn hörst und dich ihm nicht verweigerst, dann wird er dich lehren, all dein Tun auf die Ebene des Übernatürlichen zu heben ... Wo immer du bist, wirst auch du dann Trost, Frieden und Freude säen.«8

Der Blick des Herrn, der Petrus traf, traf auch Judas. Ungeachtet seines Verrats sprach Christus zu ihm ein Wort der Liebe: Freund, dazu bist du gekommen?9 Doch die Reue des Judas endet in der Verzweiflung: Als nun Judas (...) sah, daß Jesus zum Tod verurteilt war, reute ihn seine Tat. Er brachte den Hohenpriestern und den Ältesten die dreißig Silberstücke zurück10.

Was für ein Unterschied zwischen Petrus und Judas! Beide waren dem Meister untreu geworden. Beide bereuten. Doch Petrus sollte der Fels werden, auf dem Christi Kirche bis zum Ende der Zeiten ruhen wird, während Judas wegging und sich erhängte. Es genügt nicht, nur zu bereuen. Erst in Christi Nähe verwandelt sich die Reue in einen freudigen Schmerz; die verlorene Freundschaft kehrt zurück. Jetzt knüpfte Petrus - vermöge seines Reueschmerzes - ein innigeres Verhältnis zum Herrn, als es vorher je bestand. Aus seiner Verleugnung erwächst eine Treue, die ihn befähigt, selbst das Martyrium auf sich zu nehmen.

Ganz anders Judas. Das Wort der Hohenpriester deutet ein schreckliches Alleinsein an: Was geht uns das an? Das ist deine Sache. Ohne Hoffnung findet er den Weg nicht, um der Vereinsamung, die die Sünde erzeugt, zu entrinnen und sich zu Jesus zu flüchten.

Petrus und Judas - und wir. Die Sünde soll in uns Schmerz aus Liebe, soll Reue und Hoffnung entfachen ... Der beste Augenblick dafür ist, wenn wir am Ende des Tages einen Rückblick auf unsere großen oder kleinen Verfehlungen werfen oder wenn wir uns auf das Bußsakrament vorbereiten.

»Du wirst leicht mutlos? Ich sage dir ein Wort des Trostes: Wer tut, was immer in seinen Kräften steht, dem versagt Gott seine Gnade nicht. Der Herr ist Vater. Und ruft eines seiner Kinder ihn in der Stille des Herzens: Du mein Vater im Himmel, da bin ich, hilf mir ..., und sucht es Zuflucht bei der Mutter Gottes, die unser aller Mutter ist, dann kommt es voran.«11

1 Mk 14,66-71. - 2 Lk 5,8-9. - 3 Lk 5,10-11. - 4 Lk 22,61. - 5 Lk 22,62. - 6 J. Escrivá, Der Weg, Nr. 436. - 7 Jes 66,2. - 8 J. Escrivá, Der Kreuzweg, VIII,4. - 9 Mt 26,50. - 10 Mt 27,3-10. - 11 J. Escrivá, Der Kreuzweg, X,3.

von 24.03.2013 07:17

PALMSONNTAG

40

DER EINZUG JEsU IN JERUSALEM

Jesu Einzug in unser Leben. Der treue Esel.
Der Herr beweint die Stadt. Er will allen begegnen, aber nicht alle öffnen ihm die Tore.
Freude und Schmerz - Beharrlichkeit und Treue.

I. Früh morgens bricht Jesus von Betanien auf. Dort hatten sich seit dem Nachmittag des Vortages zahlreiche begeisterte Jünger versammelt: Bauern, die ihn aus Galiläa kannten und zum Paschafest nach Jerusalem unterwegs waren; Einwohner Jerusalems, die noch unter dem gewaltigen Eindruck der Auferweckung des Lazarus standen. Auf dem alten Weg von Jericho nach Jerusalem, den Jesus bis zu der kleinen Anhöhe des Ölbergs nimmt, gesellen sich dem zahlreichen Gefolge noch weitere Menschen hinzu.

Es war nicht ungewöhnlich, daß man von der Stadt aus größeren Pilgergruppen entgegenging, um mit ihnen gemeinsam unter Gesängen und Jubelrufen einzuziehen, wie auch jetzt. Der Herr läßt es geschehen. Ja, er läßt vom nahegelegenen Dorf Betfage einen Esel holen, im damaligen Palästina das Reittier hochgestellter Persönlichkeiten schon seit den Tagen Bileams1.

Der Zug schwillt an. Einige legen ihren Umhang über den Rücken des Tieres und helfen Jesus aufsitzen; andere breiten ihre Kleider wie einen Teppich auf dem Boden aus. Wieder andere beeilen sich, Oliven- und Palmzweige abzuschneiden, und bilden ein Spalier. Das Evangelium berichtet: Als der Zug an die Stelle kam, wo der Weg zum Ölberg hinabführt, begannen alle Jünger freudig und mit lauter Stimme Gott zu loben wegen all der Wunder, die sie erlebt hatten. Sie riefen: Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn. Im Himmel Friede und Herrlichkeit in der Höhe!2

Der Messias reitet auf einem Esel in seine Stadt ein. Das prophetische Wort aus dem Alten Testament, das vielen einfachen Leuten, vor allem natürlich auch den Pharisäern, gut bekannt war, bewahrheitet sich3. Auch der Jubelgesang des Volkes trägt messianische Züge. Jesus nimmt die Huldigung an und entgegnet den Pharisäern, die die gläubige, freudige Manifestation zu ersticken suchen: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien.4

Trotzdem ist Jesu Triumph ohne Pomp. »Seht ihr? Jesus ist zufrieden mit einem armen Tier als Thron. Ich weiß nicht, wie es bei euch ist; für mich ist es nicht erniedrigend, mich vor Gott als armer Esel zu fühlen: Wie ein Esel, so war ich vor dir. Nun aber bleibe ich immer vor dir, du hast mich ergriffen mit deiner Rechten (Ps 73,22-23), du führst mich am Halfterstrick.«1

Auch heute noch will Jesus mit sanfter Mächtigkeit in das Leben der Menschen Einzug halten und erwartet das freudige und unaufdringliche Zeugnis einer gut verrichteten Arbeit, das Zeugnis der Freude und Gelassenheit, das Zeugnis der ehrlichen Sorge um den Nächsten. Er will durch uns im Leben der Menschen gegenwärtig sein.

Im persönlichen Gebet weitet sich das Psalmwort zu einem Wort an den Betenden: Ut iumentum factus sum apud te ... Wie ein Esel. »Heute sieht man dieses Lasttier nicht mehr so oft wie früher, aber denkt einmal an seine Eigenschaften. Nicht den alten, starrköpfigen, nachtragenden Esel meine ich, der sich hinterhältig mit einem Tritt rächt, sondern ein junges Tier: die Ohren steil wie Antennen, genügsam im Futter, hart in der Arbeit, entschieden und freudig im Trott. Viele Tiere sind schöner, tüchtiger und urwüchsiger. Christus aber hat sich einen Esel ausgesucht, um als König vor dem jubelnden Volk zu erscheinen. Denn Jesus weiß nichts anzufangen mit berechnender Schläue, mit der Grausamkeit eines kalten Herzens, mit augenfälliger, aber leerer Schönheit. Unser Herr schätzt die Freude eines jungen Herzens, den einfachen Schritt, eine Stimme ohne Falsch, klare Augen, ein Ohr, das sein liebevolles Wort sucht.«2

II. Der festliche Zug hatte die höchste Stelle des Ölbergs überschritten und kam nun die westliche Seite des Hügels herab. Er bewegte sich auf den Tempel zu, den man von hier aus gut sehen konnte. Die ganze Stadt liegt nun im Blickfeld des Herrn. Da weint Jesus7. Die Jünger sind ratlos; sie hören die Freudenrufe, sehen die begeisterten Menschen und können sich die Traurigkeit des Herrn nicht erklären.

Aber Jesus sieht Jerusalem in Blindheit und Sünde untergehen: Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was dir Frieden bringt. Jetzt aber bleibt es vor deinen Augen verborgen.8 Der Herr sieht Tage über die heilige Stadt hereinbrechen, die nicht Freude und Heil wie jetzt, sondern Not und Zerstörung bringen werden. Jahre später wird sie dem Erdboden gleichgemacht. Jesus weint über die Verstocktheit Jerusalems. In seiner Barmherzigkeit empfindet er Mitleid mit dieser Stadt, die sich ihm verweigert.

Jesus hat die Begegnung mit allen gesucht. An einfache und gebildete Menschen hat er sich mit Worten und Werken, mit Machterweisen und schlichten Gesten gewinnend, tröstend und auch tadelnd gewandt. Wie heute, wie immer ... Jesu Heilswillen macht den Reichtum seiner Gnade jedem einzelnen Menschen zum Geschenk.

Auch uns will er zu einer echten Nachfolge bewegen. Oft hat er schon die Begegnung mit uns gesucht! Mit wieviel Gnade hat er nicht schon unser Leben bedacht! »Denn er, der Sohn Gottes, hat sich in seiner Menschwerdung gewissermaßen mit jedem Menschen vereinigt. Mit Menschenhänden hat er gearbeitet, mit menschlichem Geist gedacht, mit einem menschlichen Willen hat er gehandelt, mit einem menschlichen Herzen geliebt. Geboren aus Maria, der Jungfrau, ist er in Wahrheit einer aus uns geworden, in allem uns gleich außer der Sünde. Als unschuldiges Opferlamm hat er freiwillig sein Blut vergossen und uns Leben erworben. In ihm hat Gott uns mit sich und untereinander versöhnt und der Knechtschaft des Teufels und der Sünde entrissen. So kann jeder von uns mit dem Apostel sagen: Der Sohn Gottes hat mich geliebt und sich für mich hingegeben (Gal 2,20).«9

Jedes Menschenleben ist die Geschichte des ständigen Werbens Gottes um ihn. Jedem Menschen gilt die ganze Liebe des Herrn. Die ganze Liebe Jesu war auf Jerusalem und auf jeden einzelnen seiner Einwohner gerichtet, doch die Stadt wollte der Barmherzigkeit ihre Tore nicht öffnen - ein tiefes Geheimnis der menschlichen Freiheit, die die göttliche Gnade zurückweisen kann. Welche Tragik. »Freier Mensch, unterwirf dich zu freiwilligem Dienst, damit Jesus von dir nicht sagen muß, was er der heiligen Theresia von anderen gesagt haben soll: >Theresia, ich wollte ... aber die Menschen haben nicht gewollt<.«10

III. Sechs Tage vor dem Osterfest kam der Herr in die Stadt Jerusalem. Da liefen ihm Kinder entgegen mit Palmzweigen in den Händen und riefen: Hosanna in der Höhe!11

Im nachhinein wissen wir, daß der Jubel jener Stunden für viele nur eine flüchtige Euphorie war. Die frischen Zweige waren bald verdorrt. Das begeisterte Hosanna sollte sich fünf Tage später in ein blindwütiges Kreuzige ihn! verwandeln. Gibt es überhaupt eine Erklärung für einen solchen Umschwung? Und doch läßt uns ein Blick in unser eigenes Herz manches ahnen.

»Wie verschieden klang es doch« erläuterte Bernhard von Clairvaux, »wenn gerufen wurde: Weg mit ihm, kreuzige ihn, oder aber: Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, Hosanna in der Höhe! Wie anders die Stimmen, die ihn jetzt König Israels nennen und einige Tage später Wir haben keinen König außer dem Kaiser rufen! Was für ein Kontrast zwischen den grünen Zweigen und dem Kreuz, den Blumen und den Dornen! Dem sie zuvor die eigenen Kleider als Teppich vorgelegt haben, dem reißen sie bald darauf die seinen vom Leib und würfeln um sie.«12

Vor dem Hintergrund dieses tragischen Umschwungs wollen wir bedenken, daß unsere Liebe zu Christus beharrlich sein muß, unsere Treue beständig, unsere Absichten nicht nur kurzlebige Lichter. In unserem Herzen finden wir tausend widersprüchliche Möglichkeiten: wir sind fähig zum Erhabensten und fähig zum Gemeinsten. Das Leben der Freundschaft mit Gott ist nur möglich, wenn wir fest bleiben in der Liebe zu Christus, beharrlich im Ringen, alles beiseite zu lassen, was uns von Gott trennt, treu in der Nachfolge bis zum Kreuz.

»Die Liturgie des Palmsonntag legt den Christen diesen Gesang in den Mund: Weitet euch, ihr Tore, erhebt euch, ihr alten Pforten, daß einziehen kann der König der Herrlichkeit (Antiphon zur Austeilung der Zweige). Wer sich in der Bastion seines Egoismus verschanzt, wird nicht das Schlachtfeld suchen. Wenn er freilich die Tore öffnet und den König des Friedens einläßt, wird er gemeinsam mit ihm den Kampf aufnehmen gegen alles Erbärmliche, das den Blick trübt und das Gewissen stumpf macht.«13

Auch Maria verbringt dieses Pascha-Fest in Jerusalem, nahe bei ihrem Sohn. Das neue Pascha wird bald vollendet sein, wenn ihr Sohn, Priester und Opferlamm zugleich, seine Hingabe vollendet. Unsere Bitte an die Mutter ist eine Bitte um Festigkeit, damit wir nicht hin und her schwanken zwischen dem Ja des erlösten und dem Nein des gefallenen Menschen.

1 vgl. Num 22,21 ff. - 2 Lk 19,37-38. - 3 Sach 9,9. - 4 Lk 19,40. - 5 J. Escrivá, Christus begegnen, 181. - 6 ebd. - 7 Lk 19,41. - 8 Lk 19,42. - 9 II. Vat. Konz., Konst. Gaudium et spes, 22. - 10 J. Escrivá, Der Weg, Nr. 761. - 11 Eröffnungsvers der Messe vom Tage. - 12 Bernhard von Clairvaux, Predigt am Palmsonntag. - 13 J. Escrivá, Christus begegnen, 82.

von 23.03.2013 09:41

FASTENZEIT
5. WOCHE - SAMSTAG

39

JESUS WIRD GEFANGENGENOMMEN


Judas: Freund und Verräter. Vorgeschichte seiner Untreue.
Nichts vermag zu bewirken, daß der Herr uns seine Treue entzieht. Demut, Reue, Hoffnung.
Die Flucht der Jünger. Christus nahe folgen.

I. Nachdem der Herr im Garten Getsemani sein Gebet beendet hatte, erhob er sich und ging abermals zu den drei Jüngern, die vor Erschöpfung und Trauer eingeschlafen waren. Steht auf, sagt er zu ihnen, wir wollen gehen! Seht, der Verräter, der mich ausliefert, ist da. Noch während er redete, kam Judas, einer der Zwölf, mit einer Schar von Männern, die mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet waren.1

Ein Freundschaftszeichen besiegelt den Verrat: Sogleich ging er auf Jesus zu und (...) küßte ihn.2 Das muß uns ewig rätselhaft bleiben. Wieso konnte einer, der Jesus so gut kannte, ihn ausliefern? Was war in Judas' Seele vorgegangen? Er hatte doch die vielen Wunder gesehen, die Güte Jesu allen gegenüber erfahren, die Macht seines Wortes, die so viele Menschen gefesselt hatte - auch ihn selbst. Und vor allem: Der Herr hatte ihn aus dem weiten Kreis der Jünger zu einem seiner zwölf Vertrauten auserwählt. Petrus hebt dies später hervor, als es nach der Himmelfahrt des Herrn darum ging, den Verräter zu ersetzen: Er wurde zu uns gezählt und hatte Anteil am gleichen Dienst.3 Auch Judas war ausgesandt worden, das Wort zu verkündigen, und er wird die Fruchtbarkeit seines Wirkens durch Wunder und Zeichen in der Vollmacht des Meisters erfahren haben. Und nun der Verrat ...

Wir können die Vorgeschichte nur ahnen. Trotz Christi Nähe muß er innerlich auf Abstand zu ihm gegangen sein. Der Bruch mit dem Meister, der Riß durch Glauben und Berufung muß sich nach und nach vollzogen haben. In einem bezeichnenden Augenblick wird diese innere Distanz deutlich. Er wird Zeuge eines Geschehens, der Salbung in Betanien, das nur von einer dankbaren Liebe her zu erklären ist, kann es jedoch nicht mehr richtig einordnen und reagiert mißmutig. Den bewegenden Versuch, der grenzenlosen Liebe Jesu durch eine verschwenderische Geste irgendwie zu entsprechen, hält er für eine »Übertreibung« Er bemäntelt sein Mißfallen mit der »Liebe zu den Armen« Johannes registriert nüchtern: Das sagte er aber nicht, weil er ein Herz für die Armen gehabt hätte, sondern weil er ein Dieb war; er hatte nämlich die Kasse und veruntreute die Einkünfte.4»So erkaltete wohl nach und nach seine Liebe zum Herrn, und es blieb nur mehr der äußere Schein einer Gefolgschaft übrig. Die liebende Hingabe an Gott bestimmte nicht mehr sein Leben. Sie wurde zu einer Maske, und mehr als einmal mag er sich gesagt haben, wieviel besser wäre es gewesen, dem Herrn nicht gefolgt zu sein.

In einer solchen Situation verblaßt alles Erlebte: die Wunderheilungen, die glücklichen Augenblicke nahe beim Meister, die Freundschaft zu den Gefährten. Orientierungslos geworden, ist dieser bedauernswerte Mensch in seiner Verirrung zu allem fähig. Schritt für Schritt hat er die Treue fallen lassen. Die äußere Geste eines Kusses vollendet die allmähliche innere Entfremdung.

Die schreckliche Tat kann uns den Blick schärfen für vorangegangene Untreue, die nicht ins Gewicht zu fallen schien, und, als Kontrast dazu, für den Wert der Treue und Beharrlichkeit in den unscheinbaren Dingen des Alltags.

Ein alter kirchlicher Schriftsteller gebraucht ein anschauliches Beispiel: »Ein Haus stürzt nicht auf einmal zusammen. Meistens steht am Anfang ein alter Bauschaden und die Nachlässigkeit der Bewohner, die auf die kleinen Risse nicht achten. Anfangs sickern nur ein paar Tropfen durch, doch nach und nach zerfrißt das Wasser das Gebälk und es verfault. Mit der Zeit dann werden die Risse immer größer, alles bröckelt ab. Und schließlich regnet es in Strömen herein.«5

Die Passion unseres Herrn stellt uns auch die vor Augen, die damals dabei waren. Sie alle muß das Verhalten des Judas befremdet haben. Aber die Vorgeschichte des nächtlichen Kusses läßt uns nicht in Ruhe. Wie steht es um unsere Treue im Kleinen? Gibt es feine Risse - kleine Anzeichen eines »Doppellebens« Hat die Aufrichtigkeit im Umgang mit dem Herrn nachgelassen? Vielleicht verheißen dreißig lächerliche Silberlinge eine noch lächerlichere Befriedigung?»

II. Judas, mit einem Kuß verrätst du den Menschensohn?6 Der Herr begegnet Judas mit der Sanftmut, die man einem Kranken entgegenbringt. Er spricht ihn - wie einen Freund - mit seinem Namen an. Freund, dazu bist du gekommen?7 Noch bleibt Zeit für Judas, sich zu besinnen. Denn der Herr ist immer bereit, uns zu vergeben, wenn wir die Freundschaft zu ihm nur aufs neue suchen. Auch Judas hätte Vergebung erhalten, hätte er die ausgestreckte Hand des Herrn ergriffen.

Judas mag den Fortgang der Ereignisse mit zunehmender Beklemmung verfolgt haben. Vielleicht hatte er gar nicht daran gedacht, der Prozeß gegen Jesus könnte die Todesstrafe zur Folge haben. Denn Matthäus berichtet: Als nun Judas, der ihn verraten hatte, sah, daß Jesus zum Tod verurteilt war, reute ihn seine Tat. Er brachte den Hohenpriestern und den Ältesten die dreißig Silberstücke zurück8. Reue, aber ohne Demut und deshalb ohne Hoffnung auf Vergebung. Wenn es auch ungeheuerlich klingt: Hätte er seine Hoffnung auf die Güte des Herrn gesetzt, so wäre er trotz der schrecklichen Schuld das geblieben, wozu der Herr ihn berufen hatte: Säule der Kirche.

Manches im Evangelium ist in seiner Größe oder in seiner Schrecklichkeit so überwältigend, daß wir zunächst nur »hinschauen= können - innerlich stumm, bestürzt und fassungslos. Aber dann empfangen wir ein Licht für die Seele.Im Falle des Judas heißt dies: Mögen unsere Sünden auch noch so groß sein, der Herr wartet immer auf uns, um uns zu vergeben, und kein Fehltritt, kein Verrat kann bewirken, daß er uns die Freundschaft aufkündigte, wenn wir nur demütig zu ihm gehen. Gott erwartet von einem Menschen nicht tadellose Leistungsnachweise, sondern die Demut, immer wieder neu zu beginnen. Er erwartet, daß wir die theologische Tugend der Hoffnung in die Tat umsetzen. Wer weiß, ob manche Mißerfolge in unserem inneren Ringen nicht daher kommen, daß wir zu sehr auf uns selbst und zu wenig auf das Gebet und die Sakramente vertrauen.

III. Am Rande des Dramas spielt sich eine kleine Szene ab, die fast unbemerkt bleibt: Wenn ihr mich sucht, sagt Jesus zu den Schergen, dann laßt diese gehen!9 Auch mitten in der höchsten Bedrängnis sorgt sich der Herr um die Seinen.

Darauf nahmen sie ihn fest, führten ihn ab und brachten ihn in das Haus des Hohenpriesters.10 Johannes fügt noch hinzu, daß sie ihn fesselten11. So wird er unter Anpöbelungen und Beschimpfungen fortgeschleppt. Und die Jünger? Sie verließen ihn alle und flohen12.

Jesus bleibt allein in den Händen der Häscher, denn die Jünger sind einer nach dem anderen verschwunden. »Der Herr wird gegeißelt, und niemand steht ihm bei; angespuckt, und niemand stellt sich vor ihn; mit Dornen gekrönt, und niemand greift ein; gekreuzigt, und niemand befreit ihn« schreibt der heilige Augustinus13.»Petrus folgte ihm von weitem14. Er wird bald schmerzlich erfahren, was es heißt, den Herrn aus dem Blick zu verlieren. Nach der Verleugnung wird der Blick des Herrn ihn von neuem treffen.

Christus ganz dicht folgen, bei ihm bleiben: bei der Arbeit, auf der Straße, in der Kirche, zu Hause, das ist die Lehre. Uns nicht von ihm trennen: Auch dann nicht, wenn sein Jünger Nachteile einstecken muß. Denn wir wissen, daß wir fern von ihm nichts vermögen.

Wir dürfen vermuten, daß der eine oder andere der Jünger zu Maria eilte, um ihr zu berichten, man habe ihren Sohn abgeführt. Die »Mutter der Schmerzen« wird ihnen in jenen bitteren Stunden Frieden gegeben haben. Sie, »Refugium peccatorum« die Zuflucht der Sünder.

1 Mt 26,46-47. - 2 Mt 26,49. - 3 Apg 1,17. - 4 Joh 12,6. - 5 Johannes Cassianus, Unterredungen mit den Vätern, 6. - 6 Lk 22,48. - 7 Mt 26,50. - 8 Mt 27,3. - 9 Joh 18,8. - 10 Lk 22,54. - 11 Joh 18,12. - 12 Mk 14,50. - 13 Augustinus, Erklärung der Psalmen (22), 2,8. - 14 Lk 22,54.

von 22.03.2013 08:40

FASTENZEIT
5. WOCHE - FREITAG

38

JESU GEBET IM ÖLGARtEN

Jesus in Getsemani: leidend und betend.
Es gibt Zeiten, in denen das Gebet inniger, drängender sein muß.
Beten: In der Stunde wirklicher Not und auch, wenn es einem schwerfällt.


I. Nach dem Lobgesang gingen sie zum Ölberg hinaus.1 Der Herr begab sich mit der kleinen Schar der Apostel in einen auf dem östlichen Ufer des Kidronbaches gelegenen Garten. Sie kamen zu einem Grundstück, das Getsemani heißt, und er sagte zu seinen Jüngern: Setzt euch und wartet hier, während ich bete. Und er nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht!2 »Jesus heißt auch die drei warten - und vielleicht wundern sie sich darüber, daß er sie bittet, sie möchten mit ihm wachen. Vielleicht ist es das erste Mal, daß er etwas Derartiges verlangt«3 Dann entfernte er sich von ihnen ungefähr einen Steinwurf weit4. Ihn verlangte es nach Gebet. Er blieb bei einem Felsen stehen und kniete nieder5, schreibt Lukas. Nach Markus: er warf sich auf die Erde6. Nach Matthäus: er warf sich zu Boden7. Jesus wendet sich an seinen Vater in einem Gebet der Hingabe, des Vertrauens und der Liebe: Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.

Der Herr hat die Sünden der Welt auf sich genommen, als sei er der Sünder. »In dieses Geheimnis treten wir nur ein, wenn wir sehen und an uns heranlassen, daß sein Inhalt unsere Sünde ist. Die Menschensünde, aber in dem sich verwirklichend, was wir getan haben, heute und gestern und je: mit all unserer täglichen Auflehnung und Trägheit, Unlauterkeit und Bosheit; mit all dem Bösen, das der Bezeichnung entgeht, das in den Wurzeln sitzt, die Richtung und Haltung unseres Daseins durchdringt. So viel verstehen wir, was hier geschieht, als wir verstehen, daß hier unsere Sünde zu Ende gelebt wird - ebenso wie wir erst dann, wenn wir uns in die Furchtbarkeit dieser Stunde hineingeben, verstehen, was Sünde heißt.«8

»Jesus, allein und traurig, leidet und tränkt die Erde mit seinem Blut. - Auf dem harten Boden kniend harrt er aus im Gebet. - Er weint um dich ... und um mich: die Sünden der Menschen lasten schwer auf ihm.«9

Welch großen Dank schulden wir ihm für dieses Opfer, das uns von Sünde und ewigem Tod befreit! In der Stille unseres Gebetes betrachten wir ihn: Er betete in seiner Angst noch inständiger10.

Nur das ungebrochene Vertrauen in den Vater trägt ihn. Die Kräfte des Leibes lassen nach, ein Engel stärkt ihn. Zur menschlichen Natur gehört die Leidensfähigkeit. Hier ist sie greifbar, in der Gestalt des ermatteten Christus.

Wir denken an eigene Leidenszeiten: Augenblicke des inneren Kampfes, manchmal in Dunkelheit und seelischer Qual, die es erschweren, sich dem Willen Gottes zu fügen. Wir verlieren dann leicht die Hoffnung. Jesus im Ölgarten zeigt uns den Ausweg aus solchen Situationen. Das Leiden wird zu Gebet. So ist es möglich, uneingeschränkt und bedingungslos an Gottes Willen festzuhalten.

»Jesus betet im Ölgarten: Pater mi (Mt 26,39), Abba, Pater! (Mk 14,36). Gott ist mein Vater, auch dann, wenn er mir Leid schickt. Seine Liebe ist zart, auch dann, wenn er mich verwundet. Jesus leidet, um den Willen des Vaters zu erfüllen ... Auch ich will den heiligsten Willen Gottes in der Nachfolge des Meisters erfüllen. Warum dann klagen, wenn Leid mich auf meinem Weg begleitet?«11

II. Es ist Nacht, aber Jesus sieht im Lichte der göttlichen Weisheit Herz und Seele aller Menschen. Vor seinem Auge vollzieht sich das Drama unserer Sünden. Er sieht, daß sich viele der Sühne verschließen, die er für sie leistet, er erkennt, daß sein Opfer für viele vergeblich sein wird, er gewahrt schon jetzt durch die Zeiten die Auflehnung und Abgestumpftheit vieler Menschen gegenüber der göttlichen Liebe.

Dreimal sucht er die betende Gemeinschaft mit den drei Jüngern. Wachet mit mir, bleibt an meiner Seite, laßt mich nicht allein, hatte er sie angefleht. Doch als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend, denn die Augen waren ihnen zugefallen; und sie wußten nicht, was sie ihm antworten sollten.12 Jesus - ganz Mensch - sucht in der Stunde der Not die Nähe anderer Menschen. Aber nicht einmal die findet er. In einer Nacht, die zum Wachen einlud, schliefen seine Freunde. Ihre Liebe war noch nicht stark genug, sie versanken in Schwäche und Trauer. Christus hatte sie zu Pfeilern seines Erlösungswerkes auserwählt, aber ihn selbst konnten sie nicht stützen.

Beten - ja immer, und dennoch gibt es Zeiten, in denen das Gebet inniger sein muß; es gerade dann aufzugeben, hieße die Nähe zu Christus aufgeben. Die Frage an die drei Gefährten ist eine Frage an uns: Wie könnt ihr schlafen? Steht auf und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet.13 In Versuchung geraten: der Schmerz, der mich aus der Fassung bringt, die Widerwärtigkeiten, die ich nicht einzuordnen vermag, dunkle Leidenschaften, denen ich nachgeben möchte, die Irrlichter eines satten, bequemen und oberflächlichen Lebens, das Unbehagen schon beim Gedanken an eine Überwindung ...

Aus dem täglichen betrachtenden Gebet schöpfen wir die Kraft, wachsam zu bleiben angesichts eines Feindes, der niemals schläft. Dann können wir leichter Versuchungen abwehren und Schwierigkeiten überwinden. Durch das Gebet erwidern wir die Bitte des Herrn, ihn zu begleiten. Doch die persönliche Erfahrung sagt uns: »wie schwer ist es, ihn zu begleiten, wenn man nicht betet.«14

Wenn uns erst einmal der tägliche Umgang mit ihm zu einem selbstverständlichen Bedürfnis geworden ist, dann werden wir ihm sagen können: Und wenn ich mit dir sterben müßte - ich werde dich nie verleugnen.15 Im Munde des Petrus war es ein vorschnelles Wort, das er nicht einhalten konnte; vielleicht hatte ihm die Kraft ausharrenden Betens gefehlt, um das ihn der Herr angehalten hatte. Aber vielleicht hat er gerade nach seiner Verleugnung gelernt, beharrlich zu beten, das ihm dann die Treue bis zur Hingabe des Lebens für seinen Meister schenkte.

III. Die Betrachtung des Todesleidens Christi in Getsemani kann in uns einen ganz unspektakulären, aber grundlegenden Vorsatz festigen: das tägliche Gebet niemals zu vernachlässigen und den Willen Gottes auch dann zu erfüllen, wenn es uns schwerfällt. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst! »Jesus, was du auch >willst< ..., ich liebe es«16, so faßt ein gottliebender Mensch sein Gebet zusammen.

Viele Heilige haben aus der betenden Versenkung in Jesu Todesleiden Kraft geschöpft. Besonders eindrucksvoll ist das Beispiel des Thomas Morus. Die Hinrichtung steht bevor, er verbringt die letzten Tage seines Lebens im Londoner Tower.

»Er kniet mit Jesus im Garten Getsemani, zittert mit ihm, ist mit ihm zu Tode betrübt, graust sich mit ihm vor der kommenden Qual, sieht, fühlt, trägt mit ihm das kommende Elend der Brüder, betet mit ihm. Und er bittet: (...) >Pflanze in mein Herz die sanfte Fügsamkeit, deren es bedarf, um mit deiner Gnade den Eingebungen meines guten Engels zu folgen und den stolzen Einflüsterungen der gefallenen Engel zu widerstehen. Um des bitteren Leidens Christi willen mach mich seiner Seligkeit teilhaftig< (...). Und er vernimmt die Antwort: >Fasse Mut, schwaches Herz, verzweifle nicht! Obwohl du voller Angst bist und müde und in großer Gefahr, die schmerzlichsten Qualen zu erleiden ... sei getrost trotz alledem, denn ich selbst, der Herr dieser ganzen Welt, habe dennoch viel, viel mehr Angst, Trauer und Erschöpfung gefühlt. Und ich litt auch noch mehr innere Qual, als ich daran dachte, wie schnell das bitterste Leiden auf mich zukam. Der Starkmutige mag tausend glorreiche Märtyrer finden, deren Beispiel er freudig folgen kann. Aber du nun, du ängstliches und schwaches, dummes Schäflein, bedenke, daß es für dich genügt, hinter mir herzugehen, der ich dein Hirte bin und für dich sorge. Also mißtraue dir selbst und setze dein Vertrauen in mich.<«17

Das ist das vertrauensvolle Gespräch mit Gott, das ein Mensch in seiner Drangsal, in der Kreuzesnachfolge führt. Wollen wir in schwierigen Stunden so reagieren, müssen wir in Stunden ohne Anfechtungen, wenn nichts uns zusetzt, der Bedrängnisse Jesu gedenken: der Kreuzweg, die schmerzensreichen Geheimnisse des Rosenkranzes, das Stoßgebet vor einem Kruzifix können der Anstoß dazu sein. Wenn es uns schwerfällt, den Willen des Herrn in Ereignissen zu erkennen, die wir nicht recht einzuordnen wissen, dann helfen uns Jesu Worte: Aber nicht, was ich will, sondern was du willst, soll geschehen.18

1 Mk 14,26. - 2 Mk 14,32-34. - 3 R. Guardini, Der Herr, Würzburg 1951, S.453. - 4 Lk 22,41. - 5 ebd. - 6 Mk 14,35. - 7 Mt 26,39. - 8 R. Guardini, Der Herr, Würzburg 1951, S.454. - 9 J. Escrivá, Der Rosenkranz, Die Todesangst im Ölgarten. - 10 Lk 22,44. - 11 J. Escrivá, Der Kreuzweg, I,1. - 12 Mk 14,40. - 13 Lk 22,46. - 14 vgl. J. Escrivá, Der Weg, Nr. 89. - 15 Mk 14,31. - 16 J. Escrivá, Der Weg, Nr. 773. - 17 Peter Berglar, Die Stunde des Thomas Morus, Frankfurt 1987, S.244-245. - 18 Mk 14,36.

von 21.03.2013 07:59

FASTENZEIT
5. WOCHE - DONNERSTAG

37

sich in die passion christi versenken

Der Kreuzweg und das Kruzifix.
Inneres Erleben der Passion.
Was wir daraus lernen.


I. Mein Volk, was habe ich dir getan, womit nur habe ich dich betrübt? Antworte mir. Ich habe dir Wasser aus dem Felsen zu trinken gegeben und dich gerettet, du aber hast mich getränkt mit Galle und Essig. Mein Volk, was habe ich dir getan ...?1

Die Liturgie dieser Tage bringt uns dem grundlegenden Geheimnis unseres Glaubens, der Auferstehung des Herrn, sehr nahe. Wenn auch das ganze liturgische Jahr auf Ostern hin ausgerichtet ist, so »fordert besonders diese Zeit, weil sie dem erhabenen Geheimnis der göttlichen Barmherzigkeit so nahe ist, von uns eine um so innigere Einstimmung«2. »Jedoch sollten wir diesen Weg nicht zu eilig gehen; wir sollten eine sehr einfache Wahrheit nicht vergessen, die wir manchmal vielleicht übersehen: Wir werden an der Auferstehung des Herrn nicht teilhaben können, wenn wir uns nicht mit seinem Leiden und seinem Tod vereinen (vgl. Röm 8,17). Damit wir Christus in seine Herrlichkeit, bis ans Ende der Karwoche, begleiten können, müssen wir zuerst sein Opfer begreifen und uns eins mit ihm fühlen - mit ihm, der tot am Kreuz hängt.«3

Wir begleiten den Herrn auf seinem Leidensweg bis zum Tod am Kreuz. Er hat unsere Sünden mit seinem Leib auf das Holz des Kreuzes getragen, heißt es im ersten Petrusbrief4.

Der Brauch, sich in das Leiden und Sterben Jesu zu vertiefen, geht auf die Urchristen zurück: »Gewiß sind schon die Christen der Urgemeinde in Jerusalem zu Zeiten in andächtiger Erinnerung den Weg wieder gegangen, den Jesus damals hatte gehen müssen. Da ist vor ihrem inneren Auge lebendig neu erstanden, was sich auf diesem Wege, an jener Straßenkreuzung zugetragen hatte; was ihnen in jenen angstvollen Stunden durchs Herz gegangen war und nachher im Licht des Ostermorgens und in der Geistesfülle des Pfingsttages seine unendliche Bedeutung offenbart hatte. Sie haben ihre Erinnerungen an andere weitergegeben und diese wieder an andere. Und wenn später der Pilger nach Jerusalem kam, dann fand er durch uralte Überlieferung die wichtigsten Ereignisse des letzten Herrenganges an bestimmte Orte geknüpft. Er hielt an ihnen seine statio, was in der alten Kirchensprache soviel heißt wie in frommem Gedenken, in gottesdienstlicher Absicht Halt machen, und dachte sich in jene Zeiten zurück, und ihm war zu Mute, als sei er selbst einer aus der kleinen, treuen Schar, die damals mitleidend dem Herrn gefolgt war.«5

Der Kirchenvater Johannes Chrysostomos empfiehlt in einer Predigt: »Laßt uns immer wieder die Leidensgeschichte des Herrn lesen, und wir werden reichen Nutzen und den größten Vorteil daraus ziehen. Wenn du nämlich siehst, wie er durch Gebärden und Tätlichkeiten verspottet, mit soviel Hohn bedacht, ins Gesicht geschlagen und das Fürchterlichste leidet, wirst du, und wärest du auch ein Stein, doch weich werden wie Wachs und allen Hochmut aus deiner Seele bannen.«6

Wieviele sind schon durch die Versenkung in die Passion zur Umkehr gebracht worden! Der heilige Thomas von Aquin sagt: »Das Leiden und Sterben Christi genügt als Leitstern und Vorbild für unser ganzes Leben«7 Es wird erzählt, er habe eines Tages den heiligen Bonaventura besucht und ihn gefragt, welchen Büchern die wunderbare Lehre seiner eigenen Werke entstamme. Bonaventura soll ihm daraufhin ein Kruzifix mit Spuren von vielen Küssen gezeigt haben: »Das ist das Buch, das mir alles eingibt, was ich schreibe; das Wenige, was ich weiß, habe ich hier erfahren.« Auch wir müssen aus diesem Buch lernen. »Dein Kruzifix. - Als Christ solltest du immer dein Kruzifix bei dir tragen. Du solltest es auf deinen Arbeitstisch legen. Du solltest es küssen beim Schlafengehen und beim Aufstehen. Und wenn dein armer Körper sich gegen die Seele auflehnt, küsse es auch.«8

II. Das Leiden und Sterben des Herrn sollte immer wieder Gegenstand unseres Gebetes sein, besonders aber jetzt, da wir uns dem grundlegenden Geheimnis unserer Erlösung nähern.

»Im betrachtenden Gebet tritt die Passion unseres Herrn aus dem leblosen Rahmen der Geschichte heraus. Sie ist aber auch nicht mehr Gegenstand frommer Erwägung, sondern sie ersteht vor unserem Auge als das schreckliche, erdrückende, grausame und blutige Opfer, das sie war - als die äußerste Tat der göttlichen Liebe...«9

Es ist gut, das Leiden Christi innerlich zu betrachten: im persönlichen Gebet, beim Lesen des heiligen Evangeliums, beim Beten der schmerzensreichen Geheimnisse des Rosenkranzes, beim Kreuzweg ... Dabei mag uns die Vorstellungskraft zu Hilfe kommen, die Gott uns geschenkt hat. Wir sehen uns dann unter den Zeugen des damaligen Geschehens: neben den Aposteln beim letzten Abendmahl, als ihnen der Herr die Füße wusch und so liebevoll zu ihnen sprach, in jenem großen Augenblick, da er die Heilige Eucharistie einsetzte; neben den drei Schlafenden in Getsemani, die den Herrn in seiner Verlassenheit allein ließen; ja selbst unter denen, die Petrus schwören hörten, er kenne Jesus nicht, oder jenen, die als Zeugen des Scheinprozesses sahen, wie der Hohepriester seine Kleider zerriß. Gelegentlich werden wir uns - in Reue - unter die Menge mischen, die seinen Tod forderte. Und im Geiste werden wir auf den gekreuzigten Herrn schauen, auf sein edles, nun so entstelltes Gesicht.

Mag unser Versuch, die Passion zu erleben, immer nur ein blasses, kümmerliches Ahnen des damals wirklich Geschehenen sein - es ist ein außerordentlich bereicherndes Gebet, nachzuempfinden, wie Jesus, der Heilige schlechthin, alle Sünden der Welt auf sich nimmt; oder wie verlassen er sich fühlen mußte beim Anblick der drei Jünger, die ihm Begleiter sein sollten und die er dreimal schlafend vorfand. Jünger in der Nachfolge, die im entscheidenden Augenblick, während der Feind lauert, schlafen - ein zeitloses Bild?

III. Um Jesus zu erkennen und ihm nachzufolgen, dürfen wir nicht bloß Zuschauer des Geschehens sein: »Wir sollten, ohne bei Äußerlichkeiten oder Gemeinplätzen stehen zu bleiben, uns in das vertiefen, was uns der Tod Christi enthüllt. Es ist nötig, sich ganz in die Szenen hineinzuversetzen, die wir während dieser Tage neu durchleben: den Schmerz Christi, die Tränen seiner Mutter, die Flucht der Jünger, die Tapferkeit der heiligen Frauen, den Mut Josephs von Arimathäa und Nikodemus', die von Pilatus den Leichnam Jesu erbitten.«10

»Mit einem Wort: versuchen wir, dem toten Jesus nahe zu kommen, dem Kreuz, das sich auf Golgota erhebt. Aber nähern wir uns in Aufrichtigkeit und im Bemühen um jene innere Sammlung, die Zeichen christlicher Reife ist. Die Ereignisse der Passion - so menschlich und göttlich zugleich - werden in die Seele wie Worte eindringen, die Gott an uns richtet, um uns im Innersten unseres Herzens aufzurütteln und uns zu enthüllen, was er von uns erwartet.«11

Sich versenken in das Leiden und Sterben Christi bringt uns vielfache Frucht: »Bitterstes Leiden, des Leibes und der Seele, sehen wir den Herrn durchmachen, aber auch durch die Liebe zu Gott und zu uns überwinden. Und wir lernen, mit unserem Schicksal Ähnliches zu vollbringen.«12 Wir lernen, die Sünde zu verabscheuen und angesichts eines so gütigen Gottes die Liebe in uns zu entzünden, denn er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt13. »Und bei diesem Anblick geht uns auf, daß die Sünde unendlich mehr ist als nur ein kleiner >Schreibfehler< von uns. Sündigen heißt: Christus kreuzigen, ihm Hände und Füße durchbohren, ihm das Herz zerreißen.«14 Christi Leiden entzündet gegen Lauheit, Lustlosigkeit und Trägheit unsere Liebe und öffnet uns für die Bereitschaft zur Abtötung.

Der heilige Thomas stellt in der nüchternen Sprache seiner Summa Theologica dar, wie Christus nicht nur die physischen, sondern auch alle geistigen Leiden durchlebt, denn »er erfuhr Leid von Heiden und Juden, Männern und Frauen, wie beispielsweise von den Mägden, die Petrus anklagten. (...) Sogar von den Freunden und Bekannten erfuhr er Leid, so von Judas, der ihn verriet, und von Petrus, der ihn verleugnete. (...) Christus hat gelitten an seinen Freunden, da sie ihn verließen; an seinem Ruf durch die Gotteslästerungen, die man gegen ihn ausstieß; an seiner Ehre und seinem Ruhm durch den Spott und die ihm zugefügte Schmach.«15 Der Blick auf den leidenden Christus hilft uns, Gottes Willen anzunehmen, wenn der Herr einmal eine schwere Krankheit, Anfeindungen oder Widrigkeiten zuläßt.

Immer schenkt uns die Nähe zu Maria die Nähe zu Jesus. In diesen Tagen, unmittelbar vor der Passion des Herrn wollen wir Maria um die Gabe bitten, Ängstlichkeit oder auch Panik angesichts des Kreuzes zu verlieren und auf den Gekreuzigten zu schauen.

1 Liturgie vom Karfreitag. Improperien. - 2 Leo der Große, Predigt 47. - 3 J. Escrivá, Christus begegnen, 95. - 4 1 Petr 2,24. - 5 Guardini, Der Kreuzweg unseres Herrn und Heilandes, Mainz 1975, S.7-9. - 6 Johannes Chrysostomos, Homilien über das Matthäusevangelium, 87,1. - 7 Thomas von Aquin, Über das Glaubensbekenntnis, 6. - 8 J. Escrivá, Der Weg, Nr. 302. - 9 ders., Die Spur des Sämanns, Nr. 993. - 10 ders., Christus begegnen, 101. - 11 ebd. - 12 Guardini, Der Kreuzweg unseres Herrn und Heilandes, Mainz 1975, S.13. - 13 Jes 53,5. - 14 J. Escrivá, Die Spur des Sämanns, Nr. 993. - 15 Thomas von Aquin, Summa Theologica, III,q.46,a.5.

von 20.03.2013 08:11

Die Predigt des neuen Papstes im Volltext


Papst Franziskus hat am Donnerstag Abend eine erste große Messe in der Sixtinischen Kapelle gefeiert, um den Abschluss des Konklave zu markieren. Wir dokumentieren hier seine aus dem Stegreif gehaltene Predigt in der offiziellen vatikanischen Übersetzung.
*

Diese drei Lesungen* haben meines Erachtens etwas gemeinsam: das Moment der Bewegung. In der ersten Lesung ist es die Bewegung auf dem Weg, in der zweiten Lesung ist es die Bewegung beim Aufbau der Kirche und im Evangelium die Bewegung im Bekenntnis. Gehen, aufbauen, bekennen.


Gehen: „Ihr vom Haus Jakob, kommt, wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn“ (Jes 2,5). Es ist die erste Sache, die Gott zu Abraham sagte: Wandle in meiner Gegenwart und sei rechtschaffen (vgl. Gen 17,1). Gehen: Unser Leben ist ein Weg, und wenn wir anhalten, geht die Sache nicht. Immer gehen, in der Gegenwart des Herrn, im Licht des Herrn, und dabei versuchen, rechtschaffen zu leben, so, wie Gott es in seiner Verheißung von Abraham verlangte.


Aufbauen. Die Kirche aufbauen. Die Lesung spricht von Steinen: Steine haben Festigkeit; aber es geht um lebendige Steine, um vom Heiligen Geist getränkte Steine (vgl. 1 Petr 2,1-10). Die Kirche, die Braut Christi, auf jenen Eckstein aufbauen, welcher der Herr selbst ist. Eine weitere Bewegung unseres Lebens also: aufbauen.


Drittens: bekennen. Wir können gehen, wie weit wir wollen, wir können vieles aufbauen, aber wenn wir nicht Jesus Christus bekennen, geht die Sache nicht. Wir werden eine wohltätige NGO, aber nicht die Kirche, die Braut Christi. Wenn man nicht geht, bleibt man da stehen. Wenn man nicht auf Stein aufbaut, was passiert dann? Es geschieht das, was den Kindern am Strand passiert, wenn sie Sandburgen bauen: Alles fällt zusammen, es hat keine Festigkeit. Wenn man Jesus Christus nicht bekennt, da kommt mir das Wort von Léon Bloy in den Sinn: „Wer nicht zum Herrn betet, betet zum Teufel.“ Wenn man Jesus Christus nicht bekennt, bekennt man die Weltlichkeit des Teufels, die Weltlichkeit des Bösen.


Gehen, aufbauen/errichten, bekennen. Aber die Sache ist nicht so einfach, denn beim Gehen, beim Aufbauen, beim Bekennen gibt es zuweilen Erschütterungen, Bewegungen, die nicht eigentlich zur Bewegung des Gehens gehören – es sind Bewegungen, die nach hinten ziehen.


Das Evangelium fährt mit einer besonderen Situation fort. Derselbe Petrus, der Jesus Christus bekannt hat, sagt zu ihm: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Ich folge dir, aber sprich mir nicht vom Kreuz. Das tut nichts zur Sache. Ich folge dir mit anderen Möglichkeiten, ohne das Kreuz. – Wenn wir ohne das Kreuz gehen, wenn wir ohne das Kreuz aufbauen und Christus ohne Kreuz bekennen, sind wir nicht Jünger des Herrn: Wir sind weltlich, wir sind Bischöfe, Priester, Kardinäle, Päpste, aber nicht Jünger des Herrn.


Ich möchte, dass nach diesen Tagen der Gnade wir alle den Mut haben, wirklich den Mut, in der Gegenwart des Herrn zu gehen mit dem Kreuz des Herrn; die Kirche aufzubauen auf dem Blut des Herrn, das er am Kreuz vergossen hat; und den einzigen Ruhm zu bekennen: Christus den Gekreuzigten. Und so wird die Kirche voranschreiten.


Ich wünsche uns allen, dass der Heilige Geist auf die Fürbitte der Mutter Gottes, unserer Mutter, uns diese Gnade schenke: gehen, aufbauen, Jesus Christus den Gekreuzigten bekennen. Amen.

* Die Lesungen:Alttestamentliche Lesung:
Aus dem Buch des Propheten Jesaja, Kap. 2,2-5

Neutestamentliche Lesung:
Aus dem ersten Petrusbrief, Kap. 2,4-9

Evangelium:Matthäusevangelium, Kap. 16,13-19
(rv 14.03.2013 pr/cs)

von 20.03.2013 07:43

FASTENZEIT
5. WOCHE - MITTWOCH

36

die erlösung - ein aktuelles geschehen

Jesus hat uns vom Urübel der Sünde erlöst. Alle anderen Übel sind relativ und können fruchtbar gemacht werden.
Das Reich Christi ist nicht von dieser Welt, aber sein Heil wirkt schon in ihr.
Das Werk der Erlösung aktualisiert sich in der jeweiligen Zeit und im Leben eines jeden Menschen.

I. Der Vater hat uns in das Reich seines geliebten Sohnes aufgenommen. Durch ihn haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden.1

Erlösen heißt Loskaufen, ein Lösegeld für die Befreiung bezahlen. Das Evangelium der heutigen Messe deutet an, was für eine Knechtschaft auf den Menschen lastete: Amen, amen, das sage ich euch: Wer die Sünde tut, ist Sklave der Sünde.2 »Nur aus Gott hatte der Mensch Bestand und nur auf Gott hin konnte er leben. Er sündigte aber. Damit versuchte er, diese Grundwahrheit seines Daseins aufzuheben und sich in sich selbst zu stellen. Er fiel von Gott ab - wirklich, in einem furchtbaren Sinn. Er fiel vom Wirklich-sein weg, auf das Nichts zu (...). Gott ist dem Menschen nachgegangen, wie es im Gleichnis vom verlorenen Schaf und von der verlorenen Drachme geschrieben steht (Lk 15), in das Reich des Verlorenseins, in das böse Nichts, das unter der Tat des Menschen aufgeklafft war (....). Nun stand in der Menschengeschichte Einer da, der Gott war und Mensch. Rein wie Gott; verantwortungsbeladen wie der Mensch.«3

Weil Christus uns auf eine radikale Weise von der Macht des Teufels und der Sünde befreit hat, kann sich das Herz - allen Gefährdungen zum Trotz - geborgen wissen. Nunmehr erlangen die Worte des Psalms aus der Liturgie des Stundengebets ihren vollen Sinn: Der Herr ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? (...) Mag ein Heer mich belagern: Mein Herz wird nicht verzagen. Mag Krieg gegen mich toben: Ich bleibe dennoch voll Zuversicht.4 Das einzige Übel, das wir zu fürchten haben und das es mit Gottes Gnade abzuwenden gilt, ist die Sünde. Christus hat sie bezwungen; alle anderen Übel, die unser menschliches Leben begleiten - Leid und Schmerz an Leib und Seele, Not und Armut -, sind nur relativ und auch sie hat Christus, indem er sie auf sich nahm, verwandelt: »Ich nenne dir die wahren Schätze des Menschen auf dieser Erde, damit du sie dir nicht entgehen läßt: Hunger, Durst, Hitze, Kälte, Schmerz, Schande, Armut, Einsamkeit, Verrat, Verleumdung, Gefängnis...«5 Diese Umwertung ist der gewaltigste, der fruchtbarste Umsturz aller Zeiten.

Fragen wir uns also nach unserer Einstellung zu Leid und Schmerz. Verbinden sie uns mit dem leidenden Erlöser? Heiligen wir sie oder beschweren wir uns nur jämmerlich?

II. Der Herr kommt, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben6. Aber er sagt uns: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Die christliche Botschaft ist »eine Botschaft von einem Heil, das nicht von dieser Welt, das aber doch das Heil der Welt ist (vgl. Joh 17,11-18). Das Christentum spricht einerseits von einem Heil, das nicht von dieser Welt ist. Es bezeugt Heil von Gott her. Allein Gott kann einen ganz neuen Anfang setzen; er allein kann auch die letzte Erfüllung des Menschen sein. Das Christentum bezeugt andererseits aber auch, daß dieses Heil in Jesus Christus ein für allemal in der Welt und für die Welt gegenwärtig ist.«7

Wenn euch also der Sohn befreit, dann seid ihr wirklich frei, heißt es im heutigen Evangelium8. Wir Menschen werden niemals Menschenverachtung, Unterdrückung, Ungerechtigkeit, Armut, Neid oder Haß ganz ausrotten können. Diese Ausgeburten menschlicher Bosheit können dem Menschen äußerlich brutal zusetzen, ja, er kann an ihnen innerlich zerbrechen, und leider können sie auch das Innerste im Menschen zerstören, aber der Mensch kann sie auch - das zeigt das Beispiel vieler Märtyrer - um Christi willen annehmen.

Nichts Irdisches kann uns Christen gleichgültig lassen: Nicht die Ungerechtigkeit noch die guten Gaben der Schöpfung. Gewiß sind die diesseitigen Leiden und Freuden nichts im Vergleich zu den Gütern, die Jesus uns erworben hat. Doch Liebe und Gerechtigkeit verpflichten uns, hier und jetzt an einer menschlicheren und gerechteren Welt mitzubauen, in der nicht mehr menschliche Bosheit das Leiden verursacht und wo die irdischen Güter allen zugänglich sind. Unser eigener Beitrag dazu mag - angesichts der weltweiten Dimensionen des Bösen - wie ein Tropfen im Ozean erscheinen. Aber selbst wenn wir nur einige wenige Menschen erreichen, ist er Ausdruck unserer Solidarität; und jeder, den wir erreichen, erfährt so die Güte Christi.

Christus konnte von sich sagen: Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.9 Jeder Mensch darf von sich sagen: Christus hat mich geliebt und sich für mich hingegeben10. Denn jeder ist das ganze Blut Christi wert. Der heilige Paulus erinnert uns daran - um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden - und folgert daraus: Verherrlicht also Gott in eurem Leib!11 - in eurem ganzen Dasein.

Die Antwort kann doch nur darin bestehen, uns weit dem Wirken der Gnade zu öffnen, die uns Christus auf Golgota erschlossen hat: im Bemühen, sie durch die Sakramente zu festigen, im Gebet und in Werken der Nächstenliebe, im Vermeiden der Gelegenheiten zur Sünde.

III. Das - scheinbare - Scheitern Christi bringt uns die Erlösung. Seitdem dürfen wir die reiche Frucht der Liebe Jesu am Kreuz ernten, »denn obwohl gewaltige Ungerechtigkeit herrscht und viele dieses Reich der Liebe nicht wollen, schreitet das Werk der göttlichen Erlösung in der menschlichen Geschichte, dem Schauplatz des Bösen, voran.«12

Die Fastenzeit eignet sich gut, sich dieses Voranschreiten gegenwärtig zu halten. Die Erlösung ist nichts Vergangenes, das sich in der Geschichte verlöre: »Sooft das Kreuzesopfer, in dem Christus, unser Osterlamm, dahingegeben wurde, auf dem Altar gefeiert wird, vollzieht sich das Werk unserer Erlösung«" Dies macht den unermeßlichen Wert jeder heiligen Messe aus. Die Erlösung ereignet sich beim einmaligen Geschehen von Leiden, Sterben und Auferstehen Christi; dieses Werk wird für uns jedesmal aktuell, wenn wir mit innerer Anteilnahme dem heiligen Meßopfer beiwohnen.

Aber auch jede innere Umkehr ist - wenngleich anders als bei der heiligen Messe - Teilhabe am Erlösungswerk Christi; wenn wir etwa das Beichtsakrament empfangen und - wiederum auf einer anderen Ebene - wenn wir es verstehen, kleine Unannehmlichkeiten oder, sofern es uns zugedacht ist, schweres Leid in ein Gut von unschätzbarem Wert zu verwandeln, so wie die Wassertropfen, die der Priester bei der Gabenbereitung dem Wein hinzufügt, sich mit dem Wein vermischend zu Christi Blut werden. »Der Sünder, dem vergeben wurde, ist imstande, seine eigene körperliche und geistige Abtötung, die er sich selbst auferlegt oder zumindest angenommen hat, mit dem Leiden Jesu zu vereinen, der ihm die Vergebung erlangt hat.= 14 Auf diese Weise werden wir gleichsam zu Mit-Erlösern in Christus.Wie Maria, die Mutter der Schmerzen, stehen wir unter dem Kreuz. Wir wenden uns an sie, damit wir stark sind im Leiden und so zum Werk der Erlösung beitragen.

1 Kommunionvers der Messe vom Tage. Kol 1,13-14. - 2 Joh 8,34. - 3 Guardini, Der Herr, Würzburg 1951, S.473-474. - 4 Ps 27,1.3. - 5 J. Escrivá, Der Weg, Nr. 194. - 6 Joh 10,10. - 7 Katholischer Erwachsenen-Katechismus, Bonn 1985, S.221-222. - 8 Joh 8,36. - 9 Joh 15,13. - 10 Gal 2,20. - 11 1 Kor 6,20. - 12 J. Escrivá, Christus begegnen, 186. - 13 II. Vat. Konz., Konst. Lumen gentium, 3. - 14 Johannes Paul II., Apost. Schreiben Reconciliatio et Paenitentia, 2.12.1984, 31.

von 19.03.2013 14:03

35

AUF CHRISTUS SCHAUEN


Der Blick auf den gekreuzigten Herrn heilt uns von unseren Gebrechen.
Stoßgebete und Gedächtnisstützen als Hilfe, um in der Gegenwart Gottes zu verharren.
Die Gestalten aus dem Evangelium lehren uns, was Stoßgebete sein können.

I. Die erste Lesung der heutigen Messe erhält vor dem Hintergrund eines Wortes des Herrn, das wir im Kommunionvers hören, ihre tiefere Bedeutung: Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen - so spricht der Herr.1 Der Text aus dem Buch Numeri berichtet, wie das Volk gegen den Herrn und gegen Mose zu murren begann2. Die Menschen - müde und erschöpft von der langen Wanderung unterwegs zum gelobten Land - haben vergessen, daß Gott sie aus der Knechtschaft in Ägypten herausgeführt hat. Zur Strafe schickte der Herr Giftschlangen unter das Volk. Sie bissen die Menschen, und viele Israeliten starben. Da erkannte das Volk seine Schuld und wandte sich an Mose. Mose legte Fürbitte bei Gott ein. Der Herr sprach zu ihm: Mach dir eine Schlange, und häng sie an einer Fahnenstange auf! Jeder, der gebissen wird, wird am Leben bleiben, wenn er sie ansieht. Mose machte also eine Schlange aus Kupfer und hängte sie an einer Fahnenstange auf. Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, blieb er am Leben.

Der Herr greift diese Stelle aus dem Alten Testament in seinem Gespräch mit Nikodemus auf: Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muß der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der glaubt, in ihm das ewige Leben hat.3 In Christus erhält das alttestamentliche Geschehen seine Erfüllung. Christus am Kreuz ist das Heil der Menschen, die Rettung gegen alles Böse, das uns bedrängt. In souveräner Freiheit besteigt er das Kreuz, damit jeder, der glaubt, das ewige Leben hat. Und vom Kreuz aus zieht er alle an sich.

Zu jeder Zeit werden wir - das Volk Gottes unterwegs zur ewigen Heimat - von Gift und Schlangen bedroht. Es fällt nicht schwer, sie beim Namen zu nennen: Eigensucht, Neid, Protest, Beliebigkeit in der Glaubenslehre, Trägheit im Willen, zügellose Sinnlichkeit ... Sie alle bedrohen das Gnadenleben in uns, das mit der Taufe zu wirken begonnen hat. So wie die gefährdeten Israeliten zur kupfernen Schlange aufblickten, um geheilt zu werden, schauen wir Christen auf Christus, auf seine heilbringende und lebenspendende Lehre. Jetzt wissen wir, was sein Wort vom »erhöht werden« heißt: Christus hängt am Kreuz. Unsere Blicke richten sich auf ihn, während wir auf unserem Weg zum Land der Verheißung sind. Und da wir ein Volk sind, das zusammengehört, wollen wir auch den anderen helfen, ihren Blick auf Jesus zu richten.

Auf Jesus schauen bedeutet, sich sein heiliges Menschsein vor Augen zu führen. Die lebendige christliche Frömmigkeit bietet uns dafür viele Formen: den Rosenkranz, den Kreuzweg, die Betrachtung des Evangeliums, die stille Anbetung vor dem Tabernakel. Nur eine vitale Spiritualität kann uns vor den Angriffen einer Welt bewahren, die sich mehr und mehr von Gott abzuwenden im Begriff ist und jeden mitzureißen droht, der nicht auf festem Grund steht.

Je deutlicher wir die Verwüstungen beobachten, die der Feind Tag für Tag um uns anrichtet, um so mehr werden wir unseren Blick auf den erhöhten Herrn richten. Das Wort des Psalmisten wird zum Ruf der Seele - ob in der Not oder im tiefen inneren Frieden: Vultum tuum, Domine, requiram - dein Antlitz will ich suchen, Herr, auf dich will ich schauen4. Dort finden wir unsere Kraft: in der Freundschaft mit Jesus, genährt im Gebet, durch das Bewußtsein der Gegenwart Gottes mitten im Alltag, im Empfang der heiligen Eucharistie. Da erkennen wir, daß Christus nicht allein das Heilmittel gegen unsere Schwäche ist, sondern vor allem das Ziel unserer Liebe.

II. Natürlich erwartet der Herr von uns, daß wir in den Zeiten, die wir dem Gebet widmen, auf ihn schauen. Da er uns als normale Christen inmitten der Gesellschaft berufen hat, erwartet er von uns, daß wir ebendort, im Gewühl der Welt, unseren Blick auf ihn richten. Es ist nicht immer leicht, sich auf ihn zu besinnen, wenn man von morgens bis abends vollauf mit weltlichen Angelegenheiten beschäftigt ist. Aber der Herr wartet auf uns gerade hier: im Getriebe der modernen Arbeitswelt. In jeder Situation können wir betende Menschen sein - »immer, bei allen Gelegenheiten und in den verschiedensten Umständen, denn Gott verläßt uns niemals. Es ist nicht christlich, sich als allerletzte Zuflucht auf die Freundschaft mit Gott zu besinnen. Oder finden wir es etwa normal, daß wir die Menschen, die wir lieben, ignorieren und vergessen? Nein, natürlich nicht, sie sind uns vielmehr ständig gegenwärtig, und ihnen gelten unsere Worte, unsere Wünsche, unsere Gedanken. Genauso muß es auch im Umgang mit Gott sein.«5

In unserem Bemühen um die Gegenwart Gottes können uns kleine »Kunstgriffe,« helfen: ein Stoßgebet, ein Wort der Anbetung oder der Reue, eine geistige Kommunion, ein Blick zu einem Marienbild .... denn sonst kann sehr viel Zeit verstreichen, ohne das wir uns des Herrn, der Muttergottes oder unseres Schutzengels versichert hätten. Wie uns in unserem Alltag, wenn wir unbedingt an etwas denken müssen, Gedächtnisstützen und Eselsbrücken helfen, so sind sie auch in unserem Glaubensleben gute Mittel gegen Vergeßlicheit.

Viele Menschen tragen von jenen ein Bild bei sich, die ihnen teuer sind. Warum nicht auch ein Bild der Gottesmutter, dessen Anblick ein inneres Wort - »Danke, Mutter!« hervorruft? Warum nicht ein Taschenkreuz bei sich tragen, das die Hand - gleichsam unbeabsichtigt - aufspürt, wenn diese oder jene Aufgabe drückt?»Auch hier kann sich der Einfallsreichtum der Liebe in ganz praktischen Gedächtnishilfen erweisen. Ein Arzt im Operationssaal, eine Hausfrau beim Aufräumen der Wohnung oder ein Busfahrer beim Vorbeifahren an einer Kirche ..., jeder kann so die Gegenwart Gottes immer wieder neu finden. Auf der Suche danach wird er erfahren, daß dies keine Last ist, eher ein Spiel: »Stoßgebete behindern die Arbeit ebensowenig, wie das Schlagen des Herzens die Körperbewegung behindert.«6

Gegenwart Gottes kann zu etwas Selbstverständlichem, Spontanem werden. Nur dann jedoch, wenn wir beharrlich sind.

III. In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten.7 Sicher währte ein solches Gebet Stunden. Aber das Evangelium berichtet ebenso von den kurzen Stoßgebeten Jesu zu seinem himmlischen Vater: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde8. Vater, ich danke dir, daß du mich erhört hast.9

An anderen Stellen hören wir von einer umgekehrten Bewegung: jetzt ist Jesus der Angesprochene, und die Menschen treten an ihn heran mit kurzen, flehenden Rufen um Erbarmen: Herr, wenn du willst, kannst du machen, daß ich rein werde10, ruft ein Aussätziger; der Blinde von Jericho schreit: Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir11; der Schächer an seiner Seite bittet ihn: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst12. Es sind glaubenserfüllte Bitten, und der Herr reagiert auf sie. Solche Worte oder Notrufe können zu eigenen Stoßgebeten werden, die plötzlich und ruckartig in uns aufsteigen - eine Grunderfahrung christlichen Betens.

Mit dem Zöllner im Tempel können wir um Verzeihung bitten: Gott, sei mir Sünder gnädig13; oder mit Petrus in Liebe und Reue bekennen: Herr, du weißt alles, du weißt, daß ich dich liebe14, oder mit ihm ausrufen: Ich glaube, hilf meinem Unglauben15; das Mein Herr und mein Gott!16 des Thomas vor dem Auferstandenen vereint Glaube und Hingabe und paßt sehr gut zu der äußeren Geste der Kniebeuge vor dem Tabernakel. Immer werden wir solche kurzen Gebete finden, die wir, einer Anmutung des Augenblicks folgend, wie Stoßseufzer sprechen.

Und manchmal genügt ein Blick, eine innere Ahnung, eine Geste, deren Bedeutung nur wir kennen. Das alles ist wie das Atmen der Seele vor Gott, spontan, natürlich, selbstverständlich. Es belebt unseren Alltag und was ihn ausfüllt.

Die heilige Theresia von Avila erinnert sich an die Wirkungen eines bestimmten Stoßgebetes in ihrem Leben. Sie war noch ein Kind. Zusammen mit ihrem Bruder las sie Berichte über heilige Märtyrer. Der Gedanke an die Ewigkeit beeindruckte sie: »Es wunderte uns sehr, wenn wir lasen, Seligkeit und Höllenqual seien für immer. Das brachte uns dazu, uns solches lange auszumalen. Und es gefiel uns, vielmals zu wiederholen: Für immer - für immer! Der Herr wollte, daß diese wiederholten Worte mir schon in der Kindheit den Weg der Wahrheit einprägten.«17

Zum Abschluß unseres Gebetes wollen wir das Wort - auch dies ein Stoßgebet - der Jünger von Emmaus aufgreifen: Mane nobiscum, Domine, quoniam advesperascit18. Bleibe bei uns, Herr, denn es wird bald Abend. Ja, ohne dich ist es Nacht und sind unsere Wege gefährlich. Aber in deiner Nähe finden wir auch im banalsten Alltag ein Licht.

1 Kommunionvers der Messe vom Tage. Joh 12,32. - 2 1. Lesung der Messe vom Tage. Num 21,4-9. - 3 Joh 3,14-15. - 4 vgl. Ps 27,8. - 5 J. Escrivá, Freunde Gottes, 247. - 6 ders., Die Spur des Sämanns, Nr. 516. - 7 Mk 1,35. - 8 Mt 11,25. - 9 Joh 11,41.- 10 Mt 8,2-3. - 11 Lk 18,38-39. - 12 Lk 23,42-43. - 13 vgl. Lk 18,13. - 14 Joh 21,17. - 15 Mk 9,23. - 16 Joh 20,28. - 17 Theresia von Avila, Leben, 1,4. - 18 Lk 24,29.

von 18.03.2013 13:46

FASTENZEIT
5. WOCHE - MONTAG

34

GEH UND SÜNDIGE NICHT MEHR


Christus selbst ist es, der im Bußsakrament vergibt.
Reue, Liebe und Dank für die Lossprechung.
Der Sinn der auferlegten Buße.

I. Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt? Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!1 Jene Frau war beim Ehebruch ertappt worden. Die Schriftgelehrten und Pharisäer hatten sie bis zu Jesus geschleppt und - so das Evangelium - in die Mitte gestellt2. Man brauchte sie, um dem Herrn eine Fangfrage zu stellen: Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Nun, was sagst du? Sie wollten sich mit ihm anlegen. Zunächst scheint es, als ob Jesus nicht auf sie eingehen will, denn er steht wie gelangweilt da, wortlos bückt er sich und schreibt mit dem Finger auf die Erde.

Als sie hartnäckig weiterfragten, heißt es, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie. Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde.

Darauf gingen alle nacheinander weg, zuerst die Ältesten. Der Herr entgeht der verhängnisvollen Alternative - ist er barmherzig oder bricht er das Gesetz? - mit einem schlichten Hinweis darauf, daß auch die Ankläger vor Gott Sünder sind. Nun steht die Frau allein vor Jesus. Er richtete sich auf und sprach zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt?

Die mitfühlende Art, in der Jesus mit der Frau spricht, ist wie die äußere Haut der Barmherzigkeit und Vergebungsbereitschaft seines Herzens. Die Frau spürt es, sie antwortet unverzüglich: Keiner, Herr. Darauf Jesus: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr! Es fällt nicht schwer, sich die dankbare Freude jener Frau vorzustellen und ihren Wunsch, neu zu beginnen. Sie erlebt den entscheidenden Augenblick der Gnade und der Vergebung.

Der innere Wandel dieser als Sünderin öffentlich bekannten Frau ist nur im Lichte des Glaubens faßbar. Wir denken an die Worte Jesajas: Denkt nicht mehr an das, was früher war; auf das, was vergangen ist, sollt ihr nicht achten. (...) Ja, ich lege einen Weg an durch die Steppe und Straßen durch die Wüste (...), denn ich lasse in der Steppe Wasser fließen und Ströme in der Wüste, um mein Volk, mein erwähltes, zu tränken. Das Volk, das ich mir erschaffen habe, wird meinen Ruhm verkünden.3

Diese Worte des Propheten finden überall dort Erfüllung, wo Christus durch den Priester spricht: »Ich spreche dich los von deinen Sünden« »Die sakramentale Formel >Ich spreche dich los< sowie die Auflegung der Hände und das Zeichen des Kreuzes über den Beichtenden zeigen an, daß der reuige und bekehrte Sünder in diesem Augenblick der Macht und dem Erbarmen Gottes begegnet. Es ist der Augenblick, da als Antwort auf den Beichtenden die Dreifaltigkeit gegenwärtig wird, um seine Sünde zu löschen und ihm die Unschuld wieder zurückzugeben; ihm wird die heilende Kraft des Leidens, Sterbens und der Auferstehung Christi zuteil (...). Gott ist immer der erste, der durch die Sünde beleidigt wird - tibi soli peccavi -, und nur Gott kann verzeihen«4.

Die Worte des Priesters sind weder ein Bittgebet um Vergebung noch eine bloße Erklärung, Gott habe sich des Sünders erbarmt. Sie bewirken die Vergebung. Der Glaube versichert uns, daß »in diesem Augenblick durch das geheimnisvolle Eingreifen des Erlösers jede Sünde vergeben und ausgelöscht wird«5.

Kein anderes Wort stiftet so viel Frieden wie das Wort der Lossprechung. In unserem heutigen Gebet wollen wir uns tiefer darauf besinnen und uns fragen, ob wir dem Herrn für das Sakrament der Versöhnung gehörig zu danken wissen.

II. Die sakramentale Lossprechung versöhnt uns mit Jesus Christus, unserem Erlöser, der unsere Sünden auf sich nahm. Wir werden wieder offen für den Strom der Gnade, der sich ohne Unterlaß über die Menschen aus Jesu geöffneter Seite ergießt.

Es ist gut, im Augenblick der Lossprechung den Reueschmerz wegen unserer Sünden zu wiederholen. Ein Wort aus der Heiligen Schrift, der Ruf des Apostels Petrus etwa, kann uns dabei helfen: »Herr, du weißt alles, du weißt, daß ich dich liebe«. Zur Reue gehört natürlich der erneuerte Vorsatz, nach Gottes Willen zu leben.

Die Lossprechung ist ein freudiger Augenblick, ähnlich dem des heimkehrenden Sohnes aus dem Gleichnis, und so wie er können auch wir ihn erleben. Der Kirchenvater Ambrosius schreibt dazu: »Siehe, er (der Vater) kommt dir entgegen; er wird sich über dich beugen und dich küssen als Zeichen seiner Liebe und Zuneigung; er wird dafür sorgen, daß du Kleidung erhältst, Schuhe ... Während du dich noch vor der Strafe fürchtest und ein Wort des Zornes erwartest, bereitet er dir schon ein Festmahl«6. Und wenn wir nach erhaltener Absolution das Amen sprechen, bekunden wir unseren aufrichtigen Wunsch, uns neu aufzumachen auf den Weg der Liebe zu Gott.

Der Dank für die erfahrene Barmherzigkeit Gottes darf am Ende der Beichte nicht fehlen. Wir wollen uns kurz fragen, wie wir die erhaltenen Ratschläge und Hinweise in die Tat umsetzen können.

Gibt es einen glaubwürdigeren Ausdruck unserer Dankbarkeit, als auch unsere Freunde zu dieser Quelle der Gnade zu führen? Das Johannes-Evangelium erzählt von der Samariterin, die, nachdem die Gnade des Herrn sie verwandelt hatte, zu ihren Landsleuten lief, damit auch sie von Christi Anwesenheit in ihrer Stadt etwas hätten7. Es gibt schwerlich ein besseres Werk der Nächstenliebe, als von der Sünde niedergedrückten Menschen die eigene Erfahrung weiterzugeben, daß die Beichte reinigt und stärkt.

Sehnen wir uns wirklich danach, uns durch den häufigen Empfang des Bußsakramentes zu läutern? Oder schieben wir unnötigerweise die Beichte auf? Helfen wir anderen, mögliche Vorurteile gegenüber dem Sakrament zu überwinden? Sagen wir jetzt dem Herrn, er möge uns mit der Vergebung auch eine tätige Liebe zum Bußsakrament schenken.

III. »Die Genugtuung schließlich oder, wie man auch sagt, die Buße krönt das Beichtsakrament.«8

Unsere Sünden ziehen eine zeitliche Strafe nach sich, die noch in diesem Leben abzubüßen ist oder aber - von denen, die in Gnade sterben, ohne für ihre Sünden vollkommen genuggetan zu haben9 - im Fegefeuer. Diese Strafe hat den heilenden Sinn, in der Seele die verletzte Ordnung wiederherzustellen und die Spuren der Unordnung beseitigen zu helfen, die auch nach der Vergebung der Sünden zurückbleiben: die Schwächung des Willens zum Guten, die Beeinträchtigung der Urteilsklarheit, die Verwirrung der Triebe. »Es genügt nicht, den Pfeil aus dem Leib zu ziehen« sagt Johannes Chrysostomos, »vielmehr ist es nötig, auch die Wunde zu pflegen, die von dem Pfeil verursacht wurde; genauso muß die Wunde, die geblieben ist, nachdem die Seele für die Sünde Verzeihung erlangt hat, mit Hilfe der Sühne geheilt werden.«10

»Die Werke der Genugtuung« lehrt Johannes Paul II., »erinnern daran, daß im Christen auch nach der Lossprechung eine Zone des Schattens verbleibt als Folge der durch die Sünde verursachten Wunden, der unvollkommenen Liebesreue und der Schwächung der geistlichen Fähigkeiten, in denen noch immer ein ansteckender Krankheitsherd der Sünde wirksam bleibt, den es durch stete Abtötung und Buße zu bekämpfen gilt. Darin liegt der Sinn der bescheidenen, aber aufrichtigen Genugtuung.«11

Deshalb ist es wichtig, die uns vom Priester auferlegte Buße, meistens unschwer zu erfüllen, ganz bewußt zu verrichten. In dem Maße, in dem unsere Liebe zum Herrn wächst, werden wir erkennen, daß das aufgetragene Bußwerk in keinem Verhältnis zur Gott zugefügten Beleidigung steht. So liegt es nur nahe, uns mit der aufgegebenen Buße nicht zufriedenzugeben, sondern aus eigenem Antrieb darüber hinaus Gelegenheiten zur Sühne zu suchen. Die Fastenzeit will uns dazu aufrufen.

»>Cor Mariae perdolentis, miserere nobis!< - Rufe das heiligste Herz Mariens an mit dem festen Vorsatz, dich mit ihrem Schmerz zu vereinen als Sühne für deine Sünden und für die Sünden aller Menschen aller Zeiten.

Und dieser Schmerz - das erbitte von ihr für jede Seele - möge in uns die Abscheu vor der Sünde vertiefen und uns dazu bereitmachen, die körperlichen oder seelischen Belastungen unseres Alltags in Liebe als Sühne anzunehmen.«12

1 Joh 8,10-11. - 2 Joh 8,3. - 3 Jes 43,18-21. - 4 Johannes Paul II., Apost. Schreiben Reconciliatio et Paenitentia, 2.12.1984, 31. - 5 ebd. - 6 Ambrosius, Auslegung des Evangeliums nach Lukas, 7. - 7 vgl. Joh 4,28. - 8 Johannes Paul II., Apost. Schreiben Reconciliatio et Paenitentia, 2.12.1984, 31. - 9 vgl. Konzil von Florenz, Dekret für die Griechen, Dz 673. - 10 Johannes Chrysostomos, Homilien über das Matthäusevangelium, 3,5. - 11 Johannes Paul II., Apost. Schreiben Reconciliatio et Paenitentia, 2.12.1984, 31. - 12 J. Escrivá, Die Spur des Sämanns, Nr. 258.

von 17.03.2013 07:58

FÜNFTER FASTENSONNTAG

33

DER RUF NACH GERECHTIGKEIT

Die Welt sehnt sich nach Gerechtigkeit und Frieden. Sie sollen im Herzen des Menschen verankert sein.
Konkrete Situationen, in denen Gerechtigkeit gefordert ist.
Die Gesellschaft von innen heraus heiligen. Gerechtigkeit allein genügt nicht.

I. Verschaff mir Recht, o Gott, und führe meine Sache (...). Denn du bist mein starker Gott1, beten wir heute im Eröffnungsvers der heiligen Messe.

Überall in der Welt vernimmt man heute den lauten Ruf nach mehr Gerechtigkeit, nach »gesicherterem Frieden in einem Klima gegenseitiger Achtung zwischen den Menschen und Völkern= 2. Das Streben nach einer gerechteren Welt, in der die Würde des Menschen - der von Gott nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen wurde - voll geachtet wird, gehört wesentlich zum Hunger und Durst nach Gerechtigkeit3, wie sie wohl jeder Christ empfindet.

Die gesamte Verkündigung unseres Herrn ist ein Aufruf zu umfassender Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Daher die harschen Worte gegen die Pharisäer: Sie bringen die Witwen um ihre Häuser und verrichten in ihrer Scheinheiligkeit lange Gebete.4 Der Apostel Jakobus greift diese Anklage auf, wenn er jenen, die sich durch Betrug und Ungerechtigkeit bereichern, vorwirft: Der Lohn der Arbeiter, die eure Felder abgemäht haben, der Lohn den ihr ihnen vorenthalten habt, schreit zum Himmel; die Klagerufe derer, die eure Ernte eingebracht haben, dringen zu den Ohren des Herrn der himmlischen Heere.5

In Treue zur Lehre der Heiligen Schrift drängt uns die Kirche, uns dem weltweiten Ruf nach Gerechtigkeit anzuschließen und ihn betend vor unseren göttlichen Vater zu tragen. Zugleich fordert sie uns dringend auf, im privaten, beruflichen und gesellschaftlichen Leben die Forderungen der Gerechtigkeit zu erfüllen und für die Schwachen einzutreten, die ihre Rechte nicht geltend machen können. Nicht steriles Klagen ist christlich, sondern das Bemühen, die Ungerechtigkeiten dort wiedergutzumachen, wo wir auf sie stoßen, Gerechtigkeit dort zu verwirklichen, wo wir selbst gefordert sind: die Hausfrau zu Hause, der Unternehmer in seiner Firma, der Professor an der Universität ...

Das Streben nach umfassender Gerechtigkeit kann letztlich nur im Herzen der Menschen begründet sein. Denn im Herzen werden alle bestehenden Ungerechtigkeiten geboren und im Herzen kann der Wille zur Beseitigung ungerechter Verhältnisse Gestalt annehmen. »Wenn hingegen der Mensch Gott, seinen Ursprung und sein Ziel, leugnet, stört er nachhaltig seine innere Ordnung und sein Gleichgewicht und auch die Ordnung und das Gleichgewicht der Gesellschaft, ja der sichtbaren Schöpfung insgesamt.

»Die Heilige Schrift stellt alles Unglück, das den Menschen in seinem persönlichen wie gesellschaftlichen Leben bedrängt, in den Zusammenhang der Sünde.«6 Daher dürfen wir Christen niemals vergessen, daß unser apostolisches Bemühen, Menschen Gott näherzubringen, schon ein wichtiger Beitrag für eine humanere und gerechtere Welt ist. Aber der Glaube fordert außerdem das persönliche Engagement für die Gerechtigkeit, wenn es um die Verteidigung grundlegender Menschenrechte geht: das Recht auf Leben, auf Arbeit, auf Erziehung, auf den guten Ruf. »Wir müssen eintreten für das Recht aller Menschen auf Leben, auf das Notwendige für ein menschenwürdiges Dasein, auf Arbeit und auf Erholung, auf die Wahl des eigenen Standes, auf die Gründung einer Familie, auf Kinder in der Ehe und auf deren Erziehung, auf die Gewährleistung der menschlichen Würde in Krankheit und Alter, auf die Kulturgüter, auf freie Vereinigung mit anderen Staatsbürgern zu legitimen Zwecken - und vor allem haben die Menschen das Recht, in voller Freiheit Gott zu erkennen und zu lieben.«7

II. Gerechtigkeit »hat ihren Ort im Gemeinleben; wenn ich nach der Verwirklichung der Gerechtigkeit frage, muß ich den Blick auf das Leben der Gemeinschaft richten - auf die Familie, den industriellen Betrieb, das staatlich organisierte Volk. Fast könnte man sagen, das Subjekt der Gerechtigkeit sei das >Gemeinwesen<, wiewohl natürlich einzig die Person, also der einzelne, im strengen Sinn gerecht sein kann.«8

Viele Aspekte, sind da einer Prüfung wert: ob wir die Arbeit, für die wir bezahlt werden, auch gewissenhaft verrichten, die Leistungen anderer gerecht entlohnen, unsere Rechte und Pflichten im öffentlichen Leben verantwortlich wahrnehmen, den Schwachen beistehen, Verleumdungen entgegentreten ... Nur so lieben wir die Gerechtigkeit.

Besonders im Beruf gilt es mit geschärftem Gerechtigkeitssinn jedem das ihm Zustehende auch zu geben, sich an Vereinbartes zu halten. Der Arbeitgeber verpflichtet sich zu gerechtem Lohn, und manchmal wird ihm sein Gewissen sagen, daß er über das gesetzlich Vorgeschriebene hinausgehen soll. Auf der anderen Seite haben die Arbeitnehmer die Pflicht, ihre Arbeit verantwortlich und fachmännisch zu tun. Die Arbeitsamkeit ist eine praktische Äußerung der Gerechtigkeit. »Ich glaube nicht an die Gerechtigkeit der Faulenzer« sagte in diesem Zusammenhang Josemaría Escrivá, »denn ihr dolce far niente (...) verstößt, manchmal in schwerwiegender Weise, gegen ein grundlegendes Prinzip der Gerechtigkeit: die Arbeit.«9

Neben dem Ernstnehmen der beruflichen Arbeit wirken wir durch die vorbildliche Beachtung der staatlichen Gesetze mit an der Gestaltung der Gesellschaft und am Aufbau einer gerechteren Welt. Denn sie bilden, ihren gerechten Charakter vorausgesetzt, die gottgewollte Grundlage des menschlichen Zusammenlebens. Das schließt unsere Pflicht, gewißenhaft Steuern zu zahlen, ein.

Gebt allen, was ihr ihnen schuldig seid, sei es Steuer oder Zoll, sei es Furcht oder Ehre10, und zwar nicht allein aus Furcht vor der Strafe, sondern vor allem um des Gewissens willen11. Paulus erinnert mit diesen Worten die Urchristen an die Einhaltung der gemeinschaftsbezogenen Pflichten, in einer Gesellschaft, deren Staatsgewalt heidnisch war und die Christen verfolgte. »Wie wir es von ihm (Christus) gelernt haben« schrieb der heilige Märtyrer Justinus um die Mitte des zweiten Jahrhunderts, »werden wir uns bemühen, unsere Steuern und Abgaben euren Bevollmächtigten vollständig und pünktlich zu entrichten.«12

Das Zweite Vatikanische Konzil erinnert an einen weiteren Aspekt der Gerechtigkeit, wenn es alle Staatsbürger ermahnt, »von Recht und Pflicht der freien Wahl Gebrauch zu machen zur Förderung des Gemeinwohls«13. Der Verzicht auf die Ausübung der staatsbürgerlichen Rechte, gleichgültig auf welcher Ebene, verstößt gegen das Gebot der Gerechtigkeit, und in bestimmten Fällen sogar schwer, wenn sich etwa in einem Parlament, im Elternrat einer Schule oder im Vorstand eines Berufsverbandes durch die eigene Enthaltung Vorstellungen durchsetzen, die die Grundlagen der christlichen Lehre leugnen. Um so unverantwortlicher und ungerechter wäre es, würde man Menschen oder Bewegungen unterstützen, die den Schutz des ungeborenen Lebens in Frage stellen oder Vorstellungen über Familie oder Schule propagieren, die die Grundrechte und die Würde des Menschen verletzen.

III. »Ein Christ, der politisches Handeln als Dienst versteht und diesen Dienst gemäß seinem Glauben verrichten will, kann sich nicht, ohne sich selbst zu widersprechen, weltanschaulichen Systemen anschließen, die seinem Glauben oder seinem Menschenbild - vollständig oder in wesentlichen Punkten - widersprechen. Es ist daher nicht möglich, für die marxistische Weltanschauung und ihren atheistischen Materialismus, ihre Dialektik der Gewalt einzutreten und sich damit einverstanden zu erklären, wie diese Ideologie die persönliche Freiheit und die der Gemeinschaft versteht und daß sie alle Jenseitigkeit des Menschen und seiner individuellen und gesellschaftlichen Geschichte in Abrede stellt. Genausowenig unterstützt die Kirche die liberalistische Ideologie, die vermeint, die persönliche Freiheit dadurch hervorheben zu müssen, daß ihr keinerlei Grenzen gesetzt werden und sie allein durch Macht und Eigennutz angetrieben wird. Sie glaubt, gesellschaftliche Solidarität stelle sich durch das Verhalten des einzelnen von selbst ein, und anerkennt diese nicht mehr als Voraussetzung und Ziel der gesellschaftlichen Organisation.«14

Die Sehnsucht nach Gerechtigkeit ist heute sehr ausgeprägt. Bitten wir in diesem unserem Gebet den Herrn um mehr Gerechtigkeit und mehr Frieden in der Welt und beten wir, der Tradition der Kirche folgend, mit Worten des Apostels Paulus an Timotheus für alle Menschen, für die Herrscher und für alle, die Macht ausüben15. Besinnen wir uns darauf, daß die Forderungen des Evangeliums unser persönliches Leben prägen müssen, damit sie greifbar in unserem Verhalten die Welt erreichen und sie so mitgestalten.

Im Umfeld der Gerechtigkeit finden wir eine Reihe natürlicher und übernatürlicher Tugenden, die sie ergänzen und vervollkommnen: Treue, Freundlichkeit, Freude ... Vor allem aber finden wir - gleichsam als Fundament - den Glauben, der uns den wahren Wert eines Menschen erkennen läßt, und die Liebe, die uns lehrt, es in unseren Beziehungen zu den Menschen nicht bloß bei der Gerechtigkeit zu belassen. Hat doch der Herr gesagt: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.16

1 Ps 43,1-2. - 2 Paul VI., Apost. Schreiben Octogesima adveniens, 14.5.1971. - 3 vgl. Mt 5,6. - 4 Mk 12,40. - 5 Jak 5,4. - 6 Instruktion der Kongregation für die Glaubenslehre über die christliche Freiheit und Befreiung, 22.3.1986, 38. - 7 J. Escrivá, Freunde Gottes, 171. - 8 Josef Pieper, Über die Gerechtigkeit, München 1960, S.61. - 9 J. Escrivá, Freunde Gottes, 169. - 10 Röm 13,7. - 11 vgl. Röm 13,5. - 12 Justinus, Apologie, 1,7. - 13 II. Vat. Konz., Konst. Gaudium et spes, 75. - 14 Paul VI., Apost. Schreiben Octogesima adveniens, 14.5.1971. - 15 1 Tim 2,1-2. - 16 Mt 25,40.

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29 | 30 | 31 | 32 | 33 | 34 | 35 | 36 | 37 | 38 | 39 | 40 | 41 | 42 | 43 | 44 | 45 | 46 | 47 | 48 | 49 | 50 | 51 | 52 | 53 | 54 | 55 | 56 | 57 | 58 | 59 | 60 | 61 | 62 | 63 | 64 | 65 | 66 | 67 | 68 | 69 | 70 | 71 | 72 | 73 | 74 | 75 | 76 | 77 | 78 | 79 | 80 | 81 | 82 | 83 | 84 | 85 | 86 | 87 | 88 | 89 | 90 | 91 | 92 | 93 | 94 | 95 | 96 | 97 | 98 | 99 | 100 | 101 | 102 | 103 | 104 | 105 | 106 | 107 | 108 | 109 | 110 | 111 | 112 | 113 | 114 | 115 | 116 | 117 | 118 | 119 | 120 | 121 | 122 | 123 | 124 | 125 | 126 | 127 | 128 | 129 | 130 | 131 | 132 | 133 | 134 | 135 | 136 | 137 | 138 | 139 | 140 | 141 | 142 | 143 | 144 | 145 | 146 | 147 | 148 | 149 | 150 | 151 | 152 | 153 | 154 | 155 | 156 | 157 | 158 | 159 | 160 | 161 | 162 | 163 | 164 | 165 | 166 | 167 | 168 | 169 | 170 | 171 | 172 | 173 | 174 | 175 | 176 | 177 | 178 | 179 | 180 | 181 | 182 | 183 | 184 | 185 | 186 | 187 | 188 | 189 | 190 | 191 | 192 | 193 | 194 | 195 | 196 | 197 | 198 | 199 | 200 | 201 | 202 | 203 | 204 | 205 | 206 | 207 | 208 | 209 | 210 | 211 | 212 | 213 | 214 | 215 | 216 | 217 | 218 | 219 | 220 | 221 | 222 | 223 | 224 | 225 | 226 | 227 | 228 | 229 | 230 | 231 | 232 | 233 | 234 | 235 | 236 | 237 | 238 | 239 | 240 | 241 | 242 | 243 | 244 | 245 | 246 | 247 | 248 | 249 | 250 | 251 | 252 | 253 | 254 | 255 | 256 | 257 | 258 | 259 | 260 | 261 | 262 | 263 | 264 | 265 | 266 | 267 | 268 | 269 | 270 | 271 | 272 | 273 | 274 | 275 | 276 | 277 | 278 | 279 | 280 | 281 | 282 | 283 | 284 | 285 | 286 | 287 | 288 | 289 | 290 | 291 | 292 | 293 | 294 | 295 | 296 | 297 | 298 | 299 | 300 | 301 | 302 | 303 | 304 | 305 | 306 | 307 | 308 | 309 | 310 | 311 | 312 | 313 | 314 | 315 | 316 | 317 | 318 | 319 | 320 | 321 | 322 | 323 | 324 | 325 | 326 | 327 | 328 | 329 | 330 | 331 | 332 | 333 | 334 | 335 | 336 | 337 | 338 | 339 | 340 | 341 | 342 | 343 | 344 | 345 | 346 | 347 | 348 | 349 | 350 | 351 | 352 | 353 | 354 | 355 | 356 | 357 | 358 | 359 | 360 | 361 | 362 | 363 | 364 | 365 | 366 | 367 | 368 | 369 | 370 | 371 | 372 | 373 | 374 | 375 | 376 | 377 | 378 | 379 | 380 | 381 | 382 | 383 | 384 | 385 | 386 | 387 | 388 | 389 | 390 | 391 | 392 | 393 | 394 | 395 | 396 | 397 | 398 | 399 | 400 | 401 | 402 | 403 | 404 | 405 | 406 | 407 | 408 | 409 | 410 | 411 | 412 | 413 | 414 | 415 | 416 | 417 | 418 | 419 | 420 | 421 | 422 | 423 | 424 | 425 | 426 | 427 | 428 | 429 | 430 | 431 | 432 | 433 | 434 | 435 | 436 | 437 | 438 | 439 | 440 | 441 | 442 | 443 | 444 | 445 | 446 | 447 | 448 | 449 | 450 | 451 | 452 | 453 | 454 | 455 | 456 | 457 | 458 | 459 | 460 | 461 | 462 | 463 | 464 | 465 | 466 | 467 | 468 | 469 | 470 | 471 | 472 | 473 | 474 | 475 | 476 | 477 | 478 | 479 | 480 | 481 | 482 | 483 | 484 | 485 | 486 | 487 | 488 | 489 | 490 | 491 | 492 | 493 | 494 | 495 | 496 | 497 | 498 | 499 | 500 | 501 | 502 | 503 | 504 | 505 | 506 | 507 | 508 | 509 | 510 | 511 | 512 | 513 | 514 | 515 | 516 | 517 | 518 | 519 | 520 | 521 | 522 | 523 | 524 | 525 | 526 | 527 | 528 | 529 | 530 | 531 | 532 | 533 | 534 | 535 | 536 | 537 | 538 | 539 | 540 | 541 | 542 | 543 | 544 | 545 | 546 | 547 | 548 | 549 | 550 | 551 | 552 | 553 | 554 | 555 | 556 | 557 | 558 | 559 | 560 | 561 | 562 | 563 | 564 | 565 | 566 | 567 | 568 | 569 | 570 | 571 | 572 | 573 | 574 | 575 | 576 | 577 | 578 | 579 | 580 | 581 | 582 | 583 | 584 | 585 | 586 | 587 | 588 | 589 | 590 | 591 | 592 | 593 | 594 | 595 | 596 | 597 | 598 | 599 | 600 | 601 | 602 | 603 | 604 | 605 | 606 | 607 | 608 | 609 | 610 | 611 | 612 | 613 | 614 | 615 | 616 | 617 | 618 | 619 | 620 | 621 | 622 | 623 | 624 | 625 | 626 | 627 | 628 | 629 | 630 | 631 | 632 | 633 | 634 | 635 | 636 | 637 | 638 | 639 | 640 | 641 | 642 | 643 | 644 | 645 | 646 | 647 | 648 | 649 | 650 | 651 | 652 | 653 | 654 | 655 | 656 | 657 | 658 | 659 | 660 | 661 | 662 | 663 | 664 | 665 | 666 | 667 | 668 | 669 | 670 | 671 | 672 | 673 | 674 | 675 | 676 | 677 | 678 | 679 | 680 | 681 | 682 | 683 | 684 | 685 | 686 | 687 | 688 | 689 | 690 | 691 | 692 | 693 | 694 | 695 | 696 | 697 | 698 | 699 | 700 | 701 | 702 | 703 | 704 | 705 | 706 | 707 | 708 | 709 | 710 | 711 | 712 | 713 | 714 | 715 | 716 | 717 | 718 | 719 | 720 | 721 | 722 | 723 | 724 | 725 | 726 | 727 | 728 | 729 | 730 | 731 | 732 | 733 | 734 | 735 | 736 | 737 | 738 | 739 | 740 | 741 | 742 | 743 | 744 | 745 | 746 | 747 | 748 | 749 | 750 | 751 | 752 | 753 | 754 | 755 | 756 | 757 | 758 | 759 | 760 | 761 | 762 | 763 | 764 | 765 | 766 | 767 | 768 | 769 | 770 | 771 | 772 | 773 | 774 | 775 | 776 | 777 | 778 | 779 | 780 | 781 | 782 | 783 | 784 | 785 | 786 | 787 | 788 | 789 | 790 | 791 | 792 | 793 | 794 | 795 | 796 | 797 | 798 | 799 | 800 | 801 | 802 | 803 | 804 | 805 | 806 | 807 | 808 | 809 | 810 | 811 | 812 | 813 | 814 | 815 | 816 | 817 | 818 | 819 | 820 | 821 | 822 | 823 | 824 | 825 | 826 | 827 | 828 | 829 | 830 | 831 | 832 | 833 | 834 | 835 | 836 | 837 | 838 | 839 | 840 | 841 | 842 | 843 | 844 | 845 | 846 | 847 | 848 | 849 | 850 | 851 | 852 | 853 | 854 | 855 | 856 | 857 | 858 | 859 | 860 | 861 | 862 | 863 | 864 | 865 | 866 | 867 | 868 | 869 | 870 | 871 | 872 | 873 | 874 | 875 | 876 | 877 | 878 | 879 | 880 | 881 | 882 | 883 | 884 | 885 | 886 | 887 | 888 | 889 | 890 | 891 | 892 | 893 | 894 | 895 | 896 | 897 | 898 | 899 | 900 | 901 | 902 | 903 | 904 | 905 | 906 | 907 | 908 | 909 | 910 | 911 | 912 | 913 | 914 | 915 | 916 | 917 | 918 | 919 | 920 | 921 | 922 | 923 | 924 | 925 | 926 | 927 | 928 | 929 | 930 | 931 | 932 | 933 | 934 | 935 | 936 | 937 | 938 | 939 | 940 | 941 | 942 | 943 | 944 | 945 | 946 | 947 | 948 | 949 | 950 | 951 | 952 | 953 | 954 | 955 | 956 | 957 | 958 | 959 | 960 | 961 | 962 | 963 | 964 | 965 | 966 | 967 | 968 | 969 | 970 | 971 | 972 | 973 | 974 | 975 | 976 | 977 | 978 | 979 | 980 | 981 | 982 | 983 | 984 | 985 | 986 | 987 | 988 | 989 | 990 | 991 | 992 | 993 | 994 | 995 | 996 | 997 | 998 | 999 | 1000 | 1001 | 1002 | 1003 | 1004 | 1005 | 1006 | 1007 | 1008 | 1009 | 1010 | 1011 | 1012 | 1013 | 1014 | 1015 | 1016 | 1017 | 1018 | 1019 | 1020 | 1021 | 1022 | 1023 | 1024 | 1025 | 1026 | 1027 | 1028 | 1029 | 1030 | 1031 | 1032 | 1033 | 1034 | 1035 | 1036 | 1037 | 1038 | 1039 | 1040 | 1041 | 1042 | 1043 | 1044 | 1045 | 1046 | 1047 | 1048 | 1049 | 1050 | 1051 | 1052 | 1053 | 1054 | 1055 | 1056 | 1057 | 1058 | 1059 | 1060 | 1061 | 1062 | 1063 | 1064 | 1065 | 1066 | 1067 | 1068 | 1069 | 1070 | 1071 | 1072 | 1073 | 1074 | 1075 | 1076 | 1077 | 1078 | 1079 | 1080 | 1081 | 1082 | 1083 | 1084 | 1085 | 1086 | 1087 | 1088 | 1089 | 1090 | 1091 | 1092 | 1093 | 1094 | 1095 | 1096 | 1097 | 1098 | 1099 | 1100 | 1101 | 1102 | 1103 | 1104 | 1105 | 1106 | 1107 | 1108 | 1109 | 1110 | 1111 | 1112 | 1113 | 1114 | 1115 | 1116 | 1117 | 1118 | 1119 | 1120 | 1121 | 1122 | 1123 | 1124 | 1125 | 1126 | 1127 | 1128 | 1129 | 1130 | 1131 | 1132 | 1133 | 1134 | 1135 | 1136 | 1137 | 1138 | 1139 | 1140 | 1141 | 1142 | 1143 | 1144 | 1145 | 1146 | 1147 | 1148 | 1149 | 1150 | 1151 | 1152 | 1153 | 1154 | 1155 | 1156 | 1157 | 1158 | 1159 | 1160 | 1161 | 1162 | 1163 | 1164 | 1165 | 1166 | 1167 | 1168 | 1169 | 1170 | 1171 | 1172 | 1173 | 1174 | 1175 | 1176 | 1177 | 1178 | 1179 | 1180 | 1181 | 1182 | 1183 | 1184 | 1185 | 1186 | 1187 | 1188 | 1189 | 1190 | 1191 | 1192 | 1193 | 1194 | 1195 | 1196 | 1197 | 1198 | 1199 | 1200 | 1201 | 1202 | 1203 | 1204 | 1205 | 1206 | 1207 | 1208 | 1209 | 1210 | 1211 | 1212 | 1213 | 1214 | 1215 | 1216 | 1217 | 1218 | 1219 | 1220 | 1221 | 1222 | 1223 | 1224 | 1225 | 1226 | 1227 | 1228 | 1229 | 1230 | 1231 | 1232 | 1233 | 1234 | 1235 | 1236 | 1237 | 1238 | 1239 | 1240 | 1241 | 1242 | 1243 | 1244 | 1245 | 1246 | 1247 | 1248 | 1249 | 1250 | 1251 | 1252 | 1253 | 1254 | 1255 | 1256 | 1257 | 1258 | 1259 | 1260 | 1261 | 1262 | 1263 | 1264 | 1265 | 1266 | 1267 | 1268 | 1269 | 1270 | 1271 | 1272 | 1273 | 1274 | 1275 | 1276 | 1277 | 1278 | 1279 | 1280 | 1281 | 1282 | 1283 | 1284 | 1285 | 1286 | 1287 | 1288 | 1289 | 1290 | 1291 | 1292 | 1293 | 1294 | 1295 | 1296 | 1297 | 1298 | 1299 | 1300 | 1301 | 1302 | 1303 | 1304 | 1305 | 1306 | 1307 | 1308 | 1309 | 1310 | 1311 | 1312 | 1313 | 1314 | 1315 | 1316 | 1317 | 1318 | 1319 | 1320 | 1321 | 1322 | 1323 | 1324 | 1325 | 1326 | 1327 | 1328 | 1329 | 1330 | 1331 | 1332 | 1333 | 1334 | 1335 | 1336 | 1337 | 1338 | 1339 | 1340 | 1341 | 1342 | 1343 | 1344 | 1345 | 1346 | 1347 | 1348 | 1349 | 1350 | 1351 | 1352 | 1353 | 1354 | 1355 | 1356 | 1357 | 1358 | 1359 | 1360 | 1361 | 1362 | 1363 | 1364 | 1365 | 1366 | 1367 | 1368 | 1369 | 1370 | 1371 | 1372 | 1373 | 1374 | 1375 | 1376 | 1377 | 1378 | 1379 | 1380 | 1381 | 1382 | 1383 | 1384 | 1385 | 1386 | 1387 | 1388 | 1389 | 1390 | 1391 | 1392 | 1393 | 1394 | 1395 | 1396 | 1397 | 1398 | 1399 | 1400 | 1401 | 1402 | 1403 | 1404 | 1405 | 1406 | 1407 | 1408 | 1409 | 1410 | 1411 | 1412 | 1413 | 1414 | 1415 | 1416 | 1417 | 1418 | 1419 | 1420 | 1421 | 1422 | 1423 | 1424 | 1425 | 1426 | 1427 | 1428 | 1429 | 1430 | 1431 | 1432 | 1433 | 1434 | 1435 | 1436 | 1437 | 1438 | 1439 | 1440 | 1441 | 1442 | 1443 | 1444 | 1445 | 1446 | 1447 | 1448 | 1449 | 1450 | 1451 | 1452 | 1453 | 1454 | 1455 | 1456 | 1457 | 1458 | 1459 | 1460 | 1461 | 1462 | 1463 | 1464 | 1465 | 1466 | 1467 | 1468 | 1469 | 1470 | 1471 | 1472 | 1473 | 1474 | 1475 | 1476 | 1477 | 1478 | 1479 | 1480 | 1481 | 1482 | 1483 | 1484 | 1485 | 1486 | 1487 | 1488 | 1489 | 1490 | 1491 | 1492 | 1493 | 1494 | 1495 | 1496 | 1497 | 1498 | 1499 | 1500 | 1501 | 1502 | 1503 | 1504 | 1505 | 1506 | 1507 | 1508 | 1509 | 1510 | 1511 | 1512 | 1513 | 1514 | 1515 | 1516 | 1517 | 1518 | 1519 | 1520 | 1521 | 1522 | 1523 | 1524 | 1525 | 1526 | 1527 | 1528 | 1529 | 1530 | 1531 | 1532 | 1533 | 1534 | 1535 | 1536 | 1537 | 1538 | 1539 | 1540 | 1541 | 1542 | 1543 | 1544 | 1545 | 1546 | 1547 | 1548 | 1549 | 1550 | 1551 | 1552 | 1553 | 1554 | 1555 | 1556 | 1557 | 1558 | 1559 | 1560 | 1561 | 1562 | 1563 | 1564 | 1565 | 1566 | 1567 | 1568 | 1569 | 1570 | 1571 | 1572 | 1573 | 1574 | 1575 | 1576 | 1577 | 1578 | 1579 | 1580 | 1581 | 1582 | 1583 | 1584 | 1585 | 1586 | 1587 | 1588 | 1589 | 1590 | 1591 | 1592 | 1593 | 1594 | 1595 | 1596 | 1597 | 1598 | 1599 | 1600 | 1601 | 1602 | 1603 | 1604 | 1605 | 1606 | 1607 | 1608 | 1609 | 1610 | 1611 | 1612 | 1613 | 1614 | 1615 | 1616 | 1617 | 1618 | 1619 | 1620 | 1621 | 1622 | 1623 | 1624 | 1625 | 1626 | 1627 | 1628 | 1629 | 1630 | 1631 | 1632 | 1633 | 1634 | 1635 | 1636 | 1637 | 1638 | 1639 | 1640 | 1641 | 1642 | 1643 | 1644 | 1645 | 1646 | 1647 | 1648 | 1649 | 1650 | 1651 | 1652 | 1653 | 1654 | 1655 | 1656 | 1657 | 1658 | 1659 | 1660 | 1661 | 1662 | 1663 | 1664 | 1665 | 1666 | 1667 | 1668 | 1669 | 1670 | 1671 | 1672 | 1673 | 1674 | 1675 | 1676 | 1677 | 1678 | 1679 | 1680 | 1681 | 1682 | 1683 | 1684 | 1685 | 1686 | 1687 | 1688 | 1689 | 1690 | 1691 | 1692 | 1693 | 1694 | 1695 | 1696 | 1697 | 1698 | 1699 | 1700 | 1701 | 1702 | 1703 | 1704 | 1705 | 1706 | 1707 | 1708 | 1709 | 1710 | 1711 | 1712 | 1713 | 1714 | 1715 | 1716 | 1717 | 1718 | 1719 | 1720 | 1721 | 1722 | 1723 | 1724 | 1725 | 1726 | 1727 | 1728 | 1729 | 1730 | 1731 | 1732 | 1733 | 1734 | 1735 | 1736 | 1737 | 1738 | 1739 | 1740 | 1741 | 1742 | 1743 | 1744 | 1745 | 1746 | 1747 | 1748 | 1749 | 1750 | 1751 | 1752 | 1753 | 1754 | 1755 | 1756 | 1757 | 1758 | 1759 | 1760 | 1761 | 1762 | 1763 | 1764 | 1765 | 1766 | 1767 | 1768 | 1769 | 1770 | 1771 | 1772 | 1773 | 1774 | 1775 | 1776 | 1777 | 1778 | 1779 | 1780 | 1781 | 1782 | 1783 | 1784 | 1785 | 1786 | 1787 | 1788 | 1789 | 1790 | 1791 | 1792 | 1793 | 1794 | 1795 | 1796 | 1797 | 1798 | 1799 | 1800 | 1801 | 1802 | 1803 | 1804 | 1805 | 1806 | 1807 | 1808 | 1809 | 1810 | 1811 | 1812 | 1813 | 1814 | 1815 | 1816 | 1817 | 1818 | 1819 | 1820 | 1821 | 1822 | 1823 | 1824 | 1825 | 1826 | 1827 | 1828 | 1829 | 1830 | 1831 | 1832 | 1833 | 1834 | 1835 | 1836 | 1837 | 1838 | 1839 | 1840 | 1841 | 1842 | 1843 | 1844 | 1845 | 1846 | 1847 | 1848 | 1849 | 1850 | 1851 | 1852 | 1853 | 1854 | 1855 | 1856 | 1857 | 1858 | 1859 | 1860 | 1861 | 1862 | 1863 | 1864 | 1865 | 1866 | 1867 | 1868 | 1869 | 1870 | 1871 | 1872 | 1873 | 1874 | 1875 | 1876 | 1877 | 1878 | 1879 | 1880 | 1881 | 1882 | 1883 | 1884 | 1885 | 1886 | 1887 | 1888 | 1889 | 1890 | 1891 | 1892 | 1893 | 1894 | 1895 | 1896 | 1897 | 1898 | 1899 | 1900 | 1901 | 1902 | 1903 | 1904 | 1905 | 1906 | 1907 | 1908 | 1909 | 1910 | 1911 | 1912 | 1913 | 1914 | 1915 | 1916 | 1917 | 1918 | 1919 | 1920 | 1921 | 1922 | 1923 | 1924 | 1925 | 1926 | 1927 | 1928 | 1929 | 1930 | 1931 | 1932 | 1933 | 1934 | 1935 | 1936 | 1937 | 1938 | 1939 | 1940 | 1941 | 1942 | 1943 | 1944 | 1945 | 1946 | 1947 | 1948 | 1949 | 1950 | 1951 | 1952 | 1953 | 1954 | 1955 | 1956 | 1957 | 1958 | 1959 | 1960 | 1961 | 1962 | 1963 | 1964 | 1965 | 1966 | 1967 | 1968 | 1969 | 1970 | 1971 | 1972 | 1973 | 1974 | 1975 | 1976 | 1977 | 1978 | 1979 | 1980 | 1981 | 1982 | 1983 | 1984 | 1985 | 1986 | 1987 | 1988 | 1989 | 1990 | 1991 | 1992 | 1993 | 1994 | 1995 | 1996 | 1997 | 1998 | 1999 | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 | 2026 | 2027 | 2028 | 2029 | 2030 | 2031 | 2032 | 2033 | 2034 | 2035 | 2036 | 2037 | 2038 | 2039 | 2040 | 2041 | 2042 | 2043 | 2044 | 2045 | 2046 | 2047 | 2048 | 2049 | 2050 | 2051 | 2052 | 2053 | 2054 | 2055 | 2056 | 2057 | 2058 | 2059 | 2060 | 2061 | 2062 | 2063 | 2064 | 2065 | 2066 | 2067 | 2068 | 2069 | 2070 | 2071 | 2072 | 2073 | 2074 | 2075 | 2076 | 2077 | 2078 | 2079 | 2080 | 2081 | 2082 | 2083 | 2084 | 2085 | 2086 | 2087 | 2088 | 2089 | 2090 | 2091 | 2092 | 2093 | 2094 | 2095 | 2096 | 2097 | 2098 | 2099 | 2100 | 2101 | 2102 | 2103 | 2104 | 2105 | 2106 | 2107 | 2108 | 2109 | 2110 | 2111 | 2112 | 2113 | 2114 | 2115 | 2116 | 2117 | 2118 | 2119 | 2120 | 2121 | 2122 | 2123 | 2124 | 2125 | 2126 | 2127 | 2128 | 2129 | 2130 | 2131 | 2132 | 2133 | 2134 | 2135 | 2136 | 2137 | 2138 | 2139 | 2140 | 2141 | 2142 | 2143 | 2144 | 2145 | 2146 | 2147 | 2148 | 2149 | 2150 | 2151 | 2152 | 2153 | 2154 | 2155 | 2156 | 2157 | 2158 | 2159 | 2160 | 2161 | 2162 | 2163 | 2164 | 2165 | 2166 | 2167 | 2168 | 2169 | 2170 | 2171 | 2172 | 2173 | 2174 | 2175 | 2176 | 2177 | 2178 | 2179 | 2180 | 2181 | 2182 | 2183 | 2184 | 2185 | 2186 | 2187 | 2188 | 2189 | 2190 | 2191 | 2192 | 2193 | 2194 | 2195 | 2196 | 2197 | 2198 | 2199 | 2200 | 2201 | 2202 | 2203 | 2204 | 2205 | 2206 | 2207 | 2208 | 2209 | 2210 | 2211 | 2212 | 2213 | 2214 | 2215 | 2216 | 2217 | 2218 | 2219 | 2220 | 2221 | 2222 | 2223 | 2224 | 2225 | 2226 | 2227 | 2228 | 2229 | 2230 | 2231 | 2232 | 2233 | 2234 | 2235 | 2236 | 2237 | 2238 | 2239 | 2240 | 2241 | 2242 | 2243 | 2244 | 2245 | 2246 | 2247 | 2248 | 2249 | 2250 | 2251 | 2252 | 2253 | 2254 | 2255 | 2256 | 2257 | 2258 | 2259 | 2260 | 2261 | 2262 | 2263 | 2264 | 2265 | 2266 | 2267 | 2268 | 2269 | 2270 | 2271 | 2272 | 2273 | 2274 | 2275 | 2276 | 2277 | 2278 | 2279 | 2280 | 2281 | 2282 | 2283 | 2284 | 2285 | 2286 | 2287 | 2288 | 2289 | 2290 | 2291 | 2292 | 2293 | 2294 | 2295 | 2296 | 2297 | 2298 | 2299 | 2300 | 2301 | 2302 | 2303 | 2304 | 2305 | 2306 | 2307 | 2308 | 2309 | 2310 | 2311 | 2312 | 2313 | 2314 | 2315 | 2316 | 2317 | 2318 | 2319 | 2320 | 2321 | 2322 | 2323 | 2324 | 2325 | 2326 | 2327 | 2328 | 2329 | 2330 | 2331 | 2332 | 2333 | 2334 | 2335 | 2336 | 2337 | 2338 | 2339 | 2340 | 2341 | 2342 | 2343 | 2344 | 2345 | 2346 | 2347 | 2348 | 2349 | 2350 | 2351 | 2352 | 2353 | 2354 | 2355 | 2356 | 2357 | 2358 | 2359 | 2360 | 2361 | 2362 | 2363 | 2364 | 2365 | 2366 | 2367 | 2368 | 2369 | 2370 | 2371 | 2372 | 2373 | 2374 | 2375 | 2376 | 2377 | 2378 | 2379 | 2380 | 2381 | 2382 | 2383 | 2384 | 2385 | 2386 | 2387 | 2388 | 2389 | 2390 | 2391 | 2392 | 2393 | 2394 | 2395 | 2396 | 2397 | 2398 | 2399 | 2400 | 2401 | 2402 | 2403 | 2404 | 2405 | 2406 | 2407 | 2408 | 2409 | 2410 | 2411 | 2412 | 2413 | 2414 | 2415 | 2416 | 2417 | 2418 | 2419 | 2420 | 2421 | 2422 | 2423 | 2424 | 2425 | 2426 | 2427 | 2428 | 2429 | 2430 | 2431 | 2432 | 2433 | 2434 | 2435 | 2436 | 2437 | 2438 | 2439 | 2440 | 2441 | 2442 | 2443 | 2444 | 2445 | 2446 | 2447 | 2448 | 2449 | 2450 | 2451 | 2452 | 2453 | 2454 | 2455 | 2456 | 2457 | 2458 | 2459 | 2460 | 2461 | 2462 | 2463 | 2464 | 2465 | 2466 | 2467 | 2468 | 2469 | 2470 | 2471 | 2472 | 2473 | 2474 | 2475 | 2476 | 2477 | 2478 | 2479 | 2480 | 2481 | 2482 | 2483 | 2484 | 2485 | 2486 | 2487 | 2488 | 2489 | 2490 | 2491 | 2492 | 2493 | 2494 | 2495 | 2496 | 2497 | 2498 | 2499 | 2500 | 2501 | 2502 | 2503 | 2504 | 2505 | 2506 | 2507 | 2508 | 2509 | 2510 | 2511 | 2512 | 2513 | 2514 | 2515 | 2516 | 2517 | 2518 | 2519 | 2520 | 2521 | 2522 | 2523 | 2524 | 2525 | 2526 | 2527 | 2528 | 2529 | 2530 | 2531 | 2532 | 2533 | 2534 | 2535 | 2536 | 2537 | 2538 | 2539 | 2540 | 2541 | 2542 | 2543 | 2544 | 2545 | 2546 | 2547 | 2548 | 2549 | 2550 | 2551 | 2552 | 2553 | 2554 | 2555 | 2556 | 2557 | 2558 | 2559 | 2560 | 2561 | 2562 | 2563 | 2564 | 2565 | 2566 | 2567 | 2568 | 2569 | 2570 | 2571 | 2572 | 2573 | 2574 | 2575 | 2576 | 2577 | 2578 | 2579 | 2580 | 2581 | 2582 | 2583 | 2584 | 2585 | 2586 | 2587 | 2588 | 2589 | 2590 | 2591 | 2592 | 2593 | 2594 | 2595 | 2596 | 2597 | 2598 | 2599 | 2600 | 2601 | 2602 | 2603 | 2604 | 2605 | 2606 | 2607 | 2608 | 2609 | 2610 | 2611 | 2612 | 2613 | 2614 | 2615 | 2616 | 2617 | 2618 | 2619 | 2620 | 2621 | 2622 | 2623 | 2624 | 2625 | 2626 | 2627 | 2628 | 2629 | 2630 | 2631 | 2632 | 2633 | 2634 | 2635 | 2636 | 2637 | 2638 | 2639 | 2640 | 2641 | 2642 | 2643 | 2644 | 2645 | 2646 | 2647 | 2648 | 2649 | 2650 | 2651 | 2652 | 2653 | 2654 | 2655 | 2656 | 2657 | 2658 | 2659 | 2660 | 2661 | 2662 | 2663 | 2664 | 2665 | 2666 | 2667 | 2668 | 2669 | 2670 | 2671 | 2672 | 2673 | 2674 | 2675 | 2676 | 2677 | 2678 | 2679 | 2680 | 2681 | 2682 | 2683 | 2684 | 2685 | 2686 | 2687 | 2688 | 2689 | 2690 | 2691 | 2692 | 2693 | 2694 | 2695 | 2696 | 2697 | 2698 | 2699 | 2700 | 2701 | 2702 | 2703 | 2704 | 2705 | 2706 | 2707 | 2708 | 2709 | 2710 | 2711 | 2712 | 2713 | 2714 | 2715 | 2716 | 2717 | 2718 | 2719
Danke für Ihr Reinschauen und herzliche Grüße...
Xobor Xobor Blogs
Datenschutz